Der Schutzheilige

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Die Kinder packen gerade ihre Nikolaussocken aus. Dabei ist auch dieser stilechte Schoko-Nikolaus (nicht „Weihnachtsmann“). Auf der Packung stehen auch ein paar Informationen zum edlen Schokoladenspender – unter anderem dass er der Schutzheilige der Schüler, aber auch der Rechtsanwälte ist. Das war mir neu.

„Wieso ist der heilige Nikolaus der Schutzpatron der Rechtsanwälte?“ meinte ich. „Ich dachte der Teufel wäre für die zuständig!“

Das rief den heiligen Augustinus auf den Plan.

„Eyyy!“ rief er Nummer 3 aus. „Pass mal gut auf! Wenn Du andere beschuldigst, wird der Teufel am Ende Dein Schutzheiliger!“

Ich ergänzte im Kopf: Und jetzt ab auf Deine Kammer und 50 Rosenkränze beten!

Nummer 3 verschwindet gern

Ich hatte es ja angekündigt. Der Grund für die Merci-Schokolade war ein (erneutes) Verschwinden von Nummer 3.

Die hat nämlich leider schon seit sie sehr, sehr klein ist einen Hang zum Abhauen – ungefähr seit sie laufen kann. Das wahrscheinlich schlimmste derartige Ereignis passierte uns vor vier Jahren in Holland am Strand. Wir hatten gerade eine Strandmuschel aufgeschlagen und ich, damals noch deutlich gezeichneter von meiner gerade überwundenen Krankheit als heute, wollte mich erstmal da reinlegen, während meine Frau mit Nummer 1 und 2 zum Meer marschierte. Dummerweise sah ich von der Strandmuschel aus, dass Nummer 3 ihnen hinterherlief – während meine Frau im Glauben war, unsere Jüngste würde bei mir bleiben. Das Ergebnis: Auf halbem Weg bog Nummer 3 nach links ab und war weg.

15 Minuten später kamen die Drei aus dem Meer zurück und wir fragten uns beide entgeistert:

„Wo ist denn Nummer 3?“

Bis hierhin hätte es ja noch eine lustige Anekdote sein können. Leider blieb sie fast eine Stunde verschollen. Wir haben sogar Baywatch gerufen und den gesamten Strand mit einem Jeep abgesucht. Die niederländische Küstenwache war davon überzeugt, dass Kinder am Strand immer nur mit der Sonne im Rücken laufen – weshalb wir die ganze Zeit in der falschen Richtung gesucht haben. Als wir uns schon fragten, ob sie ins Meer gelaufen und ertrunken war, kam endlich die erlösende Durchsage: Jemand hatte sie gefunden, in der völlig falschen Richtung, rund zwei Kilometer weit entfernt.

Ich glaube nur Eltern können nachvollziehen, was in so einem Moment in einem vorgeht. Im Gegensatz zu uns steckte Nummer 3 das ganz locker weg – sie war gut gelaunt, hatte nicht geweint und war deshalb auch erst so spät als das „verschollene Kind“ aufgefallen.

Als wir sie später fragten, was sie denn da gemacht habe, meinte sie:

„Ich habe mich mit Gott unterhalten. Er hat mich gefragt: Findest Du Deine Mama wieder? Und da habe ich gesagt: Ja. Da wusste ich, dass ich keine Angst zu haben brauche.“

Damals war sie drei. Später ging sie diverse Male im Ikea, auf der Kirmes, beim Stadtbummel und auf dem Weihnachtsmarkt verloren. Wie gesagt, unsere anderen Kinder halten wir normalerweise beisammen. Aber Nummer 3 verschwindet gern.

Gestern setzte sie dem ganzen die Krone auf. Ich wollte gerade in ein Kundenmeeting gehen, als mein Telefon schellte. Meine Frau war dran:

„Nummer 3 ist nicht nach Hause gekommen. Ich bin gerade an der Schule und die wissen auch nicht wo sie ist. Aus dem Schulbus ist sie nicht ausgestiegen.“

Jetzt muss man sagen, dass Nummer 3 und der Schulbus auch so eine Sache sind. Alle paar Wochen kommt sie deutlich zu spät nach Hause, weil sie zum Beispiel noch Blumen pflückt, den Bus verpasst und drei Kilometer zu Fuß geht oder Freundinnen nach Hause bringt und ein bißchen plaudert. Gestern war sie bis dahin 40 Minuten überfällig,

Na ja, sie war wie erwähnt schon mehrmals kurz weg, also hielt ich erst einmal die Füße still und sagte meiner Frau, sie soll nach Hause fahren und mir eine SMS schicken, dann würde ich das Meeting verlassen. Allerdings ging ich noch davon aus, dass Nummer 3 doch irgendwie nach Hause gekommen ist und alles gut wäre.

(Meine Frau interpretierte das übrigens als mangelnde Anteilnahme und tritt mich jetzt gerade unter dem Tisch)

Leider war dem nicht so. Nummer 3 war immer noch weg, zusammen mit einer Freundin, die auch nicht nach Hause gekommen war. Also meldete ich mich ab und wollte mich gerade auf den Weg machen, als 1 Stunde und 45 Minuten nach dem letzten Verschwinden dann doch noch die Entwarnung kam. Was war passiert?

Nummer 3 und ihre Freundin waren mit dem Bus einfach weitergefahren, weil sie vergessen hatten zu klingeln. Sie sind dann einige Haltestellen weiter mit Schulkameraden ausgestiegen und mit einer von ihnen nach Hause gegangen. Als deren Mutter dann von der Arbeit kam, brachte diese sie netterweise zu uns (dafür auch die Monsterpackung Merci, die wir noch nicht weggefressen haben) und Nummer 3 war endlich wieder da. Bis dahin hatten meine Frau und die Mutter von Nummer 3s Freundin allerdings schon Busunternehmen und Polizei alarmiert.

Diesmal hat Nummer 3 aber hoffentlich was daraus gelernt: Meine Frau war nämlich bei der anderen kindersuchenden Familie, so dass sie allein im Haus war und Angst hatte. Daher fand meine Frau sie auch mit einer Bratpfanne bewaffnet vor (sie hat zuviel Rapunzel geguckt).

Am Ende war wieder einmal alles gut, aber ich bin mir nicht sicher wie oft unser geschundenes Nervenkostüm solche Ausflüge noch verträgt …

 

 

Meine Vergangenheit als Schauspieler

Früher, als ich noch juuung war, habe ich eine Weile ein kleines Zubrot am örtlichen Theater verdient. Als Komparse, rangierte also irgendwo oberhalb der Requisiten, aber nicht wirklich im Kosmos der „echten“ Schauspieler des Ensembles. Immerhin – ich musste singen und hatte sogar eine Mini-Kampfszene. Ich kam mir schon ziemlich cool vor damals, zumal der Choreograph immer fabulierte, er würde gerne mal einen Breitschwertkampf mit mir inszenieren (für die, die es nicht wissen – ich habe mich auch ein Weilchen mit historischem Fechten beschäftigt, das waren also ganz großartige Aussichten …)

Na ja, es war eine Saison, und dann war es irgendwann vorbei. Ich fing an zu studieren und konnte mich (unter anderem) zwischen Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Kommunikationswissenschaften entscheiden. Aus Angst vor akuter Brotlosigkeit wurde es am Ende letzteres.

(Wenn ich bedenke, wie viele Kinder hier jetzt so rumhüpfen, aus wirtschaftlicher Sicht eine gute Wahl)

Jedenfalls legte ich meine aufstrebende Karriere als Schauspieler/ Regisseur zusammen mit meiner Karriere als Rockmusiker ad acta (ich spielte damals auch Bass in einer Death Metal-Band – mann, wieviel Zeit man da hat …) und konzentrierte mich auf mein Studium. Wie man sich eben so „konzentrierte“ zu Magisterzeiten.

Für die Kinder bauscht meine Frau meine Vergangenheit als Künstler bis heute allerdings gerne mal auf.

„Euer Dad war ja früher Schauspieler …“

Das kommt dann immer sehr aufregend rüber, und sie finden es auch ziemlich spannend. Allerdings erwähnen wir das Thema nur recht selten, so dass die Mädels diesen Aspekt meiner Vergangenheit (scheinbar) von einer Erwähnung bis zur nächsten wieder vergessen. So kam es dann letztens auch zu folgendem Dialog:

Meine Frau: „Euer Vater war ja früher beim Theater …“

Darauf Nummer 3: „Echt jetzt? Beim Theater?“ Ehrfürchtiges Staunen.

„Was hast Du denn da gespielt? Einen Baum?“

Irgendwie bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob sie das wirklich immer wieder vergessen. Vielleicht ist das auch nur eine raffinierte Art von Sarkasmus.

Gegenbeweis

Meine Frau schmuste letztens mit Nummer 4, während die Mädels sie beobachteten. Sie blickte zu ihren Zuschauern und meinte:

„Kinder, mit denen viel geschmust wird, haben später eine bessere Sozialkompetenz.“ Kurze Pause. „Mit Euch habe ich ja früher auch dauernd geschmust und Euch im Tragetuch getragen und so.“

Nummer 2 dachte kurz nach. Dann meinte sie leicht empört:

„Dann ist das also eine Lüge!“

Wir sind ja mitunter schon ein wenig kritisch, aber so war das in diesem Fall nicht gemeint.

Computermesse und Internet

Computermesse und Internet

Ich habe mich die letzten beiden Tage beruflich auf der Cebit rumgetrieben. Daher habe ich den Kindern an zwei Abenden per Facetime gute Nacht gesagt – eigentlich ganz nett, ich glaube Vodafone wollte uns genau das schon vor zehn Jahren in der Werbung verkaufen …

Na ja, jedenfalls waren die Mädels natürlich davon fasziniert, dass ich auf einer Messe war, die auch im Fernsehen erwähnt wurde. Nummer 3 fragte daher einmal:

„Was ist denn nochmal die Cebit eigentlich?“

Ich lieferte eine Kurzerklärung zum Thema Messe ab und schloss mit der Aussage, dass es eben eine „Computermesse“ sei. Noch immer ein wenig fasziniert fragte Nummer 2, ob ich nicht mal von der Messe per Facetime anrufen könnte. Das ist natürlich etwas schwierig, da es da kein Netz gibt und ich meist nicht mal Mails empfangen konnte – geschweige denn Videotelefonieren. Also antwortete ich:

„Tut mir leid, da gibt es kein Internet, da geht das nicht.“
Dazu Nummer 3: „Das ist aber ganz schön peinlich, dass es auf einer Computermesse kein Internet gibt.“

Was soll ich sagen? Recht hat sie. 🙂