Mülltrennung

Meine Frau war vorgestern über Nacht bei Freunden. Als sie nachmittags nach Hause kam, hatte ich meine liebe Mühe mit den Kindern gehabt – sie haben zwar eigentlich nichts gemacht, aber genau das war das Problem. Während ich im Haushalt werkelte hatte sich den ganzen Tag über im 30-Minuten-Takt ein Mädel zu Wort gemeldet:

„Mir ist laaangweilg!“

Ich erwiderte, dass alle Eltern diese Aussage hassen, weil Ihnen niemals langweilig ist, und dass sie gefälligst spielen und Spaß haben sollen. War pädagogisch nicht sooo ausgereift und klappte irgendwie auch nicht. Eine halbe Stunde später stand dann die nächste wieder da.

Ich bemühte mich ein wenig lenkend einzugreifen und wenigstens zwei der drei Mädels miteinander spielmäßig zu verkoppeln. Aber wie es so ist an diesen Tagen:

„Ich will nicht mit Barbie spielen!“
„Und ich nicht mit Monster High!“
„Alles was Du spielen willst ist doof!“
„Selber Du …“

Dementsprechend klagte ich ein wenig mein Leid, als die Hausherrin wieder da war.

„Die Kinder sind doof heute.“

(Ich weiß, dass sehr viele Männer, wenn ihre Frauen irgendwann mal etwas für sich tun mit den Kindern irgendwelche Probleme kriegen. Dementsprechend fand ich das ein bißchen klischeehaft und peinlich, aber es musste irgendwie raus. Wobei das alle anderenvielleicht ja auch denken.)

Jedenfalls griff sie sofort beherzt ein:

„Euch ist langweilig? Ich habe auf der Einfahrt was tolles zum Spielen gesehen: Eure Katzen haben eine Ratte umgebracht. Die hat so richtig schön Maden im Gehirn, die könnt ihr jetzt erstmal wegmachen.“

Sie wollten nicht, aber ich schlug in die gleiche Kerbe und erinnerte daran, dass sie den ganzen Tag quasi nur genörgelt und wie die Zombies auf der Couch gehangen hatten. Also setzten sie sich murrend in Bewegung.

Eine Minute später hörten wir sie von der Einfahrt her kichern. Oha, dachten wir, wie immer: Sobald man sie aus der Bude jagt haben sie Spaß. Sogar, wenn sie eine Ratte aufsammeln müssen. Plötzlich hörten wir schnelle Schritte und Nummer 3 stand aufgeregt in der Tür:

„In welchen Müll kommen denn tote Ratten mit Maden im Gehirn?

Biomüll, antworteten wir.

Missglückte Scherzanrufe

Ab und an gibt es hier bei uns mysteriöse Anrufe. In der Leitung sind dann seltsame hohe Stimmen, die ein Taxi bestellen wollen oder so. Ich habe mich letztens gefragt, ob Scherzanrufe zu unserer Zeit auch so lahm waren. Beispiel:

Klingeling!

„Hallo?“

Mysteriöser Anrufer: „Ja, hier ist die Leonie, ist die Nummer 2 da?“

„Nummer 2, Telefon für Dich!“

Trapptrapptrapp. Wir überreichen Nummer 2 den Hörer. „Hier ist die Leonie für Dich.“

Nummer 2: „Hallo?“

Mysteriöser Anrufer (mit tiefer Stimme): „Hallo, hier ist der Dirk, wollen wir zusammen sein?“

Nummer 2 (genervt): „Leonie, meine Eltern haben mir gesagt, dass Du dran bist. Du hast Deinen Namen gesagt.“

Dirk (verzweifelt): „Hier ist nicht die Leonie, hier ist der Dirk.“

Nummer 2: „…“

Wie sagen wir im Internet dazu? Fail.

Gerade klingelte es wieder mal. Nummer 2 ging dran.

„Hallo?“

Mysteriöser Anrufer 2: „Boah, hier läuft gleich ein Fußballspiel, ich möchte eine Pizza mit Cola, die haben wir bestellt, wann kommt die denn endlich?“ (Panisches Kichern. Dann auflegen.)

Nummer 2 geht in die Liste der angenommenen Anrufe und ruft zurück. Zweimal Klingeln, dann geht jemand dran.

Nummer 2: „Du hast hier gerade angerufen und eine Pizza bestellt.“

Mysteriöser Anrufer 2: „Das stimmt gar nicht!“

Nummer 2: „Aber diese Nummer war in unserer Anrufliste. Vielleicht ist Euer Telefon kaputt?“ (grinsend)

Ich weiß, wir Erwachsenen behaupten gerne, dass früher alles besser war. Aber ich glaube, bei Scherzanrufen trifft das zu.