Studieren mit Job und Kindern? Das geht schon, aber …

So einen schnieken Schreibtisch hatte ich als Student noch nicht.

So einen schnieken Schreibtisch hatte ich als Student noch nicht.

Mittlerweile erscheint es mir zwar wie eine weit entfernte Vergangenheit, aber es gab mal eine Zeit, in der ich einen erheblichen Anteil meiner Wachphase mit institutionalisiertem Lernen verbracht habe. Also möchte ich dem Aufruf folgen und auch einen Beitrag zur #LernenFamilie-Blogparade leisten.

Fangen wir mal von vorne an.

Vor 13 Jahren hatte sich ein Teil meines Studiums gerade als Sackgasse herausgestellt, als Ms. Essential schwanger wurde. Ich hatte damals Technische Redaktion an der RWTH Aachen studiert – musste mir aber nach ein paar harten Semestern eingestehen, dass es für den Mathematik-Part davon bei mir einfach nicht reichte. Auch wenn ich immer ganz gut rechnen konnte. Also musste ich umsatteln und hatte damals – mit fast 24 Jahren – gerade mal das Grundstudium in der Tasche. Das Grundstudium war so was wie der Bachelor, nur ohne Vorteile. Das Grundstudium qualifizierte einen zum Weiterstudieren und sonst zu nix.

Gleichzeitig hatten verschiedene Entwicklungen dazu geführt, das Ms. Essential in ihrem Beruf als Familienpflegerin nicht mehr arbeiten würde. Wir befanden uns damals finanziell gesehen zwar nicht in einer Sackgasse, aber in einer Sinuskurve irgendwo weit unten.

Ich beschloss, mein Studium zwar weiterzuverfolgen, musste aber nebenher ziemlich viel arbeiten. Zum Glück hatte ich die ersten paar Jahre meines Studiums nicht komplett verschwendet, sondern mir ein paar Referenzen zugelegt, die es mir ermöglichten, zuerst als Texter und später als Marketingberater ein bisschen was zu verdienen. Das ging auch sehr gut los – ich fand eine Web-Agentur, die großen Bedarf an suchmaschinenoptimierten und dennoch lesbaren Texten hatte (damals war das noch mehr ein Widerspruch als heute) und mich mit regelmäßigen Aufträgen versorgte. Die gar nicht mal so schlecht bezahlt waren. Der große Vorteil: Ich konnte bei freier Zeiteinteilung von zuhause aus arbeiten.

Also legte ich meine Seminare an der Uni auf möglichst wenige Tage und wurde Dauergast bei Blockseminaren, um möglichst viele Tage für die Arbeit freizuhaben. Für Vorlesungspausen kaufte ich mir ein Notebook (aua, das tat weh im Portmonee) und gewöhnte mir an, für diese Zeit abends zuhause vorzurecherchieren. Mobiles Internet, das gab es ja noch nicht, und falls doch, konnte ich es mir nicht leisten. Ich suchte mir ein paar Ecken an der Uni wo es Strom gab und textete in den Pausen so vor mich hin.

Leider veränderte sich der Markt ein wenig und ich hatte mich zu sehr auf meinen Dauerkunden verlassen. Mittlerweile hatte Nummer 2 sich angekündigt und wir hatten eine größere Wohnung bezogen die wir uns nach meiner Kalkulation durchaus erlauben konnten. Die Kosten stiegen an, aber in einem Maß, das mich ursprünglich nicht beunruhigte. Ich wusste ja recht gut, was ich mit welchem Zeitaufwand verdienen konnte, und meine Noten waren auch in Ordnung …

Bis mich eines Abends der Geschäftsführer meines wichtigsten Kunden anrief und mir mitteilte, dass sie meine Arbeit zwar sehr schätzten, mir aber aufgrund einiger Änderungen im Suchalgorithmus nur noch die Hälfte von dem zahlen konnten, was sie mir bis jetzt gezahlt hatten.

Bämm. Da hockten wir also, in einer Wohnung, die wir uns plötzlich nicht mehr leisten konnten. Ich entmottete mein Fahrrad, um zukünftig kostengünstig zum Bahnhof zu fahren und per Semesterticket zu pendeln. Ms. Essential kurvte derweil mit einem billigen Kinderwagen durch unseren Vorort und kaufte im Schlecker Babygläschen ein, um ein kostengünstiges Ziel für den täglichen Spaziergang zu haben.

Ich begann an einer Exit-Strategie zu arbeiten, um nicht dauerhaft an diesen Kunden gebunden zu sein, und suchte mir ein paar weitere kleine Kunden sowie einen Studentenjob im Wissenschaftsministerium. Leider waren diese ganzen Tätigkeiten weitaus schlechter bezahlt als meine ursprüngliche Arbeit – so dass ich immer mehr Zeit aufwenden musste, damit das Geld halbwegs stimmt. Ich bat meine neuen Auftraggeber bei den Abrechnungen mogeln zu dürfen, damit ich nicht permanent über die einem Studenten erlaubten 20 Stunden pro Woche kam. Ich glaube in einigen Wochen hatte ich damals einen Vollzeitjob und daneben ein Vollzeitstudium.

Neben dem Geld hatte ich vor allem eine Sorge: Ich dachte mir, da sind zig tausend intelligente Menschen mit Dir an der Uni, die alle viel mehr Zeit auf ihr Studium verwenden können. Deine Noten werden jetzt total absacken, weil Du viel zu wenig Zeit in Dein Studium investierst. Soziale Kontakte an der Uni hatte ich schon lange nicht mehr, also wurschtelte ich mich so im Alleingang da durch, bis auf einige wenige Gruppenprojekte.

Zu allem Überfluss wurde die Leiterin der Pressestelle, in der ich damals aushalf, auch noch gefeuert. Nach einer gewissen Karenzzeit, in der ich die Pressetelle alleine schmiss, vergab das Unternehmen den Auftrag an eine Agentur und ich verlor ebenfalls meinen Job. (Okay, einen meiner Jobs …)

Als ich damals abends mit Ms. Essential sprach, gab sie mir einen folgenschweren Tipp: „Du solltest diese Agentur anrufen und fragen ob die nicht jemanden brauchen, der sich mit diesem Unternehmen sehr gut auskennt. Vielleicht nehmen die Dich ja.“

Ich hatte zwar mordsmäßig Bammel – aber ich tat es. Die Agentur stellte mich in der Tat vom Fleck weg ein, übernahm mich nach dem Studium und rechnete mir sogar meine zahlreichen Nebentätigkeiten als Volontariat an. Bevor es aber soweit kam musste ich ja auch nochmal irgendwann mein Studium abschließen. Zu diesem Zeitpunkt feilschten Ms. Essential und ich um den Zeitpunkt für Nummer 3. Sie wollte gerne alle Kinder bekommen haben ehe sie 30 war, ich wollte wenigstens ein einziges Kind ordnungsgemäß bekommen nachdem ich mit dem Studium fertig war. Am Ende koordinierte ich meine Prüfungstermine mit dem Geburtstermin. Meine späte Rache: Nummer 4 haben wir bekommen als ich nicht nur ordentlich mit dem Studium fertig war, sondern auch deutlich mit Mitte 30. 😀

Als ich schließlich meinen Abschluss in der Tasche hatte und nach all den Jahren der Dreifachbelastung auch noch meinen Doktortitel machen wollte, machte mir das Leben einen Strich durch die Rechnung.

Was ist jetzt die Moral von der Geschicht? Ich denke es hat sich gelohnt, das Studium trotz aller Mehrbelastung durchzuziehen. Trotzdem hat es mich und meine Familie auch etwas gekostet. Ich habe nie wieder die ersten Monate eines Kindes so intensiv erlebt wie bei Nummer 1. Nummer 2 und 3 sind mehr so mitgelaufen, und erst jetzt als „später Vater“ von Nummer 4 erleben ich diese Phase wieder etwas bewusster. Dennoch sehe ich den Junior deutlich weniger als früher Nummer 1. Allein die zahlreichen Geschäftsreisen machen mich zuhause oft eher zu einem Gast denn zu einem vollwertigen Familienmitglied.

Weiterbildung neben Familie und Beruf ist nichts, was man so nebenher erledigt. Andererseits: Mindestens ein Elternteil wird ohnehin die gesamte Kindheit des Nachwuchses Vollzeit arbeiten, da kann man ja wenigstens dafür sorgen dass es ein qualifizierter Job ist, oder?

Beruflich hat es sich für mich mehr als gelohnt – ich habe einen spannenden Job, wir kommen mittlerweile ganz gut aus und ich bin seit kurzem auch noch Gastdozent an einer Hochschule. Wäre schwer geworden ohne eigenen Abschluss …

Der Wocheneinkauf

Der Wocheneinkauf

Gestern schon mal als Foto getwittert, heute hinterher: Wie wir unseren Wocheneinkauf machen. Grundsätzlich ja ein ziemlich langweiliges Thema und – ja, wir geben es zu, auch uns begeistert das allwöchentliche Einkaufen nicht besonders. Aber wir haben zumindest ein paar Tricks, die uns einigen Stress ersparen.

1. Die patentierte Essensrotation

Ich habe (gegen den deutlichen Protest von Mrs. Essential, die sich jetzt schon vor der Rente fürchtet) einen Essensplan angelegt. Dieser Essenplans besteht aus einem Google Spreadsheet, in dem folgende Informationen vermerkt sind: Name des Gerichts, Zutaten, Speicherort des Kochrezepts (Chefkoch, ein eigenes Dokument oder gutes altes Papier), ob man die Zutaten im Discounter unserer Wahl bekommt oder was man woanders einkaufen muss, und ob es Fisch/ Fleisch enthält oder vegetarisch ist. Diese Rezeptliste enthält momentan so ca. 30 Rezepte, wobei auch totale Basics dabei sind für die es gar kein Rezept gibt. Vorteil dieser Liste: Man hat alle notwendigen Zutaten auf einen Blick und kann ohne viel Arbeit einfach ein paar Gerichte für die nächste Woche aussuchen, für die man dann einkauft.

2. Kenne Dein Geschäft

Ich persönlich hasse es, in Geschäften einkaufen zu müssen, die ich nicht kenne. Ich will einfach nicht suchen müssen. Ich will auch keine zu große Auswahl – wenn ein Supermarkt mir 100 Joghurtsorten offeriert, ärgert mich das. Für so was habe ich keine Zeit. Also schreibe ich den Einkaufszettel in der Reihenfolge auf, wie die Produkte auch im Geschäft arrangiert sind. Wenn sich Mrs. Essential um den Einkaufszettel kümmert, laufe ich wie ein betrunkener Maulwurf durch den Laden, weil sie solche „Einkaufen für Dummies“-Methoden offensichtlich nicht nötig hat.

3. Kaufe gegen den Strom

Wir machen unseren Wocheneinkauf normalerweise Donnerstag abends 20 Minuten bevor das Geschäft schließt. Niemand will um diese Zeit noch einkaufen – also kriegt man die besten Parkplätze und ist fast allein im Laden. Eine Zeitlang haben wir Samstags eingekauft und für das selbe Ergebnis meist 60 Minuten im Laden gebraucht. Wenn Donnerstag abends die Uhr tickt, brauchen wir nur ein Drittel der Zeit. Obwohl unser Wagen jede Woche bis zum Anschlag voll ist. Ich denke, die Kassiererinnen hassen uns ein wenig – aber wir sind immer vor acht wieder raus.

Kleiner Nachteil: Manche Sachen sind um diese Zeit schon mal weggekauft. Aber 40 Minuten Zeitersparnis machen das wieder wett.

Zuhause angekommen stürzt Nummer 4 sich dann auf die Einkäufe und sucht etwas, was er sich sofort einverleiben kann. Deshalb sitzt er auf dem Foto auch so mitten zwischen den Tüten.

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Oben im Bild: Auch Eltern können Foodies. Heute: Brechdurchfalldiät der Tochter.

Disclaimer: Das hier ist – im Gegensatz zum verlinkten Originalartikel – natürlich Satire.

Ich arbeite in einer Branche mit vielen kinderlosen Kollegen. Wenn ich mich darüber mit anderen Vätern unterhalte, denken die meist: „Das ist doch super, da kannst Du immer vorschützen, dass die Kinder krank sind und früh nach Hause gehen!“ Weil – so das Klischee – Kinderlose ja sowieso immer bis Ultimo im Büro rumhängen. Ja, das kann man natürlich maaal machen. Aber wenn man es übertreibt, fangen die irgendwann an böse Briefe in der Brigitte zu schreiben.

Was viele dabei außer Acht lassen: Mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten hat auch viele Nachteile. Montagmorgens zum Beispiel schleppt man sich nach einem arbeitsreichen Wochenende übermüdet und entkräftet ins Büro. Die Kinderlosen fragen einen: „Und? Wie war Dein Wochenende?“ und man antwortet: „Och ja, ganz okay …“. Dann erzählen sie davon, wie sie eine Städtetour nach Nizza gemacht, ein neues 8-Sterne-Restaurant ausprobiert oder einfach nur „mal gar nichts gemacht haben“. Dann erinnert man sich durch den Schleier der Müdigkeit, wie man selber das Wochenende verbracht hat: Man ist abends viel zu fertig und früh ins Bett gegangen, nur um morgens trotzdem noch viel zu früh geweckt zu werden. Danach füttert man die Kinder, reinigt den Essbereich mit einem Hochdruckreiniger, der Hochdruckreiniger fällt aus, man googelt nach „Hochdruckreiniger Test“, fährt in den Baumarkt und kauft sich (für das Geld, das man eigentlich in den nächsten „Urlaub“ investieren wollte) einen neuen Hochdruckreiniger. Währenddessen haben die Kinder schon wieder das Haus verwüstet, so dass man den Rest des Tages mit Besen und Müllsack verbringt, bis man schließlich in den Supermarkt startet, um neues Futter für die Meute heranzuschaffen. Abends fällt man völlig erschöpft ins Bett (nicht ohne dass die Kinder sich vorher noch lautstark getritten haben) und nimmt sich vor, am Sonntag mal nichts zu machen. Bis man sieht, dass mittlerweile das Unkraut im Garten die Vorherrschaft an sich gerissen hat und man den kompletten „freien“ Tag mit Machete und Heckenschere im Dschungel verbringt. Zwischendurch – nachdem man wieder zwei Meter freies Blickfeld hat – erkennt man dass das Gartentor schief hängt und die Dachrinne repariert werden müsste. Abends bespricht man mit seiner Frau die Pläne für die nächste Woche (Warum eigentlich? Der Plan ist doch eh immer „von morgens um 7 bis um abends um 9 durchzuackern für Haus, Hof und Kinder) und fällt erneut übermüdet ins Bett.

Aus diesen vielleicht deprimierenden, aber wenigstens bodenständigen Gedanken wird man dann durch Instagram-Fotos aus Nizza herausgerissen. „Und die machen ein Panna Cotta da in diesem kleinen Restaurant – einfach himmlisch …“ Man verkneift sich die Antwort, das man als Dessert immer das isst, was die Kinder auf den Boden werfen – und lächelt so gut man kann. Schließlich will man ja nicht der langweilige Spießer sein, der keinen Spaß mehr hat …

Auch in der Mittagspause kann es wirklich enervierend sein, mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten. Während man als Vater die Investition von 150 Euro im Monat für „an jedem Arbeitstag Essen gehen“ nicht verantworten kann, kennen Kinderlose solche Probleme natürlich nicht und probieren auch in der Mittagspause alle neuen Bistros, Food-Trucks und Lieferservices in Büronähe aus, während man selber Getuppertes futtert. Am Schreibtisch, damit man abends schneller nach Hause kommt.

Apropos Abend – auch das ist natürlich ein Problem. Wie oft wird man gefragt „Kommst Du heute noch mit?“ und die Antwort lautet – natürlich – nein, weil man zuhause gebraucht wird. Wenn Kinderlose abends unterwegs sind, lassen sie die Sau raus – für Eltern sind das Überstunden. Sich betrinken kann man eh nicht, weil man aus der Stadt raus ins „Grüne“ pendelt (Unkraut!!!), was natürlich nur mit dem Auto geht. Während die Kollegen also tolle Fotos von irgendwelchen Events posten, wischt man zuhause den kranken Kindern hinterher und fragt sich, ob man irgendwann auch mal Spaß hatte.

Auch in den sozialen Medien machen sie einen fertig. Dauernd Fotos von irgendwelchen „geilen Konzerten“, während man sich mühevoll alle vier Wochen mal ein harmonisches Familienfoto zusammenkratzt, damit einem das eigene Leben nicht völlig außer Kontrolle vorkommt. Dauernd neue Freunde, während man seine bestehenden nicht mal treffen kann, weil die Kinder permanent krank sind. Dauernd neue Designermöbel und -klamotten, während man selber nur auf Ikea (preiswert und kratzfest) und H&M setzt (mit praktischer Teilzahlungsfunktion, wenn mal wieder alle Kinder gleichzeitig neue Sommerklamotten brauchen).

Es ist wirklich deprimierend. Ich will das alles gar nicht wissen. Manchmal frage ich mich, warum es eigentlich keine Spezialarbeitsplätze für Kinderlose gibt, wo sie sich gegenseitig mit ihren Freizeitvergnügungen und Konsumfreuden beharken können, anstatt hart arbeitenden Vätern wie mir damit die Laune zu versauen.

Die Zahnfee ist in der Gewerkschaft

Nummer 3 hat sich letztens spät am Abend einen Wackelzahn rausgemacht. Wie das Schicksal so spielt, spielte die Zahnfee um die Uhrzeit nicht mehr mit, und folglich – gab es NIX.

Am nächsten Morgen kam sie leicht enttäuscht die Treppe runter und verkündete:

„Ich glaube die Zahnfee arbeitet ab zehn Uhr einfach nicht mehr!

Heute morgen habe ich noch in der Brand Eins gehört, dass Freizeitforscher mittlerweile eine rote Nase bekommen, wenn man sie nach dem Begriff „Freizeit“ fragt. Weil Leben und Arbeiten immer mehr miteinander verschmelzen.

Das gilt offensichtlich nicht für Zahnfeen. Die haben schön ihren geregelten Feierabend und müssen dann nicht mehr auf ihr Smartphone gucken und E-Mails beantworten wie:

— Von: Back Office (office@toothfairiesintl.com)

Betreff: [Tooth Alert] Nummer 3 hat Zahn verloren

Nachricht:

Hallo Zahnfee XY,

Du hast eine neue Zahnabholung in Deinem Auftragseingang. Bitte besuche den folgenden Link, um die GPS-Koordinaten des Einsatzs abzurufen: (zensiert)

Kommentar: Bitte kümmere Dich umgehend um diesen Einsatz, wir haben Dich bereits mehrmals (!) darauf hingewiesen dass am nächsten Tag nicht schnell genug ist. Wir haben ein Brand Promise einzuhalten! —

Schöne alte Welt.

Warum „Heul doch“ nicht die richtige Antwort auf die Frage ist, ob man in der Elternzeit verreisen darf

Eigentlich wollte ich das hier als Facebook-Kommentar veröffentlichen, aber am Ende wurde es dann doch zu lang. Es geht um einen Kommentar zu folgendem Artikel:

DIE ELTERNZEIT IST NICHT ZUM VERREISEN DA!

Sowohl auf Facebook als auch in den Kommentaren selbst lässt sich der Tenor ganz gut mit „Heul doch!“ zusammenfassen. Größere Teile der Zielgruppe „Eltern“ sind offensichtlich not amused über diesen Artikel. Was mich ein wenig wundert …

Hintergrund meiner Verwunderung ist folgender: Es ist doch eine Tatsache, dass die Einführung des Elterngeldes die staatlichen Zuwendungen für Gutverdiener bis zu versechsfacht hat, während gleichzeitig die weniger gut gestellten nur noch die Hälfte bekommen.

(Vergleiche Elterngeld vs. Erziehungsgeld)

Jetzt müssen sich die Ärmeren (wobei sich jede Familie mit mehr als zwei Kindern quasi unabhängig vom Einkommen zu dieser Gruppe zählen muss, da vermutlich nicht beide Partner werden voll verdienen können und somit nur geringe Teile des Elterngelds abgeschöpft werden können) anschauen wie die Profiteure dieser Regelung mit staatlicher Unterstützung nach Bali fliegen. 🙂

Im Ernst: Individuell kann ich absolut nachvollziehen, dass man eine solche Möglichkeit nutzt. Und natürlich hat jeder deutsche Bürger das Recht, die staatlichen Transferleistungen zu nutzen, die ihm zustehen. Wozu natürlich das Elterngeld zweifelsohne gehört.

Was ich aber ein wenig vermisse ist ein Kommentar zum zweiten Tenor des Artikels – nämlich der Frage, ob Väter einen korrekten Eindruck vom Leben als „Verantwortlicher für ein Kind“ bekommen, wenn sie diese im Urlaub verbringen. Ich denke nämlich, dass sie das nicht tun. Viel zu oft sehe und höre ich noch in meinem Umfeld, wie Väter den „Ernst des Lebens“ vollumfänglich auf ihre Partnerinnen abladen.

„Abends mal ausgehen? Klar, mach ich gerne, aber Du?? Dann bin ich ja mit den Kindern alleine!“

„Wie jetzt, ich soll am Wochenende bei der Hausarbeit helfen?“

„Neee Kochen hab ich es jetzt nicht so mit …“

Die Beispiele sind jetzt fiktiv und überspitzt, aber ich hoffe der Gedanke wird klar. Von daher finde ich die Autorin tut recht darin zu kritisieren, dass Väter per Elternzeit die Vaterschaft als Halligalli erleben, denn ich habe Neuigkeiten: Eltern sein ist oft gerade nicht Halligalli. Und das hat jetzt nichts damit zu tun, das Oppa von vorm Krieg seine Bollerwagen-Geschichten erzählt. Selbst meine liebe Frau und ich erleben Situationen, in denen wir uns über die Lebenswelt des jeweils Anderen wundern. Wobei ich sagen muss dass sie meine besser versteht, da sie mal mit mir gearbeitet hat für 1,5 Jahre. Mütter werden eh viel zu oft herabgesetzt, sei es gesellschaftlich oder in einer Beziehung, und ihnen wird das Gefühl vermittelt dass ihr Job wenig Anerkennung wert sei und sie sich lieber eine „richtige“ Arbeit suchen sollten. Wie soll sich das jemals ändern wenn Väter jetzt die einzige Gelegenheit, den Alltag ihrer Partnerin zu erfahren, als Urlaub erleben? Ach ja, soll sich ja gar nicht ändern, denn Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik.

Disclaimer: Bei Nummer 1 und 2 war ich noch Student und habe im Home Office gearbeitet, das ist nah an der echten Elternzeit.  Bei Nummer 3 und 4 war ich Vollzeit berufstätig und wir konnten uns eine Elternzeit nicht leisten, da das unser Familieneinkommen zu stark belastet hätte. Ich weiß also nicht wovon ich spreche. 

Idee und Wirklichkeit

Der heutige Samstag ging mal wieder komplett für Verpflichtungen drauf: Ich musste den Garten auf Vordermann bringen (sprich: mich mit der Machete durch den seit vier Wochen nicht gemähten Rasen schlagen), meine Frau das Haus, das unter der Woche auch ein wenig zu kurz gekommen war. Danach schnappte ich mir die Kinder und fuhr in den Real, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Zuhause war in dieser Zeit liegengebliebene Bügelwäsche angesagt.

Als ich gegen 17.30 Uhr nach Hause kam, empfing meine Frau die Mädels mit einem überraschend kalten Blick.

„Ich war in Eurer Etage,“ zischte sie.

Die Kinder, insbesondere Nummer 1, schrumpften sofort um 15 Zentimeter. Wir jagten sie nach oben, und während meine Frau Nummer 4 fütterte, packte ich die Einkäufe aus. Dabei machten wir unserem Ärger ein wenig Luft. Nach ein paar Minuten meinte meine Frau:

„Die Idee, Samstags ins Centro zu fahren und mir einen Hut zu kaufen hat mir irgendwie besser gefallen als das, was ich heute wirklich hatte.“

Ich hob ein paar Packungen Käse auf, die mir ob ihrer der Schwerkraft trotzenden Stapelweise entgegen gekommen waren, als ich den Kühlschrank öffnete.

„Die Idee von meinem Samstag gefällt mir irgendwie immer besser als der wirkliche Samstag.“

Freizeit macht bekloppt

Eltern sein ist manchmal ein bißchen wie eine Geisteskrankheit. Das habe ich gestern mal wieder gemerkt. Es war ja schließlich Feiertag. Und Feiertag heißt ja schließlich: Schnell überlegen was man alles noch erledigen muss. 

Diesmal wollte ich es ja anders machen und hatte direkt beschlossen dass ich den Garten ignorieren würde. Ich war ja schlau und hatte ehrlich nur einen Punkt auf der Agenda stehen: Morgens direkt nach dem Frühstück trainieren gehen. Um halb elf saß ich im Auto vor dem Fitnessstudio und es ging einfach nicht. Mein ganzer Körper fühlte sich an wie eingeschlafene Füße und ich ließ mich von meinem inneren Schweinehund mit dem Argument überzeugen, dass ich mich hinterher ja auch nicht gut fühle, wenn ich vor lauter Erschöpfung kaum was an Gewichten bewegt kriege. 

Also ließ ich den Motor wieder an und fuhr nach Hause. Und dann ging es los. 

Wie erwähnt: Fester Vorsatz war ja NIX zu machen. Außer trainieren eben. Ich blickte mich um, die Kinder hatten sich im Wohnzimmer eingenistet. Nummer 4 saß auf der großen Couch in der Mencave. Und ich? Hatte plötzlich Zeit.

In diesem Moment fiel mir auf, dass ich echt einen an der Waffel habe. Ich wurde hibbelig, kriegte schlechte Laune und wollte Rasenmähen gehen. Oder doch noch trainieren. Oder mal schnell in die E-Mails schauen. Ich lenkte mich kurzfristig durch einen gewissen Einsatz beim Kochen ab, was meine Nerven etwas beruhigte. 

Die einzige Alternative, die mir schließlich einfiel, war mir Buddy haut den Lukas bei Amazon Instant Video reinzutun. Nummer 1 war schwer begeistert und wollte hinterher direkt noch Mein Name ist Nobody gucken. Davon bekam ich Lust, mal wieder Red Dead Redemption zu spielen und der Tag war rum. Grandios, ne?

Um kurz vor Sechs musste ich nochmal mit mir ringen, um nicht doch noch trainieren zu gehen. Während unserer familiären Retro-Orgie haben wir uns nämlich noch ne Tüte Zettis reingepfiffen und auch unsere Keks-Tardis leergefuttert. Ich war also komplett lethargisch, aber mit Keksen gefüllt. 

Das half dann am Ende auch dabei, doch nicht trainieren zu gehen. 

Warum ich das alles erzähle? Weniger weil ich den tatsächlichen Inhalt meines Tages für mitteilenswert halte als vielmehr wegen dem halben Nervenzusammenbruch, den ich wegen ein paar Stunden Freizeit bekomme. 

Man kriegt echt ne Meise von dieser Rush-Hour des Lebens.

Ein Fall für das Arbeitsgericht

Die Mädels spielen momentan gerne Temple Run. Wer das nicht kennt – man spielt einen Indiana Jones-mäßigen Archäologen, der einen Schatz stiehlt und dann vor einem Monster weglaufen muss. Das führt mitunter auch zu Gesprächsstoff:

„Was würdest Du machen, wenn Du in einen Tempel müsstest und dann von einem Monster verfolgt werden würdest?“ fragte Nummer 2 beim Spielen. Darauf Nummer 3:
„Ich würde kündigen!“

Das kann ich nur unterstützen – Arbeitssicherheit geht vor.

Holz vor der Hütte

Wie einige von Euch ja wissen ist unser Haus aus Holz. Unser Haus wird aber auch mit Holz beheizt. Das hat einige Vorteile: wenn uns mal irgendwas nicht gefällt reißen wir es ab und verfeuern es, um den Rest zu wärmen. Das nennen wir dann Downsizing.

Nein im Ernst, unser Holzgrundofen ist eine feine Sache. Macht die Bude für wenig Geld warm und wir brauchen uns nicht um Öl- und Gaspreise zu scheren. Leider macht er zwei, dreimal im Jahr auch eine Menge Arbeit: Wenn das Holz geliefert wird nämlich. Gestern Abend habe ich mit den Mädels und einer Schubkarre zwei Tonnen Holzbriketts in den Garten geschafft, eine Ladung, die ungefähr für den halben Winter reicht. Das sah so aus:

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Später sah es dann eher so aus:

20131031-143322.jpg

Am Ende sah es jedenfalls so aus:

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Also für mich sieht das auf dem Bild jetzt leider deutlich weniger beeindruckend aus als mein Rücken das behauptet. Daher möchte ich betonen dass die Holzwand auf dem letzten Bild vier Reihen tief gestapelt und einen Meter achtzig hoch ist. So.