Mobbing: Unser Update

Wie läuft es denn im Moment bei uns?

Wie versprochen halten wir Euch auf dem Laufenden, was das Mobbing gegen Nummer 2 betrifft.

Im Moment sieht es so aus – auf Facebook hatte ich das bereits erwähnt, aber so erreiche ich Euch alle:

Seit der Veröffentlichung und Euren vielen lieben Mails, Nachrichten und Kommentaren geht es Nummer 2 sehr viel besser.

Eure Worte waren heilsam.

Sie zeigten ihr, dass sie nicht alleine ist und dass auch viele heute erwachsene Menschen einst Opfer dieser perfiden Form von Gewalt wurden.

Nummer 2 zog verschiedene Erkenntnisse aus den Artikeln und Mails:

  • Es sind vor allem intelligente, warmherzige und empfindsame Menschen, die Opfer von solchen Angriffen werden
  • Viele LehrerInnen scheinen mit dem Thema überfordert zu sein
  • Viele Eltern sind, wenn sie von den Kindern in#s vertrauen gezogen wurden, oftmals hilflos, da keine Zusammenarbeit mit der Schule entsteht, die einen guten Ausgang findet
  • Es gibt viel mehr Mobbing, als man zunächst annimmt. Letztlich erinnert sich sehr viele daran, entweder selber attackiert worden zu sein oder dass es ein Kind in der eigenen Klasse gab, das Ziel irgendwelcher Angriffe wurde
  • Mobber sind meistens entweder selbst gemobbt wurden und wechseln die Seite oder fühlen sich durch Eigenschaften des Opfers tief verunsichert.
  • Gespräche mit den Eltern von Mobbern bringen meistens keinerlei Verbesserung. Auch, weil die Eltern eher durch Verleugnung oder Verharmlosung das Thema abwehren

Wir danken Euch allen sehr für die so liebevollen Wünsche und auch für den Mut, Eure Erfahrungen aufzuschreiben, was ja schließlich nicht einfach ist.

Aktuell 

Nummer 2 hat nun so viel Selbstbewusstsein durch all die lieben Wünsche und empfindsamen Nachrichten wachsen lassen, dass sie in der Schule nicht mehr angegriffen wird. Sie wirkt ganz anders auf uns: Fröhlicher, mutiger, gestärkter und immer wieder ziemlich humorvoll und losgelöst.

Und was lief auf dem offiziellen Weg?

Wir hatten vor einigen Wochen das Schulamt angeschrieben. Dies geschah auf Empfehlung der Klassenlehrerin, die dies für eine gute Idee hielt. Wir erbaten weitere Informationen oder einen Rat, wie wir gemeinsam dieses festgefahrenen fall von Mobbing lösen könnten.

Freitag erhielten wir dann, ohne zuvor eine Antwort auf unsere Mail erhalten zu haben, einen Brief vom Schulamt.

Diesen fasse ich mal eben zusammen:

Man habe Rücksprache mit der Schule gehalten. Hierbei sei Einsicht in die Schulakte bezüglich Nummer 2 genommen worden. Dies habe ergeben, dass Nummer 2 aggressiv sei und den Konflikt aktiv vorantreibe. Dies bewiese sich dadurch, dass sie einem Jungen (dem zu der Zeit aktiven Haupt-Mobber) die Brille von der Nase geschlagen habe. Sie sei auch aggressiv gegen ihre Schwester (klar, sie war aggressiv gegen jeden, als sie sich wie ein gehetztes Tier fühlte). Zudem habe ihr Vater sie zur Gewalt aufgerufen (sicher, wir haben mal irgendwann gesagt, dass wenn ihr kein Lehrer hilft und auch Worte die Jungs nicht bremsen und diese sie auch physisch angreifen, sie sich ebenfalls physisch wehren darf. Dies tat sie während der drei Jahre zwei Mal.)

Ich kontaktierte die Schulpsychologin, die mit dem Schuldirektor sprach. Sie erfuhr, dass die Inhalte der  Schulakte Interna sind, die nicht weitergereicht werden.

Schön. Aber leider zeigen sie dennoch, wie das Schulsystem wahrnimmt und das Schulamt reagiert:

„Du bist kein Opfer (und bekommst keine Hilfe vom Schulamt), wenn Du Dich gegen Gewalt wehrst!“

Wir werden noch einmal ein (abschließendes) Gespräch mit dem Direktor abstimmen und mitteilen, wie wir es finden, dass eine Gegenwehr nach Jahren des Mobbings dergestalt aufgezeichnet wird.

Die Schulpsychologin führte an, dass sowohl das Schulamt als auch die Schule schließlich irgendwie vermutlich ihr System schützen wollen und kaum anders handeln können. Sie nähme aber an, dass in der besagten Schulakte mehr stehen würde, sicherlich auch Positiveres und das Schulamt dies nur nicht erwähnt habe, um seine eigene Darstellung nicht zu gefährden.

Ich persönlich glaube das so nicht. Aber wir werden sehen.

Ich möchte nicht behaupten, an dieser Schule könne man nicht einfach ganz normal und unbehelligt lernen. Fachlich hat die Schule große Kompetenzen.

Leider aber eben auch Schwächen, wenn es um ein so sensibles Thema wie das Mobbing geht. In unserem „traurigen Einzelfall“ zeigte sich das in unserer Stadt sehr angesehene Gymnasium zumindest Jahre lang nicht als wahrnehmend und unterstützend. Dafür hat es nun alles getan, das ihm möglich war, um uns zu unterstützen.

Okay, und da ist dann noch die Schulakte, die unser Vertrauen dann wieder maßgeblich störte.

Unser Fokus

Im Augenblick liegt der Fokus auf dem Erhalt des Ist-Zustandes:

Nummer 2 berichtet, wie einer der Mobber sie für etwas lobte und sie ihm die Tür aufhielt, als er seinen Geburtstagskuchen in die Klasse trug.

Man feuerte sie im Sportunterricht an (wobei sie natürlich zuerst wieder von Hänseleien ausging …) und insgesamt verhalten sich die MitschülerInnen derzeit positiv menschlich.

Wir gestalten in Absprache mit der Schulpsychologin mit viel Bedacht den inneren Abschied aus der Schule und diesem Wohnort. Nummer 2 erhält zudem Unterstützung durch eine Jugendpsychologin. Bei unserem zweiten Gespräch in der Praxis war das Resümee des Psychologen ungefähr so:

„Dieses Kind hat eine starke und sehr gut entfaltete Persönlichkeit. Ich erkenne dies deutlich, obwohl sie sehr wenig sagte und schüchtern wirkte. Das ist sehr gut wahrzunehmen.

Mit ihrer elterlichen und unserer fachlichen Begleitung werden wir die Folgen dieser Erlebnisse sehr gut aufarbeiten können, so dass das Kind keine allzu großen Beeinträchtigungen mit durch das Leben nehmen wird.“

Das stimmt doch optimistisch, oder?