Entre dos Tierras

Nummer 3 hat keinen Kater, sondern nur keine Lust auf Hausaufgaben.

Nummer 3 hat keinen Kater, sondern nur keine Lust auf Hausaufgaben.

Dieses Lied hat man für mich während der Abiturfeier gespielt. „Zwischen zwei Welten“, das war damals wohl der Ausdruck meiner Mitschüler für die Tatsache, dass ich mich (mindestens) während meiner Freizeit gedanklich vorwiegend in diversen Fantasiewelten befand und für diese geistige Teilabwesenheit auch bekannt war.

Heutzutage befinde ich mich wieder zwischen zwei Welten. Das zu beobachten, hatte ich letzte Woche auf der Weihnachtsfeier unserer Firma Gelegenheit. Ich arbeite am engsten mit den Kollegen aus unserem Düsseldorfer Büro zusammen, die für ihre Lautstärke und Trinkfestigkeit bekannt sind (und diesem Ruf mal wieder alle Ehre machen wollten). Da ich aber im Unternehmen eine gewisse Vorbildfunktion habe, muss ich bei solchen Gelegenheiten meinen Alkoholkonsum zumindest soweit einschränken, dass ich mir nicht erst am nächsten Morgen anhöre, was ich so getrieben habe. Außerdem kann ich es mir nicht erlauben, am nächsten Tag noch komplett durchzuhängen …

Dementsprechend war ich etwas zurückhaltend, als einige Kollegen um halb drei noch weiterziehen wollten. Sie waren ziemlich betrunken – so betrunken war ich seit fünfzehn Jahren nicht mehr – und verstanden nicht recht, warum ich mich abseilen wollte.

Ganz im Ernst, Geschäftsreisen mit Übernachtung gehören schon zu den Gelegenheiten, wo ich auch mal etwas mehr trinke und es ein wenig später werden lasse. Das hat auch damit zu tun, dass man mit Leuten, mit denen mal mal getrunken hat, auch in Krisenzeiten besser arbeiten kann. Die Germanen haben nicht umsonst auf Besäufnisse gesetzt, um einen Friedensbeschluss zu besiegeln.

Trotzdem ist irgendwie völlig klar, dass ich nicht einfach bis sechs Uhr durchsaufe, um dann am nächsten Tag komplett unbrauchbar zu sein. Das ist in einem Leben wie meinem einfach nicht drin. Ich kann ja schlecht zu den Kindern sagen:

„Lasst mich mal bitte in Ruhe, ich habe einen üblen Kater.“

Dazu kam noch, das ich für den nächsten Abend eigentlich mit meiner Frau verabredet war – ein Date, bei dem man sich schlecht mit einem Kater vom Kaliber einer Großkatze zeigen kann. Ich blockte weitere Überzeugungsversuche am Ende mit folgender Antwort ab:

„Ich kann aus persönlichen Gründen nicht vertreten, jetzt noch weiter mit Euch mitzukommen.“

Die konsequente Orientierung auf den nächsten Tag und die eigene „Funktionstüchtigkeit“ – selbst wenn es in diesem Fall um etwas Schönes ging – fiel mir vor allem deshalb auf, weil ich meine frühe Adoleszenz durchaus öfter einmal sorglos und vollkommen breit verbracht habe – wie meine Kollegen es jetzt auch wieder getan haben. Zwei von ihnen mussten wir mit Schlägen vor die Hotelzimmertür wecken, damit sie es am nächsten Morgen mit zum Flughafen schafften 🙂

Es ist jetzt nicht so als dass ich es vermisse, mich am nächsten Tag wie ein Haufen Mist zu fühlen – aber die Freiheit, sich einfach so gehen lassen zu können, ist schon irgendwie beneidenswert.

Hemmungslose Vollräusche stehen jetzt also auch auf meiner Murtaugh-Liste. Was jetzt wirklich nur teilweise negativ ist. Aber ich vermute alle Eltern kennen die Sehnsucht nach einer Lebensphase, in der man einfach nicht immer an den nächsten Tag denken musste, oder?