Die Zahnfee ist in der Gewerkschaft

Nummer 3 hat sich letztens spät am Abend einen Wackelzahn rausgemacht. Wie das Schicksal so spielt, spielte die Zahnfee um die Uhrzeit nicht mehr mit, und folglich – gab es NIX.

Am nächsten Morgen kam sie leicht enttäuscht die Treppe runter und verkündete:

„Ich glaube die Zahnfee arbeitet ab zehn Uhr einfach nicht mehr!

Heute morgen habe ich noch in der Brand Eins gehört, dass Freizeitforscher mittlerweile eine rote Nase bekommen, wenn man sie nach dem Begriff „Freizeit“ fragt. Weil Leben und Arbeiten immer mehr miteinander verschmelzen.

Das gilt offensichtlich nicht für Zahnfeen. Die haben schön ihren geregelten Feierabend und müssen dann nicht mehr auf ihr Smartphone gucken und E-Mails beantworten wie:

— Von: Back Office (office@toothfairiesintl.com)

Betreff: [Tooth Alert] Nummer 3 hat Zahn verloren

Nachricht:

Hallo Zahnfee XY,

Du hast eine neue Zahnabholung in Deinem Auftragseingang. Bitte besuche den folgenden Link, um die GPS-Koordinaten des Einsatzs abzurufen: (zensiert)

Kommentar: Bitte kümmere Dich umgehend um diesen Einsatz, wir haben Dich bereits mehrmals (!) darauf hingewiesen dass am nächsten Tag nicht schnell genug ist. Wir haben ein Brand Promise einzuhalten! —

Schöne alte Welt.

Moderner Kindergeburtstag

Meine Frau hielt mir letztens ihr Handy vor die Nase.

„Guck Dir das mal an!“ meinte sie.

Ich schaute auf das Display.

„Das ist eine Whatsapp-Gruppe,“ meinte ich. Sie rollte mit den Augen.

„Ja, eine Whatsapp-Gruppe namens ‚Lydias Kindergeburtstag‘. Ich will nicht wegen eines Kindergeburtstags in einer Whatsapp-Gruppe sein.“

Ich überlegte. „Vielleicht solltest Du aber wegen einem Kindergeburtstag in einer Whatsapp-Gruppe sein wollen, wenn Du eine gute Mutter wärst.“

„Wegen eines Kindergeburtstags,“ korrigierte sie mich kühl.

Wir grinsten. Das Problem war: Wenn man so eine Whatsapp-Gruppe verlässt, kriegen die Mitglieder so eine „XY hat die Gruppe verlassen“-Benachrichtigung. Das ist natürlich unhöflich. Andererseits kann man auch schlecht schreiben:

„Hallo zusammen, vielen Dank für die Einladung, ich möchte aber nicht in Eurer Gruppe sein. MfG XY“

Also doch einfach in der Gruppe bleiben?

„Kommt nicht in Frage,“ sagte mir der Blick meiner Frau.

Also überlegten wir gemeinsam, wie man sich da am besten aus der Affäre ziehen kann. Wie wäre es mit Ehrlichkeit?

„Danke für die Einladung! Es war schon immer mein Traum, für jeden Kindergeburtstag in eine eigene Whatsapp-Gruppe einzutreten. Leider habe ich drei schulpflichtige Kinder und jedes von ihnen ist pro Jahr auf mindestens sechs Kindergeburtstagen. Das macht pro Jahr 18 Kindergeburtstage. Wenn ich für jede davon in eine Whatsapp-Gruppe gehe, habe ich bis zum Ende der Schulzeit die 100 voll.“

Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass das nicht so gut ankommen würde. Also entschied meine Frau sich für die diplomatische Variante:

„Hallo! Das sind aber süße Bilder.“

Dann ist sie aus der Gruppe ausgetreten.

Disclaimer: No offense intended. Wir wissen, dass man Whatsapp prima für so etwas nutzen kann. Aber wenn man wie wir schon bald 30 Kindergeburtstage organisiert hat, neigt man zu Minimalismus. 😉

Sind Smartphones das neue Fast Food?

Eine amerikanische Ergotherapeutin hat heute in der Huffington Post eine Brandschrift gegen die Verbreitung von Smartphones unter Kindern veröffentlicht. Wir haben unseren großen Mädels auch schon zig Mal Smartphoneverbot angedroht, wenn sie uns mal wieder phubben. Von daher kann ich eine gewisse Skepsis bezüglich der übermäßigen Bildschirmaffinität durchaus nachvollziehen. Dennoch halte ich einige der Kausalitäten auf eine „Könnte-irgendjemand-auch-nur-ein-einziges-Mal-an-die-Kinder-denken“-Art für … überzogen bis hysterisch. Erstaunlicherweise kann man mit dieser Herangehensweise im Leser leicht das Gegenteil von dem erreichen, was man eigentlich bezweckt. Beispielsweise bei mir.

Ich habe schon so oft gehört, dass bereits Grundschulkinder einen eigenen Fernseher im Zimmer haben – da kann man jetzt nicht hingehen und Smartphones verteufeln. Wir nennen das gerne Bildschirmzeit – egal wieviel Zoll – und versuchen das insgesamt im Auge zu behalten. Second Screen ist übrigens verboten – man muss es ja nicht übertreiben mit den LCDs.