Chronischer Bazillenfrust

Nummer 4 hatte in den letzten Novemberwochen seine Eingewöhnungsphase bei der Tagesmutter.
Diese besucht er an drei Vormittagen der Woche bis mittags um Eins. Ich habe ein absolut großartiges Projekt angenommen (davon später irgenwann hier mal mehr) und arbeite daran sehr gern. Den Rest der Zeit nutze ich um unseren (ja doch recht großen) Haushalt zu machen, zum Arzt zu fahren und wenn die Zeit reicht, mache ich Pause, lese ich Zeitung und trinke einen Tee.
Ich atme durch, darf alleine zum Klo (Ihr wisst, mein Toiletten-Fremdbestimmungstrauma …) und den Raum verlassen, ohne mich bei Sohni abmelden zu müssen und Protest zu ernten.

Seit Dezember geht er dort hin, wo die sympathische Tagesmutter, ihre zweijährige Tochter sowie noch zwei kleine Jungs im Alter von rund zwei Jahren sind. Er ist da richtig gerne und freut sich zugleich so unglaublich herzerwärmend, wenn ich ihn mittags abhole.

Ich bin dann entspannt, habe etwas geschafft und bringe ihn zuhause ins Bett, wo er dann noch mal stundenlang schläft, weil er von all den Eindrücken so müde geworden ist.

Es ist also die Phase, mit der ich mich während der Babyphase innerlich aufrecht hielt. Und die Phase, die ich wirklich dringend genau so brauche, weil mein Leben sehr anstrengend ist. Ich bin jedenfalls glücklich und zufrieden so.

Theoretisch.

Faktisch war er im Dezember gerade eingewöhnt als die Ferien da waren. In dieser Zeit war ein Kind der Tagesmutter mal krank und Nummer 4 blieb zuhause. Das Projekt hatte noch nicht gestartet, aber ich musste mich morgens ehrlich gesagt innerlich ganz schön umstellen von einem Vormittag „in Freiheit“ auf na ja, eben einen mit Kleinkind, an dem die Arbeit liegen bleiben würde.

Im Januar, nach den Ferien, konnte ich ihn fast gar nicht mehr regelmäßig hinbringen, weil …. na ja … Brechdurchfall und Erkältung bei den Kindern der Tagesmutter regierten. Dazu kamen noch zwei Vormittage, an denen ich ihn brachte, obwohl die Tagesmutter mir schrieb, dass ihre Tochter Husten hatte und beim anderen Mal tränte ihr das Auge. Ich musste entscheiden, ob ich Nummer 4 einem potentiellen Ansteckungsrisiko aussetze. In den beiden Fällen habe ich das getan – wie auch die Mutter einer der beiden anderen Jungs. Ich sah da kein großes Riskiko, hab mich aber dennoch überwinden müssen. Denn ich musste ja auch etwas schaffen.

Der zweite Junge ist übrigens aus sehr traurigem Grund plötzlich da: Sein Vater starb unerwartet am ersten Weihnachtstag an einem Herzinfarkt. Der Vater war in Erziehungszeit und die Mutter die Hauptverdienerin. Sie ist Anwältin in einer Kanzlei.

Diese Woche war Nummer 4 schon zwei Mal dort und ich hatte den Morgen heute schon verplant, als der Anruf kam, dass nun die ältere Tochter den ganzen Morgen über der Kloschüssel hängt.

Ich war mit einem Mal nicht mehr so automatisch freundlich wie immer sondern sehr genervt, habe mich aber zusammengerissen. Es ist ja nicht die Schuld der Tagesmutter, dass das Kind krank ist und ich Früher mal dem Glauben verfallen war, dass man eine Arbeit annehmen kann, weil man einen Kindertagespflegeplatz hat. Bisher hatte ich unsere Kinder ab drei im Kindergarten untergebracht. Mit Tagesmüttern habe ich keine Erfahrung gehabt.

Jett sitze ich hier und anstatt zu tun, was ich heute tun wollte darf ich die Planung umschmeißen. Und das tue ich im Bewusstsein, dass die Tagesmutter in der letzten Februarwoche für drei Wochen ganz wegfällt. Da macht sie nämlich Vertretung in dem Kindergarten, in dem sie angestellt ist.

Und im Mai, da fährt sie eine Woche in Urlaub.
Und im August dann für zwei.
Und in den Ferien ist eh keine Betreuung.

Und habe ich schon erwähnt, dass ich exakt niemand habe, der einspringen kann, wenn sie ausfällt? Ich habe kein Netz aus mehr oder minder bereitwilligen Omas, die ihr Tagwerk fallen lassen, wenn ich sie brauche ( ein Hoch auf diese supertollen Unterstützungen an dieser Stelle).

Was sagt man seinen Chefs, Kollegen oder Auftraggebern eigentlich? Ich hab da keine Erfahrung. „Tut mir leid, aber die kleine Agnetha von der Tagesmutter kotzt, ich kann heute nicht“? Oder „Ich konnte gestern nicht am Projekt arbeiten, weil der kleinen Mirabella das Auge tränte – äh nein, das ist nicht mein Kind, aber ich konnte trotzdem nicht“?

Nun hocke ich hier und ärgere mich und sehe mich gedrängt, einen Kindergartenplatz anzustreben. Aber ich möchte Nummer 4 nicht an fünf Wochentagen weggeben. Sondern an dreien. Genau so, wie das eigentlich geplant war, aber nur nach dem Zufallsprinzip stattfinden kann.

Dass man sein Kind nicht zu einer Tagesmutter geben darf, die selber Kinder hat, hätte mir mal jemand sagen können … Grumpf.