Burnout Prävention: 1 Jahr nach der Kur

Heute vor einem Jahr bin ich mit unseren vier Kindern in Kur gefahren. Diagnose: Burnout oder auch „Akuter Erschöpfungzustand“. Ja, okay, so wird das nicht aufgeschrieben, weil Burnout (noch) keine anerkannte Erkrankung ist. Es heißt dann „Stress.“ Die Patientin hatte Stress und eine starke muskuläre Dysbalance im Rücken und so weiter …

Burnout. Und zurück. Heute schreibe ich dazu, was sich in meinem Leben durch die Kur und danach verändert hat.

Wie verlief das letzte Jahr? Was wurde anders und was blieb? Welche Herausforderungen gibt es noch und welche wurden gemeistert?

Hier könnt Ihr meinen ausführlichen Erfahrungsbericht im Stil eines Tagebuchs nachlesen.

Welche Ziele hatte ich nach der Kur?

Nun geht es bei einer Kur ja nicht darum sich drei Woche urlaubsmäßig zu erholen, um sich dann wieder für ein paar Jahre auszupowern und dann wieder in Kur zu fahren.

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In diesem Heft notierte ich während der Kur meine Ziele

Als Ziel ist eine Veränderung des Lebens gesetzt. Damit man glücklich lebt.

„Ein ausgeglichenes Leben erfordert niemals einen Urlaub.“

So sieht es aus. Wir alle sollten so leben, dass wir Erschöpfungen vorbeugen und notfalls Veränderungen vornehmen.

Aber wie war das gleich? 80 Prozent aller Menschen, die Veränderungen in ihren Leben vornehmen scheitern bereits am dritten Tag.

Hier sieht man schnell: Das ganze ist eine Mammutaufgabe.

Man muss durch und durch von der Veränderung überzeugt sein. Und: Sie muss mehr Nutzen haben als der aktuelle Zustand. Das Gehirn liebt nämlich Gewohnheiten – ja, auch schlechte. Es hat tagtäglich so viel zu leisten, dass alles, was easy-peasy abläuft (also ohne Nachdenken), im Gehirn Glück auslöst. Das Belohnungszentrum des Gehirns – das Limbische System – sorgt für Glücksgefühle. Zum Beispiel, wenn wir während einer krassen Diät die Chipstüte öffnen. Oder faul auf das Sofa fallen, statt abends noch eine Runde Laufen zu gehen.

Das Neue, das durch die Veränderung kommen soll,  muss einen so großen Nutzen haben (im Sinne von Glücksgefühlen), dass das Gehirn bereit ist, dieses neue Programm zu installieren. Wen es beispielsweise glücklich macht, jeden Tag zu Joggen oder zu Walken, der wird auch dranbleiben. Wer es hasst, der kann es gleich lassen und sich eine andere Sportart suchen.

Wer davon profitiert, sich jeden Morgen duftend einzucremen, der wird immer neue Creme kaufen müssen. Wen das eigentlich nur nervt, der braucht es gar nicht erst zu versuchen, weil es so in einer Zeitung empfohlen wurde.

In der Kur steckt man sich am besten also erreichbare Ziele.

Meine notierten Ziele waren: 

  •  Ich möchte lernen, auf mich und meine Bedürfnisse zu achten und mich von den Wünschen und Bedürfnissen Anderer gesund abzugrenzen.
  • Ich möchte Abstand vom Alltag schaffen können.
  • Ich möchte lernen, mit der Fremdbestimmung des Lebens umzugehen, indem ich Gegenpole finde.
  • Ich wünsche eine berufliche Veränderung.
  • Ich möchte weniger „Müssen“ und mehr „Wollen“ erleben.
  • Ich möchte die morgendlichen kalten Beingüsse beibehalten (Ob ich das packe? brr..).
  • Ich wünsche mir, meine Ziele zu erreichen.

„Butter bei die Fische!“ – wie sieht es denn nun aus?

Okay. Ich habe meine Kurziele im Kopf, daher habe ich die Unterlagen nicht herausgeholt. Ich wollte ganz bewusst schauen, was sich in 12 Monaten für mich verändern ließ und was ich aktiv verändert habe.

Um diese Ziele beibezuhalten habe ich einen Nachsorgekurs besucht.

Dieser besteht immer noch: Wir treffen uns ein Mal im Monat bei einer sehr guten Heilpraktikerin für Psychotherapie. Dann resümieren wir, schauen wie es gerade bei jeder von uns aussieht und besprechen diverse Themen. es gibt Übungen zur Visualisierung, Meditation, Arbeit mit dem Inneren Kind und Arbeit mit den Teilpersönlichkeiten (Nach „Psychosynthese“ von Roberto Assagioli – ein Hammer für die psychologische Arbeit!). Wir als Gruppe werden kreativ, wir machen Brainstorming, wir unterstützen einander urteilsfrei, wir lachen und weinen und behalten unsere Bedürfnisse im Blick.

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Ich habe einen Hefter für die wichtigen Notizen und Arbeit der Kurnachsorge-Gruppe angelegt

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Von wegen „Eigenlob stinkt“!  Diesen Unsinn durfte ich schnell über Bord werfen und lernen, zu meinen Stärken zu stehen. 

(Nicht wundern bei dem Bild oben – falls Ihr es lesen könnt: Die hinter den Stärken stehenden negativ wirkenden Worte sind die möglichen Schattenseiten der Stärken – dies gehört zur Arbeit mit der „Psychosynthese“. Hier geht es darum, immer im Gleichgewicht zu sein. dazu muss man eigene Stärken und auch deren Schatten sowie auch Schwächen und deren Lichtteile kennenlernen.)

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Und Ihr dürft noch einen Blick in den Hefter werfen: Notizen sind während Veränderungen das A und O, echt.

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Anleitung zur Muskelentspannung aus einer Frauenzeitschrift: Immer alles sammeln (und nutzen! :D), das hilfreich sein kann.

Zudem gibt es vom „harten Kern“ des Grüppchens aus „Kur-Kolleginnen“ eine WhatsApp-Gruppe. Wir quasseln ein wenig, durch den Kontakt sind wir latent immer an uns und die Ziele erinnert und ja, wir  vermissen einander inzwischen sehr. Der (Teenager-)Sohn einer Kur-Freundin kommt uns zwischen Weihnachten und Silvester besuchen. Wir wollen uns alle wiedersehen und hoffen, dass das irgendwie und irgendwann klappt.

Dies hilft sehr, um auf dem neuen Weg zu bleiben.

Habe ich gelernt, auf meine Bedürfnisse zu achten und mich abzugrenzen?

 

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So sieht es aus: Mama braucht mal Ruhe!

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Wer sich zurückziehen kann, der kann auch wieder geben (Cooler Türhänger, ne?)

 

Wir Frauen haben meistens überhaupt nicht gelernt, uns zu lieben, nachsichtig mit uns zu sein und unsere Bedürfnisse umzusetzen. Das ging mir nicht anders.

Ich war sehr mies darin, mir überhaupt Bedürfnisse zuzugestehen. Ich bin schließlich Mutter – da muss man sich doch für 20 Jahre selbst in den Schrank sperren und für die Bedürfnisse Anderer verschenken, oder?

Ich habe gelernt, meine Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen. Das war ein echt anstrengender Prozess. Ich kann sie leider nicht immer umsetzen. Viel zu selten, um genau zu sein.

Die Wahrnehmung ist ein guter Erfolg nach 12 Monaten, aber ich bin noch nicht ganz zufrieden. Nun ja: Im Sinne des Life long learning mache ich weiterhin meine Erfahrungen.

Und: Mit einem Kleinkind im Haus ist man eh so fremdbestimmt, dass wahre Entfaltung einfach warten muss.

Und wie sieht es mit Abstand vom Alltag aus?

Puh, hm. Na ja.

Das gelingt mäßig.

Unser Leben ist so voll. Voller Termine, Arbeit, Verantwortung, Hausverkauf, Alltagsbewältigung und bis vor Kurzem noch die Belastung durch das Mobbing.

Dauernde Selbstüberwindung ist alltäglich. Ich mache nichts Schönes so lange, wie ich es will. Sondern bis ich abberufen werden. Zu Terminen, zum aufwachenden Kleinkind, zur Haustür …

Viele Tage beginnen mit Disziplin und enden auch damit. Und zwischendurch auch wieder viel Überwindung. Ich habe zudem Bedürfnisse wie Ordnung: Ich habe immer ein gemachtes Bett, es gibt keinen „Chaos-Stuhl“ im Schlafzimmer – der wird rasch aufgeräumt. Ich räume gefühlt den halben Tag allen hinterher oder/und erinnere sie daran, ihren Kram wegzuräumen, sonst würden wir hier echt stolpern: Über Schulranzen, Sporttaschen, Zeug auf der Treppe etc.

Ja, Fünf gerade sein lassen habe ich schon gelernt. Das sind bereits meine Fünf – denn ich kann nicht leben wie in der Villa Kunterbunt.

Wir, mein Mann und ich, stellen fest, dass früher einfach mehr Lametta war. Es ist echt gerade hier die Rush Hour des Lebens. Es macht nicht halb so viel Spaß wie es sollte, aber doppelt so viel Arbeit, wie man bewältigen will.

Manchmal gehen wir aus. Wir haben unsere Rituale als Paar (der Samstagabend gehört uns!), aber diese lassen sich nicht immer einhalten und umsetzen. Wir hatten zwischendurch (durch meine Prägung auf Bedürfnissverzicht und Caring gegenüber dem Beziehungspartner) eine ungute Dynamik. Diese haben wir allerdings sehr, sehr gut aufräumen können, weil ich durch die Kur und ihre positiven Veränderungen in mir viel selbstbewusster war. Auch das war anstrengende Arbeit, von der man sich kaum erholen kann – wie von aller anstrengenden (inneren und äußeren) Arbeit.

Aber: Selbstliebe ist ein großes Thema für mich geworden, das ich auch richtig gut umsetzen konnte, wofür ich echt dankbar bin.

Und so weiß ich, dass ich Veränderungen schaffe, wenn es möglich ist.

Aber den Alltag selber finde ich immer noch anstrengend und inhaltlich echt etwas lahm. Es ist noch zu freudlos. Ich arbeite daran.

Wie viel Fremdbestimmung ist noch da? Gibt es die erhofften Gegenpole?

Ich fühle mich immer noch sehr fremdbestimmt. Und das ist auch der einzige echte Knackpunkt für  mich persönlich. Ich habe drei Kleinkindphasen (eine mit gleichzeitiger Säuglingsphase) durch. Voller Hingabe. Jeden Tag war ich stolz, was ich alles geschafft hatte mit so kleinen Kindern. Und hatte immer etwas, auf das ich mich freute: Ausgehen am Wochenende, ein Abend zu zweit, ein gutes Essen, Besuch von Freunden…

Das ist viele Jahre her. Und ich muss sagen, dass ich meine wiedergewonnenen Freiheit schon sehr liebte. Und die sind nun weg. Für Jahre. Ich habe diese enthusiastische Hingabe der ersten und zweiten und dritten Phase mit so kleinen Kindern einfach nicht mehr. Die würde mir helfe. Aber ehrlich: Die euphorische Liebe, mit der man sich über süßes Spielzeug freut, mit der man jeden Schritt des Kindes bestaunt und mit der man jeden keinen Erfolg mitteilen will, die ist einfach beim vierten Kind nicht mehr so dicke vorhanden. Die Fremdbestimmung regiert mich und vermiest mir echt oft Laune, obwohl ich ganz brav innerlich Gegenentwürfe mache und auszubalancieren versuche.

Ja, psychoanalytisch gesehen ist mein inneres Kind tief unbefriedigt: es musste sich immer zu Gunsten Anderer zurücknehmen. Seine Eltern „be-eltern“ und galt sofort als egoistisch, wenn es mal „ich“ sagte oder etwas wollte. Will gar nicht wissen, wie persönlich meine Mutter wohl meine Autonomiephase (landläufig gemeiner und fälschlicher Weise als „Trotzphase“ bezeichnet) aufgefasst hat … meine heftige Biographie ploppt immer wieder auf und muss auch noch bearbeitet werden, damit die Ganzwerdung, das Sich-Selbst-Finden- und-Entfalten funktionieren kann.

Und Gegenpole habe ich kaum. Der Tag ist immer noch voll. Voll Kieferorthopäden, Logopäden, Zahnärzten, Kinderärzten (oh Mist! Muss heute noch einen U-Termin für Nummer 4 machen!…), Lehrergesprächen, voller Besorgungen und Erledigungen (allein die Logistik gebrauchter Kleidung ist hier ein Kracher…).

Ich schaffe es kaum, mir Räume einzurichten. Das sagte ich vorgestern auch zu Mister Essential: „Ich kann mich fast gar nicht zurückziehen. Seit fast drei Jahren. das ist furchtbar für mich.“

Ja, ich habe neulich morgens ein Mal nichts gearbeitet, sondern gebadet. Ich kam mir wie eine Revoluzzerin vor. Und ja, ich nähe manchmal, während Nummer 4 schläft (er macht noch Mittagsschlaf, yeah!) und ich schicke die Kinder weg, die wirklich immer vor der Badezimmertür ‚rumlatschen, sobald mein Popo die Klobrille berührt.

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Noch mehr Einblicke in mein Leben: Was tut man nicht alles aus Liebe? Pudelkleidung nähen für den „Therapiehund“ Nummer 2s zum Beispiel. (Echt, ja. Das Tier hat keine Unterwolle und zittert bei Kälte. Bei Regen bleibt es einfach stehen und will nicht mehr laufen – daher der Regenmantel …)

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Ich nähe auch „vernünftige“ Sachen, wirklich! Und das tut mir wirklich sehr gut. Seine Interessen zu pflegen ist wirklich wichtig.

Aber ich wäre so glücklich, wenn ich beispielsweise eine Mutter hätte, die manchmal käme und mir helfen würde. Oder sonst irgendwen. Hach, das wäre vermutlich toll.

So komme ich eben recht langsam voran beim Gegenpol-Schaffen.

Wie steht es denn um die berufliche Veränderung?

Tja-haa: Das habe ich volle Kanne geschafft.

Ich bin während der ersten paar Treffen der Kurnachsorge-Gruppe darauf gekommen. es war plötzlich sonnenklar, während ich den anderen Teilnehmerinnen zuhörte und ihre Probleme analysierte. Irgendwann sagte unsere Gruppenleiterin:

„Das hätte ich ganz genau so gesagt. dem habe ich nichts hinzuzufügen.“

Ich war so im Einklang mit mir während dieser Art der Unterstützung der Anderen. Bei der Analyse und auch den Ideen zur Veränderung!

Plötzlich wusste ich es: Das wird mein neuer Beruf!

Ja, ich hörte seit Jahren meine Freunde sagen: „Wieso wirst Du eigentlich nicht Psychotherapeutin? Das ist voll dein Metier!“

Na, mir war nicht nach einem erdrückenden Studium. So war das.

Als mir bewusst wurde, dass ich auch Heilpraktikerin für Psychotherapie werden konnte, da fiel dieser Ballast ab: Ich musste gar nicht studieren. Viel mehr hätte ich eine sehr viel freier Auswahl der Therapieformen und könnte sehr kreativ vorgehen.

Ich besprach diese Eingebung mit der Gruppenleiterin und sie lächelte.

Dann suchte ich mir (mit viel Bauchgefühl) die passende Schule und bin nun seit September angemeldet. Im Oktober 2018 ist meine Prüfung.

Und ich liebe es so sehr! Ich lerne so gerne – die Inhalte sprechen mich total an. Es ist echt mein Ding!

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So sieht mein Schreibtisch derzeit aus. Und mein Bücherregal erst: ziemlich voll …

Weniger „Müssen“ – mehr „Wollen“?

Es ist zu viel Müssen. Habe ich ja bereits beschrieben: Sechs Personen, Haus(-verkauf/kauf), Ausbildung, Alltag vom Hemdenbügeln bis zur Erinnerung des Kindes an das Verstellen der Zahnspange. Ihr kennt das.

Ich arbeite im Moment am „Wollen“. Es ist so, dass ich Thema für Thema angehe und schaue, was gerade möglich ist. Nicht ohne Frustrationen, muss ich zugeben.

Ich wäre gerne viel freier. Aber im Moment kann ich echt nur nehmen, was möglich ist.

Ich habe die beiden großen Kinder auf deren Wunsch hin (und vor allem, weil es das einzig Sinnvolle ist) zu mehr Selbstständigkeit begleitet. Nummer 1 ist inzwischen echt ein Hammer, was das angeht! Sie ist noch ein bisschen Kind und zugleich sehr erwachsen – 14 Jahre alt – und bemerkt genau, wann sie etwas tun kann, um die Familie zu unterstützen. Meistens tut sie das auch. Ich bin ebenso froh, wenn mal blockiert und durchhängt – schließlich habe ich immer noch die Bedürfnisse und psychischen Befindlichkeiten von uns allen Sechsen im Blick … Abgrenzung ist wirklich ein Balanceakt für Mütter.

Nummer 2 erholt sich gerade so wunderschön von der schlimmen Zeit des Mobbings. Sie muss in teilen „nachreifen“ – Sie übersprang die dritte Klasse und musste sich schnell reifemäßig angleichen. Wir bemerkten aber neulich im Gespräch, dass ein teil von ihr noch 8 Jahre alt ist. Und dieser ist noch nicht gut in den Disziplinen der Größeren: Bedürfnisaufschub. Einsicht, Selbstdisziplin – alles noch ziemlich auf Null. Sie wünscht sich nun aber, dass dieser Teil in Liebe und Ruhe auch reifen kann. Und dabei begleite ich sie.

Und die kalte Dusche am Morgen? Aus dem Ziel is‘ doch nix geworden, oder?

Man glaubt es kaum: Doch. Ich mache es immer noch. Außer am Wochenende.

Ich habe mir angewöhnt, jeden Tag genüsslich zu duschen. So ganz in Ruhe und rituell. Den Abschluss bildeten die kalten Güsse über die Beine hoch bis zur Taille mit abschließendem Abduschen der Fußsohlen.

Dann hörte ich, tägliches Duschen sei Gift für die Haut (Schutzbarriere und so). Ich habe dann umgestellt und mache es so, dass ich jedes zweite Mal den ganzen Körper einseife (gönne mir immer wunderbar duftende Naturkosmetik) und an den anderen eben nur die Zonen, bei denen mir Hygiene besonders wichtig ist (wir nennen sie hier zärtlich die „Stinkzonen“). Ich fühle mich morgens dadurch wunderbar belebt und gepflegt. Danach nehme ich mir Zeit zur Gesichtspflege inklusive Make-Up. Und ja: ich entferne das Zeug wirklich jeden Abend wieder und verwende danach eine Nachtcreme.

Ausnahmen? Selten.

Ziele erreicht?

Ich bin zufrieden mit den Veränderungen. Ich bin nicht zufrieden mit dem Ist-Zustand.

Hä?

Ja, ich finde, was ich binnen 12 Monaten verändert habe, das war eine gute Leistung.

Aber Punkte wie das dauernde Abarbeiten von Terminen und Verpflichtungen bei viel zu wenig Freizeit und zu kurzem Feierabend und die Fremdbestimmung durch Nummer 4 – nerven mich immer noch.

Ich habe diese Dinge im Blick und nutze die kleinen Lücken und Möglichkeiten, bis diese sich erweitern und ich noch mehr Raum für mich, für Freude und für Selbstentfaltung habe.

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Bald ist wieder Weihnachten – ein Jahr ist um.

Tipps oder so?

Ein paar Tipps habe ich:

Wenn Ihr gerade im Erschöpfungszustand seid oder einen hinter Euch habt und keinen mehr haben wollt, dann gibt es gut Möglichkeiten.

Es gibt gute Literatur zur Burnout-Prävention und alles drumherum.

Fachlich sehr gut gestaltet ist dieses Buch: Thomas M.H. Bergner: „Burnout-Prävention“ Zusammen im Set mit 27 Tests und 94 Übungen. Ist nicht umsonst – aber man sollte es sich wert sein. Selbstliebe und so.

Da wir fast alle Probleme damit haben, ist Arbeit mit dem Inneren Kind gut. Dazu gibt es inzwischen Hörbücher mit Übungen wie „Das Kind in Dir muss Heilung finden“ von Stefanie Stahl. Hier sind klassische Übungen die Ergänzung zu kurz gefasstem Fachwissen. Auch „Versöhnung mit dem inneren Kind“ von Thich Nhat Hanh ist sehr gut. Empfohlen wurde es mir durch unsere Gruppenleiterin.

Michaela Huber schreibt in „Der innere Garten. Ein achtsamer Weg zur persönlichen Veränderung“ über die Möglichkeiten der Selbstentwicklung. CD und Buch sind nicht nur von meiner Heilpraktikerschule wärmstens empfohlen, sondern absolut für jeden geeignet, der spürt, dass er sich selbst kennenlernen und entfalten möchte.

Im Moment lese ich „Achtsamkeit. Der Weg zur eigenen Wertschätzung“ von Jutta Vogt-Tegen. Ganz großartig! Alltagstauglich, einleuchtend und umsetzbar. Dieses Buch wurde mir auf der „WestFam“-Bloggerkonferenz vom Verlag Lingen zur Verfügung gestellt. Ich plane dazu demnächst hier eine Rezension. Achtsamkeit ist ein unglaublich wichtiger Punkt. Als Gegenpol zum Stress und zur Hetze. Als Erinnerung an die Schönheit des Augenblicks. Als Hilfe bei Angsterkrankungen. Achtsamkeit ist ein Geschenk. Inzwischen ist der Begriff so bekannt, dass es viel Literatur, Seminare und viele Übungen zum Thema gibt.

Wichtig sind auch Erinnerungen in Form von Botschaften und Zetteln.

Was auch immer man verändern will, muss man dem Hirn „unterjubeln“ – dieses träge und zugleich megafleißige Ding in unserem Kopf sucht immer den einfachsten Weg. Schließlich filtert es ja schon den ganzen Tag so viel und schaltet und wirkt. Also:

Zettel schreiben und ab an den Badezimmerspiegel, den Kühlschrank, auf den Nachtisch – wohin auch immer. Und da kann alles draufstehen, außer Verneinungen.

Bitte immer positiv formulieren. Auch im geistigen Umgang mit sich selbst:

„Boa, schon wieder hab ich es nicht gepackt!“ ist nicht so günstig. So, wie Ihr nicht mit Euren Kindern reden würdet, so dürft Ihr auch echt nicht mit Euch reden.

Hilfreich ist eher: „Beim nächsten Mal schaffe ich es!“

Frau Vogt-Tegen (siehe oben) schreibt übrigens in ihrem Buch, dass die erschreckende Mehrheit menschlicher Gedanken negativ ist. Achtet mal darauf – das ist wirklich krass, was man so denkt!

Auf Eure Zettel könnt Ihr schreiben:

„Heute schon 30 Minuten für mich eingeräumt?“

oder

„Augen schließen, drei Mal durchatmen.“

oder

„Bitte sich selbst zulächeln!“(Klingt beknackt, fand ich auch. ist aber echt klasse! Einfach ausprobieren.)

„Ich bin auf einem guten Weg. Komme ich ab, bemerke ich es, lobe mich für dieses Bemerken und gehe wieder zurück auf den Weg.“

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Hier: Einer meiner „Kühlschrank-Zettel“

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Manchmal hilft einfach nur Humor: Launischer Kühlschrankmagnet für meine Zettel

Ja, wirklich: So sollten wir eigentlich mit uns umgehen. Man hat mehr davon.

Stopp!

Das Wort „eigentlich“ kann man aus dem Wortschatz streichen. Es schmälert, es ist unentschlossen und leider wenig hilfreich. Auch hier könnt Ihr darauf achten, wie oft Ihr das (eigentlich) sagt! Und am besten, sofort damit aufhören. Es hat eine sehr kraftvolle Wirkung, wenn man nicht „Eigentlich gerade Hunger hat und eigentlich nach Hause möchte“, sondern klar mitteilt „Ich habe Hunger und möchte nun nach Hause.“

Und „man“? Ja, dieses Indefinitpronomen habe ich auch extra oben mal verwendet.

Kann man auch weglassen. Nicht ganz. Sondern nur, wenn man von sich spricht:

„Tja, man fühlt sich dann irgendwie übergangen und enttäuscht.“ greift beim Anderen weniger als: „ICH fühle mich übergangen und enttäuscht.“

Gerne verstecken wir uns hinter dem „man“. Das verhindert aber oft, dass wir unsere Gefühle klar mitteilen. Und so werden diese leicht übergangen. Was enttäuschend ist. Siehe oben.

Liebt Euch, achtet auf Euch, atmet durch und vergesst nicht: Ihr seid zum Einen als Mütter Vorbilder (Sollen unsere Kinder sich denn später auch mal verausgaben?) und zum Anderen in Eurem Leben nicht zum Abarbeiten des selbigen da.

Ganz gleich, ob Ihr gläubig seid oder nicht. Einerlei, ob Ihr glaubt, dies sei Euer einziges Leben oder es gab viele und wird noch viele geben:

Das Leben endet, ohne dass wir (meistens zumindest) wissen, wann es das tun wird. Es ist dazu da, mit Sinn gefüllt zu werden.

Wir können angesichts dieses Fakts im Grunde nur glücklich sein. Oder uns pausenlos fürchten.

Verändern können wir nur uns selber. Und wenn wir unglücklich sind, dann ist es unerlässlich zu schauen, welchen Anteil wir selber haben. Andere sind nur sehr bedingt schuld daran. Meist gibt es etwas in uns, das uns unglücklich werden lässt. Oft auf Umwegen. Wenn man sich verändert, geschehen Verschiebungen im System, im eigenen Umfeld, in der Familie. Ganz automatisch. Es werden Dinge wie von alleine möglich, an die man so nicht geglaubt hätte.

Bei akutem Burnout ist zudem eine Therapie absolut empfehlenswert und kann mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprochen werden. Das gleiche gilt für eine (Mutter-Kind-)Kur.

Der, wie ich finde, wichtigste Satz zum Thema Burnout ist:

„Ausbrennen kann nur, wer in Flammen stand.“

Burnout ist kein peinlicher Zusammenbruch von Memmen. Sondern das Endergebnis von Verausgabung bei gleichzeitigem Verlust des Gefühls von Sinnhaftigkeit. Ein Mensch hat geleistet ohne Anerkennung zu erfahren. Er nahm seine Bedürfnisse nicht mehr wahr und ernst. Er stand lange unter druck und wollte möglichst perfekt handeln. Irgendwann bricht er zusammen. Das ist Burnout. Auch wenn das Burnout-Syndrom noch keine anerkannte Erkrankung nach dem ICD-10 ist, so trifft dieser Erschöpfungszustand immer mehr: Bereits jede 5. (!) Mutter zeigt Zeichen einer Erschöpfung bis hin zum Burnout.

Burnout ist das Ergebnis eines falschen, selbstschädigenden Lebensprogramms. Dieses muss verändert werden, damit ein weiterer, vorhersehbarer Zusammenbruch verhindert werden kann.

Eine recht gute Übersicht zum Thema findet man bei Wikipedia.

In diesem Sinne: Lasst es Euch gutgehen. Und wenn es nicht gut geht: Sorgt für Euch genau so gut wie für Eure Kinder und schaut, dass das Leben wieder besser und lebenswerter wird.

Alles Liebe für Euch!

Eure Lareine

 

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Mutter-Kind-Kur: Nachsorge

Wie angekündigt widme ich mich heute dem Thema der Nachsorge nach der Mutter-Kind-Kur.

Eine gute Nachsorge ist fast so wichtig wie die Kur selbst. Denn auch die besten Ansätze und die größten Ideen versanden immer mal wieder. Zuerst tagelang. Dann für Wochen und letztlich schaffen viele Mütter nicht, die Ansätze der Veränderungen neu aufzugreifen. Dadurch schleicht sich dann das Altgewohnte wieder ein und das führte ja nun mal in die Erschöpfung, die man zukünftig vermeiden möchte.

Fakt ist: Wenn eine Mutter wegen Erschöpfung zur Kur fährt, dann verlief ihr Leben bis zu diesem Zeitpunkt nicht gesund für sie. Und Fakt ist auch, dass nur sie den Impuls für Veränderungen setzen kann. Sie kann ihre Umwelt nicht ändern, sondern nur sich selber.

Ich möchte in diesem Artikel kurz zusammenfassen, wie man vorgehen kann, um eine erneute Erschöpfung zu vermeiden. Und zwar weniger auf einer Basis oberflächlicher Tipps wie „Mach einen Tanzkurs, das schafft Ausgleich!“, sondern ein bisschen tiefgreifender. Ein bisschen – denn das ist ein riesiger Themenbereich, dem ich in einem einzigen Artikel nicht ausreichend Raum geben kann.

Es geht hier um Anregungen. Damit man sich nicht von Kur zu Kur schleppt, während es einem niemals wirklich gut geht.

Die Sache mit der Selbstliebe

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Mit der Selbstliebe ist es so eine Sache. Viele Frauen kennen sie gar nicht. Wir leben in einer Welt, in der Liebe von außen kommen soll: Durch rote Rosen, dankbare Kinderbilder, erfreute Schwiegermütter und zufriedene Nachbarn.

Wenn uns auffällt, wie wir da eigentlich leben und wie abhängig uns das macht, dann wollen wir aus diesem System am liebsten sofort heraus.

Das ist allerdings gar nicht so einfach, wie wir in der ersten Euphorie denken.

Es ist fast so, als würde man sich eine Sucht abgewöhnen. Wir sind es gewohnt, uns zu vernachlässigen. Es gibt in all dem voll gestopften Alltag einfach zu wenig Raum und natürlich verzichten wir als Erste. Ganz märtyrerhaft. Denn das haben wir so gelernt.

Ich –  hier stellvertretend für viele Mütter – habe mir über Jahrzehnte angewöhnt, nicht gut auf mich zu achten. Wie werde ich das los? Wie soll ich es schaffen, umzuschalten von Selbstlosigkeit und Perfektionismus zu … ja, was ist denn das Gegenteil davon eigentlich?

Selbstliebe.

Der Start der Veränderungen ist die Selbstliebe. Man betrachtet sich zum Einstieg am besten so, als sei man sich selbst eine gute Freundin.

Und das ist ein hartes, für viele ungewohntes, Stück Arbeit.

Wir alle haben nämlich diese Stimmen in uns, die uns Dinge flüstern. TherapeutInnen nennen diese Stimmen „Leitsätze“ oder „Glaubenssätze“. Nur pro forma: Es geht hier nicht um fremde Stimmen und Einflüsterungen wie bei einer Schizophrenie. Ich meine hier die vielen kleinen Ärgernisse in unserem Kopf wie: „Das schaffst du nie“, „Na, machst du es dir nicht etwas zu einfach?“, „Wenn deine Mutter das wüsste“  und so weiter.

Diese Stimmen stammen von unseren Müttern und Vätern, den Nachbarn, den scheinbar perfekten Mit-Müttern um uns herum, die seit einer Weile zusätzlich in den Sozialen Medien zu sehen sind., Sie sind Ausdruck der gesamtgesellschaftlichen Strömung, dem Mutter-Mythos und weiteren Einfluss Nehmenden. All diese Einflüsse wirken auf uns, ohne dass wir es bewusst merken.

Wir alle haben solche Sätze, die uns prägen und führen. Von der Kindheit an begegnen sie uns. Und in unserer Kindheit wurden sie ein Teil unserer selbst.

Folgende innere Diskussionen entstehen:

Erschöpfte Mutter: „Jetzt setze ich mich als erstes hin und trink ’nen Tee.“

Antwort Innere Stimme: „Jetzt? Als Erstes? Vielleicht solltest du erst mal was leisten, ehe du faul rumliegst!“

Oder

Erschöpfte Mutter: „Heute würde ich ein Königreich für einen kinderfreien Tag geben!“

Innere Stimme: „Wie bitte? Dafür hast du die Kinder ja wohl nicht bekommen! Andere wünschen sich Kinder und kriegen keine. Wie kann man nur so undankbar sein?“

Oder

Erschöpfte Mutter: „Puh, ich habe das Gefühl, nicht allem gerecht zu werden. Ich bin ganz schön überlastet.“

Innere Stimme: „Absolut! Du bist eine überforderte und damit schlechte Mutter. Hättest du die Dinge im Griff, wäre das anders!“

Um das mit der Guten Freundin mal zu illustrieren:

Stellt Euch vor, Ihr würdet einer Freundin diese Sätze sagen:

Erschöpfte Mutter: „Jetzt setze ich mich als erstes hin und trink ’nen Tee.“

Gute Freundin: „Klasse Idee, ich mach‘ uns einen. Früchte oder Kräuter? Und dann entspannst du dich mal kurz, hm?“

Die gute Freundin holt uns da ab, wo wir stehen. Wir zerren nicht an Freundinnen, wir lassen sie in Ruhe und ihrem Tempo gehen. Gerne unterstützen wir sie und haben vor allem eins: Verständnis.

Wir lieben sie eben halt.

 

Veränderungen im Alltag

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Auf diesem Foto sehe ich immer zuerst das schiefe Kissen und das Blatt auf der Kücheninsel. Noch Fragen …?

Es sind kleine Schritte. Viele und kleine.

Man darf nicht erwarten, sofort alles umwälzen zu können. Denn wir Menschen sind träge, was Veränderungen betrifft. Ja, auch bei denen, die uns gut tun. Alles Neue ist potentiell bedrohlich – dies empfinden wir tief in uns. Das ist so eine Art „Neandertaler-Gedächtnis“, das uns lehrte, keine neuartigen Beeren zu probieren und dass neue Geräusche vermutlich feindselige, hungrige Tiere sein könnten.

Das Altgewohnte gibt uns Sicherheit. Das Neue könnte gefährlich sein. Daher ist es okay, vom neuen Weg immer mal wieder abzukommen. Wichtig ist, dies zu entdecken und sich wieder zurück auf den neuen Pfad zu begeben. Und sich für diese Erkenntnis zu loben.

Es ist auch wichtig, seine Ressourcen zu kennen und zu nutzen. Manchmal sind es Kinder, die eigentlich schon reif genug sind, um Mamas Grenzen zu respektieren. Manchmal sind es liebe Nachbarn, die gerne mal die Blumen im Vorgarten gießen. Oder die Großeltern, die doch die Kinderchen auch zwei Mal im Monat über Nacht nehmen würden.

Es könnte auch die eigene Intuition sein. Manchmal hört oder liest man etwas und da gibt es so ein „Ping“ tief innen. Dieses Ping ist oft ein Hinweis: „Mensch, das ist jetzt wichtig für mich. Ich sollte mir das mal genauer ansehen.“

Im Alltag lassen sich Veränderungen, mit denen man sich gesund und energiereich erhält, am besten so umsetzen:

1.) Ich schaue mir meine Wünsche und Bedürfnisse an

Hier ist absolute Ehrlichkeit angesagt. Und die Inneren Stimmen haben da kein Mitspracherecht. Auch wenn das Bedürfnis lautet: „Ich will endlich mal ein paar Tage allein und ohne meien Familie sein!“ dann ist das angebracht und wichtig.

Ein Beispiel: „Ich möchte regelmäßig Sport machen. Danach fühle ich mich ausgeglichen und stressfrei.“

Da melden sich dann oft negative Anteile und sagen:

„Schaffste eh nicht. Du bist zu faul/hast zu viel Stress/zu viele Termine ….“

Hier kann man kurz hinschauen und sagen:

„Okay, wie es aussieht habe ich große Angst, mein Bedürfnis nicht erfüllt zu bekommen. Das ist in Ordnung. Aber das wird mich nicht abhalten.“

2.) Ich formuliere mein Ziel und schreibe es auf

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Dazu kann man rituell ein schönes Notizbuch kaufen oder auch einfach ein Schulheft nehmen. Ganz nach eigenem Geschmack. Die Tendenz sollte aber immer in Richtung: Ich tu mir etwas Gutes sein. Es ist besser, handschriftlich zu arbeiten und seine Ideen nicht ins Smartphone zu tippen oder zu sprechen.

Das Schreiben hat einen manifestierenden Charakter und dieser sollte bewusst genutzt werden.

Sehr gut sind auch Haftnotizen oder Zettel, die man mit Magneten an den Kühlschrank pinnt. Überall, wo man täglich immer wieder hinschaut: Badezimmerspiegel, Kühlschrank, Schranktür, Haustür …

Neue Ideen udn Ziele kann man sehr gut dort notieren. das klingt vielleicht etwas schräg und ungewohnt, seine Bude mit Zetteln zu pflastern, aber es ist nachweislich wichtig. Unser Gehirn integriert solche Sätze langsam. Wenn man sie immer wieder sieht. Sie werden einen Teil der eigenen Gedankenwelt, ohne dass sie große innere Gegenwehr auslösen.

Ein persönliches Beispiel: Ich habe vorn in meinem Kalender das Wort „Sensei“ (aus dem Japanischen, sinngemäß LehrerIn, MeisterIn) stehen. Weil Nummer 1 und Nummer 2 mir mal sagten, dass ich wie ein bestimmter weiblicher Sensei aus einem Manga sei: Mutter und Mentorin in einem. Sie sagten, dieser Charakter in der Geschichte habe die beiden Protagonisten als Kinder aufgenommen und großgezogen, aber zugleich auch geistig und körperlich ausgebildet. Und das sei mir ähnlich.

Das löste etwas Tiefes in mir aus: Ich spürte, dass dies etwas ist, das mich ausmacht – ein Teil von mir: Ich schule sie philosophisch, geistig, spirituell, ethisch und „ganz normal“. Ich bin nicht nur die ausgelieferte Mutter im Alltagstrott, die frustiert, weil sie sich geistig nicht einbringen kann vor lauter Zahnarztterminen und Bügelwäsche.

Daher klebe ich „Sensei“ zusätzlich an meinen Kühlschrank. Als Erinnerung, die mir sagt: „Vergiss nicht Dein Potential und Deine Aufgabe!“ Es erinnert mach an die für mich persönlich wichtigen Dinge im Leben. Jeder hat seine ganz eigenen Aufgaben und Vorstellungen.

Und anhand dieser erinnert man sich in der Tat an sich selbst. Ohne all die Erwartungen von außen. Wir alle haben uns oft zu sehr angepasst an die Vorstellungen davon, wie wir zu sein haben. Im falle der Mütter: selbstlos, leistungsfähig, fleißig, aktiv …

Aber wir bin ich wirklich?

Backe ich echt gerne Schokomuffins und nähe ich gerne Kostüme für die Schulaufführung? Mag ich es, auf dem Spielplatz zu sitzen und über Windelfreiheit zu reden? Mag ich es, mit einem Baby auf dem Einkaufswagen durch den Supermarkt zu hetzen? Bin das ich, die gerade der anderen Mutter subtile Vowürfe macht? Bin das alles ich? Oder habe ich mich nur angepasst, geschmeidig gemacht und vergessen, was ich eigentlich wünsche und hoffe?

3.) Ich plane, wie ich das Ziel erreichen kann

Zurück zur direkten Planung: Zwei Mal Sport pro Woche wäre ein gutes Maß. Okay. Das Fitnessstudio ist mir irgendwie zu voll. Ich bin da ungern und durch die fehlende Kinderbetreuung macht es mich unflexibel. Aber zuhause alleine Sport machen – geht das?

Ausprobieren. Wenn es nicht klappt, ist das kein Scheitern. Dann hat man gelernt, einen neuen Weg zu suchen. Vielleicht findet sich eine Freundin, die mitgeht, das motiviert. Oder man findet einen Yogakurs in der Hebammenpraxis oder, oder …

Ich könnte auch zuhause Yoga machen, weil ich noch dieses sehr gute Video habe. Dazu kaufe ich mir eine gute Matte und lege los. Wann geht das? Dienstagmorgens und Donnerstagmorgens. Da bin ich nicht auf der Arbeit und hätte 30 Minuten Zeit.

4.) Ich werde aktiv

„Wenn man etwas 14 Mal an aufeinanderfolgenden Tagen oder nach festem Zeitplan tut, dann wird es zur Gewohnheit.“

Zwei Wochen wird das mit dem Yoga durchgezogen. Ausredenfrei. Danach wird man es vermissen, wenn man mal einen Arzttermin am Donnerstagmorgen nehmen muss. Das liegt auch wieder an der Art, wie unser Gehirn lernt: Es möchte einfach Muster erleben, um diese zu wiederholen. Weil es eh schon den ganzen tag damit beschäftigt ist, aus all den Eindrücken die wichtigsten herauszufiltern und die anderen auszublenden. Das ist harte Arbeit. Da möchte das Gehirn simple Programme abspulen. Und diese implementiert man wie eine Software.

Einmal drin, läuft sie ab. Nicht immer fehlerfrei. Aber das macht nichts. Wir kennen das Programm und führen unser Gehirn wieder dahin zurück, wenn es nötig ist.

5.) Ich verlasse den neuen Pfad leider wieder

Oft sind das nur kleine „Extrarunden“ oder „Umwege“ – man brauchte dann noch mal den alten Zustand als Vergleich oder sich noch ein weiteres Mal von ihm zu verabschieden. Kein Grund, sich zu schämen. Scham schrumpft einen und ist daher unerwünscht!

6.) Ich gehe weiter auf meinem Weg

„Umwege erweitern die Ortskenntnis“ – nun kennt man sich noch ein wenig besser. Wichtig ist, nicht verbissen heranzugehen, sondern liebevoll. Es gibt kein Scheitern – die besten Erfindungen erstanden oft erst nach oder auch durch viele Fehlschläge, durch die das Ergebnis jedes Mal verbessert und verfeinert wurde.

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Sich Unterstützung suchen

Eine gute Nachsorge zu einer Mutter-Kind-Kur kann durchaus bedeuten, dass man sich Unterstützung sucht.  In meinem Fall vereinbarte ich regelmäßige Abstände mit einer Dame von der AWO, die auf die Nachsorge spezialisiert war. Und ich besuchte bei der Caritas eine Nachsorge-Gruppe. Das war eine großartige und für mich weitreichende Entscheidung.

Und das erkläre ich einmal kurz:

Die Gruppe, die sich inzwischen nach den festgelegten sechs Treffen im Haus unserer ortsansässigen Caritas-Stelle, trifft sich inzwischen privat finanziert weiter. Weil es einfach eine unglaublich gute Dynamik gab zwischen den Teilnehmerinnen. Und weil die Therapeutin so hervorragend ist.

In den ersten Gruppenstunden braucht eich – wie immer – eine Weile, um zu fühlen und zu hören. Zu beobachten und einzuschätzen. Und dann waren wir auch so weit, uns allen gegenseitig Tipps zu geben oder auch mal etwas zu analysieren.

Und während ich das tat, spürte ich, wie etwas in mir in Schwingung geriet. Und die Therapeutin sagte: „Also das hätte ich nun genau so auch gesagt. Sehr gut!“

Das nahm ich mit nach Hause. Und ihre Broschüre. Und diese las ich durch. Das war in einer Phase, in der ich fieberhaft nachdachte, was ich beruflich in der Zukunft machen möchte.

Ich wollte nicht mehr als Texterin arbeiten. Und dachte zögerlich nach, zu studieren.

Aber vier Kinder plus Studium würden eine heftige Bürde sein. Und ich war gerade in der Burnout-Nachsorge. Alles lief nicht wirklich rund. Da ist eine neue Bürde nicht das, was man gerade suchen sollte. Und irgendwie erschien es mir auch nicht das Richtige.

Ich sah in der Broschüre, dass die Therapeutin zuerst Lehrerin gewesen war und dann die Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie gemacht hatte. Anschließend hatte sie diverse Fortbildungen absolviert. Ihr Schwerpunkt, die „Psychosynthese“ begann mich zu interessieren und ich las mich durch das Internet. Ich lerne viel über Aufstellungsarbeit, Psychodrama und Visualisierungen. Und ich war so interessiert und voll bei der Sache, das ich jedes Mal beschwingt am Ende das Notebook schloss und all das neue Wissen inspiriert genoss.

Dann, recht plötzlich, kam mir der Gedanke: Das ist es! Genau das ist mein Ding. Das ist dieses Etwas, nach dem ich die ganze Zeit suche.

Ich erzählte meinem Mann und auch den Kindern davon und alle meinten sie das Gleiche: „Ja! Das ist ein absolutes Talent von Dir! Psychologie, Therapie, Analyse, Zuhören, Empathie!“

Nach dem nächsten Treffen erzählte ich der Therapeutin von meiner Idee und sie war sehr angetan. Sie fand auch, dass ich da deutliche Talente hätte und dass sie sich mich in diesem Berufsfeld sehr gut vorstellen könne.

Danach suchte ich mir eine Heilpraktikerschule, ging zum Gespräch mit der Schulleiterin und – meldete mich an.

Das Lehrmaterial verschlinge ich, alles interessiert mich und Lernen fällt mir absolut nicht schwer, im Gegenteil. Ich bin sehr froh über meine Entscheidung und freue mich sowohl auf die Ausbildung, als auch auf den Beruf danach.

Zurück zur Nachsorge-Gruppe und der Hilfe, die man suchen sollte:

Wichtig sind Menschen, die einen begleiten. Sehr wichtig ist es auch, eine/n eventuelle/n PartnerIn einzustimmen. Alleine ist es sehr, sehr schwer, Dinge im Familiensystem zu verändern. Schön ist, wenn jemand da ist, der zumindest Bescheid weiß und bestenfalls gemeinsam auf die Fortschritte achtet sowie gesprächsbereit ist.

Oder man vernetzt sich mit den Kur-Teilnehmerinnen. Das habe ich zusätzlich getan. Wir haben so unsere WhatsApp-Gruppe gebildet, in der fast täglich geschrieben wird und uns auf Facebook befreundet. Es wird gechattet und geschrieben, Fotos ausgetauscht und so weiter.

Nicht aufgeben!

Nicht aufgeben!

In einer guten Kur lernt man, sich selbst wahrzunehmen und die eigenen Bedürfnisse liebevoll zu betrachten. das steht konträr zu dem, was man Müttern in der Gesellschaft vermittelt: „Genieße es! Klage nicht! Muttersein ist erfüllend! Du hast Kinder nicht bekommen, um dich dann um dich selbst zu kümmern!“ und so weiter – wir alle kennen das.

Manche Mütter können sich von diesen Ansprüchen abgrenzen (die Glücklichen!) und andere nicht. Ich glaube, die meisten schaffen es nicht ohne Weiteres.

Wir (die jetzige Müttergeneration, die kommende können wir selbst anders großwerden lassen) sind noch auf weibliche Selbstoptimierung geprägt. Erzogen, hilfreich zu sein und uns zum Wohle Anderer zurückzunehmen.

Mütter sind fürsorglich, liebevoll, herzlich, vergeben schnell, sind selten streng, geben viel mehr als sie nehmen, sind dankbar und nicht streng, sondern eher verständnisvoll. Sie lieben die Nähe zu ihren Kindern – weil diese sie brauchen. Immer. Sie verzichten auf Privatsphäre und Bedürfniserfüllung. Dafür ernten sie das Glück in den Kinderaugen. 

Das kennen wir alle. Manche von uns können das so leben. Manche tun es und verdrängen ihre negativen Gefühle in die Schattenecke (wo sie oft zu nichts Gutem anwachsen) und andere lehnen die Ansprüche rebellisch ab, fühlen sich aber deshalb dauernd angestrengt und in Selbstzweifeln.

Dranbleiben ist daher wichtig, denn man gerät durch die tiefsitzenden Ansprüche ganz schnell ins Wanken, wenn man neue „Glaubenssätze“ installieren möchte. Das dauert, man strauchelt und muss wirklich jedes Mal wieder aufs Pferd steigen, um weiterzumachen.

Lob und Anerkennung

Die beiden Goldschätze fehlen uns Müttern bekanntlich häufig. Ja, da ist das mit den glücklichen Kindern und so. Aber wer ganz doll böse und gierig ist, der wünscht sich mehr. Und dies können nur wir selbst uns geben. Es nützt nachweislich viel weniger, wenn dies von außen kommt. Wir selbst müssen uns als das sehen, was wir (ich spreche hier für Mütter, die nicht rundherum zufrieden sind, sich von diesen Zeilen angesprochen fühlen oder die sich in einer Kur-Situation befinden) sind:

Sehr leistungsstarke Perfektionistinnen, denen es als Selbstliebe fehlt. Die ihre Grenzen weder kennen noch wahren. Und sich unter Wert verkaufen.

Wenn wir es schaffen, alte Muster zu durchbrechen, dann müssen wir uns unbedingt loben und diese Leistung anerkennen, denn sie ist enorm.

Jedes Mal, wenn man zurückfällt in alte Muster und es bemerkt: Großartig!

Immer, wenn man etwas Neues ausprobiert: Klasse!

Jeder Tag, an dem man sich abends erfüllt und nicht nur müde fühlt: Reife Leistung!

Zahlen, Infos & Hilfe

Mütter im Burnout (1).jpg

Die Erschöpfung betrifft viele Mütter:

2013 nahmen 49.000 Mütter an Mutter-Kind-Kuren teil. Die Krankenkassen lehnen immer weniger Kuranträge ab – die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssymptomen bis hin zum Burnout steigt stetig.

Körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Migräne oder Verdauungsprobleme gehören ebenso zu den von Müttern genannten Symptomen wie Müdigkeit, Angstzustände, Gereiztheit.

Die Gründe für die Erschöpfung sehen die Mütter selbst im Zeitdruck, beruflichen Anforderungen, hohem Erwartungsdruck, geforderter Perfektion und mangelnder Anerkennung ihrer Leistungen.

Im Jahr 2015 litt jede 5. Mutter am Erschöpfungssyndrom. In den letzten zehn Jahren stieg die Anzahl um 37 Prozent.

Einen ersten Überblick in die Thematik einer Mütter-Kur bietet das Müttergenesungswerk.

Hier findet man ebenfalls Einblicke und Informationen.

Bei der örtlichen Niederlassung der Caritas stehen häufig Kurberaterinnen zur Seite, die beim Antrag helfen und die nötigen Schritte klären, sowie eine Kurklinik finden, die zu einem passt. Sie sind hierbei an bestimmte Kliniken gebunden. Wer lieber freier in der Auswahl ist, der kann seine Klinik auch selbst suchen.

Zudem gibt es eine Online-Beratung der Caritas, die zu Beginn (vor der Kur) erschöpften Müttern einige Tipps geben kann.