Der 5-Sterne-Fan

Vor einer Weile hat Nummer 3 gerne auf Watchever Trickfilmserien geguckt, wenn sie aus der Schule nach Hause gekommen war. Jeden Tag durfte sie so ein bisschen abschalten, bis die Schwestern nach Hause kamen. Ich habe währenddessen gekocht.

Irgendwann habe ich ihr vorgeschlagen, die Serien zu bewerten. Da gab es dann fünf anklickbare Sterne.

Zuerst erklärte ich ihr, wie man etwas Gesehenes beurteilt.

„Nummer 3, man guckt sich das an und überlegt dann: Was hat mir gut gefallen? Was war nicht so gut? Und am Ende schaut man, wie viele Sterne die Serie verdient hat. Ich zum Beispiel finde Die-und-die-Serie ziemlich gut, aber manche Folgen sind etwas lahm gemacht. Und daher gebe ich der drei Sterne. Was also findest du sollte diese Serie bekommen?“

Sie: „5 Sterne.“

Ich: Bist du sicher? Ist das so gut, dass es dich total begeistert, du eigentlich keine Kritik hast und kaum etwas Besseres kennst?“

Sie: „Ja. 5 Sterne, weil ich guck‘ das gerne.“

Ich: „Es geht nicht darum, ob du das gern guckst, sondern ob es alles in allem eine gute Qualität hat. Also ob es gut gemacht ist.“

Sie wurde langsam ungehalten: „5 Sterne! Ich guck‘ das gerne!“

Ich dachte mir, es sei eben nicht ganz so einfach für ein Kind, differenzierte Kritik zu üben und klickte auf die fünf Sterne. Nummer 3 seufzte zufrieden. Ich übergab ihr das iPad zum weiterschauen und ging in die Küche.

Ein paar Wochen später riefen mein Mann und ich Watchever auf. Er guckte durch das Angebot und meinte dann irgendwann:

„Das ist ja ein Ding! Dora the Explorer, Diego, Emily Erdbeer und Mein kleines Pony haben ja gute Bewertungen hier. Alle fünf Sterne. Die Serien haben aber begeisterte Fans.“

Ich (lachend): „Zumindest einen …

Catwalk

Gestern Abend sprachen wir mit Nummer 1 und 2 darüber, für was sich ihre Freundinnen so interessieren. Unter anderem kam da auch das Thema Fernsehsendungen auf. Meine Frau fragte, ob die auch „Angelo in der Calzone“ gucken würden (unser familieninternes Codewort für eine Sendung – schwer zu erraten).

Die Mädels meinten, Germany´s Next Topmodel wäre momentan sehr populär. Meine Frau und ich warfen uns einen kritischen Blick zu. GNTM ist einerseits pädagogisch fragwürdig für 10- und 11-jährige Mädels (Konzept: Seht her ich bin ja so hübsch – und bin bereit ALLES für Eure Aufmerksamkeit zu tun!). Andererseits kann ich die Sendung spätestens seit der genialen Switch-Parodie nicht einmal mehr angucken, ohne mich totzulachen 🙂

Wir sahen uns daher gezwungen pädagogisch einzugreifen.

Meine Frau: „Germany´s Next Topmodel ist doch Hirnmüll – das Fernsehäquivalent einer Katzenschau. Die laufen da alle rum, lassen sich bewerten, und am Ende wird die Hübscheste von der Jury gewählt. Genau wie bei Katzen.“

Kurzes Schweigen. Dann Nummer 1: „Deswegen heißt es wohl auch Catwalk.“