Es geht voran: Hausrenovierung, Teil 3

Wolken in Rosé

Nummer 1s Farbwunsch für das Zimmer verwunderte uns kurz, aber er gefiel uns sehr gut. Ein Hauch von Altrosé sollte es werden – passend zu ihrer Vorliebe für Nostalgisches und Elegantes (Teetrinken um 5+ Shortbread essen = The Queen is amused.)

Also legten wir los, sie und ich.

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Hier ist die Farbe noch nicht trocken

Und dann war da noch der Bodenbelag

Irgendwie waren nach dem Streichen und der folgenden Pause alle verschwunden. Zumindest alle unter 15 Jahren. Und so begann ich gegen 13 Uhr das Laminat zu verlegen. Und verlegte. Und verlegte.

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Aller Anfang ist leicht. Nur das Ende nervt dann: Laminatverlegen

Ich wurde zu Verlege-bot 500 und geriet in einen rauschhaften Flow. Zeit verann wie Wasser, Bewegungen liefen nur noch ab, griffen ineinander wie feingliedrige Zahnräder, Schweiß brach aus – es war verflucht stickiges Wetter.

Als nur noch zwei Bahnen fehlten, tauchte die das Zimmer zukünftig bewohnende Tochter auf und legte sich erst einmal in eine Ecke. Ich erklärte ihr, dass es „schwimmend und nicht liegend verlegen“ heißen würde, was sie weder amüsierte noch motivierte. Doch – letztlich raffte sie sich auf und war dann richtig hilfreich. Wie zwischendurch auch Nummer 3.

Ich kam zum Ende und richtete meinen schmerzenden Körper auf, war erstaunt, wie viel Laminat man in drei Stündchen doch verlegen konnte und nahm mein Mobiltelefon in die Hand:

18:40 Uhr. Äh, dann wohl doch etwas mehr als drei Stündchen …

Und dann war da noch das Sofa

Am folgenden Tag holten wir das Sofa aus Nummer 2s Zimmer, wo es zuvor als Unterlage für zu sägende Werkstücke gedient hatte.

Die Bezüge hatte ich zuhause gewaschen und gefärbt. Ich ordnete an, dass Nummer 1 sie selbst auf ihr zukünftiges Sitzmöbel aufziehen solle. Sie blickte irgendwie etwas betreten und räumte ein, nicht zu wissen, wo sie die Bezüge hingeräumt habe.

Ich: „Ich hatte die Bezüge angezogen, gewaschen, gefärbt, gebügelt und dir sauber verpackt geradezu feierlich überreicht, mein liebes Kind.“

Liebes Kind: „Äh ja, ich weiß. So in einem dunkelblauen Müllsack eingewickelt.“

Ich: „Ja genau, den du zuhause zum Auto und hier wieder aus dem Kofferraum heraus getragen hast, Schnuckiputzi.“

Schnuckiputzi: „Öhm, ja, also. Ich glaube, äh, ich hab den Sack dann wohl doch nicht wie besprochen in ein Kellerregal gelegt …“

Ich: “ … sondern?“

Nummer 1: „… so irgendwie eher, ja, irgendwo hingeklatscht …“

Ich: „…wo jemand anderes das Behältnis als Müllsack identifizierte und es als ebensolchen benutzte, was ich durch die Anordnung, es in ein Regal zu legen hatte verhindern wollen? Was ich dir nun so blöd oberlehrerinnenhaft erkläre, weil ich davon genervt bin, dass meine Lebenserfahrung und Weitsicht ignoriert werden, damit diverse Heranwachsenden ihre vielzitierten ‚eigenen Erfahrungen‘ machen können?“

Sie: „Ja. Genau so. Hast du schön zusammengefasst. Ich, äh, geh dann mal suchen.“

Am Ende durchsuchten wir zu Dritt (die Teenies und ich) jeden dunkelblauen Müllsack. In der Garage, im Haus, im Garten. Und welcher stellte sich als der heraus, der tief unten – unter Dreck und Müll – die Bezüge beinhaltete? Ja! Der zuletzt Durchwühlte.

Dann aber: Tadaa! Etwas Fummelarbeit später:

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Zwei haben die Absicht, eine Wand zu bauen

Und das taten sie: Der beste Ehemann von allen und sein Vater haben fleißigst vermessen und gebohrt und geschraubt. Parallel zu unserem Gestreiche und Verlege.

Rund um eine Rundsäule am Fenster und endend an einem verklinkerten Kamin – nicht einfach, aber es machte sich:

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Aller Anfang  ist fummelig … aber als die erste Seite fast geschlossen war, ging es (fast) ganz schnell.

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Vor allem, weil es so großartige Unterstützung gab. Ja, da liegt eine Stichsäge in Kindernähe – aber die ist selbstverständlich ausgesteckt.

Ich finde, das haben sie echt gut gemacht!

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Schwupps. Fertig. Okay, das Schwupps dauerte viele Stunden …

Was haben wir denn an den vergangenen beiden Wochenenden noch so getrieben?

Wir haben die letzten Paneelen in den Kinderzimmern lackiert:

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Beispielfoto: Vormals sehr doofe Holzpaneele von 1976

Dann haben wir Pinsel und Rolle in Nummer 2s Zimmer geschwungen. Sie schwang fleißig (oder so etwas in der Art) mit.

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Sieht das nicht hübsch aus? Die trocknende Farbe?

Dann ging es irgendwie gut voran, bis  – die Farbe unerwartet leer war. Und das in den letzten eineinhalb Bahnen, die noch zu streichen waren. Also verschoben wir die Fertigstellung auf den kommenden Tag und kauften Farbe.

Als diese dann großzügig und sogar überwiegend auf den Wänden verteilt worden war begannen wir mit dem Laminatverlegen. Dazu musste das Zimmer ausgefegt und der Boden zuvor aufgeräumt werden. Man glaubt kaum, wie viel bröseliges, sandartiges Zeug ein uralter Teppichboden hinterlässt. Und wie lustig dieser Mist dann überall in der Luft hängt, auch wenn man vorsichtig fegt und saugt.

Nummer 4 bedauerte sehr, dass der „tolle Sand“ weichen musste und gab den Beleidigten.

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Ja, die Bildqualität ist mies, aber eine Übersicht schafft das Foto ja doch irgendwie, ne?

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Da war legten wir dann das Werkzeug weg und machten Pause

Am vergangenen Wochenende hatte ich wieder ein Blockseminar. Bin dann samstags nach dem Seminar zum Haus – die Kinder waren beim Opa, damit mein lieber Ehemann in Ruhe die Trockenbauwand tapezieren konnte. Wir arbeiteten ein wenig am Laminat (echt, ich kann das Wort langsam nicht mehr hören … Laminat, Laminat – wie das schon klingt …) und fuhren dann zum Ikea, um für den besagten Bodenbelag Endstücke zu erstehen. Um dann am folgenden Tag zu bemerken, dass wir zu wenige gekauft hatten. Aber egal.

Nun geht es von Donnerstagmorgen bis zum Sonntagabend weiter.

Also:

Im oberen Stockwerk ist alles fertig bis auf Kleinkram:

  •  Schalter/Steckdosen müssen gründlich gereinigt werden
  • Fußleisten müssen noch in zwei Zimmer zugesägt und in drei Zimmern angebracht werden (in einem sind sie schon zugesägt und dekorativ hinglegt …)
  • Übergangsleisten in den Türen fehlen noch, eine ist bereits vorhanden
  • Eine Leiste als Abschluss des Laminats am Ausschnitt der Wendeltreppe muss angebracht werden
  • Später werden noch Bad und WC bearbeitet (Fliesen anschleifen und lackieren, neuer Bodenbelag)
  • Noch später gibt es neue Türdrückergarnituren, genau wie im unteren Stockwerk

Nun geht es unten weiter mit:

  • Tapezieren der Küche mit Essbereich
  • Bestellen, Zusägen und Anbringen der Fußleisten (Berliner Profile, klassisch weiß)
  • Rest der Wand im Schlafzimmer glattschleifen
  • Schlafzimmer tapezieren (Vliestapete, also halb so wild)
  • Tapezieren und Anbringen eines Holzprofils (hinter dem Kopfteil des Bettes – soll indirekt von hinten durch LED beleuchtet werden)
  • Boden verlegen (oder verlegen lassen, mal sehen, was die Firma dafür haben will ..)
  • Treppe mit Teppich belegen lassen (erhalten morgen ein Angebot)
  • Rolläden zeigten sich als nahezu unbenutzbar – müssen wir mit der Vorbesitzerin klären, das wird sicher ein nettes Gespräch … diese müssen ausgetauscht werden. Bei der Gelegenheit lassen wir sie dann mit Rohrmotoren versehen.
  • Vom Flur aus, neben der Treppe, gibt es einen Durchgang zum Wohnzimmer, diesen wollen wir irgendwie verschließen. Aber eher mit einer Tür als mit einer Wand. Da sind wir noch nicht ganz damit durch, wie wir das machen wollen
  • Die neuen Decken streichen, die vom Trockenbauer durch Abreißen der Holzverkleidung und Anbringen von Rigipsplatten hergestellt werden
  • Wände im Flur und Wohnzimmer streichen, nachdem der Trockenbauer den Kratzputz (von einem Freund zärtlich als „Oma-Putz“ bezeichnet) verputzt hat
  • Das Wintergartendach bekommt entweder nur neue Profile oder neues Glas und neue Profile – hängt vom Preis ab.

Und im Keller werden wir dann – noch später –  zwei Räume ausbauen.

Ein Bisschen nervt echt der alltägliche Kleinkram, den man so nebenbei erledigen muss:

Auto muss zur Inspektion, Kinder müssen zu Kieferorthopäden, Dinge müssen aussortiert/eingepackt/verkauft werden, Termine bei der neuen Schule und in der KiTa wollen erledigt werden, es gibt noch ein Zusatzseminar für mich und den Start der Zusatzausbildung (Familienbiographisches Coaching) und so weiter.

In der zweiten Ferienwoche ziehen wir dann um, morgen ist der Termin mit dem Menschen von der Umzugsfirma, der sich hier einen Überblick der Lage machen möchte.

Ihr könnte es Euch ja vorstellen: Man ist viel in Möbelhäusern, Baumärkten und plant, kauft ein, vergisst die Hälfte, fährt wieder los …

Und sonst?

Nummer 3 leidet unter dem Verlust des gewohnten Umfelds, der Beendigung der Grundschulzeit und wir alle stellen uns innerlich auch natürlich um.

Und trotz all des Erledigens und Kümmerns fühlt es sich nach wie vor gut an. Auch für Nummer 3, obwohl sie traurig ist. Dieser Trauer geben wir natürlich Raum. Sie ist allerdings auch neugierig und gespannt.

Nach wie vor sind wir sehr dankbar für das, was wir da für uns gestalten. Vieles, das ich mir immer gewünscht hatte, bringt dieses Haus mit sich. Ich bin sehr froh, auch wenn es echt anstrengend ist.

Das Ganze zeigt sich in einem Flow, den man immer dann hat, wenn man die richtige Entscheidung traf. Ihr kennt das bestimmt: Man hat so ein freudiges, aber nicht zu aufgeregtes Gefühl in der Brust. Man spürt, wie alles ineinander greift, statt dauernd zu haken. Eine Entscheidung, die man zum richtigen Zeitpunkt und passend zur Intuition fällte.

Nun sind wir erst einmal wieder fleißig und bald lest Ihr dann das neue Update. Mit Fotos natürlich.

Ganz am Ende sollte ich dann wohl so eine Foto-Vorher-Nachher-Story machen, oder? 🙂

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Ist der Idiot-Dad ein Mythos?

Wer oder was ist ein Idiot Dad?

In meiner Vorstellung ist das ein Vater, der entweder so tut, als sei er unfähig, ein Baby zu versorgen oder einer, der vor der schmiedeeisernen Toren einer Mother Gatekeeping oder Maternal Gatekeeping betreibenden Frau steht und kein Argument hat, hineingelassen zu werden. Hinein zu seinem Kind oder seinen diversen Kindern.

Gelesen hat man ja schon Einiges dazu.

Mütter, die ihren Lebenszweck und Daseinssinn ganz auf die Nachkommenschaft verlegen und niemandem gestatten, ihnen einen Hauch dieser sie bestätigenden Aufgabe abzugeben. Mütter, die vorgeblich den zugehörigen Vätern nichts zutrauen und sich angeblich aus lauter Angst um das Überleben ihrer Kinder schützend vor diese werfen, wenn der Papa sich nähert.

Und dann gibt es noch diese speziellen Väter, die Peter Pans der Krabbelgruppen.

Männer wie dieser: Vater filmt Sohn auf Spielplatz. Sohn rutscht von Hängebrücke, baumelt kopfüber hinunter und ruft um Hilfe. Der den Jungen haltende Stiefel beginnt bedrohlich vom Fuß zu rutschten. Vater lacht und filmt weiter. Sohn kreischt. Vater lacht. Plumps. (So beobachtet vom mehr als irritierten Mister Essential)

„Ich mach aus meinem Sohn einen echten Kerl – dazu lege ich ihn einem Stier auf den Kopf. Lustig!“ sagt Idiot Dad.

Haben wir alle schon mal irgendwo gesehen, solche Väter. Da sind auch fast ausschließlich Söhne Opfer des Verhaltens. Töchter sah ich zumindest noch nie kopfüber baumeln, während Papa lachte. Papas stählen Söhne, damit die später dann auch ihre Söhne auslachen, statt ihnen zu helfen. Damit sie eben echte Kerle werden. Echte Kerle, das sind diese roboterhaften Wesen ohne Gefühle. Also GANZ ohne. Außer Hunger. Das sind ganz sicher nicht die, die sich nachts mit einem Baby abmühen, damit es trotz Bauchweh einschläft. Nicht die mit dem Hustensaft und nicht die, in deren Armen man seinen Liebeskummer ausweint. Sie bürsten keine Puppen, bauen Holztürmchen nur zum Zerstören und nehmen ganz sicher keinen Lappen in die Hand.

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„Wie gut, dass Idiot Dad’s Kinder einen Schutzengel haben,“ denken die Mütter.

Mein Vater war so ein Idiot Dad. Und ich erinnere an diverse Begebenheiten, in denen er dies demonstrierte. Beispielsweise an jenem Nachmittag, als er mich von der Schule abholen sollte, aber meine Klasse (also Stufe. Nicht „a“ b“oder „c“) nicht wusste. Dies war allerdings eine Steigerung zu dem Tag, an dem er vor einer Schule stand, um mich abzuholen, die ich seit einem Jahr nicht mehr besuchte. Er hat mir kein einziges Geschenk gekauft, mich nie angezogen, selten gefüttert oder mir die Schuhe angezogen.

Er wartete immer genervt stöhnend und mit dem Autoschlüssel klimpernd im Hausflur, während meine Mutter meinem Bruder und mir die Jacken und Schuhe anzog. Er vergaß natürlich jeden Geburtstag außer seinen, bzw. kannte die Daten einfach nicht. Er dachte vor zwei Jahren noch, ich hätte am 29.11. Geburtstag. Das war immerhin rührend nah dran. Es ist der 30. November. Natürlich holte er meine Mutter nach den Geburten auch nicht vom Krankenhaus ab und schon gar nicht ein eine saubere Wohnung. Sie durfte zuerst immer spülen und Blumen gab es auch nicht.

Klarer Fall vom dramatischem, lieblosen Nichtwissen/Desinteresse. Zudem zementierte er als selbsternannter Herr des Hauses die Angemessenheit seines Verhaltens mit der Feststellung, ein Mann zu sein. Als solcher habe er ausschließlich zu arbeiten, danach vorbereitetes Essen zu vertilgen und sich anschließend auszuruhen. Während seine Frau ihren Feierabend immer erst später genießt – so sei das eben. Das war in den 1980er Jahren. Und ich nahm an, die Welt habe sich seitdem stark verändert. Aber vielleicht eben doch nicht in jedem Bereich und jeder Familie.

Da ist er noch mal, der Schutzengel ...

Da ist er noch mal, der Schutzengel …

Dann gab es noch den Pool jener dusseligen Väter, von denen Mister Essential erfuhr, als er nach dem Umzug Bankformalitäten erledigen fuhr.

Bankangestellte: „Oh je, jetzt bräuchten wir ihre Frau …“

Er: „Für eine Unterschrift?“

Sie: „Nein, für die Geburtsdaten der Kinder.“

Er: „Whsg?“

Sie: „Ja wie? Wissen sie die etwa? Da wären sie ja der erste Vater hier!“

Schwer irritiert zählte er die Daten auf. Daraufhin läutete sie ein goldenes Glöckchen und alle ihre Kolleginnen kamen, um den wunderbaren Mann zu bestaunen, der dies vollbracht hatte. Und sie warfen Konfetti und sich auf die Knie, um ihm zu huldigen, dem Vortrefflichen.

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„Ich kann das auch!“ ruft stolz der Idiot Dad.

Gibt es diese Dusseligen echt?

Ja. Die leben öfter mit so einer erwähnten Gatekeeperin zusammen. Diese schaut ihnen mit so einem „Fräulein-Rottenmeier-Gesichtsausdruck“ zu, während sie zittrig ihr Erstgeborenes wickeln. Und diese rümpft die Nase, wenn sie vergessen, Feuchttücher einzupacken oder gar ganz ohne die übliche Picknick-Wickel-Bespaßungs-Ausstattung das Haus verlassen. das können solche Mütter auch locker tun, denn sie selbst meistern fehlerfrei die bleischwere Bürde der Mutterschaft. Im Alleingang, denn das weitere Kind (gemeint ist damit der Mann) stellt hierbei eher eine Zusatzbelastung dar, welche die Mater Dolorosas ertragen müssen.

„Das gehört doch so, oder?“ fragt Idiot Dad.

Aber nicht immer. Es gibt auch gewitzte Faultiere, die es von kleinauf gewohnt waren, dass jemand mit Brüsten unliebsame Aufgaben übernimmt. Oder sagen wir mal: Aufgaben eines bestimmten Bereichs. Ein Bereich, der Dinge beinhaltet wie: Das Hinterherräumen von Dingen, das Waschen von Schmutzwäsche, das Falten von sauberer Wäsche, das Kochen, das Putzen und Saugen, das Schreiben von Karten zu jeglichem Anlass, das Erinnern an Termine/Sportzeug/Schulbrote/Führerscheinprüfung/Geburtstagsgeschenke u.v.m.

Und wenn sie heiraten, fällt ihnen womöglich irgendwann auf, dass die Anvermählte ebenfalls Brüste hat. Dann schießt es ihnen durch den Kopf: „Ha! Die macht Wäsche! Diese Exemplare machen das immer!“

Spätestens, wenn diese Person ein Kind zur Welt gebracht hat, dann merkt er: „Die mit den Brüsten heißen Mama, wenn sie ein Kind bekommen haben. Mamas räumen allen alles hinterher, erinnern einen an alles und putzen auf jeden Fall. Fein.“

Und wenn sein Gegenüber diese Annahme bestätigt, indem es brav putzt und hinterher räumt, dann wird aus den beiden ein glückliches Paar voller lang anhaltender Leidenschaft und tiefem Respekt.

Dann sagt sie irgendwann mit einstudiertem, typisch mütterliche-leidgeprüftem Grinsen: „Ich hab drei Kinder. Zwei Töchter und meinen Mann.“

Es existieren auch jene, die auf den stabilen Inseln der Retro-Tradierung leben: Die sind dann ähnlich wie mein Vater gelagert. Sie unterscheiden nicht nach Möglichkeiten, sondern nach Geschlecht.

Tief in uns allen verankert sind die alten Rollenbilder. Entweder, man streift sie bewusst ab (was weit mehr ein richtiger Prozess ist, als vielen bewusst wird) oder man richtet sich nach ihnen.

Das „Alle rufen nach Mama“-Syndrom kennen viele von uns. Letztlich rufen nur wenige Kinder nach ihrem Vater, wenn sie etwas brauchen, suchen oder sich verletzt haben. Weil meist auch die Mutter die Hauptbezugsperson ist. Wären die meisten Väter die meisten Tagesstunden mit dem Nachwuchs zusammen, sähe das ganz anders aus.

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„Endlich kommt MAMAAAA nach Hause!“ Alle seufzen erleichtert.

Und die Elternzeit-Väter? Was ist mit denen, hä?

Väter nehmen wenn, dann nur zwei Monate Elternzeit und machen dann auch nur Urlaub – hört man auch immer wieder. Manchmal liegt das daran, dass beide Elternteile nicht gleich viel verdienen.

Wie bei uns zum Beispiel. Von dem Höchstbetrag des monatlichen Elterngeldes hätten wir grad man unsere Hausrate im Monat und vielleicht noch zwei Einkäiufe zahlen können. Und die ganze Schwangerschaft über sparen, damit Mister Essential acht Wochen wickelt und nicht-stillt – das erschloss sich uns persönlich nicht als lohnend.

Das Modell ist für gut verdiendende Spätgebärende beim ersten Kind gedacht – als Anreiz, gut gebildete Paare zur Fortpflanzung zu motivieren. Es soll niemanden unterstützen, der bereits zwei oder gar mehr Kinder hat und im klassischen Rollenmodell lebt. Es ist ein wirtschaftliches Model, keines für Familien mit einer Vollzeit arbeitenden Person (das sind faktisch nun mal meist die Männer) und einer Halbtags arbeitenden Person. Die sind eh nicht wirtschaftlich attraktiv und sollten sich optimieren.

Und daher kriegen daher auch keine tolle Elternzeit. Kosten aber auch weniger, denn 70 % vom Halbtagsjob ist recht günstig – da Mama immer die Elternzeit nimmt, ist das Billigere dem Staat ja gewiss. Und wenn sie Vollzeit arbeitete, dann kann der Papa ja seine zwei Monate nehmen. Ist auch noch bezahlbar. Denn schließlich bekommt man ja nur höchstens 1.700 Euro oder so. Das wären in unserem Fall aber nicht die 70 % eines Einkommens, nach dem wir unser Leben ausgerichtet haben. Und nein, meine paar Hundert Euro Nebenverdienst hätten das nicht rausgehauen.

Kinder, Küche und so

Es ist nach wie vor so, dass (ja, auch bei zwei Vollzeit arbeitenden Menschen ohne Kinder!) Frauen weit mehr Hausarbeit machen als Männer. Wenn Kinder da sind, dann wird der männliche Anteil noch weniger – das liegt dann daran, dass die meisten Mütter mehr Zeit im Haus verbringen. Dort kennen sie sich dann irgendwann sehr gut aus und die Männer gehen ihnen abends und/oder am Wochenende zur Hand.

Männer werden gelobt, wenn sie ein Kind beaufsichtigen. Man dankt ihnen. Wir kennen das alle: Sie tun einen Handschlag und bekommen Applaus. Von Frauen. Sie sind nicht selbstverständlich mit ihren Kindern zusammen, während die Mutter ausgeht oder etwas erledigt. Sie babysitten. Wie Fremde, die man bezahlt und die danach die Kinder wieder in die eigentlich Obhut zurückgeben. Letzteres ist der entscheidende Punkt. „Ich bin nicht wirklich verantwortlich. Ich bin der Betreuer interim. Bald kommt die richtige Betreuungsperson zurück. Dann atme ich wieder durch.“ Babysitter eben.

Nummer 4s Patenonkel erlebte mal irgendwann Folgendes:

Er trug einen Babyjungen (Sohn seiner Ex-Frau mit neuem Partner – ja, diese drei Menschen arbeiten großartig für ihre insgesamt zwei Kinder zusammen) in einer Trage vor der Brust. Im Ernsting’s Familiy-Laden fand sich ein Träubchen aus gurrenden Frauen zusammen, die ihn anstarrten.

Er ist nicht so der, der gern auf einer Bühne steht und sah sich dementsprechend fragend um.

„Ach, das ist ja sooo toll!“ rief eine der Frauen aus.

Er: „Äh – was genau?“

Sie: „Na, sie und das Baby.“

Er (der zwar nicht gern auf Bühnen steht aber wahnsinnig schlagfertig, klug und witzig ist): „Was meinen sie? Dass ich das Baby trage?“

Eine Andere fiel ein: „Ja! Und das sie hier Söckchen mit dem Kleinen kaufen gehen! So toll!“

Er (staubtrocken): „Es ist toll, dass ich mit einem Baby Socken kaufen gehe?“

Zustimmende Begeisterung. Hände wurden andächtig aneinandergelegt, man neigte sich vor, dutzelte das Kind.

Er: „Hören sie: sie finden das toll, weil ich ein Mann bin. Oder haben sie auch schon mal einer Mutter dazu gratuliert, dass sie mit einem Baby Socken kauft?“

Ratlosigkeit.

Er: „Das ist nichts Besonderes. Das ist ganz normal. Ich bin ein müder Mensch mit einem Baby vor der Brust und ich stehe hier in einem kleinen Laden, um Socken zu kaufen. Da ist keinerlei Glamour. Ich bin kein Held. Machen sie sich mal nicht so klein, indem sie einen Mann bewundern, weil er das tut, was sie hier alle gerade tun. Tun sie das bitte nicht.“

Hat er so oder ähnlich gesagt. Fand ich sehr interessant. Die Frauen waren übrigens sehr ratlos.

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„Ein Mann mit Kinderwagen! Kommt schnell her, liebe Mutterschafts-Kolleginnen! das müsst ihr sehen! Schnell, lass uns ihm hudligen!“

Vielleicht vermittelte man ihnen, dass Väter sich niemals kümmern. Und dass man alle (Hunde, Pferde, Kinder, Männer) ganz doll loben muss, wenn sie etwas fein machen. Und ein Leckerli gibt es dann. Sonst hören die benannten Wesen am Ende noch auf dem Guten, das sie da tun!

Oder sie waren begeistert, weil ihre Partner nie im Leben einen ihrer Nachkommen an sich schnallen würden, um einkaufen zu gehen. So etwas Banales aber auch! Kein Heldentum in Sicht. Baby im Tragedings! Manche Männer bekommen von der Vorstellung an Tragetücher- oder Dinger schon Koro.

Ganz gleich, was der Hintergrund war: Solange man Väter für Selbstverständliches lobt, geschehen zwei Dinge zugleich: 1.) das eigene Rollenverständnis wird aufgezeigt und 2.) es wird niemals aufhören

Trottel-Väter

Nachdem ich den nufigen Beitrag las, der mich zu diesem Post inspirierte, fiel Nummer 4 irgendwie um, während Mister Essential mit ihm spielte und weinte. Ich nutzte den Augenblick:

„Du Idiot Dad!“

Wir haben uns ziemlich amüsiert. Und stellten in einem kurzen anschließenden Gespräch fest, dass ich immer perfekt sein müsse, um ihn weiterhin so beleidigen zu können. Ich erwiderte, dies sei mir ein Leichtes. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass ich schließlich mit ihm zusammenlebe, dem Idiot Dad.

Kaum fiel ihm später in der Küche etwas herunter, hab ich ihn dann wieder beschimpft.

So funktioniert das nämlich sehr gut, dass man jemanden zum Idioten macht. Er bekommt eine Lupe über den Kopf und man glotzt dann mit wachsamem Auge durch. Ich verspreche: Man findet immer was! 

(Zahlreiche Schwiegermütter leben seit Jahrhunderten nach diesem Lupen-Modell.)

Was kann ich als Mutter denn für die Trottelväter dieser Welt?

Solange ich die Hand an der Wiege bin und keinen Millimeter preisgebe – vertiefe ich das Rollenklischee.

Solange ich „Idiot Dad“ rufe ebenfalls. :D.

Wann immer ich so tue, als hätte ich selbst niemals etwas dazulernen müssen, verleugne ich zwar bequemer Weise meine Schwächen, aber ich lasse meinen Partner auch als Vater zurück.

Wann immer ich meinem Sohn vermittle, dass bestimmte Aufgaben für geschaffen Frauen sind und Panik bekomme, wenn er mit Puppen spielen will (was bekanntlich das spielerische Vorbereiten auf bestimmte Rollen ist) oder er mitbekommt, wie ich mich bei seinem Vater für das „Babysitten“ am Abend bedanke, wird er sich dies merken.

Und wie sieht hier bei uns mit der selbstverständlichen Teilnahme eines Vaters am Familienleben aus?

Ja, hier wohnt der Idiot Dad – das habe ich ja schon erläutert 😀

Im Ernst: Mister Essential und ich leben nach einem klassischen Rollenmodell und es bedarf schon einer eigentlich sehr selbstbewussten Frau, um dies zu tun, ohne Negatives an die Kinder zu vermitteln. Ich bin diese Frau nicht immer. Ich hasse es oft genug, alle an alles erinnern zu müssen, hinterherzuräumen und Ähnliches. Daher lasse ich das zunehmend und die Kinder lernen sehr viel schneller aus den Konsequenzen ihrer eigenen Handlungen als aus meinen Gebetsmühlen-Sätzen.

Unser Dad kommt um 19:00 oder 19:30 nach Hause. Und ist am Wochenende da. Und ist fast genau so erschöpft von dieser anstrengenden Lebensphase, ja -dem ganzen anstrengenden Leben- wie ich es bin. Okay, ich fahre in Kur (und er genießt die Zeit in selbstbestimmter Ruhe zuhause … WTF? …), weil ich erschöpft bin, meine psychosomatischen Rückenschmerzen nicht wirklich weggeturnt bekomme und eigentlich jemanden brauche, der als Fachperson sagt: „Hören sie auf, sich für alles verantwortlich zu machen! Lernen sie verflixt noch eins, Pausen zu machen und ihre Bedürfnisse zu respektieren!“.

Aber er ist auch müde und verbringt die tollen Wochenenden – genau wie ich – damit, Dinge zu reparieren, zu renovieren oder irgendwas zu besorgen. Es werden Termine wahrgenommen, Sachen erledigt. Erholung hatte man – die meisten kennen das – vor Jahrzehnten zuletzt.

Er ist also nicht versiert in den Abläufen. Er legt für die Kinder jene sagenumwobenden, grausligen Klamotten-Kombis raus. Er weiß nicht, wo sich hier alle möglichen Dinge im Haus befinden. Sein letztes Hemd bügelte er vor, hm, vielleicht zwei Jahren. Er räumt die Spülmaschine oft morgens aus. Und am Wochenende kocht er. Abends beschäftigt er sich eine halbe Stunde mit Nummer 4. Er überweit die dauernden Beträge an die Schule, hat neulich Taschenrechner für die Kinder bestellt. Und Schuhe bestellt er auch für sie.

Den Rest mache ich. Alleine.

Hinzu kommt in unserem Fall:

Durch die letzten Reste der neurologischen Schäden und Nachwirkungen der Erkrankung (die er an seinen Händen und im Körper insgesamt hat) kann er mich auch oft gar nicht unterstützen. Es fällt ihm beispielsweise schwer, etwas vom Boden aufzuheben – wie soll er das dann für mich tun, wenn mein Rücken schmerzt? Jackenknöpfe schließen, sich wehrende Kleinkinder anziehen, fummelige Spielsachen bespielen, am Boden sitzen, mit der Hand schreiben, jegliche feinmotorischen Arbeiten – das ist alles eine mittelschwere Quälerei für ihn.

Also bleibt es entweder an mir hängen oder ich lasse es ihn tun und fühle mich dabei mies. Als würde ich einen Rollstuhlfahrer bitten, für mich einkaufen zu fahren. So etwas tut man irgendwie nicht entspannt. Ich rechne ihm an, dass er diese Dinge dennoch tut, aber während ich mich mies fühle, ist das keine wirkliche Unterstützung. Entweder ich mache es selbst oder ich fühle mich wie schlecht. Eine Lose-Lose-Situation.

Aber:

Mit ihm diskutiere ich bestimmte Entwicklungen der Kinder, Erziehungsmöglichkeiten, bespreche, an welchen Stellen die Kinder unsere Unterstützung brauchen und wie diese aussehen könnte. Er kann ganz selbstehrlich einsehen, welche Charakterzüge der Kinder ihm selbst ähneln und sich hineinversetzen, wie er sich als Kind fühlte. Das ist wertvoll, da mir ja keine normale Kindheit mit einer Selbstentfaltung möglich war – sprich: Ich kann nur ahnen, womit ich meine Eltern total genervt hätte. Faktisch aber war ich überwiegend die Emotionalausgleichssklavin meiner Mutter.

So erfahre ich dann, wie normale Kinder sich vor Aufgaben drücken, heimlich Schokolade oder Eis wegfuttern, schummeln, lügen und all diese Dinge.

Er ist auch sehr ehrlich zu mir. Das ist nicht immer einfach für mich – aber es ist natürlich zielführend. Wenn ich etwas im Umgang mit den Kindern nicht so hinbekomme, wie ich es möchte oder es mir guttut, dann weist er mich darauf hin. Direkt geliefert mit einer kurzen, situativen Analyse meiner Schwachstellen.

Und das ist mir sehr wichtig.

Noch mehr?

Ich habe noch mehr zum Thema gefunden bei den Großen Köpfen

und auch von einem Vater, der mit seinem Artikel die Arbeit der Frauen honorieren möchte, in den Kommentaren aber anscheinend recht missverstanden wird.

Zum Thema „Wie wirkt sich das väterliche Verhalten auf Kinder aus“ findet man auch Lesenswertes bei Kinder Unlimited.

Studieren mit Job und Kindern? Das geht schon, aber …

So einen schnieken Schreibtisch hatte ich als Student noch nicht.

So einen schnieken Schreibtisch hatte ich als Student noch nicht.

Mittlerweile erscheint es mir zwar wie eine weit entfernte Vergangenheit, aber es gab mal eine Zeit, in der ich einen erheblichen Anteil meiner Wachphase mit institutionalisiertem Lernen verbracht habe. Also möchte ich dem Aufruf folgen und auch einen Beitrag zur #LernenFamilie-Blogparade leisten.

Fangen wir mal von vorne an.

Vor 13 Jahren hatte sich ein Teil meines Studiums gerade als Sackgasse herausgestellt, als Ms. Essential schwanger wurde. Ich hatte damals Technische Redaktion an der RWTH Aachen studiert – musste mir aber nach ein paar harten Semestern eingestehen, dass es für den Mathematik-Part davon bei mir einfach nicht reichte. Auch wenn ich immer ganz gut rechnen konnte. Also musste ich umsatteln und hatte damals – mit fast 24 Jahren – gerade mal das Grundstudium in der Tasche. Das Grundstudium war so was wie der Bachelor, nur ohne Vorteile. Das Grundstudium qualifizierte einen zum Weiterstudieren und sonst zu nix.

Gleichzeitig hatten verschiedene Entwicklungen dazu geführt, das Ms. Essential in ihrem Beruf als Familienpflegerin nicht mehr arbeiten würde. Wir befanden uns damals finanziell gesehen zwar nicht in einer Sackgasse, aber in einer Sinuskurve irgendwo weit unten.

Ich beschloss, mein Studium zwar weiterzuverfolgen, musste aber nebenher ziemlich viel arbeiten. Zum Glück hatte ich die ersten paar Jahre meines Studiums nicht komplett verschwendet, sondern mir ein paar Referenzen zugelegt, die es mir ermöglichten, zuerst als Texter und später als Marketingberater ein bisschen was zu verdienen. Das ging auch sehr gut los – ich fand eine Web-Agentur, die großen Bedarf an suchmaschinenoptimierten und dennoch lesbaren Texten hatte (damals war das noch mehr ein Widerspruch als heute) und mich mit regelmäßigen Aufträgen versorgte. Die gar nicht mal so schlecht bezahlt waren. Der große Vorteil: Ich konnte bei freier Zeiteinteilung von zuhause aus arbeiten.

Also legte ich meine Seminare an der Uni auf möglichst wenige Tage und wurde Dauergast bei Blockseminaren, um möglichst viele Tage für die Arbeit freizuhaben. Für Vorlesungspausen kaufte ich mir ein Notebook (aua, das tat weh im Portmonee) und gewöhnte mir an, für diese Zeit abends zuhause vorzurecherchieren. Mobiles Internet, das gab es ja noch nicht, und falls doch, konnte ich es mir nicht leisten. Ich suchte mir ein paar Ecken an der Uni wo es Strom gab und textete in den Pausen so vor mich hin.

Leider veränderte sich der Markt ein wenig und ich hatte mich zu sehr auf meinen Dauerkunden verlassen. Mittlerweile hatte Nummer 2 sich angekündigt und wir hatten eine größere Wohnung bezogen die wir uns nach meiner Kalkulation durchaus erlauben konnten. Die Kosten stiegen an, aber in einem Maß, das mich ursprünglich nicht beunruhigte. Ich wusste ja recht gut, was ich mit welchem Zeitaufwand verdienen konnte, und meine Noten waren auch in Ordnung …

Bis mich eines Abends der Geschäftsführer meines wichtigsten Kunden anrief und mir mitteilte, dass sie meine Arbeit zwar sehr schätzten, mir aber aufgrund einiger Änderungen im Suchalgorithmus nur noch die Hälfte von dem zahlen konnten, was sie mir bis jetzt gezahlt hatten.

Bämm. Da hockten wir also, in einer Wohnung, die wir uns plötzlich nicht mehr leisten konnten. Ich entmottete mein Fahrrad, um zukünftig kostengünstig zum Bahnhof zu fahren und per Semesterticket zu pendeln. Ms. Essential kurvte derweil mit einem billigen Kinderwagen durch unseren Vorort und kaufte im Schlecker Babygläschen ein, um ein kostengünstiges Ziel für den täglichen Spaziergang zu haben.

Ich begann an einer Exit-Strategie zu arbeiten, um nicht dauerhaft an diesen Kunden gebunden zu sein, und suchte mir ein paar weitere kleine Kunden sowie einen Studentenjob im Wissenschaftsministerium. Leider waren diese ganzen Tätigkeiten weitaus schlechter bezahlt als meine ursprüngliche Arbeit – so dass ich immer mehr Zeit aufwenden musste, damit das Geld halbwegs stimmt. Ich bat meine neuen Auftraggeber bei den Abrechnungen mogeln zu dürfen, damit ich nicht permanent über die einem Studenten erlaubten 20 Stunden pro Woche kam. Ich glaube in einigen Wochen hatte ich damals einen Vollzeitjob und daneben ein Vollzeitstudium.

Neben dem Geld hatte ich vor allem eine Sorge: Ich dachte mir, da sind zig tausend intelligente Menschen mit Dir an der Uni, die alle viel mehr Zeit auf ihr Studium verwenden können. Deine Noten werden jetzt total absacken, weil Du viel zu wenig Zeit in Dein Studium investierst. Soziale Kontakte an der Uni hatte ich schon lange nicht mehr, also wurschtelte ich mich so im Alleingang da durch, bis auf einige wenige Gruppenprojekte.

Zu allem Überfluss wurde die Leiterin der Pressestelle, in der ich damals aushalf, auch noch gefeuert. Nach einer gewissen Karenzzeit, in der ich die Pressetelle alleine schmiss, vergab das Unternehmen den Auftrag an eine Agentur und ich verlor ebenfalls meinen Job. (Okay, einen meiner Jobs …)

Als ich damals abends mit Ms. Essential sprach, gab sie mir einen folgenschweren Tipp: „Du solltest diese Agentur anrufen und fragen ob die nicht jemanden brauchen, der sich mit diesem Unternehmen sehr gut auskennt. Vielleicht nehmen die Dich ja.“

Ich hatte zwar mordsmäßig Bammel – aber ich tat es. Die Agentur stellte mich in der Tat vom Fleck weg ein, übernahm mich nach dem Studium und rechnete mir sogar meine zahlreichen Nebentätigkeiten als Volontariat an. Bevor es aber soweit kam musste ich ja auch nochmal irgendwann mein Studium abschließen. Zu diesem Zeitpunkt feilschten Ms. Essential und ich um den Zeitpunkt für Nummer 3. Sie wollte gerne alle Kinder bekommen haben ehe sie 30 war, ich wollte wenigstens ein einziges Kind ordnungsgemäß bekommen nachdem ich mit dem Studium fertig war. Am Ende koordinierte ich meine Prüfungstermine mit dem Geburtstermin. Meine späte Rache: Nummer 4 haben wir bekommen als ich nicht nur ordentlich mit dem Studium fertig war, sondern auch deutlich mit Mitte 30. 😀

Als ich schließlich meinen Abschluss in der Tasche hatte und nach all den Jahren der Dreifachbelastung auch noch meinen Doktortitel machen wollte, machte mir das Leben einen Strich durch die Rechnung.

Was ist jetzt die Moral von der Geschicht? Ich denke es hat sich gelohnt, das Studium trotz aller Mehrbelastung durchzuziehen. Trotzdem hat es mich und meine Familie auch etwas gekostet. Ich habe nie wieder die ersten Monate eines Kindes so intensiv erlebt wie bei Nummer 1. Nummer 2 und 3 sind mehr so mitgelaufen, und erst jetzt als „später Vater“ von Nummer 4 erleben ich diese Phase wieder etwas bewusster. Dennoch sehe ich den Junior deutlich weniger als früher Nummer 1. Allein die zahlreichen Geschäftsreisen machen mich zuhause oft eher zu einem Gast denn zu einem vollwertigen Familienmitglied.

Weiterbildung neben Familie und Beruf ist nichts, was man so nebenher erledigt. Andererseits: Mindestens ein Elternteil wird ohnehin die gesamte Kindheit des Nachwuchses Vollzeit arbeiten, da kann man ja wenigstens dafür sorgen dass es ein qualifizierter Job ist, oder?

Beruflich hat es sich für mich mehr als gelohnt – ich habe einen spannenden Job, wir kommen mittlerweile ganz gut aus und ich bin seit kurzem auch noch Gastdozent an einer Hochschule. Wäre schwer geworden ohne eigenen Abschluss …

Wir brauchen Hebammen. Oder geht es besser ohne sie?

Ein Gespräch zwischen Bettie und mir, das sich auf Facebook entspann, führte uns an eine interessante Frage: Was denken wir über die Alleingeburt, die im Moment immer wieder diskutiert, propagiert und kritisiert wird?

http://fruehesvogerl.blogspot.de/2015/10/hebammen-sind-ja-keine-esoterische-deko.html

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Oben im Bild: Auch Eltern können Foodies. Heute: Brechdurchfalldiät der Tochter.

Disclaimer: Das hier ist – im Gegensatz zum verlinkten Originalartikel – natürlich Satire.

Ich arbeite in einer Branche mit vielen kinderlosen Kollegen. Wenn ich mich darüber mit anderen Vätern unterhalte, denken die meist: „Das ist doch super, da kannst Du immer vorschützen, dass die Kinder krank sind und früh nach Hause gehen!“ Weil – so das Klischee – Kinderlose ja sowieso immer bis Ultimo im Büro rumhängen. Ja, das kann man natürlich maaal machen. Aber wenn man es übertreibt, fangen die irgendwann an böse Briefe in der Brigitte zu schreiben.

Was viele dabei außer Acht lassen: Mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten hat auch viele Nachteile. Montagmorgens zum Beispiel schleppt man sich nach einem arbeitsreichen Wochenende übermüdet und entkräftet ins Büro. Die Kinderlosen fragen einen: „Und? Wie war Dein Wochenende?“ und man antwortet: „Och ja, ganz okay …“. Dann erzählen sie davon, wie sie eine Städtetour nach Nizza gemacht, ein neues 8-Sterne-Restaurant ausprobiert oder einfach nur „mal gar nichts gemacht haben“. Dann erinnert man sich durch den Schleier der Müdigkeit, wie man selber das Wochenende verbracht hat: Man ist abends viel zu fertig und früh ins Bett gegangen, nur um morgens trotzdem noch viel zu früh geweckt zu werden. Danach füttert man die Kinder, reinigt den Essbereich mit einem Hochdruckreiniger, der Hochdruckreiniger fällt aus, man googelt nach „Hochdruckreiniger Test“, fährt in den Baumarkt und kauft sich (für das Geld, das man eigentlich in den nächsten „Urlaub“ investieren wollte) einen neuen Hochdruckreiniger. Währenddessen haben die Kinder schon wieder das Haus verwüstet, so dass man den Rest des Tages mit Besen und Müllsack verbringt, bis man schließlich in den Supermarkt startet, um neues Futter für die Meute heranzuschaffen. Abends fällt man völlig erschöpft ins Bett (nicht ohne dass die Kinder sich vorher noch lautstark getritten haben) und nimmt sich vor, am Sonntag mal nichts zu machen. Bis man sieht, dass mittlerweile das Unkraut im Garten die Vorherrschaft an sich gerissen hat und man den kompletten „freien“ Tag mit Machete und Heckenschere im Dschungel verbringt. Zwischendurch – nachdem man wieder zwei Meter freies Blickfeld hat – erkennt man dass das Gartentor schief hängt und die Dachrinne repariert werden müsste. Abends bespricht man mit seiner Frau die Pläne für die nächste Woche (Warum eigentlich? Der Plan ist doch eh immer „von morgens um 7 bis um abends um 9 durchzuackern für Haus, Hof und Kinder) und fällt erneut übermüdet ins Bett.

Aus diesen vielleicht deprimierenden, aber wenigstens bodenständigen Gedanken wird man dann durch Instagram-Fotos aus Nizza herausgerissen. „Und die machen ein Panna Cotta da in diesem kleinen Restaurant – einfach himmlisch …“ Man verkneift sich die Antwort, das man als Dessert immer das isst, was die Kinder auf den Boden werfen – und lächelt so gut man kann. Schließlich will man ja nicht der langweilige Spießer sein, der keinen Spaß mehr hat …

Auch in der Mittagspause kann es wirklich enervierend sein, mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten. Während man als Vater die Investition von 150 Euro im Monat für „an jedem Arbeitstag Essen gehen“ nicht verantworten kann, kennen Kinderlose solche Probleme natürlich nicht und probieren auch in der Mittagspause alle neuen Bistros, Food-Trucks und Lieferservices in Büronähe aus, während man selber Getuppertes futtert. Am Schreibtisch, damit man abends schneller nach Hause kommt.

Apropos Abend – auch das ist natürlich ein Problem. Wie oft wird man gefragt „Kommst Du heute noch mit?“ und die Antwort lautet – natürlich – nein, weil man zuhause gebraucht wird. Wenn Kinderlose abends unterwegs sind, lassen sie die Sau raus – für Eltern sind das Überstunden. Sich betrinken kann man eh nicht, weil man aus der Stadt raus ins „Grüne“ pendelt (Unkraut!!!), was natürlich nur mit dem Auto geht. Während die Kollegen also tolle Fotos von irgendwelchen Events posten, wischt man zuhause den kranken Kindern hinterher und fragt sich, ob man irgendwann auch mal Spaß hatte.

Auch in den sozialen Medien machen sie einen fertig. Dauernd Fotos von irgendwelchen „geilen Konzerten“, während man sich mühevoll alle vier Wochen mal ein harmonisches Familienfoto zusammenkratzt, damit einem das eigene Leben nicht völlig außer Kontrolle vorkommt. Dauernd neue Freunde, während man seine bestehenden nicht mal treffen kann, weil die Kinder permanent krank sind. Dauernd neue Designermöbel und -klamotten, während man selber nur auf Ikea (preiswert und kratzfest) und H&M setzt (mit praktischer Teilzahlungsfunktion, wenn mal wieder alle Kinder gleichzeitig neue Sommerklamotten brauchen).

Es ist wirklich deprimierend. Ich will das alles gar nicht wissen. Manchmal frage ich mich, warum es eigentlich keine Spezialarbeitsplätze für Kinderlose gibt, wo sie sich gegenseitig mit ihren Freizeitvergnügungen und Konsumfreuden beharken können, anstatt hart arbeitenden Vätern wie mir damit die Laune zu versauen.

Die häufigsten Sätze …

  

„Ich war das nicht.“ (Kinder)

„Wo ist denn dasunddas?“ (Alle außer Mama)

„Dasunddas ist nicht hier!“ (Alle außer Mama)

„Doch, das ist da. Vielleicht musst du einfach mal was hochheben und drunter gucken!“ (Mama zu allen)

„Wer hat denn schon wieder das Klopapier leer gemacht und nicht nachgefüllt?“ (Mama+Papa)

„Wo ist Mama?“ (Alle)

„Eure Faulheit ist mit Abstand das Schrecklichste in meinem Leben!“ (Mama)

„Oh Mann, ist Nummer 4 süß!“ (Alle)

„Nein, wir fahren alleine einkaufen – das ist unsere romantische Pärchenzeit.“ (Mama+Papa)

„Benutzt euer eigenes Gehirn, nicht meins.“ (Mama)

„Räumt euren Krempel hier weg!“ (Papa)

„Wenn ich sage, es ist Schlafenszeit, meine ich nicht: Fallt wie tot auf dem Sofa um und rutscht dann wie knochenlos zu Boden.“ (Papa)

„Ham! Nam! Mama!“ (Nummer 4)

„Ist es echt erst halb Zehn am Freitagabend? Fühlt sich aber an wie 3 Uhr nachts.“ (Mama und Papa)

„Ich muss das nicht machen. Ich hab gestern schon was gemacht.“ (Nummer 1 und 2. Besonders Nummer 1)

„Lass den Staubsauger an!“ (Staubsaugende Personen zu Nummer 4)

„Nummer 1 liegt schon wieder im Bett und guckt Let’s Plays anstatt aufzuräumen!“ (Nummer 3)

„Hätte mir früher nie träumen lassen, dass ich gerne mal um Zehn im Bett liege, also abends.“ (Abwechselnd Mama und Papa)

„Das Leben ist eins der schwersten. Wobei, ich hatte schon schwerere.“ (Mama)

„Habt ihr schon die Treppe freigeräumt?“ (Mama)

„Wo ist meine Bürste? Ihr habt eure eigenen!“ (Mama)

„Darf ich duschen? Auch echt nicht wieder eineinhalb Stunden. Würklich nücht!“ (Nummer 3)

„Also ICH hab das noch nieee falsch gemacht. Bin ich jetzt der bessere Mensch?“ (Nummer 2)

„Ajo Wawa! Ajo Dada!“ (Nummer 4)

Danke, Mara, für die prima Idee und die Erlaubnis, sie nachzuahmen. 🙂

Die Emanzipation erledigt sich von selbst

Ich glaube, die Sache mit dieser „Emanzipation“ erledigt sich von selbst in ein, zwei Generationen. Das wächst sich sozusagen raus. Ist nur eine Phase.

Wie ich zu dieser steilen These komme? Ich habe auch homosexuelle Freunde von uns einmal mit der Ansicht schockiert, dass – wenn die Position, das Homosexualität genetisch ist, korrekt ist – die heutigen Schwulen mangels gesellschaftlichem Druck für die Gründung einer Schein-Ehe innerhalb von einigen Generationen ja weitgehend verschwinden werden. Weil die allermeisten von ihnen sich ja dem Genpool entziehen und sich nicht fortpflanzen. Einiges in der aktuellen Shell-Jugendstudie impliziert, dass das auch für intelligente und ehrgeizige Frauen gelten könnte.

Die Zahl der Nachwuchspaschas unter der jungen männlichen Bevölkerung, die ihre Vorherrschaft in der Familie scheinbar nur auf ihre Fähigkeiten im Computerspielen gründen, scheint erschreckend hoch zu sein. Die fleißigen Mädchen hingegen machen immer brav ihre Hausaufgaben, damit sie gute Noten bekommen. Es ist ja nur logisch, was dann am Ende passiert: Die kleine Ann-Kathrin, ihres Zeichens Jahrgangsbeste Medizin-, Jura- oder BWL-Studentin, fühlt sich vom schulabbrechenden Gamingprofi Matt-Eagle nur begrenzt angezogen. Aber Ann-Kathrin hat ja sowieso keine Zeit für einen Partner, sondern will sich erst einmal auf ihre Karriere konzentrieren. Matt-Eagle hingegen hat zwar durch seine Sucht nach Internet-Pornografie nur begrenztes Interesse an echtem Sex, manchmal kuschelt er aber doch mit Cinderella und die beiden vergessen natürlich direkt die Pille und/ oder das Kondom. Vermutlich auch, weil man das Geld dafür besser in Kippen investieren kann.

Cinderella mag Matt-Eagle, weil er an sein Leben genauso wenige Ansprüche hat wie sie. Eine Beziehung mit Jonas, einem der Kommolitonen von Ann-Kathrin, würde sie wahrscheinlich genauso überfordern wie Matt-Eagle das große Einmaleins. Das Problem an dieser Geschichte, bei der ja im kleinen scheinbar jeder Topf seinen Deckel hat, sind die Zahlen: Frauen sind immer besser ausgebildet, orientieren sich bei der Partnerwahl aber trotzdem traditionell „nach oben“. Je besser sie jedoch ausgebildet sind, um so dünner ist dort die Luft. Männer orientieren sich gerne auch einmal in die andere Richtung und haben so tendenziell einen größeren Pool an potenziellen Partnerinnen zur Verfügung. Was ja eine Grundvoraussetzung für Kinder ist. Am Ende, das ist ja schon einige Male diskutiert worden, endet Ann-Kathrin alleine, weil nach ihrer Karrierephase nur noch Männer mit Ex-Frauen und Altlasten frei waren, während Matt-Eagle und Cinderella bereits ihr fünftes Kind bekommen. Jonas hingegen verliebt sich auf der Arbeit in eine junge Kollegin. Die beiden wollen aber auch erst in zehn Jahren oder so mal ein Kind bekommen.

Die perfide evolutionäre Logik dahinter? Wenn es keine irgendwie gearteten Zwänge gibt, die Frauen dazu bringen Kinder zu bekommen (das kann eigene Perspektivlosigkeit, die gesellschaftliche Norm oder auch Religion sein), werden viele von ihnen erst einmal andere Prioritäten setzen. Und das teilweise zu lange, um dann bei den Kindern noch aufzuholen oder überhaupt über eines „hinauszukommen“. Das sieht man beispielsweise daran, dass die Geburtenrate überall auf der Welt mit steigendem Wohlstand steil abfällt. Währenddessen vermehren andere Kreise sich fleißig und nehmen an Zahl zu, während die emanzipierte Intelligenz nicht mal ansatzweise auf die 2,1 Kinder kommt, die auch nur wenigstens für ihren Erhalt notwendig wäre.

Dieser Blogpost wurde unter dem Titel „Idiocracy“ schon einmal mittelmäßig verfilmt. Ann-Kathrin ist zu beschäftigt, um ihren Gen-Pool zu erhalten. Matt-Eagle und Cinderella haben dieses Problem nicht.