„Wie hast Du das nur ausgehalten?“

Meine Frau hat Nummer 4 ja im Krankenhaus bekommen. Nachdem wir Geburtshaus und Hausgeburt schon durchhatten, erschien das unserem durch Schicksalsschläge und Alterserscheinungen gesteigerten Sicherheitsbedürfnis nur angemessen. Rund um die Geburt war das auch eine sehr gute Entscheidung. Nur als man uns hinterher mitteilte, dass sie nach der Geburt am besten vier Tage dableiben sollte, waren wir ein wenig … unterrascht. Aber gut, hat ja auch seine Vorteile:

  • Dreimal Essen am Tag (okay, das gibt´s im Knast auch)
  • Rund-um-die-Uhr-Betreuung (hm, gibt es im Knast auch …)
  • Großzügige Besuchszeiten (ja, deutlich besser als im Knast!)
  • Es gibt einen Fernseher (okay, der kostet drei Euro am Tag und läuft nur mit Kopfhörern – keine Ahnung wie das im Knast so ist)

Und so weiter. Trotzdem sagte ich meinem Vater schon an Tag 1, dass sie das nicht so lange aushalten wird. So kam es auch, dass ich am Tag direkt nach der Geburt, während ich kurz aus organisatorischen Gründen unterwegs war, zur Mittagszeit eine SMS bekam:

Das Essen sieht aus wie etwas, das Martha Stewart fotografiert hat.

Einen Tag später war sie ziemlich übernächtigt, weil Nummer 4 nachts immer richtig schön aufdrehte und man in der Stillzeit als Mutter da ziemlich unverzichtbar ist. Tagsüber hatte man einmal pro Stunde (mindestens!) Besuch von einer freundlichen Dame, die die Müllbeutel im Zimmer wechselte. Da ist es mit dem Schlafen also auch nicht weit her. Wir – ich hatte noch mit im Familienzimmer geschlafen – überlegten, ob wir uns einen Tag fernsehen gönnen sollten. „Da läuft doch eh nur Mist“, meinte meine Frau, mittlerweile sichtlich enerviert. „Ich will hier weg, wie hast Du das nur ausgehalten?“

Ich habe die deutlich größere Krankenhauserfahrung von uns beiden, das ist klar.

„Krankenhaus ist Mist,“ antwortete ich. „Wenn man nicht laufen kann oder sonst stirbt ist das schon okay, aber so lange man noch kriechen kann wird man versuchen zu fliehen.“

So kam es dann auch – da es keine wichtigen medizinischen Gründe für einen längeren Aufenthalt gab, habe ich schnell (*hüstel* zwei Stunden lang *hüstel*) das Auto grundgereinigt und die beiden nach Hause geholt.

Konsumhorror

Was mich am Elternsein mitunter wirklich nervt sind die Einblicke, die man durch die Kinder zwangsläufig in andere Familien bekommt. Das kann banal sein („Alle anderen Kinder in meiner Klasse haben einen eigenen Fernseher im Zimmer!“) oder auch ein wenig … schwierig („Der Moritz bekommt immer erst um zwei Uhr was zu essen und seine Mutter schläft nur“). Allen diesen Erkenntnissen ist gemein, dass man in soziale „Auseinandersetzungen“ kommt, in die ich eigentlich gar nicht will. Wobei ich nur die inneren meine, bis wir uns irgendwo einmischen muss schon etwas geschehen.

Die sehen bei mir so aus: Kaufen wir unseren Kindern nur keinen Fernseher weil wir zu geizig sind? Macht uns das irgendwie zu Medienpädagogik-Nazis? Ich hatte ja schon mal erwähnt dass ich eigentlich nicht gerne dogmatisch bin. Klar denke ich dass es Sinn macht keine sechs Fernseher im Haus zu haben. Aber irgendwie will ich auch nicht, dass die Mädels sich zurückgesetzt fühlen. Wobei das natürlich kein Grund ist, einen Fernseher zu kaufen. Weshalb sich der Konflikt irgendwie nie auflöst.

Ich muss ehrlich zugeben, dass mich als Hauptverdiener (und damit irgendwie Hauptverantwortlichem für die Höhe des Familieneinkommens) solche Konsumentscheidungen immer wieder beschäftigen. Es gibt heute so viele sagen wir mal „konsumverwöhnte“ Einzelkinder, dass irgendwo immer jemand schon den neuesten Scheiss hat. Zwar definiere ich mich nicht so sehr über’s „haben“ (denn ich weiß: alles was Du hast, hat irgendwie auch Dich), aber mir ist es schon wichtig dass die Kinder das Gefühl haben, dass es ihnen wirtschaftlich gut geht. Neben den Einzelkindern mit eigenem iPad, einem neueren iPhone als ich, sämtlichen Schleich-Elfen und einem vergoldeten und mit Swarovski-Steinen besetzen motorisierten Hochbett mit Wasserrutsche gibt es auch noch die zu kurz gekommenen, die sich all ihren Besitz mehr oder weniger zusammenfantasieren („Das hab ich auch, und zwar mit Flügeln!“). Und deshalb auch dauernd von ihrer Habe erzählen.

Dementsprechend war ich heute auch sehr angenehm überrascht über Nummer 2. Die kam nämlich aus der Schule und krönte meinen Konsumhorror mit einem neuen Höhepunkt: „Der Florian hat einen eigenen Beamer in seinem Zimmer.“ Woah, dachte ich, wenn die Kinder heute schon Beamer haben, müssen meine Mädels dann nicht vielleicht doch mindestens einen 42-Zoll-Fernseher haben? Nummer 2 fuhr fort: „Der hat sowieso total viel Elektronikscheiss in seinem Zimmer. Ich finde das ein bißchen komisch. Ich glaube das braucht man gar nicht. Aber der ist trotzdem nett.“