Die Fufel-Chroniken

Da dieses Wochenende der 800. Jahrestag der Unterzeichnung (eigentlich war es ja eine Besiegelung) der Magna Carta gefeiert wird, schlagen auch wir unsere Charta auf.

Na ja, sie enthält eigentlich keine Rechte für übermüdete Eltern. Es gibt keine Artikel, die Herrschaft aufteilen sollen, um für Gerechtigkeit des Volkes und der Barone*innen sorgen. Okay, es sind überhaupt keine Rechte für Herrschende enthalten. Dafür aber mit das Kostbarste, das wir Menschen haben: Erinnerungen.

Unsere Charta ist also eher eine Chronik.

Eine volle und über ein Jahrzehnt alte:

Die Fufel-Chronik

Und in den kommenden Wochen werden wir sie aufschlagen und ab und an Erinnerungen aufschreiben.

Was haben die Fufels 2004 gemacht oder 2008?

Aus dieser Reihe gibt es heute:

Mama war nur kurz unten staubsaugen

Wir schreiben das Jahr 2006.

Nummer 1 ist dreieinhalb und Nummer 2 ist zwei Jahre alt. Nummer 3 war Quark im Schaufenster (das darf sie jetzt nicht lesen, denn sie hasst diesen Ausdruck. Sie sagt dann immer: „Ich war niemals Quark! Ich war bei Gott und wartete auf mein Leben!“

Direkt nach dem Einkauf wollte ich das Souterrain unserer damaligen Wohnung saugen. Oben spielten die beiden. Man konnte sie das ruhigen Gewissens tun lassen – es war das hochgesicherte Gummizellen-Alcatraz die kindersicherste Wohnung, die wir jemals hatten.

Ich habe mich dennoch beeilt und verließ die auf dem Teppich selig Spielenden für rund 10 Minuten. Ja, ich habe ziemlich hektisch den Sauger geschoben – es stand noch irgendein Termin an und ich wollte vorher wenigstens einen „Kölsche Wisch“ machen.

Als ich wieder nach oben komme, sind die Mädels weg.

Sie waren nicht etwa verschwunden, weggelaufen, ausgezogen:

Sie befanden sich unter 10 (!) ausgerollten und verteilten Rollen Klopapier. Mitten im Wohnzimmer. Mir fiel fast der Sauger aus der Hand.

Stimmt! Die Packung Klopapier war vom Einkauf noch im Flur stehen geblieben!

Mein Mund war offen. Es raschelte. Nummer 1 steckte zuerst die Nase aus den 2.000 weißen Blättern vor mir.

„Hallo Mama,“ sagte sie fröhlich.

„Hallo …“ krächzte ich reflexartig und fügte mit brüchiger, aber versiert freundlicher Stimme an, „was …äh … genau macht ihr da?“

Es raschelte erneut, Nummer 2 erschien.

„Hallo, Mama.“

Nummer 1 sah mich an und strahlte:

„Wir sind Biber. Und das hier, “ sie wies mit ausgestreckten Armen auf ihre Zweitausend Morgen schneeweißes Land,  „ist unsere Biberburg. Hier wohnen wir. Das haben wir selbst gebaut.“

Ich sah, dass die Klorollenburg in der Tat mittig aufgetürmt war und an den Rändern flach auslief. Sah aus wie ein 1-A-Biberbau.

In mir bahnte sich die einzig richtige Entscheidung bezüglich einer adäquaten Reaktion an:

„Das ist die beste Biberburg aller Zeiten. Schade, dass ich da nicht mehr reinpasse!“

Sie haben noch eine ganze Weile glücklich gebibert. Danach haben wir zusammen auf Klorollenpappkerne aufgewickelt, was noch zu retten war. Das war erstaunlich viel.

Die Erinnerung an die Biberburg habe ich sehr gerne.

Heute stolzer Besitzer eines Biberburgbausatzes: Prof. Dr. Nagy, Mr. Essentials Kindheits-Biber

Heute stolzer Besitzer eines Biberburgbausatzes: Prof. Dr. Nagy, Mr. Essentials Kindheits-Biber

In dieses Buch hier

Kostbare Erinnerungen an wunderbare Jahre: Die Fufel-Chroniken

Kostbare Erinnerungen an wunderbare Jahre: Die Fufel-Chroniken

habe ich laufend geschrieben, was ich so mit den Kindern erlebt habe und auch, was ich jetzt erlebe.

Es sind sozusagen die Fufel-Chroniken. Dieses Buch gehört zu den ersten Dingen, die ich retten würde, nachdem bei einem Brand alle Menschen in Sicherheit sind. Echt. Und immer, wenn die Kinder mich mal fragen, was ich noch retten würde, nachdem alle Menschen gerettet seien, dann sage ich: Meinen Teddy, die Kiste mit den Kinderandenken und die Fotoalben. Ist mein Ernst.

Was soll man auch sonst retten? 🙂

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Oben im Bild: Auch Eltern können Foodies. Heute: Brechdurchfalldiät der Tochter.

Disclaimer: Das hier ist – im Gegensatz zum verlinkten Originalartikel – natürlich Satire.

Ich arbeite in einer Branche mit vielen kinderlosen Kollegen. Wenn ich mich darüber mit anderen Vätern unterhalte, denken die meist: „Das ist doch super, da kannst Du immer vorschützen, dass die Kinder krank sind und früh nach Hause gehen!“ Weil – so das Klischee – Kinderlose ja sowieso immer bis Ultimo im Büro rumhängen. Ja, das kann man natürlich maaal machen. Aber wenn man es übertreibt, fangen die irgendwann an böse Briefe in der Brigitte zu schreiben.

Was viele dabei außer Acht lassen: Mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten hat auch viele Nachteile. Montagmorgens zum Beispiel schleppt man sich nach einem arbeitsreichen Wochenende übermüdet und entkräftet ins Büro. Die Kinderlosen fragen einen: „Und? Wie war Dein Wochenende?“ und man antwortet: „Och ja, ganz okay …“. Dann erzählen sie davon, wie sie eine Städtetour nach Nizza gemacht, ein neues 8-Sterne-Restaurant ausprobiert oder einfach nur „mal gar nichts gemacht haben“. Dann erinnert man sich durch den Schleier der Müdigkeit, wie man selber das Wochenende verbracht hat: Man ist abends viel zu fertig und früh ins Bett gegangen, nur um morgens trotzdem noch viel zu früh geweckt zu werden. Danach füttert man die Kinder, reinigt den Essbereich mit einem Hochdruckreiniger, der Hochdruckreiniger fällt aus, man googelt nach „Hochdruckreiniger Test“, fährt in den Baumarkt und kauft sich (für das Geld, das man eigentlich in den nächsten „Urlaub“ investieren wollte) einen neuen Hochdruckreiniger. Währenddessen haben die Kinder schon wieder das Haus verwüstet, so dass man den Rest des Tages mit Besen und Müllsack verbringt, bis man schließlich in den Supermarkt startet, um neues Futter für die Meute heranzuschaffen. Abends fällt man völlig erschöpft ins Bett (nicht ohne dass die Kinder sich vorher noch lautstark getritten haben) und nimmt sich vor, am Sonntag mal nichts zu machen. Bis man sieht, dass mittlerweile das Unkraut im Garten die Vorherrschaft an sich gerissen hat und man den kompletten „freien“ Tag mit Machete und Heckenschere im Dschungel verbringt. Zwischendurch – nachdem man wieder zwei Meter freies Blickfeld hat – erkennt man dass das Gartentor schief hängt und die Dachrinne repariert werden müsste. Abends bespricht man mit seiner Frau die Pläne für die nächste Woche (Warum eigentlich? Der Plan ist doch eh immer „von morgens um 7 bis um abends um 9 durchzuackern für Haus, Hof und Kinder) und fällt erneut übermüdet ins Bett.

Aus diesen vielleicht deprimierenden, aber wenigstens bodenständigen Gedanken wird man dann durch Instagram-Fotos aus Nizza herausgerissen. „Und die machen ein Panna Cotta da in diesem kleinen Restaurant – einfach himmlisch …“ Man verkneift sich die Antwort, das man als Dessert immer das isst, was die Kinder auf den Boden werfen – und lächelt so gut man kann. Schließlich will man ja nicht der langweilige Spießer sein, der keinen Spaß mehr hat …

Auch in der Mittagspause kann es wirklich enervierend sein, mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten. Während man als Vater die Investition von 150 Euro im Monat für „an jedem Arbeitstag Essen gehen“ nicht verantworten kann, kennen Kinderlose solche Probleme natürlich nicht und probieren auch in der Mittagspause alle neuen Bistros, Food-Trucks und Lieferservices in Büronähe aus, während man selber Getuppertes futtert. Am Schreibtisch, damit man abends schneller nach Hause kommt.

Apropos Abend – auch das ist natürlich ein Problem. Wie oft wird man gefragt „Kommst Du heute noch mit?“ und die Antwort lautet – natürlich – nein, weil man zuhause gebraucht wird. Wenn Kinderlose abends unterwegs sind, lassen sie die Sau raus – für Eltern sind das Überstunden. Sich betrinken kann man eh nicht, weil man aus der Stadt raus ins „Grüne“ pendelt (Unkraut!!!), was natürlich nur mit dem Auto geht. Während die Kollegen also tolle Fotos von irgendwelchen Events posten, wischt man zuhause den kranken Kindern hinterher und fragt sich, ob man irgendwann auch mal Spaß hatte.

Auch in den sozialen Medien machen sie einen fertig. Dauernd Fotos von irgendwelchen „geilen Konzerten“, während man sich mühevoll alle vier Wochen mal ein harmonisches Familienfoto zusammenkratzt, damit einem das eigene Leben nicht völlig außer Kontrolle vorkommt. Dauernd neue Freunde, während man seine bestehenden nicht mal treffen kann, weil die Kinder permanent krank sind. Dauernd neue Designermöbel und -klamotten, während man selber nur auf Ikea (preiswert und kratzfest) und H&M setzt (mit praktischer Teilzahlungsfunktion, wenn mal wieder alle Kinder gleichzeitig neue Sommerklamotten brauchen).

Es ist wirklich deprimierend. Ich will das alles gar nicht wissen. Manchmal frage ich mich, warum es eigentlich keine Spezialarbeitsplätze für Kinderlose gibt, wo sie sich gegenseitig mit ihren Freizeitvergnügungen und Konsumfreuden beharken können, anstatt hart arbeitenden Vätern wie mir damit die Laune zu versauen.

Wieviel sind drölfzig Euro Spielzeug denn in Kubikmeter?

Ms. Essential und ich haben gestern Abend in einer spontanen Aktion das Zimmer von Nummer 3 ausgemistet. Eigentlich hat Nummer 3 sogar zwei (kleine) Zimmer – ein Vorzimmer und ein Schlafzimmer. Beide sind aber ehrlich eher klein. Jedenfalls hatte sie im Vorzimmer für Jahre eine Ikea-Spielküche mit Unmengen an Zubehör stehen, sowie einen kleinen Tisch und zwei Stühle. Jetzt, wo sie groß ist, wollte sie gerne einen Schreibtisch haben.

Diesem Wunsch haben wir gestern entsprochen und ihr einen kleinen Schreibtisch besorgt. Der Plan hatte nur einen Haken – wir mussten zu seiner Umsetzung ihr Zimmer betreten. Und das war – wie immer – ein bißchen wie damals im Dschungel von Vietnam.

Ohne jetzt zu deutlich zu übertreiben konnte man das Bett fast nicht erreichen. Die Regale quollen über, vor dem Bett stapelte sich die schmutzige Wäsche, die Küchengeräte waren komplett über den Boden verstreut und versuchten mich zu Fall zu bringen und mir das Genick zu brechen.

„Jetzt reicht´s!“ schnaubte Ms. Essential und stapfte die Treppe hinunter. Eine Minute später war sie wieder da – mit einem Müllsack in der Hand.

(An dieser Stelle bitte hymnische Choräle hinzufügen)

Ihr müsst wissen, dass der Müllsack für uns ein ewiges Streitthema ist. Wann immer wir uns über chaotische Kinderzimmer ärgern, schlage ich vor „den ganzen Mist doch einfach wegzuwerfen“. Mrs. Essential hält dann dagegen, dass die Kinder „das doch gerade erst bekommen haben“ oder „die Oma es ihnen geschenkt hat“. Sie versteht normalerweise nicht, dass diese Argumente völlig nebensächlich sind und ich natürlich vollkommen recht habe. 

Nicht so gestern. Da kam sie die Treppe hinauf gestapft, mit einem Müllsack in der Hand. Eine Amazone des Spielzeugentsorgens. Eine Göttin des Puppengemetzels.

Ich verstand natürlich sofort, was die Stunde geschlagen hatte, und bestärkte sie in diesem Blutrausch.

„Genau, das muss alles weg, nein, das braucht sie nicht mehr, daran erinnert sie sich doch sowieso nicht. Guck mal, diese Schublade quillt auch noch über. Nein, nicht nachdenken, wegwerfen!“

Nummer 1 unterstützte uns bei der Aktion und half, bei zweifelhaften Gegenständen eine Entscheidung zu treffen. („Braucht sie dieses Bein hier noch?) Als wir die Aktion ungefähr zur Hälfte beendet hatten, hörten wir Schritte auf der Treppe. Nummer 3 war auf dem Weg in ihr Zimmer …

„Oh Gott,“ flüsterte Ms. Essential. „Wir sind doch noch nicht fertig!“

Ich packte Nummer 1 an den Schultern. „Schnell! Du musste sie aufhalten!“

Unsere Große stürmte ihr entgegen und lenkte sie ab, während Ms. Essential und ich weiter Spielzeug in Müll umdeklarierten. Ungefähr 90 Minuten später hatten wir drei 120 Liter-Müllsäcke mit … Dingen … gefüllt. Das meiste davon konnte man nicht einmal guten Gewissens als Spielzeug bezeichnen, es waren mehr so Puppenrutschen ohne Aufhängung, winzige Kaffeeuntersetzer oder kopflose Puppen und puppenlose Köpfe. Wobei ich zugeben muss, das natürlich auch voll funktionales Spielzeug dabei war.

Hinterher stellten wir uns die Frage, woher der ganze Krempel eigentlich kam. Die Antwort ist erschreckenderweise relativ einfach: Die Kinder haben einmal im Jahr Geburtstag, jedes Jahr ist wieder Weihnachten, und zwischendurch kriegen sie Taschengeld und dann und wann auch einmal so ein Geschenk. Ich weise innerfamiliär seit Jahren darauf hin, das jeder Euro, den man in Spielzeug investiert, 10 Cent an Kosten für Müllsäcke nach sich zieht (und – viel schlimmer – unbezahlbare Elternfreizeit kostet). Aber normalerweise beschimpft mich Mrs. Essential dann nur als herzlosen Spielzeughasser.

Gestern jedoch wurde uns klar, dass das alles einfach viel zu viel Krempel ist. Wir sind schon relativ restriktiv in Bezug auf Geschenke – jedes Kind kriegt nur ein Budget von 50 Euro pro Geschenkanlass, auch Opa und Tante liegen nicht wesentlich darüber. Wir haben nichtmal so unglaublich viele Verwandte die was schenken. Neu kreierten Schenkfesten wie Ostern oder dem Kindertag verweigern wir uns so weit wie möglich – Ostern liegt das Budget unter 10 Euro und den Kindertag ignorieren wir vollständig. Alles andere kommt uns sowieso nicht ins Haus, und wir lassen uns auch nicht einreden dass man zu diesen Gelegenheiten am besten einen Flatscreen schenken sollte (wobei … der fliegt dann wenigstens nicht rum).

Bei einer großen Familie gerät so etwas nämlich selbst unter strikten Vorgaben sehr schnell außer Kontrolle – 50 Euro pro Geburtstag mal Verwandtschaft plus Weihnachten mal 50 Euro mal Verwandtschaft plus Sonderanlässe mal 4 macht ungefähr drölfzig Hundert Euro pro Jahr, die wir an Spielzeug ins Haus bekommen. Und die dann aus den Schubladen quellen und mir die Füße brechen wollen.

Ich sehe ja irgendwo ein, das „Alles wegschmeissen! Soll Gott es aussortieren!“ nicht unbedingt die Lösung für alle diese Probleme ist. Aber ich bin dennoch davon überzeugt, dass in der Spielzeugindustrie nur schlechte Menschen arbeiten, die Eltern hassen.

Die Krümelmonster

Gestern morgen. Das Frühstück ist aufgegessen, und ich beauftrage die Mädels den Tisch abzuräumen und sauberzumachen.

(Nach dem Frühstück sieht unser Esstisch immer aus, als hätte man eine Handgranate in eine Bäckerei geworfen – und das ist nicht alles Nummer 4s Schuld, auch wenn er sicher seinen Beitrag leistet. Daher haben wir die Regel eingeführt, dass der Tisch von der Person gesäubert wird, die am meisten rumgesaut hat.)

Sie beginnen sich sofort darüber zu streiten, wer den Tisch abwischen muss.

Nummer 1: „Dein Platz sieht am schlimmsten aus, Nummer 3! Du musst das machen!“

Nummer 3: „Gar nicht! Nummer 2s Platz sieht viel schlimmer aus!“

Nummer 2: „Stimmt ja gar nicht! Der von Nummer 1 sieht am schlimmsten aus!“

Nummer 1 beugt sich vor und fängt an Krümel zu zählen. „Eins, zwei, drei, vier, fünf … siebenundzwanzig, achtundzwanzig … fünfundvierzig, sechsundvierzig …“

Viele Krümel. Sehr viele Krümel.

Ich beobachte das eine Weile und beuge mich dann zu meiner Frau rüber.

„Das ist jetzt nicht ihr Ernst, oder? In der Zeit wären sie schon lange mit dem Tisch fertig.“

Meine Frau: „Doch. Kinder sind doof. Jeder der was anderes behauptet ist ein verpöngelter Einzelkinderpädagoge.

Doof ist jetzt ein hartes Wort. Aber es ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen.

Idee und Wirklichkeit

Der heutige Samstag ging mal wieder komplett für Verpflichtungen drauf: Ich musste den Garten auf Vordermann bringen (sprich: mich mit der Machete durch den seit vier Wochen nicht gemähten Rasen schlagen), meine Frau das Haus, das unter der Woche auch ein wenig zu kurz gekommen war. Danach schnappte ich mir die Kinder und fuhr in den Real, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Zuhause war in dieser Zeit liegengebliebene Bügelwäsche angesagt.

Als ich gegen 17.30 Uhr nach Hause kam, empfing meine Frau die Mädels mit einem überraschend kalten Blick.

„Ich war in Eurer Etage,“ zischte sie.

Die Kinder, insbesondere Nummer 1, schrumpften sofort um 15 Zentimeter. Wir jagten sie nach oben, und während meine Frau Nummer 4 fütterte, packte ich die Einkäufe aus. Dabei machten wir unserem Ärger ein wenig Luft. Nach ein paar Minuten meinte meine Frau:

„Die Idee, Samstags ins Centro zu fahren und mir einen Hut zu kaufen hat mir irgendwie besser gefallen als das, was ich heute wirklich hatte.“

Ich hob ein paar Packungen Käse auf, die mir ob ihrer der Schwerkraft trotzenden Stapelweise entgegen gekommen waren, als ich den Kühlschrank öffnete.

„Die Idee von meinem Samstag gefällt mir irgendwie immer besser als der wirkliche Samstag.“

Alles was Du hast

Kennt Ihr falsche Filmzitate? „Ich bin Dein Vater, Luke“ und so?

Eines meiner falschen Lieblingszitate ist:

„Alles was Du hast, hat irgendwie auch Dich.“

Das Original lautet:

„The things you own, they end up owning you.“ (Fight Club, 1999)

Ich kann mich aber nicht umgewöhnen und ich finde eigentlich meine Version auch sinnvoller. Da ist nämlich nix mit irgendwann, kauf Dir irgendwas und es hat Dich sofort. Zumindest sofern es einen gewissen Wert hat.

Ich sage diesen Spruch, wenn eine Röhre aus unserer Solaranlage verrutscht ist, wenn die Autos Reparaturen brauchen, wenn ich mal wieder sehe was wir eigentlich noch alles „machen müssten“. Ich habe mittlerweile eine ganze Menge Zeug, das mich hat. Bilanz dieser Woche beispielsweise?

  • Auto Nummer 1 für 1.000 Euro repariert, 400 Euro stehe noch aus.
  • Auto Nummer 2 muss noch für 800 Euro repariert werden, 700 stecken schon drin.
  • Währenddessen wuchert das Unkraut durch meinen Rindenmulch – und der Gärtner, den meine Frau mir letzte Woche andrehen wollte, kam einfach nicht.
  • Nummer 2 hat irgendwann diese Woche den Passcode ihres Handys vergessen (und wer darf rausfinden, wie man das wieder in Gang kriegt? Ratet mal.)
  • Der komische Grünstreifen neben unserem Grundstück, der nicht (!) uns gehört, ist bald mannshoch zugewuchert – daraus lerne ich: auch Sachen die ich nicht habe, haben mich.

Ich höre jetzt mal auf, ich glaube das Prinzip ist verständlich. 

Ich komme übrigens nicht zum bloggen momentan, weil ich so viel arbeiten muss, damit ich das Geld verdiene, von dem ich mir dann Sachen kaufe die … you name it. 

Wie ging noch das zweite berühmte Zitat aus Fight Club? 😉

Stockholm-Syndrom

Heute morgen stehe ich rotierend in der Küche und bereite Nummer 4s Taufe vor. Währenddessen schleimt mir K2 durch die Beine und ich falle fast auf die Schnauze.

(Kleine Erinnerung: K1 und 2 sind unsere Fellbälle … äh Katzen)

Ich fluche, deute einen Tritt an und gebe ihm dann doch Futter.

„Ich glaube, man entwickelt mit Katzen eine Art Stockholm-Syndrom.“
Meine Frau blickt von dem Fondant auf, mit dem sie gerade hantiert. „Häh? Baust Du eine erotische Beziehung zu dem Kater auf oder was?“
„Ich glaube eher eine neurotische Beziehung.“

„Als sie den gefunden haben, sah der irgendwie aus wie meine Oma!“

Die Mädels mussten gerade ihre Wäschetonne aus der obersten Etage runterbringen. Wie so häufig stellte sich heraus, dass die Hälfte der Wäsche gar nicht schmutzig (aber durch Tonnenstopfen jetzt total zerknittert), oder aber auf links und dämlich ineinander verdreht war.

Wir regten uns aus, verpassten den Kindern ein Donnerwetter (aber das soll jetzt gar nicht das Thema sein) und unterhielten uns noch ein wenig über das Chaos in Nummer 1s Zimmer. Als Nummer 1 daraufhin runterkam, wollte ich sie aufräumen schicken.

„Quatsch, die soll das nicht aufräumen,“ meine meine Frau, „das ist doch witzlos, wenn die ein Mal im Jahr ihren Dreckstall aufräumt. Das soll schön so bleiben, bis sie irgendwann einen Freund hat und der dann mit ihr Schluss macht weil sie ein Messi ist.“

Okay, das leuchtete mir ein. Wir beschlossen allerdings, dass wir den Zustand des Zimmers für die Nachwelt festhalten müssten. Also fabulierte ich enthusiastisch los:

„Wir schicken Nummer 3 mit einem iPhone hoch und verfolgen die Expedition von hier unten per Facetime. Das ist dann ein bißchen so, wie wenn Space Marines auf einem fremden Planeten in eine Höhle mit Alien-Eiern vordringen müssen.“

Wir waren in Fahrt. Meine Frau ergänzte. „Ja, oder wie in dem Erdloch, in dem sie Saddam Hussein gefunden haben. Was ich übrigens zu dem schon lange mal sagen wollte: Als sie den da aus dem Loch gezogen haben, sah der ein bißchen aus wie meine Oma.

Zugegebenermaßen, das hatte jetzt nicht mehr wirklich was mit dem Thema zu tun. Aber es entspannte unsere elterliche Stimmung ein wenig. 

Peak Schokolade

In einer monatelangen, vorwiegend von Rückschlägen und Misserfolgen geprägten Auseinandersetzung habe ich mich vor kurzem durchgesetzt: Wir kaufen keine Nuss-Nougat-Creme mehr.

Dabei ging es bei uns gar nicht primär um Ernährung. Es ist mehr der Effekt auf Kindergehirne (und Arbeitsplatten), den dieses Zeug hat. Nusspli&Co im Haus hießen: permanente Schokostreifen auf der Arbeitsplatte, begleitet von permanenten Krümeln. Und schokobeschmierten Messern. Und schokobeschmierten Gesichtern. Und schokobeschmierten Tapeten.

Ich habe oft gedroht, dass ich das nicht mehr lange dulden würde, wenn die Mädels ihren Konsum nicht mäßigen würden. Aber, wie so oft, ohne den Segen der Hausherrin war diese Drohung nicht viel wert. Bis es endlich gelang, meine Frau auf meine Seite zu bekommen.

Wir haben 3 Stufen durchlebt:

1. Wir haben regelmäßig Nusspli und Belmandel gekauft. Ergebnis: Die Kinder aßen NIX anderes, löffelten das Zeug teilweise weg und schmierten sich alle naselang zwischen den Mahlzeiten dick bestrichene Brote. Oft war der 400 Gramm-Becher am Tag nach dem Einkauf leer (sic!).

2. Wir haben das Zeug auf das Wochenendfrühstück beschränkt. Ergebnis: Der 400 Gramm-Becher war auf jeden Fall (!) Samstag bereits leer. Die Gesichter trotzdem beschmiert. Und die Zahl der Schokolöffel in der Küche nahm in dieser Zeit noch einmal zu.

An diesem Punkt war bei uns im Haus Peak Schokolade erreicht – die verfügbare Schokomenge würde nicht mehr zu, sondern nur noch abnehmen. Und wie schnell das ging – denn es kam Stufe 3:

3. Wir verlagerten uns bei der Frühstücksschokolade auf Eszet-Schnitten. Erwarteter Vorteil: Handlich, und in kleineren Portionen käuflich. Beim ersten Frühstück damit rasteten die Mädels aus und warfen sich gegenseitig vor, zu viele Eszet-Schnitten aufs Brot zu tun. Also endete auch diese Phase, da wir Frieden beim Frühstück wollten und keinen Krieg um die knappen Schokoressourcen.

Also bestätigte meine Frau:

„Wir kaufen das Zeug jetzt nicht mehr.“

Am Tag darauf klebte die halbe Küche voll mit Marmelade. Offensichtlich haben die kleinen Zuckerjunkies sich auf das rote Methadon verlegt – und pfeifen sich davon erhöhte Mengen rein. Ich wollte schon die DEA rufen, da meinte meine Frau:

„Dann kaufen wir halt auch keine Marmelade mehr.“

(Ja, die Linie bei uns zuhause wird härter – die Konservativen sind an der Macht.)

Am Wochenende fiel mir auf, dass ich selbst ja auch ganz gerne süß frühstücke. Nur ohne Marmelade, Nusspli, Belmandel oder Eszet-Schnitten wird das irgendwie nichts.

Ich: „Mist, ohne Marmelade habe ich jetzt auch nix Leckeres mehr zum Frühstücken.“

Meine Frau: „Dann kauf Dir eine, die die Kinder nicht mögen.“

Ich: „So wie Orangenschalenmarmelade? Aber die mag ich auch nicht!“

Meine Frau: „Frühstück so wie wir es mögen? Das ist ein Luxus, den wir uns nicht erlauben können.“