Wir sind ganz groß im Geschenke auffressen

Wir mussten in letzter Zeit zweimal kleine Geschenke kaufen, aus unterschiedlichen Gründen. Weil wir aktuell keine Kapazitäten für kreative Ideen haben, kaufe ich deswegen immer Schokolade. Schokolade geht ja irgendwie immer.

Jedenfalls fiel die Verabredung, für die wir das erste Schoko-Geschenk benötigten, beim ersten Anlauf ins Wasser. Abends saßen meine Frau und ich dann vor dem Beamer und guckten was. Irgendwann schauten wir uns an.

„Wir sind jetzt ja doch nicht verabredet …“

„Hm, stimmt …“

„Da könnten wir doch neue Schokolade kaufen bis nächstes Wochenende, oder?“

„Ja, das könnten wir natürlich machen …“

Wenig später hatten wir irgendwie kein Geschenk mehr. Eine Woche später düste ich abends nochmal los um Nachschub zu holen, am nächsten Tag waren wir wieder verabredet. Eisern wie ich bin kaufte ich natürlich nur das Geschenk und keinen Fresskram für uns.

Aber es kam, wie es kommen musste: Später am Abend schielten wir auf das Präsent.

„Tankstellen haben doch morgen auf, oder?“

„Eigentlich schon …“

„Also dann könnten wir ja …“

Ihr müsst verstehen, wir sind dauernd übermüdet und unterspaßt momentan. Wir wollen zwar nicht, aber zu oft fällt uns Abends dann doch auf, dass wir ja nicht viel zu lachen haben und dass ein paar Chips oder so was ja doch gerade recht käme. Oder eben Schokolade. Nur kaufen wir nie was, damit wir es nicht essen.

Ein Abend, an dem wir so etwas quasi genau vor der Nase haben ist daher eine Herausforderung für unsere Selbstdisziplin. Und wie es halt so ist wenn man sonst nicht viel zu lachen hat (All work an no play makes Jack a dull boy …) ist es mit der Disziplin weniger weit her als sonst.

Wie es endete? Wir haben uns durch sozialen Druck im Zaum gehalten – ein Geschenk von der Tankstelle kam nicht in Frage.

Aber gestern habe ich wieder ein Präsent gekauft, Schokolade, so eine Monster-Merci-Tafel mit 800 Gramm. Weil Nummer 3 verschollen war (bei Gelegenheit mehr dazu) und die Mutter einer Schulkameradin sie gefunden hatte. Leider vergaß Nummer 3 das Geschenk mitzunehmen. So dass es jetzt abends zuhause liegt. Und was passiert? Ich kriegte eine Nachricht von meiner Frau.

„Wann kommst du nach Hause?“

„Ich warte schnell noch auf die IT und mache mich dann auf den Weg …“

„Du musst schnell kommen.“

„Wieso? Notfall?“

„Du musst mich davon abhalten die Riesenschachtel Merci anzufressen!“

Wir müssen morgen sowieso einkaufen. Das Schickal der Monsterpackung Merci ist ungewiss …

Peak Schokolade

In einer monatelangen, vorwiegend von Rückschlägen und Misserfolgen geprägten Auseinandersetzung habe ich mich vor kurzem durchgesetzt: Wir kaufen keine Nuss-Nougat-Creme mehr.

Dabei ging es bei uns gar nicht primär um Ernährung. Es ist mehr der Effekt auf Kindergehirne (und Arbeitsplatten), den dieses Zeug hat. Nusspli&Co im Haus hießen: permanente Schokostreifen auf der Arbeitsplatte, begleitet von permanenten Krümeln. Und schokobeschmierten Messern. Und schokobeschmierten Gesichtern. Und schokobeschmierten Tapeten.

Ich habe oft gedroht, dass ich das nicht mehr lange dulden würde, wenn die Mädels ihren Konsum nicht mäßigen würden. Aber, wie so oft, ohne den Segen der Hausherrin war diese Drohung nicht viel wert. Bis es endlich gelang, meine Frau auf meine Seite zu bekommen.

Wir haben 3 Stufen durchlebt:

1. Wir haben regelmäßig Nusspli und Belmandel gekauft. Ergebnis: Die Kinder aßen NIX anderes, löffelten das Zeug teilweise weg und schmierten sich alle naselang zwischen den Mahlzeiten dick bestrichene Brote. Oft war der 400 Gramm-Becher am Tag nach dem Einkauf leer (sic!).

2. Wir haben das Zeug auf das Wochenendfrühstück beschränkt. Ergebnis: Der 400 Gramm-Becher war auf jeden Fall (!) Samstag bereits leer. Die Gesichter trotzdem beschmiert. Und die Zahl der Schokolöffel in der Küche nahm in dieser Zeit noch einmal zu.

An diesem Punkt war bei uns im Haus Peak Schokolade erreicht – die verfügbare Schokomenge würde nicht mehr zu, sondern nur noch abnehmen. Und wie schnell das ging – denn es kam Stufe 3:

3. Wir verlagerten uns bei der Frühstücksschokolade auf Eszet-Schnitten. Erwarteter Vorteil: Handlich, und in kleineren Portionen käuflich. Beim ersten Frühstück damit rasteten die Mädels aus und warfen sich gegenseitig vor, zu viele Eszet-Schnitten aufs Brot zu tun. Also endete auch diese Phase, da wir Frieden beim Frühstück wollten und keinen Krieg um die knappen Schokoressourcen.

Also bestätigte meine Frau:

„Wir kaufen das Zeug jetzt nicht mehr.“

Am Tag darauf klebte die halbe Küche voll mit Marmelade. Offensichtlich haben die kleinen Zuckerjunkies sich auf das rote Methadon verlegt – und pfeifen sich davon erhöhte Mengen rein. Ich wollte schon die DEA rufen, da meinte meine Frau:

„Dann kaufen wir halt auch keine Marmelade mehr.“

(Ja, die Linie bei uns zuhause wird härter – die Konservativen sind an der Macht.)

Am Wochenende fiel mir auf, dass ich selbst ja auch ganz gerne süß frühstücke. Nur ohne Marmelade, Nusspli, Belmandel oder Eszet-Schnitten wird das irgendwie nichts.

Ich: „Mist, ohne Marmelade habe ich jetzt auch nix Leckeres mehr zum Frühstücken.“

Meine Frau: „Dann kauf Dir eine, die die Kinder nicht mögen.“

Ich: „So wie Orangenschalenmarmelade? Aber die mag ich auch nicht!“

Meine Frau: „Frühstück so wie wir es mögen? Das ist ein Luxus, den wir uns nicht erlauben können.“