Sachverhalt (annähernd) geklärt

Wow, ich war überwältigt von den vielen Reaktionen zu meinem Artikel gestern. Damit hatte ich absolut nicht gerechnet.

Ich hatte ihn geschrieben, weil ich unsicher war, wie ich reagieren sollte, nachdem Nummer 3 mir gestern von jenem Vorfall im Schwimmunterricht erzählt hatte. Was sollte ich tun? Schulleitung anrufen oder schriftlich schildern? Sollte man das Schulamt hinzuziehen?

Ich beschloss, Schritt für Schritt vorzugehen. So begann ich, ein Schreiben an die Schulleitung aufzusetzen, um anschließend einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Schon öfter hatte ich erlebt, dass ich nach Berichten meiner Kinder aufgebracht ein schnelles Gespräch mit Lehrern gesucht hatte – so wie sicherlich viele von uns. Meist stellte sich die Angelegenheit als harmloser dar, als sie mir vorgekommen war.

Manchmal fand ich auch, die Lehrer wiegelten ab. Es gibt zum Beispiel einen Jungen in der Klasse von Nummer 1 und 2, der andere Kinder intim berührt – er fasst ihnen an den Po oder anderen Jungen in den Schritt. Mit der Klassenlehrerin besprach ich diese Angelegenheit – das ergab sich, weil ich ohnehin einen Termin mit ihr hatte. Die Lehrerin sagte, sie habe darüber bereits mit den Eltern geredet, der Junge „grapscht“ allerdings weiter. Letztlich könne sie da nicht viel machen. So ging es uns oft – wir sind von den Handlungskompetenzen seitens Schulen nicht unbedingt zutiefst überzeugt.

Das alles ermutigte mich nicht, gestern sofort empört loszulegen. Obwohl ich sehr empört war.

Also setzte ich mich hin und schrieb. Ich rief Nummer 3 dazu, auch ihre Freundin Yolanda war da. Ich fragte, wie das Ganze genau abgelaufen war. Schließlich wollte ich ja auch die Lehrerin gerecht behandeln und mich an Fakten halten.

Es stellte sich Folgendes heraus:

Nummer 3 und Yolanda haben Angst vor der Lehrerin. Vor allem seit der Drohung, sie müssten nackt schwimmen. In ihrer Angst hatten sie auf Unterstützung durch uns Eltern gehofft. Irgendwie hatten sie befürchtet, wir würden ihnen nicht recht zur Seite stehen, weil die Lehrerin „nur irgendwas androht“.

Und so hatten sie sich ausgemalt, wie es wäre, wenn ihre Angst Realität würde. Und das Ergebnis hatte man mir schließlich erzählt.

Jeder kennt die Prämisse, seinem Kind zu glauben. Bisher habe ich auch noch nie erlebt, dass sie Unwahres erzählt haben und ich daraufhin unnötig Alarm schlug. Oft empfanden sie Siuationen schlimmer, als sich später herausstellte. Klar, weil sie Kinder sind und die Welt noch nicht so gut kennen wie wir. Oder weil sie eben einfach so empfanden.

Übrig bleibt in diesem Fall zum Glück nur eine Drohung.

Aber:

Ich empfinde diese Drohung als kompletten pädagogischen Fehlgriff. Entweder, man droht etwas Umsetzbares an oder man schweigt. Frau Klotz hatte ja bereits einmal komplett versagt. Ein Kind, das sich vor anderen entblößt, ist verhaltensauffällig. Die Eltern wurden nicht kontaktiert, unsere Tochter bekam lediglich einen geschmacklosen Kommentar, wie man ihn zuletzt in den 1950er Jahren hörte.

Auch ich traute der Lehrerin so etwas zu. Prinzipiell schienen alle kommentierenden Leser*innen dies zu tun. Eigentlich erschreckend, finde ich.

Ich werde die Schulleitung nun in Kenntnis davon setzen. Von beiden Vorfällen. Auch wenn der eine schon zwei Jahre her ist. Weil beide einfach schrecklich unpädagogisch sind. Und weil ich keine Lust habe, verständnisvoll zu denken „Ach, die arme Frau ist überfordert oder hat einfach nicht die nötigen Kompetenzen, weil sie im Studium nicht vermittelt wurden.“ Wer so etwas tut, der ist ja vermutlich ansonsten nicht pädagogisch einwandfrei unterwegs.

Ich habe heute mit einer Bekannten den Fall besprochen, die ebenfalls Grundschullehrerin ist. Wir kamen schnell überein, dass man die Reaktion der Kinder ernst nehmen soll. Auch wenn es seltsam anmutet, dass sie eine Geschichte  konstruierten. Das taten sie, weil das Vertrauensverhältnis zur Lehrkraft eklatant gestört zu sein scheint. Und auch das müssen wir als Eltern natürlich ernst nehmen.

Zuerst dachte ich, ich hätte überreagiert. Doch die vielen Reaktionen zeigten mir, dass es anderen Müttern ganz genau so ergangen wäre. Dann war es mir unangenehm, dass meine Tochter so etwas Konstruiertes erzählt hatte. Doch sobald ich den Hintergrund begriff, nämlich die bebilderte kindliche Angst, räumte ich auch dies für mich aus.

Zurück bleibt das gute Gefühl, dass sich viele Menschen einsetzen würden, wenn ein unpassender oder schädigender Vorfall in der Schule passieren würde. Und dass bisher kein Kind im Schwimmunterricht wirklich zu Schaden kam.