Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Ich bin in’s Sommerloch gehüpft und habe ein paar Artikel gefunden, die mir sehr gut gefielen:

Trageberater Gunter gibt ein Interview bei der Stadtmama – ich finde das richtig klasse! Ein Mann unter Traglingen und Tragemamas. Ob er mit Vorurteilen und Unfreundlichkeiten umgehen muss? Natürlich (seufz). Lest mal nach, wie er damit umgeht!

Bei den Textilen Geschichten drehte es sich um die Zeitschrift „Berliner Leben und Blätter für galante Kunst“ (ab 1920) – eine echt Bereicherung, dieser Artikel! Ich fand es ehr interessant, weil ich ja Einblicke in die Vergangen und auch Mode liebe!

Bei Geburt und Mamasein gibt es ein aufschlussreiches und echt informatives Autorinnen-Interview mit Doris Moser („Der überwachte Bauch“): „Wie viel Überwachung nützt und ist während der Schwangerschaft nötig?“ ist eine der Kernfragen, die aufgeworfen werden.

Und zum Schluss noch die traurige Geschichte der Zwillinge Zoe und Mia, die ihre Mutter verlieren werden. Diesen Artikel teile ich mit der Bitte, schnell per PayPal-Klick vielleicht eine Kleinigkeit zu spenden.

Würde mich freuen, wenn etwas für Euch dabei war! ❤

Freiwillig verwaist – über den Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern

Dieser Artikel von Paulas Blog hat mich bewegt und dazu gebracht, zu diesem Thema meine Gedanken zu äußern.

Ich habe – wer hier schon etwas länger liest, weiß es vielleicht – (alle anderen können hier nachschauen) eine dieser „schweren Kindheiten“.

Ich möchte aus Respekt für Betroffene der Themen Kindheitstraumata, sexualisierte Gewalt und psychisch kranke Eltern eine Triggerwarnung vorwegschicken. Und natürlich lasse ich zudem unnötig verst Details aus – auch wenn ich Sachverhalte beschreibe.

Zeit ist vergangen

Vor rund fünf Jahren sprach ich das letzte Mal mit meiner Mutter. Es ist nun drei Jahre her, dass ich mich auch gegen einen weiteren Kontakt zu meinem Vater entschied.

Wie geht es mir damit eigentlich?

Nun ja. Gemischt.

Ich trauere, weil ich nie so eine Mutter hatte, wie ich sie mir vorstelle: Eine liebende, mich wohlwollend betrachtende und verantwortungsbewusste Frau, die für mich da ist, mit der ich mich austausche und die mein Leben durch ihre Persönlichkeit bereichert. Manchmal nervt, mich Dinge lehrt, mit der ich Konflikte austragen und mit der ich gemeinsam wachsen und reifen kann.

Mutterliebe 2

„Ich begleite Dich, meine Gedanken sind bei Dir und Du in meinem Herzen, mein Kind.“ Soweit die Idealvorstellung

Ich würde mich gern ein wenig gestützt und beschützt fühlen. Durch eine Mutter an meiner Seite. Ich würde gerne manchmal anrufen und sagen: „Hey, Nummer 1 hat heute eine 2 in Französisch mitgebracht!“ und sie würde sagen: „Wow, toll, da hat sich das ganze Üben ja gelohnt. Gib sie mir doch mal eben, ich will sie unbedingt loben!“

Oder ich hätte sie letztes oder vorletztes Jahr angerufen und gesagt: „Puh, Mama, ich bin echt fertig und angestrengt. Die Kinder, das Baby, die Hyperthyreose, der Wasserschaden. Meine Ärztin befürchtet, ich könnte total erschöpfen …“ und sie hätte gesagt:“Ach Mensch, ja, ich weiß. Das ist aber auch alles viel für dich. Ich komm vorbei und schaue, wie ich dir helfen kann, okay?“

Da mein Vater eher einer dieser Randfiguren-Väter war vermisse ich ihn als „Rolle“ weniger. Aber auch. Ich vermisse, nie einen Vater gehabt zu haben, der sich wirklich interessierte oder verantwortlich fühlte. Einen, der nicht in seinen Gefühlen launisch, schon gar nicht beängstigend gewesen wäre und mich vielleicht sogar ab und an mal beschützt hätte.

Er hätte mir Mut zugesprochen und wäre stolz auf mich gewesen.

Soweit die Phantasie.

Wunschbilder und Wirklichkeit

Ich vermisse in der Tat auch diese beiden Menschen, mit denen ich die ersten zwanzig Lebensjahre unter einem Dach verbrachte.

Und doch betrauere ich am meisten das, was ich niemals hatte:

Ich habe kaum schöne Kindheitserinnerungen. Kaum eine Erinnerung daran, wie ich ganz losgelöst und unbelastet war. Dauernd fühlte ich mich nicht gut genug, war innerlich gehetzt und dachte, ich sei nicht viel wert. Ich war immer auf der Hut vor Launen, Stimmungsschwankungen und den verschiedenartigen Attacken sowie Ausbrüchen, die das nach sich zog. Mal diese subtilen Untertöne, mal direktes Lächerlichmachen, dann wieder totale Begeisterung für mein Tun und kurz darauf eben wieder Frustration und Wut. In einer solchen Gesellschaft wächst man nicht unbesorgt auf.

In Wahrheit war es mehr als nur der Mangel an Stabilität: Ich war ein tief, tief traumatisiertes Kind, das Jahrzehnte brauchte, um aufzuarbeiten, was passiert ist.

Ich vermisse die Mutter nicht, mit der ich Dinge erleben musste, die bis heute als tiefsitzende, frühkindliche Todesangsterfahrung in meinen Knochen (und meiner Amygdala, dem Angstzentrum im Gehirn) sitzen und gegen deren Auswirkungen ich trotz aller Selbstreflexion- und analyse, trotz mehrjähriger Therapie und trotz allen Wissens immer wieder ankämpfe. Oder besser ausgedrückt: Mit denen ich leben lernen musste.

Dieses folgende Gefühl habe ich da, wo ich gerne eines von Geborgenheit hätte: „Meine Mutter sagt, sie liebt mich. Aber sie beschützt mich nicht nur nicht, sondern ist Mittäterin, ja eigentlich sogar Initiatorin. Sie hätte mir beinahe mein Leben genommen, weil sie in ihrem Wahn unaufmerksam und es für mich dadurch gefährlich wurde.“

Ich habe das nicht vergessen, es war lediglich verdrängt. Wie so viele andere wirklich hässliche Dinge und Details.

Reifliche Überlegung

Ich habe sehr viel Verschiedenes über meine Entscheidung des Kontaktabbruchs nachgedacht. Ich dachte:

„Sie können nichts dafür, dass sie so sind wie sie sind. Sie brauchen mich vielleicht.“

„Andererseits habe ich es satt, dauernd Verständnis für sie zu haben, nur weil ich dazu in der Lage bin. Ich bin nicht deren Mutter!“

„Ob meine Mutter an mich und ihre Enkel denkt? Ist sie in der Lage uns zu vermissen? Oder ist das bei ihr so, wie bei vielen Menschen mit Borderline Persönlichkeitsstörung: Aus den Augen – aus dem Herzen. Keine Objektkonstanz? Wer nicht da ist, den spüre ich auch nicht. Oder so?“

„Ob mein Vater unser letztes Telefonat bedauert? Oder ist er zu stur oder selbstverliebt? Zu wenig fähig, sich selbst kritisch zu betrachten. Ist er also so wie immer?“

„Ich vermisse es, wenigstens das Bisschen als Mutterliebe zu bekomme, was ich eben so bekam. Das tut wirklich be*** weh!“

„Wenn ich mir vorstelle, wie sie sich einreden, wie böse und gemein ich bin, dann könnte ich ausrasten!“

„Schade, dass mir das Weinen so schwer fällt. Ich wette, ich würde mich besser fühlen, wenn ich diesen Part des Trauerns zulassen könnte.“

„Wenigstens meine Kinder haben eine Mutter, die für sie da ist und sie liebt. Sie fühlen sich sicher und stark. Das ist das Wichtigste.“

„Ob ich meiner Mutter wenigstens mal Fotos von ihren Enkel zukommen lassen soll? Sie kennen ja beide Nummer 4 überhaupt nicht. Interessiert es sie überhaupt? Denken sie einen Hauch so viel über mich nach, wie ich über sie?“

„Was ist, wenn ich ihnen Unrecht tue? Was, wenn ich wirklich unerträglich und verrückt bin? Charakterlich deformiert und gestört? Vielleicht weiß ich das ja nur nicht! Oh Gott, was, wenn ich verrückt bin und meine armen Eltern verstoße, die nur versuchen, für mich da zu sein und mich lieben … halt nein: Da merke ich gerade, dass es so ja nicht ist. Denn dann wären sie vermutlich da und würden versuchen, mir zu helfen …“

„Es ist, als wären sie tot und ich würde trauern. Aber sie leben. Ich bin es ja, die sie quasi sterben lässt. Ein klassisches ‚Für mich seid ihr gestorben‘ -das ist sehr heftig.“

„Ich bin eine miese Tochter. Ich sollte mehr Verständnis für die beiden haben. Ich war immer diejenige, die sie innerlich bemuttert hat und die Verständnis für sie hatte. Und nun lass ich diese beiden armen, psychisch gestörten Menschen einfach sitzen.“

„Ist das Liebe, was ich für sie empfinde? Ist das gut? Sollte ich mir das irgendwie abgewöhnen? Diese verfluchten unkündbaren Beziehungen…!“

„Wow, wer keine Eltern hat, der ist dazu gezwungen, so richtig erwachsen zu sein. So ohne Netz und doppelten Boden. das wiederum finde ich sehr stärkend. Ich kann nicht mal eben meine Eltern um Hilfe bitten und ich trage die gesamte Verantwortung für mein Leben selber.“

„Oh Mann, wer keine Eltern hat, der kann nie mal eben nach ihnen rufen oder sie um Rat bitten oder mit ihnen über alte Geschichten lachen. Das ist sehr schmerzhaft.“

Wölfe, Gérard van Drunen

„In meiner Vorstellung traumhaft: Leben in einem Rudel“             (Foto: van Drunen)

In der Tat sagen unsere Großen manchmal etwas wie: „Mama, es ist echt krass, dass du uns etwas geben kannst, das du selber nie hattest. Und so viel davon! Woher nimmst du all das, wenn du es nie bekommen hast?“

Aus meiner Liebe. Und dem Wissen daraus, wie schlimm es sich anfühlt, wenn es fehlt.

Time to say Goodbye …

Ja, ich muss mich verabschieden. Von meinen verträumten Wünschen, meinen sehnsuchtsvollen Gedanken, von meinen Bedürfnissen nach elterlicher Liebe und Begleitung.

Viele Menschen sagten mir schon: „Du hast du doch deine eigene tolle Familie!“

Ja. Schon. Aber das hilft so viel wie das übliche „Du hast ja noch ein anderes Kind“-Trösten nach einer Fehlgeburt hilft.

Ich bin wirklich fast täglich dankbar für meine Familie. Sogar, wenn sie mir gehörig auf den Zeiger geht. Aber es ist doch nicht verwerflich, sich zusätzlich eigene Eltern zu wünschen anstatt ausschließlich dauerdankbar dafür zu sein, selbst welche sein zu dürfen.

Ich habe letztlich keine Fotos für sie gemacht. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich sie meiner Mutter zukommen lassen sollte. Ich weiß nämlich nicht, wo sie gerade wohnt. Die letzte Information war, dass sie mit dem schwer autistischen Sohn ihres verstorbenen besten Freundes zusammenlebt und sich um ihn kümmert. Für ihren eigenen autistischen Sohn hatte sie so viel „Liebe“ nicht übrig.

Aber gut. Was soll ich darüber nachdenken? Sie besteht eben aus Bildern, die sie sich von sich selbst macht. Sie ist gerne die Helfende und Unterstützende. Da, wo ihr diese Darstellung gefällt. Da, wo sie damit etwas gewinnen kann. Und da ich ihr ja als Tochter sicher war, ebenso wie meine Liebe – die bei Kindern ja mitgeliefert wird – war dies bei mir unnötig.

Und hier schließt sich mein Gedankenkreis: Was würde mir persönlich ein Kontakt bringen?

Nichts Gutes.

Nur etwas Schein.

Und dafür gebe ich nichts auf. Nicht mehr. das habe ich Jahrzehnte lang getan. Um mich am Ende ungeliebt zu fühlen und zu begreifen, dass ein Mensch wie sie tragischer Weise niemals wirkliche Liebe empfinden kann. Das ist sehr traurig. Für sie ebenso wie für mich.

Ich betrauere im Grunde sehr viel mehr als den Verlust, den meine Entscheidung mit sich brachte:

Ich sehe in meiner Mutter ein kleines Mädchen, das tief verletzt wurde und diese schwere Bindungsstörung entwickelte, mit der sie wiederum bei ihrem kleinen Mädchen schwere Verletzungen verursachte. Und ich weiß inzwischen, dass ihre Verletzung nur eine in einer langen Reihe war, die sich über Generationen weitergab. Laut Einschätzung meines (unglaublich dankenswert kompetenten) Therapeuten handelt es sich um einen etablierten transgeneratorischen Missbrauch in der mindestens fünften Generation.

Daher entschied ich vor langen Jahren, diesen zu stoppen. Ende. Ich wollte, dass ich als letztes Opfer das ganze beende. Es war, wie sich vor einen rauschenden D-Zug zu stellen, um ihn wie Superman aufzuhalten. Superwoman in diesem Fall. Ich in diesem Fall.

Und es lohnte sich. Ich sehe meine Kinder, sie sich selbst annehmen wie sie sind. Die eine Tochter eher schüchtern, aber stets im inneren Wachstum. Die andere lange Zeit mit der Thematik des Mobbings konfrontiert, aber von uns unterstützt und begleitet. Die Dritte wibbelig und voller Energie, eine Quasselstrippe voller tiefer religiöser Werte und einem wunderbaren Sozialverhalten. Und natürlich der Kleine, der von einer Bekannten immer als „Glücks-Baby“ bezeichnet wurde, weil er genau dies ausstrahlt: „Mir geht es gut, ich bin vollkommen glücklich und angenommen.“

In mir ist Trauer.

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Aber auch viel Liebe. Dankbarkeit und ich bin achtsam geworden. Mein Schicksal machte mich sensibel, empathisch und sehr stark. „Mich haut so schnell nichts um!“ sage ich manchmal und das fühlt sich gut an.

Ein mittlerer Burnout und eine Angststörung – das ist alles, was ich davon trug. Und Trauer. Und Misstrauen. Das ist okay für mich. Ich bin stark, nicht persönlichkeitsgestört, nicht essgestört, nicht drogensüchtig, nicht narzisstisch. Nix. Und ich bin dankbar dafür. Mir selbst auch.

Mit dieser Entscheidung bin ich nicht allein

Vielen Menschen geht es wie mir – das fiel mir auf, als ich den oben erwähnten Artikel las.

Diese schwierige Entscheidung. Und dauernd Zweifel daran. Die Trauer, das Ziehenlassen der Hoffnungen und der eigenen Bedürfnisse. Und dann die Fragen aus dem Umfeld, die irritierten Blicke und auch manchmal die Kommentare, all das.

Dennoch akzeptiere ich die Tatsache des Verlusts, der im Grunde nie einer war, weil einfach bestimmte Elemente nie wirklich in meinem Leben waren.

Ich akzeptiere meine Trauer, meine Wut auf und auch die Liebe, die trotz allem da ist. Ich bin an all dem gewachsen und es gab mir Fähigkeiten.

Und – was mir beim Lesen des Artikels noch auffiel: Ich bin nicht allein damit.

Und Ihr anderen „freiwilligen Waisen“ seid es auch nicht ❤

 

 

 

 

Väterglück ist wie das Stockholm-Syndrom

Väterglück ist wie das Stockholm-Syndrom

Als meine Frau mir gerade den Link zum Aufruf „Väterglück“ rüberschickte, musste ich müde lächeln.

„Ich fühle mich gerade nicht dazu prädestiniert, über Väterglück zu bloggen,“ meinte ich.

Das hat jetzt nicht mal was damit zu tun, dass ich mich in einer großen Vaterkrise oder gar der Midlife-Crisis befinde (dazu haben Menschen wie ich überhaupt keine Zeit). Es lag mehr daran, wie ich die letzten zwei Stunden verbracht habe. Erst sind Ms. Essential und ich – direkt nachdem ich die letzte Präsentation des Tages fertiggestellt hatte – aus dem Haus gestürmt und einkaufen gefahren. Nummer 1 und 2 hatten den Auftrag, die Bude wieder halbwegs in Schuss zu bringen, während wir die zwei Zentner Lebensmittel ranschaffen, die die Meute hier so in der Woche vertilgt. Als wir zurück kamen, war Nummer 3 über und über mit Matsch und Grasflecken verschmiert, es war natürlich nichts aufgeräumt, aber dafür hatte eine Freundin noch den Fahrradgriff eines unserer Fahrräder abgerissen und vor Wut weggeworfen. Außerdem hatte sie eine ausgeliehene Hose bis zur Unkenntlichkeit verdreckt.

Als ich die Einkäufe einräumte, fiel mir aus zwei Metern Höhe eine Lampe auf den Fuß, während Nummer 4 weinte, weil er lieber Schokolade als Möhrengemüse essen wollte. Unterdessen stellte sich eine Etage höher heraus, dass der Matsch auf Nummer 3s heller Bluse in Wirklichkeit Kirschsaft war.

„Väterglück“, dachte der Zyniker in mir, „ist doch oft nur eine Art Stockholm-Syndrom.“

Ich meine, man ist dauernd müde, hat nie Zeit für sich, gibt sein ganzes Geld nur für irgendeinen Kram aus, den man eigentlich gar nicht haben will. Und von dem, was sich „Familienurlaub“ nennt, fange ich mal gar nicht erst an.

Mittlerweile war es Zeit, Nummer 4 ins Bett zu bringen. Mein Fuß tat weh und Nummer 3 stellte sich absichtlich ungeschickt an beim Müll rausbringen (da haben sie Talent, ne?), also drohte ich hier noch kurz hinterher und schnappte mir dann den kleinen Rabauken, um ihn in den Schlafsack zu stecken. Er warf seinen Kopf nach hinten und ich biss ihn in den Nacken.

„Nangnangnangnang,“ machte ich. Er quietschte. „Nan-nan-nan,“ antwortete er.

Ich drückte meine Nase in seine verschwitzten Haare und hielt ihn dann fest.

„Ist jetzt langsam Zeit ins Bett zu gehen, mein Kleiner“, sagte ich.

Er legte sich in meinen Arm und wurde ruhig. Dann kam Nummer 2 und nahm ihn mir ab.

„Ich bringe ihn ins Bett!“ meinte sie begeistert.

Mein schmerzender Fuß dankte es ihr. Ich humpelte zum Sofa und fand eine Nachricht von meiner Frau. Ich sollte über „Väterglück“ schreiben, las ich. Vielleicht versuche ich es ja doch einmal.

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Oben im Bild: Auch Eltern können Foodies. Heute: Brechdurchfalldiät der Tochter.

Disclaimer: Das hier ist – im Gegensatz zum verlinkten Originalartikel – natürlich Satire.

Ich arbeite in einer Branche mit vielen kinderlosen Kollegen. Wenn ich mich darüber mit anderen Vätern unterhalte, denken die meist: „Das ist doch super, da kannst Du immer vorschützen, dass die Kinder krank sind und früh nach Hause gehen!“ Weil – so das Klischee – Kinderlose ja sowieso immer bis Ultimo im Büro rumhängen. Ja, das kann man natürlich maaal machen. Aber wenn man es übertreibt, fangen die irgendwann an böse Briefe in der Brigitte zu schreiben.

Was viele dabei außer Acht lassen: Mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten hat auch viele Nachteile. Montagmorgens zum Beispiel schleppt man sich nach einem arbeitsreichen Wochenende übermüdet und entkräftet ins Büro. Die Kinderlosen fragen einen: „Und? Wie war Dein Wochenende?“ und man antwortet: „Och ja, ganz okay …“. Dann erzählen sie davon, wie sie eine Städtetour nach Nizza gemacht, ein neues 8-Sterne-Restaurant ausprobiert oder einfach nur „mal gar nichts gemacht haben“. Dann erinnert man sich durch den Schleier der Müdigkeit, wie man selber das Wochenende verbracht hat: Man ist abends viel zu fertig und früh ins Bett gegangen, nur um morgens trotzdem noch viel zu früh geweckt zu werden. Danach füttert man die Kinder, reinigt den Essbereich mit einem Hochdruckreiniger, der Hochdruckreiniger fällt aus, man googelt nach „Hochdruckreiniger Test“, fährt in den Baumarkt und kauft sich (für das Geld, das man eigentlich in den nächsten „Urlaub“ investieren wollte) einen neuen Hochdruckreiniger. Währenddessen haben die Kinder schon wieder das Haus verwüstet, so dass man den Rest des Tages mit Besen und Müllsack verbringt, bis man schließlich in den Supermarkt startet, um neues Futter für die Meute heranzuschaffen. Abends fällt man völlig erschöpft ins Bett (nicht ohne dass die Kinder sich vorher noch lautstark getritten haben) und nimmt sich vor, am Sonntag mal nichts zu machen. Bis man sieht, dass mittlerweile das Unkraut im Garten die Vorherrschaft an sich gerissen hat und man den kompletten „freien“ Tag mit Machete und Heckenschere im Dschungel verbringt. Zwischendurch – nachdem man wieder zwei Meter freies Blickfeld hat – erkennt man dass das Gartentor schief hängt und die Dachrinne repariert werden müsste. Abends bespricht man mit seiner Frau die Pläne für die nächste Woche (Warum eigentlich? Der Plan ist doch eh immer „von morgens um 7 bis um abends um 9 durchzuackern für Haus, Hof und Kinder) und fällt erneut übermüdet ins Bett.

Aus diesen vielleicht deprimierenden, aber wenigstens bodenständigen Gedanken wird man dann durch Instagram-Fotos aus Nizza herausgerissen. „Und die machen ein Panna Cotta da in diesem kleinen Restaurant – einfach himmlisch …“ Man verkneift sich die Antwort, das man als Dessert immer das isst, was die Kinder auf den Boden werfen – und lächelt so gut man kann. Schließlich will man ja nicht der langweilige Spießer sein, der keinen Spaß mehr hat …

Auch in der Mittagspause kann es wirklich enervierend sein, mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten. Während man als Vater die Investition von 150 Euro im Monat für „an jedem Arbeitstag Essen gehen“ nicht verantworten kann, kennen Kinderlose solche Probleme natürlich nicht und probieren auch in der Mittagspause alle neuen Bistros, Food-Trucks und Lieferservices in Büronähe aus, während man selber Getuppertes futtert. Am Schreibtisch, damit man abends schneller nach Hause kommt.

Apropos Abend – auch das ist natürlich ein Problem. Wie oft wird man gefragt „Kommst Du heute noch mit?“ und die Antwort lautet – natürlich – nein, weil man zuhause gebraucht wird. Wenn Kinderlose abends unterwegs sind, lassen sie die Sau raus – für Eltern sind das Überstunden. Sich betrinken kann man eh nicht, weil man aus der Stadt raus ins „Grüne“ pendelt (Unkraut!!!), was natürlich nur mit dem Auto geht. Während die Kollegen also tolle Fotos von irgendwelchen Events posten, wischt man zuhause den kranken Kindern hinterher und fragt sich, ob man irgendwann auch mal Spaß hatte.

Auch in den sozialen Medien machen sie einen fertig. Dauernd Fotos von irgendwelchen „geilen Konzerten“, während man sich mühevoll alle vier Wochen mal ein harmonisches Familienfoto zusammenkratzt, damit einem das eigene Leben nicht völlig außer Kontrolle vorkommt. Dauernd neue Freunde, während man seine bestehenden nicht mal treffen kann, weil die Kinder permanent krank sind. Dauernd neue Designermöbel und -klamotten, während man selber nur auf Ikea (preiswert und kratzfest) und H&M setzt (mit praktischer Teilzahlungsfunktion, wenn mal wieder alle Kinder gleichzeitig neue Sommerklamotten brauchen).

Es ist wirklich deprimierend. Ich will das alles gar nicht wissen. Manchmal frage ich mich, warum es eigentlich keine Spezialarbeitsplätze für Kinderlose gibt, wo sie sich gegenseitig mit ihren Freizeitvergnügungen und Konsumfreuden beharken können, anstatt hart arbeitenden Vätern wie mir damit die Laune zu versauen.

Wie schaffen Eltern Raum für ihre Beziehung?

Wie schaffen Eltern Raum für ihre Beziehung?

Abends sitzt man zu Zweit auf dem Sofa, befasst sich mit dem Second Screen und irgendwann geht es ins Bett. Zum Schlafen. Den ganzen Tag hat man gearbeitet, organisiert und sich gekümmert.

Abends ist kaum noch Energie übrig.

Man streitet sich aus lauter Überlastung und Müdigkeit wegen Nichtigkeiten und sorgt somit für noch ein klitzekleines Bisschen weniger Romantik.

An den Wochenenden wacht man nicht zu Zweit gemütlich auf und kommt auf die Idee, die Wärme unter der Bettdecke noch zu steigern, ehe man irgendwann zufrieden aufsteht. Man steht rechtzeitig auf, kümmert sich um Baby, Kinder, Einkauf, Verwandte – was auch immer auf der langen Liste steht. So ist man es irgendwann gewohnt.

Und so kann das ewige Zeiten weitergehen, bis man sich außer dem Organisatorischen, Alltäglichen, ein bisschen Nachrichten, ein paar Streits und ein paar netten Scherzen wenig zu sagen hat. Ich habe sehr oft davon gehört. Ich höre Gespräche zwischen Frauen und Müttern seit ich denken kann. Ich habe sie während meines Jobs gehört und höre sie privat auch immer mal wieder oder lese darüber. Ich erinnere mich an folgenden Gesprächsfetzen:

Freundin 1: „Wie oft habt ihr noch so Sex?“

Freundin 2: „Ach, seit Heinrich auf der Welt ist … hm, ja so zwei Mal.“

Freundin 1: „Aber Heinrich ist drei!“

Freundin 2 zuckt die Schultern: „Ach, ich vermiss das auch nicht so. Und wie isses bei dir?“

Manche Frauen waren ausgesprochen zufrieden mit dem klosterähnlichen Zustand. Mit Männern habe ich leider über das Thema noch nie geredet.

Jenen, die nicht gern klösterlich leben, geht es vor allem um die abhanden gekommene Nähe, das Prickeln, das Besondere. Und Sex erscheint oftmals irgendwann wie von alleine dritt- oder viertrangig zu werden. Was fehlt, ist wohl eine Kombination aus gemeinsamem Entspannen (nicht dem abendlichen Auf-dem-Sofa-Lümmeln), ähnlichen Interessen, tiefem Vertrauen, kleinen Geheimnissen, interessanten Gesprächen, gemeinsam erreichten Zielen, erotischer Anziehung sowie Aktivität und dem Gefühl, den besten Freund als Partner zu haben. Diese Mischung macht glücklich.

Es gilt als Allgemeinwissen, dass Eltern viel zu wenig Zeit für einander haben. Und dass sie weniger Sex haben. Das ist übrigens falsch: Sie haben nicht weniger Sex als Singles, sondern sogar mehr – das ist statistisch belegt. Und auch nicht weniger befriedigenden Sex. Auch das belegten Umfragen: Die sexuelle Qualität (tolles Wort, hm?) kann sich dann am besten entfalten, wenn man einen Partner gut kennt. Am besten seit einigen Jahren. Darauf hat das Elternsein keinen negativen Einfluss.

Wie erreicht man es, ein glückliches Paar zu bleiben, wenn man Kinder hat? 

Durch Abgrenzung. Es klingt hart und führt vielleicht zu einem schlechten Gewissen. Aber: Eltern sollten sich als Paar von Anfang an einige Räume im Leben sichern. Denn sie bleiben zwar immer Eltern, aber die Kinder brauchen sie irgendwann nicht mehr und dann sollten sie einander schließlich noch möglichst nahe sein. Kinder, die alle zehn Minuten im Wohnzimmer stehen und mitteilen, dass sie zum Klo müssen oder Hunger haben oder Durst bekommen, sind die perfekten Begleiter eines schönen Abends bei Wein und Kerzenschein. Manchen hilft es, ihr Schlafzimmer als Refugium zu betrachten. Dieses ist dann kein allgemein benutzter wohnlicher Bestanteil der Behausung voller Legosteine, sondern der Raum der Eltern. Die Kinder können daran intuitiv ablesen, dass es etwas gibt, in dem sie nicht integriert sind. Und das dies auch völlig in Ordnung ist.

Es gilt, sich Zeit zu schaffen, in der man nicht gestört wird. Will man absolut sicher sein, sollte man allerdings das Haus verlassen. Hierfür wäre dann der Babysitter ein Verbündeter. Oder Verwandte. Es ist unfassbar, wie schnell sich im Ambiente eines schönen Restaurants oder dunklen Kinosaals eine Stimmung von Abstand und Zweisamkeit einstellt. Und das ist die Basis für ein schönes Zusammensein. Zeit alleine, besondere Zeit. Regelmäßig am besten.

Eltern können durchaus auch ein Date miteinander haben.

Ein Date

Dates kann man durchaus auch nach über zehn Beziehungsjahren immer wieder haben …

Warum auch nicht? Man macht sich hübsch füreinander und ist ein bisschen aufgeregt wegen der bevorstehenden Stunden, in denen man sich nicht über Noten, Windelsoor oder Elternabende unterhält.

Es gibt ein paar weitere Dinge, die man tun kann

Etwas Neues ausprobieren:

Hier ist schon fast egal, was es ist. Und es meint nicht (nur) neue Dessous. Eine Nachbarstadt besuchen, einen völlig schrägen Film ansehen, spontan im Dunkeln zusammen spazieren gehen, sich gegenseitig Kleidung aussuchen beim Bummeln (Dinge, die man sich selbst nie gekauft hätte, die man später aber liebt) oder ein unbekanntes Restaurant ausprobieren. Ein Wochenende zusammen wegfahren, wenn Kinderbetreuung und Finanzen es erlauben. Sich etwas schenken, ganz ohne Anlass. Etwas Süßes in die Arbeitstasche der oder des Liebsten schmuggeln. Oder etwas auf’s Kopfkissen legen?

Etwas neues muss her. Immer mal wieder.

Und ja, natürlich gilt der Tipp des Neuen auch für das Sexleben. Mutig sein, etwas ausprobieren und es vielleicht doch nicht so toll finden, darüber lachen und sich auch in dieser Erfahrung nahe sein. Oder es ausprobieren und sich anschließend sehr lebendig und bereichert fühlen.

Ja, man braucht vielleicht echt Mut, um einander zu erzählen, was man sich schon immer mal vorgestellt oder gewünscht hat. Aber auch das kann sehr bereichernd sein. Weil man seinen Partner dadurch noch besser kennenlernt. ->Hierbei bitte nicht an die Geschichte von der Frau aus dem Forum denken, deren liebenswerter neuer Freund plötzlich im Vollkörpergummianzug mit Reißverschlussmaske vor ihr stand. Und gar nicht daran, wie sehr sie anschließend (im Bad mit Waschlappen vor den Mund gepresst) lachen musste. Und erst recht nicht daran, dass sie es aus Liebe auch ausprobierte und im Gummiröckchen durchs Zimmer hüpfte. Man sollte auch vergessen, dass ihr die Forenteilnehmerinnen danach rieten, die Beziehung zu beenden. Meistens läuft so ein Abend anders ab. Ganz sicher.

Es ist nicht mehr wie am Anfang - es ist viel besser!

Viele Jahre verbinden : Es ist nicht mehr wie am Anfang – es ist viel besser!

Den Kindern vermitteln, dass man nicht nur ein Eltern-Paar ist:

Kinder begreifen schnell und auch ohne Worte – das wissen wir Eltern. Sie sehen, wenn die Eltern sich anlächeln, umarmen, küssen und flirten. Wenn einem danach ist, immer heraus mit den Zuneigungsbekundungen. Man kann ihnen durchaus erklären, dass man Zeit gemeinsam und ohne sie verbringen möchte. Die Umsetzung hängt natürlich auch vom Alter der Kinder ab. Anfangen kann mit den Erklärungen nicht zu früh. Und man schenkt den Kindern nichts, wenn man ihnen mehr Raum gewährt als der Beziehung gut tut. Wer will schon frustrierte Eltern am Frühstückstisch haben?

Den erschaffenen Raum zum Privatheiligtum erklären:

Wenn man sich die Abende an den Wochenende freihalten möchte, dann sollte man diese am besten – sobald gesichert – als geistigen Anker setzen. Gibt es ein Eltern-Date am Samstagabend, dann darf man sich bereits donnerstags darauf freuen. Und schon kehrt ein bisschen des Kribbelns zurück, das man vermisste. Es ist unerlässlich wichtig, keine Gewohnheit einschleifen zu lassen. Man muss diesen Raum schützen und wahren.

Wie erlebe ich persönlich das Elternsein als Paar?

Ich erlebe es so, wie ich es hier beschrieben habe. Wir haben das Refugium und das Privatheiligtum und bewahren beides. Wenn wir ausgehen, dann sind wir gern im Kino, shoppen ein bisschen oder gehen etwas essen. Oder, seltener, auf eine Party. Wenn wir zuhause bleiben, dann erklären wir den diversen Kindern, dass wir unsere Ruhe möchten. Sie machen dann gern einen „Mädelsabend“ mit einer Tüte Chips und einer DVD, die sie sich auf dem PC von Nummer 1 ansehen. Oder sie machen sich über Spielzeug her, das sie lange nicht benutzt haben. Wichtig ist, ihnen zu sagen, dass man einfach Zeit miteinander verbringen möchte. Und diese nutzt man nicht um DVDs zu gucken. Wir haben dann einen Elternabend. Einen ohne die viel zu kleinen Stühle und die nervigen Fragen …

Nach bald 15 Jahren freue ich mich immer, wenn ich meinen Mann sehe. Manchmal ist es schräg: Aber zu zweit alleine abends noch schnell durch den Regen zum Einkaufen zu fahren, hat etwas. Ich finde ihn genau so schön, wie als ich ihn mir geangelt habe und zugleich ist da dieses Vertrauen und das Wissen um so vieles, das wir erlebt haben. Trotzdem bleibt er interessant für mich und uns war immer wichtig, dem Anderem viel Raum zu geben und vor allem Respekt entgegen zu bringen. Ich mische mich in seine Entscheidungen nicht ein und er respektiert meine. Gemeinsame Entscheidungen gibt es natürlich auch. Es fiel niemals ein beleidigendes Wort. Ich habe ihn nie herabgewürdigt. Streits und Krisen verarbeiten wir auf eine tatsächlich stets konstruktive Art. Wenn wir am Ende nicht zufrieden sind, dann ist der Streit auch noch nicht vorbei. Allerdings streiten wir uns vielleicht zwei Mal im Jahr. Er versteht mich, ist mein Kumpel (mit Biertrinken und Zocken), mein Freund (mit Verständnis und sehr direkten, ehrlichen Hinweisen), mein Ehemann (und Vater – beides großartig) und mein Liebhaber (niemals langweilig)

Es scheint also zu funktionieren, dieses Konzept des Elternsein-aber-Paar-Bleibens. Man muss aber bereit sein, Durststrecken (Schwangerschaften, Babyzeiten, Krankheiten …) zusammen zu überbrücken und zu meistern. Denn diese kommen in jedem Fall. Oft suchen sie einen immer wieder heim.

Viele glückliche und zufriedene Paare zeigen dies. Aber vor allem darf man nicht annehmen, kinderlose Paare würden auf Grund der vielen Zeit in  per se glücklicher sein – das ist ja völlig klar. Bloß haben Eltern eine Menge zusätzliche Herausforderungen zu meistern, die nicht immer hilfreich sind, wenn es um die Paarbeziehung geht. Dies zu schaffen ist nicht immer einfach.

Interessant hierzu auch ein aktueller Artikel der Nido (mit Test zum Thema Beziehung …)

Der Elternabend:

Hierfür lohnen Anschaffungen schöner Weingläser, Kerzenleuchter, Musik, bequemer aber schöner Kleidung und ähnlichen Klassikern. Sowie all den netten Joujoux, die man als Eltern nicht nur aufräumt, sondern vorher auch selber nutzt …

Man unterhält sich, vergisst die leidigen Alltagsthemen und wendet sich wieder einander zu. Oder man liest sich etwas vor – erotische Literatur je nach Gusto gibt es wirklich in rauen Mengen. Ebenso kann man je nach Lust und Laune durchaus auch selber etwas schreiben – wie eine Kurzgeschichte. Ach, es gibt so viele Möglichkeiten, die Zeit mit etwas Schönem zu füllen … ganz gleich, ob kultiviertes Gespräch oder guter Pornofilm. (Neulich noch Empfehlung auf Facebook von Katja von Krachbumm gelesen – es ging um eine Serie von weiblicher Regie und ebenfalls weiblichem Team gemachter Filme, in denen die eingeschickten Phantasien der Zuschauerinnen verarbeitet wurden. xConfession heißt diese Reihe von Erika Lust.) Es ist wirklich egal, wie man seinen Abend füllt – wichtig ist, die Zeit zu nutzen, um sich nahe zu sein und immer einmal wieder neu kennenzulernen. Schließlich wollen die meisten eigentlich ein ganzes Leben miteinander verbringen …

Foto 2

Strumpfband zuletzt zur Hochzeit getragen? Viel zu schade … 😉

Umfrage: Selbstgestrickter Stress macht Eltern fertig

In der Welt gibt einen Artikel über gestresste Eltern, dessen Inhalte mir nicht neu waren:

Eltern haben überzogene perfektionistische Ansprüche an sich in ihren verschiedenen Rollen. Sie wollen perfekte Eltern, Frauen, Männer und Partner sein. Und natürlich perfekt im Job glänzen.

Es gehe um Entscheidungen vom bestmöglichen Kinderwagen bis zur Frage, ob das Kind in der KiTa Chinesisch lernen soll. Letzteres und eigentlich auch Ersteres kommt mir ein bisschen wie Realsatire vor. Aber gut – das mag daran liegen, dass wir Mehrfach-mehrfach-Eltern etwas abstumpfen mit der Zeit 😀 Wir kaufen halt den Wagen, der uns gefällt und unsere Ansprüchen entgegenkommt. Bei Kind Nummer 1 hatten wir noch einen ohne schwenkbare Räder …

Ein Satz fiel mir besonders auf – daneben, dass die Hälfte der Eltern es anscheinend als ihre Aufgabe empfindet für den Kontakt zu gleichaltrigen Kindern zu sorgen: „Sohn oder Tochter sollten das Gefühl haben, das Wichtigste auf der Welt zu sein.“

Wow. Das Wichtigste auf der Welt. Ich habe dann vier Mal das Wichtigste hier.

Ich mag es, wenn Kinder sich als unglaublich wertvolle Bestanteile einer Gemeinschaft empfinden, die es ohne sie gar nicht gäbe – der Familie. Hier sollten sie geliebte und respektierte Mitglieder sein, aber nicht der Mittelpunkt. Die Verschiebung des Kindes von einer Art naturgegebenem Anhängsel (meine Kindheit) zum Dreh- und Angelpunkt der (elterlichen) Welt halte ich für nicht gut.

Wir haben hier in manchen Artikeln Ähnliches festgehalten: Kinder sind für viele Eltern zu einem Projekt geworden. Allein der Aufwand für einen Kindergeburtstag lässt darauf schließen: Es werden kleine Kunstwerke als Einladungen erstellt, es werden Hunderte Euro investiert und neben dem Tag der Vorbereitungen und dem Nachmittag der Bastelarbeiten dann noch der Tag selber. Den man irgendwo in Versailles zu verbringen pflegt. Eigens mit rosa Helikoptern eingeflogen tanzen die Kinder in frisch genähten Kostümen zur für diesen Anlass komponierten Ballmusik. Fotografen kommen, Livrierte stehen bereit und am Ende bekommen die kleinen Prinzen und Prinzessinnen ein Körbchen voller kleiner Präsente, die dem Wert des mitgebrachten Geschenkes gefährlich nahe kommen. Letzteres angelte man aus einem Korb, in den das Geburtstagskind es zuvor hineinlegte und trug es zur Kasse, um es ganz persönlich von einer Fremden verpacken zu lassen. Und das, während es immer heißt „Sie haben schon viel zu viel Zeug – es belastet sie schon.“

Warum ist das so? Haben Eltern das Gefühl, den Kindern könnte etwas entgehen? Sollen sie die zauberhafteste Kindheit der Welt erleben? Ist es eine Wiedergutmachung für das ewige schlechte Gewissen? Hat sich das so hochgeschraubt, weil die Eltern immer schönere und bessere Geburtstage veranstalteten und dies die eigenen Erwartungen steigerte?

Warum auch immer: Es geschieht natürlich überwiegend aus Liebe und ist nichts Schlechtes. Aber die einmal von mir in einem Artikel über die Kindheit in den 80er Jahren erwähnte Mandarinen-Sahne-Torte hatte meine Mutter damals auch mit Liebe gebacken. (Ich habe die Torte übrigens nun auf einem alten Foto wiederentdeckt: Es war mein fünfter Geburtstag – ich weiß noch heute wie toll süß-sauer die Mandarinen schmeckten …)

Wie viel Aufmerksamkeit ist möglich, nötig und gut? Es darf zumindest nicht so weit gehen, dass immer mehr Mütter Burn-Out-Symptome haben. Dann läuft doch etwas schief, oder nicht?

Ich will nun nicht das polemische Fass „Hatten wir alles auch nicht und hat uns nicht geschadet“ öffnen. Ich ziehe meine Kindheit lediglich als Vergleich heran. Meine individuelle Kindheit kann ich ohnehin nicht als Beispiel für alle nehmen, dafür war sie zu speziell. Aber ich erinnere mich ja an den Stellenwert der Kinder damals. Wir wurden geliebt und beachtet und bekamen, was wir brauchten. Es gab Geschenke an den Feiertagen und wenn man etwas gespart oder von der Tante zugesteckt bekam, dann kaufte man sich auch mal was Größeres zwischendurch. Meine Hausaufgaben erledigte ich bis auf Ausnahmen alleine, ich konnte mich mit zwei Jahren alleine an und ausziehen. Und das war nichts Besonderes. Es war selbstverständlich, dass ich meine Schultasche nicht mitten in den Flur werfe und mein Meerschweinchen selber fütterte. Ausgezogene Kleidung kam in den Wäschekorb, mein Zimmer räumte ich selber auf. Ich fuhr mit dem Fahrrad und dem Bus zu meinen Freunden. Ich sehe nicht, was daran falsch oder schlecht war. Ich war stolz, ganz alleine klarzukommen, als ich auszog. Da konnte ich streichen und tapezieren und vieles mehr. Fand ich klasse! Und werde ich meinen Kindern auch gerne alles vermitteln.

Aber:

Trotz des Wissens, dass manche Dinge heute eigentlich nicht ganz optimal verlaufen, traue ich mich nicht immer, es anders zu machen.

Ich muss eh schon öfter mal mit mir ringen, weil unsere Kinder sich eine Menge Aufmerksamkeit teilen müssen. Ich sage mir dann immer tapfer, dass eine größere Geschwisterzahl als 0 und 1 nichts Unnatürliches ist. Sondern sehr artgerecht. Und es macht selbstständig und so. Aber das hilft nicht immer. Umgeben von Eltern, die ihre Kinder nachmittags ohne Murren herumkutschieren, ihre Schultaschen bis zur Schultür tragen, ihnen die Jacken ausziehen bis sie Zwölf sind und ihre Zimmer aufräumen, habe ich es schwer mit meinen eigenen rebellischen Ansprüchen. Ich möchte Bügeln, Nummer 1 und 2 müssen auf Nummer 4 aufpassen – manchmal bemitleide ich sie dann. Verrückt, oder? Dabei hatten sie davor und haben danach massig Freizeit. Und machen es gerne.

Vielleicht liegt da eines der Probleme. Manches würde man vielleicht gerne anders machen, herunterschrauben und ganz bleiben lassen – aber wie stünde man dann da? Man hätte vermutlich mal wieder das typische schlechte Gewissen.

Elternsein war definitiv immer anstrengend – aber nie so komplex und vielschichtig wie heute, da bin ich mir sicher.

Jammern auf niedrigem Niveau Teil 2: Und plötzlich ist man allein.

Jammern auf niedrigem Niveau Teil 2: Und plötzlich ist man allein.

Teil 2 des Jammerns auf niedrigem Niveau blickt hinter die Kulissen. Jung und als einziges Paar im Freundeskreis mit Kind. Wie ist das so? Und situationsunabhängig: Was opfern Eltern alles, um sich dann im Blick auf unsere Gesellschaft wie verträumte Romantiker zu fühlen, die leichtfertig ihr Leben auf den Müll warfen, die den sinnstiftenden Hedonismus fahren ließen und ihre Selbstbestimmung leichtfertig fortwarfen, um dafür nichts zu ernten als Einschränkungen, Lärm und Gestank? Ich klinge ironisch – das kann eine Form von Aggression sein. Ist es in diesem Fall sicher auch. Schön, dass jemand ein Buch zum Thema moderne Elternschaft geschrieben hat, in dem Eltern sich gegen jene wehren, die sich angreifen. Das wurde wirklich Zeit. Es sollten noch einige mehr folgen …

Wir haben uns letztens darüber unterhalten wie es war, mit Mitte Zwanzig unser erstes Baby zu bekommen. Die Antwort ist klar: einfach war es nicht. Schwierigkeiten machte aber nicht nur die Erfahrung selbst oder die Sorgen, die durch die Verantwortung für ein anderes Menschenleben kommen. Es war auch erschreckend, wie schnell man den Bezug zu den meisten seinen kinderlosen Freunden verliert und ganz in einer anderen Welt versinkt.

Für uns war die Entscheidung für Nummer 1 so: Wir verliehen unserer Liebe Ausdruck. Dies entsprach einem wirklich als archaisch zu bezeichnendem, tiefen Gefühl. Einem Ur-Gefühl. Das war der Eintritt in eine Lebensphase, die wunderschön ist, aber auch ihre Schattenseiten hat. Da wir hier oft von den schönen Seiten der Elternschaft sprechen, will ich mir hier mal auf diese negativen Aspekte konzentrieren – ich habe in meinem Freundeskreis den Ruf, schonungslos ehrlich zu sein. Dann mal los:

Freizeit, Freunde, Geld, Sorglosigkeit, In-den-Tag-hinein-leben, Spontaneität – alles erst mal weitgehend weg. Dafür kamen Konflikte mit Müttern und Schwiegermüttern, wie sie bei der ersten Geburt nicht selten aufkommen und keine guten Lösungen, weil keine Erfahrungen. Probleme mit einem Schreibaby, die keiner unserer Freunde auch nur irgendwie erahnen konnte. Es war schockierend, wie sehr es nervte, nicht mal eben aus dem Haus zu können, ohne das Baby entweder an sich dran zu wickeln oder den schweren Kinderwagen aus dem Keller in den Hausflur juckeln zu müssen (Und zwar schnell-schnell, denn das Baby lag nicht gern allein in der Wohnung oben herum, sondern brüllte dann). Statt neuer Klamotten für mich gab es alles für’s Baby. Ich fühlte mich auch eh nicht mehr wie die knackige Frau, die Komplimente und Aufmerksamkeit bekommt, sondern wie ein leerer, ausgeleierter und gestreifter Walfisch. Meine Freundinnen waren derweil körperlich unversehrt und konnten nur hilflos sagen: „Tja, hm, dafür hast du ja aber auch das Baby. Das ist dann wohl leider so, dass man dann so aussieht.“ Was sollten sie auch sonst tun oder sagen?

Die Idee neuer teurer Schuhe oder Mäntel rückte ganz weit hinter den Horizont. Und von einem Urlaub auch. Mann, war das krass. Und niemand da, der es nachvollziehen konnte. Niemand zum Teilen dieser Erfahrungen. Wir waren damals Mitte Zwanzig und damit gut zehn Jahre zu früh dran im heutigen Deutschland. Damit war unser Schicksal als einsame, breibeschmierte Außenseiter besiegelt.

Ja, wir lasen viele Artikel und Zeitschriften über Babies. Wer sich einen Hund kauft tut das übrigens auch. Der ist dann der verantwortungsbewusste Hundehalter. Eltern aber sind dann schnell überkandidelte Nervsäcke mit ihren ewig gleichen Themen. „Und dann immer die Babyfotos auf Facebook“ heißt es. Mann, wirklich! Ich mag vielleicht auch nicht dauernd „Dackel Waldemar im Schnee“ oder „Windhund Wilma beim Schwimmen“ sehen. Und ich mag Hunde echt gern. 

Wir liebten dieses alles-auf-den-Kopf-stellende und gefühlt andauernd quakende Wesen über alles. Unsere sichtbar gewordene Liebe (Danke, Novalis, Du allzu früh verschiedenes Schnuckelchen). Und gaben für diese neue Liebe sehr viel auf. Ist das nicht eigentlich sehr liebenswert, wenn man so viel opfert, nachdenkt und fühlt? Wenn man sich der Verantwortung für Körper und Seele eines Menschen vollumfänglich bewusst ist? Und wenn man versucht, dieser bestmöglich gerecht zu werden?

Und ist es nicht ebenso verständlich, wenn man darüber sprechen will? Mit denjenigen, mit denen man zuvor so viel Zeit verbrachte und so viel teilte? Die stehen plötzlich da und bekommen nur mit, wie wenig Spaß die armen Schweine haben, weil sie ein Baby bekamen. Der Papa sollte in Woche zwei mit Baby spontan abends zu Freunden zum Saufen kommen und sagte ab. Seine Kumpels waren enttäuscht. Aber allein, dass sie dachten, er würde nun einfach aufspringen und losfahren, nervte den frischgebackenen Vater. Weil er merkte, dass sie nun in zwei Welten lebten. Solche Unverständlichkeiten häuften sich. Die Freunde nervte wiederum das. Sie sagten tatsächlich:“Mann, mit dem Baby habt ihr euch aber echt was angetan.“ Und hatten keine Ahnung. Sie wussten nicht, wie tief wir beide dadurch miteinander verbunden worden waren. Und wie es war, dieses Glückskind zur Welt zu bringen und es jeden Morgen aus dem Bettchen zu holen, nachdem man mal wieder befürchtet hatte, es könnte irriger Weise am Plötzlichen Kindstod gestorben sein. So viele neue Gefühle und Erfahrungen! Schwangerschaft, Geburt Baby: So viel Glück, Geschrei, Sorgen, Blut und Freude!

Es ist eine unüberwindbare Schlucht zwischen denen mit Kindern und denen ohne. Da möchte ich ausnahmsweise keine diplomatische Political Correctness bemühen. (Dazu bin ich zu genervt von manchen Zuständen.) Mindestens wir Eltern wissen das. So wie zwischen Kriegsveteranen und Zivilisten. Irgendwie ahnen die Zivilisten, das Krieg eine elementare Erfahrung ist. Und irgendwie ahnen Kinderlose, dass allein eine Geburt eine elementare Erfahrung und eine Initiation zugleich ist. Eine, die sie vielleicht nie machen werden oder zumindest noch nicht gemacht haben. Trennt das nicht automatisch irgendwie?

Während man früher mit Freunden auch mal in ein Konzert ging, das einem nicht zusagte oder man sich ihre Probleme anhörte, obwohl man müde war oder mit den eigenen Dingen beschäftigt, da sind es genau diejenigen, die beim Wort „Wehenschmerz“ gerne sagten: „Oh nee! Davon will ich nichts hören!“ Und man denkt „Mann, du bist ’ne Freundin. Ich habe etwas erlebt, das mich in Mark und Bein durchschüttelte und für immer veränderte und du sagst nur: Oh nee.“ Sie schauen sich das nagelneue Babyfotoalbum an und rufen beim Geburtsfoto: „Ih! Ist das etwa Blut da?“ und meinen es vielleicht wirklich lustig. Doch man fragt sich, wieso ausgerechnet diese Reaktion kommt. Vielleicht würde man das hinterfragen, aber man lässt es. Man sagt nichts. Sondern ist  – Achtung: Ironie des Lebens – ganz mütterlich-weise, nimmt sich zurück (denn das ist man durch das Baby schon gewöhnt) und schont die Freundinnen. Man denkt sich: „Hey, sie haben das alles nicht erlebt und wissen einfach nicht, wie sie reagieren sollen. Es verunsichert sie, dass du etwas Derartiges erlebt hast. Daher wissen sie nichts zu sagen.“ Und diese Einstellung trennt einen noch weiter.

Ja, ich bin mit meinen Freundinnen und dem Baby zusammen in die Stadt gegangen zum Einkaufen oder mal auf einen Spaziergang. Und ich habe auch manchmal erzählt, was ich als Mutter so erlebe. Aber irgendwie fehlte etwas. Einmal war es schon symbolträchtig. Ich war mit einem Freund unterwegs, hatte Nummer 1 im Tragetuch und wir schlenderten durch die Innenstadt. Wir sahen uns überall um, was nett war, aber ich merkte, wie das Baby mir langsam zu schwer wurde. Er konnte sich natürlich frei und unbelastet bewegen. Während wir irgendwo standen und uns unterhielten, war immer dieses Baby zwischen uns, das ja meine Vorderseite bedeckend vor meiner Brust war. An dem symbolhaften Tag hab ich gedacht: „Du wirst erst dann wieder mit Gleichaltrigen eine Ebene teilen, wenn sie sich auch fortgepflanzt haben. Da dies aber ziemlich aus der Mode ist, wirst du weder wissen, wann das sein wird, noch ob überhaupt.“

Wenn ich mich umsehe und umhöre oder den Buchauszug von „Seid fruchtbar und wehrt euch“ lese, dann denke ich: Es ist anscheinend das gute Recht der Coolen („der Jungen“), die Mütterchen zu verletzen. Sie haben die Mode der Zeit auf ihrer Seite. Das Peter-Pan-Syndrom. Ich habe das nicht. Als Eltern ist man schließlich geradezu auf den Zahn der Zeit gekettet.

Aber man rächt sich. Man bleibt nicht ewig mütterlich-verzichtend-weise. Man ist irgendwann genervt von der polarisierenden Thematik, die noch vor dreißig Jahren nicht existierte, als Kinderkriegen kein Projekt für verblendete Romantiker war: Man nimmt die Ignoranten, die sich vermutlich auch mit Fünfzig vorwiegend bei einer Tasse überteuertem Kaffee über ihr Lieblingsrestaurant und tolle Urlaubsziele unterhalten, einfach nicht mehr ernst. Warum nimmt man sich diese Hybris heraus? Weil: In Restaurants gegessen haben wir auch mal. In Urlaub geflogen sind wir auch. Es gab teuren Kaffee, ausgedehnte und ruhige Frühstücke oder auch Brunches. Wir haben Dates erlebt, sind abgestützt, hatten wilde Nächte (die wenigstens haben wir heute auch noch) haben Unüberlegtes getan und sind unzuverlässig gewesen. Wir waren nur für uns verantwortlich, haben uns voll auf unsere Berufe konzentriert. Alles bekommt ein Häkchen.

Und dann kam da noch so viel mehr. So unendlich viel. Ja, lacht nur, wenn Eltern rührselig über die leuchtenden Kinderaugen an Weihnachten sprechen. Ihr lacht nur, weil ihr einfach nicht wissen könnt, wie tief diese Gefühlserfahrung ist. Wie sehr man sich von den Glücksgefühlen Anderer bewegen lassen kann. Ich stehe nun nicht so sehr auf Ashton Kutscher, aber neulich las ich zufällig ein Zitat von ihm: „Du denkst, du weißt, wie sehr du einen Menschen lieben kannst. Dann bekommst du ein Kind und stellst fest, du wusstest es nicht.“ Kein Urlaub, kein Haustier und kein leckeres Restaurant-Futter gibt einem das.

Ein nacktes, nasses, neues Leben auf der Brust liegen zu haben, das man nach stundenlangen Schmerzen oder durch eine Körper und Seele belastende Operation auf die Welt beförderte – das ist nicht mit einer herausfordernden Bergsteigertour zu vergleichen. Und nein, mit einem erfolgreichen Zahnarztbesuch auch nicht. 

Ein neues, selbstbewusstes Hurra auf das Elternsein muss her. Ein Hoch auf die Wesen, die uns eine abartig tiefe Lektion in Empathie lehren und unseren Blick auf das Bezaubernde Im Leben lenken. Auf Augen, die den eigenen so ähnlich sehen. Auf Seelen, die einem anvertraut wurden und für die man alles tun würde. Ein Hoch auf die quälenden Nächte, die Paare zusammenschweißen können, wenn sie konstruktiv und liebevoll miteinander bleiben. Ein Hoch auf die Herausforderungen, die Kämpfe, die Erfolge und Niederlagen. Nein, so gibt einem das kein Job der Welt. Und ja, es hat frustrierende Phasen zwischen gähnender Langeweile und blankem Horror. Ja, es ist oft genug auch chaotisch wie im Schützengraben. Aber das kann man durchaus schaffen. Schließlich ist es ja kein echter Schützengraben.

Und dann erlebt man neue Ebenen von Partnerschaft, Leistungs- und Organisationsfähigkeit und Selbstbewusstsein. Man empfindet tiefsten Stolz und haarsträubende Sorgen und auch ehrliche Dankbarkeit. Den verständnislosen Nicht-Eltern möchte ich das am liebsten so erklären: Die Gefühlsbandbreite erweitert sich von 16 Bit auf 36 Bit.

Ja, viele Arbeitgeber stellen inzwischen gerne Eltern als Angestellte ein. Weil sie eben über all das vermögen: Teamgeist, Zuverlässigkeit, Selbstorganisation. Eltern sind im Job auch noch nachweislich weniger krank als Nicht-Eltern.

Wir sollten mal aufhören und latent oder vollumfänglich zu schämen. Das haben wir nicht nötig. Das ist jetzt ein bisschen wie ein „#parentsrock“ aber auch dieses scheint mir dringend nötig. Mir reicht langsam das Gefühl, ein bisschen jeck, blöd oder einfach nur verträumt zu sein, weil ich Kinder habe. Wir haben uns kein teures, dusseliges Hobby gesucht. Wir machen kein die Augengesundheit gefährdendes Fliegenfischen mit selbstgebastelten Fliegen aus puren Goldfäden und meckern dann, weil man immer so früh aufstehen muss, die Fliegen so teuer oder die Gummistiefel undicht sind. Wir haben Kinder bekommen. Aus Liebe. Da gibt es nichts Negatives zu urteilen. Das ist kein außergewöhnliches Projekt sondern ein für die Menschheit (äh ja – und der von vielen Kinderlosen so geliebte Tierwelt) eher natürliches Vorgehen.

Wir haben natürlich Freunde, die (zum Teil noch) keine Eltern sind. Und mit denen wir sehr glückliche Zeiten verbringen, die wir von Herzen lieben und denen wir selbstverständlich auf Augenhöhe begegnen. Es gibt jene, die mit (unseren) Kindern recht gut und ehrlich bemüht/sehr natürlich/herzlich/lieb umgehen können. Das sind in unserem Umfeld eigentlich alle. Und unter unseren Freunden ist eigentlich niemand, bei dem ich denke, er empfindet mich als dämlich, weil ich Kinder habe. Das möchte ich hier mit Nachdruck sagen. Es ist nicht so, dass ich per se Kinderlose nicht ernst nehme – wie arrogant wäre das denn? Aber die kinder- und elternfeindlichen Dauer-Jugendlichen, denen möchte ich gern mal ein paar Takte sagen.

Wenn ich lese, dass eine Gastronomin etwas sagt wie: „Bah, dann packen die Mütter hier ihre Euter aus…“ dann bin ich auf 180 und stelle mir vor, sie hätte gesagt „Bah, dann steht hier immer der Krüppel mit seinem Rollstuhl im Weg, weil er uns zeigen will, dass er trotzdem mobil ist“ oder „Dauernd hängen die komischen Schwulen hier ab und wollen uns knutschend präsentieren, dass sie’s auch mit 50 noch drauf haben“ Na, da wäre ein Aufschrei durch die Massen gegangen. Und dabei wäre es um Minderheiten gegangen. Nicht um Mütter (!).

Aber Müttern muss man ja keinen Respekt zollen. Da muss man sich auch nicht fragen, warum man mamaphob ist. Dabei gäbe es simple psychologische Antworten darauf, wie auch auf die berühmte Homphobie und die sind sich nicht mal unähnlich. Irgendwas mit Verunsicherung der eigenen Geschlechterrolle und Person durch Projektionen im Außen und so …

Fazit:

Nach dem ersten Baby schrumpfte vieles ein und vieles wurde größer. Ich zum Beispiel. Gereift, erfahren, iniziiert wie ich war. Und leidgeprüft und mit gestählten Nerven. Und überhaupt … war ich acht Monate nach der Geburt schon wieder schwanger.

Aber beim Zweiten wusste ich wenigstens, was auf mich zukam.

Wer sich über Eltern und/oder Kinder beklagt oder gar abfällig beleidigend wird hat einfach keine Ahnung. Gar keine. Auch nicht, wenn er meint, er wüsste was, weil er mal gehört hat, dass es Kinder gibt. Oder mal auf seine Nichten und Neffen aufgepasst hat.

Ich habe inzwischen immerhin um die zehn Freundinnen, die auch Kinder haben. Mit manchen habe ich regelmäßigen Kontakt, mit manchen nur selten. Aber jahrelang hatten wir nur uns, mein wunderbarer Mann und ich. Wir haben miteinander ausgemacht, was wir uns unter Erziehung, kindlicher Körper/Krankenpflege, Konfliktbewältigung, Entwicklungsphasenbegleitung, seelischer Entfaltung und so weiter vorstellen. Gut, das hat uns so zusammengeschweißt, dass wir nun an unserem baldigen 15. Jubiläum unserer Liebe immer noch irgendwie verliebt ineinander sind und wir sind mit unseren Kindern gern zusammen. Und stolz auf sie.

An diesem Punkt möchte ich immer noch gerne die Gastronomin treffen, die sich über die Euter aufgeregt hat. Ich würde sagen: „Vier Menschen das Leben geschenkt und glücklich? In dein Gesicht! Wahre Werte im Leben gefunden? In dein Gesicht! Währenddessen niemanden meine nackten Euter gezeigt? In dein Gesicht! Und ehe du mir aufzählst, was du alles in deinem Leben begrüßt sage ich dir Folgendes: Ein Mensch, der sich öffentlich auf diese Art über andere Menschen äußert, mag eine Menge besitzen oder vorgeben zu sein. Aber letztlich ist er mindestens eins: Bedauernswert.“

Jammern auf niedrigem Niveau Teil 1: Ihr habt Euch das doch ausgesucht!

Habe gerade auf der Webseite der Berliner Zeitung – einem Hinweis meiner Frau folgend – den Vorabdruck aus dem neuen Buch „Seid fruchtbar und beschwert Euch!“ gelesen. Sehr lang, und sehr lesenswert. Der Text stellt die aktuelle Lebenswelt junger Eltern meiner Meinung nach sehr gut dar – auch wenn er keine individuelle, sondern eine eher gesellschaftliche Perspektive einnimmt. Es fällt schwer, hier Auszüge darzustellen, da das ganze Pamphlet sehr empfehlenswert ist. 🙂

Warum ich mich hier zu einem Kommentar hinreiße, auch wenn ich an dieser Stelle eigentlich nicht viel Substanzielles hinzuzufügen habe? Weil ich darin einen Gedanken wiederfinde, den ich insbesondere im letzten Jahr oft hatte, aber nie so explizit zu Papier (oder Bildschirm) gebracht habe.

Kennt Ihr den Artikel „Why Generation Y Yuppies are unhappy?“ Ein bißchen älter und meiner Meinung nach etwas weniger spannend, aber dennoch erwähnenswert, weil er die Problematik eines Lebens in unserer Social Media-Welt gut beschreibt: Alle haben immer Spaß, sind an coolen Orten, fotografieren total leckeres Essen und posten hübsche Selfies. Wobei, mit „alle“ meine ich eigentlich „die Jungen“ aus Malte Weldings Text, die also, die das Leben als Eltern noch nicht kennen, indem es schlicht und einfach nicht mehr so viele Gelegenheiten für Selfies und Fotos von Essen gibt. Weil man Ringe unter den Augen hat und den Babybrei isst, den Nummer 4 übergelassen hat.

Wenn man jetzt also – wie viele junge Eltern – plötzlich in einer solchen Lebenswelt ankommt, wird es durch hippe Facebook-Selfies nur noch schwerer. Meine Freunde gehen heute Abend aus? Ich schlafe ermattet um 21.30 auf der Couch ein. Wow, Urlaub in Costa Rica? Wir fahren nur noch in ein Ferienhaus in Holland. Tolle Fotos vom Shopping? Ich kaufe nur noch Strampler ein, online, versteht sich.

Wer da jung und Eltern ist, der wird in unserer Gesellschaft oft schrecklich allein gelassen. Denn nicht nur hat die Elternschaft etwas mitunter erschreckend trostloses und eintöniges (Kinder sind nämlich nicht nur den ganzen Tag so entzückend wie auf unseren Facebook-Fotos) – man darf sich ja auch nicht darüber beschweren! 

Warum? Weil habt Ihr Euch ja so ausgesucht! (Untertitel: Ihr hättet ja auch einfach kinderfrei bleiben können, oder ein paar weniger kriegen, oder so …)

Dabei hat man – das kann ich als Veteran unzähliger Elterneinsätze mit Nachdruck sagen – oft sehr, sehr viel Grund sich zu beklagen. Wenn ich darüber nachdenke, wie unendlich viel Zeit ich auf meine Wünsche und Bedürfnisse verwenden konnte, als wir noch keine Kinder hatten, wie oft wir einfach nur rumhängen und uns um vier Uhr ’ne Schale Pommes holen konnten, weil wir vorher auf nix Lust hatten, wie viele endlose Computerspiele ich durchgespielt und wie oft ich mich betrunken habe, bis ich den ganzen nächsten Tag zu nichts mehr zu gebrauchen war …

Das alles können Eltern sich nicht erlauben. Und auch wenn „wir“ uns das natürlich ausgesucht haben, ruft das in unserer Welt der endlosen Möglichkeiten mitunter Frust hervor. Weil wir eben eigentlich nur Kinder haben wollten, nicht das ganze erdrückende Paket aus individueller, finanzieller, gesellschaftlicher Verantwortung und ein komplett durchgetaktetes Leben, in dem man nicht mehr weiß, was man mit Freizeit anfangen soll (wenn man denn mal welche hat).

Wir haben uns geliebt und wollten dieser Liebe Ausdruck verleihen. Jetzt sind wir glücklich, aber auch manchmal frustriert – und dürfen das nicht äußern, weil Kinder ja eher ein ausgefallenes, lautes Hobby sind als irgendetwas anderes. So fühlt es sich zumindest dann und wann an, wobei ich einräumen muss, dass das natürlich auch an mir/ uns liegen kann.

Wir sind es gewohnt, dass wir unsere Karriere planen, unsere Freizeit, unseren Urlaub – und dann kommt plötzlich etwas in unser Leben, das nur begrenzt planbar ist wie das erste Baby (oder auch das vierte 🙂 ). Die Kinder sollten eigentlich nur eines von vielen weiteren Vorzeigeprojekten sein, für die man ein perfektes Zimmer in einem schönen Haus in der Vorstadt einrichtet, wenn der richtige Zeitpunkt im Leben gekommen ist (also meistens: NIE). Diejenigen von uns, die das Projekt wirklich angehen, merken sehr schnell, dass das Projektmanagement nicht annähernd ausreicht für all die unerwarteten Veränderungen, die es mit sich bringt.

Aber Weil (siehe oben) äußern sie das am besten nicht, denn sonst könnte ja noch ihr Projektmanagement in die Kritik geraten. Schließlich lässt sich ja alles perfekt planen, wenn man es nur gut genug anpackt, oder?

Nicht.

Lesen Sie bald in Teil 2: Und plötzlich ist man allein. Wie man als Mittzwanziger Probleme bekommt, weil man mit dem ersten Kind zehn Jahre zu früh dran ist.

Blogparade „#Momsrock“

Es tun immer mehr und ich tue es nun auch: Ich beteilige mich an der Blogparade #Momsrock.

Was habe ich also alles gut gemacht?

Ich habe sehr gut analysiert, warum ich etwas nicht so gut gemacht habe. Das hab ich prima geschafft. Ich hab‘ begriffen, dass wir Mütter als ganz junge Frauen einfach meist mit einem miesen Selbstwertgefühl in die Welt entlassen werden. Weil wir als Mädchen immer lernen, was wir alles an uns verbessern und wie wir noch nützlicher oder dienlicher sein können.

Nun werfe ich das um.

Weil ich den Mummy War (Danke für den Begriff, Käthe) satt habe. Weil es mich total nervt, dass ich meinen ehrenamtlichen-24-Stunden-Job mit so viel Kraft und Liebe mache und mein berufliches Appraisal dabei fast immer mies ausfällt. Nicht nur ohne die joblike Goodies wie Beförderungen oder vielleicht nach 12 Jahren endlich mal einem Assistenten, der den fisseligen Krempel übernimmt. Das wäre ja mal was. Es nervt, dass meine Jobbilanz immer ist:“Das und das könntest du auf jeden Fall noch besser machen.“

Schluss damit. Was mache ich also gut?

Ich habe natürlich diese Anzahl an Kindern. Das allein ist schon eine Menge – klar. Das alleine ist aber gleichzeitig nicht das, was ich belobigen möchte. Ich pflege auch unsere über-200qm-Behausung, in die alle alles hineinzuwerfen scheinen, richtig gut und schaffe dadurch eine Atmosphäre, in der man sich wohlfühlt. Ich bin immer bereit, an mir zu arbeiten und gehe auf Kritik oder kindliche Anregungen ein. Ich beantworte meinen Kindern jede ihrer Fragen. Wirklich jede. Ich lüge sie niemals an. Niemals. Da habe ich einen Kodex. Kein „Oh, ich weiß nicht, wo dieses nervige, laute Spielzeug ist – das haben wir wohl verloren“ – wenn ich genau weiß, dass ich es weggeschmissen habe. Meine Kinder sind dementsprechend respektvoll behandelt worden und wertschätzen nun auch ihre Mitmenschen. Sie bieten älteren Damen und Herren den Platz im Bus an, sagen Bitte und Danke sowie auch Guten Tag.

Ich habe (und das soll nur ein einziges Beispiel sein) unser „trauriges Knöpfen“ Nummer 2 dabei begleitet, ein selbstbewusstes und schlagfertiges Mädchen zu werden. Habe durchgeboxt, dass sie eine Klasse überspringt und das gegen einige recht basisuninformierte Lehrer. Unsere Vier sind grundverschieden und ich betrachte sie äußerst individuell obwohl sie zusammen eine ganz heftige Horde sein können. Ich kenne ihre seelischen Thematiken und gehe auf sie ein, ich beziehe sie in mein Leben ein und sie bekommen sowohl Respekt als auch Anleitung.

Und sie bekommen zu Karneval jedes Mal ein Kostüm von mir genäht, das sie sich wünschen. Mit allem Schnickschnack und gern auch nach einem krakeligen Entwurf von ihnen selbst gestaltet. Sie lernen von mir Nähen und Häkeln und Sebstverteidigung und Psychoanalsyse. Sie wissen von mir, wer Charles Darwin, Sigmund Freud, Niccolò Machiavelli, Alf, Karl der Große, E.T., Michael Ende, Stephen Hawking, Marie Curie, die Heilige Katharina und die Heilige Teresa von Avila, Jeanne D’Arc, Simone de Beauvoir und Mary Shelley sind oder waren.

Manchmal könnte ich sie an die Wand klatschen, aber ich kann kurz darauf schon wieder sortieren, warum etwas schief gelaufen ist. Und sie selber sagen über mich:

„Du bist nicht nur schön, lustig und klug, was wir echt toll finden und so. Sondern du schimpfst immer nur mit dem, der es verdient hat. Zu den anderen bist du im gleichen Atemzug nett. Das ist genau das, was Gerechtigkeit ausdrückt. Das wollen wir später auch so machen.“

Und davon ist mir der letzte Satz der wichtige. Ich hatte von Kindheit an nur einen Satz im Kopf.„Ich darf nur ja nicht wie Mama werden. Alle Kraft wird eingesetzt um nicht so zu werden.“ Und daher ist dieser Satz der Ausdruck dessen, was ich gut gemacht habe. (An späterer Stelle werde ich in unserem Blog sicher mal erklären, warum meine Mutter für mich das Antivorbild war.)

Ich habe einige Freundinnen, die Mütter sind. Und auch für jede Einzelne von ihnen könnte ich so einen Post schreiben. Fühlt Euch gedrückt – ich denke gerade an jede von Euch! Wenn Ihr nicht immer auf dem Schirm haben solltet, womit ihr rockt – ich habe es!

Und nun Ihr, liebe MitBloggerInnen! Es wäre klasse, wenn Ihr auch an der bis zum 31.12.2014 laufenden Blogparade beteiligen würdet. Auf in die Schwarmempathie. Spendet Euch Lob und seid gut zu Euch! Immerhin sind wir Mitarbeiterinnen, Chefinnen und Mediatorinnen in einem – da werden wir ja wohl eine Beurteilung schreiben können …

Natürlich gilt der Aufruf auch für die gefühlten drei Hausmänner in Deutschland im exakt gleichen Maße.

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❤ Ihr rockt, moms! Wir rocken! ❤

Ein Wochenende als Wochenendvater

Ich habe mich letztes Wochenende als Wochenendvater betätigt. Ihr wisst schon – die, die immer nur Ausflüge mit den Kindern machen, zu allem „Ja“ sagen und so die Alltagspädagogik der Mutter komplett unterwandern. Warum ich das gemacht habe? Na ja, meine Frau war mit den beiden Großen und meiner Schwester in Paris, und irgendwer muss ja den Herd hüten. Wir können ja nicht beide gleichzeitig den „lifestyle of the rich and famous“ pflegen. 😀

(Okay, okay, sie hatte(n) das alle vier mehr als verdient, und ich reise eigentlich auch gar nicht so gerne, weil wir dann immer Wasserschäden haben)

Jedenfalls habe ich Nummer 3 versprochen, dass wir in einen Indoor-Spielplatz gehen. Eigentlich dachte ich ein Ausflug reicht für´s Wochenende, aber nix da – weil das Wetter so schön war, gingen wir erst in den Tierpark, dann in den Freizeitpark und dann in den überdachten Spielplatz. Was fällt mir als Serienvater da natürlich am meisten auf?

Ich konnte zu allem „Ja“ sagen! 

Das Leben mit nur einem Kind (Nummer 4 zählt jetzt mal nicht) ist so unglaublich billig! „Dada ich will ein Eis!“ – „Kein Problem!“ – „Ich will Karussell fahren!“ – „Na los Süße, fahr gleich zweimal!“ – „Ich will ein Happy Meal!“ – „Okay, vielleicht noch eine Apfeltasche dazu?“

Wenn ich ein Einzelkind hätte, wäre das unglaublich verzogen. So richtig übel, wie es alle Einzelkind-Eltern, auf die ich jemals verächtlich herabblickte ob ihrer mangelnden pädagogischen Konsequenz, nicht schlimmer machen könnten. Ich wäre der Albtraum aller Eltern mit größeren Familien, bei denen die Kosten für jedes erschöpfte kleine „Na gut, aber nur als Ausnahme …“ direkt durch den Faktor drei oder vier durch die Decke gehen. Hach, was wäre das schön …

Wochenendvater

Wie schön, konnte ich dann direkt beobachten, als wir wirklich im Indoor-Spielplatz angekommen waren. Als gut organisierter Wochenendvater hatte ich natürlich stets eine Wickeltasche mit Vorräten dabei, und als Nummer 4 Hunger hatte, fütterte ich ihn mit selbstgemachten Möhren-Muffins (habe ich erwähnt dass ich einer von den guten Wochenendvätern war? :D). Minuten später krabbelte er durch die Gegend, ich hinterher, und als ich wieder zurück zum Tisch kam raunte mich ein Mitarbeiter des Etablissements an.

Mitarbeiter: „Ist das ihr Tisch?“

Ich: „Ja, ich bin gerade dem Baby hinterher …“

Er: „Das Mitbringen von Speisen und Getränken ist hier leider nicht erlaubt.“

Ich: „Auch nicht für ihn?“ (Ich zeigte auf Nummer 4, den ich auf dem Arm hatte) „Soll er Pommes essen?“

Für Babys war Mitbringen dann wohl doch erlaubt, aber ich konnte leicht beobachten, wie sich mehr als ein paar Gäste über dieses Verbot ärgerten. Einige gingen sogar wieder – hätte ich mehrere Kinder 😉 könnte ich das sogar verstehen, denn nur für Eintritt und ein bißchen Junk Food war ich am Ende 25 Euro los. Das ganze mal drei … puh, so viel wären mir ein paar überdachte Hüpfburgen dann doch nicht wert.