Mutter-Kind-Kur: Nachsorge

Wie angekündigt widme ich mich heute dem Thema der Nachsorge nach der Mutter-Kind-Kur.

Eine gute Nachsorge ist fast so wichtig wie die Kur selbst. Denn auch die besten Ansätze und die größten Ideen versanden immer mal wieder. Zuerst tagelang. Dann für Wochen und letztlich schaffen viele Mütter nicht, die Ansätze der Veränderungen neu aufzugreifen. Dadurch schleicht sich dann das Altgewohnte wieder ein und das führte ja nun mal in die Erschöpfung, die man zukünftig vermeiden möchte.

Fakt ist: Wenn eine Mutter wegen Erschöpfung zur Kur fährt, dann verlief ihr Leben bis zu diesem Zeitpunkt nicht gesund für sie. Und Fakt ist auch, dass nur sie den Impuls für Veränderungen setzen kann. Sie kann ihre Umwelt nicht ändern, sondern nur sich selber.

Ich möchte in diesem Artikel kurz zusammenfassen, wie man vorgehen kann, um eine erneute Erschöpfung zu vermeiden. Und zwar weniger auf einer Basis oberflächlicher Tipps wie „Mach einen Tanzkurs, das schafft Ausgleich!“, sondern ein bisschen tiefgreifender. Ein bisschen – denn das ist ein riesiger Themenbereich, dem ich in einem einzigen Artikel nicht ausreichend Raum geben kann.

Es geht hier um Anregungen. Damit man sich nicht von Kur zu Kur schleppt, während es einem niemals wirklich gut geht.

Die Sache mit der Selbstliebe

Nachsorge Mutter-Kind-Kur

Mit der Selbstliebe ist es so eine Sache. Viele Frauen kennen sie gar nicht. Wir leben in einer Welt, in der Liebe von außen kommen soll: Durch rote Rosen, dankbare Kinderbilder, erfreute Schwiegermütter und zufriedene Nachbarn.

Wenn uns auffällt, wie wir da eigentlich leben und wie abhängig uns das macht, dann wollen wir aus diesem System am liebsten sofort heraus.

Das ist allerdings gar nicht so einfach, wie wir in der ersten Euphorie denken.

Es ist fast so, als würde man sich eine Sucht abgewöhnen. Wir sind es gewohnt, uns zu vernachlässigen. Es gibt in all dem voll gestopften Alltag einfach zu wenig Raum und natürlich verzichten wir als Erste. Ganz märtyrerhaft. Denn das haben wir so gelernt.

Ich –  hier stellvertretend für viele Mütter – habe mir über Jahrzehnte angewöhnt, nicht gut auf mich zu achten. Wie werde ich das los? Wie soll ich es schaffen, umzuschalten von Selbstlosigkeit und Perfektionismus zu … ja, was ist denn das Gegenteil davon eigentlich?

Selbstliebe.

Der Start der Veränderungen ist die Selbstliebe. Man betrachtet sich zum Einstieg am besten so, als sei man sich selbst eine gute Freundin.

Und das ist ein hartes, für viele ungewohntes, Stück Arbeit.

Wir alle haben nämlich diese Stimmen in uns, die uns Dinge flüstern. TherapeutInnen nennen diese Stimmen „Leitsätze“ oder „Glaubenssätze“. Nur pro forma: Es geht hier nicht um fremde Stimmen und Einflüsterungen wie bei einer Schizophrenie. Ich meine hier die vielen kleinen Ärgernisse in unserem Kopf wie: „Das schaffst du nie“, „Na, machst du es dir nicht etwas zu einfach?“, „Wenn deine Mutter das wüsste“  und so weiter.

Diese Stimmen stammen von unseren Müttern und Vätern, den Nachbarn, den scheinbar perfekten Mit-Müttern um uns herum, die seit einer Weile zusätzlich in den Sozialen Medien zu sehen sind., Sie sind Ausdruck der gesamtgesellschaftlichen Strömung, dem Mutter-Mythos und weiteren Einfluss Nehmenden. All diese Einflüsse wirken auf uns, ohne dass wir es bewusst merken.

Wir alle haben solche Sätze, die uns prägen und führen. Von der Kindheit an begegnen sie uns. Und in unserer Kindheit wurden sie ein Teil unserer selbst.

Folgende innere Diskussionen entstehen:

Erschöpfte Mutter: „Jetzt setze ich mich als erstes hin und trink ’nen Tee.“

Antwort Innere Stimme: „Jetzt? Als Erstes? Vielleicht solltest du erst mal was leisten, ehe du faul rumliegst!“

Oder

Erschöpfte Mutter: „Heute würde ich ein Königreich für einen kinderfreien Tag geben!“

Innere Stimme: „Wie bitte? Dafür hast du die Kinder ja wohl nicht bekommen! Andere wünschen sich Kinder und kriegen keine. Wie kann man nur so undankbar sein?“

Oder

Erschöpfte Mutter: „Puh, ich habe das Gefühl, nicht allem gerecht zu werden. Ich bin ganz schön überlastet.“

Innere Stimme: „Absolut! Du bist eine überforderte und damit schlechte Mutter. Hättest du die Dinge im Griff, wäre das anders!“

Um das mit der Guten Freundin mal zu illustrieren:

Stellt Euch vor, Ihr würdet einer Freundin diese Sätze sagen:

Erschöpfte Mutter: „Jetzt setze ich mich als erstes hin und trink ’nen Tee.“

Gute Freundin: „Klasse Idee, ich mach‘ uns einen. Früchte oder Kräuter? Und dann entspannst du dich mal kurz, hm?“

Die gute Freundin holt uns da ab, wo wir stehen. Wir zerren nicht an Freundinnen, wir lassen sie in Ruhe und ihrem Tempo gehen. Gerne unterstützen wir sie und haben vor allem eins: Verständnis.

Wir lieben sie eben halt.

 

Veränderungen im Alltag

Nachsorge Mutter-Kind-Kur

Auf diesem Foto sehe ich immer zuerst das schiefe Kissen und das Blatt auf der Kücheninsel. Noch Fragen …?

Es sind kleine Schritte. Viele und kleine.

Man darf nicht erwarten, sofort alles umwälzen zu können. Denn wir Menschen sind träge, was Veränderungen betrifft. Ja, auch bei denen, die uns gut tun. Alles Neue ist potentiell bedrohlich – dies empfinden wir tief in uns. Das ist so eine Art „Neandertaler-Gedächtnis“, das uns lehrte, keine neuartigen Beeren zu probieren und dass neue Geräusche vermutlich feindselige, hungrige Tiere sein könnten.

Das Altgewohnte gibt uns Sicherheit. Das Neue könnte gefährlich sein. Daher ist es okay, vom neuen Weg immer mal wieder abzukommen. Wichtig ist, dies zu entdecken und sich wieder zurück auf den neuen Pfad zu begeben. Und sich für diese Erkenntnis zu loben.

Es ist auch wichtig, seine Ressourcen zu kennen und zu nutzen. Manchmal sind es Kinder, die eigentlich schon reif genug sind, um Mamas Grenzen zu respektieren. Manchmal sind es liebe Nachbarn, die gerne mal die Blumen im Vorgarten gießen. Oder die Großeltern, die doch die Kinderchen auch zwei Mal im Monat über Nacht nehmen würden.

Es könnte auch die eigene Intuition sein. Manchmal hört oder liest man etwas und da gibt es so ein „Ping“ tief innen. Dieses Ping ist oft ein Hinweis: „Mensch, das ist jetzt wichtig für mich. Ich sollte mir das mal genauer ansehen.“

Im Alltag lassen sich Veränderungen, mit denen man sich gesund und energiereich erhält, am besten so umsetzen:

1.) Ich schaue mir meine Wünsche und Bedürfnisse an

Hier ist absolute Ehrlichkeit angesagt. Und die Inneren Stimmen haben da kein Mitspracherecht. Auch wenn das Bedürfnis lautet: „Ich will endlich mal ein paar Tage allein und ohne meien Familie sein!“ dann ist das angebracht und wichtig.

Ein Beispiel: „Ich möchte regelmäßig Sport machen. Danach fühle ich mich ausgeglichen und stressfrei.“

Da melden sich dann oft negative Anteile und sagen:

„Schaffste eh nicht. Du bist zu faul/hast zu viel Stress/zu viele Termine ….“

Hier kann man kurz hinschauen und sagen:

„Okay, wie es aussieht habe ich große Angst, mein Bedürfnis nicht erfüllt zu bekommen. Das ist in Ordnung. Aber das wird mich nicht abhalten.“

2.) Ich formuliere mein Ziel und schreibe es auf

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Dazu kann man rituell ein schönes Notizbuch kaufen oder auch einfach ein Schulheft nehmen. Ganz nach eigenem Geschmack. Die Tendenz sollte aber immer in Richtung: Ich tu mir etwas Gutes sein. Es ist besser, handschriftlich zu arbeiten und seine Ideen nicht ins Smartphone zu tippen oder zu sprechen.

Das Schreiben hat einen manifestierenden Charakter und dieser sollte bewusst genutzt werden.

Sehr gut sind auch Haftnotizen oder Zettel, die man mit Magneten an den Kühlschrank pinnt. Überall, wo man täglich immer wieder hinschaut: Badezimmerspiegel, Kühlschrank, Schranktür, Haustür …

Neue Ideen udn Ziele kann man sehr gut dort notieren. das klingt vielleicht etwas schräg und ungewohnt, seine Bude mit Zetteln zu pflastern, aber es ist nachweislich wichtig. Unser Gehirn integriert solche Sätze langsam. Wenn man sie immer wieder sieht. Sie werden einen Teil der eigenen Gedankenwelt, ohne dass sie große innere Gegenwehr auslösen.

Ein persönliches Beispiel: Ich habe vorn in meinem Kalender das Wort „Sensei“ (aus dem Japanischen, sinngemäß LehrerIn, MeisterIn) stehen. Weil Nummer 1 und Nummer 2 mir mal sagten, dass ich wie ein bestimmter weiblicher Sensei aus einem Manga sei: Mutter und Mentorin in einem. Sie sagten, dieser Charakter in der Geschichte habe die beiden Protagonisten als Kinder aufgenommen und großgezogen, aber zugleich auch geistig und körperlich ausgebildet. Und das sei mir ähnlich.

Das löste etwas Tiefes in mir aus: Ich spürte, dass dies etwas ist, das mich ausmacht – ein Teil von mir: Ich schule sie philosophisch, geistig, spirituell, ethisch und „ganz normal“. Ich bin nicht nur die ausgelieferte Mutter im Alltagstrott, die frustiert, weil sie sich geistig nicht einbringen kann vor lauter Zahnarztterminen und Bügelwäsche.

Daher klebe ich „Sensei“ zusätzlich an meinen Kühlschrank. Als Erinnerung, die mir sagt: „Vergiss nicht Dein Potential und Deine Aufgabe!“ Es erinnert mach an die für mich persönlich wichtigen Dinge im Leben. Jeder hat seine ganz eigenen Aufgaben und Vorstellungen.

Und anhand dieser erinnert man sich in der Tat an sich selbst. Ohne all die Erwartungen von außen. Wir alle haben uns oft zu sehr angepasst an die Vorstellungen davon, wie wir zu sein haben. Im falle der Mütter: selbstlos, leistungsfähig, fleißig, aktiv …

Aber wir bin ich wirklich?

Backe ich echt gerne Schokomuffins und nähe ich gerne Kostüme für die Schulaufführung? Mag ich es, auf dem Spielplatz zu sitzen und über Windelfreiheit zu reden? Mag ich es, mit einem Baby auf dem Einkaufswagen durch den Supermarkt zu hetzen? Bin das ich, die gerade der anderen Mutter subtile Vowürfe macht? Bin das alles ich? Oder habe ich mich nur angepasst, geschmeidig gemacht und vergessen, was ich eigentlich wünsche und hoffe?

3.) Ich plane, wie ich das Ziel erreichen kann

Zurück zur direkten Planung: Zwei Mal Sport pro Woche wäre ein gutes Maß. Okay. Das Fitnessstudio ist mir irgendwie zu voll. Ich bin da ungern und durch die fehlende Kinderbetreuung macht es mich unflexibel. Aber zuhause alleine Sport machen – geht das?

Ausprobieren. Wenn es nicht klappt, ist das kein Scheitern. Dann hat man gelernt, einen neuen Weg zu suchen. Vielleicht findet sich eine Freundin, die mitgeht, das motiviert. Oder man findet einen Yogakurs in der Hebammenpraxis oder, oder …

Ich könnte auch zuhause Yoga machen, weil ich noch dieses sehr gute Video habe. Dazu kaufe ich mir eine gute Matte und lege los. Wann geht das? Dienstagmorgens und Donnerstagmorgens. Da bin ich nicht auf der Arbeit und hätte 30 Minuten Zeit.

4.) Ich werde aktiv

„Wenn man etwas 14 Mal an aufeinanderfolgenden Tagen oder nach festem Zeitplan tut, dann wird es zur Gewohnheit.“

Zwei Wochen wird das mit dem Yoga durchgezogen. Ausredenfrei. Danach wird man es vermissen, wenn man mal einen Arzttermin am Donnerstagmorgen nehmen muss. Das liegt auch wieder an der Art, wie unser Gehirn lernt: Es möchte einfach Muster erleben, um diese zu wiederholen. Weil es eh schon den ganzen tag damit beschäftigt ist, aus all den Eindrücken die wichtigsten herauszufiltern und die anderen auszublenden. Das ist harte Arbeit. Da möchte das Gehirn simple Programme abspulen. Und diese implementiert man wie eine Software.

Einmal drin, läuft sie ab. Nicht immer fehlerfrei. Aber das macht nichts. Wir kennen das Programm und führen unser Gehirn wieder dahin zurück, wenn es nötig ist.

5.) Ich verlasse den neuen Pfad leider wieder

Oft sind das nur kleine „Extrarunden“ oder „Umwege“ – man brauchte dann noch mal den alten Zustand als Vergleich oder sich noch ein weiteres Mal von ihm zu verabschieden. Kein Grund, sich zu schämen. Scham schrumpft einen und ist daher unerwünscht!

6.) Ich gehe weiter auf meinem Weg

„Umwege erweitern die Ortskenntnis“ – nun kennt man sich noch ein wenig besser. Wichtig ist, nicht verbissen heranzugehen, sondern liebevoll. Es gibt kein Scheitern – die besten Erfindungen erstanden oft erst nach oder auch durch viele Fehlschläge, durch die das Ergebnis jedes Mal verbessert und verfeinert wurde.

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Sich Unterstützung suchen

Eine gute Nachsorge zu einer Mutter-Kind-Kur kann durchaus bedeuten, dass man sich Unterstützung sucht.  In meinem Fall vereinbarte ich regelmäßige Abstände mit einer Dame von der AWO, die auf die Nachsorge spezialisiert war. Und ich besuchte bei der Caritas eine Nachsorge-Gruppe. Das war eine großartige und für mich weitreichende Entscheidung.

Und das erkläre ich einmal kurz:

Die Gruppe, die sich inzwischen nach den festgelegten sechs Treffen im Haus unserer ortsansässigen Caritas-Stelle, trifft sich inzwischen privat finanziert weiter. Weil es einfach eine unglaublich gute Dynamik gab zwischen den Teilnehmerinnen. Und weil die Therapeutin so hervorragend ist.

In den ersten Gruppenstunden braucht eich – wie immer – eine Weile, um zu fühlen und zu hören. Zu beobachten und einzuschätzen. Und dann waren wir auch so weit, uns allen gegenseitig Tipps zu geben oder auch mal etwas zu analysieren.

Und während ich das tat, spürte ich, wie etwas in mir in Schwingung geriet. Und die Therapeutin sagte: „Also das hätte ich nun genau so auch gesagt. Sehr gut!“

Das nahm ich mit nach Hause. Und ihre Broschüre. Und diese las ich durch. Das war in einer Phase, in der ich fieberhaft nachdachte, was ich beruflich in der Zukunft machen möchte.

Ich wollte nicht mehr als Texterin arbeiten. Und dachte zögerlich nach, zu studieren.

Aber vier Kinder plus Studium würden eine heftige Bürde sein. Und ich war gerade in der Burnout-Nachsorge. Alles lief nicht wirklich rund. Da ist eine neue Bürde nicht das, was man gerade suchen sollte. Und irgendwie erschien es mir auch nicht das Richtige.

Ich sah in der Broschüre, dass die Therapeutin zuerst Lehrerin gewesen war und dann die Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie gemacht hatte. Anschließend hatte sie diverse Fortbildungen absolviert. Ihr Schwerpunkt, die „Psychosynthese“ begann mich zu interessieren und ich las mich durch das Internet. Ich lerne viel über Aufstellungsarbeit, Psychodrama und Visualisierungen. Und ich war so interessiert und voll bei der Sache, das ich jedes Mal beschwingt am Ende das Notebook schloss und all das neue Wissen inspiriert genoss.

Dann, recht plötzlich, kam mir der Gedanke: Das ist es! Genau das ist mein Ding. Das ist dieses Etwas, nach dem ich die ganze Zeit suche.

Ich erzählte meinem Mann und auch den Kindern davon und alle meinten sie das Gleiche: „Ja! Das ist ein absolutes Talent von Dir! Psychologie, Therapie, Analyse, Zuhören, Empathie!“

Nach dem nächsten Treffen erzählte ich der Therapeutin von meiner Idee und sie war sehr angetan. Sie fand auch, dass ich da deutliche Talente hätte und dass sie sich mich in diesem Berufsfeld sehr gut vorstellen könne.

Danach suchte ich mir eine Heilpraktikerschule, ging zum Gespräch mit der Schulleiterin und – meldete mich an.

Das Lehrmaterial verschlinge ich, alles interessiert mich und Lernen fällt mir absolut nicht schwer, im Gegenteil. Ich bin sehr froh über meine Entscheidung und freue mich sowohl auf die Ausbildung, als auch auf den Beruf danach.

Zurück zur Nachsorge-Gruppe und der Hilfe, die man suchen sollte:

Wichtig sind Menschen, die einen begleiten. Sehr wichtig ist es auch, eine/n eventuelle/n PartnerIn einzustimmen. Alleine ist es sehr, sehr schwer, Dinge im Familiensystem zu verändern. Schön ist, wenn jemand da ist, der zumindest Bescheid weiß und bestenfalls gemeinsam auf die Fortschritte achtet sowie gesprächsbereit ist.

Oder man vernetzt sich mit den Kur-Teilnehmerinnen. Das habe ich zusätzlich getan. Wir haben so unsere WhatsApp-Gruppe gebildet, in der fast täglich geschrieben wird und uns auf Facebook befreundet. Es wird gechattet und geschrieben, Fotos ausgetauscht und so weiter.

Nicht aufgeben!

Nicht aufgeben!

In einer guten Kur lernt man, sich selbst wahrzunehmen und die eigenen Bedürfnisse liebevoll zu betrachten. das steht konträr zu dem, was man Müttern in der Gesellschaft vermittelt: „Genieße es! Klage nicht! Muttersein ist erfüllend! Du hast Kinder nicht bekommen, um dich dann um dich selbst zu kümmern!“ und so weiter – wir alle kennen das.

Manche Mütter können sich von diesen Ansprüchen abgrenzen (die Glücklichen!) und andere nicht. Ich glaube, die meisten schaffen es nicht ohne Weiteres.

Wir (die jetzige Müttergeneration, die kommende können wir selbst anders großwerden lassen) sind noch auf weibliche Selbstoptimierung geprägt. Erzogen, hilfreich zu sein und uns zum Wohle Anderer zurückzunehmen.

Mütter sind fürsorglich, liebevoll, herzlich, vergeben schnell, sind selten streng, geben viel mehr als sie nehmen, sind dankbar und nicht streng, sondern eher verständnisvoll. Sie lieben die Nähe zu ihren Kindern – weil diese sie brauchen. Immer. Sie verzichten auf Privatsphäre und Bedürfniserfüllung. Dafür ernten sie das Glück in den Kinderaugen. 

Das kennen wir alle. Manche von uns können das so leben. Manche tun es und verdrängen ihre negativen Gefühle in die Schattenecke (wo sie oft zu nichts Gutem anwachsen) und andere lehnen die Ansprüche rebellisch ab, fühlen sich aber deshalb dauernd angestrengt und in Selbstzweifeln.

Dranbleiben ist daher wichtig, denn man gerät durch die tiefsitzenden Ansprüche ganz schnell ins Wanken, wenn man neue „Glaubenssätze“ installieren möchte. Das dauert, man strauchelt und muss wirklich jedes Mal wieder aufs Pferd steigen, um weiterzumachen.

Lob und Anerkennung

Die beiden Goldschätze fehlen uns Müttern bekanntlich häufig. Ja, da ist das mit den glücklichen Kindern und so. Aber wer ganz doll böse und gierig ist, der wünscht sich mehr. Und dies können nur wir selbst uns geben. Es nützt nachweislich viel weniger, wenn dies von außen kommt. Wir selbst müssen uns als das sehen, was wir (ich spreche hier für Mütter, die nicht rundherum zufrieden sind, sich von diesen Zeilen angesprochen fühlen oder die sich in einer Kur-Situation befinden) sind:

Sehr leistungsstarke Perfektionistinnen, denen es als Selbstliebe fehlt. Die ihre Grenzen weder kennen noch wahren. Und sich unter Wert verkaufen.

Wenn wir es schaffen, alte Muster zu durchbrechen, dann müssen wir uns unbedingt loben und diese Leistung anerkennen, denn sie ist enorm.

Jedes Mal, wenn man zurückfällt in alte Muster und es bemerkt: Großartig!

Immer, wenn man etwas Neues ausprobiert: Klasse!

Jeder Tag, an dem man sich abends erfüllt und nicht nur müde fühlt: Reife Leistung!

Zahlen, Infos & Hilfe

Mütter im Burnout (1).jpg

Die Erschöpfung betrifft viele Mütter:

2013 nahmen 49.000 Mütter an Mutter-Kind-Kuren teil. Die Krankenkassen lehnen immer weniger Kuranträge ab – die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssymptomen bis hin zum Burnout steigt stetig.

Körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Migräne oder Verdauungsprobleme gehören ebenso zu den von Müttern genannten Symptomen wie Müdigkeit, Angstzustände, Gereiztheit.

Die Gründe für die Erschöpfung sehen die Mütter selbst im Zeitdruck, beruflichen Anforderungen, hohem Erwartungsdruck, geforderter Perfektion und mangelnder Anerkennung ihrer Leistungen.

Im Jahr 2015 litt jede 5. Mutter am Erschöpfungssyndrom. In den letzten zehn Jahren stieg die Anzahl um 37 Prozent.

Einen ersten Überblick in die Thematik einer Mütter-Kur bietet das Müttergenesungswerk.

Hier findet man ebenfalls Einblicke und Informationen.

Bei der örtlichen Niederlassung der Caritas stehen häufig Kurberaterinnen zur Seite, die beim Antrag helfen und die nötigen Schritte klären, sowie eine Kurklinik finden, die zu einem passt. Sie sind hierbei an bestimmte Kliniken gebunden. Wer lieber freier in der Auswahl ist, der kann seine Klinik auch selbst suchen.

Zudem gibt es eine Online-Beratung der Caritas, die zu Beginn (vor der Kur) erschöpften Müttern einige Tipps geben kann.

 

 

Die Kur – Antragsbewilligung

Die Kur – Antragsbewilligung

Ich berichte weiterhin wie versprochen vom Ablauf der Kur.

Vom Beschluss, eine antreten zu wollen über den Antrag bis, ja, bis zur Kur selber.

Die Kur wurde nun von meiner Krankenkasse bewilligt, die Kinder dürfen alle vier mit. Die Kur kostet 10 Euro am Tag Zuzahlung für mich, die Kinder sind zuzahlungsbefreit. Die Fahrtkosten muss man zu 10 Prozent selber übernehmen, mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro.

Wir werden vom 24. November bis zum 14. Dezember dort sein.

Das Kurhaus Schanzenberg in Bad Meinberg hat ebenfalls die Zimmer für uns reserviert und dies bestätigt. Wir werden zwei Zimmer, beziehungsweise Appartements (Zimmer für Mama, Zimmer für Kind + Bad) haben, weil wir so viele sind. Nummer 4 und ich bekommen eines und der Rest der Bande bekommt ein zweites.

Mit welchen Gefühlen blicke ich auf die Kur?

Bisher nervt mich die Aussicht, drei Wochen von zuhause weg sein zu müssen – ich mag meine bekannte und sichere Umgebung schon sehr. Auch dass Nummer 4 seinen Dada so lange nicht sehen soll, finde ich nahe an unzumutbar. Er liebt seinen Dada echt sehr und nimmt ihn allabendlich in Beschlag. Schade auch, dass es im Winter sein wird, wo man doch etwas mehr in der Bude hockt und weniger unternehmen kann. Doof auch, dass sowohl Nummer 4s zweiter Geburtstag (und auch mein Wiegenfest) in den Zeitraum der Kur fallen. Auch da fehlt uns Mr. Essential sehr, beziehungsweise wir ihm. Auch Nikolaus wird dann dort stattfinden.

Schön finde ich die Aussicht auf: Nicht kochen und dennoch Essen bekommen. Auf Wunsch kann man alleine essen, ohne Kinder. Nicht putzen. Kinderbetreuung und Zeit für mich. Gespräche. Unterstützung und Verständnis. Schwimmbad und Sauna im Kurhaus. Neue Umgebung, Abwechslung. Gezielte Erholung und mal wieder mich selbst spüren.

Ein bisschen befürchte ich, ich könnte eine von all jenen werden, die sagt „Es war total schrecklich und anstrengend. Nie wieder!“ aber ich versuche, es positiv zu sehen. Ein bisschen schwer fällt mir das, weil mir das „männerfeindliche“ Kurhaus so streng vorkommt. Nummer 1 darf nur ausnahmsweise mit, weil sie bei Kurantritt schon 13 ist. Okay. Den Termin durfte ich nicht um sechs Wochen nach hinten verschieben 8wegen den Geburtstagen), weil dann sei sie schon viel zu alt. Männer dürfen da nicht wirklich hin oder hinein (wegen den durch Männer traumatisierten oder/und allein erziehenden Frauen) und so weiter.

Ich habe mich aus effizienten und rationalen Gründen für die Kur entschieden.Ich hänge nicht mein Seelenheil daran, so nach dem Motto „Wenn mir das nicht hilft, dann drehe ich durch oder weiß nicht mehr weiter.“ Ich halte mich selbst so weit auf dem Damm, dass ich eigentlich keine Hilfe brauche. Weil die nehme ich ungern an. Das ist aber keine Arroganz, sondern Teil meines Überlebensmechanismus, den ich seit meiner Kindheit habe: „Nur von niemandem abhängig und immer stark sein. Immer alles alleine hinbekommen.“

Auf dem Weg zur Erholung, Teil 2

Auf dem Weg zur Erholung, Teil 2

Wie versprochen halte ich Euch auf dem Laufenden, was die Organisation meiner Kur betrifft.

Gestern Vormittag war ich bei der Kurberaterin der Caritas.

Ich hatte mir vorher natürlich einige Gedanken gemacht und ein paar Fragen bekam ich sofort beantwortet:

Ich : „Was ist mit meinem Mann? Den bin ich ungern drei ganze Wochen los – kann er am Wochenende zu Besuch kommen?“

Frau Kurberaterin: „Ja, schon, aber die Ehemänner sind Personen des täglichen Lebens und genau dieser Alltag soll so weit wie möglich außen vor bleiben – ein Ausflug am Sonntag ist in Ordnung. Aber ein ganzes Wochenende wäre nicht zielführend.“

Ich verstand, dass derjenige, dessen Socken und Unterhosen ich wasche, ein Teil meiner Arbeit ist. Und von genau der soll ich ja Abstand erhalten. Okay. Bisher hatte ich das so noch nie betrachtet. Der Typ repräsentiert quasi einen Teil meines Stresses – und da war ich nicht sofort froh gewesen, ihn mal ’ne Weile los zu sein?!

Nummer 4 würde nicht so ultraviel Betreuungszeit bekommen, da er noch so klein ist. Die Großen schon mehr. Insgesamt hörte ich mir das so an und dachte, die echte Erholung kriegt also der Typ, dem ich die Socken wasche. Der drei Wochen lang schön alleine seine Ruhe hat und machen kann was er will. Genau davon träume doch eigentlich ich!

Aber Mutti nimmt, was sie kriegen kann. Drei Wochen, in denen ich nichts putze und nichts koche – das allein ist Musik in meinen geschundenen, vollgeplapperten Ohren.

Ich habe vergessen, nach den räumlichen Möglichkeiten zu fragen. Ich erfuhr etwas von einem Appartement mit Zimmer für Mama und Zimmer für Kinder. Und wohin soll Nummer 4? Wenn er im Kinderzimmer schläft, werden sie ihn definitiv beim späteren Hinterher-„Schleichen“ wecken.

Und wenn er in meinem Zimmer schläft, ja, dann kann ich nicht schlafen. Neben schlafenden Babies im Dunkeln liegen und nicht mal husten dürfen sorgt bei mir für enorme Schlafstörungen. Vor allem, weil ich zum Einschlafen immer was auf dem iPad lese oder gucke …

Das muss ich vorher klären – davon hängt die Sache ja fast ganz ab …

Ich: „Was ist denn der nächstmögliche Termin?“

Frau Kurberaterin tippte auf der Tastatur: „Anfang November.“

Ich: „Brrr, schön in der besten Jahreszeit.“

Sie: „Ja, leider. Wenn sie früher hier gewesen wären, dann wären die Herbstferien noch gegangen. Aber jetzt ist alles voll. Eventuell gibt es etwas ab dem 28. Oktober. Aber man muss sehen, wie schnell da ihr Antrag durch ist und so. Oder sie warten bis zu den Osterferien.“

Ich: „Ach nö, lieber nicht. Ich brauche ein bisschen Veränderung in Aussicht. Damit ich weiß, wohin ich mich innerlich schleppen muss.“

Frau Kurberaterin stimmte zu: „Ich denke auch, es ist besser, wenn sie den nächstmöglichen Termin anstreben. Ich denke, sie können das gut brauchen. Wenn man bedenkt, was sie alles zu tun haben …“

Ich: „Ich müsste echt mal lernen, auf mich selbst zu achten. Ich schilderte:

Gestern war mal wieder so ein typischer Tag: Morgens zur Tagesmutter, danach nach Hause, um auf den Treppenbauer zu warten. Der sich um über eine Stunde verspätete. Ich hastete bei seiner Abkunft sofort los zu einem Termin – dort verspätete sich der nächste Terminpartner, so dass ich mich schnell verabschieden musste und zurück zur Tagesmutter. Zurück nach Hause zum Mittagessen. Dann schnell die Kinder gescheucht, weil wir zum Opa fahren mussten, damit Nummer 4 dort schlafen konnte, weil ja der Treppenbauer ja Lärm machte.

Im Opa-Asyl beschloss ich, etwas Nettes zu machen und fuhr mit Nummer 1 in den Billig-Laden „Action“, um Bastelzeug zu kaufen (das ist so günstig da und ist wirklich hochwertig). Dort traf ich eine Verwandte, die ich eigentlich auch noch gerne besucht hätte – aber dazu fehlte mir einfach die Zeit an dem Nachmittag. Es war bereits nach Vier. Sie fragte auch sofort, warum ich mich nicht bei ihr angemeldet hätte, wenn ich schon mal am Ort sei. (Opa wohnt 30 Minuten von hier auf der anderen Rheinseite).

Dann zurück beim Opa (Hier trank ich übrigens das erste Glas (Wasser) des Tages – um 16:30 Uhr)  meldete dieser, Nummer 4s Großtante habe bereits angerufen, ob ich denn nicht mehr kommen und wie verabredet die Gartenrutsche abholen würde. Ach ja, die Babyrutsche! Sofort wieder ins Auto und mit Nummer 2 los. Kurz meinen Patensohn dort gesehen, Rutsche verladen und zurück.

Dort Abendessen gemacht, danach Tisch abgeräumt, alles sauber gemacht. Ich wollte fahren, die Kinder aber installierten sich im Garten. Bis wir fuhren war es dann 19:30 Uhr. Zuhause wurde dann Nummer 4 bettfertig gemacht und der Tag neigte sich dem Ende zu.“

Frau Kurberaterin: „Und sie haben noch nie zuvor eine Kur gemacht, nein? Okay, wow, da sind sie ja weit gekommen, dass sie erst jetzt eine brauchen …“

Ich sagte noch, dass ich keinesfalls ohne die Kinder fahren würde, fasste rasch die Zeit von Mr. Essentials Krankheit zusammen, die mich mit den Fufels so zusammengeschweißt hat. Frau Kurberaterin notierte auch dies und meinte, es sei augenscheinlich für mich besser, mit den Kindern zu fahren.

Wir gingen den Antrag kurz durch.

Der Antrag bestand aus diversen vorgedruckten Seiten für Hausärztin und Kinderarzt. Ich erfuhr, dass meine Krankenkasse seit Frau Kurberaterin ihren Job macht nie einen Antrag abgelehnt hatte. Das macht Mut.

Ich teilte noch mit, dass ich keine Anreise wünsche, die länger als drei Stunden dauern würde. Drei Stunden als Fahrerin im Auto mit vier Kindern – da ist meine Grenze erreicht.

Spannende Nebeninfo

Interessant war, dass sie mir erklärte, wie das Müttergenesungswerk (in deren Kurklinik sie vermittelt) in den 1950er Jahren gegründet wurde. Ziel war es, belastete Mütter zu regenerieren. Wegen des Kriegs und so. Aber die Inhalte der mütterlichen Belastung hätten sich null verändert. Es sei eben nur ohne Krieg, dafür mit Auto (Kinder kutschieren+zu anderen Terminen hetzen), Mikrowelle (Kinder schieben ihr Essen rein, weil Mama arbeitet und Mama hat dafür ein schlechtes Gewissen) und weiteren Komponenten. Im Prinzip sei alles aber immer noch das Gleiche.

Mütter haben die gleichen Aufgaben. Nur mehr. Dafür aber keinen Krieg hinter sich. Die meisten Mütter würden heute im Antrag die gleichen Kreuzchen machen wie früher: „Keine Zeit für mich, keine Zeit für Hobbies/Freizeit, keine Zeit für Freunde, Mehrfachbelastungen, zu wenig Zeit am Tag.“ Neu sei, dass absolut jede Mutter ein Kreuzchen machte bei: „Zu viele Termine“

Das andauernde schlechte Gewissen war auch eines der Themen, die wir kurz ansprachen, während sie mir den Antrag erläuterte.

Sie erläuterte, dass ihre Nachsorge-Referentin, eine Heilpraktikerin für Psychotherapie, ihr widerspräche, wenn sie selbst sagen würde, man bekäme quasi mit der Geburt des ersten Kindes das schlechte Gewissen mitgeliefert. Doch ich stimmte ihr natürlich absolut zu. Bin schon gespannt auf den Vortrag dieser Referentin – werde sie dann mal befragen.

Zettelwirtschaft

Zuhause füllte ich die diverse Seiten aus. Das letzte Blatt (Blatt 8) soll für Erläuterungen genutzt werden. Hier kann man knapp mitteilen, was genau belastet und wodurch. Irgendwie ist mein Blatt jetzt voll geschrieben …

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in den kommenden Tagen muss ich mit den restlichen Unterlagen, wie erwähnt, zum Kinderarzt und zu meiner Hausärztin. Dafür werde ich Termine machen müssen. Ich hasse dieses Wort inzwischen: Termin. Als ich 20 war klang das mächtig wichtig, wenn man mal so etwas wie einen Termin hatte …

Es gibt also noch ein bisschen etwas zu tun, ehe es weitergehen kann.