Vergackeiert.

Vergackeiert.

Es gibt wieder einmal eine Tischgebets-Geschichte vom heiligen Augustinus. 🙂

Als wir vor einigen Tagen beim Mittagessen zusammensaßen, verkündete Nummer 3 mal wieder:

„Los, alle schlagen die Hände zusammen!“

Wir waren sehr hungrig, da wir während des Urlaubs meistens relativ spät kochen. Von ihren beiden großen Schwestern kam ein Murren, aber Nummer 3 blieb unerbittlich. Als wir also alle die Hände gefaltet hatten, begann sie zu beten:

„Lieber Gott, wir danken Dir für unser Essen …“

Nummer 2 (hungrig ins Wort fallend): „Amen!“

Ein kritischer Blick von Nummer 3. „Ich komme mir irgendwie vergackeiert vor“, meinte sie.

Wir haben (natürlich) doch noch ordentlich zu Ende gebetet.

„Das ist so was wie die Zeugen Jehovas!“

In der Küche haben wir eine Sammelstelle für Rotgeld. Ihr wisst schon, die kleinen Münzen, die nicht mal mehr für eine Zuckerstange reichen, dafür aber das Portmonee aufblähen wie eine Portion Bohnen mit Speck. Als heute Bestandsaufnahme angesagt war, fehlte irgendwie ungefähr die Hälfte unseres Bohnengelds. Nach einer Weile gestand Nummer 1 kleinlaut:

„Ich hab das irgendwann mal mit nach oben genommen …“

Ich konnte nicht so recht verfolgen, aus welchem Grund man einen Plastikbeutel mit Rotgeld „mal mit nach oben nimmt“ – eigentlich habe ich währenddessen an etwas gearbeitet – fünf Minuten später jedenfalls war man bei Rechtstheorie angekommen.

„Nein, Nummer 2, ein Raub war das nicht,“ dozierte meine Frau. „Bei einem Raub wird immer Gewalt angewendet. Wenn überhaupt war es Diebstahl …“

„Aber ich hab es wieder runtergebracht!“ beschwerte sich Nummer 1.

„Und wo ist es dann jetzt?“ fiel ihr Nummer 2 in den Rücken.

„Wenn Du es weggenommen hast und es dann wiederbringst, es dann aber verschwindet, hast Du eine Teilschuld, Nummer 1“, erklärte meine Frau weiter. „Ich muss ja zu meiner Schande gestehen dass ich früher Jura studieren wollte.“

„Jura? Was ist denn das?“ mischte sich Nummer 3 ein. Darauf meinte Nummer 2 im Brustton der Überzeugung: „Das ist so was wie die Zeugen Jehovas.“

Fast, würde ich sagen. Die meisten Menschen sind sicherlich von Juristen, die plötzlich vor ihrer Haustür stehen, sehr genervt – nur lassen sich diese nicht so leicht wegschicken wie die Zeugen Jehovas. Also ist Jura wohl was Schlimmeres. 😀

Der Schutzheilige

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Die Kinder packen gerade ihre Nikolaussocken aus. Dabei ist auch dieser stilechte Schoko-Nikolaus (nicht „Weihnachtsmann“). Auf der Packung stehen auch ein paar Informationen zum edlen Schokoladenspender – unter anderem dass er der Schutzheilige der Schüler, aber auch der Rechtsanwälte ist. Das war mir neu.

„Wieso ist der heilige Nikolaus der Schutzpatron der Rechtsanwälte?“ meinte ich. „Ich dachte der Teufel wäre für die zuständig!“

Das rief den heiligen Augustinus auf den Plan.

„Eyyy!“ rief er Nummer 3 aus. „Pass mal gut auf! Wenn Du andere beschuldigst, wird der Teufel am Ende Dein Schutzheiliger!“

Ich ergänzte im Kopf: Und jetzt ab auf Deine Kammer und 50 Rosenkränze beten!

Muss man ein religiöser Spinner sein, um Abtreibungen abzulehnen?

Wir versuchen ja eigentlich kontroverse Themen (richtig kontroverse Themen, nicht so was wie „eigentlich ist die Familienpolitik vielleicht ein bißchen doof“) hier mehr oder weniger zu vermeiden. War zumindest in der Vergangenheit so die Leitlinie dieses Blogs, zum Guten oder zum Schlechten. Soll ja schließlich Spaß machen hier.

Aktuell hält mich jedoch ein Artikel der Welt von diesem Grundsatz ab. „Hasskampagne gegen Abtreibungsklinik“ heißt es da, und erzählt wird eine nette Geschichte von christlichen Fundamentalisten und Polit-Pariahs, die sich gegen eine arglose Klinik zusammengerottet haben.

Nun ist es ja politisch in Deutschland durchaus vertretbar, nicht gegen Abtreibungen zu sein, und ich gebe zu dass ich mit 16 auch noch der Meinung war dass die Freiheit der Frau über einem „Zellhaufen“ stehen würde. Diese Zellhaufen-Argumentation ist ja sowieso der Kern jedweder Befürwortungsargumentation – denn wenn man den ungeborenen Menschen nicht auf seine biologischen Bestandteile herabwürdigt ist jedes Argument pro Abtreibung ohnehin hinfällig. Übrigens bin ich bis heute nur ein Zellhaufen. Ein ziemlich großer vielleicht, aber im Grunde genommen …

Jetzt stört mich an diesem Artikel vor allem die Zwangsverbindung zwischen christlichen Fundamentalisten (das sind doch die, die schwulen Soldaten aufs Grab pinkeln, oder?) und dem politisch rechten Rand mit dem Thema Abtreibung. Wie zahlreiche Leser auch in den Facebook-Kommentaren bemerken, ist diese Verbindung unzulässig.

Ich verstehe insgesamt nicht so ganz, warum das Thema immer so emotional behandelt wird. Im Grunde genommen ist es doch sehr einfach: Selbstverständlich ist eine Abtreibung moralisch nicht vertretbar, weil sie dem Kind sein Recht auf Zukunft nimmt. Dieses Recht steht aus einer ethischen Perspektive über den Wünschen der Mutter oder des Vaters, denn finanzielle Probleme und sogar weitaus größere Sorgen können natürlich nicht dieses Recht „überschreiben“, nur weil man 30 Jahre mehr auf dem Buckel hat als der andere und 160 cm plus größer ist.

Jetzt sind mir die feministischen Implikationen dieses Themas durchaus bekannt und ich bin bereit Grenzfälle wie die Schwangerschaft nach einem sexuellen Übergriff anzuerkennen (wobei eigentlich das Kind ja nichts dafür kann). Trotzdem ist jede Argumentation pro Abtreibung am Ende allein opportunistisch – was ja keine Schande ist, wir sind ja alle Menschen und verhalten uns nicht immer moralisch. Ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich Vegetarismus für ethisch ähnlich zwingend halte (auch wenn es da „nur“ um Tiere geht) – und trotzdem nur auf Konsumreduktion setze. Mir stößt es nur immer sauer auf, wenn Leute irgend etwas künstlich aufbauschen um ihre eigenen Fehler zu überdecken.

Also, noch mal zum Mitschreiben: Man braucht kein Evangelical oder Nazi zu sein, um gegen Abtreibung zu sein, liebe Welt.

Gerade in der Küche

Ich: „Es wird wahrscheinlich bis zum Wochenende dauern, bis ich die Kiste mit meinen Sommersachen im Schlafzimmer ausräumen kann. Morgens gehe ich aus dem Haus, bevor das Baby wach ist, und abends liegt er auf mir drauf bis ich ihn rüberbringe …“

Meine Frau: „Das ist mir ganz egal, was im Schlafzimmer rumliegt. Von mir aus kannst Du da auch eine Eidechsenzucht eröffnen. Ich bin Existenzialistin geworden.“

Ich: „Müsstest Du dann nicht versuchen, besonders viel Spaß zu haben?“

Sie: „Sind das nicht die Hedonisten?“

Ich: „Ich glaube Hedonisten und Existenzialisten sind miteinander verwandt, Existenzialisten glauben doch dass es außer der Existenz nichts gibt und dass sie deshalb Spaß haben müssten …“

Sie (grinsend): „Also sind sie Antichristen…“

Ich: „Nein das waren noch mal andere.“

(kurze Pause)

Sie: „Oh verdammt. Eigentlich meinte ich Expressionisten.“

Ich: „Was haben die denn jetzt mit unserem Schlafzimmer zu tun?“

Sie (bedrückt): „Ich dachte ich würde ein witziges Wortspiel mit Kunst machen. Aber jetzt fällt mir auf, dass ich einfach wieder reif für einen Übermüdungspost bin.“