Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Oben im Bild: Auch Eltern können Foodies. Heute: Brechdurchfalldiät der Tochter.

Disclaimer: Das hier ist – im Gegensatz zum verlinkten Originalartikel – natürlich Satire.

Ich arbeite in einer Branche mit vielen kinderlosen Kollegen. Wenn ich mich darüber mit anderen Vätern unterhalte, denken die meist: „Das ist doch super, da kannst Du immer vorschützen, dass die Kinder krank sind und früh nach Hause gehen!“ Weil – so das Klischee – Kinderlose ja sowieso immer bis Ultimo im Büro rumhängen. Ja, das kann man natürlich maaal machen. Aber wenn man es übertreibt, fangen die irgendwann an böse Briefe in der Brigitte zu schreiben.

Was viele dabei außer Acht lassen: Mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten hat auch viele Nachteile. Montagmorgens zum Beispiel schleppt man sich nach einem arbeitsreichen Wochenende übermüdet und entkräftet ins Büro. Die Kinderlosen fragen einen: „Und? Wie war Dein Wochenende?“ und man antwortet: „Och ja, ganz okay …“. Dann erzählen sie davon, wie sie eine Städtetour nach Nizza gemacht, ein neues 8-Sterne-Restaurant ausprobiert oder einfach nur „mal gar nichts gemacht haben“. Dann erinnert man sich durch den Schleier der Müdigkeit, wie man selber das Wochenende verbracht hat: Man ist abends viel zu fertig und früh ins Bett gegangen, nur um morgens trotzdem noch viel zu früh geweckt zu werden. Danach füttert man die Kinder, reinigt den Essbereich mit einem Hochdruckreiniger, der Hochdruckreiniger fällt aus, man googelt nach „Hochdruckreiniger Test“, fährt in den Baumarkt und kauft sich (für das Geld, das man eigentlich in den nächsten „Urlaub“ investieren wollte) einen neuen Hochdruckreiniger. Währenddessen haben die Kinder schon wieder das Haus verwüstet, so dass man den Rest des Tages mit Besen und Müllsack verbringt, bis man schließlich in den Supermarkt startet, um neues Futter für die Meute heranzuschaffen. Abends fällt man völlig erschöpft ins Bett (nicht ohne dass die Kinder sich vorher noch lautstark getritten haben) und nimmt sich vor, am Sonntag mal nichts zu machen. Bis man sieht, dass mittlerweile das Unkraut im Garten die Vorherrschaft an sich gerissen hat und man den kompletten „freien“ Tag mit Machete und Heckenschere im Dschungel verbringt. Zwischendurch – nachdem man wieder zwei Meter freies Blickfeld hat – erkennt man dass das Gartentor schief hängt und die Dachrinne repariert werden müsste. Abends bespricht man mit seiner Frau die Pläne für die nächste Woche (Warum eigentlich? Der Plan ist doch eh immer „von morgens um 7 bis um abends um 9 durchzuackern für Haus, Hof und Kinder) und fällt erneut übermüdet ins Bett.

Aus diesen vielleicht deprimierenden, aber wenigstens bodenständigen Gedanken wird man dann durch Instagram-Fotos aus Nizza herausgerissen. „Und die machen ein Panna Cotta da in diesem kleinen Restaurant – einfach himmlisch …“ Man verkneift sich die Antwort, das man als Dessert immer das isst, was die Kinder auf den Boden werfen – und lächelt so gut man kann. Schließlich will man ja nicht der langweilige Spießer sein, der keinen Spaß mehr hat …

Auch in der Mittagspause kann es wirklich enervierend sein, mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten. Während man als Vater die Investition von 150 Euro im Monat für „an jedem Arbeitstag Essen gehen“ nicht verantworten kann, kennen Kinderlose solche Probleme natürlich nicht und probieren auch in der Mittagspause alle neuen Bistros, Food-Trucks und Lieferservices in Büronähe aus, während man selber Getuppertes futtert. Am Schreibtisch, damit man abends schneller nach Hause kommt.

Apropos Abend – auch das ist natürlich ein Problem. Wie oft wird man gefragt „Kommst Du heute noch mit?“ und die Antwort lautet – natürlich – nein, weil man zuhause gebraucht wird. Wenn Kinderlose abends unterwegs sind, lassen sie die Sau raus – für Eltern sind das Überstunden. Sich betrinken kann man eh nicht, weil man aus der Stadt raus ins „Grüne“ pendelt (Unkraut!!!), was natürlich nur mit dem Auto geht. Während die Kollegen also tolle Fotos von irgendwelchen Events posten, wischt man zuhause den kranken Kindern hinterher und fragt sich, ob man irgendwann auch mal Spaß hatte.

Auch in den sozialen Medien machen sie einen fertig. Dauernd Fotos von irgendwelchen „geilen Konzerten“, während man sich mühevoll alle vier Wochen mal ein harmonisches Familienfoto zusammenkratzt, damit einem das eigene Leben nicht völlig außer Kontrolle vorkommt. Dauernd neue Freunde, während man seine bestehenden nicht mal treffen kann, weil die Kinder permanent krank sind. Dauernd neue Designermöbel und -klamotten, während man selber nur auf Ikea (preiswert und kratzfest) und H&M setzt (mit praktischer Teilzahlungsfunktion, wenn mal wieder alle Kinder gleichzeitig neue Sommerklamotten brauchen).

Es ist wirklich deprimierend. Ich will das alles gar nicht wissen. Manchmal frage ich mich, warum es eigentlich keine Spezialarbeitsplätze für Kinderlose gibt, wo sie sich gegenseitig mit ihren Freizeitvergnügungen und Konsumfreuden beharken können, anstatt hart arbeitenden Vätern wie mir damit die Laune zu versauen.

Warum die Politik in Deutschland eine höhere Geburtenrate verhindert – statt sie zu ermöglichen

Muss von 2400 Euro im Jahr leben: Nummer 4.

Muss von 2400 Euro im Jahr leben: Nummer 4.

Als ich mich das letzte Mal mit dem Thema Brutto- und Nettogehalt beschäftigt habe, fiel mir etwas auf: Unsere (damals drei, mittlerweile vier) Kinder wirken sich irgendwie so gar nicht nennenswert auf unsere Steuerlast aus. Als ich letztens in der Brand Eins gehört habe, dass auch bei Alleinerziehenden die Kinderzahl quasi keinen steuerlichen Unterschied macht, erwähnte ich das abends im Gespräch mit meiner Frau.

„Ist das denn bekannt?“ meinte sie. „Ich meine, das ist doch ziemlicher Mist …“

Was soll ich sagen? Das ist ziemlicher Mist, und daher habe ich mir noch mal die Zeit genommen und die ganze Kiste durchgerechnet. Schließlich will ich hier ja keinen Mist in den Blog schreiben. Folgendes kam bei einem führenden Gehaltsrechner raus:

  • Wenn wir verheiratet wären und keine Kinder hätten, würden wir im Monat 50 Euro weniger netto rausbekommen. Wahnsinn, oder? Ich meine, 50 Euro. Das reicht ja beinahe für das Mensa-Essen, das Nummer 1 und 2 einmal die Woche brauchen, weil sie lange Schule haben. 
  • Wenn ich hingegen alleinstehend wäre, liegen wir eher bei 600 Euro weniger monatlich (gegenüber Ehegattensplitting/ gemeinsamer Veranlagung). Vier Kinder machen aber auch in diesem Fall nur 50 Euro Unterschied aus. Bitte lasst Euch das auf der Zunge zergehen: Ein alleinstehender Single vs. ein Alleinerziehender mit vier Kindern: 50 Euro im Monat. Puh.

Zu diesem Unterschied beim Netto-Einkommen kommt natürlich noch das (mitunter ja auch in der Kritik stehende) umfangreiche Kindergeld von 154 Euro oder mehr im Monat. Ich fasse das mal vereinfacht zusammen: Der deutsche Staat ist also der Meinung, dass das Existenzminimum eines Kindes mit rund 1900 Euro (bzw. beim vierten Kind knapp 2400 Euro) im Jahr abgedeckt ist. Beziehungsweise nein, nicht abgedeckt, aber die restlichen Kosten sind nicht subventionierungsfähig. Weil: Kinder sind ja Privatvergnügen. Aber, hm, heult uns die Politik nicht dauernd die Ohren voll dass wir Deutsche zu wenig davon bekommen? Irgendwie kein Wunder, wenn man sich diese zum Himmel stinkende steuerliche Berücksichtigung anschaut. Rein ökonomisch möchte der Staat folgendes von jungen Menschen, die darüber nachdenken Eltern zu werden:

Hey, bitte setzt doch ein paar Nachkommen in die Welt, am besten 2,1 oder mehr, damit es mich auch in Zukunft noch gibt. Ich zahle Euch auch für 12 Monate ein halbwegs ordentliches Elterngeld, danach könnt ihr dann erstmal gucken, wie ihr klarkommt. Aber das wollt Ihr ja sicher auch. Wenn Ihr wirklich mehr als zwei Kinder bekommt wird einer von Euch beiden vielleicht … beruflich ein wenig Zurückstecken müssen. Also weniger Geld verdienen, meine ich. Aber das macht ja nix, die höheren Kosten für fünf Personen gleiche ich dann durch Steuererleichterungen aus. 1900 Euro pro Kopf und Jahr reichen doch, oder? Ach ja, dafür dass ich ab und zu auf Eure Kinder aufpasse – damit Ihr arbeiten gehen könnt und Steuern bezahlen – würde ich dann gerne noch einen kleinen Obulus in Rechnung stellen. Wir wollen ja nicht, dass sich jemand ungerecht behandelt fühlt, weil er diese Kosten für Euch übernehmen muss, oder? Ihr wisst ja, ich hätte diese 2,1 Kinder wirklich gerne von Euch, aber im Endeffekt ist das natürlich Euer Privatvergnügen.“

Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittliches Kind diesem Staat im Laufe seines Lebens 50.000 Euro Plus einbringt (die er dann verwenden kann, um mit der linken Hand wegzunehmen und mit der rechten Hand zu unterstützen), ist das geradezu eine Beleidigung. Im Ernst: Rein ökonomisch gesehen begünstigt der deutsche Staat genau zwei Lebensmodelle – die kinderlose Doppelverdiener-Ehe sowie die kinderlose Alleinverdiener-Ehe. Alles andere ist Privatvergnügen. 

Ich bin übrigens noch nicht am Ende – komme gerade erst in Fahrt bei diesem Rant. 🙂

Viele Familien haben heute das Problem, dass sie einen Lebensstil, der sich annähernd nach „Mittelschicht“ anfühlt, nur dann finanzieren können, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind. Das ist sehr schön für Papa Staat, weil dann für ein Kind drei Erwachsene Steuern zahlen müssen:

  1. Elter Nummer 1, arbeitet Vollzeit und zahlt quasi kinderunabhängig Steuern abzüglich den üppigen 1900 Euro Kinderpauschale per annum.
  2. Elter Nummer 2, arbeitet nur Teilzeit und zahlt trotzdem recht ordentlich bedingt durch eine schlechte Steuerklasse. Eigentlich noch mehr, da die Infrastrukturkosten für eine staatliche Kinderbetreuung ja indirekt aus diesem Gehalt bezahlt werden (Steuern plus Elternanteil für Betreuung).
  3. (Mindestens eine) Betreuungsperson: Übernimmt auf Kosten der Allgemeinheit mit Privatvergnügenzuschlag seitens der Eltern die Betreuung der Kinder. Zahlt Steuern und gibt seine Kinder zu anderen Betreuungspersonen, die ebenfalls Steuern zahlen.

Aus dem altmodischen Haushalt mit Hausfrau und Mutter wird so deutlich mehr Steuerlast „herausgequetscht“ – optimal, oder?

(Ich möchte an dieser Stelle kurz betonen, dass ich die klassische Mutterrolle keineswegs idealisiere und einer intelligenten Frau langfristig nicht empfehlen würde, allein darauf zu setzen, nur damit klar ist dass ich nicht heimlich irgendwen an den Herd argumentieren möchte)

Ich habe übrigens (wieder in der Brand Eins) gelesen, dass die Steuerreform in Deutschland ein Dauerprojekt ist, weil „die Politik“ gar nicht vereinfachen will.

Auch die Finanzbeamten fordern seit Jahren erfolglos Vereinfachungen und damit mehr Gerechtigkeit. Diese Forderung richtet sich an denjenigen, der nicht mit im Boot sitzt: den Staat. Der lässt rudern.

Ist ja auch logisch – es gibt wohl keine intelligentere Methode sich bei den Menschen beliebt zu machen, als ihnen zuerst das Geld wegzunehmen und es ihnen dann teilweise großmütig wiederzugeben – wenn sie brav sind. Aber das nur am Rande. Mir fällt jedenfalls immer auf, dass es bei der Familienpolitik hier in Deutschland überhaupt kein Wunder ist, dass Kinder aus der Mode gekommen sind. Ich weiß natürlich, dass man junge Paare nicht einfach bezahlen kann, damit sie Eltern werden – solche direkten Geschenke funktionieren auch nur bedingt – aber man könnte wenigstens schauen, dass die Opportunitätskosten nicht so durch die Decke gehen, wie sie es hier in vielen Fällen tun. Eltern müssen (teilweise erhebliche) Elternbeiträge für die Betreuung ihrer Kinder zahlen, sie müssen von weniger Geld mehr Miete bezahlen, wenn sie nicht in B-Lage wohnen wollen, sie brauchen mehr Platz, größere Autos, Klassenfahrten und vieles mehr – und kriegen pro Kind 1900 Euro im Jahr von ihrem eigenen Geld zurück. Schön blöd, wer sich auf diesen Deal einlässt. Oder? 😉

P.S. Hausaufgabe: Schnappt Euch doch mal so einen Brutto-Netto-Rechner und schaut ob wir ein Sonderfall sind. Würde mich wirklich interessieren. 🙂

Ein teures Jahr

Nummer 4 ist bald ein Jahr alt. Nach dieser Frist wird man ja nicht mehr mit Elterngeld bedacht, weshalb meine Frau und ich uns jetzt häufiger über ihren Wiedereinstieg in den Job unterhalten haben. Wie Ihr ja möglicherweise wisst, hat sie jetzt viele Jahre als Texterin gearbeitet und wird jetzt aber vorerst nicht wieder dort einsteigen, sondern sich neuen Projekten widmen (dazu bei Gelegenheit hier sicher mehr).

Jedenfalls hat so was ja auch einen finanziellen Aspekt, und so kam es, dass wir uns ein bißchen mehr als üblich über Geld unterhalten haben. Unter anderem auch deshalb, weil wir eine ganze Reihe von Projekten und Anschaffungen irgendwie immer noch vor uns herschieben …

In diesem Kontext habe ich dann auch mal überschlagen, welche tollen Sonderanschaffungen uns in diesem Jahr so überrascht haben (zusätzlich zu einem ohnehin schon nicht gerade kostengünstigen Leben zu sechst):

– 3.000 Euro Rechtsanwalts- und Gerichtskosten, weil wir den (zensiert) Vorbesitzer unseres Hauses zur Rechenschaft ziehen müssen

– 2.000 Euro, um unsere (nicht mal vier Jahre alte!) Familienkutsche über den TÜV zu bringen, nachdem ein Brems- und Ausweichmanöver, mit dem ich einer älteren lebensmüden Dame vermutlich das Leben gerettet habe, uns Achse und Reifen demoliert hat

– 1.500 Euro für Verschleiss und Reparaturen am Roadster (normale Inspektionskosten und so nicht mitgerechnet) plus 1.000 Euro für einen neuen Turbolader (den ich aber erst noch anschaffen muss)

– 900 Euro, um den draufgängerischen K1 wieder zusammenzuflicken

– 400 Euro Stromnachzahlung, obwohl (!) ich den Abschlag schon ekelhaft hoch gelassen hatte – unsere Mädels verfolgen eine strikte „jeder Raum im Haus muss rund um die Uhr beleuchtet sein“-Politik, die sich in einem beänstigend hohen Verbrauch niederschlägt

Das war noch nicht alles, aber immerhin sind das die höheren Einzelbeträge. Ungefähr alles, was in diesem Jahr so angefallen ist, war irgendwie deutlich bis überdeutlich teurer als erwartet. Nur die Steuerrückzahlung hat uns mit einer niedrigen Zahl überrascht …

Und da wundere ich mich, dass irgendwie immer noch nicht so richtig was über ist. Ihr kennt ja schon mein Lieblingszitat:

„The things you own, they end up owning you.“

Ein paar Gedanken zu Kindern und Karriere …

Das Thema der Woche ist ja irgendwie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Als halbwegs Unbeteiligter zum Thema möchte ich auch einmal ein paar Gedanken teilen (Vollzeit-Berufstätige männlichen Geschlechts sind in der Debatte ja bis dato noch etwas leise).

Ich finde es sehr gut, dass die aktuelle politische Linie (beide Elternteile sollen am besten Vollzeit berufstätig sein, einschließlich der entsprechenden ideologischen Abwertung der Erziehungsarbeit) einmal öffentlich hinterfragt und aufgebrochen wird. Ich weiß nicht genau, ob ich es hier schon mal erwähnt habe, aber ich halte ja die Notwendigkeit der möglichst baldigen Rückkehr in den Beruf für einem der wichtigsten Gründe, warum Familien heute nur ein oder zwei Kinder bekommen. Schnell wieder zurück, und dann sofort wieder raus? Na das wird dem Chef aber nicht gefallen …

Für Frauen gibt es jedoch keine wirklich legitime Alternative, da entweder die (mindestens gefühlte oder reale) wirtschaftliche Notwendigkeit sowie Peer Pressure das Dasein als Mutter vergleichsweise unattraktiv machen.

Außerdem finde ich, dass die aktuelle gesellschaftliche Fixierung auf Karriere und materiellen Status irgendwo auch überschätzt wird. Und das sage ich als jemand, der diese Anforderungen irgendwo doch selbst ein wenig erfüllt. Wenn ich mir meine ehemaligen Schulkameraden und Kindheitsfreunde anschaue, so gibt es doch einige, die in den letzten Jahren sicherlich etwas weniger Energie in das Pushen ihrer Karriere investiert haben als ich. Dementsprechend erfülle ich das Klischee des „erfolgreichen Berufslebens“ deutlicher als diese. Aber: diese Menschen haben Hobbies und sehen ihre Freunde! Mein Leben ist mit Familie, Haus und Job sowie noch der Beziehungspflege mit meiner Frau komplett voll (eigentlich überfüllt). Sollten wir uns jetzt besser noch einen Vollzeitjob in unser Leben „quetschen“?

Wenn es aber keine zwei Vollzeitjobs gibt in einer Beziehung, dann ist es vollkommen klar, das einer der Partner beruflich zurückstecken muss. Ich finde ja auch so Modelle wie „sich zu zweit einen Vollzeitjob teilen“ sehr schön. Aber selbst das, das muss klar sein, ist eine Karriereeinschränkung – was nicht einmal diskriminierend ist. Vielmehr wäre es diskriminierend zu einer vergleichbar erfahrenen Vollzeitkraft zu sagen:

„Die Fähigkeiten und die Erfahrung, die Du Dir in XY Berufsjahren erarbeitet hast, kann man sich eigentlich auch in der Hälfte der Zeit erwerben!“

Das gilt natürlich nur für qualifizierte Knowledge Worker, aber um die geht es ja auch. Denn vornehmlich die haben ja heute die echten Aufstiegschancen, die man gemeinhin als Karriere bezeichnet …

Also, auch die Teilzeit-Managerin oder der Teilzeit-Manager werden vermutlich nicht die gleichen beruflichen Entwicklungen durchmachen wie ihr Vollzeit-Partner.

Ich glaube übrigens gar nicht, dass der durchschnittliche mittlere Angestellte in Deutschland unbedingt immer weiterkommen will auf der Karriereleiter. Manche schon – klar – aber Otto Normalverbraucher will vermutlich eigentlich nur mehr Geld. 🙂 Und hier sieht man am Ende wo aus meiner Sicht der Hase im Pfeffer liegt: Vielen Familienplänen steht vor allem die Tatsache im Weg, dass man plötzlich mit dem Gehalt von 1 bis 1,5 Arbeitsstellen auskommen muss, während die Kosten wachsen. Da kann man noch so sehr argumentieren, dass Kinder ja Privatvergnügen sind – ein Staat, der die Zahl der Kinder steigern möchte, müsste hier zugunsten von Familien viel deutlicher eingreifen.

Das sage ich jetzt weniger für uns – wir leisten uns ja ohnehin den Luxus, vier Kinder zu haben. Aber solange man als junge Eltern den zahlreichen Vergnügungen der DINK-Freunde nur mit tapferem Lächeln hinterher blicken kann, weil die Entscheidung für eine Familie wenigstens aus materieller Sicht in Deutschland immer falsch ist, so lange werden doch die familienpolitischen Ziele der Regierung eigentlich nicht erfüllt.

Am Ende geht es doch häufig um die Kohle, nicht um die Karriere.

Breaking News: Kinder kosten Geld

Heute war in mehreren Leitmedien zu lesen, dass deutsche Eltern immer mehr Geld für ihre Kinder ausgeben. Durchschnittlich 584 Euro im Monat pro Kind. Allerdings einschließlich erhöhter Kosten für Wohnung, Energie und so. Interessant ist an diesen Artikeln eigentlich nur sie Tatsache, dass zwanghaft eine News daraus kreiert wird. Plötzlich ist es erstaunlich, dass Eltern mehr Geld für Kinder ausgeben, wenn sie nur ein Kind haben, die Kinder älter sind oder sie selbst wohlhabend sind.

Wow – Überraschung. Wer mehr Geld hat gibt auch mehr aus. Und teilweise eben für die Kinder. Ich glaube die 6,5 Prozent Zuwachs sind allein der direkten und schleichenden Inflation geschuldet (ohne das jetzt nachgerechnet zu haben). Aber zwei Dinge fielen mir immerhin auf:

a) das Geheule einiger (vermutlich) Kinderloser in den Kommentaren, dass man von dieser Rechnung ja noch das übermäßig hohe Kindergeld abziehen müsste (weil sie die blöden Familien ja soooo sehr subventionieren würden)
b) die Erkenntnis das man sich den Spaß erstmal leisten können muss – 1800 Euro für beispielsweise drei Kinder muss man ja auch erstmal haben

Irgendwie gehen diese beiden Punkte ziemlich weit auseinander – warum können sich denn nur wohlhabende viele Kinder leisten, wenn die Kinderlosen eigentlich doch alles bezahlen? 🙂

Na ja, insgesamt eine eher langweilige Story aus dem PR-Hirn des Statistischen Bundesamtes. So langweilig, dass ich fast nicht darüber gebloggt hätte.