Lampenfieber

Gestern gab es in irgendeiner Serie zu irgendeinem Anlass eine Cellistin, die einen Sänger beim Ave Maria begleitete.

Wenn ich etwas liebe, dann das Ave Maria. Ich mag das klassische lateinische in der Version von Bach/Gounod und auch dieses wunderbare von Schubert mit der Textstelle „…wir schlafen sicher bis zum Morgen, ob Menschen noch so grausam sind.“ 

Ich kenne es schon lange und erinnere mich an ergreifende Situationen, in denen ich es hörte oder selber gesungen habe.

Die ganze Familie kennt meine Liebe zu diesem Musikstück.

Nummer 1 und ich sahen uns also diese Serie an.

Ich: „Ooh! Wenn Dad und ich irgendwann in den nächsten Jahren kirchlich heiraten, dann will ich genau das! Eine Cellistin und das Ave Maria. Das wäre ja die Verbindung aus zwei wunderbaren Sachen auf einmal!“

Nummer 2 meldete sich zu Wort: „Also die Ignatia aus meiner Klasse spielt Cello. Die frag ich dann.“
Ich (nach kurzer Überlegung): „Ja, warum irgendwen engagieren! Ich hab doch auch eine Tochter, die so schön singen kann. Nummer 1, DU singst dann für uns das Ave Maria.“
Ein leicht panisches Flattern um die Augen eines schüchternen Mädchens.
Dann, heldenhaft:
„Okay. Kann ich machen.“
Ich jubelte, behielt sie aber gut im Auge.
Und schon kam ganz leise:
„Äh, außer, da sind viele Leute.“
Ich: „Na ja, das kommt drauf an. Wie viele genau wären denn für dich viele?“
Sie: „Mehr als … Fünf.“

Es spricht ja nichts dagegen, irgendwen zu engagieren …