Ein paar Gedanken zu Kindern und Karriere …

Das Thema der Woche ist ja irgendwie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Als halbwegs Unbeteiligter zum Thema möchte ich auch einmal ein paar Gedanken teilen (Vollzeit-Berufstätige männlichen Geschlechts sind in der Debatte ja bis dato noch etwas leise).

Ich finde es sehr gut, dass die aktuelle politische Linie (beide Elternteile sollen am besten Vollzeit berufstätig sein, einschließlich der entsprechenden ideologischen Abwertung der Erziehungsarbeit) einmal öffentlich hinterfragt und aufgebrochen wird. Ich weiß nicht genau, ob ich es hier schon mal erwähnt habe, aber ich halte ja die Notwendigkeit der möglichst baldigen Rückkehr in den Beruf für einem der wichtigsten Gründe, warum Familien heute nur ein oder zwei Kinder bekommen. Schnell wieder zurück, und dann sofort wieder raus? Na das wird dem Chef aber nicht gefallen …

Für Frauen gibt es jedoch keine wirklich legitime Alternative, da entweder die (mindestens gefühlte oder reale) wirtschaftliche Notwendigkeit sowie Peer Pressure das Dasein als Mutter vergleichsweise unattraktiv machen.

Außerdem finde ich, dass die aktuelle gesellschaftliche Fixierung auf Karriere und materiellen Status irgendwo auch überschätzt wird. Und das sage ich als jemand, der diese Anforderungen irgendwo doch selbst ein wenig erfüllt. Wenn ich mir meine ehemaligen Schulkameraden und Kindheitsfreunde anschaue, so gibt es doch einige, die in den letzten Jahren sicherlich etwas weniger Energie in das Pushen ihrer Karriere investiert haben als ich. Dementsprechend erfülle ich das Klischee des „erfolgreichen Berufslebens“ deutlicher als diese. Aber: diese Menschen haben Hobbies und sehen ihre Freunde! Mein Leben ist mit Familie, Haus und Job sowie noch der Beziehungspflege mit meiner Frau komplett voll (eigentlich überfüllt). Sollten wir uns jetzt besser noch einen Vollzeitjob in unser Leben „quetschen“?

Wenn es aber keine zwei Vollzeitjobs gibt in einer Beziehung, dann ist es vollkommen klar, das einer der Partner beruflich zurückstecken muss. Ich finde ja auch so Modelle wie „sich zu zweit einen Vollzeitjob teilen“ sehr schön. Aber selbst das, das muss klar sein, ist eine Karriereeinschränkung – was nicht einmal diskriminierend ist. Vielmehr wäre es diskriminierend zu einer vergleichbar erfahrenen Vollzeitkraft zu sagen:

„Die Fähigkeiten und die Erfahrung, die Du Dir in XY Berufsjahren erarbeitet hast, kann man sich eigentlich auch in der Hälfte der Zeit erwerben!“

Das gilt natürlich nur für qualifizierte Knowledge Worker, aber um die geht es ja auch. Denn vornehmlich die haben ja heute die echten Aufstiegschancen, die man gemeinhin als Karriere bezeichnet …

Also, auch die Teilzeit-Managerin oder der Teilzeit-Manager werden vermutlich nicht die gleichen beruflichen Entwicklungen durchmachen wie ihr Vollzeit-Partner.

Ich glaube übrigens gar nicht, dass der durchschnittliche mittlere Angestellte in Deutschland unbedingt immer weiterkommen will auf der Karriereleiter. Manche schon – klar – aber Otto Normalverbraucher will vermutlich eigentlich nur mehr Geld. 🙂 Und hier sieht man am Ende wo aus meiner Sicht der Hase im Pfeffer liegt: Vielen Familienplänen steht vor allem die Tatsache im Weg, dass man plötzlich mit dem Gehalt von 1 bis 1,5 Arbeitsstellen auskommen muss, während die Kosten wachsen. Da kann man noch so sehr argumentieren, dass Kinder ja Privatvergnügen sind – ein Staat, der die Zahl der Kinder steigern möchte, müsste hier zugunsten von Familien viel deutlicher eingreifen.

Das sage ich jetzt weniger für uns – wir leisten uns ja ohnehin den Luxus, vier Kinder zu haben. Aber solange man als junge Eltern den zahlreichen Vergnügungen der DINK-Freunde nur mit tapferem Lächeln hinterher blicken kann, weil die Entscheidung für eine Familie wenigstens aus materieller Sicht in Deutschland immer falsch ist, so lange werden doch die familienpolitischen Ziele der Regierung eigentlich nicht erfüllt.

Am Ende geht es doch häufig um die Kohle, nicht um die Karriere.

Konsumtypologie für Anfänger

Gerade auf FAZ.net gesehen:

Leben im Luxuskinderland

Das Thema Kinder und Konsum hatten wir ja letztens schon mal hier. Ich muss ja sagen, gegenüber meiner Studentenzeit, als Nummer 1 und 2 noch klein waren und wir den letzten Einkauf im Monat vom Flaschenpfand bestritten haben, leben wir heute geradezu verschwenderisch. Trotzdem verstehe ich echt nicht ganz, welches Verhältnis man zu Geld haben muss, um irgendwelche Kinderklamotten für mehrere Hundert (!) Euro zu kaufen.

Na ja, vielleicht doch. Ich habe mal eine Typologie des Premium-Kinder-Konsums zusammengestellt:

a) Das Marken-Prekariat. Trägt Hollister und andere Sportmarken. Kann sich das Original eigentlich nicht leisten und weicht daher auch auf freie Interpretationen der Marken aus dem Türkei-Urlaub aus. Konsumfaktor: niedrig, weil eigentlich ja gar kein Luxus.
b) Die beiläufige Mittelklasse. Kauft Mittelklasse-Marken wie Esprit und Tom Tailor und hat fast vergessen, dass es Kleidung auch bei Aldi gibt. Rechtfertigt dies mit dem eigenen Qualitätsanspruch. Konsumfaktor: mittel, da fließt schon etwas an Geld, vor allem wenn nicht doch mal heimlich eine H&M-Hose dabei ist.
c) Nachwuchs-Snobs. Die Kinder werden schon recht ordentlich ausstaffiert mit allem was die Einkaufsmeile hergibt. Aufsteiger (von den Alteingesessenen dieser Klasse auch schon mal als Poser bezeichnet) verkaufen die teuren Stücke nachher zu unfreundlichen Preisen auf der Kleiderbörse: „Ich würde dafür schon gerne noch 80 Euro haben … Neu hat das immerhin 150 gekostet!“ Dabei vergessen sie leider, dass die wenigsten Besucher solcher Veranstaltungen da mal eben 100 Euro durchbringen wollen … Konsumfaktor: mittel-hoch. Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich.
d) Kinder-Konsum-Elite. Hat meist wenige Kinder und tendenziell einen etwas älteren Vater, der im Leben alles erreicht hat und sich kurz vor dem Ruhestand/ dem Status als Privatier noch ein Kind gönnen wollte. Auf Geld kommt es nicht so an, da kann man auch schon mal auf Gucci zurückgreifen. Konsumfaktor: hoch, man kann ja auch nicht in Sack und Asche aus dem mit einem Sansibar-Aufkleber verzierten Porsche Cayenne steigen.

Ein schlauer Mann hat mal gesagt, dass man sich nur dann durch Konsumverzicht hervortun kann, wenn man sich das Objekt des Verzichts auch leisten kann. „Ich kaufe mir keine Rolex, weil ich die patriarchaisch-kapitalistische Symbolik dieser Marke nicht unterstützen möchte“ zählt also nicht. Es ist also irgendwo auch müßig, sich über die Konsum-Elite durch Konsumverzicht zu erheben. Aber ich kann es mir nicht ganz verkneifen:

Wenn man so wenige substanzielle Bedürfnisse übrig hat, dass man sich ganz auf die obersten Stufen der Maslow-Pyramide konzentrieren kann, sollte man bitte doch sicherstellen, dass man nicht nur in Chanel, sonder auch mal in ein Schulprojekt in Afrika investiert.

Breaking News: Kinder kosten Geld

Heute war in mehreren Leitmedien zu lesen, dass deutsche Eltern immer mehr Geld für ihre Kinder ausgeben. Durchschnittlich 584 Euro im Monat pro Kind. Allerdings einschließlich erhöhter Kosten für Wohnung, Energie und so. Interessant ist an diesen Artikeln eigentlich nur sie Tatsache, dass zwanghaft eine News daraus kreiert wird. Plötzlich ist es erstaunlich, dass Eltern mehr Geld für Kinder ausgeben, wenn sie nur ein Kind haben, die Kinder älter sind oder sie selbst wohlhabend sind.

Wow – Überraschung. Wer mehr Geld hat gibt auch mehr aus. Und teilweise eben für die Kinder. Ich glaube die 6,5 Prozent Zuwachs sind allein der direkten und schleichenden Inflation geschuldet (ohne das jetzt nachgerechnet zu haben). Aber zwei Dinge fielen mir immerhin auf:

a) das Geheule einiger (vermutlich) Kinderloser in den Kommentaren, dass man von dieser Rechnung ja noch das übermäßig hohe Kindergeld abziehen müsste (weil sie die blöden Familien ja soooo sehr subventionieren würden)
b) die Erkenntnis das man sich den Spaß erstmal leisten können muss – 1800 Euro für beispielsweise drei Kinder muss man ja auch erstmal haben

Irgendwie gehen diese beiden Punkte ziemlich weit auseinander – warum können sich denn nur wohlhabende viele Kinder leisten, wenn die Kinderlosen eigentlich doch alles bezahlen? 🙂

Na ja, insgesamt eine eher langweilige Story aus dem PR-Hirn des Statistischen Bundesamtes. So langweilig, dass ich fast nicht darüber gebloggt hätte.

Waaah – noch ein Geschenkeanlass???

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Paypal, das digitale Zahlungvoodoo des weltweiten Konsums, wies mich gerade darauf hin, dass ich meinen Kindern doch bitte etwas zum Boys&Girls-Day schenken sollte. Ich bin da etwas rückständig – als die Mädels uns vor zwei Jahren darauf hinwiesen, dass die „Liliane ja eine Barbie zum Kindertag geschenkt bekommen hatte“ war ich mehr so: Wie jetzt, auch noch zum Kindertag Zeug kaufen? Das hättet Ihr wohl gerne, liebe Spielzeugindustrie!

Ich bin ja für Konsum durchaus zu haben, und es soll mir da auch gar nicht um die letzten Kröten gehen. Aber wenn ich daran denke dass wir über den Winter 600 Liter Müll …. äh Spielzeug aus den Zimmern ausgemistet haben, frage ich mich ob wir WIRKLICH noch mehr Geschenkanlässe brauchen. Wir haben:

  • Geburtstag
  • Ostern
  • Weihnachten
  • Nikolaus

Das sind für uns 16 Anlässe im Jahr, um neuen zukünftigen Müll zu erwerben. Da brauche ich nicht noch den Kindertag, den Boys&Girls-Day, den Namenstag, den Tag der Spielzeugeisenbahn oder den Tag des sozialen Konsumdrucks dazu.

Ich möchte daher eine Petition starten. Eine Petition gegen durchsetzungsschwache Eltern, die sich von ihren Kindern zu solchen Aktionen breitschlagen lassen. Ich nenne sie „Geschenke? Nein danke!„.

Bitte, liebe konsumfreudige Einzelkindeltern. Überdenkt Euren letzten Spielzeugkauf nochmal. EUCH ist es vielleicht egal, noch drei Spielzeuge mehr im Jahr zu kaufen – aber vergesst nicht was ihr Leuten wie mir damit antut.

Wer macht mit?