Speculoos, Korting und Pommes frites: Ratet, wo wir waren

Da sind wir wieder, Ihr Lieben. Schön, wieder hier zu sein! 

Und wir haben einen echten, ehrlichen und hoffentlich unterhaltsamen Urlaubsbericht mitgebracht.

Wo waren wir?

Im belgischen Middelkerke, gelegen in Flandern. Ein klassischer Urlaubsort, historisches Seebad zur Zeit der Belle Epoque und mit sehr schönen Stränden ausgestattet.

Hier kommen die Fotos unseres Ferienhauses, es ist das Haus vorne im Bild:

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Hier der offene Kamin:

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Der Sanitärbereich:

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Das Schlafzimmer:

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Hier stehen unsere Schuhe im Flur:

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Nur Spaß! 😉

Das waren unsere Fotos von der „Domein Raversyde“, die berührend perfektionistische Rekonstruktion eines Fischerdorfes aus dem Jahr 1465. Für uns Mittelalter-Fans war das natürlich ein Kracher. Mit angeschlossenem Museum, alles anschaulich und kindgerecht. Dort befindet sich auch ein wunderbares Naturgebiet sowie der Atlantikwall – dazu später mehr.

Tag 1, Samstag

Wir kamen in unserem geräumigen Ferienhaus an, das wir über eine große Internet-Plattform für Ferienunterkünfte gebucht hatten. Es hatte eine sehr steile Treppe innen, deren Charakter sich dadurch auszeichnete, dass die Stufen im unteren Bereich idiotisch hoch und im oberen gefährlich kurz waren.

Sie waren kurz und dafür aber sehr rutschig.

Es gab oben in einem der drei Zimmer ein (altes) Reisebett mit harter „Matratze“ für Nummer 4 sowie in der Küche einen Babystuhl. Keinen Steckdosen- oder Treppenschutz. Aber gut, da muss man eben etwas mehr aufpassen – dafür hat man ja Urlaub.

Was es auch gab, war ein großer Hund.

Ich liebe Berner Sennenhunde. Mir kam das haarige, anhängliche Wesen zu Gute. Der Hund lag oder trottete den ganzen Tag auf dem Hof und langweilte sich. Er harrte vor der Tür auf und sprang uns an, wann immer wir das Haus verließen. Er klammerte sich mit den Pfoten an unsere Arme, wenn wir weitergehen wollten. Er suchte Aufmerksamkeit und Ansprache.

Kurzum: Er tat uns leid, wir mochten ihn, aber er bedeutete einen hohen Nerv-Faktor. Nummer 4 genoss Welpenschutz – aber verlässt man sich bei einem (fremden) Tier darauf? Und Nummer 3 hatte Angst. Wann immer man zur Tür sah, wollte er einem das Herz brechen. Und zwar auf diese Weise:

„Habt mich lieb, ihr Menschen. Ich brauche Liiiebe. Bütte!“

Der Ausblick in den Garten des Hauses war sehr schön, nach vorne heraus blickte man auf einen ömmeligen Hof, dem Hunde-Domizil. In einer kleinen Halle standen alte Elektrogeräte. Auf dem Hof selber lag ein zerkauter Schweineunterkiefer, wie ich identifizierte. Und ein Stück Tierschädel. Beides eben vom Hund zerkaut.

Dazu gab es die Ruine eines Schuppens, vorne offen – in dieser verrichtete der Hund dann sein Geschäfte. Viele Geschäfte. Ziemlich eklig irgendwie. Da dies ja ein ehrlicher Urlaubsbericht ist:

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Wir waren noch einkaufen, haben ausgepackt und dann ein Spiel gespielt, das wir in jedem Urlaub spielen: Jeder schreibt ein paar Sätze einer Geschichte. Das Thema wird zuvor festgelegt. Man lässt den Beginn seines jeweils letzten Satzes sichtbar. Dann schreibt der Nächste weiter. Am Ende liest man die zusammengesetzte, herrliche verdrehte Geschichte laut vor. Wir kringeln uns immer wieder dabei.

Hier übrigens noch mal die Bettwäsche mit dem Pearl Index 0. Diese befand sich auf einem sehr, sehr schmalen Bett. Wir haben prima geschlafen. Nicht:

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Tag 2, Sonntag

Sonntage können ja echt öde sein. Dieser begann auch irgendwie so.

Nachmittags waren wir dann aber am Meer. Dort gab es einen sehr schönen Spielplatz am Strand. Und Nummer 4 war überwältigt davon, im anscheinend größten Sandkasten der Welt zu sein.

Die Strandpromenade von Middelkerke zeichnete sich besonders durch die vielen Hochhäuser aus, in denen sich die unzähligen Ferienappartements befanden. Viele davon standen zum Verkauf. Ein Blick auf die Immobilienangebote zeigte: Eine solche Wohnung mit Meerblick kostete zwischen 190.000 und 420.000 Euro.

Na ja, schön fanden wir die Häuser nicht. Hier sieht man sie im Hintergrund:

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Die Geschäfte der Promenade waren leider nicht sehr schön. Eher so: Von der Sonne ausgebleichte Wasserspielzeuge gammeln verloren in Verkaufsständern herum. In den Türen stehen ausharrend schlecht gelaunte Verkäufer*innen. Man will nicht da rein. Und lässt es daher auch.

Da Nummer 4 noch immer einen ordentlich langen (Nach-)Mittagsschlaf macht, waren wir nachmittags im Ferienhaus festgepinnt.

Tag 3, Montag 

Wir haben den Atlantikwall besucht und waren in einem Modekaufhaus, wo es 70 Prozent Rabatt (Korting) auf eine Menge Klamotten gab.

Und wir waren wieder Lebensmittel und Leckerkrams einkaufen (hat uns am Ende des Schlemmerurlaubs nur ein Kilo mehr auf der Waage gekostet. Wir hatten anhand der Menge eher mit drei gerechnet …)

Durch helle Halogenbeleuchtung war das Wohnzimmer des Ferienhauses abends recht ungemütlich. Wir brauchten immer ein bisschen Wein, um uns da zu entspannen. Und um uns überhaupt zu entspannen. So richtig in Schwung kam der Urlaub nicht.

Wir blieben innerlich angespannt und gestresst.

Die Ausflüge waren allerdings bereichernde Abwechslungen:

Am Atlantikwall, einer riesigen Anlage aus dem Ersten Weltkrieg, entstand folgendes Foto – ziemlich niedliche Fotobombe, hm?:

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Der geschichtsträchtige Ort erstreckt sich über drei Orte. Middelkerke bildet hierbei die Mitte. Man kann in den Wall hinein, die engen Bunkergänge entlang. Es gibt eine Waffenkammer, Geschütze wie FLAK und Panzerbrecher sowie diverse Informationstafeln. Es ist ein heftiges Gefühl, in einem nachgestellten Schlafraum der Soldaten zu stehen und sich vorzustellen, wie man da wohl schlief, während man im Hinterkopf einen möglichen Alarm hatte.

Hier noch ein paar Eindrücke vom Atlantikwall:

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(Die Blumen im panzerbrechenden Geschütz sind von uns. Irgendwie konnten wir nicht anders 😉 )

Tag 4, Dienstag 

Dienstag war das Wetter immer noch mäßig und wir setzten auf den Freitag als nächsten Tag für einen Besuch am Strand:

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Tag 5, Mittwoch

Das Wetter taugte für einen Ausflug nach Brügge. Die mir oft angepriesene Stadt ist nur 30 Minuten von Middelkerke entfernt. Ich war sofort verliebt. Fans von historischen Städten und Bauwerken bekommen feuchte Augen. Wunderschön!

Klasse auch: Das Parkhaus. Zentral gelegen. Mit Musik. Und mit diesen Leuchten, die freie und belegte Plätze anzeigte sowie in blau Parkplätze für Menschen mit Behinderungen auswiesen:

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Wir besuchten das „Historium“ – eine unglaublich gut gemachte multimediale Ausstellung, die man auf dem Marktplatz findet.

Es wurde auf Bildschirmen in verschiedenen historisch rekonstruierten Räumen eine Geschichte projiziert. Ein Film eigens gedreht für diese Ausstellung. Lebensecht wirkende Figuren standen in Kulissen wie dem Maleratelier Van Eicks oder auf einem dunklen Markt (hier schneite es „echt“) sowie einem nach Salbeiseife duftenden Badehaus. Man ging von Raum zu Raum und hörte den Ton per Kopfhörer. Das war unglaublich gut gemacht.

Wir waren alle beeindruckt. Leider war dort das Fotografieren innerhalb nicht gestattet.

Daher hier ein paar Eindrücke des Großen Markts:

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Nach diesem schönen Erlebnis betätigte sich Nummer 4 dann als Crasher der Harmonie und brüllte. So kennen wir ihn gar nicht. Eine Mischung aus Überreizung und Übermüdung brachte ihn dazu, seine rückenschmerzgeplagte Mutter zu belagern. Ich trug ihn über 30 Minuten ununterbrochen, weil er zu niemand anderem auf den Arm und schon gar nicht in den Kinderwagen wollte.

Am Ende hatte ich üble Schmerzen und dann wollten gleich zwei Mal nacheinander ein paar Machos, das ich (augenscheinlich gerade echt gebeutelte Mutter) ihnen Platz machte und auswich, weil wir uns entgegenkamen. Hab ich aber nicht gemacht. Wir rempelten uns an den Schultern an. Sie guckten schwer irritiert. Die blöden Blicke munterten mich auf.

Abends dann mal wieder Chips und Wein. Mehr Wein als Chips …

Tag 6, Donnerstag

Wir wären nicht wir, wenn wir uns entmutigen ließen. Also fuhren wir wieder nach Brügge.

Zuvor erklärte ich Nummer 4, dass ich möchte, dass er dieses Mal nicht so viel weinen würde. Ich hätte ja verstanden, dass es ihm zu viel war. Aber das Schimpfen wiederum habe mich fertig gemacht. Er grinste charmant. Und war total ausgeglichen. Wie ausgewechselt.

Und dann hatten wir den ersten richtig tollen Urlaubstag. Sechs Stunden lang waren wir in Brügge. Bei herrlichem Wetter.

Wir streiften durch wunderbare Gassen, entdeckten pittoreske Plätzchen mit kleinen Cafés und einen riesigen Spielzeugladen mit Sommerschlussverkauf. (Der war sowieso überall in Brügge.)

Wir aßen belgische Pommes frites (ja, die sind echt so lecker, wie man sagt) und genossen Eis. Eis mit Speculoos-Geschmack (Spekulatius). Sehr yummy. Gibt es auch als Brotaufstrich und schmeckt wie diese kleinen Kekse, die man manchmal zum Kaffee bekommt. Den Aufstrich gibt es übrigens auch im gut sortierten Online-Versandhandel – falls Ihr es mal probieren wollt.

Noch ein paar bildhafte Eindrücke gefällig? Aber gerne:

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Und dann landeten wir vor einem der zahlreichen luxuriös ausgestatteten Schaufenster. Ich sah diese Tasche:

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Ich: „Oh, Mädels! Guckt mal! Die Tasche!“

Nummer 2: „Chic! Würde dir gut stehen. Aber die kostet ja 225 Euro!“

Ich (gespielt unterkühlt und fies): „Ja, hätte ich euch nicht, hätte ich eine Menge solcher Handtaschen. Also benehmt euch auch wie Handtaschen …“

Die Großen lachten.

Nummer 3 nicht. Von ihr kam, gewohnt trocken: „Klasse. Echt. Ich kann mich ja schon mal an deinen Arm hängen.“

Tag 7, Freitag

Strandwetter! 27 Grad.

Ja, das war nicht heiß. Aber trotz des Windes warm genug.

Wir haben es genossen. Nummer 4 liebte den Sand, wir relaxten an der Strandmuschel, die Größeren waren im Meer. Nummer 3 trug, wie immer, ihre Schwimmweste. Ja, da waren keine anderen Kinder mit einer aufgepusteten Sicherung. Aber sie und ich, wir finden das eben gut.

Mr. Essential und ich bekamen richtig gute Laune. Und wir machen ein paar Fotos von mir in meinem neuen Bikini. Eigentlich trag ich seit 13 Jahren keine Bikinis mehr. Aber dieser ist ein High-Waist-Bikini – so ein 50er-Jahre-Teil. Und der ist Mamabauch-freundlich. Ich bin da ja etwas übergenau. Um mich herum gab es noch genug Frauen am Strand mit Tigerstripes. Aber ich behalte meine nach wie vor lieber für mich.

Der Bikini inspirierte irgendwie zu Pin-Up-Posen. Warum auch immer. Ich hatte tolle blaue Flecken an den Beinen. Von den Krallen des mich sehr liebenden und sehr anspringenden Hundes. Und ein Kilo mehr drauf. Speculoos, Ihr wisst …

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Kuckuck! Hier hat jemand authentisch schwarze Fingernägelchen:

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Nummer 2 nähert sich den Fluten:

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So also fühlt sich entspannte, gute Laune an!

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Nachmittags waren wir dann in Oostende in einem sehr hübschen, alten Park. Mit einem Musikpavillon von 1865 und alten Steinbrücken, die verträumt zwischen üppigen Trauerweiden über plätscherndes Wasser führten.

Das war ein herrlicher Abschluss.

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Besonders war auch der Blick aus dem Park heraus in die Stadt. Als sei man in einer grünen Oase, mitten im Trubel:

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Tag 8, Samstag

Es ging nach Hause. Wir haben gepackt, das Ferienhaus ausgefegt und den Schlüssel abgegeben.

Die Fahrt dauerte knapp 3 Stunden und war bis auf eine müde Phase Nummer 4s sehr angenehm. Es war toll, nach Hause zu kommen, ohne eine feuchte Ruine vorzufinden.

Ihr erinnert Euch?

August 60

Wir hoffen, Ihr hatten auch schöne Urlaube oder werdet sie in den kommenden Wochen noch erleben!

Vielleicht habt Ihr Euch etwas schneller entspannen können. Wir haben drei Tage gebraucht, um vom Alltag runterzukommen.

Aber dann war es sehr schön. Mal rauszukommen, etwas Anderes zu erleben als das Alltägliche – das war schon klasse.

Nächstes Jahr werden wir aber einen urlaub verbringen wollen, in dem wir etwas weniger einkaufen und kochen. Vielleicht buchen wir etwas im Center Parcs?

Ward Ihr auch schon mal in Belgien? Oder sogar in Brügge? Habt Ihr Erfahrungen mit Center Parcs? Wir freuen uns über Eure Erfahrungen und Tipps:-)

Gestern, heute, morgen

Gestern Morgen um Acht habe ich mich gefreut, dass kein Alltag herrschte.

Die Handwerker waren dann um halb Zehn da und begannen zu streichen, brachten die schicken hohen Fußleisten an und Nummer 4 wollte ihnen dabei zusehen.

Und mitmachen.

Den ganzen Tag lang bis um 16 Uhr. Denn da machten sie Feierabend.

Ich saß und stand dauernd im Flur, drückte ihm Ungefährliches in die Hand, weil er ständig nach den Bohrern und Hämmern griff und guckte zwischendurch auf die Uhr.

Nachmittags bin ich mit Nummer 2 und Nummer 3 zum Second Hand, um meine Sachen dort abzuholen, aber wegen der miesen Wetterlage hatte noch fast niemand etwas von den Sommerklamotten gekauft. Also noch schnell in den Drogeriemarkt. In beiden Geschäften bettelte mich Nummer 3 an und redete so viel, dass ich natürlich mal wieder etwas vergessen habe, weil ich auf der Flucht vor dem kleinen Plappernator hektisch durch die Gänge raste.

Nummer 4 wurde zuhause von Nummer 1 betreut. Eigentlich dachte ich, er würde schlafen – aber das hatte er wohl nicht eingesehen und so hatte sie sich sehr lieb eine Stunde um ihn zu kümmern.

Heute ist nur ein Handwerker da, der weiter streicht und Fußleisten anbringt. Draußen ist es heiß und wir bleiben bei zugezogenen Vorhängen und heruntergelassenen Rollos drinnen.

Nummer 4 versuchte mehrmals, hinter den großen Rollschrank zu geraten, den ich mitten in den Flur geschoben habe, um ihn vom Handwerker sowie dessen Farben und Geräten fernzuhalten. Das gab großen Protest. Nun beschäftigen wir hier seit drei Stunden abwechselnd den kleinen Rabauken im Wohnzimmer und in der Küche. Er ist nölig wegen des Klimas. Wir sind das auch.

Fast grenzt es an Langeweile, den ganzen Tag irgendwo zu hocken und hinter ihm her zu flitzen. Davon nehme ich mir gleich eine Auszeit mit Kofferpacken. Dabei höre ich dann ein Hörbuch. Im Moment ist das „Passagier 23“ von Thomas Fitzek. Davor hörte ich „Das Kind“ vom gleichen Autor. Letzteres als Hörspiel, das übrigens richtig, richtig gut war.

Morgen kommt, wie Ihr sicher raten könnt, der Handwerker. Vielleicht wieder mit dem Kollegen. Bald geht es in den Urlaub. Bis dahin packe ich für uns alle, habe die Liste mit dem nötigen Krams abgearbeitet und fahre abends für die Zeit im Ferienhaus und die Fahrt einkaufen.

Ansonsten werden wir wieder Nummer 4 beschäftigen.

Ich muss dann auch en Badezimmer-Installateur anrufen, der dies bestimmt heute vergessen wird. Dann haben wir vielleicht noch vor dem Urlaub wieder ein Badezimmer. Aber vermutlich gibt es die im letzten Post erwähnten Lieferschwierigkeiten … 😀

Urlaubszeit

Die Urlaubszeit ist da. 

Ich denke darüber nach, wie ich es dieses Mal schaffe, rechtzeitig so viel Wäsche wie möglich vorher wegzuarbeiten, alles sauber zu machen und aufzuräumen.

Ich habe das im letzten Jahr auch gemacht. So gründlich, dass ich mich auf die Rückkehr freute. Ich wusste, wir kommen zu leeren Wäschebehältern, einer nicht-leeren Vorratskammer und in ein tiptop gepflegtes Haus zurück.

Dann kam der Wasserschaden.

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Und er blieb. Ja, er kam Ende Juli 2014 und diese Woche kommen immer noch die Maler. Wir leben seit einem Jahr in einer Dauer-Baustelle.

Grund war ein kleiner, porös gewordener Flex-Schlauch unter einem Waschbecken der ersten Etage. Und weil das hier nun mal ein Holzhaus ist, kann das Wasser überall hin fließen/zischen/tröpfeln/regnen. In das Parkett, das in Wellen bis zu 30 Zentimeter vom Boden abhebt. Oder in die Wände hinein, die sich verziehen. Und unter das Badezimmer in die Zwischendecke, die eine mit Lehm gefüllte Öko-Fußbodenheizung ist.

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Folgen: Bad musste komplett erneuert werden, was ewig dauerte. Treppe musste komplett erneuert werden. Decke im Unterschoss wurde lackiert, weil sie rabenschwarze Wasserflecken im Naturholz hatte. Das Parkett in der unteren Etage musste ersetzt werden. Wände wurden herausgesägt, erneuert, tapeziert und (diese Woche) gestrichen.

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Widrigkeiten in all dem:

Es wurde beim Renovieren in ein Heizungsrohr geschraubt, alles wurde wieder nass.

Mann musste dauernd auf irgendwas oder irgendwen warten: Instandsetzungs-Firma, Gutachter, Handwerker, Kostenvoranschläge …

Dauernd passte etwas nicht, klappte nicht, dauerte dreißig Mal so lange wie gehofft oder geplant und so weiter.

Miese Erinnerungen

Wir kamen also nicht in das supergut vorbereitete Haus.

Sondern eine nasse, nach finnischer Sauna stinkende Bude voller verquollenem Holz. Wir durften gleich wieder ausziehen und für vier Wochen beim Opa wohnen. Alle zusammen.

Netter Weise hat der Opa Platz und Nerven gehabt. Und fuhr selber in einen Urlaub, weil wir ja auf Haus und Katze aufpassen konnten. So war es für alle sehr gut gelöst. Vor allem, weil er schon lange von einem bestimmten Radel-Urlaub geträumt hatte aber die Katze nicht so lange in fremde Obhut geben wollte.

Unsere Katzen mussten wir dann natürlich täglich füttern fahren. Ich fuhr 30 Minuten hin und wieder zurück. Abends fuhr Mr. Essential vorbei und fütterte sie noch mal. K1 schlitzte sich dann noch irgendwie die Brust auf, musste abends in die Tierklinik und wurde für fast 1.000 Euro wieder zusammengetackert.

Dann hatten wir die Katze mit Halskrause, frisch operiert und genäht zurück. Und wussten nicht wohin damit. Und so weiter. Wunde eiterte, wieder Tierklinik. Abends um 8 nach der Arbeit. All das eben.

Dann bekam ich diesen rasenden Puls, dachte, es sei der ganze Stress und ja, er war es wohl auch irgendwie: Die Schilddrüsenüberfunktion war da, weil mein Immunsystem mich selbst angriff.

Das sprach Bände.

Es gab Tabletten.

Wir durften wieder zurück in die Baustelle.

Dort begann Nummer 4 irgendwann zu krabbeln. Über einen Boden, der nur aus splittrigem OSB bestand. Auf diesem Schrott feierten wir Weihnachten und Geburtstage. Nummer 1 wurde 12, Nummer 4 wurde 1, ich hatte auch Geburtstag, dann Nummer 2 und letztlich Nummer 3.

Keine Tapete, kein Treppengeländer, Monate lang im Wohnzimmer kein richtiger Bodenbelag. Überall Staub und Dreck.

Wenn ich das Wort Urlaub höre, dann denke ich an all das.

Nach einem Jahr Dauerbaustelle fühle ich mich selbst wie eine solche. Das tun wir beide. Mr. Essential und ich.

Und für Mr. Essential prägte ich eben folgenden Spruch (weil er ein Urlaubs-Muffel ist):

„Urlaub ist, wenn man sich woanders nicht entspannen kann.“

Ich habe vorhin bereits für Nummer 4 die Basis-Sachen gepackt. Nachher erledige ich das für Nummer 3. Die Großen können das alleine. Dann mache ich parallel meine übliche Liste mit dem Zeug, an das man unbedingt denken muss.

Dieses Mal werde nicht nur mit Vorfreude fahren, sondern mit jenem subtil mulmigem Gefühl, das der letzte Urlaub hinterließ, glaube ich.

Immerhin wartet dann ein halbwegs kernsaniertes Haus auf mich.

Ich versuche das positiv zu sehen: Bad, Parkett, Treppe – hätte eh alles neu gemacht werden müssen während der nächsten Jahre. Trotzdem war es zum K*** dauernd mit lärmenden, staubenden Fremden zusammen zu leben, die selten wie angekündigt auftauchten. Viele von ihnen war sehr nett und sehr kompetent. Einige gar nicht. Und wegen denen verzögerte sich dann wieder alles.

Die letzten Installationen am Bad müssen diese Woche gemacht werden. Auch da war etwas verbockt worden und es mussten daher neue Teile bestellt werden. Manche waren einfach während der letzten 11 Monate weggeworfen worden. Von irgendeinem der Fremden in unserem Haus. Mal sehen, welche Lieferschwierigkeiten es da geben wird … aber da ich die Zielgerade vor mir habe, werde ich es stoisch ertragen.

Bald mache ich dann für Euch die große Vorher-Währenddessen-Nachher-Fotoshow.

P.S.:

Wenn Ihr in Urlaub fahrt: Dreht den Hauptwasserhahn unbedingt ab 😉

Warum „Heul doch“ nicht die richtige Antwort auf die Frage ist, ob man in der Elternzeit verreisen darf

Eigentlich wollte ich das hier als Facebook-Kommentar veröffentlichen, aber am Ende wurde es dann doch zu lang. Es geht um einen Kommentar zu folgendem Artikel:

DIE ELTERNZEIT IST NICHT ZUM VERREISEN DA!

Sowohl auf Facebook als auch in den Kommentaren selbst lässt sich der Tenor ganz gut mit „Heul doch!“ zusammenfassen. Größere Teile der Zielgruppe „Eltern“ sind offensichtlich not amused über diesen Artikel. Was mich ein wenig wundert …

Hintergrund meiner Verwunderung ist folgender: Es ist doch eine Tatsache, dass die Einführung des Elterngeldes die staatlichen Zuwendungen für Gutverdiener bis zu versechsfacht hat, während gleichzeitig die weniger gut gestellten nur noch die Hälfte bekommen.

(Vergleiche Elterngeld vs. Erziehungsgeld)

Jetzt müssen sich die Ärmeren (wobei sich jede Familie mit mehr als zwei Kindern quasi unabhängig vom Einkommen zu dieser Gruppe zählen muss, da vermutlich nicht beide Partner werden voll verdienen können und somit nur geringe Teile des Elterngelds abgeschöpft werden können) anschauen wie die Profiteure dieser Regelung mit staatlicher Unterstützung nach Bali fliegen. 🙂

Im Ernst: Individuell kann ich absolut nachvollziehen, dass man eine solche Möglichkeit nutzt. Und natürlich hat jeder deutsche Bürger das Recht, die staatlichen Transferleistungen zu nutzen, die ihm zustehen. Wozu natürlich das Elterngeld zweifelsohne gehört.

Was ich aber ein wenig vermisse ist ein Kommentar zum zweiten Tenor des Artikels – nämlich der Frage, ob Väter einen korrekten Eindruck vom Leben als „Verantwortlicher für ein Kind“ bekommen, wenn sie diese im Urlaub verbringen. Ich denke nämlich, dass sie das nicht tun. Viel zu oft sehe und höre ich noch in meinem Umfeld, wie Väter den „Ernst des Lebens“ vollumfänglich auf ihre Partnerinnen abladen.

„Abends mal ausgehen? Klar, mach ich gerne, aber Du?? Dann bin ich ja mit den Kindern alleine!“

„Wie jetzt, ich soll am Wochenende bei der Hausarbeit helfen?“

„Neee Kochen hab ich es jetzt nicht so mit …“

Die Beispiele sind jetzt fiktiv und überspitzt, aber ich hoffe der Gedanke wird klar. Von daher finde ich die Autorin tut recht darin zu kritisieren, dass Väter per Elternzeit die Vaterschaft als Halligalli erleben, denn ich habe Neuigkeiten: Eltern sein ist oft gerade nicht Halligalli. Und das hat jetzt nichts damit zu tun, das Oppa von vorm Krieg seine Bollerwagen-Geschichten erzählt. Selbst meine liebe Frau und ich erleben Situationen, in denen wir uns über die Lebenswelt des jeweils Anderen wundern. Wobei ich sagen muss dass sie meine besser versteht, da sie mal mit mir gearbeitet hat für 1,5 Jahre. Mütter werden eh viel zu oft herabgesetzt, sei es gesellschaftlich oder in einer Beziehung, und ihnen wird das Gefühl vermittelt dass ihr Job wenig Anerkennung wert sei und sie sich lieber eine „richtige“ Arbeit suchen sollten. Wie soll sich das jemals ändern wenn Väter jetzt die einzige Gelegenheit, den Alltag ihrer Partnerin zu erfahren, als Urlaub erleben? Ach ja, soll sich ja gar nicht ändern, denn Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik.

Disclaimer: Bei Nummer 1 und 2 war ich noch Student und habe im Home Office gearbeitet, das ist nah an der echten Elternzeit.  Bei Nummer 3 und 4 war ich Vollzeit berufstätig und wir konnten uns eine Elternzeit nicht leisten, da das unser Familieneinkommen zu stark belastet hätte. Ich weiß also nicht wovon ich spreche. 

Um sechs Uhr morgens von Leberwurst geweckt

Momentan haben wir Urlaub. Na was man so Urlaub nennt eben – im Angesicht diverser Babyanschaffungen und der Notwendigkeit eines neuen Durchlauferhitzers haben wir uns die Dominikanische Republik in diesem Jahr mal gespart. Das Ergebnis: Ich wurde heute morgen um sechs von seltsamen, scharrenden Geräuschen aus der Küche geweckt. Obwohl wir Katzen haben ist das eher unüblich (unsere Katzen sind nachts meistens mehr oder weniger freiwillig draußen), und diese Art von Geräusch kannte ich noch nicht. Also nahm ich meine Pistole/ Golfschläger/ Breitschwert unter dem Kopfkissen hervor und schlich in die Küche.

Was war geschehen? Einer unserer Kater hatte sich eine leere Leberwurstdose geschnappt und jagte sie mit der Zunge über den Boden. Wiederholt, da sie sich durch seine Bemühungen umgedreht hatte und ihm so auch die letzten Reste des kostbaren Inhalts verweigerte.

Im weiteren Verlauf des Tages verbrachte ich diverse Stunden damit, die Abfälle meines kürzlichen Apfelbaum-Kahlschlags transportfertig zu machen und am Ende zum Recyclinghof zu bringen, außerdem das Auto zu waschen und am Ende zwei Stunden lang Babynamen zu wälzen (für Jungs ein garstiges Unterfangen, meine Frau und ich haben Babynamen-Quartett gespielt und uns mit schrecklichen Namen beworfen, um diesen Schock zu verarbeiten). Schließlich kippte ich mir ein Bier hinter die Binde und schlief – während die Mädels Monster High guckten – für fünf Minuten den Schlaf des Gerechten.

Nummer 2 sprach mich währenddessen (erfolglos) an, was meine Frau wie folgt kommentierte: “Der Dad hat heute den ganzen Tag im Garten gearbeitet und dann Jungsnamen gewälzt, mit dem ist gerade nichts anzufangen.”

Ich ergänzte: “Außerdem bin ich um sechs Uhr morgens von Leberwurst geweckt worden.”

Nummer 2: “Von Leberwurst? Das glaubt Dir doch kein Mensch!”