Absolvierter Präventionskurs zum Thema „Sexualisierte Gewalt“

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Im Rahmen meiner Vorbereitung auf die Aufgabe als Katechetin habe ich an einer verpflichtenden Veranstaltung teilgenommen.

Innerhalb der katholischen Kirche gibt es durch die Missbrauchsfälle nun Präventionsmaßnahmen, an denen jeder teilnehmen muss, der mit Kindern arbeiten möchte.

Dazu gibt es einen Basis-Kurs, der entweder 3 oder 6 Stunden dauert – je nachdem, wie intensiv die Zusammenarbeit mit den Kindern sein wird. Beispielsweise Hausmeister*innen in Grundschulen, Küchenhilfen in Kindergärten, Katechetinnen und andere Menschen mit eher sporadischem Kontakt absolvieren den kürzeren und alle anderen den intensiveren Kurs. Ohne die Bescheinigung, die am Ende ausgestellt wird, darf man kirchenintern nicht mit Kindern arbeiten.

Das fand ich als Reaktion auf den Skandal sehr gut. Wobei natürlich innerhalb der Kirche prozentual nicht mehr Kinder missbraucht wurden als in Sportvereinen, Schulen, Heimen oder bei Ferienfreizeiten.

Die mit Abstand größte Anzahl aller Fälle geschieht innerhalb der Familien und die kleinste Zahl nehmen die fremden Entführer ein. In beiden großen Kirchen gab es gleich viele Missbrauchsfälle. Der Skandal war wohl deshalb so unglaublich empörend, weil man von Priestern und Pastoren ein moralisch hochwertigeres Verhalten erwartet als bei Sportlehrern oder Jugendbetreuern.

Zudem ist die katholische Kirche als Institution ohnehin umstritten oder in der Kritik. Daher kam vermutlich besonders viel Wut und vor allem mediale Aufmerksamkeit bei derselben hoch, als die Fälle bekannt wurden. Der weltfremde Umgang mit sexuellen Themen ist aus meiner Sicht einer der größten Schwachpunkte der katholischen Kirche. Neben der fehlenden Gleichberechtigung für Frauen und einigen anderen Themen. Aber Kirchenkritik ist nicht der Fokus meines Artikels.

Es gibt anscheinend keine andere Institution, keinen Verband oder Verein, der weitreichende Präventionsmaßnahmen anbietet oder dazu gar verpflichtet – das wiederum fand ich mehr als schade.

Da, wie erwähnt, die meisten Kinder in ihren Familien missbraucht werden (über 70 Prozent der Fälle, Dunkelziffer unbekannt), wäre es natürlich wünschenswert, wenn Eltern innerhalb der ersten Lebensmonate eines Kindes geschult würden. Aber das sei hier ebenfalls nicht das Thema.

Worum ging es in dem Kurs genau? Was war das inhaltliche Ziel?

Die Teilnehmer*innen sollten geschult und sensibilisiert werden, um

  • die Grenzen Anderer wahrzunehmen und einzuhalten
  • Anderen (hier: Kindern) zu helfen, wenn deren Grenzen verletzt werden
  • wissen, was zu tun ist, wenn ein Kind sie ins Vertrauen zieht und vom sexualisierter Gewalt berichtet
  • lernen, wo Missbrauch anfängt
  • erfahren, wie man Kinder gegen Missbrauch stärkt und sie davor (so weit möglich) schützt.

Wie wurde das umgesetzt?

Zuerst erhielten wir eine ausgedruckte Geschichte, deren Inhalt ich sehr knapp zusammenfasse:

Ein Mädchen ist verliebt und will zu ihrem Liebsten, doch der wohnt über einen Fluss hinweg. Der Fluss ist voller Krokodile, das Mädchen findet niemanden, der ihm hinüberhilft. Außer einem Mann mit einem Boot, der die junge Frau nur übersetzt, wenn sie zuvor mit ihm schläft.

Das Mädchen bittet seine Mutter um Rat. Diese sagt so ungefähr: „Du bist alt genug, entscheide selbst.“

Daraufhin schläft das Mädchen mit dem Mann, er bringt es an das andere Ufer, wo das Mädchen ihrem Liebsten bedrückt erzählt, was es auf sich nahm, um zu ihm zu kommen. Der junge Mann ist wütend und macht sofort mit ihr Schluss.

Bald darauf findet das Mädchen einen Zuhörer, dem es sein  ganzes Leid klagen kann. Dieser macht sich auf und verprügelt den ehemaligen Liebsten, während das Mädchen von fern zusieht und lacht.

So.

Nun sollten wir von 1 bis 5 alle handelnden Personen der Geschichte auflisten, im Rang nach Sympathie geordnet. Anschließend mussten wir in Kleingruppen eine Einigung für eine gemeinschaftliche Auflistung finden.

Das war in meiner Gruppe unmöglich – dies lag an mir, ich war zu renitent. Es war so, dass ich die Mutter auf dem letzten Platz sah, während die anderen dort den Missbrauchstäter sahen.

Ich sagte, Sympathievergabe geschähe eben auch nach Maßstäben der Moral. Und eine Mutter sollte ihr Kind doch schon genug lieben, um ihm vor allem in so einer bedrohlichen sowie kritischen Situation beistehen. Über den Punkt konnten wir uns nicht einigen und so hatten wir am Ende keine Aufstellung.

Habe mich ein wenig herausgewitzelt und gesagt, dass jenes Mädchen, das derart einem Mann nachhängt, der nicht den Hauch eines Versuchs unternimmt, es zu besuchen vermutlich auf der verzweifelten Suche nach Liebe ist – bei so einer Mutter kein Wunder. Fand nur der Kursleiter richtig lustig. Alle Themenfremderen konnten nicht so richtig bei diesem Thema schmunzeln. Verständlicher Weise. Zudem war die flinke Analyse vielleicht etwas unerwartet.

Der Kursleiter aber fand, diese Herleitung wäre ganz treffend so, wenngleich natürlich spekulativ. Wie auch meine Feststellung, dass der „hilfreiche Freund“ vielleicht eher hätte den Täter verprügeln oder mit dem Mädchen anzeigen sollen, statt den Ex-Freund zu verhauen. Und das er dies wohl tat, weil es der einfachere Weg war, seiner hilflosen Wut Ausdruck zu verleihen.

Eine andere Gruppe las dann ihre Aufstellung vor. Die Mutter war auf Platz 2. Begründung: „Ja, vielleicht hatte sie einfach gerade keine Zeit, kann ja mal passieren.“

Diskussion über die Mutter brach aus, der Kursleiter befragte uns dazu, ich sagte:

„Im Ernst: Meine Tochter kommt zu mir und sagt: Mama, da ist ein Mann, der mich als Gegenleistung für eine Flussüberfahrt missbrauchen will, was soll ich tun? Und ich sage: Das ist doch nicht mein Problem, du bist alt genug.“

Da guckten die Teilnehmerinnen der Gruppe mit der Mutter auf Platz 2 etwas geschockt.

Soweit der Einstieg. Hüstel.

Eingangs hatten wir uns alle vorgestellt und unsere Erwartungen an den Kurs mitteilen müssen. Die Aufmerksamkeit des (lebensnahen und sympathischen) Pastoralrefenten war mir sicher, als ich sagte:

„Ich heiße Miss Essential, ich habe vier Kinder und bin Texterin. Zuvor war ich Familienpflegerin, was sofort zu meiner Erwartung führt: Ich habe zwei Mal im Rahmen einer Tätigkeit für die katholische Kirche einen Missbrauchsfall (außerkirchlich) miterlebt. Niemand hat auf meine Meldung reagiert. Beide Vorgesetzten haben abgewiegelt. Nun erwarte ich zu erfahren, wie ich mich verhalten soll, wenn mir jemals wieder so etwas passiert.“

(Anm.: Ich werde die beiden Fälle in meinem zweiten Artikel zu meinem Beruf als Familienpflegerin beschreiben)

Die Geschichte dient nicht nur dem Einstieg in eine Kommunikation der Teilnehmer*innen über das Thema, sondern auch der Erkenntnis, dass man einen fall nicht so schnell von außen beurteilen kann. Der Täter als solcher beging eine Straftat. das war sicher. Die anderen Verhaltensweisen unterlagen bestimmten Hintergründen, die man nicht kannte.

Niemand außer mir hatte die Mutter als die unsympathischste Person eingestuft. Ich hatte das damit erklärt, dass ich den Straftäter mit Sicherheit als Missbraucher und damit als komplett raus aus Sympathiewerten ansehe. Doch von einem Menschen wie der Mutter hätte ich mehr erwartet als, äh, nichts.

Zuhause wollte übrigens Nummer 2 (11 Jahre) die Geschichte bewerten und ich gab sie ihr. Sie hatte fast die gleiche Aufstellung gemacht wie ich. Aber sie hatte den Liebsten des Mädchens auch ziemlich nach unten geschoben, weil sie fand, er hätte ihr helfen müssen, den fiesen Mann mit dem Boot anzuzeigen, anstatt sie zu verlassen. Das lasse ich mal so stehen. Über den Täter sagte sie:

„Na, der muss das Mädchen ja nicht mögen. Das ist einfach ein kranker Typ. Da erwarte ich nichts Anderes. Aber Mutter und Freund finde ich ganz grausam.“

Wenigstens eine Person fand die Mutter auch gruselig – das beruhigte mich. Einerlei, das ganze war ja keine „Gebt-Miss-Essential-Recht-Show“ und so verlegte ich mich auf’s Beobachten. Von rund 30 Teilnehmern zogen sich körpersprachlich immer zwischen sechs und acht zurück, verschränkten die Arme, zogen den Kopf zurück: Das Thema machte Angst.

Was ist sexualisierte Gewalt?

Nun erklärte der Kursleiter uns sehr genau, unterhaltsam aber auch direkt, was sexualisierte Gewalt ist. Hierzu nannte er Beispiele und wir sollten bejahen oder verneinen, ob wir diese für Missbrauch hielten.

(Beispiele: „Ein Onkel fotografiert seine 15-jährige Nichte am FKK-Strand“, „Vier 16-Jährige Jungs lachen vor Unterrichtsbeginn über die Brüste einer Mitschülerin“, „Ein Gruppenleiter berührt versehentlich beim Tobespiel das Geschlechtsteil eines Kindes“)

Die Gruppe fand schnell heraus, das sexualisierte Gewalt nicht versehentlich passiert und erfuhr im Folgenden, dass Täter sich „voran arbeiten“: Zuerst berühren sie wie aus Versehen den Körper des Opfers, dann intime Stellen, dann gehen sie über zu intimen Handlungen.

Es fehlten in diesem kurzen Kurs hier die Erklärungen: Sexualisierte Gewalt dient den Machtgefühlen des Täters und hat mit Sex ungefähr so viel zu tun, wie jemandem eine Bratpfanne in’s Gesicht zu hauen mit kochen zu tun hat.

Die klassischen Täter(selbst-)lügen könnte man hier auch ergänzen: Es gibt keine Verführungen, mit denen sich Täter gerne herausreden und das Mädchen oder der Junge waren auch sicher nicht kokett oder flirteten schon „wie ein*e Große*r“. Ebenso reden Täter gern sich und anderen ein, dass sie das Kind erfahren in die Welt der Sexualität einführen wollten. Auch dies ist eine dreiste Lüge. Niemand braucht einen Menschen, der einem die eigene Sexualität aufdrängt/aufschwatzt und sich dabei auch noch als dankenswerter Lehrmeister hochstilisiert! Manch ein gestörter Mensch glaubt gar, er führe eine Beziehung mit einem Kind, die irgendwann auf die „nächste Ebene“ gebracht wird, indem es das Kind missbraucht und dies vor sich als einvernehmlich deklariert. Natürlich gehören Verharmlosungen auch dazu: „Das waren nur Zärtlichkeiten“, „Er/Sie ist doch sehr reif für sein/ihr Alter“, „Er/Sie ist doch sooo neugierig auf solche Dinge“ …

Und man erfuhr auch nicht, welche Unterschiede es zwischen Pädophilie und Pädosexualität gibt und ob die Liebe zu Kindern zwangsläufig in sexuelle Gewalttaten übergeht.

Es wurde nicht erklärt, mit welchen Mechanismen der Täter das Opfer mundtot macht oder einschüchtert.

All dies hätte den Rahmen des Basiskurses gesprengt.

Aber wir erfuhren, dass sexuelle Gewalt in einem Macht- und Abhängigkeitsverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen geschieht. Es wurde klargestellt, dass es niemals einvernehmlichen Sex zwischen Kindern oder Jugendlichen und Erwachsenen geben kann. Auch nicht zwischen einem 15-Jährigen und einer 7-Jährigen. Es wurde erläutert, dass sexuelle Gewalt bei verbalen Angriffen beginnt (Beispiel: „Geile Titten, Süße!“) und bis zu einer (einmaligen, mehrfachen, über einen Zeitraum verlaufenden) Vergewaltigung reicht.

Wie macht man Kinder stark?

Zunächst hatten wir eine Pause. In dieser kam schnell ein Gespräch zwischen dem Kursleiter und mir zustande, indem wir uns über das Thema austauschten. Wir kamen zu dem Schluss, dass Missbrauchsprävention etwas wäre, dass ich ziemlich gut machen könnte. Vielleicht werde ich mich diesbezüglich demnächst mal bei ihm melden.

Und so bezog er mich nach der Pause auch sehr mit in den Kursablauf ein. Oft blickte er in meine Richtung und ich teilte etwas mit. Als ich sagte, dass in jeder Schulklasse statistisch gesehen ein bis vier missbrauchte Kinder sitzen, wurde es sehr still. Und die Zahl der über 70 Prozent Missbrauchsfälle innerhalb von Familien machte die Teilnehmenden noch blasser. das tat mir leid, aber mir ist es so wichtig, darüber aufzuklären. Der Kursleiter versuchte, den Teilnehmenden die Angst ein wenig zu nehmen. Ob ihm das gelang weiß ich nicht. Ich versuchte, ihm ein bisschen dabei zu helfen, indem ich sagte, dass man Kinder stark machen kann.

Eine Teilnehmerin meinte: „Und wenn ich meinem Kind nun beigebracht habe, seine Grenzen wahrzunehmen, nützt es dann was, wenn es Nein! sagt, falls ein Nachbar es anfasst?Ich meine, hört der dann damit auf?“

Der Kursleiter dazu: „Vielleicht. Aber mindestens wird ihr Kind es ihnen später erzählen, weil es ganz genau weiß, dass es sich schlecht anfühlte und es das nicht wollte. Stark machen heißt auch, dem Kind seine eigenen Gefühle zugestehen, damit es sich eben nicht einschüchtern oder etwas einreden lässt.“

Er ging dann auf das Thema „Grenzen spüren, respektieren und Kinder stärken“ ein.

Kindern (und ihren Eltern) sollte Folgendes vermittelt werden:

  • Es gibt angenehme und unangenehme Gefühle. Die Gefühle können oder sollen auch ausgedrückt werden. Manchmal gibt es „komische Gefühle“. Die sind zugleich schön und nicht schön.
  • Und wir es zwei Arten von Gefühlen gibt, so gibt es auch gute und schlechte Geheimnisse. Die „schlechten“ Geheimnisse darf man weitersagen, man muss es eigentlich. Das ist dann kein Verpetzen, sondern richtig so. Ein Geheimnis, das ein Kind belastet, darf es jederzeit einer vertrauten Person erzählen.
  • Man darf immer „Nein“ sagen, wenn irgend etwas schlechte Gefühle verursacht.
  • Jeder Mensch hat das Recht auf seinen eigenen Körper. Niemand darf jemanden berühren, wenn der das nicht möchte.
  • Täter*innen (Ja, es gibt rund 2 Prozent Frauen unter den Tätern. Dunkelziffer auch hier unbekannt) kommen oft aus dem nahen Umfeld des Kindes. Das bedeutet, jemand, den das Kind gern hat, verletzt die Grenzen des Kindes.
  • Da wir Erwachsene von sexualisierter Gewalt wissen, sollten wir hellhörig werden, wenn ein Kind etwas Diesbezügliches erzählt.

Was tun, wenn man in Kenntnis eines Vorfalls gelangt?

Wenn ein Kind oder ein*e Jugendliche*e sich einem anvertraut und von einem Übergriff, gleich welcher Art, erzählt, dann ist es sehr wichtig

  • nicht kopflos zu reagieren
  • ruhig zu bleiben und zuzuhören – hierbei den oder die Betroffene*n nicht ausfragen.
  • sich Hilfe über Beratungsstellen und Fachleute zu holen
  • jeden Schritt mit dem Opfer zu besprechen – nicht einfach über dessen Kopf hinweg beispielsweise die Polizei anrufen. Denn diese sorgt sofort für weitere Schritte, die dem Opfer eventuell gar nicht zusagen. So würde schon wieder gegen den Willen des Opfers etwas mit ihm gemacht.
  • nur Angebote zu machen, die man auch einhalten kann: „Ich regle das jetzt für dich! Der wird bestraft!“ ist schwierig, wenn man a) nicht dafür sorgen kann und b) das Opfer dies ja vielleicht so gar nicht möchte.
  • den Täter nicht zu konfrontieren. Hiermit greift man in eventuelle juristische Verfahrensweisen ein.
  • alles vertraulich zu behandeln. Man sollte aber sagen, dass man fachkundige Hilfe einholen will und wird.
  • das Erzählte und seine persönlichen Beobachtungen zu notieren. (Beispiel: “ Am Donnerstag, dem 13. Dezember 20XX kam XY zu mir, war sehr aufgelöst/ängstlich/verschüchtert/betont gut gelaunt und berichtete Folgendes: …“)
  • sich selbst eine Verarbeitung zuzugestehen und tief durchzuatmen, nachdem die ersten Schritte eingeleitet sind. So etwas zu hören ist sehr belastend und man braucht eine ganze Weile, um alles zu verarbeiten. Besonders, wenn einem das Kind sehr gut bekannt ist oder nahe steht.

Diese Vorgehensweise ist sehr gut beschrieben, finde ich. Ganz wichtig ist es, nicht den „Racheengel“ zu spielen oder sofort 110 zu wählen. Wenn das Opfer dies will, dann ist das natürlich richtig und sicherlich eine gute Unterstützung. Aber man sollte jeden Schritt besprechen und abstimmen, selbstverständlich auch mit einem Kind.

Meine Gedanken zum Kurs

Ich bin sehr zufrieden mit dem, was dort erklärt wurde und auch in welcher Art.

Das Thema wurde respektvoll behandelt und auch für absolut Themenfremde sehr gut verständlich aufbereitet. Die hier genannten Informationen habe ich aus den Unterlagen des Bistums Münster. Es gibt Ansprechnpartner*innen (Präventionsbeauftragte) in den Bistümern, die sich um Fälle kircheninterner Verdachtsfälle kümmern. Hier kann jeder Verdachtsmomente mitteilen, der dies innerhalb der Gemeinde nicht tun möchte.

Zudem gibt es eine Stabsstelle Prävention und die Beratungsstelle des örtlichen Caritasverbandes kann ebenfalls helfen.

Nach anfänglichem Schrecken fanden die Kursteilnehmer meine Beiträge zum Thema immer interessanter und ich kam mir nicht mehr ganz so Elefant-im-Porzellanladen-mäßig vor. Also hatten wir irgendwie alle eine gute Dynamik – dies nur als abrundende Info zur persönlichen Seite des Kurses.

Sehr gut fand ich auch die Hinweise darauf, was eine gute Gruppe oder Gemeinschaft auszeichnet:

  • Man fühlt sich angenommen, ehrlich wohl und besucht gerne Zusammentreffen oder Veranstaltungen der Gruppe
  • Die eigenen Grenzen werden respektiert (Beispiel: Wer nicht möchte, wird nicht zur Begrüßung umarmt)
  • Die Gruppenmitglieder unterstützen einander und gehen aufeinander ein
  • Niemand muss sich vor Konsequenzen ängstigen, wenn er seine Gefühle äußert
  • Niemand wird ausgegrenzt, beleidigt, ausgelacht oder auf andere Arten verletzt.

(Anm.: Zuhause stellten die beiden Großen hier rasch fest, dass laut dieser Definition eine Klassengemeinschaft diesen Namen nicht verdient habe.)

Ich nenne im Folgenden noch einige Links zu Internetseiten über die man sowohl Informationen als auch Hilfe beim Verdachtsfall erhalten kann – diese erhielten wir durch den Kursleiter:

www.kein-raum-fuer-missbrauch.de (das ist die Seite des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs)

www.ehefamilieleben.de  (hier kann man Online-Beratung erhalten, eine kirchliche Seite des Bistums Münster)

www.hilfeportal-missbrauch.de (eine weitere Seite des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs)

www.zartbitter.de (Seite de Kontakt- und Informationsstelle Zartbitter e.V. Köln, sehr informativ – behandelt Themen rund um Missbrauch aller Altersstufen vom Kindergartenkind bis zum jungen Erwachsenen, über Zartbitter kann man ebenfalls fachkundige Hilfe erhalten)

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Die Inhalte der Informationen sowie die Fotos basieren auf dem Informations- und Lehrmaterial des Bistums Münster

Liebes Internet, ich bin schockiert.

Ich verfolge das aktuell heiß diskutierte Thema Homo-Ehe ja quasi nur passiv. Ich habe in diesem Thema keine Aktien und keine Eigeninteressen. Es tangiert meinen Alltag als Familienvater in einer Kleinstadt praktisch gar nicht. Manche von Euch erinnern sich vielleicht sogar, dass ich mich schon mal negativ über den Versuch der LGBT-Community ausgelassen habe, sich selbst als die besseren Eltern darzustellen. Aber wie unser aller Liebling Tyrion Lannister habe ich ein Herz für Bastarde, Krüppel und Zerbrochenes, und so bin ich wirklich von der aktuellen Entwicklung in der Diskussion zu diesem Thema schockiert.

Es ist einige Zeit her, da hat die CSU nach dem letzten Vorstoß zur Homo-Ehe plötzlich Familiensplitting in die Diskussion eingebracht.

„Ist doch lustig“, meinte ich damals zu Mrs. Essential. „Jetzt kommt die CSU noch glatt auf den Trichter, das blöde Ehegattensplitting endlich für ein Familiensplitting abzuschaffen – aber nur, damit die Homos nix davon haben.“

Ich bin bis heute über diese Ironie amüsiert, dass konservative Politiker die Angst vor der Schwulenehe brauchen, um so ein Projekt ins Gespräch zu bringen. Das war damals ganz lustig, und ich dachte mir dass es doch schön ist wenn zwei gesellschaftliche Kräfte durch ihre Reibung ein vernünftiges Ergebnis zustandebringen.

Leider brachten sie nichts zustande – das Familiensplitting ging sang- und klanglos unter, weil ein Rechenexempel nicht gefiel, und alles blieb beim alten. Na ja, mir kann es ja latent egal sein, ich bin verheiratet, also habe ich da nur begrenzten missionarischen Eifer. Dann eben nicht.

Plötzlich ist die „Homo-Ehe“ wieder auf dem Plan. Doch statt diesen Veränderungsimpuls zu nutzen, um vernünftige Weiterentwicklungen für das Familienmodell zu entwickeln, lese ich in viel zu vielen Medien „Mama, Papa, Kind“-Plattitüden, die besser in den Kindergarten passen würden. Heute morgen zum Beispiel, dass die FAZ ein mindestens fragwürdiges Argument als formal-juristischen Knockout bezeichnet, später sehe ich Kommentare bei einem anderen Artikel zum Thema:

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Ich meine, das ist doch wirklich schockierend, oder? Schlimm genug, dass sich ein Leitmedium hier intellektuell verschwurbelt auf eine Beweislastumkehr für das Recht auf gesellschaftliche Veränderungen beruft – offensichtlich ruft dieses doch eigentlich für die Lebenswelt der meisten Menschen völlig irrelevante Thema beim deutschen Michel und der deutschen Micheline die mehr als latente Homophobie wach.

„Wenn die Schwulen jetzt heiraten dürfen, muss ich auch meinen Hund/ meinen Sittich/ meine Wandlampe heiraten dürfen, außerdem bricht dann praktisch Sodom und Gomorrha los und Deutschland ist zum Untergang verurteilt!“

Noch blöder geht´s wirklich nicht, oder? ich habe Neuigkeiten für Euch: Deutschland ist sowieso zum Untergang verurteilt und Eure „Argumente“ sind keine, sondern nur Befindlichkeiten.

Ich will überhaupt nicht den großen Fürsprecher machen für ein Thema, das mich nur am Rande interessiert. Aber diese Kombination aus Selbstgerechtigkeit und Borniertheit, vorgetragen über eine sich für nichts entblödende Argumentation ruft wirklich mein Herz für Bastarde, Krüppel und Zerbrochenes wach.

Mama, Mama, Kind – Warum die konservativen Argumente gegen die „Homo-Ehe“ komplett ins Leere gehen

Stehen auf Rothaarige: Nummer 3s Animator-Puppen

Stehen auf Rothaarige: Nummer 3s Animator-Puppen

Ich bin mittlerweile weiß Gott ein konservativer Mensch. Das hat mit meiner Rolle als Familienvater zu tun, aber auch mit meiner Partizipation am Wirtschaftssystem und dem gewöhnlichen Reifungsprozess der menschlichen Einsichten über die unterschiedlichen Lebensalter hinweg. Ich bin so konservativ, dass ich noch immer mit der gleichen Frau verheiratet bin. Sie ist katholisch und wir haben vier Kinder (für alle, die es noch nicht wissen). Die auch katholisch getauft sind. Ich verbringe meine Samstage im Garten und mähe den Rasen und ärgere mich, wenn der Nachbar mal wieder blöd an meinem Grundstück parkt. Wenn ich politische Kinderlieder aus den Siebzigern höre denke ich „Oh wie niedlich, dieser Kommunisten-Hippie-Scheiss!“ Ich drohe meinen Töchtern, ihre ersten (männlichen) Freunde in unserem Wasserbassin im Garten zu entsorgen. Ich wasche mein Auto und poliere dabei die Felgen.

Was meine konservativen „Brüder im Geiste“ jetzt aber wieder zur Homo-Ehe vermelden fällt mir wirklich schwer zu unterstützen. „Fortschritt braucht Vater, Mutter, Kinder„, heißt es beispielsweise aktuell in der FAZ. Ich meine, wem wird noch einmal etwas weggenommen, wenn gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte haben wie „normale“ Paare? Was kann ich mir nochmal davon kaufen, wenn die „Homos“ sich nur „eingetragene Lebenspartner“ nennen dürfen? Inwiefern schützt das meine Ehe?

„Hm, wir haben schwere Eheprobleme und würden uns eigentlich scheiden lassen, aber weil wir ja Eheleute sind und nicht nur eingetragene Lebenspartner überdenken wir das nochmal?“

„Oh, ich habe ein Aggressionsproblem und würde jetzt eigentlich zünftig meine Frau und die Blagen verwämsen, aber weil ich ja ein Ehemann bin und nicht nur so ein komischer schwuler Lebenspartner lasse ich das lieber mal sein?“

Wenn man immer über die Sonderrolle der Hetero-Ehe schwadroniert und den besonderen Schutz der Familie kann es doch am Ende nur um eins gehen: die steuerliche Bevorzugung von Ehepaaren. Und die ist doch in der aktuellen Gesellschaft totaler Blödsinn! Der Staat ist es noch gewohnt – aus Zeiten, in denen Ehen quasi immer Kinder hervorbrachten – dass die Ehe ihm als Gegenleistung für ein paar Vorteile neue Mitglieder liefert. Das können Homo-Ehepaare alleine so nicht – klar. Aber genug Hetero-Paare tun es doch auch nicht mehr! Also kann es nur eine logische und gerechte Lösung geben: Ehegattensplitting abschaffen und Familiensplitting einführen. Dann genießen gleichgeschlechtliche Paare, die sich die Mühe machen, Kinder großzuziehen, zu Recht (!) die gleichen Vorteile wie Hetero-Paare, die das tun. Wir belohnen Ehepartner doch nicht für die theoretische Fähigkeit, Kinder zu bekommen – wenn wir eine finanzielle Sonderstellung begründen dann doch wohl nur als Ausgleich für die Mühe und die Einbußen, die Kinder nun mal so mit sich bringen.

Klar brauchen wir Frauen, die bereit sind, diese Kinder auch zu bekommen. Aber ganz im Ernst – welche heterosexuelle Frau wird denn ihren eigenen Kinderwunsch davon abhängig machen, dass sie eine Sonderstellung gegenüber homosexuellen Eltern hat? Es verfängt leider überhaupt nicht zu unterstellen, dass heterosexuelle Ehepartner hier einen besonderen Schutz benötigen. Natürlich gibt es sehr viele Bereiche, in denen eine familienfreundliche Familienpolitik, ein Schutzraum für die Familie, dringend notwendig wäre – Betreuungsplätze, echte Wahlfreiheit, vernünftige Anerkennung der Familienarbeit, you name it. Aber all diese Punkte werden doch nicht besser, wenn ich aus einer verbrämten Ideologie heraus ein paar schwulen und lesbischen Paaren mit einem saftigen „Du kommst hier ned rein!“ die Tür vor der Nase zuschlage.

P.S. Der Stern hat hier nochmal die Unterschiede zusammengestellt. Das Ehegattensplitting ist nicht mal mehr ein Unterschied, man kann also höchstens eine ungerechtfertigte steuerliche Bevorzugung kinderloser Ehepaare/ Lebenspartner gegenüber Familien monieren. Aber das hat ja mit der sexuellen Ausrichtung zu tun – und ließe sich per Familiensplitting ebenfalls lösen.

Auf der Suche nach den Hausfrauen

Auf der Suche nach den Hausfrauen

Rosalie vom interessanten Blog Parents Don’t hat mich mit ihrem Artikel über die Frage nach der klassischen Hausfrau in der eigenen Familie heute Morgen sehr inspiriert.

Das Bild zeigt eine fleißige Hausfrau beim Zubereiten des Abendessens (New England, März 1940): Ob sie nebenbei arbeitete oder ein kleines Geschäft besaß oder ausschließlich zuhause arbeitete, verrät uns das Foto nicht.

Klassische Hausfrauen kannte ich in meiner Kindheit während den 80er Jahren sehr viele. Nicht alle waren ausschließlich zuhause fleißig: Es gab eine halbtags arbeitende Lehrerin und eine Bäckereibesitzerin in Teilzeit. Letztere hatte eine behinderte Tochter zu versorgen. Auch viele andere Hausfrauen arbeiteten „eine Kleinigkeit“ nebenbei.

Manche gingen putzen (wie meine Mutter zunächst, später arbeitete sie in einem Geschäft für Geschenke und Dekorationen), eine Mutter arbeitete ein Mal pro Woche als Parfümerieverkäuferin und eine andere wiederum machte Büroarbeit im Unternehmen ihres Mannes.

Ich erinnere mich an eine vor lauter Lebensfreude im Garten singende und summende Nur-Hausfrau im Nachbardorf. Sie hatte zwei superliebe und ausgeglichene Töchter und der Vater hatte den beiden mal Weihnachten ein Wahnsinns-Puppenhaus gebaut. (Mit funktionierenden Rolläden aus Zahnstochern! Und Licht!). Auch er schien sein Leben und die Familie in vollen Zügen zu genießen.

Und da fällt mir noch eine Nur-Hausfrau ein, mit deren Kindern ich früher spielte. Sie hatte vier Kinder  – drei Jungs, ein Mädchen – und ein großes Haus mit großem Garten. Sie war insgesamt etwas gestresster, aber meist sehr freundlich. Ich meine, sie war auch irgendwie in der Kirchengemeinde tätig. Ihr Mann war ein totaler Familienmensch, hat viel mit den Kindern gemacht. Später ärgerte sich das ganze Dorf, weil sie mit einem wohlhabenden Arzt durchgebrannt ist.

Und wie war es in der Vergangenheit – gab es da klassische Hausfrauen in meiner Familie? Und wie wurden die Kinder erzogen? Nur von der Mutter? Oder von beiden Eltern? Wie lebte man zusammen? Waren die Frauen glücklich in ihren Leben?

Ich schreibe das aus den Erinnerungen der Erzählungen meiner Mutter und anderer Verwandter auf.

Meine Urgroßmütter

Meine Urgroßmutter mütterlicherseits, die Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde, hat über 10 Kinder bekommen – nicht alle Kinder haben überlebt. Ihr Mann war Kaufmann und sie hatten einen Laden, der in einer Stadt des heutigen Polens liegt. Dort hat sie zusammen mit ihrem Mann gearbeitet.

Die Kinderbetreuung übernahm eine Kinderfrau. Sie hatte auch eine Waschfrau. Und gekocht hat auch eine andere Frau – vielleicht eine Haushälterin? Die Frauen arbeiteten für Kost und Logis sowie ein Taschengeld. Eine der Kinderfrauen hat eines der Babies mal nicht warm genug zugedeckt. Oder gar nicht? Jedenfalls starb es an einer Lungenentzündung. Eine andere Tochter starb an Diphterie, soweit ich mich erinnere. Oder an einer anderen Krankheit, gegen die inzwischen geimpft wird.

Jedenfalls arbeitete meine Urgroßmutter den ganzen Tag. Der Urgroßvater war so ein klassischer Bestrafungsvater mit einer Menge Autorität. Meine Großmutter war die jüngste Tochter. Ich erinnere mich, dass sie auf Fotos immer sehr adrett aussah und viel Handarbeiten gemacht hat. Sonntags war Familientag. Da wurde noch mehr Handarbeit gemacht., wenn man aus der Kirche zurückkam.

Der älteste Sohn hatte immer die Verantwortung für die Geschwister und wenn seine Brüder etwas anstellten, dann wurde er am meisten verdroschen. Die Mädchen bekamen höchstens mal eine Ohrfeige, wenn sie den Erwachsenen ins Wort fielen, was sie daher wohl eher selten taten. So war die Grundstruktur des Familienlebens.

Der Krieg setzte meiner Urgroßmutter zu. Die Familie musste ihre Heimat verlassen. Später verstreute sie sich über halb Deutschland. Ein großer Teil meiner Großtanten- und onkel landete oder blieb in Berlin. Eine Großtante lebte in Düsseldorf. Meine Oma war zuerst in Norddeutschland und dann später ganz im Westen des Landes. Ein anderer Teil der Familie lebt auf Fehmarn, wo mein Großonkel und meine Großtante eine gut laufende Bäckerei eröffneten. Ein weiterer Onkel (der erwähnte älteste Sohn) lebte mit seiner Familie in Frankfurt an der Oder.

Bis auf einen Großonkel bekamen sie alle Kinder – diese Ehe blieb ungewollt kinderlos. Nur-Hausfrauen gab es dennoch wenige. Mir sind keine bekannt.

Ich frage mich gerade, wo mein Urgroßvater „abgelieben“ ist, denn er wurde von meiner Mutter nie direkt erwähnt. Als meine Mutter ein Kind war, lebte er jedenfalls bereits nicht mehr. Ein Onkel meiner Mutter hatte sich das Leben genommen, als er nach dem Fronturlaub wieder in den Krieg sollte. Und der Rest der Familie, wie erwähnt, verteilte sich. Waren ja genug Leute …

Man brachte eine Menge Energie auf, um das Erlebte des Krieges heftigst zu verdrängen und weiterzumachen. Die Idealbild der Hausfrau erschien vielleicht auch verlockend, in den folgenden 50er Jahren: Friede – Freude – selbstgemachte Eierkuchen. Wer wollte das nicht?

Meine Urgroßmutter war immer supersauber angezogen und ging nur mit Hut (inklusive Hutnadel) und Handschuhen in die Stadt. So wie meine Mutter sie beschrieb, war sie eine niveauvolle und liebe Frau, die trotz aller Lebensereignisse ein ausgeglichenes Gemüt hatte und sich liebevoll um die Enkelin kümmerte. Warum sie das tat, erkläre ich im nächsten Abschnitt.

Über die andere Urgroßmutter weiß ich nichts Zuverlässiges zu sagen.

Meine Großmütter

Meine Großmutter bekam meine Mutter unehelich. (Ja und sie lebte auch noch als zugezogene Protestantin zwischen lauter Katholiken. Das alles zusammen war hart ….) Meine Großmutter war gelernte Köchin und eben alleinerziehend. Sie hat gearbeitet und den Haushalt nach der Arbeit gemacht. das war aber nicht viel: 50 Quadratmeter gab es und das Wohnzimmer wurde nur zu besonderen Gelegenheiten aufgeschlossen und lag unter einer musealen Staubschicht stets abgestaubt als Diorama hinten links in der Wohnung. Meine Urgroßmutter passte auf meine Mutter auf und kochte mittags für sie. Nach der Arbeit holte meine Großmutter ihre Tochter dann gesättigt und sauber dort ab, um von ihrer Mutter noch einen Kaffee serviert zu bekommen und über den Arbeitstag zu quatschen. Irgendwie hatte meine Mutter nie Lust, so etwas in ihrer Oma-Rolle auch anzustreben ^^

Meine Oma weigerte sich strikt, die Heiratsanträge des Vaters meiner Mutter anzunehmen. Später heiratete sie einen „Kriegsversehrten“ und meine Mutter hatte einen bettlägerigen Stiefvater. Für diesen stand sie nachts oft auf, wenn meine Oma zu müde war oder einfach keine Lust hatte. Oma sagte dann immer: „Guck mal, was der schon wieder will.“ Da meine Mutter weder ein eigenes Zimmer noch ein eigenes Bett hatte, konnte meine Oma sie immer super wecken – schließlich hatten sie ein Familienbett. Wenn meine Mutter mitbekommt, dass das wieder in Mode ist, dann rauft sie sich sicher das Haar, bei ihren Erinnerungen daran …

Bis dahin also mütterlicherseits keine Hausfrau in Sicht. Auch meine Großtanten waren keine Hausfrauen. Eine war Schauspielerin in Berlin am Theater und übernahm auch kleine Rollen im Fernsehen sowie Statistenrollen. Ihre Töchter arbeiteten als Model, Altenbetreuerin und – ups, habe vergessen, was die dritte Großcousine machte. Aber sie war jedenfalls eine kinderlose Nicht-Hausfrau. Irgendwie hab ich im Kopf, sie sei Flugbegleiterin gewesen. Keine Ahnung. Irgendwie kommen aus der Mutterseite meiner Familie ’ne Menge sehr hübscher Frauen. Diese erwähnte Großtante sah als junge Frau aus wie ein Romy-Schneider-Double. Unglaublich, diese Gene. Hätte ich auch gerne mehr von abgestaubt. Aber hätte, hätte, Fahrradkette.

Meine andere Großmutter war allerdings Hausfrau und sehr in der Gemeinde engagiert. Sie war sehr katholisch und viel mit der Kirche beschäftigt. Sie hatte vier Kinder – zwei Jungs und zwei Mädchen. Sie war eine jener stets informierten und gern zu Auskünften bereiten Dorffrauen. Ich kann nicht sagen, ob sie zufrieden war oder nicht. Insgesamt machte sie allerdings keinen sehr glücklichen Eindruck auf mich. Eine ihrer Töchter wurde Sozialpädagogin und bekam einen Sohn – sie arbeitete in einem Kinderheim. Auch während sie Mutter war. Ihre Schwester bekam keine Kinder und arbeitete daher stets Vollzeit. Der eine Sohn heiratete eine Frau, die stets als Arzthelferin arbeitete, während die gemeinsame Tochter von der Oma mütterlicherseits betreut wurde – soweit ich mich erinnere. Ja und der andere Sohn, der heiratete logischer Weise meine Mutter.

(Ich weiß, an dieser Stelle der aufgezählten Verwandtschaftsgrade hat Mr. essential schon längst innerlich abgeschaltet. Er hat eine legendäre Verwandtschaftsgrad-Phobie. Sobald man „… und mein Cousin mütterlicherseits …“ sagte, fährt sein Gehirn in einen Notzustand herunter :D)

Meine Mutter

Meine Mutter war lange Jahre Nur-Hausfrau. Sie erhielt von ihrer (leider vermutlich durch Kriegserlebnisse psychisch erkrankten) Mutter keinerlei Unterstützung. Ihr Stiefvater war inzwischen längst gestorben und der Kontakt zu ihrem leiblichen Vater war anstrengend, da er mittlerweile eine andere Frau geheiratet hatte, welche zu Eifersüchteleien und kleinkarierten Intrigen neigte. Bis meine Mutter keinen Nerv mehr hatte und den Kontakt abbrach.

Jedenfalls hatten wir eine kleine Wohnung, die sich rasch pflegen ließ. Drei Zimmer KDB und so. Vielleicht 70 Quadratmeter. Mein Bruder und ich teilten uns 15 qm. Meine Mutter war sehr viel bei ihrer Mutter, um sie zu betreuen und zu besuchen. Dann war sie auch oft mit uns Kindern unterwegs mit dem Rad. Zum Spielplatz und so weiter. Sie besuchte häufig ihre beste Freundin mit mir und ich spielte mit deren beiden Töchtern. Abends ging es schnell nach Hause zum Abendessen-Kochen, mein Vater hatte gern pünktlich warmes Essen vor sich stehen. Das war also das erste, „klassische“ Hausfrauen-Leben in der Familie binnen fast 100 Jahren. Also quasi seit Erfindung der Hausfrau im Zuge der späteren industriellen Revolution …

Dafür aber richtig „true“ mit einem Familienoberhaupt, das pünktlich und reichlich essen wollte und stets im Mittelpunkt der Bedürfnisbefriedigung stand. Und einer fleißigen und reinlichen Hausfrau, die emsig bügelte (ja, anfangs echt auch Unterwäsche und Handtücher), putzte und so weiter. Sie kochte viel, zeitweilig zwei Mal am Tag. Einmal mittags für sich und uns Kinder und dann abends frisch für den Hausherrn. Sie war sehr, sehr sparsam und sorgte dafür, dass es dem angestrengten Ehemann immer gut ging und er ausreichend Geld für seine Vergnügungen, seine regelmäßigen Neuwagenkäufe und die diversen Hobbies hatte. Sie selbst hat als Zeitvertreib Liebesromane gelesen, gestrickt und gelesen.

Später arbeitete meine Mutter ja wie erwähnt als Putzfrau bei älteren Damen. Eine ältere, blinde Dame unterstützte sie auch schon, während ich noch klein war. Von der lieben Dame bekam ich immer Äpfel mit extra Zucker, was ich ganz toll fand. Als ich so 13 oder 14 war, habe ich meine Mutter belabert, dass sie endlich einen Job annehmen sollte – der Job als Verkäuferin von Dekorationsartikeln war wie für sie gemacht und ich wollte unbedingt, dass sie sich das gönnte.

Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich dann zwei, drei Mal die Woche alleine Mittagessen musste. Aber das Essen bereitete sie immer vor und ich hab es meist nur in die Mikrowelle geschoben und in aller Ruhe beim Essen gelesen. Es war himmlisch. Freitags habe ich dann immer die Küche geputzt. Da endete dann also das Nur-Hausfrauen-Leben meiner Mutter nach zwanzig Jahren offiziell.

Und ich selbst?

Ich war auch Nur-Hausfrau bis Nummer 1 fünf Jahre und Nummer 2 drei Jahre alt war. Nummer 3 war rund neun Monate alt, als ich mit dem Job als Texterin begann. Da dies problemlos von zu Hause aus ging, konnte ich das immer gut umsetzen. Und ich habe es geliebt. Später dann bin ich in der PR-Agentur angestellt gewesen, in der auch Mr. Essential arbeitet, weil sie dort Unterstützung suchten und ich großes Interesse an PR hatte/habe. Da habe ich eineinhalb Jahre halbtags gearbeitet und als ich aus familiären Gründen ausgestiegen bin, habe ich wieder für meine Haupt-Auftraggeberin als Freelancerin gearbeitet, bis Nummer 4 auf die Welt kam.

Ich bin also auch keine Nur-Hausfrau. Dafür habe ich zum ersten Mal eine Elternzeit gemacht und ein Jahr pausiert. Mutterschutz und Co gab es nicht, weil ja eben Freiberuflerin. Aber gut – man kann auch hinter einem dicken Bauch noch das Notebook auf dem Schoß sehen und tippen …

In dem Jahr mit total viel Arbeit hier und keiner vergüteten/abwechslungsreichen Tätigkeit nebenbei war ich am Ende ein Nervenbündel. Nur den Haushalt und die Kinder zu versorgen halte ich einfach nicht lange aus, echt. Ich bin dann zuletzt eine neurotische, ausgelaugte Perfektionistin auf einem gefühlt sinkenden Schiff.

Und wie sieht es bei Euch so aus? Gibt es in Eurem Stammbaum die angeblich so klassische Hausfrau?

Die Emanzipation erledigt sich von selbst

Ich glaube, die Sache mit dieser „Emanzipation“ erledigt sich von selbst in ein, zwei Generationen. Das wächst sich sozusagen raus. Ist nur eine Phase.

Wie ich zu dieser steilen These komme? Ich habe auch homosexuelle Freunde von uns einmal mit der Ansicht schockiert, dass – wenn die Position, das Homosexualität genetisch ist, korrekt ist – die heutigen Schwulen mangels gesellschaftlichem Druck für die Gründung einer Schein-Ehe innerhalb von einigen Generationen ja weitgehend verschwinden werden. Weil die allermeisten von ihnen sich ja dem Genpool entziehen und sich nicht fortpflanzen. Einiges in der aktuellen Shell-Jugendstudie impliziert, dass das auch für intelligente und ehrgeizige Frauen gelten könnte.

Die Zahl der Nachwuchspaschas unter der jungen männlichen Bevölkerung, die ihre Vorherrschaft in der Familie scheinbar nur auf ihre Fähigkeiten im Computerspielen gründen, scheint erschreckend hoch zu sein. Die fleißigen Mädchen hingegen machen immer brav ihre Hausaufgaben, damit sie gute Noten bekommen. Es ist ja nur logisch, was dann am Ende passiert: Die kleine Ann-Kathrin, ihres Zeichens Jahrgangsbeste Medizin-, Jura- oder BWL-Studentin, fühlt sich vom schulabbrechenden Gamingprofi Matt-Eagle nur begrenzt angezogen. Aber Ann-Kathrin hat ja sowieso keine Zeit für einen Partner, sondern will sich erst einmal auf ihre Karriere konzentrieren. Matt-Eagle hingegen hat zwar durch seine Sucht nach Internet-Pornografie nur begrenztes Interesse an echtem Sex, manchmal kuschelt er aber doch mit Cinderella und die beiden vergessen natürlich direkt die Pille und/ oder das Kondom. Vermutlich auch, weil man das Geld dafür besser in Kippen investieren kann.

Cinderella mag Matt-Eagle, weil er an sein Leben genauso wenige Ansprüche hat wie sie. Eine Beziehung mit Jonas, einem der Kommolitonen von Ann-Kathrin, würde sie wahrscheinlich genauso überfordern wie Matt-Eagle das große Einmaleins. Das Problem an dieser Geschichte, bei der ja im kleinen scheinbar jeder Topf seinen Deckel hat, sind die Zahlen: Frauen sind immer besser ausgebildet, orientieren sich bei der Partnerwahl aber trotzdem traditionell „nach oben“. Je besser sie jedoch ausgebildet sind, um so dünner ist dort die Luft. Männer orientieren sich gerne auch einmal in die andere Richtung und haben so tendenziell einen größeren Pool an potenziellen Partnerinnen zur Verfügung. Was ja eine Grundvoraussetzung für Kinder ist. Am Ende, das ist ja schon einige Male diskutiert worden, endet Ann-Kathrin alleine, weil nach ihrer Karrierephase nur noch Männer mit Ex-Frauen und Altlasten frei waren, während Matt-Eagle und Cinderella bereits ihr fünftes Kind bekommen. Jonas hingegen verliebt sich auf der Arbeit in eine junge Kollegin. Die beiden wollen aber auch erst in zehn Jahren oder so mal ein Kind bekommen.

Die perfide evolutionäre Logik dahinter? Wenn es keine irgendwie gearteten Zwänge gibt, die Frauen dazu bringen Kinder zu bekommen (das kann eigene Perspektivlosigkeit, die gesellschaftliche Norm oder auch Religion sein), werden viele von ihnen erst einmal andere Prioritäten setzen. Und das teilweise zu lange, um dann bei den Kindern noch aufzuholen oder überhaupt über eines „hinauszukommen“. Das sieht man beispielsweise daran, dass die Geburtenrate überall auf der Welt mit steigendem Wohlstand steil abfällt. Währenddessen vermehren andere Kreise sich fleißig und nehmen an Zahl zu, während die emanzipierte Intelligenz nicht mal ansatzweise auf die 2,1 Kinder kommt, die auch nur wenigstens für ihren Erhalt notwendig wäre.

Dieser Blogpost wurde unter dem Titel „Idiocracy“ schon einmal mittelmäßig verfilmt. Ann-Kathrin ist zu beschäftigt, um ihren Gen-Pool zu erhalten. Matt-Eagle und Cinderella haben dieses Problem nicht. 

… und der Jüngling blickte in den See und ward verliebt …

… und der Jüngling blickte in den See und ward verliebt …

… als er sich mit dem Schönen vereinen wollte, stürzte er in das Wasser und ertrank. Tragisch, was dem Sohn des Flussgottes zustieß, den Caravaggio so wunderschön malte, oder?

Es gibt ein neues Thema, sogar gleich mit Studie, zur Frage nach dem modernen, elterlichen Umgang mit den Kindern. Die Welt schreibt dazu „Überhöhung durch Eltern fördert Narzissmus bei Kindern“.

Hier geht es darum, dass Eltern (Viele? Manche? Einige? Die meisten?) ihre Kinder als Dreh- und Angelpunkt des Universums ansehen. Die Kinder sind als solche immer besser als andere und über jede Kritik durch andere Eltern, andere Kinder, ErzieherInnen oder LehrerInnen erhaben. Der Ansatz sieht sich hier im Gegensatz zur Psychoanalyse an der Stelle, dass den Kindern der Narzissmus anerzogen wird. In der Psychoanalyse ist es eher so, dass ein Mensch mit zu wenig Bezug zu anderen Menschen, also einer mit kleinem Selbstwertgefühl, zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung neigen kann. Ein eher vernachlässigtes als erhöhtes Kind wird zu einem selbstverliebten Pfau wird. Einer, der keine Kritik verträgt und sich gerne als überlegen darstellt. Weil er sich eben innerlich mickrig fühlt.

Logisch – wie Psychologie immer ist, meiner Meinung nach.

Die neuen Narzissten sollen der Studie nach dazu erzogen oder geprägt werden. Klingt auch nicht unlogisch. Aber ich finde, auch ihnen mangelt es doch an elementaren Dingen: Sie werden gefördert aber wenig gefordert. Sie dürfen nicht in Ruhe mal versagen und verzagen. Sie dürfen sich nichts zutrauen und sich mal überschätzen, um durch die Umwelt eine keine Korrektur des Selbstbildes zu erfahren. Wer perfekt ist und sogar über andere Kinder erhaben, ja, der kann sich ja gar nicht weiterentwickeln – ach, er muss es ja nicht!

Klar, wir alle haben mitbekommen, dass sich die Gesellschaft der Generation Selfie ganz gerne selbst betrachtet. Und jeder kennt mindestens ein Kind, dessen Eltern es glorifizieren, wette ich.

Ich habe immer mal wieder ganz gern betont, wie sehr ich gegen das Prinzip des „Projekt Kind“ bin. Und wie schnell man vor allem bei Einzelkindern (ja ja, Klischeereiterei?) in die Falle gerät, das Kind in ein Zentrum zu setzen. Klar gibt es eine Menge nicht-narzisstische und sehr sozialkompetente Einzelkinder – aber eben auch andere. Um ein Einzelkind so zu erziehen, dass es selber aufräumt, den Müll rausbringt, seine Schuhe putzt und so weiter, braucht man innerlich die Überzeugung des pädagogischen Nutzens, Hat man mehrere Kinder, so ergeben sich diese Tätigkeiten aus der Logik des Zusammenlebens. Allein schon, weil die Eltern gar nicht die Diener markieren können. Die Versuchung, einem einzelnen Kind zu viel des Guten angedeihen zu lassen, ist jedenfalls gegebenen. Klasse ist, dass viele ihr dennoch widerstehen. Auch bei zwei Kindern ist es noch möglich, beiden alles hinterherzutragen und sie zu überhöhen. Aber ich glaube, die Möglichkeiten dazu sinken mit wachsender Kinderzahl. Also bezieht sich die Studie eventuell eher auf die moderne Drei-Personen-Familie, nehme ich an. Aber das macht sie ja weder uninteressant noch unwichtig. Der Trend zu wenigen Kindern ist nach wie vor da. Und er hat viele Ursachen, so viel ist bekannt.

Und wieder möchte ich anmerken, dass in den Zeiten vor dem Projekt Kind kein Raum war für Überhöhung. Klar gab es den klassischen verzogenen Adelsspross – aber schon mal etwas vom verwöhnten Bauernmädchen gehört? Ich auch nicht.

Die Gefahr, die eigenen Kinder zu erhöhen und mit Materiellem zu überhäufen ist recht neu, weil die Möglichkeiten dazu ebenfalls jung sind. Daher können gar nicht alle Eltern auf sie gefasst und innerlich vorbereitet sein. Das eine Kind ist eben eine ganz große Sache im Leben. Sie soll glücklich und perfekt für alle ablaufen.

Da können bestimmte Anlagen eben auf der Strecke bleiben.

Ich glaube definitiv nicht, dass eine Generation soziale Schwachmaten großgezogen wird. Aber es gibt mehr davon als vor ein paar Jahrzehnten. Irgendwie finde ich es nett, wenn es eine Phase im Leben gibt, die nur einem selbst gehört und in der man sich selbst wahrnehmen und seine (Aus-)wirkungen testen kann. Das sollte aber in einem gesunden Rahmen geschehen.

Insgesamt geht es ja immer um Strömungen – schon alte Philosophen der Antike moserten bekanntlich über die schlechten Manieren der nachfolgenden Generation. Daher halte ich nichts von einem Generations-Bashing. Aber ich denke, wenn man messbar machen kann, welche Strömungen und Trends es gibt, dann ist das interessant. Mehr Gewalt unter Kindern und härtere Gewalt unter jungen Erwachsenen ist eine Tendenz, die ich gefährlich finde. Und die wachsende Zahl Selbstverliebter auch.

Was nimmt man seinem Kind nicht alles, wenn man ihm alle Widrigkeiten aus dem Weg räumt? Wie wenig Selbstbewusstsein baut jemand auf, der als kleiner König geboren wird? Als Prinz und Prinzessin. Sind ja auch beliebte Kosenamen für Neugeborene, wenn ich das mal so anmerken darf. War in meiner Kindheit nicht so. Ich hatte keine Freundin, auf deren blütenweißer Bettwäsche in feinsten Rosa der Schriftzug „Kleine Prinzessin“ stand. Und die Kindershirts haben inzwischen aussagekräftige Prints wie: „Mein Papa ist cooler als deiner“ oder „Tut, was ich sage, sonst schreie ich“ sowie „Ich bin die Prinzessin – erwartet meine Befehle“. Ich warte noch auf „Mein Papa hat den Längsten“ und „Ich bin die rosa Projektionsfläche der Vorstellungen meiner Mama“. Das habe ich bisher noch nicht gesehen …

In der Antike, als man sich die verschiedenen Versionen der Geschichte des Narziss erzählt, warnte man bereits vor den Gefahren des Narzissmus: Mangelnde Selbsterkenntnis, die tödlich endet. Tödlich im symbolhaften Sinne. Wer sich nicht erkennen kann, der lebt nicht. Er ist ein Abziehbild, das Produkt seiner oberflächlichen Betrachtung. Er kann im Spiegel niemals erkennen, wer er wirklich ist, sondern erhöht sich aus Selbstschutz durch seine Schönheit oder Äußerlichkeit. So ist das gemeint, glaube ich. Und ein alter Hut, wie ich mal annehmen will. Narzissten gab es schon immer. Man kann sich die psychologischen Biographien vieler historischer Figuren ansehen und stößt immer wieder auf welche. Unter den Diktatoren gibt es zufälliger Weise eine Häufung.

Okay, mein Fazit: Ja, die Tendenz zum Narzissmus nehme ich auch wahr. Und zwar zum anerzogenen, der an der Basis meiner Meinung nach gar nicht so weit entfernt vom klassisch psychoanalytisch betrachteten steht, weil eben elementare Dinge wie Empathie und Selbstwertgefühl nicht durch hohle Glorifizierung entstehen können.

Wir dürfen unseren Kinder ruhig etwas zumuten. Sie können eine Menge (mehr als wir manchmal denken) und auch vieles aushalten. Vielleicht muss man nicht ohne Betäubung den Backenzahn ziehen lassen, aber Kinder können mit so vielen Dingen umgehen, dass ich manchmal ganz fassungslos bin. Das Schöne an Kindern sieht man nicht, wenn man sie mit Goldstaub bewirft. Damit verdeckt man es nur.

Persönliches Résumé zum Thema „Moderne Kindheit“

Ich wurde eben auf diesen Artikel in „Die Zeit“ aufmerksam und war ein bisschen ratlos, ob es wirklich so schlimm um die Generation unserer Kinder steht.

Viele Themen des Artikels kenne ich und kann sie nachvollziehen. Und einige Gedanken kamen mir gleich in den Kopf:

Kinder stehen im Zentrum der elterlichen Aufmerksamkeit. Sie sind weniger der Nachwuchs, den man halt so bekommt wenn man erwachsen ist, als ein Projekt. Oder zwei. Diese Projekte schlauchen ganz schön. Vor allem, weil die Mütter auch noch gesellschaftlich dazu angehalten werden, beruflich erfolgreich zu sein. Oder mindestens tätig. Und die Väter auch – das Erstere, das Zweite versteht sich von selbst. All das, was Eltern heute rund ums Kind leisten müssen, ist nicht ohne. Damit es dem Kind auch ja an nichts fehlt und nichts zu schwierig ist. Es soll viel erleben und die Kindheit soll zauberhaft sein. Voller wunderbarer Erinnerungen und vieler Möglichkeiten. Und mit wenig Problemen und den Strategien zur Lösung derselbigen. Wie es im Artikel steht, den Schaufel-Eimer-Krieg übernehmen die Eltern. Früher sagten die Mütter mahnend: „Nicht streiten, Kinder“ (oft genug nur, weil das Gezanke sie nervte) und das war’s.

Auffällig ist, wie sehr sich zum Beispiel meine Gedanken um unsere Kinder drehen. Und wie wenig sich einst die meiner Eltern um mich drehten. Und da waren meine keine Ausnahme. Der Zeitgeist in den 80ern stellte Kinder nicht in den Mittelpunkt der Familie. Am Wochenende war nicht alles darum organisiert, den Kleinen so viel Freude wie möglich zu bereiten. Wir zum Beispiel fuhren einmal im Jahr ins Phantasialand. Vielleicht auch alle zwei Jahre – das weiß ich nicht mehr genau.

Und haben im Sommer Campingurlaub gemacht. In diesem hat meine Mutter gerne stundenlang in der Sonne am Strand gelegen und ich? Na, ich hab im Sand gespielt. Dann gab es Pommes und Eis und das fand ich toll. Und ganz leckere, holländische Zitronenlimo. Zwei Mal haben wir ein Pony ausgeliehen während solcher Urlaube. Das fand ich das Größte! Mein Vater angelte gerne. Da mussten wir Kinder leise sein, um die Fische nicht zu verjagen. Das konnte drei Stunden dauern. Und wenn wir das gut hinbekommen hatten, dann haben wir am nächsten Tag etwas wie einen Märchenpark besucht.

In der Schule war ich gut. In der Oberstufe hatte ich Probleme in Mathe und bekam Nachhilfe. Meine Mutter fand das unangenehm, so viel Geld auszugeben und meinte, ich hätte mich mit der Einstellung „Mathe kann ich nicht“ selber rausgekickt. Und das stimmte auch. Hausaufgaben machte ich alleine. Für den Erntedankfest stellte meine Mutter ein Körbchen mit Obst zusammen, das ich im Bus mitnahm. Zum Gottesdienst kam sie dann mit dem Fahrrad hinterher – sie hatte erst den Führerschein als ich im Teenie-Alter war. Zum Schulfest, das alle zwei Jahre stattfand oder seltener, buk sie einen Kuchen. Marmor – oder Sandkuchen. Das war es. Sie hasste es, Kopiergeld (50 Pfennig bis 1,50 Mark) zu bezahlen und fand, das sei mit den Steuern alles abgegolten. Büchergeld hasste sie aus dem selben Grund. Es kamen vier bis fünf Infozettel in einem Jahr aus der Schule mit nach Hause. Und es gab natürlich den Elternsprechtag zu dem sie hin radelte, zusammen mit mir. Mehr behelligte man sie nicht. Und mich auch nicht.

Ich hatte kein Hobby außer Spielen. Ich durfte mich nicht dreckig machen, weil ich ein Mädchen war – das nervte mich sehr, aber ich nahm das so hin. Ich hatte innerlich mächtig Stress, wenn ich doch mal etwas versaut hab. Wenn ich meinen (bis heute) besten Freund besuchen wollte, dann hab ich mich auf’s Rad geschwungen. Es gab einen verbotenen Weg – da fuhren Autos. Und es gab den anderen Weg. Auf diesem gab es eine kleine Lampe als Beleuchtung. Nachdem dort eine Frau Opfer eines Überfalls geworden war, hatte die Gemeinde die Lampe aufhängen müssen. Da hab ich immer Schiss gehabt und schneller in die Pedale getreten, bis der Dynamo sirrte.

Ich hab mir recht oft weh getan. Bin mit dem Fahrrad irgendwo hingeknallt und hab mir Beulen zugezogen. In unserem Kühlschrank lag kein Kühlpack und es gab auch keinen Erste-Hilfe-Kasten. Bloß Pflaster. Ohne Prinzessinnen-Motive. Aber die wurden auf die Größe der Wunde zugeschnitten, das fand ich irgendwie cool. Wenn da so ein großer brauner Teppich auf meinem Knie klebte. das Abrupfen war dann leider recht ätzend. Und von vielen kleinen Verletzungen erfuhr meine Mutter nie etwas. Weil ich dann unterwegs war und bis Zuhause war es dann wieder gut.

Kindergeburtstage waren keine Events. Verschenkt habe ich als Gast etwas wie ein Autoquartett oder auch Mal Katzenzungen (Schokokonfekt) und ein selbstgemaltes Bild, wenn ich eingeladen war. Wir saßen am Tisch, die Mutter des Geburtstagskindes verteilte Kuchen. Dabei war sie nett, sprach aber nicht drei Oktaven höher als die Natur es will. Es gab so etwas wie Sackhüpfen und Topfschlagen. Danach Pommes und Würstchen. Fertig. Man spürte, wie froh die Mutter war, wenn wir alle wieder verschwanden. Das spürte man bei jeder der Mütter.

Ich erinnere mich an meinen fünften Geburtstag. Da hatte meine Mutter einen Kuchen gebacken und den mit Sahne gefüllt und überzogen. Er war mit Schokolinsen und Mandarinen belegt. Die obligatorischen fünf Kerzen steckten drin. Und als ich morgens aufstand und herumschlich, da fand ich im Wohnzimmer meine Geschenke: Ein Spielbügelbrett mit Bügeleisen. Auf dem Brett stand noch ein Karton. Darin war eine Tüte Speck mit Schokoüberzug (wie Marshmallows) und Puppenkleider. Ich war so glücklich! Wie lieb musste man mich haben! Wow! Ein Karton mit zwei Kleidern und Speck! Nur für mich! So viel bekam ich anderen Geburtstagen nicht. Fünf zu werden musste etwas ganz Besonderes sein.

Früher hörte man Kinder sagen: „Pst, wir dürfen nicht drinnen spielen. Meine Mutter hat sich hingelegt. Das macht sie nachmittags immer.“ oder „Nicht ins Wohnzimmer. Da sehen meine Eltern gerade fern.“ Mütter hatten Hobbies oder Beschäftigungen. Ganz gleich, ob sie nachmittags strickten, fernsahen, lasen, Arbeiten erledigten oder schliefen – sie ließen uns in Ruhe und wir sie. Niemals hätte ich mich neben die Mutter meines besten Freundes gesetzt und sie vollgequatscht, während sie ein Buch in der Hand hatte. Ich hatte Respekt vor ihnen. Das waren die Erwachsenen und wir die Kinder. Unsere Leben teilten eine Schnittmenge, aber wir Kinder hatten auch eine eigene Welt. Und die Großen eben auch. In die wollten wir nicht eintauchen. Und die nicht in unsere. Wir waren also alle sicher.

An den Wochenenden fuhr mein Vater gerne zu Autoausstellungen – nicht, weil er ein neues Auto brauchte. Nein, er sah sich gern Autos an. Also flitze ich da herum und versuchte, Gratis-Kulis abzustauben oder an den Bastelaktionen und Kinderbelustigungen teilzunehmen. Oder wir besuchten Verwandte. Ein Großonkel hatte die erste Islandpferde-Zucht Deutschlands. Das war etwas ganz Tolles! Hier durfte ich ab und an reiten. Hier wohnte die alte Tante mit den weißen Haaren, deren Blindheit mich beim ersten Besuch zu Tränen rührte. Und die mir Mandelkekse gab. Die hab ich, wie die Tante es auch machte, in meine Milch gestippt. Meine Mutter warf mir einen peinlich-berührten Blick zu: „Das machen nur alte Leute – die Kekse stippen! Lass das!“ zischte sie mir zu. Ich war auch bei den Beerdigungen der Verwandten, sah sie zuvor auch sehr krank. Manchmal hatten die Tanten oder Onkel Schokolade für uns oder mal ein kleines Osternest. Die weit entfernt wohnenden Verwandten schickten Geburtstagspäckchen. Da gab es dann ein Sparschwein oder Ähnliches.

Meine Mutter verbot uns, Erwachsenen ins Wort zu fallen. Taten wir es doch, ernteten wir einen unwirschen Blick. Sie erzählte, dass man ihr früher noch auf den Mund geschlagen hatte, wenn sie Erwachsenen ins Wort gefallen war. Da waren wir damals mächtig froh, nicht in den 50ern zu leben. Alten Menschen bot man Platz an und war besonders respektvoll. „Die haben bereits ein langes Leben hinter sich und die Kriege erlebt“ hieß es und leuchtete ein.

Irgendwie ist das heute anders. Alles dreht sich um die Kinder. Wie lange sie im Auto sitzen müssen, wann sie Hunger bekommen und wie viel an Getränken oder Snacks unterwegs gereicht werden sollten. Alles wird geplant und durchdacht. Schule, Nachmittage, Geburtstage, Wochenenden, Urlaubsspaß.

Die Idee, ich hätte ein Interesse (wie mein Vater seine Autoleidenschaft) und würde mit diesem die Wochenendplanung dominieren oder tangieren – die existiert nicht. Käme mir nicht in den Sinn und meinem Mann auch nicht. Weil es heute nicht mehr gefragt ist, seine eigene Bedürfnisse als Kind unterzuordnen. Das tun die Eltern mit den ihren. Man könnte Kompromisse finden. Aber das Bild, das heute von den Eltern gezeichnet wird, scheint dafür geschaffen zu sein, Menschen zu überfordern. Die Eltern und die Kinder.

Ich habe da oft Ideen, wie es anders laufen könnte und sollte.

Und es ist so schwer für mich, meinen eigene Ideen zu folgen. Weil sie oft konträr zu dem verlaufen, was allgemeiner Konsens ist. Ich fände es gut, wenn es eine Bewegung in die gesunde Mitte gäbe. Weg von den Eltern der 80er, die noch sehr die Kinder der belasteten Vor-Generation und mit einen transgeneratorischen Trauma durchzogen waren, das nicht wenige unserer Generation zum Therapeuten bringt. Und weg von dem Kinder-als-Dreh-und-Angelpunkt-Dings, das sich jetzt bietet. Hin zu etwas, das Kinder lehrt, was Gemeinsamkeit ist und wie es sich anfühlt, geborgen zu sein. Wie es ist, wenn jemand sagt: „Keine Sorge, ich nehme dich wahr. Deine Bedürfnisse werden erfüllt. So weit es in dieser Gemeinschaft möglich ist.

Ich finde, sie sollten einfach Kinder sein. Mit ganz viel Phantasie und Zeit zum Spielen. Sie werden einfach so geliebt, weil sie da sind. Sie müssen für uns nichts erfüllen. Und wir sind nicht ihre Bespaßungs-und-Entwicklungs-Manager. Wir sind auch (Ehe-)Paare mit dem selbstverständlichen Recht auf Feierabendgenuss und Schlaf. Weder mein Bruder, noch ich oder einer meiner Freunde hat seine Eltern nachts wachgemacht. Außer mal selten bei einem Albtraum. Dann gab es kurz müden Trost, ein Brummen und dann ging man zurück. Hätte meine Mutter etwas von Familienbett gesagt, dann hätte mein Vater gesagt: „Nee, lass mal, das ist mir zu eng und da hab ich dauernd ein Kinderknie im Rücken“ und er hätte über den Vorschlag nur geschmunzelt. Er brauchte schließlich seinen Schlaf, weil er eine anstrengende Arbeit hatte. Und meine Mutter ruhte sich auch nachts gerne aus. Sahen meine Eltern sich einen Film an, dann hab ich sie nicht gestört. Durfte ich mitschauen, zischte man Pscht! wenn ich zu wibbelig war. Mit meinem Vater hab ich früh am Abend manchmal an den Wochenende was geguckt. Asterix und Obelix oder Tom und Jerry oder – bei uns beiden sehr beliebt – Bud-Spencer-Filme.

Ich will keine gute alte Zeit idealisieren. Und vielleicht werde ich hier auch irgendwann mal schreiben, was speziell an meiner Kindheit verstörend und traumatisierend war. Jedoch waren das individuelle Erfahrungen – was ich hier schrieb ist eher der Konsens der 80er. Ich will die moderne Kindheit allerdings auch nicht als perfekt bezeichnen. Manches macht mir daran echte Bedenken. Vieles davon fand ich in dem Artikel wieder. Einen Mittelweg zwischen den Bedürfnissen aller zu finden – das käme mir ideal vor.

Wow, Sie kennen die Geburtstage Ihrer Kinder?

Vor einiger Zeit war ich mal in der Sparkasse und beantragte Sparbücher für Nummer 1 bis 3. Im Zuge dieses Prozesses fragte mich die Angestellte nach den Geburtstagen der Mädels, die ich ihr daraufhin nannte. Daraufhin meinte sie:

„Sie kennen die Geburtsdaten Ihrer Kinder?“

Ich: „Äh, ja, natürlich?“

„Sie würden sich wundern, wie viele Väter dann schnell bei ihrer Frau anrufen und nachfragen müssen.“

Gedanklich fügte ich hinzu:

„Na das ist ja ziemlich einfach, hier als Super-Vater dazustehen.“

Im Business-Sprech meines Alltags nennen wir so was Low-Hanging Fruits. Nicht dass ich wirklich denken würde, dass das arkane Wissen um die Geburtstage meiner Kinder mich ernsthaft als Super-Vater qualifiziert. Aber dahinter steckt sexistisches System, könnte man sagen.

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Wenn ein Vater mal mit den Kindern auf den Spielplatz geht und nicht die ganze Zeit auf sein Smartphone schaut, qualifiziert er sich schon halbwegs als Heiliger. Wenn eine Mutter hingegen überhaupt mal aufs Smartphone blickt, ist sie direkt desinteressiert. Auch bei der Nachtruhe gilt ähnliches: Ich höre nicht selten, dass Väter meiner Generation (X) oder auch der nachfolgenden Generation Y sich aus dem zermürbenden Stakkato-Schlaf der frühen Babyphase weitgehend heraushalten. Ihre Partnerinnen haben hingegen das Gefühl, dass sie dankbar sein müssen, wenn Papa sich überhaupt mal einbringt. 

Das ließe sich ziemlich lange fortsetzen. Hausarbeit, Erziehung, Abendfreizeit – hier wird noch zu häufig in zweierlei männerfreundlichem Maß gemessen. Womit ich jetzt nicht sagen will, dass ich nicht völliges Verständnis dafür hätte, dass dem väterlichen Engagement durch Vollzeit-Berufstätigkeit natürliche Grenzen gesetzt sind. Selbstverständlich mache ich nur einen Hust an Haus- und Familienarbeit im Vergleich zu meiner Frau. Ich bin ja auch dauernd weg. Aber in der Zeit, in der ich zuhause bin ist es doch selbstverständlich dass ich mit anpacke, oder? Und ja, ich zähle auch männliche Domänen wie schrauben, sägen, gärtnern in diesem Sinne zur Hausarbeit hinzu (das wird ja in den einschlägigen Statistiken gerne ignoriert). Aber so viel ich am Wochenende auch durch die Beete robben mag, es ist selbstverständlich in Summe weniger als das, was meine Frau so den lieben langen Tag im Haus tut. 

Ich verstehe auch nicht ganz, warum gerade Frauen jeden Funken männlichen Engagements so unglaublich hoch bewerten. Vermutlich weil sie die Auseinandersetzung um häusliche Gleichberechtigung verloren haben und dann jeden feiern, der überhaupt was tut? 

Ich halte mich, wie ich auch mal im Interview mit FreshDads gesagt habe, nicht für einen besonders engagierten Vater. Eben weil ich dazu einfach nicht die Zeit habe. Aber das, was ich tue, erscheint mir so selbstverständlich, dass ich mich echt wundere, wie man damit heutzutage noch einen Blumentopf gewinnen kann. So wie ich es in der Sparkasse scheinbar getan habe.

Oder tue ich der Gesellschaft damit Unrecht an und stilisiere nur ein paar plakative Beispiele hoch? Wie erlebt ihr das?

Baby-Selfies und der Zusammenbruch der Gesellschaft

Baby-Selfies

Ihr wollt, das Euer Baby möglichst schnell sein erstes Selfie aufnehmen kann? There’s an app for that.

Ich habe ja schon mal zum Ausdruck gebracht, dass ich bezüglich der weiteren Entwicklung der Gesellschaft skeptisch bin. Im Ernst, wenn wir uns nur noch damit beschäftigen entweder uns oder unser Essen möglichst tagesaktuell abzulichten, wird dies vermutlich nicht die nächste kulturelle Hochblüte hervorbringen.

Von daher finde ich den Techcrunch-Titel gar nicht so weit hergeholt.