Kinder helfen im Haushalt – Teil 2

Ihr habt ja vielleicht schon mitbekommen, dass uns das Thema „Welchen Beitrag sollen Kinder im Haushalt leisten“ immer wieder mal beschäftigt. Der Hauptgrund dafür: Blockierende Kinder, die wieder mal behaupten dass nur sie und ein paar arme Kellerkinder überhaupt irgendetwas machen müssen. Und das natürlich zum Anlass nehmen, ihren Kram bei uns nur äußerst halbherzig bis gar nicht zu erledigen.

Letztens schnappte sich meine Frau eines dieser Kinder, die angeblich nie was machen müssen (eine Schulfreundin der Mädels war zu Besuch):

„Sag mal, Emma, lässt Du zuhause auch immer die Zahnbürste mit Zahnpaste verklebt im Waschbecken liegen?“

(Sie hatte direkt zuvor eine ernüchternde Begegnung mit dem Kinderwaschraum)

Emma (grinsend): „Jaaaaa …“

Meine Frau: „Und das macht dann Deine Mutter weg?“

„Jaaaa …“ (grinst weiter)

„Die wuselt Euch also den ganzen Tag hinterher und macht alles weg?“

Kopfschütteln. „Nein. Das macht sie abends. Wenn sie von der Arbeit gekommen ist.

Meine Frau (leicht geschockt): „Also sie macht das von euch allen abends sauber, was ihr den ganzen Tag rumschmeißt?“

Antwort: „Ja –“ (breites Grinsen) „die muss das wegmachen.“

Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese anderen Eltern unsere experimentelle Retro-Pädagogik sabotieren …

Die Bequemlichkeit der Eltern

Immer wieder muss man mit seinen Kindern ja über Dinge wie Aufräumen, Aufgaben im Haushalt und Ähnliches reden. Gerade bei vielen Kindern beantworten diese Anfragen wie „Räumt Ihr gleich kurz die Spülmaschine aus?“ gerne durch

a) wegducken,

b) über Kreuz aufeinander zeigen,

Auf jeden Fall aber nicht durch

c) Spülmaschine ausräumen.

Nummer 1 beantwortete letztens die Bitte meiner Frau, sich mal kurz um Nummer 4 zu kümmern, mit folgender Gegenfrage: „Was machst DU denn in der Zeit?“

(Unnötig zu erwähnen dass meine Frau es mit einer ironischen Tirade konterte, die sich aus „Spa-Tag“, „Mittagsschlaf“ und „sich eine Flasche Whisky auf der Couch reinpfeifen“ zusammensetzte)

Ich sah mich daraufhin genötigt, die Kinder einmal über Effizienz aufzuklären.

Ich: „Nummer 1, warum glaubst Du, bitten wir Dich, die Spülmaschine auszuräumen?“

Nummer 1: „Damit die Spülmaschine ausgeräumt wird?“

Ich: „Schon, aber warum glaubst Du machen wir es nicht selber, sondern fragen Euch?“

Kurze Suche nach der sozial erwünschten Antwort. Nummer 1: „Damit wir es lernen?“

Ich: „Korrekt. Glaubst Du, es ist eine Hilfe, wenn Ihr das macht? Also dass es schneller geht oder uns weniger Arbeit macht?“

Nummer 1: „Na, Ihr müsst es dann ja selbst nicht machen …“

Ich: „Schon – aber das gleicht Ihr dadurch aus dass wir uns über Euch ärgern müssen. Wir bitten Euch niemals darum, etwas im Haushalt zu machen, weil das eine echte Hilfe wäre. Alles, worum wir Euch bitten, können wir selber schneller und mit weniger Gemecker. Wenn wir Euch etwas machen lassen, behindert uns das in Wirklichkeit bei der Erledigung der Aufgabe. Wir haben dadurch also in Wirklichkeit mehr Arbeit. Aber wir machen es trotzdem … warum nochmal?“

„Damit wir etwas lernen …“

Es war interessant zu sehen dass es wirklich „Klick“ bei ihr gemacht hatte. Tief in sich drin hatte sie nämlich doch vermutet, dass wir das eigentlich doch aus Faulheit machen. Damit ist sie ja nicht allein – Eltern werfen sich ja gerne selber vor dass es nur ihre Bequemlichkeit ist, wenn die Kinder selbst was machen müssen.

Dabei ist das Gegenteil der Fall: Es ist praktisch immer deutlich bequemer, die Aufgabe schnell selbst zu erledigen, als sich mit bockigen, diskutierenden, flüchtenden Kindern auseinanderzusetzen. Bis sie irgendwann ein Alter erreicht haben, in dem sie halbwegs gewissenhaft und verlässlich Aufgaben übernehmen können.

Aber ich glaube, bis dahin ziehen sie aus. 😉