Liebes Internet, ich bin schockiert.

Ich verfolge das aktuell heiß diskutierte Thema Homo-Ehe ja quasi nur passiv. Ich habe in diesem Thema keine Aktien und keine Eigeninteressen. Es tangiert meinen Alltag als Familienvater in einer Kleinstadt praktisch gar nicht. Manche von Euch erinnern sich vielleicht sogar, dass ich mich schon mal negativ über den Versuch der LGBT-Community ausgelassen habe, sich selbst als die besseren Eltern darzustellen. Aber wie unser aller Liebling Tyrion Lannister habe ich ein Herz für Bastarde, Krüppel und Zerbrochenes, und so bin ich wirklich von der aktuellen Entwicklung in der Diskussion zu diesem Thema schockiert.

Es ist einige Zeit her, da hat die CSU nach dem letzten Vorstoß zur Homo-Ehe plötzlich Familiensplitting in die Diskussion eingebracht.

„Ist doch lustig“, meinte ich damals zu Mrs. Essential. „Jetzt kommt die CSU noch glatt auf den Trichter, das blöde Ehegattensplitting endlich für ein Familiensplitting abzuschaffen – aber nur, damit die Homos nix davon haben.“

Ich bin bis heute über diese Ironie amüsiert, dass konservative Politiker die Angst vor der Schwulenehe brauchen, um so ein Projekt ins Gespräch zu bringen. Das war damals ganz lustig, und ich dachte mir dass es doch schön ist wenn zwei gesellschaftliche Kräfte durch ihre Reibung ein vernünftiges Ergebnis zustandebringen.

Leider brachten sie nichts zustande – das Familiensplitting ging sang- und klanglos unter, weil ein Rechenexempel nicht gefiel, und alles blieb beim alten. Na ja, mir kann es ja latent egal sein, ich bin verheiratet, also habe ich da nur begrenzten missionarischen Eifer. Dann eben nicht.

Plötzlich ist die „Homo-Ehe“ wieder auf dem Plan. Doch statt diesen Veränderungsimpuls zu nutzen, um vernünftige Weiterentwicklungen für das Familienmodell zu entwickeln, lese ich in viel zu vielen Medien „Mama, Papa, Kind“-Plattitüden, die besser in den Kindergarten passen würden. Heute morgen zum Beispiel, dass die FAZ ein mindestens fragwürdiges Argument als formal-juristischen Knockout bezeichnet, später sehe ich Kommentare bei einem anderen Artikel zum Thema:

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Ich meine, das ist doch wirklich schockierend, oder? Schlimm genug, dass sich ein Leitmedium hier intellektuell verschwurbelt auf eine Beweislastumkehr für das Recht auf gesellschaftliche Veränderungen beruft – offensichtlich ruft dieses doch eigentlich für die Lebenswelt der meisten Menschen völlig irrelevante Thema beim deutschen Michel und der deutschen Micheline die mehr als latente Homophobie wach.

„Wenn die Schwulen jetzt heiraten dürfen, muss ich auch meinen Hund/ meinen Sittich/ meine Wandlampe heiraten dürfen, außerdem bricht dann praktisch Sodom und Gomorrha los und Deutschland ist zum Untergang verurteilt!“

Noch blöder geht´s wirklich nicht, oder? ich habe Neuigkeiten für Euch: Deutschland ist sowieso zum Untergang verurteilt und Eure „Argumente“ sind keine, sondern nur Befindlichkeiten.

Ich will überhaupt nicht den großen Fürsprecher machen für ein Thema, das mich nur am Rande interessiert. Aber diese Kombination aus Selbstgerechtigkeit und Borniertheit, vorgetragen über eine sich für nichts entblödende Argumentation ruft wirklich mein Herz für Bastarde, Krüppel und Zerbrochenes wach.

Vollzeit-Vater entschuldigt sich bei allen Müttern

Heute machte die Entschuldigung eines Vollzeit-Vaters die Runde, der sich das alles ein wenig einfacher vorgestellt hatte. Ich bin ja jetzt zum Thema Vollzeit-Vater ein Unbeteiligter – aber das der Job als Primär-Elternteil für drei Kinder nicht gerade ein Urlaub ist, war mir jetzt schon klar.

Mein Cousin, der Soldat ist und in Afghanistan war, sagt zu diesem Thema:

„Ehe ich den Laden hier schmeiße, gehe ich lieber wieder dahin zurück.“

(Sie haben vier Kinder – drei unter drei und eins über zehn)

Neben der Tatsache, dass der gute Herr also vermutlich hemmungslos naiv war (Kommentar meiner Frau: „Oder ein blöder Macho!“), illustriert er sich auch noch als pädagogischer Totalausfall:

09.00 Uhr: Ich bekomme eine Bestellung von der Dreijährigen (sie denken, ich wäre Kellner in ihrem Lieblingsrestaurant „Daddys Café“), sie will Hähnchen-Nuggets und Saft. Als ich ihr sage, dass es noch zu früh für Hähnchen ist, bekommt sie unverzüglich einen fünfminütigen Wutanfall bis … Trommelwirbel bitte: sie Hähnchen-Nuggets und Saft bekommt. Sie gibt mir kein Trinkgeld.

Ist ja ganz lustig formuliert und so, und ich lese auch eine gewisse Ironie aus diesem Text – aber wenn unsere Kinder (auch als Dreijährige) wegen so was einen fünfminutigen Wutanfall bekommen hätten, hätten sie garantiert etwas anderes bekommen als Hähnchen-Nuggets und Saft. Zum Beispiel eine Lektion in sozialverträglichem Verhalten.

Komischerweise haben sie solche Anfälle nie bekommen …

Ich möchte daher nochmal kurz jemanden zitieren, der sich damit auskennt (meine Frau):

„Ich drücke jedem mein Beileid aus, der alles tut, was seine Kinder wollen. Wenn er davon drei hat oder mehr – dann erst Recht. Wer nicht früh ‚Nein‘ sagen kann, der wird lange Jahre zähneknirschend ‚Ja‘ sagen.“

Kontroversen-Clickbaiting (mit Kindern)

Ich beschäftige mich ja recht viel mit Medien, insbesondere mit Online-Medien. Da gibt es seit einiger Zeit ein interessantes Phänomen zu beobachten, dem nach meinem Kenntnisstand noch niemand einen Namen gegeben hat. Einzig das Kotzende Einhorn hat sich ein wenig damit beschäftigt.

Als von Anglizismen und Beratersprech geplagter Professional fällt mir auch prompt nur ein denglischer Begriff dafür ein:

Kontroversen-Clickbaiting

Und das geht so: Als Redakteur bei einem Onlinemedium entwickle ich ein gewisses Gespür dafür, über welche Themen Menschen sich heute gerne aufregen. Das wären zum Beispiel das Rauchverbot, Autofahrer vs. Radfahrer, Autofahrer vs. Autofahrer, Männer gegen Frauen, und so weiter. Wichtig ist nur, dass es zwei Lager gibt, die eine Blutfehde miteinander haben und die sich über die Ignoranz der Gegengruppe endlos aufregen können. Was mache ich dann? Ich bevorzuge News zu diesen Themen, wenn ich so etwas auf den Tisch bekomme („Neue Studie: Frauen verdienen zu recht 8 Prozent weniger als Männer“), oder veröffentliche Meinungsartikel wie „Warum das Rauchverbot total toll ist“. Was passiert? Anhänger der Gruppen eilen herbei und schreiben ins Kommentarfeld Dinge wie:

„Das Rauchverbot ist in Wirklichkeit total dämlich, macht unsere Kneipenkultur kaputt und ist eine Gesundheitsdiktatur!“

„Wenn Du Rauchen willst, will ich aber nicht für Deinen Krebs zahlen. Außerdem stinkst Du!“

„Selber! Und ich kriege vielleicht Krebs, dafür liege ich der Krankenkasse wenigstens nicht auf der Tasche bis ich 90 bin – Ääätsch!“

Ihr versteht, was ich meine. Warum das jetzt Clickbaiting ist? Nun ja, das Grundprinzip hat der Boulevard schon immer angewandt – da kann man sich eine beliebige Bildzeitung anschauen. Aber die Kommentarfunktion moderner Onlinemedien treibt das Spiel auf die Spitze. Denn wenn Schwunzhorst73 erst mal geschrieben hat dass das Rauchverbot doof ist und Heedzlisl88 geantwortet hat dass sie nicht für Schwunzhorstens´ Krebs zahlen will, müssen beide natürlich dauernd nachschauen: Wer hat denn gerade das letzte Wort? Und hat Pommesdieter43 vielleicht nicht auch was Dämliches zum Thema gesagt? Das Ergebnis: Unmengen von wiederkehrenden Besuchern, oder wie wir Medienleute sagen, Klicks. Klar, Unique Visitors sind mehr wert, aber die werden in so hitzige Diskussion via Facebook ja sogar auch noch reingezogen. Onlinemedien monetarisieren sozusagen die Streitkultur im Netz. Warum ich das hier schreibe? Na weil der Stern und Spiegel Online heute zufälligerweise gleichzeitig eine „Eltern vs. Kinderlose“-Debatte initiiert haben. Das fiel mir natürlich auf. Es können sich eben nicht nur Raucher und Nichtraucher streiten. Der Stern widmet diesem Thema sogar in alter Holzmedientradition den Titel. Funktioniert´s? Sicher – schaut Euch die Kommentare an.

Catwalk

Gestern Abend sprachen wir mit Nummer 1 und 2 darüber, für was sich ihre Freundinnen so interessieren. Unter anderem kam da auch das Thema Fernsehsendungen auf. Meine Frau fragte, ob die auch „Angelo in der Calzone“ gucken würden (unser familieninternes Codewort für eine Sendung – schwer zu erraten).

Die Mädels meinten, Germany´s Next Topmodel wäre momentan sehr populär. Meine Frau und ich warfen uns einen kritischen Blick zu. GNTM ist einerseits pädagogisch fragwürdig für 10- und 11-jährige Mädels (Konzept: Seht her ich bin ja so hübsch – und bin bereit ALLES für Eure Aufmerksamkeit zu tun!). Andererseits kann ich die Sendung spätestens seit der genialen Switch-Parodie nicht einmal mehr angucken, ohne mich totzulachen 🙂

Wir sahen uns daher gezwungen pädagogisch einzugreifen.

Meine Frau: „Germany´s Next Topmodel ist doch Hirnmüll – das Fernsehäquivalent einer Katzenschau. Die laufen da alle rum, lassen sich bewerten, und am Ende wird die Hübscheste von der Jury gewählt. Genau wie bei Katzen.“

Kurzes Schweigen. Dann Nummer 1: „Deswegen heißt es wohl auch Catwalk.“

Für was man heutzutage ein Kochrezept benötigt

Einige von Euch haben ja bei meinen diversen Ausführungen zum Thema Ernährung mitbekommen, dass ich dann und wann mal koche. Dabei gibt es zwischen meiner Frau und mir immer eine Art Kampf um die Zukunft des Kochbuchs: Werden die Rezepte online gesammelt oder in einem Ordner? (Antwort: beides) Suchen wir die Rezepte von Hand aus einem Buch oder per Suchfeld auf einer Webseite?

Ich bin im Zweifelsfall ja immer für die Webseite und muss gestehen, dass Chefkoch für mich eine wichtige Quelle für Rezepte ist. Zwar gibt es einen gewissen Fundus, aber ich neige dazu nicht so gerne immer das gleiche zu kochen. Außerdem: Wir essen ja jetzt auch weniger Fleisch, und daher brauche ich neue Inspirationen. Also habe ich in den letzten Wochen Samstagmorgens immer den Rechner aufgeklappt und nach neuen Rezepten gesucht. Kindertaugliche Rezepte gibt es ja viele, die Kunst ist es ja Rezepte zu finden die auch erwachsenentauglich sind. (Nein, nur weil ich Kinder habe möchte ich nicht immer nur Pfannkuchen und Pizza essen)

Chefkoch ist ja irgendwie ein ganz eigener Kosmos. Nicht zu selten stoße ich da auf überraschende Kreationen wie:

„Fifis besonders leckere Pommes“

Kaufen Sie eine Tüte Tiefkühlpommes. Öffnen Sie die Tüte. Schütten Sie die Pommes auf ein Backblech (oder besonders lecker: in die Friteuse) und backen/ frittieren Sie sie für XY Minuten. Dazu schmeckt am besten Ketchup oder Mayonaise. Lecker!

(Bevor sich jemand wundert: das ist eine dramaturgische Überspitzung – ich hoffe dass es Fifis leckere Pommes nicht gibt)

Ich frage mich dann immer: Wie kommen Fifi und Co. darauf, dass Sie mit Ihrer scheinbar nicht so überragenden Kochkunst unbedingt einen Beitrag zur kulinarischen Kultur im Internet leisten müssten? Ich meine, ich stelle mein berühmtes Rezept für Grießbrei mit Nutella (ein Klassiker, allein deshalb wollten die Mädels einen kleinen Bruder haben – damit sie was abbekommen wenn er erst einmal löffeln kann) ja auch nicht bei Chefkoch ein:

Kaufen Sie eine Packung Grießbrei zum Anrühren. Mischen Sie das Grießpulver mit heißem Wasser, bis es einen Brei ergibt. Rühren Sie dann einen Löffel Nutella hinein.

Aber vielleicht sollte ich ja mal.

Hochs und Tiefs

Eltern haben mehr Hochs und Tiefs als Kinderlose

Diesen Artikel habe ich schon länger auf meiner Blogliste. Dachte mir: Na, die Studie gibt der Headline nach garantiert was zum Kommentieren her. Entweder halt „Na klar sind wir Eltern viel gestresster!“ – oder eben „Na klar machen Kinder glücklich!“ 😉

Off the Record: Vermutlich ist beides gleich wahr 😉

Jedenfalls lese ich den Artikel gerade noch mal mit Verstand durch. Und was steht da drin zum Thema? Exakt gar nichts.

Beide Gruppen ordnen sich quasi gleich ein, außer wenn man sehr arm ist und nicht genug zu essen hat. Hmmmm …

Aber immerhin spannend: Die Kommentare. Ein wenig polarisiert die Headline eben schon …