Peak Schokolade

In einer monatelangen, vorwiegend von Rückschlägen und Misserfolgen geprägten Auseinandersetzung habe ich mich vor kurzem durchgesetzt: Wir kaufen keine Nuss-Nougat-Creme mehr.

Dabei ging es bei uns gar nicht primär um Ernährung. Es ist mehr der Effekt auf Kindergehirne (und Arbeitsplatten), den dieses Zeug hat. Nusspli&Co im Haus hießen: permanente Schokostreifen auf der Arbeitsplatte, begleitet von permanenten Krümeln. Und schokobeschmierten Messern. Und schokobeschmierten Gesichtern. Und schokobeschmierten Tapeten.

Ich habe oft gedroht, dass ich das nicht mehr lange dulden würde, wenn die Mädels ihren Konsum nicht mäßigen würden. Aber, wie so oft, ohne den Segen der Hausherrin war diese Drohung nicht viel wert. Bis es endlich gelang, meine Frau auf meine Seite zu bekommen.

Wir haben 3 Stufen durchlebt:

1. Wir haben regelmäßig Nusspli und Belmandel gekauft. Ergebnis: Die Kinder aßen NIX anderes, löffelten das Zeug teilweise weg und schmierten sich alle naselang zwischen den Mahlzeiten dick bestrichene Brote. Oft war der 400 Gramm-Becher am Tag nach dem Einkauf leer (sic!).

2. Wir haben das Zeug auf das Wochenendfrühstück beschränkt. Ergebnis: Der 400 Gramm-Becher war auf jeden Fall (!) Samstag bereits leer. Die Gesichter trotzdem beschmiert. Und die Zahl der Schokolöffel in der Küche nahm in dieser Zeit noch einmal zu.

An diesem Punkt war bei uns im Haus Peak Schokolade erreicht – die verfügbare Schokomenge würde nicht mehr zu, sondern nur noch abnehmen. Und wie schnell das ging – denn es kam Stufe 3:

3. Wir verlagerten uns bei der Frühstücksschokolade auf Eszet-Schnitten. Erwarteter Vorteil: Handlich, und in kleineren Portionen käuflich. Beim ersten Frühstück damit rasteten die Mädels aus und warfen sich gegenseitig vor, zu viele Eszet-Schnitten aufs Brot zu tun. Also endete auch diese Phase, da wir Frieden beim Frühstück wollten und keinen Krieg um die knappen Schokoressourcen.

Also bestätigte meine Frau:

„Wir kaufen das Zeug jetzt nicht mehr.“

Am Tag darauf klebte die halbe Küche voll mit Marmelade. Offensichtlich haben die kleinen Zuckerjunkies sich auf das rote Methadon verlegt – und pfeifen sich davon erhöhte Mengen rein. Ich wollte schon die DEA rufen, da meinte meine Frau:

„Dann kaufen wir halt auch keine Marmelade mehr.“

(Ja, die Linie bei uns zuhause wird härter – die Konservativen sind an der Macht.)

Am Wochenende fiel mir auf, dass ich selbst ja auch ganz gerne süß frühstücke. Nur ohne Marmelade, Nusspli, Belmandel oder Eszet-Schnitten wird das irgendwie nichts.

Ich: „Mist, ohne Marmelade habe ich jetzt auch nix Leckeres mehr zum Frühstücken.“

Meine Frau: „Dann kauf Dir eine, die die Kinder nicht mögen.“

Ich: „So wie Orangenschalenmarmelade? Aber die mag ich auch nicht!“

Meine Frau: „Frühstück so wie wir es mögen? Das ist ein Luxus, den wir uns nicht erlauben können.“

Was gibt es hier nochmal zu essen?

Vor einigen Jahren waren wir mit den Mädels vergleichsweise regelmäßig beim berühmten Schnellrestaurant mit dem gelben M. Zweimal im Monat, das ist häufiger als 95 Prozent aller Eltern, denn es geht ja eigentlich niemand hin. 😉

Die Gründe waren einfach: das Essen schmeckte den Kindern, es gab ein Spielzeug, die Preise sind familienfreundlich (knapp 4 Euro pro Kind statt 6 Euro für ein Kinderschnitzel plus 1-2 Getränke á 2,50, das macht bei einer gewissen Kinderzahl schon einen Unterschied). Und es gibt einen Spielplatz – welches Kind zwischen vier und sieben will denn einfach nur am Tisch sitzen und warten?

Nach unserem letzten Umzug ins eigene Haus vor bald zwei Jahren haben wir das erheblich reduziert. Wie erheblich, zeigte sich vorgestern, als meine Frau nach einem Verwandtenbesuch abends mit Nummer 3 da war. Ein Spielzeug hatte sie sich schnell ausgesucht, aber als es ans Essen ging fragte sie:

„Was gibt es hier nochmal?“

Wir waren dieses Wochenende zu Besuch bei Freunden in Norddeutschland (dazu später mehr). Da diese vegan leben, hat meine Frau geeignete Ingwer-Kekse gebacken als Mitbringsel. Als die Mädels aus der Schule kamen, äugten sie natürlich sehr interessiert nach den Keksen im Backofen. Kaum waren diese fertig, wollten sie auch probieren.

(Vegane Ingwer-Kekse sind übrigens für nicht-vegane Nicht-Ingwer-Liebhaber etwas schwer zu goutieren)

Nummer 2 kaute und verzog das Gesicht. Dann meinte sie: “Mama, jetzt hast Du doch diesen Stock gefunden, von dem der Dad letztens gesprochen hat.”

Meine Frau reagierte mit Ratlosigkeit. “Stock?”

„Ja, diesen Pfosten meine ich. Von dem der Dad erzählt hat.“

„Pfosten?“

Nummer 2 ärgerte sich ­– tut sie immer wenn sie nicht verstanden wird ­– und schloss ab: “Na diese Nische meine ich.”

Diese hier:
http://essentialunfairness.tumblr.com/post/53828891078/suche-deine-nische

Suche Deine Nische

Gestern beim Mittagessen gab es zwei Sorten Hela-Gewürzketchup – scharf und delikat. Mir fiel auf, dass wie so häufig niemand außer mir die Sorte scharf mochte. Ich freute mich also über eine ganze Tube Ketchup ohne klebrigen und verschmierten Deckel durch Kinderkontakt. Im vollen Bewusstsein dieses Luxus empfahl ich meiner Frau:

„Du musst Dir auch mal was suchen was sonst keiner mag, das ist super.“

„So was wie Sauerkraut?“

„Genau, so was wie Sauerkraut.“

„Ich mag aber kein Sauerkraut.“

„Wenn Du Dein Sauerkraut erst einmal ganz für Dich hast, wirst Du es zu schätzen wissen. Mistkäfer hat auch niemand gefragt ob sie Mist mögen – Du musst Dir halt eine Nische suchen!“