Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Ich bin in’s Sommerloch gehüpft und habe ein paar Artikel gefunden, die mir sehr gut gefielen:

Trageberater Gunter gibt ein Interview bei der Stadtmama – ich finde das richtig klasse! Ein Mann unter Traglingen und Tragemamas. Ob er mit Vorurteilen und Unfreundlichkeiten umgehen muss? Natürlich (seufz). Lest mal nach, wie er damit umgeht!

Bei den Textilen Geschichten drehte es sich um die Zeitschrift „Berliner Leben und Blätter für galante Kunst“ (ab 1920) – eine echt Bereicherung, dieser Artikel! Ich fand es ehr interessant, weil ich ja Einblicke in die Vergangen und auch Mode liebe!

Bei Geburt und Mamasein gibt es ein aufschlussreiches und echt informatives Autorinnen-Interview mit Doris Moser („Der überwachte Bauch“): „Wie viel Überwachung nützt und ist während der Schwangerschaft nötig?“ ist eine der Kernfragen, die aufgeworfen werden.

Und zum Schluss noch die traurige Geschichte der Zwillinge Zoe und Mia, die ihre Mutter verlieren werden. Diesen Artikel teile ich mit der Bitte, schnell per PayPal-Klick vielleicht eine Kleinigkeit zu spenden.

Würde mich freuen, wenn etwas für Euch dabei war! ❤

Wir brauchen Hebammen. Oder geht es besser ohne sie?

Ein Gespräch zwischen Bettie und mir, das sich auf Facebook entspann, führte uns an eine interessante Frage: Was denken wir über die Alleingeburt, die im Moment immer wieder diskutiert, propagiert und kritisiert wird?

http://fruehesvogerl.blogspot.de/2015/10/hebammen-sind-ja-keine-esoterische-deko.html

Geburts-Kunst

Nummer 3 malt und zeichnet ja sehr gern.

Dazu nimmt sie oft die App „Paper“ und benutzt das iPad. Ich mag die ja auch sehr gerne und kann sie echt für jedes Alter empfehlen. Einerlei:

Sie hat vor einer Weile die Geburt von Nummer 4 gezeichnet. Das Thema ging wohl eine Weile in ihrem Kopf herum und dann verarbeitete sie es eben bunt.

Weil ich die beiden Ergebnisse so speziell finde, fragte ich sie, ob sie ich hier zeigen darf. Und ich durfte:

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Links steht Mr. Essential mit euphorischem „Jaaa!“

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Hier in zartem Aquarell: Sprechblase und Blut. Nummer 4 scheint erstaunt, auf der Welt zu sein …

Was sagt Ihr dazu?

Könnte das eine neue Motivrichtung der Kunst werden? Geburtskunst?

Jenseits der klassischen mittelalterlichen Holzschnitte oder den farbintensiven Renaissance-Interpretationen der Geburt des Jesuskinds? 😀

Wie lief er ab, #derTagmeinerGeburt?

Vielen Dank, liebes „Nieselpriemchen“, für diese interessante und neue Idee! Die Blogparade #derTagmeinerGeburt hat mich sofort angesprochen. Ich freue mich schon darauf, die Geburtsberichte aus den „guten, alten Zeiten“ zu lesen, die mich während dieser Blogparade erwarten könnten.

Da meine Mutter mir öfter von meiner Geburt erzählte, kann ich jenen erstaunlich warmen, letzten Novembertag des Jahres 1976 vielleicht recht gut skizzieren:

Es war ein Dienstag, ein Tag nach dem errechneten Termin und meine Mutter trug ihren Frühlingsmantel, weil es eben recht unwinterlich warm war. Als die Wehen sie etwas zu pieken begannen, brachten meine Eltern meinen sechs Jahre älteren Bruder zu einer sehr lieben, mütterlichen Freundin meiner Mutter.

Dann kurvten sie in ihrem hübschen roten Ascona (oder war es noch der ockerfarbene Manta, ihr erstes Auto?) mit dem Klinikkoffer im Gepäck in das acht Kilometer entfernte Krankenhaus der westdeutschen Kleinstadt, in der ich zur Welt kommen sollte. Ich weiß sogar noch den Namen meiner Hebamme, aber es soll ja hier alles hübsch anonym bleiben.

Der Start ins Leben gestaltete sich geradezu metaphorisch und exemplarisch für mich, ein bisschen Max-Black-mäßig:.

Meine Mutter wurde nach ihrer Ankunft im Krankenhaus von den freundlichen  energischen (Ordens-) Schwestern auf den Gang der Geburtsstation komplimentiert. Sie „junges Huhn“ (26 Jahre alt aber zehn Jahre jünger aussehend, wie immer) solle sich gedulden.Meinem Vater hätten sie das wohl besser sagen sollen, denn dieser hatte nach einer knappen Stunde des Neben-der-Wehenden-Sitzens keine Lust mehr und fuhr nach Hause.

Nicht, dass dort ein Telefon gewesen wäre, mit dem sie ihn hätte erreichen können. Meine Eltern vertrauten diesem teuren, unnötigen Teufelsapparat noch nicht einmal zehn Jahre nach meiner Geburt.

Er war jedenfalls weg. Muttern saß auf dem Plastikstuhl und wippte vor und zurück. Irgendwie kamen ihr die Wehen wohl recht wehenmäßig vor, denn sie hatte ganz schönes Ziepen.

Die Hebamme lief mehrere Mal geschäftig an ihre vorbei, doch meine Mutter – zwischen erlernter Anpassungsfähigkeit und Selbstlosigkeit verunsichert – lächelte immer nur diszipliniert-tapfer, statt um Hilfe zu bitten.

„Ach, bei ihnen dauert es ja noch. Ich komme nachher noch mal rum,“ sagte die Fachfrau und meine Mutter lächelte mit zusammengepressten Lippen.

Irgendwann, so nach zwei Stunden, wuselte die Dame wieder über den Gang. Währenddessen war meine Mutter in den entspannenden Genuss mehrerer schreiender Gebärender gekommen, deren Stimmen durch diverse Türen drangen und leicht eingeschüchtert. Sie saß da immer noch alleine, während ihr Mann sich zuhause mit dem Fernseher von seiner großen Bürde des Nichtstuns ablenkte.

„Na, kommen sie mal mit, wir wollen doch mal nachgucken,“ kam es von der Hebamme, die meine Mutter in ein Zimmer brachte. Meine Mutter sah sich um und die Hebamme räusperte sich sichtlich verlegen:

„Äh, ja, tut mir leid. Der Kreißsaal wird gerade renoviert. Das hier ist unsere Teeküche.“

Aber ein Kreißbett hatte man reingeschoben.

Meine Mutter schluckte kloßig beim Anblick der Beinstützen mit den Ledergurten. Verschwörerisch neigte sich die Hebamme zu ihr und beruhigte sie:

„Na, Kindchen, wo wir ihnen heute keinen richtigen Kreißsaal bieten können, da kann ich den Doktor bestimmt überzeugen, die Beingurte wegzulassen.“

„Mh-hm,“ kam es wohl von meiner Mutter, die mit Tränen in den Augen auf das Kreißbett kletterte. Die Hebamme untersuchte sie kurz und meinte dann ganz entgeistert:

„Ja, aber! Es ist ja schon so weit! Warum haben sie denn nichts gesagt, mein Gott? Und da lässt man sie auf dem Gang sitzen, also nein! Ich rufe den Arzt!“

Der Arzt kam wehenden Kittels in die Szene und drückte meiner Mutter zur Begrüßung die Lachgasmaske auf das Gesicht. Meine Mutter dusselte wohlig weg und träumte, sie hielte ihr Kind bereits in den Armen. Sie hörte nicht, wie der Schlagbohrer des Handwerkers nebenan im Kreißsaal seinen Höllenlärm begann und nicht, wie die Kollegen des Schlagbohrerhandwerkers mit den Hämmern loslegten.

Sie träumte, sie habe alles hinter sich.

Dann weckte sie die Hebamme.

„So, nun ist es soweit. Pressen sie! Pressen sie!“

Irgendwie hatte meine Mutter wieder Tränen in den Augen, als sie aus ihrem Wunschtraum erwachte und im Lärm sowie der grellen Deckenbeleuchtung und den Kommandos landete. Eine Hand des Arztes lag schwer auf ihrem nackten Oberschenkel. Aber gnädiger Weise ersparte er ihr tatsächlich, sie breitbeinig anzubinden, wie sie es bei ihrer ersten Geburt erlebt hatte.

Da ging die Tür links auf und einer der Arbeiter steckte seinen Kopf herein. Er glotzte meiner Mutter kurz zwischen die Beine und meinte dann:

„Wollte nur mal fragen, ob der Krach von uns irgendwie hier stört, oder so?“

Dann sah er meiner Mutter ins Gesicht und sprach lauter, als sei sie wegen eines Hörsturzes und nicht wegen einer Geburt auf dem Horrorbett mit den Beinfesseln:

„Stören wir sie, gute Frau?“

Tja, und was machte meine Mutter? Mit Tränen in den Augen – sowie Schmerzen ganz woanders – tapfer lächelnd den Kopf schütteln.

Daraufhin legte der Schlagbohrermann wieder los. Nun sprach die Hebamme auch lauter. Gezwungener Maßen.

„Gleich haben wir’s geschafft! Pressen! Pressen!“

Und in der Tat durfte ich kurz darauf auch das gleißend helle Licht genießen.

Zack – abgenabelt.

Zack – kopfüber gehalten.

und zack – unzärtlicher Klaps als unnötige Atemhilfe. War mal groß in Mode.

„Danke für die schöne Begrüßung auf diesem Planeten, ihr Hirnis!“ sollen meine ersten Worte gewesen sein.

Ich machte wohl einen fitten Eindruck, wurde gemessen und war mit 55 Zentimetern und 3.300 Gramm ganz angemessen präsent. Ich wurde nicht gebadet, sondern gelobt, weil ich ein so sauberes Mädchen war und in einen Krankenhausstrampler gesteckt.

Meine Mutter wurde versorgt, die Nachgeburt kam, sie wurde untersucht und ins Zimmer geschoben. Da lag sie dann zusammen mit einer 16-jährigen Mutter, die auf einem Schwimmring saß. Das tat sie, weil sie einen Dammriss jenseits des IV. Grades hatte. Vermutlich XVI. Grad, so wie meine Mutter das beschrieb. Die Schwimmring-Mama hatte auch ein Mädchen geboren.

Und da lag auch die frisch gebackene Mutter eines Sohnes, dessen Vor- und Zunamen ich auch noch weiß. Ich sollte den mal ausfindig machen und fragen, ob er auch heute noch einen Schweißausbruch bekommt, wenn jemand einen Bohrer anwirft, so wie ich …

Die Mit-Mutter ohne Schwimmring sagte:

„Und wenn sie dich gleich fragen, ob du stillen willst, dann sagst du besser nein. Weil die Schwestern werden ordentlich bräsig, wenn sie dir dauernd das Kind bringen müssen. Darauf haben die keine Lust. Also nimm die Abstillpillen, sonst machen die dir hier das Leben zur Hölle. Die wecken dich nachts zum Fiebermessen und so was.“

Als dann die Oberschwester wegen des Stillens kam – angemessen korpulent und mit kräftig Dominanz in jedem Gramm – bekam meine Mutter die Pillen schon direkt wortlos hingehalten und ich wurde eins von den puffelwangingen Milupa-Kindern. Obwohl meine Mutter gern gestillt hätte.

Nach drei Tagen durfte meine Mutter gehen. Mein Vater war am Tag nach der Geburt zu Besuch gewesen und hatte in der Tat ein paar Tränchen verdrückt, als er mich hat liegen sehen. Später schwor er stets frech grinsend, es seien Tränen des Grams gewesen. Fand ich nie wirklich witzig.

Seit der Nacht meines Lebensstarts war es plötzlich doch Winter geworden. Meine Mutter hatte ganz naiv morgens am Entlassungstag versucht, in ihre Vor-Schwangerschaftskleidung zu schlüpfen, die sie im Koffer mitgenommen hatte. Aber leider hatte sie sich da fehleingeschätzt und nun nahm sie einen Bus in Richtung der nächstgrößeren Kleinstadt, um dort warme Kleidung zu kaufen. Ihren Frühlingsmantel hatte sie bibbernd um sich gewickelt.

Als sie dann später am Tag nach Hause kam, war da niemand.

Außer einem Berg Spül, auf den mein Vater keinen Bock gehabt hatte.

Kein Willkommen, keine Blumen, keine Babyschühchen. Nur dreckiges Geschirr.

„Danke für gar nichts, du Herzgemahl!“ hat meine Mutter da in die leere Wohnung gebrüllt und ihrer Enttäuschung Luft gemacht.

Ganz sicher nicht. Aber sie hatte sicher mal wieder nasses Zeugs in den Augen.

Sie legte mich in meinen Stubenwagen, der mit einem richtig schönen Stoff in rotem Schottenkaro bezogen war. Und ich schlief.

In den folgenden Wochen entwickelte ich mich allerdings zu einem Schreikind.

Irgendwie war ich wohl nicht ganz zufrieden.

Mein Bruder konstatierte, er wolle in den Hühnerstall der Oma ziehen, weil ich so ein schreckliches Schwesterchen war. Ich war ihm einfach zu laut.

Wenn meine Mutter mich spazieren fuhr, dann blickten die Nachbarinnen in den Wagen und sagten nicht viel. Sie waren meinen schönen Bruder gewohnt, der mit seinen dunklen Augen und samtigem Haar bestochen hatte. Ich trug eine Art Fussel-Tonsur auf dem Kopf und brüllte die Leute an, wenn sie mir zu nahe kamen.

Ich wette, meine Mutter hatte da auch öfter mal Tränen in den Augen.

Das waren nun eher die ersten 21 Tage meines Lebens, als nur der #TagmeinerGeburt. Aber für einen richtigen Geburtsbericht hätte ich meine Mutter wohl schreiben lassen müssen und dies ist nun einmal nicht möglich. Daher beschrieb ich alles, das ich noch aus ihren Erzählung im Kopf habe.

Es ging ja auch um einen Einblick in die Geburten der vergangenen Jahrzehnte und dafür ist meine Beschreibung ja vielleicht doch ganz brauchbar.

Ach, als meine Mutter übrigens die Wöchnerinnen-Station eine Weile darauf besuchte, um der Hebamme zu danken, zeigte diese ihr stolz und immer noch etwas verschämt den neuen Kreißsaal: Er blitzte wunderbar in schneeweißen Kacheln von oben bis unten.

„Sieht aus wie ein Schlachthof mit leicht abzuspritzenden Wänden, “ äußerte meine Mutter mutig ihren ersten Gedanken. Nicht.

Lachtränen im warmen Schimmer der Salzlampe

Lachtränen im warmen Schimmer der Salzlampe

Geburtsberichte habe ich auf unserem Blog bisher ausgespart. Ich finde, es gibt einfach schon genug. Und ich finde sie meistens entweder zu blumig („Der schönste Tag meines Lebens“) und wenn man es dann liest, gefriert einem das Blut in den Adern. Oder sie sind sehr effektiv betitelt („Knochen knackten, Blut spritzte, alle schrien – Vorsicht: Schwer zu ertragen“) und halten, was sie versprechen. In jedem Fall unterstreichen sie meinen beliebten Vergleich von Zivilisten (Nicht-Müttern) und Soldaten (eben die Anderen): Der Kreißsaal als Kriegsschauplatz übelster Details menschlichen Leids in Zusammenarbeit mit einem meist fürchterlichen Feldscher.

Ich persönlich habe meine Geburten als Zusammenfassung sehr kurzer Natur irgendwann manchen Freundinnen erzählt. Da gehören sie hin, finde ich. Oder ich erwähne Erfahrungen zu irgendwelchen Themen, die privat oder in den Sozialen Medien gerade diskutiert und besprochen werden (Hausgeburt, Klinikgeburt, Geburtseinleitung Geburtshaus, Schmerzmittelfreiheit oder ähnliches)

Wenn ich aber jemals die Eindrücke einer Geburt in einem Artikel zusammengefasst hätte, dann wäre es in dieser Art passiert. Viel Spaß beim Lesen und Lachen! 🙂

Zur Salzlampe und dem anderen, im Artikel erwähnten „esoterischem Riesenquatsch“ hier nun meine Gedanken: ich habe da diverse Erfahrungen gemacht und bin seitdem (vor allem bei Geburten) ziemlich von allem ab, dessen Wirkungsfaktor Eins zum Weltall heißt. Ich würde gern wieder an Homöopathie glauben. Und auch an das Erinnerungsvernögen, das Wasser zu Eigen ist. Dafür habe ich nur grad keinen Kopf. Sobald ich den habe, werde ich mich wieder gründlich informieren.

Ja, informieren ist für mich ein Zauberwort: Wenn eine der Mamas aus dem Kindergarten zu mir sagte: „Also, ich geb‘ immer nur Globulis“ dann habe ich besserwisserisch sagen wollen: „Ach so und du liest sicher nur Lexikas?“. Mich nervte es, dass sie allein schon durch den sprachlichen Fehler zu zeigen schienen, dass sie einfach einer Bewegung nachliefen, ohne sich darüber zu informieren. Aber eigentlich wollte ich gern mal sagen: „Echt jetzt? Du glaubst, dass ein Wirkstoff, der so verdünnt ist, dass er einem Tropfen Wirkstoff verteilt in einem Pool oder besser noch: im Weltall entspricht, wirken kann? Aber beim „Über-das-Wasser-laufen“ bist du skeptisch?“ Und dann renitent grinsen – hach, das wäre fein gewesen. Hatte immer den Eindruck, die meisten verteilten die kleinen Wunderkugeln mit dem dauernd falsch verwendeten Plural, weil das gerade so modern war oder ist. Und nicht, weil sie wirklich vom Erinnerungsvermögen des Wassers überzeugt waren.

Meine Schwiegermutter kaufte mal eine Tube Rescue-Salbe (Bachblüten), weil die Frau des Cousins meines Mannes das wohl empfohlen hatte. „Das geben die Mütter jetzt alle den Kindern,“ kam es nicht ohne einen Hauch des Vorwurfs ob meiner das Wohlbefinden der Kinder vernachlässigenden, weil bachblütenlosen, Haltung. Und ich (renitent wie immer): „Wenn die Kinder hinfallen, bekommen sie gegen den Schreck die Energie von Blumen? Blumen die ’ne Weile in Wasser rumlagen …?“ Danach schmierte sie das Zeug immer noch ganz doll und fürsorglich auf die Knie der Enkel. Eigentlich wann auch immer die Knie nur in die Nähe einer spitzen Kante gekommen waren „Schadet ja auch nichts!“ hieß es dann. Vielleicht wollte sie die ihr wegen meines gemeinen Kommentars peinlich gewordene Tube auch einfach schnell leer bekommen.Ich hab mich ein bisschen wegen meiner Renitenz geschämt, als mir dieser Gedanke kam. Und dann wieder nicht, weil ich doch diesen stummen Vorwurf mit dem harten Blick bekommen hatte.

Damals war ich fast zehn Jahre jünger als jetzt. Da hat man noch nicht ausreichend die Technik des „Schlucken-Lächeln-Schweigens“ gelernt, die Müttern im Laufe der Jahre zuteil wird. Ab und an geht man im der Phase jenes jugendlichen Leichtsinns dazu über, sich gegen einen Vorwurf zu wehren. Eek, ich klinge ja so zynisch … (und schweife vom Thema ab)

Ich habe jedenfalls selber auch Homöopathie probiert. (Und dabei auch die richtige Zahnpasta verwendet, Kaffee gemieden etc.) Gegen (Geburts-)Angst zum Beispiel. Hat null gebracht. War immer noch ängstlich. Aber vielleicht hätte ich statt Angst hirnzermarternde Panik gehabt, wenn ich das Zeug nicht genommen hätte. Und es sollten auch Wehen durch bestimmte Homöopathie starten. Das könnte sogar geklappt haben. Vielleicht half es bei der 14-tägigen Übertragung auch, dass ich einfach alle aus meiner Bude warf und mich mal entspannte, statt mich wie eine Henne mit Legenot zu fühlen? Jedenfalls setzten die Wehen bei Nummer 1 ein, nachdem ich eine Menge weißer Kügelchen in meinen Mund gekippt hatte. Jahre später sagte eine andere Hebamme übrigens:“Was? Das und das hat sie dir gegeben? Aber das ist doch gar nicht wehenfördernd.“ Mein Vertrauen war dahin. Oder hatte nun die neue Hebamme keine Ahnung? Ach, wer weiß? Ich habe auch alles Mögliche andere durch. Beispiele bei Übertragung gefällig?: Muskatellersalbeiöl, Rizinusölcoktail (damals noch sehr en vogue heute als Horrorsaft verschrien), natürliche Einarbeitung von Prostaglandinen (auch als Sex bekannt), Rexflexzonenmassage. Wirkweise? Null – Nummer 3 wurde nach längerem, entkräftetem Betteln meiner Person per Priminggel (Prostaglandingel, klassisches Medizinprodukt) rausgeworfen.

Biologisch dynamisches Dammmassageöl haben wir auch ausprobiert – half auch nichts, kann ich kühn behaupten. Und was wir zum täglichen Einölen des Babybauches zwecks Streifenvermeidung und schneller Rückbildung zu sagen haben: Besser gar nichts.

Einerlei: Es geht niemals nicht und in keiner Lebenslage etwas über den orange-rosa Schein einer Salzlampe. Auch nicht auf dem Klo 😀

Jammern auf niedrigem Niveau Teil 2: Und plötzlich ist man allein.

Jammern auf niedrigem Niveau Teil 2: Und plötzlich ist man allein.

Teil 2 des Jammerns auf niedrigem Niveau blickt hinter die Kulissen. Jung und als einziges Paar im Freundeskreis mit Kind. Wie ist das so? Und situationsunabhängig: Was opfern Eltern alles, um sich dann im Blick auf unsere Gesellschaft wie verträumte Romantiker zu fühlen, die leichtfertig ihr Leben auf den Müll warfen, die den sinnstiftenden Hedonismus fahren ließen und ihre Selbstbestimmung leichtfertig fortwarfen, um dafür nichts zu ernten als Einschränkungen, Lärm und Gestank? Ich klinge ironisch – das kann eine Form von Aggression sein. Ist es in diesem Fall sicher auch. Schön, dass jemand ein Buch zum Thema moderne Elternschaft geschrieben hat, in dem Eltern sich gegen jene wehren, die sich angreifen. Das wurde wirklich Zeit. Es sollten noch einige mehr folgen …

Wir haben uns letztens darüber unterhalten wie es war, mit Mitte Zwanzig unser erstes Baby zu bekommen. Die Antwort ist klar: einfach war es nicht. Schwierigkeiten machte aber nicht nur die Erfahrung selbst oder die Sorgen, die durch die Verantwortung für ein anderes Menschenleben kommen. Es war auch erschreckend, wie schnell man den Bezug zu den meisten seinen kinderlosen Freunden verliert und ganz in einer anderen Welt versinkt.

Für uns war die Entscheidung für Nummer 1 so: Wir verliehen unserer Liebe Ausdruck. Dies entsprach einem wirklich als archaisch zu bezeichnendem, tiefen Gefühl. Einem Ur-Gefühl. Das war der Eintritt in eine Lebensphase, die wunderschön ist, aber auch ihre Schattenseiten hat. Da wir hier oft von den schönen Seiten der Elternschaft sprechen, will ich mir hier mal auf diese negativen Aspekte konzentrieren – ich habe in meinem Freundeskreis den Ruf, schonungslos ehrlich zu sein. Dann mal los:

Freizeit, Freunde, Geld, Sorglosigkeit, In-den-Tag-hinein-leben, Spontaneität – alles erst mal weitgehend weg. Dafür kamen Konflikte mit Müttern und Schwiegermüttern, wie sie bei der ersten Geburt nicht selten aufkommen und keine guten Lösungen, weil keine Erfahrungen. Probleme mit einem Schreibaby, die keiner unserer Freunde auch nur irgendwie erahnen konnte. Es war schockierend, wie sehr es nervte, nicht mal eben aus dem Haus zu können, ohne das Baby entweder an sich dran zu wickeln oder den schweren Kinderwagen aus dem Keller in den Hausflur juckeln zu müssen (Und zwar schnell-schnell, denn das Baby lag nicht gern allein in der Wohnung oben herum, sondern brüllte dann). Statt neuer Klamotten für mich gab es alles für’s Baby. Ich fühlte mich auch eh nicht mehr wie die knackige Frau, die Komplimente und Aufmerksamkeit bekommt, sondern wie ein leerer, ausgeleierter und gestreifter Walfisch. Meine Freundinnen waren derweil körperlich unversehrt und konnten nur hilflos sagen: „Tja, hm, dafür hast du ja aber auch das Baby. Das ist dann wohl leider so, dass man dann so aussieht.“ Was sollten sie auch sonst tun oder sagen?

Die Idee neuer teurer Schuhe oder Mäntel rückte ganz weit hinter den Horizont. Und von einem Urlaub auch. Mann, war das krass. Und niemand da, der es nachvollziehen konnte. Niemand zum Teilen dieser Erfahrungen. Wir waren damals Mitte Zwanzig und damit gut zehn Jahre zu früh dran im heutigen Deutschland. Damit war unser Schicksal als einsame, breibeschmierte Außenseiter besiegelt.

Ja, wir lasen viele Artikel und Zeitschriften über Babies. Wer sich einen Hund kauft tut das übrigens auch. Der ist dann der verantwortungsbewusste Hundehalter. Eltern aber sind dann schnell überkandidelte Nervsäcke mit ihren ewig gleichen Themen. „Und dann immer die Babyfotos auf Facebook“ heißt es. Mann, wirklich! Ich mag vielleicht auch nicht dauernd „Dackel Waldemar im Schnee“ oder „Windhund Wilma beim Schwimmen“ sehen. Und ich mag Hunde echt gern. 

Wir liebten dieses alles-auf-den-Kopf-stellende und gefühlt andauernd quakende Wesen über alles. Unsere sichtbar gewordene Liebe (Danke, Novalis, Du allzu früh verschiedenes Schnuckelchen). Und gaben für diese neue Liebe sehr viel auf. Ist das nicht eigentlich sehr liebenswert, wenn man so viel opfert, nachdenkt und fühlt? Wenn man sich der Verantwortung für Körper und Seele eines Menschen vollumfänglich bewusst ist? Und wenn man versucht, dieser bestmöglich gerecht zu werden?

Und ist es nicht ebenso verständlich, wenn man darüber sprechen will? Mit denjenigen, mit denen man zuvor so viel Zeit verbrachte und so viel teilte? Die stehen plötzlich da und bekommen nur mit, wie wenig Spaß die armen Schweine haben, weil sie ein Baby bekamen. Der Papa sollte in Woche zwei mit Baby spontan abends zu Freunden zum Saufen kommen und sagte ab. Seine Kumpels waren enttäuscht. Aber allein, dass sie dachten, er würde nun einfach aufspringen und losfahren, nervte den frischgebackenen Vater. Weil er merkte, dass sie nun in zwei Welten lebten. Solche Unverständlichkeiten häuften sich. Die Freunde nervte wiederum das. Sie sagten tatsächlich:“Mann, mit dem Baby habt ihr euch aber echt was angetan.“ Und hatten keine Ahnung. Sie wussten nicht, wie tief wir beide dadurch miteinander verbunden worden waren. Und wie es war, dieses Glückskind zur Welt zu bringen und es jeden Morgen aus dem Bettchen zu holen, nachdem man mal wieder befürchtet hatte, es könnte irriger Weise am Plötzlichen Kindstod gestorben sein. So viele neue Gefühle und Erfahrungen! Schwangerschaft, Geburt Baby: So viel Glück, Geschrei, Sorgen, Blut und Freude!

Es ist eine unüberwindbare Schlucht zwischen denen mit Kindern und denen ohne. Da möchte ich ausnahmsweise keine diplomatische Political Correctness bemühen. (Dazu bin ich zu genervt von manchen Zuständen.) Mindestens wir Eltern wissen das. So wie zwischen Kriegsveteranen und Zivilisten. Irgendwie ahnen die Zivilisten, das Krieg eine elementare Erfahrung ist. Und irgendwie ahnen Kinderlose, dass allein eine Geburt eine elementare Erfahrung und eine Initiation zugleich ist. Eine, die sie vielleicht nie machen werden oder zumindest noch nicht gemacht haben. Trennt das nicht automatisch irgendwie?

Während man früher mit Freunden auch mal in ein Konzert ging, das einem nicht zusagte oder man sich ihre Probleme anhörte, obwohl man müde war oder mit den eigenen Dingen beschäftigt, da sind es genau diejenigen, die beim Wort „Wehenschmerz“ gerne sagten: „Oh nee! Davon will ich nichts hören!“ Und man denkt „Mann, du bist ’ne Freundin. Ich habe etwas erlebt, das mich in Mark und Bein durchschüttelte und für immer veränderte und du sagst nur: Oh nee.“ Sie schauen sich das nagelneue Babyfotoalbum an und rufen beim Geburtsfoto: „Ih! Ist das etwa Blut da?“ und meinen es vielleicht wirklich lustig. Doch man fragt sich, wieso ausgerechnet diese Reaktion kommt. Vielleicht würde man das hinterfragen, aber man lässt es. Man sagt nichts. Sondern ist  – Achtung: Ironie des Lebens – ganz mütterlich-weise, nimmt sich zurück (denn das ist man durch das Baby schon gewöhnt) und schont die Freundinnen. Man denkt sich: „Hey, sie haben das alles nicht erlebt und wissen einfach nicht, wie sie reagieren sollen. Es verunsichert sie, dass du etwas Derartiges erlebt hast. Daher wissen sie nichts zu sagen.“ Und diese Einstellung trennt einen noch weiter.

Ja, ich bin mit meinen Freundinnen und dem Baby zusammen in die Stadt gegangen zum Einkaufen oder mal auf einen Spaziergang. Und ich habe auch manchmal erzählt, was ich als Mutter so erlebe. Aber irgendwie fehlte etwas. Einmal war es schon symbolträchtig. Ich war mit einem Freund unterwegs, hatte Nummer 1 im Tragetuch und wir schlenderten durch die Innenstadt. Wir sahen uns überall um, was nett war, aber ich merkte, wie das Baby mir langsam zu schwer wurde. Er konnte sich natürlich frei und unbelastet bewegen. Während wir irgendwo standen und uns unterhielten, war immer dieses Baby zwischen uns, das ja meine Vorderseite bedeckend vor meiner Brust war. An dem symbolhaften Tag hab ich gedacht: „Du wirst erst dann wieder mit Gleichaltrigen eine Ebene teilen, wenn sie sich auch fortgepflanzt haben. Da dies aber ziemlich aus der Mode ist, wirst du weder wissen, wann das sein wird, noch ob überhaupt.“

Wenn ich mich umsehe und umhöre oder den Buchauszug von „Seid fruchtbar und wehrt euch“ lese, dann denke ich: Es ist anscheinend das gute Recht der Coolen („der Jungen“), die Mütterchen zu verletzen. Sie haben die Mode der Zeit auf ihrer Seite. Das Peter-Pan-Syndrom. Ich habe das nicht. Als Eltern ist man schließlich geradezu auf den Zahn der Zeit gekettet.

Aber man rächt sich. Man bleibt nicht ewig mütterlich-verzichtend-weise. Man ist irgendwann genervt von der polarisierenden Thematik, die noch vor dreißig Jahren nicht existierte, als Kinderkriegen kein Projekt für verblendete Romantiker war: Man nimmt die Ignoranten, die sich vermutlich auch mit Fünfzig vorwiegend bei einer Tasse überteuertem Kaffee über ihr Lieblingsrestaurant und tolle Urlaubsziele unterhalten, einfach nicht mehr ernst. Warum nimmt man sich diese Hybris heraus? Weil: In Restaurants gegessen haben wir auch mal. In Urlaub geflogen sind wir auch. Es gab teuren Kaffee, ausgedehnte und ruhige Frühstücke oder auch Brunches. Wir haben Dates erlebt, sind abgestützt, hatten wilde Nächte (die wenigstens haben wir heute auch noch) haben Unüberlegtes getan und sind unzuverlässig gewesen. Wir waren nur für uns verantwortlich, haben uns voll auf unsere Berufe konzentriert. Alles bekommt ein Häkchen.

Und dann kam da noch so viel mehr. So unendlich viel. Ja, lacht nur, wenn Eltern rührselig über die leuchtenden Kinderaugen an Weihnachten sprechen. Ihr lacht nur, weil ihr einfach nicht wissen könnt, wie tief diese Gefühlserfahrung ist. Wie sehr man sich von den Glücksgefühlen Anderer bewegen lassen kann. Ich stehe nun nicht so sehr auf Ashton Kutscher, aber neulich las ich zufällig ein Zitat von ihm: „Du denkst, du weißt, wie sehr du einen Menschen lieben kannst. Dann bekommst du ein Kind und stellst fest, du wusstest es nicht.“ Kein Urlaub, kein Haustier und kein leckeres Restaurant-Futter gibt einem das.

Ein nacktes, nasses, neues Leben auf der Brust liegen zu haben, das man nach stundenlangen Schmerzen oder durch eine Körper und Seele belastende Operation auf die Welt beförderte – das ist nicht mit einer herausfordernden Bergsteigertour zu vergleichen. Und nein, mit einem erfolgreichen Zahnarztbesuch auch nicht. 

Ein neues, selbstbewusstes Hurra auf das Elternsein muss her. Ein Hoch auf die Wesen, die uns eine abartig tiefe Lektion in Empathie lehren und unseren Blick auf das Bezaubernde Im Leben lenken. Auf Augen, die den eigenen so ähnlich sehen. Auf Seelen, die einem anvertraut wurden und für die man alles tun würde. Ein Hoch auf die quälenden Nächte, die Paare zusammenschweißen können, wenn sie konstruktiv und liebevoll miteinander bleiben. Ein Hoch auf die Herausforderungen, die Kämpfe, die Erfolge und Niederlagen. Nein, so gibt einem das kein Job der Welt. Und ja, es hat frustrierende Phasen zwischen gähnender Langeweile und blankem Horror. Ja, es ist oft genug auch chaotisch wie im Schützengraben. Aber das kann man durchaus schaffen. Schließlich ist es ja kein echter Schützengraben.

Und dann erlebt man neue Ebenen von Partnerschaft, Leistungs- und Organisationsfähigkeit und Selbstbewusstsein. Man empfindet tiefsten Stolz und haarsträubende Sorgen und auch ehrliche Dankbarkeit. Den verständnislosen Nicht-Eltern möchte ich das am liebsten so erklären: Die Gefühlsbandbreite erweitert sich von 16 Bit auf 36 Bit.

Ja, viele Arbeitgeber stellen inzwischen gerne Eltern als Angestellte ein. Weil sie eben über all das vermögen: Teamgeist, Zuverlässigkeit, Selbstorganisation. Eltern sind im Job auch noch nachweislich weniger krank als Nicht-Eltern.

Wir sollten mal aufhören und latent oder vollumfänglich zu schämen. Das haben wir nicht nötig. Das ist jetzt ein bisschen wie ein „#parentsrock“ aber auch dieses scheint mir dringend nötig. Mir reicht langsam das Gefühl, ein bisschen jeck, blöd oder einfach nur verträumt zu sein, weil ich Kinder habe. Wir haben uns kein teures, dusseliges Hobby gesucht. Wir machen kein die Augengesundheit gefährdendes Fliegenfischen mit selbstgebastelten Fliegen aus puren Goldfäden und meckern dann, weil man immer so früh aufstehen muss, die Fliegen so teuer oder die Gummistiefel undicht sind. Wir haben Kinder bekommen. Aus Liebe. Da gibt es nichts Negatives zu urteilen. Das ist kein außergewöhnliches Projekt sondern ein für die Menschheit (äh ja – und der von vielen Kinderlosen so geliebte Tierwelt) eher natürliches Vorgehen.

Wir haben natürlich Freunde, die (zum Teil noch) keine Eltern sind. Und mit denen wir sehr glückliche Zeiten verbringen, die wir von Herzen lieben und denen wir selbstverständlich auf Augenhöhe begegnen. Es gibt jene, die mit (unseren) Kindern recht gut und ehrlich bemüht/sehr natürlich/herzlich/lieb umgehen können. Das sind in unserem Umfeld eigentlich alle. Und unter unseren Freunden ist eigentlich niemand, bei dem ich denke, er empfindet mich als dämlich, weil ich Kinder habe. Das möchte ich hier mit Nachdruck sagen. Es ist nicht so, dass ich per se Kinderlose nicht ernst nehme – wie arrogant wäre das denn? Aber die kinder- und elternfeindlichen Dauer-Jugendlichen, denen möchte ich gern mal ein paar Takte sagen.

Wenn ich lese, dass eine Gastronomin etwas sagt wie: „Bah, dann packen die Mütter hier ihre Euter aus…“ dann bin ich auf 180 und stelle mir vor, sie hätte gesagt „Bah, dann steht hier immer der Krüppel mit seinem Rollstuhl im Weg, weil er uns zeigen will, dass er trotzdem mobil ist“ oder „Dauernd hängen die komischen Schwulen hier ab und wollen uns knutschend präsentieren, dass sie’s auch mit 50 noch drauf haben“ Na, da wäre ein Aufschrei durch die Massen gegangen. Und dabei wäre es um Minderheiten gegangen. Nicht um Mütter (!).

Aber Müttern muss man ja keinen Respekt zollen. Da muss man sich auch nicht fragen, warum man mamaphob ist. Dabei gäbe es simple psychologische Antworten darauf, wie auch auf die berühmte Homphobie und die sind sich nicht mal unähnlich. Irgendwas mit Verunsicherung der eigenen Geschlechterrolle und Person durch Projektionen im Außen und so …

Fazit:

Nach dem ersten Baby schrumpfte vieles ein und vieles wurde größer. Ich zum Beispiel. Gereift, erfahren, iniziiert wie ich war. Und leidgeprüft und mit gestählten Nerven. Und überhaupt … war ich acht Monate nach der Geburt schon wieder schwanger.

Aber beim Zweiten wusste ich wenigstens, was auf mich zukam.

Wer sich über Eltern und/oder Kinder beklagt oder gar abfällig beleidigend wird hat einfach keine Ahnung. Gar keine. Auch nicht, wenn er meint, er wüsste was, weil er mal gehört hat, dass es Kinder gibt. Oder mal auf seine Nichten und Neffen aufgepasst hat.

Ich habe inzwischen immerhin um die zehn Freundinnen, die auch Kinder haben. Mit manchen habe ich regelmäßigen Kontakt, mit manchen nur selten. Aber jahrelang hatten wir nur uns, mein wunderbarer Mann und ich. Wir haben miteinander ausgemacht, was wir uns unter Erziehung, kindlicher Körper/Krankenpflege, Konfliktbewältigung, Entwicklungsphasenbegleitung, seelischer Entfaltung und so weiter vorstellen. Gut, das hat uns so zusammengeschweißt, dass wir nun an unserem baldigen 15. Jubiläum unserer Liebe immer noch irgendwie verliebt ineinander sind und wir sind mit unseren Kindern gern zusammen. Und stolz auf sie.

An diesem Punkt möchte ich immer noch gerne die Gastronomin treffen, die sich über die Euter aufgeregt hat. Ich würde sagen: „Vier Menschen das Leben geschenkt und glücklich? In dein Gesicht! Wahre Werte im Leben gefunden? In dein Gesicht! Währenddessen niemanden meine nackten Euter gezeigt? In dein Gesicht! Und ehe du mir aufzählst, was du alles in deinem Leben begrüßt sage ich dir Folgendes: Ein Mensch, der sich öffentlich auf diese Art über andere Menschen äußert, mag eine Menge besitzen oder vorgeben zu sein. Aber letztlich ist er mindestens eins: Bedauernswert.“

„Wie hast Du das nur ausgehalten?“

Meine Frau hat Nummer 4 ja im Krankenhaus bekommen. Nachdem wir Geburtshaus und Hausgeburt schon durchhatten, erschien das unserem durch Schicksalsschläge und Alterserscheinungen gesteigerten Sicherheitsbedürfnis nur angemessen. Rund um die Geburt war das auch eine sehr gute Entscheidung. Nur als man uns hinterher mitteilte, dass sie nach der Geburt am besten vier Tage dableiben sollte, waren wir ein wenig … unterrascht. Aber gut, hat ja auch seine Vorteile:

  • Dreimal Essen am Tag (okay, das gibt´s im Knast auch)
  • Rund-um-die-Uhr-Betreuung (hm, gibt es im Knast auch …)
  • Großzügige Besuchszeiten (ja, deutlich besser als im Knast!)
  • Es gibt einen Fernseher (okay, der kostet drei Euro am Tag und läuft nur mit Kopfhörern – keine Ahnung wie das im Knast so ist)

Und so weiter. Trotzdem sagte ich meinem Vater schon an Tag 1, dass sie das nicht so lange aushalten wird. So kam es auch, dass ich am Tag direkt nach der Geburt, während ich kurz aus organisatorischen Gründen unterwegs war, zur Mittagszeit eine SMS bekam:

Das Essen sieht aus wie etwas, das Martha Stewart fotografiert hat.

Einen Tag später war sie ziemlich übernächtigt, weil Nummer 4 nachts immer richtig schön aufdrehte und man in der Stillzeit als Mutter da ziemlich unverzichtbar ist. Tagsüber hatte man einmal pro Stunde (mindestens!) Besuch von einer freundlichen Dame, die die Müllbeutel im Zimmer wechselte. Da ist es mit dem Schlafen also auch nicht weit her. Wir – ich hatte noch mit im Familienzimmer geschlafen – überlegten, ob wir uns einen Tag fernsehen gönnen sollten. „Da läuft doch eh nur Mist“, meinte meine Frau, mittlerweile sichtlich enerviert. „Ich will hier weg, wie hast Du das nur ausgehalten?“

Ich habe die deutlich größere Krankenhauserfahrung von uns beiden, das ist klar.

„Krankenhaus ist Mist,“ antwortete ich. „Wenn man nicht laufen kann oder sonst stirbt ist das schon okay, aber so lange man noch kriechen kann wird man versuchen zu fliehen.“

So kam es dann auch – da es keine wichtigen medizinischen Gründe für einen längeren Aufenthalt gab, habe ich schnell (*hüstel* zwei Stunden lang *hüstel*) das Auto grundgereinigt und die beiden nach Hause geholt.