Mama, Mama, Kind – Warum die konservativen Argumente gegen die „Homo-Ehe“ komplett ins Leere gehen

Stehen auf Rothaarige: Nummer 3s Animator-Puppen

Stehen auf Rothaarige: Nummer 3s Animator-Puppen

Ich bin mittlerweile weiß Gott ein konservativer Mensch. Das hat mit meiner Rolle als Familienvater zu tun, aber auch mit meiner Partizipation am Wirtschaftssystem und dem gewöhnlichen Reifungsprozess der menschlichen Einsichten über die unterschiedlichen Lebensalter hinweg. Ich bin so konservativ, dass ich noch immer mit der gleichen Frau verheiratet bin. Sie ist katholisch und wir haben vier Kinder (für alle, die es noch nicht wissen). Die auch katholisch getauft sind. Ich verbringe meine Samstage im Garten und mähe den Rasen und ärgere mich, wenn der Nachbar mal wieder blöd an meinem Grundstück parkt. Wenn ich politische Kinderlieder aus den Siebzigern höre denke ich „Oh wie niedlich, dieser Kommunisten-Hippie-Scheiss!“ Ich drohe meinen Töchtern, ihre ersten (männlichen) Freunde in unserem Wasserbassin im Garten zu entsorgen. Ich wasche mein Auto und poliere dabei die Felgen.

Was meine konservativen „Brüder im Geiste“ jetzt aber wieder zur Homo-Ehe vermelden fällt mir wirklich schwer zu unterstützen. „Fortschritt braucht Vater, Mutter, Kinder„, heißt es beispielsweise aktuell in der FAZ. Ich meine, wem wird noch einmal etwas weggenommen, wenn gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte haben wie „normale“ Paare? Was kann ich mir nochmal davon kaufen, wenn die „Homos“ sich nur „eingetragene Lebenspartner“ nennen dürfen? Inwiefern schützt das meine Ehe?

„Hm, wir haben schwere Eheprobleme und würden uns eigentlich scheiden lassen, aber weil wir ja Eheleute sind und nicht nur eingetragene Lebenspartner überdenken wir das nochmal?“

„Oh, ich habe ein Aggressionsproblem und würde jetzt eigentlich zünftig meine Frau und die Blagen verwämsen, aber weil ich ja ein Ehemann bin und nicht nur so ein komischer schwuler Lebenspartner lasse ich das lieber mal sein?“

Wenn man immer über die Sonderrolle der Hetero-Ehe schwadroniert und den besonderen Schutz der Familie kann es doch am Ende nur um eins gehen: die steuerliche Bevorzugung von Ehepaaren. Und die ist doch in der aktuellen Gesellschaft totaler Blödsinn! Der Staat ist es noch gewohnt – aus Zeiten, in denen Ehen quasi immer Kinder hervorbrachten – dass die Ehe ihm als Gegenleistung für ein paar Vorteile neue Mitglieder liefert. Das können Homo-Ehepaare alleine so nicht – klar. Aber genug Hetero-Paare tun es doch auch nicht mehr! Also kann es nur eine logische und gerechte Lösung geben: Ehegattensplitting abschaffen und Familiensplitting einführen. Dann genießen gleichgeschlechtliche Paare, die sich die Mühe machen, Kinder großzuziehen, zu Recht (!) die gleichen Vorteile wie Hetero-Paare, die das tun. Wir belohnen Ehepartner doch nicht für die theoretische Fähigkeit, Kinder zu bekommen – wenn wir eine finanzielle Sonderstellung begründen dann doch wohl nur als Ausgleich für die Mühe und die Einbußen, die Kinder nun mal so mit sich bringen.

Klar brauchen wir Frauen, die bereit sind, diese Kinder auch zu bekommen. Aber ganz im Ernst – welche heterosexuelle Frau wird denn ihren eigenen Kinderwunsch davon abhängig machen, dass sie eine Sonderstellung gegenüber homosexuellen Eltern hat? Es verfängt leider überhaupt nicht zu unterstellen, dass heterosexuelle Ehepartner hier einen besonderen Schutz benötigen. Natürlich gibt es sehr viele Bereiche, in denen eine familienfreundliche Familienpolitik, ein Schutzraum für die Familie, dringend notwendig wäre – Betreuungsplätze, echte Wahlfreiheit, vernünftige Anerkennung der Familienarbeit, you name it. Aber all diese Punkte werden doch nicht besser, wenn ich aus einer verbrämten Ideologie heraus ein paar schwulen und lesbischen Paaren mit einem saftigen „Du kommst hier ned rein!“ die Tür vor der Nase zuschlage.

P.S. Der Stern hat hier nochmal die Unterschiede zusammengestellt. Das Ehegattensplitting ist nicht mal mehr ein Unterschied, man kann also höchstens eine ungerechtfertigte steuerliche Bevorzugung kinderloser Ehepaare/ Lebenspartner gegenüber Familien monieren. Aber das hat ja mit der sexuellen Ausrichtung zu tun – und ließe sich per Familiensplitting ebenfalls lösen.

Warum die Politik in Deutschland eine höhere Geburtenrate verhindert – statt sie zu ermöglichen

Muss von 2400 Euro im Jahr leben: Nummer 4.

Muss von 2400 Euro im Jahr leben: Nummer 4.

Als ich mich das letzte Mal mit dem Thema Brutto- und Nettogehalt beschäftigt habe, fiel mir etwas auf: Unsere (damals drei, mittlerweile vier) Kinder wirken sich irgendwie so gar nicht nennenswert auf unsere Steuerlast aus. Als ich letztens in der Brand Eins gehört habe, dass auch bei Alleinerziehenden die Kinderzahl quasi keinen steuerlichen Unterschied macht, erwähnte ich das abends im Gespräch mit meiner Frau.

„Ist das denn bekannt?“ meinte sie. „Ich meine, das ist doch ziemlicher Mist …“

Was soll ich sagen? Das ist ziemlicher Mist, und daher habe ich mir noch mal die Zeit genommen und die ganze Kiste durchgerechnet. Schließlich will ich hier ja keinen Mist in den Blog schreiben. Folgendes kam bei einem führenden Gehaltsrechner raus:

  • Wenn wir verheiratet wären und keine Kinder hätten, würden wir im Monat 50 Euro weniger netto rausbekommen. Wahnsinn, oder? Ich meine, 50 Euro. Das reicht ja beinahe für das Mensa-Essen, das Nummer 1 und 2 einmal die Woche brauchen, weil sie lange Schule haben. 
  • Wenn ich hingegen alleinstehend wäre, liegen wir eher bei 600 Euro weniger monatlich (gegenüber Ehegattensplitting/ gemeinsamer Veranlagung). Vier Kinder machen aber auch in diesem Fall nur 50 Euro Unterschied aus. Bitte lasst Euch das auf der Zunge zergehen: Ein alleinstehender Single vs. ein Alleinerziehender mit vier Kindern: 50 Euro im Monat. Puh.

Zu diesem Unterschied beim Netto-Einkommen kommt natürlich noch das (mitunter ja auch in der Kritik stehende) umfangreiche Kindergeld von 154 Euro oder mehr im Monat. Ich fasse das mal vereinfacht zusammen: Der deutsche Staat ist also der Meinung, dass das Existenzminimum eines Kindes mit rund 1900 Euro (bzw. beim vierten Kind knapp 2400 Euro) im Jahr abgedeckt ist. Beziehungsweise nein, nicht abgedeckt, aber die restlichen Kosten sind nicht subventionierungsfähig. Weil: Kinder sind ja Privatvergnügen. Aber, hm, heult uns die Politik nicht dauernd die Ohren voll dass wir Deutsche zu wenig davon bekommen? Irgendwie kein Wunder, wenn man sich diese zum Himmel stinkende steuerliche Berücksichtigung anschaut. Rein ökonomisch möchte der Staat folgendes von jungen Menschen, die darüber nachdenken Eltern zu werden:

Hey, bitte setzt doch ein paar Nachkommen in die Welt, am besten 2,1 oder mehr, damit es mich auch in Zukunft noch gibt. Ich zahle Euch auch für 12 Monate ein halbwegs ordentliches Elterngeld, danach könnt ihr dann erstmal gucken, wie ihr klarkommt. Aber das wollt Ihr ja sicher auch. Wenn Ihr wirklich mehr als zwei Kinder bekommt wird einer von Euch beiden vielleicht … beruflich ein wenig Zurückstecken müssen. Also weniger Geld verdienen, meine ich. Aber das macht ja nix, die höheren Kosten für fünf Personen gleiche ich dann durch Steuererleichterungen aus. 1900 Euro pro Kopf und Jahr reichen doch, oder? Ach ja, dafür dass ich ab und zu auf Eure Kinder aufpasse – damit Ihr arbeiten gehen könnt und Steuern bezahlen – würde ich dann gerne noch einen kleinen Obulus in Rechnung stellen. Wir wollen ja nicht, dass sich jemand ungerecht behandelt fühlt, weil er diese Kosten für Euch übernehmen muss, oder? Ihr wisst ja, ich hätte diese 2,1 Kinder wirklich gerne von Euch, aber im Endeffekt ist das natürlich Euer Privatvergnügen.“

Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittliches Kind diesem Staat im Laufe seines Lebens 50.000 Euro Plus einbringt (die er dann verwenden kann, um mit der linken Hand wegzunehmen und mit der rechten Hand zu unterstützen), ist das geradezu eine Beleidigung. Im Ernst: Rein ökonomisch gesehen begünstigt der deutsche Staat genau zwei Lebensmodelle – die kinderlose Doppelverdiener-Ehe sowie die kinderlose Alleinverdiener-Ehe. Alles andere ist Privatvergnügen. 

Ich bin übrigens noch nicht am Ende – komme gerade erst in Fahrt bei diesem Rant. 🙂

Viele Familien haben heute das Problem, dass sie einen Lebensstil, der sich annähernd nach „Mittelschicht“ anfühlt, nur dann finanzieren können, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind. Das ist sehr schön für Papa Staat, weil dann für ein Kind drei Erwachsene Steuern zahlen müssen:

  1. Elter Nummer 1, arbeitet Vollzeit und zahlt quasi kinderunabhängig Steuern abzüglich den üppigen 1900 Euro Kinderpauschale per annum.
  2. Elter Nummer 2, arbeitet nur Teilzeit und zahlt trotzdem recht ordentlich bedingt durch eine schlechte Steuerklasse. Eigentlich noch mehr, da die Infrastrukturkosten für eine staatliche Kinderbetreuung ja indirekt aus diesem Gehalt bezahlt werden (Steuern plus Elternanteil für Betreuung).
  3. (Mindestens eine) Betreuungsperson: Übernimmt auf Kosten der Allgemeinheit mit Privatvergnügenzuschlag seitens der Eltern die Betreuung der Kinder. Zahlt Steuern und gibt seine Kinder zu anderen Betreuungspersonen, die ebenfalls Steuern zahlen.

Aus dem altmodischen Haushalt mit Hausfrau und Mutter wird so deutlich mehr Steuerlast „herausgequetscht“ – optimal, oder?

(Ich möchte an dieser Stelle kurz betonen, dass ich die klassische Mutterrolle keineswegs idealisiere und einer intelligenten Frau langfristig nicht empfehlen würde, allein darauf zu setzen, nur damit klar ist dass ich nicht heimlich irgendwen an den Herd argumentieren möchte)

Ich habe übrigens (wieder in der Brand Eins) gelesen, dass die Steuerreform in Deutschland ein Dauerprojekt ist, weil „die Politik“ gar nicht vereinfachen will.

Auch die Finanzbeamten fordern seit Jahren erfolglos Vereinfachungen und damit mehr Gerechtigkeit. Diese Forderung richtet sich an denjenigen, der nicht mit im Boot sitzt: den Staat. Der lässt rudern.

Ist ja auch logisch – es gibt wohl keine intelligentere Methode sich bei den Menschen beliebt zu machen, als ihnen zuerst das Geld wegzunehmen und es ihnen dann teilweise großmütig wiederzugeben – wenn sie brav sind. Aber das nur am Rande. Mir fällt jedenfalls immer auf, dass es bei der Familienpolitik hier in Deutschland überhaupt kein Wunder ist, dass Kinder aus der Mode gekommen sind. Ich weiß natürlich, dass man junge Paare nicht einfach bezahlen kann, damit sie Eltern werden – solche direkten Geschenke funktionieren auch nur bedingt – aber man könnte wenigstens schauen, dass die Opportunitätskosten nicht so durch die Decke gehen, wie sie es hier in vielen Fällen tun. Eltern müssen (teilweise erhebliche) Elternbeiträge für die Betreuung ihrer Kinder zahlen, sie müssen von weniger Geld mehr Miete bezahlen, wenn sie nicht in B-Lage wohnen wollen, sie brauchen mehr Platz, größere Autos, Klassenfahrten und vieles mehr – und kriegen pro Kind 1900 Euro im Jahr von ihrem eigenen Geld zurück. Schön blöd, wer sich auf diesen Deal einlässt. Oder? 😉

P.S. Hausaufgabe: Schnappt Euch doch mal so einen Brutto-Netto-Rechner und schaut ob wir ein Sonderfall sind. Würde mich wirklich interessieren. 🙂

Ein paar Gedanken zu Kindern und Karriere …

Das Thema der Woche ist ja irgendwie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Als halbwegs Unbeteiligter zum Thema möchte ich auch einmal ein paar Gedanken teilen (Vollzeit-Berufstätige männlichen Geschlechts sind in der Debatte ja bis dato noch etwas leise).

Ich finde es sehr gut, dass die aktuelle politische Linie (beide Elternteile sollen am besten Vollzeit berufstätig sein, einschließlich der entsprechenden ideologischen Abwertung der Erziehungsarbeit) einmal öffentlich hinterfragt und aufgebrochen wird. Ich weiß nicht genau, ob ich es hier schon mal erwähnt habe, aber ich halte ja die Notwendigkeit der möglichst baldigen Rückkehr in den Beruf für einem der wichtigsten Gründe, warum Familien heute nur ein oder zwei Kinder bekommen. Schnell wieder zurück, und dann sofort wieder raus? Na das wird dem Chef aber nicht gefallen …

Für Frauen gibt es jedoch keine wirklich legitime Alternative, da entweder die (mindestens gefühlte oder reale) wirtschaftliche Notwendigkeit sowie Peer Pressure das Dasein als Mutter vergleichsweise unattraktiv machen.

Außerdem finde ich, dass die aktuelle gesellschaftliche Fixierung auf Karriere und materiellen Status irgendwo auch überschätzt wird. Und das sage ich als jemand, der diese Anforderungen irgendwo doch selbst ein wenig erfüllt. Wenn ich mir meine ehemaligen Schulkameraden und Kindheitsfreunde anschaue, so gibt es doch einige, die in den letzten Jahren sicherlich etwas weniger Energie in das Pushen ihrer Karriere investiert haben als ich. Dementsprechend erfülle ich das Klischee des „erfolgreichen Berufslebens“ deutlicher als diese. Aber: diese Menschen haben Hobbies und sehen ihre Freunde! Mein Leben ist mit Familie, Haus und Job sowie noch der Beziehungspflege mit meiner Frau komplett voll (eigentlich überfüllt). Sollten wir uns jetzt besser noch einen Vollzeitjob in unser Leben „quetschen“?

Wenn es aber keine zwei Vollzeitjobs gibt in einer Beziehung, dann ist es vollkommen klar, das einer der Partner beruflich zurückstecken muss. Ich finde ja auch so Modelle wie „sich zu zweit einen Vollzeitjob teilen“ sehr schön. Aber selbst das, das muss klar sein, ist eine Karriereeinschränkung – was nicht einmal diskriminierend ist. Vielmehr wäre es diskriminierend zu einer vergleichbar erfahrenen Vollzeitkraft zu sagen:

„Die Fähigkeiten und die Erfahrung, die Du Dir in XY Berufsjahren erarbeitet hast, kann man sich eigentlich auch in der Hälfte der Zeit erwerben!“

Das gilt natürlich nur für qualifizierte Knowledge Worker, aber um die geht es ja auch. Denn vornehmlich die haben ja heute die echten Aufstiegschancen, die man gemeinhin als Karriere bezeichnet …

Also, auch die Teilzeit-Managerin oder der Teilzeit-Manager werden vermutlich nicht die gleichen beruflichen Entwicklungen durchmachen wie ihr Vollzeit-Partner.

Ich glaube übrigens gar nicht, dass der durchschnittliche mittlere Angestellte in Deutschland unbedingt immer weiterkommen will auf der Karriereleiter. Manche schon – klar – aber Otto Normalverbraucher will vermutlich eigentlich nur mehr Geld. 🙂 Und hier sieht man am Ende wo aus meiner Sicht der Hase im Pfeffer liegt: Vielen Familienplänen steht vor allem die Tatsache im Weg, dass man plötzlich mit dem Gehalt von 1 bis 1,5 Arbeitsstellen auskommen muss, während die Kosten wachsen. Da kann man noch so sehr argumentieren, dass Kinder ja Privatvergnügen sind – ein Staat, der die Zahl der Kinder steigern möchte, müsste hier zugunsten von Familien viel deutlicher eingreifen.

Das sage ich jetzt weniger für uns – wir leisten uns ja ohnehin den Luxus, vier Kinder zu haben. Aber solange man als junge Eltern den zahlreichen Vergnügungen der DINK-Freunde nur mit tapferem Lächeln hinterher blicken kann, weil die Entscheidung für eine Familie wenigstens aus materieller Sicht in Deutschland immer falsch ist, so lange werden doch die familienpolitischen Ziele der Regierung eigentlich nicht erfüllt.

Am Ende geht es doch häufig um die Kohle, nicht um die Karriere.

Breaking News: Kinder kosten Geld

Heute war in mehreren Leitmedien zu lesen, dass deutsche Eltern immer mehr Geld für ihre Kinder ausgeben. Durchschnittlich 584 Euro im Monat pro Kind. Allerdings einschließlich erhöhter Kosten für Wohnung, Energie und so. Interessant ist an diesen Artikeln eigentlich nur sie Tatsache, dass zwanghaft eine News daraus kreiert wird. Plötzlich ist es erstaunlich, dass Eltern mehr Geld für Kinder ausgeben, wenn sie nur ein Kind haben, die Kinder älter sind oder sie selbst wohlhabend sind.

Wow – Überraschung. Wer mehr Geld hat gibt auch mehr aus. Und teilweise eben für die Kinder. Ich glaube die 6,5 Prozent Zuwachs sind allein der direkten und schleichenden Inflation geschuldet (ohne das jetzt nachgerechnet zu haben). Aber zwei Dinge fielen mir immerhin auf:

a) das Geheule einiger (vermutlich) Kinderloser in den Kommentaren, dass man von dieser Rechnung ja noch das übermäßig hohe Kindergeld abziehen müsste (weil sie die blöden Familien ja soooo sehr subventionieren würden)
b) die Erkenntnis das man sich den Spaß erstmal leisten können muss – 1800 Euro für beispielsweise drei Kinder muss man ja auch erstmal haben

Irgendwie gehen diese beiden Punkte ziemlich weit auseinander – warum können sich denn nur wohlhabende viele Kinder leisten, wenn die Kinderlosen eigentlich doch alles bezahlen? 🙂

Na ja, insgesamt eine eher langweilige Story aus dem PR-Hirn des Statistischen Bundesamtes. So langweilig, dass ich fast nicht darüber gebloggt hätte.

Koalitionsverhandlungen: Familien als Restposten der Politik

Koalitionsverhandlungen: Familien als Restposten der Politik – Deutschland – Politik – Wirtschaftswoche.

Das hier ist nur ein Kommentar, Kontext gibt’s hinter dem Link.

Letztens sagte ich zu meiner Frau dass wir CDU wählen müssen, weil diese Partei einen rückständigen Lebensstil wie den unseren noch am ehesten unterstützt. 

(Hauptverdienermodell, keine Patchwork-Familie, Frau nur Teilzeit erwerbstätig, dafür aber viele Kinder, um nur mal die relevanten Stichworte fallenzulassen. Noch dazu sind wir religiös, also quasi deutsche Evangelicals, nur ohne den ganzen Hass und halt nicht aus Europa rausgeflogen, weil wir unsere Cousinen heiraten wollten.)

Ich hege nun an sich keine größeren Sympathien für die CDU. Aber auch nicht für die Konkurrenz. Politik heißt ja in den meisten Fällen, sich für Pest oder Cholera zu entscheiden – in diesem Fall war es dann die (schwarze) Pest. Nicht umsonst heißt es: „Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, abgesehen von allen anderen.“

Wenn man jedenfalls (wie jeder andere gute Bürger auch) sich aus egoistischen Gründen die Partei rausgepickt hat, die einem das größte Stück vom Kuchen versprochen hat, ärgert man sich natürlich um so mehr, wenn hinterher doch nichts überbleibt davon. 

Aber gut, dafür kann ich mich darüber freuen dass die Wirtschaftswoche mir zustimmt.

 

Ich nehm das mit der Kreuzfahrt

Ich nehm das mit der Kreuzfahrt

In der Welt tobt derzeit eine Debatte darüber, wann und warum Menschen überhaupt Kinder bekommen. Beziehungsweise, da wir hier in Deutschland leben, tobt die Debatte vielmehr darüber, wann und warum Menschen keine Kinder bekommen. Wir sind hier natürlich die Ausnahme, die die Regel bestätigt, daher hier mal kurz die ehrliche Stellungnahme einer kinderreichen Familie:

Ja, wir würden auch lieber ausschließlich Designerklamotten kaufen und Essen gehen, wann immer wir Lust dazu haben. Meine Frau hätte sicher auch nichts dagegen einen Spider zu fahren statt einen Van. Mir ist mein Schlumpfporsche zwar lieber als ein echter Porsche (wobei, den könnte ich verkaufen und mir einen Schlumpfporsche und JEDE MENGE ZEUG kaufen, also sagt bitte nicht ich wüsste den nicht zu wertschätzen), gegen eine echte Elise hätte ich auch auch wenig einzuwenden. Wir würden lieber dreimal im Jahr in Urlaub fahren, am besten jedes Mal teuer. Und gegen eine nette Wohnung mit Dachterrasse irgendwo in einer gentrifizierten, zentralen Großstadtlage würden wir nur zu weit auch nicht opponieren. 

Diese Liste könnte ich endlos fortsetzen. Fällt Euch was auf? Beinahe sämtliche gefühlten Nachteile der Elternschaft sind aus der Kategorie „Konsumverzicht„, induziert durch:

  1. Kosten für Zeug für die Kinder beziehungsweise einen kinderfreundlichen Lebensstil
  2. Opportunitätskosten durch den Verzicht auf Teile eines Gehalts.

Ja, Geld ist immer ein Thema wenn man Kinder hat, insbesondere bei mehreren. Die freie Verfügbarkeit von Geld ist aber, neben der freieren Verfügbarkeit von Zeit, auch der wesentliche Vorteil, den der Verzicht auf Kinder hat. All die Menschen aus diesem Welt-Artikel, die „jetzt noch keine Kinder“ wollen, wollen also in Wirklichkeit nicht auf Konsum und Freizeit verzichten. Ein Staat, der die Fertilität seiner Bürger antreiben möchte, müsste also dafür sorgen, dass Kinder etwas weniger Verzicht bedeuten.

Die Rechnung, oberflächlich betrachtet, ist für viele Frauen doch folgende:

„Hm, ich könnte jetzt mit der Familienumsetzung anfangen. Dann müsste ich erst einmal zuhause bleiben, dann Teilzeit wieder einsteigen. Dafür kann ich mich viel mehr mit Windeln und Bauklötzen beschäftigen (das ist ja irgendwie auch niedlich). Wenn ich mehrere Kinder bekomme, wird es mit dem Beruf eh nicht mehr so viel werden, ich werde also den größten Teil meiner Kommunikation nicht mehr mit Erwachsenen vollführen. Ansonsten muss ich meine Kinder ganz, ganz früh fremdbetreuen lassen und trotzdem mordsmäßigen Stress riskieren, weil meine kinderlosen Kolleginnen und Kollegen ganz locker Überstunden machen und sie nie abends oder gar nachmittags auf die Uhr gucken müssen. Oder ich spare zusammen mit meinem Partner noch ein wenig und wir gehen Endes des Jahres auf Kreuzfahrt.“

Die gesellschaftliche Tendenz, Kinder zu einem (eigentlich sogar extravaganten und teuren) Hobby zu erklären, für dass man doch bitteschön komplett allein verantwortlich ist (weil die kinderlose Mehrheit ja schon so viel Steuern für andererleuts Kinder zahlt), sorgt für ein Klima in dem frau dann verständlicherweise leicht sagt:

„Ich nehm das mit der Kreuzfahrt.“

Ich habe vor einigen Tagen in Politikum auf WDR5 einen interessanten Beitrag einer Politologin gehört, die der Meinung war, dass vor allem die staatliche Altersversorgung auf die Geburtenrate drückt. Kurz gesagt: so lange man keine Rente bekam, war man auf die eigene Brut für die Versorgung im Alter angewiesen. Durch das umlagefinanzierte Rentensystem kann man sich jetzt ja auch von andererleuts Brut versorgen lassen. Also kein Grund, die Mühen der Aufzucht auf sich zu nehmen.

Ich glaube, wir leben einfach in einem System, das es für einen Homo Oeconomicus unrentabel macht, Kinder zu bekommen. Ohne hier Patentrezepte liefern zu wollen: so lange Kinder so viel Verzicht auf Konsum und Freizeit bedeuten wie sie es aktuell tun, ökonomisch individuell aber gleichzeitig keinen Nutzen bringen, können oder wollen es sich viele Menschen einfach nicht leisten sich fortzupflanzen.

Glücklicherweise ist der Nutzen von Kindern nicht nur ökonomisch zu messen:
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Trotzdem: Wenn die Mädels so richtig nerven, weisen wir sie gerne darauf hin, was für ein kernentspanntes Leben voller Wohlstand wir führen würden, wenn wir keine Kinder hätten. In unserer Welt wäre das nämlich so. 😉

Die kinderlosen Bürokraten sind fern der Realität

Welt.de schreibt heute:

Die Diskussion um diesen zur “Herdprämie” disqualifizierten Beitrag war erschreckend: Warum lässt man Familien nicht die Wahlfreiheit, wo und wie sie ihre eigenen Kinder in den ersten Jahren erziehen wollen?

Dass ich das noch einmal von einer Journalistin hören darf! Ich bin jetzt zwar nicht “pro Herdprämie äh Betreuungsgeld”, aber die Ignoranz, mit der Familien mit mehr als ein oder maximal zwei – verhältnismäßig leicht “wegorganisierbaren” – Kindern in diesem Kontext gestraft werden ist schon hart.

Die politisch gewünschte doppelte Vollzeiterwerbstätigkeit funktioniert halt bei drei oder mehr Kindern nicht – es sei denn man leistet sich ein Kindermädchen oder -jungen. Das muss aber nettomäßig auch erst einmal drinsitzen.

Die kinderlosen Bürokraten sind fern der Realität