Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Immer mal wieder

Ich möchte gerne heute und in Zukunft mit Euch teilen, was ich bei meinen verehrten Blogger-KollegInnen an lustigen, spannenden, interessanten oder nachdenklichen Artikeln entdeckt habe.

Ich werde das von Zeit zu Zeit und erst einmal nicht unbedingt regelmäßig machen. Wenn ich merke, dass es Euch besonders gut gefällt, dann kann ich dies gerne als neue Rubrik einführen. Ansonsten teile ich einfach immer mal wieder.

Die Reihenfolge spiegelt nicht die Beliebtheit wieder, sondern unterliegt dem gerechten Gesetzt des Zufalls.

1. Schockierend und berührend

Am 15. Juni erschien der Artikel Der vierte Mann von Tina auf Werden und Sein. Der Text wird sicherlich vielen, besonders Müttern, unter die Haut gehen. Ich habe in meinem Kommentar dazu bereits angedeutet, das mich nicht mehr viel umhaut, weil ich selbst so viel erlebt habe. Zugleich aber besitze ich natürlich viel Empathie – aus demselben Grund. Daher überlese ich das, was weniger belastete Menschen erschreckt einfach als Fakt und nehme wahr, was aus dem einstigen traumatisierten Kind wurde. Wie es als erwachsener Mensch schreibt und empfindet.

Ich freue mich immer, wenn jemand es schafft, auszudrücken, was ihn einst prägte. Und sei es noch so negativ und traumatisierend. Solche Erlebnisse hinterlassen auch nach Jahrzehnten ihre deutlichen Spuren. Und zugleich geben sie die Chance, sehr stark zu werden.

Tinas Artikel hat eine Triggerwarnung: Es geht um alkoholkranke Eltern und Gewalt gegen Frauen.

2. Vorbeugen und heilen

Mara macht sich Gedanken heute, am 23. Juni, Gedanken über mütterlichen Burnout und wie man ihm vorbeugend begegnen kann. Dazu hat sie einen sehr informativen Artikel der Rheinischen Post gefunden. Narzissmus und Burnout – wie gehört das denn zusammen? Und wieso haben Frauen (Mütter!) inzwischen viel häufiger Erschöpfungszustände als Männer? Lässt sich herausfinden – einfach mal ‚rüberhüpfen zu Maras Gedanken.

3. Tick-Tack oder wie aufregend Warten doch sein kann

Bella wartet auf’s Baby. Zusammen mit Familie Berlin tun wir das auch. So ganz solidarisch, weil wir das große Warten ja auch schon vier Mal hinter uns haben…

Da Bella fragt, wie bei uns die Geburten starteten:

1. Mal: Spontan mit Wehen, zuhause (na ja, 14 Tage nach dem Termin ist spontan ein großes Wort …:D).

2. Mal: Aufwachen mit leicht gerissener Fruchtblase um 10 Uhr. Wehen dann ab 15 Uhr.

3. Mal: Wehen nach Einleitung per zweimaligem Priming bei ET+7 (auf Wunsch der total erschöpften Mutter nach unzählbaren Stunden schmerzhafter, Schlaf raubender Senkwehen – würde ich allerdings nicht noch einmal so entscheiden. Nummer 3 trägt mir den Rausschmiss immer noch nach und heute denke ich auch selbst anders darüber. Aber ihr wisst ja: Eine erschöpfte Schwangere will nichts mehr als Erleichterung …)

4. Mal: Beginn mit Wehen zu Hause. Abwarten, ob es regelmäßig wird. Der berühmte Schleimpropf (den persönlich hab ich nie zu Gesicht bekommen) verabschiedet sich, was ich durch Blut bemerke. Anruf bei Ehemann, Opa, Hebamme, Krankenhaus und so weiter …

4. Viel durchgemacht und nun ein wunderschöner Tag

Eva, die während der Schwangerschaft die Diagnose Blutkrebs bekam (und mein Anlass war, mich bei der DeutschenKnochenMarkSpende DKMS zu registrieren) hat nicht nur eine Facebookseite, sondern auch einen Blog. Auf diesem entdeckte ich am 20. Juni den Artikel über ihren herrlichen Tag der Hochzeit und Taufe ihrer Tochter. Wir rührend und wunderbar zu sehen, wie glücklich sie ist und wie gut es ihr geht!

5. Voll dufte, ey!

Niemand –  außer der von mir so gern als einmalige Wortvirtuosin betitelte Rike – kann den Umstand eines Haufens Kinderkacke auf’m Teppich so wunderbar erzählen. Es geht um Sauberkeitserziehung. Bitte esst nicht beim Lesen, wenn Ihr da empfindsam seid 😀

Ich habe mich übelkeitsfrei bekringeln können: Habe ja bekannter Maßen diverse Kinderchen. Ich wurde bepinkelt, bekackt und mir wurde schon in’s Gesicht gekotzt – ja, meinen Mund hatte ich zu diesem Zeitpunkt offen, weil ich „Ooooh, du Arme, dir ist schlecht…“ sagen wollte und es nur bis zum „Ooooh“ schaffte, als die Ladung kam. Diese lief mir dann zusätzlich in den Ausschnitt des Nachthemds und am nackten Körper runter, bis sie auf den Boden tropfte. Na, noch Appetit?

Mich gibt es auch auf Rezept als Appetitzügler bei Diäten. Oder Ihr nehmt Rikes Artikel. Rike forte. Fragt mal Eure Ärztin danach. Oder Euren Arzt.

Kleider, Fotos, Wissen

Ich lese sehr gerne auf dem Blog Textile Geschichten. Es ist kein Mama-Blog. Ich mag ihn sehr gern, weil ich einfach ein absoluter Fan des Themas Mode und Kleidung bin. Auch und besonders der historische Part von Kleidung interessiert mich. Wer gerne mal in vergangene Zeiten tauchen möchte und wissen will, ob es wirklich Schneider mit zerrissenen Hosen gab, der kann hier hinein gucken.

 

Eltern werden: 100 Dinge, die sich ändern

Für die Baby Shower, die ich für eine liebe Freundin initiierte, habe ich als kleinen (stellenweise etwas lakonischen …*hüstel*) Scherz basierend auf 100 Punkten von Liliput-Lounge.de persönlich kommentiert. Das Fettgedruckte ist das Original, in kursiv habe ich ergänzt.

Die beiden parents to be fanden das so lustig, dass sie meinten, ich solle das Ergebnis hier veröffentlichen, damit noch mehr Leute was zum Schmunzeln haben – das tue ich hiermit:

Was sich ändert, wenn man Eltern wird:

1. Die Nacht ist dann zu Ende, wenn der Nachwuchs aufwacht. Das kann auch um 5:00 Uhr sein. Danach lohnt Schlaf oft nicht mehr. Erhebende Erfahrungen mitten in der vermeintlichen Weichzeichner-Phase des Lebens: Dem Babyjahr


2.
Einfach mal alleine Duschen ist jetzt Luxus. Oder alleine zur Toilette gehen. Oder lässt man einen weinenden Säugling einfach liegen, während man schnell zum WC rennt …? Man darf entscheiden. Entscheidungen sind auch Luxus.

Dusche

Endlich allein: Nichts wie unter die Dusche!


3.
Das Wort „Mama“ kann in 100 Varianten ausgesprochen werden, von auffordernd bis traurig. Man bringt es ihnen mühsam bei und später wünscht man sich, man hätte das sein gelassen.


4.
Ein regelmäßiger Tagesrhythmus ist nichts Spießiges mehr, sondern wichtig. Er ergibt sich von allein, durch das spießigste aller Wesen: Das Kind


5.
Die meisten Scheidungen werden während des ersten Babyjahres eingereicht. Absolut: Eventuell von Leuten, deren Beziehung keine besondere Belastungssituation aushält und faktisch vermutlich vorher schon nichts Solides war. Das Kind trägt daran keinen persönlichen Anteil.


6.
Der Speiseplan wird um kinderfreundliche schnelle Gerichte ergänzt, es wird wenig gewürzt. Ja, das ist alles ganz lecker. Oder würde man nicht gern im Lieblingsrestaurant gerne Spinat, Kartoffeln und Fischstäbchen bestellen? Mit Mayo natürlich. Oder Ketchup.


7.
Apfelmus geht gar nicht – aber als Pfannkuchensauce wird es gegessen. Man muss manchmal kreativ sein, wirklich. Es soll aber auch Kinder geben, die Apfelmus essen.

Manchmal muss man kreativ sein ....

Manchmal muss man kreativ sein ….


8.
Nur noch heimliches Naschen in der Küche, um den Kindern ein gutes Vorbild sein. Manchmal trifft man dort die Kinder. Weil sie heimlich naschen. Sie leben nach Vorbild.


9.
Neue Freundschaften entstehen (Krabbelgruppe, Spielplatz …). Ja, und man hat so tiefschürfende, philosophische Themen: Stuhlkonsistenz bei Stillkindern, Windelgrößen, Backenzähne, Durchschlafen und wieder von vorne.


10.
Wahre Freunde zeigen sich, wenn man sie braucht. Ja, das sind die, die einem eine Baby-Shower ausrichten! Im Ernst: Wenn man sie braucht, kann man anrufen und sie helfen. Ob mit Tipps, Beruhigung, Humor oder durch tatkräftige Unterstützung. Einfach ausprobieren. Wahre Freunde erkennt man in der Not und direkt neben der Wiege.

11. Die Waschmaschine läuft täglich. Das tut sie. Manchmal auch mehrfach.


12.
Der Korb mit der Wäsche, die gefaltet werden möchte, ist immer voll. Manche Menschen benutzen ja sogar ein Bügeleisen. Dieser Korb ist dann auch dauernd voll.

Wäschekammer

Viele gehen hinein und wurden nie mehr gesehen: Die Wäschekammer


13.
Der Haufen mit Einzelsocken wächst mit jedem Familienmitglied enorm. Einfach alle inne Kiste. Und nach und nach die Paare zeremoniell wieder zusammenführen. Das ist oft das einzige Romantische, das monatelang passiert.


14.
Ein Moment der Stille – etwas, das man jetzt wirklich genießen kann und sollte. Unbedingt. Denn sie sind so selten und wunderbar wie ein Regenbogen. Oder die Blaue Mauritius.

Ein Moment der Stille: Jede*r genieße ihn, wie er möchte ...

Ein Moment der Stille: Jede*r genieße ihn, wie er möchte


15.
Brot wird in kleine Häppchen geschnitten – auch für den Partner – huch! Kann passieren. Muss aber nicht. Ist ein Zeichen dafür, dass man zu tief in seiner Rolle aufgegangen ist.


16.
Abendessen gibt es am Tisch und nicht vor dem Fernseher. Besser ist das ohnehin. Und kultivierter.


17.
Sie kaufen ganz anderes ein mehr Bio-Gemüse, mehr Dinkelkekse und die ersten Quetschies des Lebens. Ja, was zur Hölle sind denn Quetschies, ne?


18.
Der Tag hat plötzlich wirklich viel zu wenig Stunden. Ja, man fragt sich, wie man vorher nur jemals gestresst sein konnte. Alles kinderlose und dennoch jammernde Memmen um einen rum!


19.
Es gibt immer jemanden, der etwas von einem will. Man schaltet nie mehr wirklich ab. Das Wort „Fremdbestimmung“ wandert in den eigenen Sprachschatz und wühlt sich von dort langsam ins Nervensystem.


20.
Mal eben abends weggehen ist mit Aufwand (Babysitter) verbunden. Oder mal eben einkaufen. Oder mal eben … egal was.

  1. Eintrag im Kalender: Montagabend Sex. Oder Freitagabend. Ach nee, freitags ist man im energieleeren „Freitagloch“. Unter der Woche regiert der Alltag. Also Samstag. Oder mal eben früh morgens um 6? Das muss doch nicht in den Kalender. Kalender-Sex. Pft. Was ist das hier für ein Punkt?
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Ja, bitte, bitte …. !

  1. „Zieh dir doch mal etwas Anderes an“ bezieht sich nicht auf Dessous, sondern auf Spuckflecken. Oder auch auf Dessous. Nicht alle Eltern leben plötzlich wie Bruder und Schwester zusammen. Und wenn, dann vielleicht wie Lucrezia und Cesare Borgia.
  2.  Zopf oder Kurzhaarschnitt? Der Begriff „Mutti-Haarschnitt“ bekommt eine andere Bedeutung bloß nicht damit anstecken lassen! Die Haare bleiben dran. Die Fingernägel auch!
  1.  Schreiende Kinder im Supermarkt? Man ist nicht mehr genervt, sondern blickt die Mutter voller Mitleid an. Oder voller Vorwürfe, weil das eigene sich besser benimmt.
  2.  Sport, was war das noch einmal? Das ist das dauernde Sich-Bücken und alles jemandem hinterhertragen, der zuerst zu klein und dann zu faul dazu ist. 
  3. Eine winzige Hand, die den eigenen Finger umklammert bringt sie zum Weinen. Und ein Lächeln, und das erste „Mama“ und eine Schulaufführung. Und, und, und …
  4. Autokauf wird anders. Passt ein Kinderwagen rein? Wie empfindlich sind die Sitze? Und wie viele Sitze sind es? Kann man sich im Kofferraum verstecken, wenn die Kinder zu sehr nerven?
  5. Urlaubsplanung: Gibt es dort Kinderärzte? Sind die Steckdosen kindersicher? Am besten geht man in ein kindersicher ausgestattetes Ferienhaus. Mit Baby im Hotel kann furchtbar sein. Außer es ist ein 2.500-Euro-Familyhotel-Urlaub. Im Allgäu. Muh.
  6. Sie lernen freundliche Leute kennen, die einfach helfen, wenn es nötig ist. Oder Leute, die einem pausenlos ein schlechtes Gewissen einreden möchten. Oder die, die einem nicht mit dem Kinderwagen in die S-Bahn helfen wollen. Oder die ein kurzes, elterlichen Stöhnen mit „Haste dir ja so ausgesucht!“ kommentieren. Und freundliche, ältere Damen, die freundlich sagen: „Macht die Mama dir die Mütze über die Augen, du armes Kind? Siehst du nichts, du armes Kind?“
  7. Sie hören kinderfeindliche Sprüche und sehen böse Blicke. Zum Glück können Eltern ebenfalls sehr böse Blicke. Sehr, sehr böse.

31. Den Wutanfall eines Zweijährigen souverän gemeistert zu haben macht stolz. Immer dieser Hype um die Wutanfälle. Hatte bei vier Kindern selten welche. Also ich.


32.
Ein Kreis mit zwei Strichen und einer Art Gesicht rührt sie. Ja. Und erst recht, wenn da dann „Mama“ drüber steht! Und wenn die Kleinen dann sagen: „Guck mal, die gemalte Mama sieht genau so müde und genervt aus wie du!“ dann ist das Glück perfekt.


33.
Sie streiten mit dem Partner, ob jedes kreative Frühwerk aufgehoben werden muss. Es gibt kluge Männer, die sagen: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ und antworten dann auch selber: „Kann in jedem Fall weg.“ (Mr. Essential) Und Recht haben sie. Wenn man alles aufbewahrt, dann kommen pro Kindergartenjahr zwei bis sechzehn Ordner dabei herum.


34.
Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie mehr Zeit für den Haushalt als für Ihr Kind aufwenden. Das Dumme nur: Ohne das Kind gäbe es diese ganze Arbeit nicht. Und es ist eine Tradition, dass Kinder sich nur lernen, selber zu beschäftigen, wenn sie es auch tun. Mütter sind nicht in erster Linie Spielkameraden.


35.
Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie mehr Zeit für Ihr Kind als für den Haushalt aufwenden. Siehe Punkt 34: Juchu! Eine Lose-Lose-Situation. Davon haben Mütter verdammt viele – gleich mal daran gewöhnen!


36.
Neue Diskussionsthemen wie „Impfdebatte“ erweitern Ihren Horizont. Ja, aber oft auf eine Art, die einem Angst vor den Mitmenschen macht.


37.
Warum Schlafmangel eine erprobte Foltermethode ist, wird Ihnen klar. Oh mein Gott, ja. Ja!


38.
“Es war eine ruhige Nacht“ wird ein magischer Satz. Das ist er auch bei Altenpflegern, Krankenschwestern und Gefängnisaufsehern.


39.
Ein krankes Kind ist schlimm, zwei kranke Kinder sind schlimmer. Sich selbst auch elend zu fühlen am schlimmsten. Ja, denn das bedeutet, dass man sich angesteckt hat und die Hölle losbrechen wird.

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Alle dürfen krank werden – außer Mama.


40.
Mütter dürfen gar nicht krank sein. Dürfen sie schon. Aber es hat schon Mütter gegeben, die das Kind auf dem Schoß stillten, während sie erbrechend über der Schüssel hingen. Oder Mütter mit schlimmen Rückenschmerzen, die das besonders anhängliche Baby auf ein Handtuch legten, um dieses mit den Zähnen und Händen nach oben zu befördern, damit sie es tragen können. Vornübergebeugt wie der Diener im „Dinner for One“. Das waren die mit den mehreren Hexenschüssen nacheinander. Äh, das war ich.

41. Am Sonntagvormittag allein im Bett bleiben, während Papa mit dem Nachwuchs spazieren geht ist das schönste Geschenk. Das ist toll! Ist aber noch nie passiert. Bei niemandem.


42.
„Oh, ist der groß geworden“ – das sage ich plötzlich selbst. Ja, und das ist leicht peinlich. Und man fühlt sich alt. Das wiederum muss einem nicht peinlich sein.


43.
Wahre Geduld wird täglich getestet. Und sie ist eine der wichtigsten Tugenden für Eltern. Kinder geduldiger Eltern fassen viel Selbstvertrauen und fühlen sich sehr geliebt.


44.
Wer braucht Fitnesstrainer? Kinder bringen einen ganz schön oft zum Schwitzen. Das ist aber eher eine Art miese Sauna. Und ganz sicher kein Bauch-Beine-Po-Training, das man so dringend nötig hätte …


45.
Ein widerspenstiges Kleinkind in einen Schneeanzug zu bugsieren sollte olympische Disziplin werden.  Und wenn man den Schneeanzug erstmal über das Kind „gestreift“ hat, dann muss es garantiert Pipi.


46.
Urteile wie das, dass ein Kindergarten wegen Lärms schließen muss, machen unendlich wütend. Und sind ungesetzlich inzwischen. Kinderlärm ist stets tolerabel – sagt das Gesetz. Also lasst Euch gehen, Ihr lieben Kleinen!


47.
„Ja, Sie haben den Krippenplatz“ – ein Satz, der glücklich macht. Ja, viele macht das in der Tat sehr glücklich.


48.
Kollegen, die Kinderbilder aufhängen, werden nicht mehr belächelt. Ich habe schon vor dem Muttersein keine anderen Menschen belächelt. Und danach auch nicht – denn was wäre ich für ein Mensch und Vorbild, hm? 


49.
Mittagspause – nein, danke. Lieber früher das Kind abholen. So spricht die wahre Mutter. Oder der wahre Vater. Meist aber die Mutter.


50.
Endlich wieder Disney-Filme gucken und herzhaft lachen. Oder weinen. Ja, auch solche Mütter soll es geben. Hormone und so.

51. Es gibt so viele „erste Momente“ – das erste Lächeln, der erste Schritt. Der erste Zahn, die erste Magen-Darm-Grippe, der erste Nieser mit dem Mund voll Möhrenbrei. Und ganz kurz danach: der erste Liebeskummer.


52.
Im Schuhregal stehen plötzlich niedliche kleine Schuhe. Und so viele! Die sind aber auch zu niedlich!


53.
Sie stellen fest, dass Sie ständig neue, teure Schuhe kaufen müssen. Vorher war das toll – weil da waren es die eigenen Schuhe. Die gibt es seltener. Dafür mehr von diesen niedlichen kleinen Schuhe, die genau zwei Wochen lang passen.


54.
Beim Einkaufsbummel kaufen Sie nur selten etwas für sich. True! Man kauft für sich nichts oder etwas aus dem Sale und die Tasche ist voll mit noch mehr niiiiedlichen Sachen. Ist wie ein Zwang. Ohne Therapiemöglichkeit.


55.
Sie leiden bei Kummer richtig mit. Ja, man wird empathischer, als man es je für möglich gehalten hätte.


56.
Der erste Schnupfen macht Sorge. Kann das Kind noch atmen? Erste Schürfwunde: Blutvergiftung? Erster gekauter Regenwurm: Magen auspumpen?


57.
Ernste Krankheiten oder Unfälle machen unbeschreibliche Angst. Und zwar so richtig. Auch wenn gar nicht das eigene Kind sie hat, sondern ein fremdes. Man lernt Ängste kennen, die man sich niemals im Entferntesten hätte vorstellen können. Wer je ein krankes Haustier hatte und sich sorgte, der multipliziere diese Sorge mit dem Faktor 1.000.000.000.000.000.000.000. Und nähert sich dem wahren Gefühl.


58.
Die Liebe zum eigenen Kind ist unbeschreiblich. Sie ist tief und rein. Und unkündbar. Man macht nie Schluss, wird nie verlassen. Außer man benimmt sich wie der letzte Henker seinem Kind gegenüber. Dann geht es vielleicht irgendwann. Und leidet vermutlich sein Leben lang darunter. Diese Liebe ist so kostbar und unbeschreiblich. Wer sie erfährt, darf tiefen Dank empfinden.


59.
Ein so kleines Bündel Mensch kann aber auch unendlich wütend machen. Es ist ganz schlimm, was sie aus einem machen können. Wie oft man sie gerne mal kurz an die Wand klatschen würde. Oder dem Postboten mitgeben. Das war immer meine Idee bei meinem ersten Kind. Ich war aber sicher, er würde es sofort wieder zurückbringen und der Aufwand würde sich somit nicht lohnen. Nur deshalb habe ich es behalten.


60.
Rituale können so schön sein: Gemeinsam lesen, gemeinsam kuscheln. Ja und das rituelle Hämmern an der Klotür, wenn man gerade sitzt. Nein – Rituale sind großartig und geben der Seele Halt. Bis auf das mit der Klotür.

61. Der erste lange Abschied tut unendlich weh. Ja und man weint. Es ist schrecklich.


62.
Das erste Wiedersehen nach längerer Zeit ist wunderschön. Das sollte zumindest so sein. Ansonsten sollte man das Kind vielleicht noch mal etwas länger abgeben, weil man völlig overdosed ist?


63.
Tupperdosen für Obsthappen und Dinkelkekse halten Einzug in den Küchenschrank. Ja, immer alles schön gesund und frisch. Vitamine werden ein ganz großes Thema. 

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Immer schön gesund: Eltern


64.
Das Kind, das Ihres beißt ist Ihnen unsympathisch. Und dessen Mutter auch. Weil beißende Kinder aber wirklich nervige Kreaturen sind. Und bleiben werden. So.


65.
Elternmikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren: Wird gespielt im Elternbett, auf dem Sofa oder am Esstisch. Weint das Baby? Huch, ich höre das gar nicht. Das Mikado gibt es aber auch so: Baby ist endlich eingepennt. Auf Mama. Nun sitzen die Eltern flüsternd nebeneinander auf der Couch und wagen es nicht, sich zu rühren. Gewinner gibt es übrigens nur einen: Das selig schlummernde Kind.


66.
Eine helle Couch kaufen? Weiße Teppiche? Vielleicht in 40 Jahren, wenn die Enkel aus dem Gröbsten raus sind. Da ist was dran. Oder man ist verwegen und reinigt zudem gerne Teppiche und Polster. Täglich.


67.
Kinderstühle vorhanden? Neue Lieblingslokale werden entdeckt. Meist aber geht man mit Kindern zusammen eher nur ein Mal im Jahr essen. Ist kein totales Vergnügen irgendwie. Nicht so wie vorher zumindest.


68.
Das Kind soll keine Waise werden – plötzlich ist man vorsichtiger. Ja, da sind sie wieder, diese verdammten Ängste. Man fährt im Auto und denkt: „Zum Glück ist das Kind gerade bei der Oma/Tante/Freundin. Da ist es gut aufgehoben, falls ich gleich sterbe.“ Und das ist kein Zeichen einer Geistesstörung. Das ist ganz normal.


69.
Gemeinsam durch Pfützen springen und Waldelfen suchen ist Glück. Oder ein Abend alleine mit dem Mann/der Frau zum Knutschen und nackt durch’s Haus hüpfen. Kann auch pures Glück sein. Aber Waldelfen und Pfützen sind auch nett.


70.
Todesangst haben, wenn das Kind sich losreißt und auf die Straße rennt. Deshalb habe ich einen speziellen Trick beim Hand halten: Ich winde Daumen und kleinen Finger zusätzlich zu den von den vom Kind gehaltenen Fingern um dessen Handgelenk. Bisher riss sich nie eines los. Vielleicht habe ich einen speziellen Nervenpunkt am Gelenk gedrückt – so wie Katzenmütter mit ihrem Mund am Katzenwelpenhals.

71. Jetzt gilt: Es gibt kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung. Absolut wahr! Man sollte ausreichend Gummistiefel, Regenjacken und Daunenmäntel haben. Auch für das Kind.


72.
Styling ist auf dem Spielplatz egal. Schon, ja, aber kann hervorragend als die gestylte Puppe auffallen. Und böse Blicke auf sich ziehen, die man dann genießt. Machen aber nur fiese Frauen – Gestylte Puppen eben.


73.
Handys und Schlüssel können schreiende Babys prima ablenken. Das ist richtig. Man sollte sie ihnen nur nach dem Spielen wieder wegnehmen. Sonst sind sie weg. Für immer.


74.
Omas, Opas, Tanten und Onkel, die schreiende Kinder beruhigen können sind bei Ihnen sehr beliebt. Wenn man solche talentierten Verwandten denn verfügbar hat. Und wenn nicht, dann tun gute Freunde den gleichen Dienst. Es wirkt manchmal Wunder, die Verantwortung nicht alleine zu tragen.


75.
Umweltbewusstsein wird wichtig – es ist ja auch der Planet, den die Kinder erben sollen. In der Tat wird man zum Umweltaktivisten, wenn man Kinder hat. Da ist was dran.


76.
Sie lernen Lilifee und Captain Sharky kennen. Und Laura, Conni, Bobo Siebenschläfer, Leo Lausemaus und andere weltfremde Schauergestalten. Die man hassen wird. Spätestens nach dem 700. Mal Vorlesen der selben Geschichte.


77.
Endlich wieder alle Lieblingsbücher der eigenen Kindheit lesen. Hallo kleiner Wassermann… Ja, das ist eine tolle Gelegenheit für Nostalgie. Die stellt sich eh immer mehr ein. Und dann fühlt man sich alt – das hatten wir vorhin ja schon.


78.
Bei Schnee geht es nach Herzenslust auf die Rodelbahn. Empfehlenswert, da fühlt man sich auch manchmal alt.


79.
Und im Sommer an den Badesee. Ja, auch das kann man machen. Man bekommt aber schnell Herzinfarkte mit einem kleinen Kind nahe eines ungesicherten Gewässers. Tollkühne finden dort eine Menge Spaß und Entspannung. Ich persönlich jetzt eher nicht so.


80.
Familienausflüge sind eine logistische Herausforderung – denn Wechselkleidung und Essen muss mit. Und Urlaub erst! Und mit mehr als einem Kind erst! Aber man wird Profi-Logistiker – das geht von ganz alleine.

81. High Heels? Praktische Schuhe sind beim Kinderwagen schieben und auf dem Spielplatz wichtiger. Also wer hat diese Liste denn geschrieben? Wieder so eine Frau, die das Frausein an der Kreißsaaltür abgibt? Klar sind Sneaker praktischer im Sand. Aber doch bitte kein Teil einer öden Mama-Uniform.


82.
Zu dritt gemeinsam im Bett kuscheln ist wahres Glück. Das meint nicht nach einem heißen Threesome, sondern im Elternbett. Für viele Familien findet das dauerhaft statt. Bis die Kinder ungefähr achtzehnJahre alt sind.


83
. Im Auto hören Sie keine Musik, sondern Kinderhörspiele. Das kann man machen. Muss man aber nicht. Kinder können durchaus auch das Radio vertragen. Oder Heavy Metal.


84.
„Mama, ich muss mal“ – so lernt man die eigene Stadt aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Stimmt. Aber es ist durchaus erlaubt, Kindern beizubringen, ihre Blase auch in vollem Zustand zu ertragen. Man muss nicht pausenlos aus dem Auto springen oder jede öffentliche Toilette besuchen. Denn bei letzteren entwickeln Kinder so ihren Sport: Sie empfinden das wohl als Reviermarkieren, denn sie müssen nämlich immer genau dann, wenn man in der Nähe einer öffentlichen Toilette ist. Hab ich als Kind auch gemacht.


85.
Im Tempo der Kinder sieht man Kleinigkeiten – den üppigen Busch, den Marienkäfer. Und das ist das beste Achtsamkeits-Training der Welt. Unbedingt darauf einlassen. Man sieht die Welt mit anderen Augen und ist viel ausgeglichener als wenn man hetzt.


86.
Baustellen und Polizeiautos können kleine Kinder stundenlang beschäftigen. Da braucht man Ausdauer. Denn das stimmt.


87.
Sie belügen die Kinder – denn eigentlich wissen Sie, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Aber wer will schon eine Illusion zerstören?  Ich habe binnen 13 Jahren meine Kinder nur dann belogen, wenn es um diese vier erwähnten Gestalten geht. Und sie verzeihen es mir. Aber der Moment, indem sie es verstanden haben, der tut weh. Denn er markiert das nahende Ende der Kindheit.


88.
Und es gibt keine schöneren Feste, als die, die Sie mit Ihren Kindern genießen dürfen. Das stimmt! Es stimmt nicht, wenn man gerne Parties mit viel Alkohol, lauter Musik und knappen Klamotten mag.  Aber Weihnachten scheint mit Kindern erst seinen Sinn zu behalten. Es dreht sich im Kern hierbei ja schließlich auch um ein Kind. Und das berühmte „Leuchten der Kinderaugen“ ist wirklich einzigartig wunderbar!


89.
Im Auto macht man sich zum Affen, nur damit der Nachwuchs auf der Rücksitzbank sitzt und lacht. Das ist nicht ganz wahr: Man macht es, damit man vorne auf dem Sitz nicht weinen muss.


90.
Man ist am Sonntag als Erster beim Bäcker und bekommt die frischen Brötchen, weil das Kind ab fünf nicht mehr schlafen will. True.

91. Durch Zimmer, in denen das Kind spielt, bewegt man sich nur noch mit Hausschuhen als Schutz vor Bauklötzen. Und ansonsten: Aua, aua. Spielzeugtretminen sind eine unterschätzte furchtbare Gefahr. Das kann richtig weh tun.

  1. Alte Hausmittel bekommen eine neue Bedeutung (Kleidung mit Möhrenflecken in die pralle Sonne hängen ..) Stimmt. Und sie sind fast alle gut. 
  2.  Man singt in der Öffentlichkeit laut Lieder und wird nicht schräg angeschaut. Außer, man hat die Kinder nicht dabei …
  3. Die Wände in der Wohnung sind nicht mehr weiß, sondern bunt, mit Feen oder Tieren, etc, wahlweise noch individuell mit Buntstift ergänzt. Das muss nicht sein. Man kann auch auf Kinder aufpassen. Und es größeren Kindern verbieten. Manchmal aber bricht das künstlerische Genie durch und man hat Pech. Die Ergebnisse nennt man dann „bleibende Erinnerungen“. Manchmal muss man sich die Dinge schönreden. 
  4. Wenn es ruhig in der Wohnung ist, ist das ein Warnzeichen und man sollte ganz schnell handeln. Unbedingt! Kostprobe gefällig? Wir lagen sonntagmorgens im Bett und freuten uns naiv, dass die Mädels ruhig waren. Bald legte sich ein Töchterlein in unser Bett zum Kuscheln. Ich fasste in das Kinderhaar und fragte: „Bäh! Warum sind die Haare so zauzig und nass? Und was ist DAS?“ – „Äh ja, wir haben Friseur gespielt. Und das war der Lockenstab und der geht nicht mehr raus.“ Das stimmte, er saß fest. Was genau dieser Lockenstab war? Die KLOBÜRSTE!
  5.  Die Antwort “Nichts” auf die Frage “Was machst du gerade?” wenn das Kind aus dem Sichtfeld ist kann schlimmere Angstattacken hervorrufen als jede Spinne. Jepp. Nichts wie hin, wenn das Kind dieses „Nichts“ fröhlich flötet!

97. Dinge, die man nicht mehr braucht: Badezimmertüren, Tischdecken, Glastische. Und Badezimmertüren. Die werden auch unnötig. (Dieser Punkt stammt von mir)

98. Man schiebt den leeren Einkaufswagen müde und gedankenverloren hin und her wie in einen Kinderwagen. Das muss einem nicht peinlich sein. Man frage sich, wie sich anderen Menschen nach starkem Schlaf- und Freizeitentzug verhalten würden. Dann geht es wieder. (Dieser Punkt auch)

Faule Erwachsene

Beliebte Kinderwagen übermüdeter Eltern. Auch beim Alleine-Einkauf.

99. Kinder spielen zwei Stunden am Stück, bis Mama den Telefonhörer in die Hand nimmt. So ist das. Mamas Aufmerksamkeit gehört nur dem Kind. Jederzeit. Wann immer es diese einfordert. So glaubt es zumindest. Aber man hat rund 20 Jahre Zeit, ihm das Gegenteil beizubringen. Meist scheitert das aber.

100. Man hat gerade das Gröbste hinter sich, schläft wieder durch, hat wieder Sex und will schon das nächste Kind. Bei vielen Paaren ist das genau so. Und es zeigt doch nichts Anderes, als etwas Schönes, oder?

Mein #Mutterkoerper: Jubel und Tränen

Das Thema ist für mich nicht einfach – das sage ich zu Beginn.

Auch habe die vier (eigentlich sechs) Schwangerschaften immer mit gemischten Gefühlen begonnen. Ich mochte es nicht immer, mir meinen Körper zu teilen, nach der ersten Geburt fürchtete ich das für mich so nervtötende und schmerzhafte Stillen, ich hasste es, wie taub und wabbelig sich der Körper nach der Geburt anfühlte. Und dann diese tausend Dinge, die nie vorher mal jemand ausspricht oder einem sagt. Ich hatte immer Angst vor den Geburten und beschreibe sie bis heute als überwältigende Ereignisse. Jede auf ihre Art.

Nein, der Zustand, immer heftiger werdender Wehen mit Aussicht auf Steigerung, nackt auf allen Vieren bei der Hausgeburt vom Bad ins Wohnzimmer kriechen, das taube Gefühl beim ersten Pieseln nach der Geburt und Dammnähte, die sich anfühlten als reichten sie bis in den Nacken –  oder bei der vierten und mit Abstand heftigsten Geburt, als ich lakonisch dachte: „Hey, schlimmer kann es nicht mehr werden, weil ich nicht mehr lauter schreien kann“ – all das macht es für mich nicht zum „schönsten Tag in meinem Leben“.

Nur der Moment, in dem man den neugeborenen Menschen zum ersten Mal umarmt – der ist absolut überwältigend einmalig. Da wären dann also die schönsten Momente im Leben.

Der Rest kann mir gestohlen bleiben. Ja, ich war total stolz auf mich – besonders nach der ersten Geburt, während der ich den Wunsch unterdrückte, um einen Kopfschuss zu bitten. Der ganze Sermon rund um „ich hab es ohne Schmerzmittel durchgehalten“ gilt auch für mich. Drei Mal weil ich keine Schmerzmittel brauchte (oder im Geburtshaus/Hausgeburt hätte haben können) und einmal weil es dafür schon zu spät war. Hab mich ganz brav ganz tapfer geschlagen – so, wie es von uns Frauen verlangt wird. In der modernen Zeit, in der man sich des Naturalismus bedient, wann immer es en vogue erscheint (ausschließlich beim Kinderkriegen- und haben!)

So viel zu der Zeit vor dem „After Baby Body“ (Was’n Wort, würg)

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Bauchmuskeln ohne Ende – nutzen aber nix: Geht genau so wenig in die Form zurück wie der Überraschungsei-Inhalt …

Mutterkörper

In unserem Urlaubs-Beitrag habe ich ein Bikinifoto von mir veröffentlicht. Darüber habe ich natürlich vorher ein Bisschen nachgedacht. Dann aber entschieden, dass es eine gute Entscheidung ist. Für mich war es ein Schritt, etwas selbstsicherer mit meinem Körper umzugehen. Das Foto selbst war dann sogar Anlass für Resonanz – damit hatte ich nicht gerechnet. Und sie war sehr positiv für mich. Es war für mich echt ein weiter Weg bis zu diesem Foto.

Ich habe nach der ersten Schwangerschaft – ein paar Tage nach der Geburt – nackt vor dem Spiegel gestanden und einen infernalischen Schock bekommen, der verzweifelt versuchte, sich in einem Weinkrampf Luft zu verschaffen.

Ich war bis vor der Schwangerschaft eine Frau, die ihren Körper sehr mochte und gerne zeigte. Echt jetzt: Es gibt eine Menge Nacktfotos von mir. Deshalb kann ich meine Fotoalben nur einem ausgewählten Publikum zeigen. Weil ich die einfach da rein geklebt hab. Zwischen „Ausflug zum Strand“ und „Netter Nachmittag mit Freunden beim Picknick“ bin ich halt auf manchen Fotos nackt irgendwo auf einer Wiese oder alten Ruinen – da finde ich nichts dabei.

Ich gefiel mir und das fühlte sich sehr gut an. Und dann das. Dieser Anblick – das war der blanke Horror für mich. Ich dachte:

„Das war’s. Dein Körper ist hinüber und du bist gerade mal Mitte Zwanzig.“

Und dieses Gefühl blieb. Keine weitere Schwangerschaft beeinträchtigte meinen Körper weiter. Das hat alles die erste arrangiert.

Ich hatte zusätzlich noch viel zu viel zugenommen und fühlte mich einfach grauenhaft. Dann gab es da ja auch noch diesen kleinen Menschen, der mein Leben neu durchstrukturierte und der gefühlt pausenlos an diesem geschundenen Körper schmerzhaft herumsaugen wollte – ich kam kaum dazu, mich in diesem derangierten Etwas zu arrangieren. Nachts lief die Milch so stark aus meinem Busen, dass ich immer unter einen nassen Decke aufwachte, auf der Seite schlafen ging nicht, weil meine Brüste zu prall gefüllten, gefühlt kiloschweren Melonen geworden waren.

Ich fühlte mich in diesem von Milch überquellendem Körper, der sich um mich herum anfühlte wie ein geweiteter Ballon, aus dem man die Luft abgelassen hatte, mehr als unwohl: Einfach nicht zuhause.

Es war alles in allem eine körperlich gesehen nicht wirklich bereichernde Phase, echt nicht.

Ja klar, das Baby war süß und ich liebte es sehr. Das verstehst sich ja von selbst – ich finde nicht, dass man das dauernd betonen muss. Aber ich wusste, dass ich für immer verändert aussehen würde. Negativ verändert. Für immer.

Skalpell und Co

Vor einigen Jahren – da war Nummer 3 bereits im Kindergarten und ich hatte längst mein Idealgewicht zurück, suchte ich einen Facharzt für plastische Chirurgie auf. Er ist einer der renommiertesten in unserem Wohnumfeld und ich erhielt dennoch recht schnell einen Termin. Dann saß ich da zwischen lauter Frauen, deren Gesichter erstaunlich gefühlvoll straffgezurrt worden waren. Mir wurde Kaffee und Gebäck gebracht – im Riesenfernseher an der Wand lief eine Nachrichtensendung.

Ich sprach mit dem Arzt. Er bat mich, meinen Bauch freizumachen und sah sich das Ganze an. Er fasste (das ist mal erhebend!) in die überschüssige Haut und zog sie etwas vom Körper weg.

Ich, scherzend: „Das machen sie sicher nur, damit man sich in jedem Fall FÜR eine Operation entscheidet, oder?“

Er, schmunzelnd: „Nein, das geht nicht anders, um den Körper, also die Hautbeschaffenheit zu beurteilen.“

Dann sah er mich an, strich rechts und links über meine Taille, blickte an mir rauf und runter, lächelte und sagte mit strahlenden Augen:

„Sie haben perfekte Körperproportionen, Frau Essential. Sie haben einen wunderschönen Körper. Ihr Schultern-Taille-Hüftverhältnis ist nahe an der Perfektion. Unglaublich. Ich möchte ihren Körper nicht operieren.“

Ich guckte ihn vermutlich an, als hätte er gerade spontan seinen Namen getanzt. Er ließ sich nicht beirren:

„Wissen sie, das, was sie da stört, das ist nichts – ich würde es lassen. Wenn sie die Dehnungsstreifen stören, dann verstehe ich das. Und sicher könnten sie die irgendwann irgendwo lasern lassen. In Düsseldorf geht das, glaube ich. Aber ganz im Ernst: Meine Frau sieht genau so aus. Sie hat besonders viele Streifen an den Oberschenkeln. Mehr als sie. Und ich finde es eigentlich traurig, einen Körper, der so viel geleistet hat, das sich dann zeigt, wieder zurückbasteln zu wollen. Ich tue das, wenn sie das unbedingt wollen und mir sagen, dass ihr Seelenheil davon abhängt. Dieses Seelenheil bekommen sie dann für 7.186 Euro. Ich werde ihren Bauchnabel ausschneiden und die Haut drumherum straffen und wieder annähen. Dann gibt es einen Schnitt für den Nabel, dort fügt man ihn wieder ein. Die Streifen aber kann man nicht passgenau wieder zusammenfügen. Das wird man sehen können – sie verlaufen nicht perfekt ineinander.“

Den nicht unerheblichen Betrag schrieb er während der Erklärungen bedeutungsschwer auf einen Klinikflyer und schob ihn mir hin.

„Möchten sie, dass ich das tue?“

Und ich hörte mich sagen: „Nein.“

Er lächelte zufrieden und verabschiedete mich.

Perfekte Proportionen. Oh Mann, ich brauchte eine Zigarette – aber ich bin Nichtraucherin. Also musste ich so klarkommen.

Mr. Essential grinste nur während meines abendlichen Berichts des Erlebnisses und sagte:

„Das hätte ich dir auch ohne Termin sagen können.“

Und ich dachte mir: „Nahe an der Perfektion. Klang gut. Trotzdem irgendwie verhunzt, dieser Körper. Weit weg von Perfektion. Ganz weit.“ Komplimente oder fachkundige Feststellungen scheinen nicht viel zu helfen.

Schlank zu sein hilft mir. Ich fühle mich gut, wenn ich in die meisten Sachen, die ich in die Umkleide schleppe, hineinpasse. Vielleicht ist das auch schon brainwashed – wer weiß das schon? Aber ich empfinde eine gewisse Kilozahl als Wohlfühlgewicht. Und ich fühle mich damit dann in der Tat wohl. Ich bekomme Komplimente wie: „Vier Kinder und so eine Figur? Wow!“ Aber ich denke mir dann immer: „Tja, Schätzchen, IN den Klamotten sieht das gut aus.“

Man kann so hart zu sich sein …

Gedanken und Geschichte

Ich habe Freundinnen mit und ohne sichtbare Schwangerschaftsspuren. Und bei einigen anderen weiß ich nichts darüber, denn man fragt ja nicht danach. Ist nach wie vor ein Tabuthema, viele schämen sich (ich!) …

Ich finde es übrigens immer wenig tröstlich, wenn ich lese, wie jemand schreibt: „Ja, ich fühle mich irgendwie unglücklich mit meinen Streifen/meinem Bauch/meinem Busen aber dafür habe ich ja ein/zwei tolle Kind/er.“

Ich möchte dann ketzerisch rufen: „Ja, die Kinder haben auch andere – und die sehen aus wie vorher! Was soll des das für ein Trost sein, hä?“

Oder beliebt bei mir auch: „Da muss man sich mal in der Schwangerschaft nicht so gehen lassen, dann passiert das nicht.“ Blödsinn. Es gibt dünne und dicke und mitteldick/dünne Frauen, deren Körpern man die Schwangerschaften ansieht.

In einer Welt, in der man es einfach akzeptieren würde, in der wäre es leicht.

Es gab sie mal – das war unsere. Ist aber schon lange her. Ich kenne durchaus viele mittelalterliche Gemälde und Holzschnitte. Und viele sind ehrlich. Man sieht hängende Brüste und Bäuche und Schwangerschaftsstreifen. Man ging zusammen ins Badehaus, da schämte sich keine für ihren Körper. Das war eben einfach so.

Frauen bekamen weit mehr Kinder als die heutigen 1,3 – das wird man ihren Körpern wohl auch angesehen haben. Die Minderheit der Frauen geht ohne Spuren durch diese tiefgreifenden und beeindruckenden körperlichen Veränderungen. Das war früher nicht anders. Zudem begannen die Frauen mit dem Gebären in einem Alter zwischen 12 und 16 Jahren. Und hörten damit auf – äh, wenn sie fast starben. Was im Schnitt mit spätestens 50 Jahren (bei der Landbevölkerung mit 45 Jahren) der Fall war. Ein junger Körper reagiert der Sache nach heftiger auf eine Schwangerschaft. Also gab es eine Menge Tigerinnen mit Stripes – wie manche Amerikanerinnen Dehnungsstreifen nennen: „Tigerstripes“

Ehrlichkeit

Ich beneide ganz offen all jene, die makellos aussehen und sich darüber beschweren, dass ihr Popo eventuell einen Zentimeter tiefer sei als vor der Schwangerschaft. Eventuell.

Ich beneide es, dass sie sich gerne zeigen, nicht schämen (wieso zur Hölle tut man so etwas eigentlich?) und … äh … dennoch nicht zufrieden sind (wieso zur Hölle tut man so etwas eigentlich?)

Und zugleich möchte ich keinen Laser und kein Skalpell. Weil ich trotzig bin. Ich bin zu wütend auf diese ignorante Welt, die uns eintrichtert, dass wir uns zu schämen haben. Dass wir gefälligst Leben schenken sollten, ohne zu Murren und nach festen Vorgaben (selbstbewusst, Modus: spontan, schmerzmittelfrei, danach bloß nicht Jammern, weil das Baby anstrengend ist und immer schön 24/7 glücklich sein) und anschließend gefälligst noch unsere „Fuckability“ (Danke, Du großartige Caroline Kebekus) zu erhalten.

Wir habe verflucht noch eins das Wichtigste zu erhalten, das wir darstellen: Makellose Schönheit. Diese soll verdammt noch mal da bleiben. Damit wir mit über 60 auch so sexy wie die Stars sind (die waren alle bei meinem Arzt in der Klinik!).

Im Ernst: Wisst Ihr, was es alles für Möglichkeiten gibt? Mommy Makeover: OPs und Laser für zigtausend Euro. PersonalTrainer, Ernährungsberater …

Aber vor allem kann man sich für viel Geld jeden einzelnen be*** Schwangerschaftsstreifen mit kleinen Nadeln wegsticheln lassen. Aber nein – das machen unsere zweifelhaften Zwangsvorbilder nicht! Quatsch! Die schlafen einfach nur mehr und essen während der Schwangerschaften einen verdammten Reiscracker am Tag! Das ist so ein Schwachsinn!

Ich mochte ein Interview mit Kate Winslet besonders gerne. In diesem kramte sie ihr Bäuchlein raus, zeigte die Stretchmarks und sagte grinsend: „Kampfnarben.“ So einfach ist das. Kampfnarben – so etwas erwirbt man sich, Ladies – das gibt es nicht geschenkt. Kampfnarben haben Leute, die etwas geleistet haben. Vielleicht sogar mehrere Male! Seht her – ich habe welche! Das drückte sie mit diesem Wort aus und ich mag es. Was ’ne Mutige. Ich bin da schissiger. Und verschämter.

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Tigerstripes: Verdient man sich wie das Lametta an ’ner Gardeuniform (?)

Die Mehrheit aller Mamas sieht aus wie Menschen, die Kinder in sich trugen. Und die Körper sagen: „Uff, Collagenketten sind schwer zu halten, wenn sie in alle Richtungen derart gedehnt werden …“

Es gibt einfach Frauen, deren Körper das gut wegstecken und diese dürfen sich herzlich gerne freuen – es sei ihnen doch gegönnt. Und jene, bei denen es anders ist – tja, wir sollten zusammenhalten und uns daran erinnern, dass es ganz normal ist.

Vielleicht wäre es einfacher, wenn man mal drüber reden „dürfte“ statt sich zu schämen. Man müsste einfach mal drüber reden.

Oh, hey, dazu hatte Bettie ja eingeladen.

Ein dickes Küsschen dafür, liebe Bettie ❤ 

Wie man eine junge Mama aufbaut – Blogparade #MeinBriefAnMich

Wie man eine junge Mama aufbaut – Blogparade #MeinBriefAnMich

Jana vom Hebammenblog ruft zu einer sommerlichen Blogparade auf, bei der es darum geht, sich selbst einen Brief zu schreiben. Allerdings in die Vergangenheit. Nämlich zu dem Zeitpunkt, als man eine frischgebackene Mama war.

Das gefiel mir außerordentlich gut!

Ähnliches habe ich bereits bei „Briefe an mein jüngeres Ich“ gemacht und empfand das sehr interessant und auch berührend.

Wie baut man eine junge Mama (sich selbst) auf? Welche Erfahrungen habe ich damals gemacht? Ich nehme Euch mit auf eine Zeitreise und teile meine persönlichen Erfahrungen mit Euch. In diesem Brief an mich als Newbie-Mum vor bald 13 Jahren:

„Liebe Lareine,

Dein erster Gedanke nach drei Stunden Dauerpressen war: „Ich werde für immer die Pille nehmen, bis ich sterbe!“ Nach dieser Tortur hätten sicher viele so gedacht, also hab kein schlech… oh, Moment…da fällt mir sofort etwas ein:

Du wirst in den folgenden Tagen jemanden kennenlernen, der Dein Leben für immer begleiten wird:

Das schlechte Gewissen.

Du wirst es dauernd spüren. Wenn Du mal zwei Minuten an Dich denken möchtest oder alleine ins Bad willst. Wenn Du eigentlich lieber selber etwas essen möchtest, das Deine Tochter Dir aus dem Mund kramen und in den ihren schieben wird. Wenn Du siehst, dass dein Frust-Schoko-Futtern und das Wunschgewicht nicht zusammenpassen. Wenn Du merkst, dass Du das Stillen ganz schrecklich findest und Dich dennoch moralisch dazu gezwungen fühlst.

Wenn Du bemerkst, dass Hebammen, die eine Frau mit schneeweißen Lippen und Schwindelgefühlen, die kaum eine Treppe hinabsteigen kann, nach der Geburtshausgeburt einfach nach Hause schicken, ohne mal wenigstens nach dem Blutdruck zu sehen, vielleicht nicht ganz so gut sind, wie man Dich glauben machen will.

Wenn Du genervt bist, weil Du nie mehr alleine mal eben das Haus verlassen kannst. Oder weil du manchmal Dein High-Need-Baby gern dem Postboten mitgeben willst – das schlechte Gewissen wird immer da sein!

Gewöhne Dich an diesen neuen Dauerbegleiter in dem Wissen, dass all die anderen Mütter, von denen Du keine einzige kennst, weil Deine Freundinnen alle noch längst keine Kinder bekommen haben (oder es niemals tun werden), ebenso empfinden.

Den meisten Müttern geht es wie Dir.

Deine Tochter wird bald eine besonders unleidliche Phase haben. Und noch eine und eine weitere. Sie wird die Definition des Schreikinds erfüllen und Du wirst dauernd an Dir zweifeln. Dann wird sie richtig unzufrieden werden und Du wirst denken, sie wird beim Stillen nicht mehr satt. Die Hebamme sagt: „Immer weitermachen! Mehr anlegen, selbst mehr trinken.“ Du tust das auch, hast sie dauernd an der Brust und dennoch kommt nicht genug Milch. Da wird sie dann sechs Monate alt sein. Inzwischen steckt sie sich Löffel und alles Ähnliche in den Mund. Der Kinderarzt wird entsetzt auf ihr geringes Gewicht gucken und sofort das Zufüttern mit Pulvermilch anordnen. Schon wieder wirst Dich Dich schlecht fühlen, weil Dein Baby Hunger hatte.

Du musst keine Tränen in den Augen haben, wenn Du die Milch kaufen gehst. Viel später wird Dir eine Hebamme sagen, dass es manchmal so abläuft: Das Baby ahmt das Essen nach, indem es dauernd spielerisch „löffelt“, unbewusst reagiert der Mama-Körper mit Milchrückgang, da das Kind signalisiert „Ich will etwas Festes essen! Schnell und viel!“ Besonders selbstständige Kinder, die früh krabbeln und sitzen vermitteln dieses wohl oft dem Mutterkörper.

Wichtig an dieser Erfahrung ist Folgendes:

Trotz des Hebammen-Tipps des Dauer-Anlegens hast Du gespürt, dass Du weniger Milch produzierst und bist dennoch brav der Anordnung gefolgt, obwohl Dir Dein Innerstes sagte: „Sie braucht etwas mehr als das Bisschen Milch.“ Sieh es einfach so: Dein Instinkt war gut, Du bist ihm nur nicht gefolgt. Später aber wirst Du das immer öfter tun und goldrichtig damit liegen.

Zwei Monate später dann wirst Du wieder schwanger sein.

Inzwischen hast Du gerade geheiratet. Ja, es beginnt dann eine anstrengende Zeit für Dich. Du hast natürlich Angst vor all dem, was da auf Dich zukommt. Aber ich kann Dir sagen: Du wirst sehr stolz und oft glücklich sein. Klar, das ist stressig mit zwei so kleinen Kindern zugleich. Und Du wirst oft genug am liebsten wegrennen. Aber nach kurzer Zeit werden die beiden sehr innig und wirklich stundenlang zusammen spielen. Sie werden ein Herz und eine Seele sein. Die kleine große Schwester wird das Baby-Schwesterchen vom ersten Blick an lieben. Dieser Augenblick des ersten Zusammentreffen wird Dich auch nach über einem Jahrzehnt in der Erinnerung noch rühren.

Dein großes Töchterchen will immer mehr als es kann. Und Du unterstützt es sehr gut dabei, sich zu entwickeln. Dein Instinkt wird sich verfeinern und Du hast immer Zugriff darauf. Es ist das Beste, was man hat, denn: Jedes Kind ist anders. Und es können nicht alle Tabellen, Ernährungstipps, Windelsorten und Spielzeuge für jedes Kind gleich gut passen. Daher gibt es die mütterliche Intuition, behaupte ich.

Typische Muttergefühle

Du zweifelst oft an Dir und wenn Du mal lauter wirst und schimpfst, dann schämst Du Dich. Stattdessen wäre es besser, Dich da abzuholen, wo Du stehst: Du bist eine sehr junge Frau von Mitte zwanzig mit einem Säugling und einem Kleinkind, dafür aber ohne Auto in einem kleinen Stadtteil einer Kleinstadt.

Das ist öde, überfordernd und frustrierend. Klar, es ist auch süß, niedlich, stolz machend. Aber eben nicht nur. Die Weichzeichner-Welt der Eltern-Zeitung gibt es in Wirklichkeit nicht. Oder hast Du schon mal eine Familie gesehen, die ausgeglichen und selig lächelnd – und allesamt in Beige und Weiß gekleidet – knallbunte Ostereier bemalen? Nein? Weil es sie nicht gibt!

Es gibt auch nicht die Mütter, die immer gutgelaunt und gerecht sind. Und nicht jene, die lächelnd putzen, während die Kinder pausenlos knatschend an ihrem Rockzipfel hängen, im Putzwasser matschen oder sich auf den Staubsauger setzen. Es gibt keine Frauen, die es aushalten, Woche um Woche mit Kleinkindern in einer Wohnung zu hocken, ohne langsam durchzudrehen, wie ein ein neurotischer Vogel, der den Kopf im Kreis dreht.

Denke mehr an Dich und fülle Deine Ressourcen auf

Du verzichtest zu viel. Du grenzt Dich den Kindern gegenüber zu wenig ab. Deine Bedürfnisse wirst Du nach und nach schon selber nicht mehr wahrnehmen. Daher rate ich Dir, Dich viel mehr auf sie zu konzentrieren. Auch im Kleinen. Trink mal was, wenn Du Durst hast. Dein Durstgefühl nimmst Du ja auch kaum noch wahr.

Höre ruhig auf den Hinweis Deiner Mutter: „Kinder spüren ganz genau, welchen Raum innerhalb der Familie oder der Gesellschaft sie füllen können. Sie richten es sich in diesem Raum ein. In den 1950er Jahren zum Beispiel, da hatten wir kaum Raum. Man bekam eine auf den Mund gehauen, wenn man einem Erwachsenen ins Wort fiel. Heute wenden sich die Mütter den Kindern zu und vergessen, dass sie sich eigentlich gerade mit ihrer Freundin unterhielten. Du bietest den Raum, die Kinder füllen ihn – das ist ein natürlicher Verlauf. Du musst nur überlegen, wo und wie viel Raum du geben willst.“

Die Kinder füllen den gebotenen Raum. So einfach ist das. Sie spüren, ob ein Nein wirklich Nein heißt oder man verhandeln kann. Sie sehen, dass ihre Mutter jemand ist, der regelmäßig Pausen macht und sich Auszeiten nimmt. Oder eben nicht. Und sie werden das in ihrem Leben irgendwann nachahmen. Also mach ihnen das Beste vor 😉

Die Unsicherheiten werden immer weniger und man wird mit der Zeit als Mutter immer versierter. Nur das schlechte Gewissen pappt an einem wie eine Schmeißfliege. Es hilft, sich selbst mit fremden Augen zu betrachten, wenn es wieder da ist.

Statt zu denken: „Hätte ich mal weniger gemeckert heute …“ tut es gut, sich zu sagen: „Hey, du hattest heute deine Periode mit fiesen Bauchschmerzen, die Kinder haben dauernd genölt, das Wetter war mies und dir fällt seit Wochen die Decke auf den Kopf. Jeder Mensch wäre da mies drauf. Nur Mütter glauben, dass sie sich von außen ihre Gefühle bestimmen lassen sollten. Das ist Unsinn. Sei ruhig ein echter Mensch mit echten Gefühlen und Verhaltensweisen.“

Stell Dir vor, Du wärst Deine eigene Freundin – das kann helfen. Wie würdest Du eine gute Freundin betrachten und was würdest Du ihr raten, wenn sie mal meint, zu viel gemeckert zu haben? Oder sich schämt, weil sie sich in einem Leben mit Menschen, mit denen sie sich kaum unterhalten kann, oft langweilt? Manchmal hilft es auch, sich vorstellen, ein Mann würde Dein Leben leben.

Wie es wohl wäre, wenn ein Mann sich für dauernde Vorsorgeuntersuchungen auf so einen Stuhl begeben müsste und wie er es wohl fände, wenn Wildfremde in weißen Kitteln ihnen Finger in alle möglichen Körperöffnungen stecken würden? Oder wenn er mit einem Bauch im Walrossstadium der Schwangerschaft auf dem Badezimmerboden herumkröche, um alles schön sauber zu machen? Schnell merkt man dann, dass man sich wesentlich mehr wie selbstverständlich zumutet, als das andere Geschlecht (in der eigenen Vorstellung) hinnehmen würde.

Hier kannst Du Dich von Deiner Prägung abgrenzen. Das schadet echt nicht. Frauen sind noch viel zu viel darauf geprägt, es allen recht zu machen und erwarten, nur dann Liebe zu bekommen, wenn sie alle selbstlos glücklich machen. Viel zu untergeordnet! Verlange mehr für Dich! Bedenke doch, was Du alles bereits erleben musstest. Ein Mensch wie Du braucht viel Liebe und Verständnis. Vor allem und zuerst von sich selbst.

Ich bin Deine Zukunft

Du ahnst nicht, wie sehr Du und Dein Leben sich verändern werden. Du wirst irgendwann trotz und wegen allem eine selbstbewusste Frau, die ihre Stärken kennt. Klar, das ist ein langer Weg, aber Du bist willensstark und gründlich genug, um meist reflektiert zu sein und Dich sehr genau zu beobachten. So wird das klappen. Und mit den zwei Kindern kommst Du wirklich irgendwann locker zurecht. So gut, dass Du ihre Anzahl im Laufe des kommenden Jahrzehnts verdoppeln wirst …

Im Gegensatz zu Deinen verhassten Pfunden. Von denen wirst Du vom Zeitpunkt der ersten Geburt gute zwanzig Kilo abwerfen. Du wirst irgendwann in den Umkleiden stehen und innerlich jauchzen, weil Dir einfach alles passt, das Dir gefällt. Dafür wirst Du Disziplin und Durchhaltevermögen aufbringen. Glaubst Du jetzt grade nicht, hm? Freue Dich ruhig darauf.

Ach, Du hast echt viele Stärken, wie jede andere Mutter auch –  es dauert nur immer so lange, bis Mütter sich trauen, diese wahrzunehmen und bewusst zu leben.

Vergiss Deine Interessen nicht und halte im Auge, immer genug Ausgleich zu erhalten. Du wirst immer mehr Kinder und immer weniger Zeit für Dich haben. Da ist es enorm wichtig, auf sich selbst zu achten.

Herzlichste Grüße aus Deiner Zukunft

Lareine

Tabuthema Fehlgeburt?

Ich las gerade diesen Artikel und wundere mich nun: Ist das Thema Fehlgeburt wirklich ein Tabu?

Mich hat das Thema irgendwie nie beschäftigt, muss ich zugeben. Ich bekam meine drei Töchter ohne große Angst vor einer Fehlgeburt. Meiner Mutter muss das damals unglaublich blauäugig vorgekommen sein. Sie sagte jedes Mal: „Freu dich nicht zu sehr. Es heißt nicht umsonst Guter Hoffnung sein. “ Das war mir aber zu schwarzmalerisch und ich hab es abgetan.

Weil ich es unsinnig fände, aus etwas Natürlichem und Menschlichen wie einer Fehlgeburt ein Tabu zu machen, schreibe ich meine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema auf. Geburtsberichte gibt es nämlich wirklich wie Sand am Meer. Aber kaum welche über Schwangerschaften, die zu früh enden. Dabei ist das bei einer sehr großen Prozentzahl so.

Als wir uns für eine Nummer 4 entschieden hatten, war ich nicht mehr Mitte Zwanzig sondern tendenziell eher so irgendwie Ende Dreißig. Und da hatte ich mehr Sorgen als Blauäugigkeit. Letztere war inzwischen eigentlich verschwunden. Ich hatte das Gefühl, es würde ein Jahr dauern bis es klappen würde. Und schwierig werden. Ich dachte: „Jetzt ist es März und im kommenden März bin ich dann erst schwanger.“

Ich war zwar nicht mehr blauäugig aber meine gute alte Intuition war wohl geblieben, wie sich zeigen sollte. Zwischen dem einen und dem anderen März lagen bald ein paar negative Schwangerschaftstests. Früher, als ich noch nicht eine uralte Schachtel gewesen war, da war ich immer sehr schnell schwanger geworden. So dachte ich. Und das ärgerte mich – klar, wer spürt schon gern den Zahn der Zeit an sich nagen?
Ich nahm das aber so an und entspannte mich ein wenig. Dann hatte ich den ersten positiven Test. Ich freute mich zuerst über den dünnen zweiten Strich, starrte ihn dann an und dachte: „Der Strich ist zu dünn – das gibt nix.“ Abends bin ich etwas ängstlich ins Bett. Sonntagmorgens wachte ich mit einem typischen menstruationsartigen Ziehen im Bauch auf: „Aus der Traum“ habe ich wortwörtlich gedacht und so war es auch.

Dann, gleich im übernächsten Monat blieb die Regel wieder aus. Neuer Test musste her. Zwei knallblaue Striche! Yeah! Aber das flaue Gefühl blieb. Ich war bei der Frauenärztin, bekam ein Ultraschallbild. Die Fruchthöhle sah irgendwie länglich aus. Die Ärztin sagte, dass müsse nichts bedeuten. Es sei besser, wenn sie sofort rund sei, klar. Aber sie habe genug längliche gesehen, aus denen auch etwas geworden wäre. Ich googelte Tausend Mal „Längliche Fruchthöhle“ und erfuhr, dass dies sowohl ein schlechtes Zeichen als auch nicht von Bedeutung sein konnte.

Ich fuhr über’s Wochenende zu Freunden und hatte recht entspannte Stunden – die beiden freuten sich sehr mit mir über die Neuigkeit, die ich nicht an die große Glocke hängte, aber ihnen mitteilte. Auf der Rückfahrt im Zug dachte ich nach und fühlte in mich hinein. Ich hatte total bekloppte Gefühle. Als hockte da ein panischer kleiner Kerl in mir. Einer, der nicht wusste, ob er gehen oder bleiben wollte.

Wenige Tage danach, am Donnerstagabend, saß ich mit der Familie am Tisch und hatte plötzlich Schmerzen. Ich bekam richtig Panik und spürte sofort: „Oh nein, das war’s“ und legte mich auf das Sofa. Mein Mann versuchte mich mit „Das wird schon nix Schlimmes sein“ zu beruhigen, aber ich wusste, alle seine Versuche, mich aufzumuntern würden sich nicht bewahrheiten. Freitagmorgens fuhren wir zur Ärztin.
Da saß ich dann eineinhalb Stunden mit dem Abortus imminens, dem drohenden Abort, im Wartezimmer. Und blutete immer mehr und spürbarer. Irgendwann begann ich vor lauter Verzweiflung zu weinen und mein Mann brachte mich zu den freundlichen  Arzthelferinnen.

Er: „Meine Frau glaubt, dass sie eine Fehlgeburt hat, wie sie ja auch zuvor am Telefon angekündigt hat. Sie blutet immer stärker. Wenn das nun kein Notfall ist und sie schnell drangenommen wird, dann weiß ich nicht.“

Arzthelferin aus der Vorhölle: „Tja, und? Da könnte man ja nun auch nichts mehr machen. Dann weise ich sie eben jetzt ins Krankenhaus ein!“

Ich: „Nein, ich habe schon fast zwei Stunden blutend hier gewartet. Ich will nicht ins Krankenhaus rüberfahren, mich anmelden und noch mal zwei Stunden warten.“

Sie: „Tja, da kann ich ihnen auch nicht helfen. Mehr kann ich nicht …“

Sie wurde unterbrochen, weil meine Ärztin aus dem Sprechzimmer kam und mich (weinendes Häufchen) geschockt ansah. Dann befragte sie mich, warf der Bösen einen ebensolchen Blick zu und nahm mich mit ins Behandlungszimmer.

Ein kurzer Ultraschall, noch mehr Tränen – sogar bei der Ärztin. Ja, es war ein vollständiger Abort. Eine Fehlgeburt.

Ich musste danach dann zum Drogeriemarkt und mir zwei Packungen dicker Binden kaufen, um aufzufangen, was von meiner einstigen, unsicheren Freude noch übrig war.

Zuhause erklärte der Mann den Kindern, was passiert war. Sie konnten das nicht recht greifen. Jedenfalls eierten und kreischten sie bald ausgelassen und nervten mich Trauerkloß kolossal. Ich hab sie dann angeschnauzt und mich noch mieser gefühlt.

Ich habe in den folgenden ersten zwei Wochen des Vor-mich-hin-Blutens immer wieder Panik gehabt, das Blut könnte Reste der Frucht enthalten und ich würde das sehen – daran erinnere ich mich noch. Und ich empfand das irriger Weise alles als schmerzhaft demütigend, dieses Bluten. So, als würde ich es einfach nicht mehr können , das Schwangersein.

Ich war echt traurig und musste dann lernen, denjenigen, den ich wegen seiner mir so erschienen Angst vor dem Leben Prinz Panik genannt hatte, loszulassen. Ich dachte mir, er findet eine andere Familie – eine, in der man sich nur auf ihn, den Verängstigen, konzentrieren kann. Und das gefiel mir. Ich stellte mir ein Paar vor, das am besten schon lange auf ein Kind gewartet hatte, bei denen er dann die Nummer 1 war. Das gefiel mir sehr. So konnte ich ihn loslassen. Den Schwangerschaftstest habe ich mit dem Ultraschallbild umwickelt und alles zusammen in einen Schrank gelegt. Der Geburtstermin wäre der 24.6.2013 gewesen. Dieses Datum vergesse ich irgendwie nicht.

Das war im Oktober 2012.

Ich bin nicht lange sehr traurig gewesen. Nur die folgenden Monate waren anstrengend, weil ich mich ja immer fragen musste, ob es jemals (erfolgreich) wieder klappen würde. Ich wurde zum Hämatologen geschickt, der erzählte was von leichter Hämophilie und leichter Thrombophilie. Bei einer folgenden Schwangerschaft würde ich mir täglich Heparinspritzen verpassen müssen. Später, bei der Anmeldung zur Geburt, belächelte der Chefarzt der Gynäkologie im Geburtskrankenhaus diese übervorsichtige Diagnose. Er meinte nicht, dass diese im Zusammenhang mit den Fehlgeburten stünde.

Es war März 2013, als ich den dritten positiven Test hatte, der dann auch wirklich und wahrhaftig die heutige Nummer 4 anzeigte.

Bis ich der neuen Schwangerschaft traute vergingen circa fünf Monate derselben und einige Ultraschalluntersuchungen. Ich lernte, mich selbst zu spritzen. Seitdem machen mir Spritzen und Blutabnahmen nix mehr aus. Insgesamt wuchs mit jeder Woche der Schwangerschaft das wackelige Gefühl der Sicherheit. Ich hatte anfangs die irrige Angst, es könnte schon wieder Prinz Panik sein, der sich bei mir einnistete, um dann vielleicht nicht in der 9. oder 10. Woche, sondern in der 13. oder 14. Woche zu verschwinden. Die Angst blieb eine Weile. Aber plötzlich war ich mir sicher: Das ist jemand anderes und er wird bleiben.

Ich glaube, ich habe die Fehlgeburt recht gut überwunden, weil ich glaube, dass sie zum Leben einfach dazugehört. Weil ich nicht davon ausgehe, dass Kinder entstehen, weil Eltern sie machen oder schöner: zeugen, sondern weil es Seelen sind, die bei passenden Familien leben wollen. Manchmal entscheiden sie sich dann um. Das muss man ihnen zugestehen. Man muss sich dann in Liebe trennen. Aber dies spiegelt nur meine persönliche Einstellung wieder. Inzwischen lebt Prinz Panik sicher irgendwo und wird prima umsorgt. Das ist doch eine tröstliche Vorstellung. Ich bin nur traurig, weil ich ihn niemals kennenlernen werde. Ansonsten habe ich das Erlebte gut verdaut.

Manchmal aber, wenn ich abends müde und etwas unkonzentriert etwas im Internet schreibe, wie einen Kommentar oder Ähnliches, dann ertappe ich mich dabei, zu schreiben „Ich habe 5 Kinder“ und das einfach korrigiere. So als hätte ich den Überblick verloren. Aber erst, als ich diesen Artikel hier geschrieben habe, wurde mir überhaupt erst bewusst, warum das so ist.

Leben ist nicht selbstverständlich. Und zugleich alltäglich – es ist schwer, in einem Leben voll scheinbarer Sicherheit mit den letzten großen Unsicherheiten zu leben. Das macht Fehlgeburten heute so schwierig. Und man spricht vielleicht echt nicht viel darüber. So entsteht der Eindruck, sie passierten so selten.

Nummer 4, unser bezaubernder Minimann mit den rund fünfzig Kosenamen, ist inzwischen ein Jahr bei uns.

Ja, der energiegeladene kleine Junge, der zu mir passt und den ich so von Herzen zu uns eingeladen habe, wohnt nun hier. Das verflixte erste Jahr, in dem etwas wie SIDS droht, ist auch vorbei – es sieht so aus, als bliebe er.

Während der Trauer über die Fehlgeburt las ich mal, dass es einen alten Mythos gibt, nach dem der Erzengel Gabriel die – stets protestierende – Seele aus dem Paradies hole und während der neun Monate im Mutterleib erzöge. Ich musste bei dem bildhaften Gedanken schmunzeln: Eine Seele wehrt sich bei der Idee, ein Mensch zu werden und ein Leben meistern zu müssen.
Und so hatte ich aus irgendeinem Grund Verständnis mit Prinz Panik. Ich dachte mir, er hat zwei Anläufe gebraucht und immer nur kurz in meinem Bauch durchgehalten. Er braucht wohl noch etwas Zeit … im Paradies …. Oder wo auch immer.

Dann kam eben einer und hat wohl nicht so sehr protestiert. Was für ein Glück, für das man durchaus Dank empfinden darf.

„Ich glaube, wenn jetzt jemand unfreundlich oder nervig zu mir ist, dann krieg ich einen Heulkrampf. Oder laufe Amok. Meine männliche und weibliche Seite streiten noch.“

Meine Frau, hochschwanger in einem völlig durcheinandergewirbelten Haus eingesperrt. Wir haben ja Die Handwerker ™ da.

Ich habe momentan ein bißchen Angst nach Hause zu kommen. Weil ich weder für den Heulkrampf verantwortlich noch Ziel für den Amoklauf sein möchte. 😉