Ich habe keine Freizeit, ich habe Kinder

Das habe ich letztens so sinngemäß bei Twitter gelesen und das ist thematisch so ziemlich bei mir eingeschlagen. Ich meine, dass man als Eltern in der Abendplanung deutlich eingeschränkter ist als ein kinderloses Paar oder gar ein Single – geschenkt. Aber bei uns ist es so, dass wir buchstäblich gar keine freie Zeit mehr haben, seit Nummer 4 auf der Welt ist.

Ich habe letztens in der Brand Eins gehört (Hörmagazin auf der Fahrt zur Arbeit – Zeitoptimierung), dass Deutsche im Schnitt pro Werktag 6,5 Stunden Freizeit haben. Diese Zahl ist zwar utopisch – hoffe ich zumindest – aber wir haben so maximal eine Stunde pro Werktag echte Freizeit. Wenn wir Glück haben. Häufig verwenden wir diese zum Bloggen 🙂

Das Blöde daran ist, dass wir nicht zu den Menschen gehören (wenn es die denn gibt), die ihr eigenes Leben mit der Geburt des ersten Kindes freudig an den Nagel hängen. Wir wollen unser Bett möglichst bald wieder für uns haben, wir verlangen von unseren Kindern, dass sie halbwegs funktionieren und dass sie uns – irgendwann, irgendwo – auch mal unsere Freiräume lassen. Trotzdem reicht es einfach nicht.

Letzte Woche bekam ich nach einem beruflichen Termin in Hamburg eine Push-Nachricht von Wunderlist. „Praxis Dr. Stromprobleme anrufen“. Ich beömmelte mich im Fahrstuhl und erklärte den fragend blickenden Kollegen, dass ich gerade eine lustig autokorrigierte Nachricht aus der To Do-Liste meiner Frau bekommen habe.

„Ich finde es ja eigentlich lustiger, dass Ihr Euch überhaupt per Wunderlist unterhaltet“, meinten sie.
„Manchmal haben wir tagelang so wenig Zeit miteinander zu reden, dass wir uns nur per Kalendereintrag und To Do-Liste unterhalten.“

Mir war die Befremdlichkeit dieses Vorgehens echt nicht klar. Wir wollen unsere paar Minuten am Abend nicht darauf verschwenden, nur Alltags-Organisationsscheiss zu besprechen, also machen wir das so. Aber bei genauerem Nachdenken … hätte ich auch blöd geguckt, wenn man uns das vor zehn Jahren erzählt hatte.

Aber was will man machen? Ärzte, Lehrer, Handwerker und die Arbeit fordern ihren Tribut, die Kinder sollen auch nicht komplett zu kurz kommen, und selber will man ja auch noch irgendwo bleiben.

Laut Freizeitforschern hat Helmut Kohl uns das eingebrockt.

„Zukunft ist wichtiger als Freizeit“, hat der nämlich gesagt.

Damals richtete sich das gegen die 35-Stunden-Woche. Heute ist es wohl eher das Motto der meisten Eltern.

Freizeit macht bekloppt

Eltern sein ist manchmal ein bißchen wie eine Geisteskrankheit. Das habe ich gestern mal wieder gemerkt. Es war ja schließlich Feiertag. Und Feiertag heißt ja schließlich: Schnell überlegen was man alles noch erledigen muss. 

Diesmal wollte ich es ja anders machen und hatte direkt beschlossen dass ich den Garten ignorieren würde. Ich war ja schlau und hatte ehrlich nur einen Punkt auf der Agenda stehen: Morgens direkt nach dem Frühstück trainieren gehen. Um halb elf saß ich im Auto vor dem Fitnessstudio und es ging einfach nicht. Mein ganzer Körper fühlte sich an wie eingeschlafene Füße und ich ließ mich von meinem inneren Schweinehund mit dem Argument überzeugen, dass ich mich hinterher ja auch nicht gut fühle, wenn ich vor lauter Erschöpfung kaum was an Gewichten bewegt kriege. 

Also ließ ich den Motor wieder an und fuhr nach Hause. Und dann ging es los. 

Wie erwähnt: Fester Vorsatz war ja NIX zu machen. Außer trainieren eben. Ich blickte mich um, die Kinder hatten sich im Wohnzimmer eingenistet. Nummer 4 saß auf der großen Couch in der Mencave. Und ich? Hatte plötzlich Zeit.

In diesem Moment fiel mir auf, dass ich echt einen an der Waffel habe. Ich wurde hibbelig, kriegte schlechte Laune und wollte Rasenmähen gehen. Oder doch noch trainieren. Oder mal schnell in die E-Mails schauen. Ich lenkte mich kurzfristig durch einen gewissen Einsatz beim Kochen ab, was meine Nerven etwas beruhigte. 

Die einzige Alternative, die mir schließlich einfiel, war mir Buddy haut den Lukas bei Amazon Instant Video reinzutun. Nummer 1 war schwer begeistert und wollte hinterher direkt noch Mein Name ist Nobody gucken. Davon bekam ich Lust, mal wieder Red Dead Redemption zu spielen und der Tag war rum. Grandios, ne?

Um kurz vor Sechs musste ich nochmal mit mir ringen, um nicht doch noch trainieren zu gehen. Während unserer familiären Retro-Orgie haben wir uns nämlich noch ne Tüte Zettis reingepfiffen und auch unsere Keks-Tardis leergefuttert. Ich war also komplett lethargisch, aber mit Keksen gefüllt. 

Das half dann am Ende auch dabei, doch nicht trainieren zu gehen. 

Warum ich das alles erzähle? Weniger weil ich den tatsächlichen Inhalt meines Tages für mitteilenswert halte als vielmehr wegen dem halben Nervenzusammenbruch, den ich wegen ein paar Stunden Freizeit bekomme. 

Man kriegt echt ne Meise von dieser Rush-Hour des Lebens.

Der Versuch zu shoppen

Am Samstag hatte eine sehr gute Freundin (und mittlerweile auch Patin von Nummer 4) eine Baby Shower-Party organisiert. Nummer 1 bis 3 hatten mehr oder weniger tatkräftig unterstützt – meine Frau musste nix machen (gehört sich ja bei diesem Anlass auch so), aber ich auch nicht. Stattdessen wurden wir für ein paar Stunden aus unserem Haus geworfen.

Tja, was war das nochmal? Ach ja, Freizeit. Tagsüber. Nicht die Art von Freizeit, bei der man sich auf dem Zahnfleisch gegen 21 Uhr auf die Couch schleppt. Sondern einfach übrige Zeit an einem Samstag. Das war fast noch besser als die Party, wobei – wir wussten natürlich zuerst nichts damit anzufangen. Also beschlossen wir, eine Kleinigkeit Essen zu gehen und danach in einem Babygeschäft ein Stofftier für Nummer 4 zu kaufen. Ich habe Nummer 1 bis 3 jeweils zur Geburt eins geschenkt, das sie bis heute besitzen.

Meine Frau war der Meinung, dass man damit sicherlich ein Stündchen verbringen könnte, ehe es zurück nach Hause und zur Party ginge. Aber da hatte sie die Rechnung ohne mich gemacht: Kaum hatten wir den Laden betreten, checkte ich das Angebot ab, entdeckte Edgar, rief: „Den will ich!“ und schon hatte sich das Thema eigentlich erledigt. Na ja, wir haben uns dann noch ein wenig umgesehen.

Das ist Edgar:

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Da ich früher selbst ein Streifenhörnchen hatte, ist ein Eichhörnchen mit Halstuch vermutlich das nächste Äquivalent dazu.