Star-Allüren

Da wir auf der Arbeit nächste Woche für ein Videoprojekt zwei Kinder benötigen, haben die Kollegen natürlich an mich gedacht. Ich habe ja schließlich genug. Für das Konzept waren am Nummer 2 und 3 gefragt – es geht um die Darstellung einer Durchschnittsfamilie (also zwei Kinder), und der Nachwuchs soll noch ein wenig kleiner und niedlicher rüberkommen.

Die Beiden waren total begeistert, und Nummer 1 war ein bißchen verärgert, dass sie nicht mitmachen konnte. Nachdem ich sie ein wenig aufgebaut hatte, fragte sie:

„Darf ich denn wenigstens zum Dreh mitkommen?“
Darauf Nummer 2: „Ja, aber Du sitzt ganz hinten, nicht vorne bei den Promis!

Na, das mit den Star-Allüren fängt ja früh an …

Missverständnisse

Nummer 3 (spielt gerade mit einer Freundin und kommt zu mir) : „Mama, welcher Sänger ist noch mal an seiner Breitheit gestorben?

Ich denke: Äh, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Jim Morrison …“

Aber da korrigiert sie sich: „Äh ich meinte Dickheit. Wer war an seiner Dickheit gestorben?“

Ich: „Ach, das war der Sänger von Somewhere over the Rainbow, der Hawaiianer.“

Gut, dass ich die anderen nicht aufgezählt habe  – so blieben mir Erklärungsversuche erspart …

„Und was kann ich damit?“

Wir bemerkten letztens, das Nummer 3 am Fuß ein Überbein hat. Sie war natürlich sehr aufgeregt, als sie das hörte. Meine Frau klärte sie auf, dass das ganz harmlos ist, und meinte dann:

„Nummer 3, damit bist Du eigentlich ein Mutant …“

„Cool – was kann ich denn damit?

Ich sage jetzt mal nicht woher sie die Idee hat, das man als Mutant über besondere Fähigkeiten verfügt …

Fresstaurant

Bei uns in der Nähe gibt es so ein chinesisches Restaurant mit Buffet, zu dem wir sehr gerne gehen. Die Auswahl ist riesig, allein die Nachspeisenauswahl ist groß genug, als das man nicht alles bei einem Besuch probieren kann. Das kommt natürlich bei den Mädels gut an.

Für sie beginnt der Besuch daher typischerweise so: Sie strazzen los zum Buffet, schaufeln sich Reis, Erdnusssoße und Krabbenbrot drauf und kommen wieder. Währenddessen ziehe ich mir die erste Portion Sushi rein und sage dann:

„Na, was habt Ihr Euch denn heute an leckerem, gesundem Gemüse ausgesucht?“

Die Antwort: Panierte Hühnchen und zwei winzige Stücke Panade, die Spuren von Gemüse enthalten kann, unter einem weiteren Berg von Erdnusssoße. Ich seufze.

„Jetzt nehmt Euch gleich aber auch noch mal was Vernünftiges!“

Sie flüstern. Ich glaube, das Wort „Gemüsehitler“ zu hören, dann die offizielle Antwort:

„Ich muss aufs Klo!“
„Ich auch!“
„Und ich erst!“

Und weg sind sie. Zehn Minuten später kommen sie zurück mit einem Teller voller Eis, Kuchen und Pudding.

Ich: „Ich habe schon bemerkt, dass Ihr Euch auf dem Klo versteckt habt, als ich was von Gemüse gesagt habe, und jetzt mit Eis wiederkommt …“
Darauf Nummer 3: „Ach Dada, wir sind hier doch auch in einem Fresstaurant!“

Nummer 3 und der Kapitalismus

Letzte Woche wollten die Mädels zum Supermarkt marschieren und ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Vorwiegend Süßigkeiten, vermute ich, aber immerhin auch eine Tüte Milch. 

Nummer 3 hatte nicht mehr viel Geld im Portmonee. Um genau zu sein hatte sie genaue eine Münze. Ihre Schwestern hatten Mitleid und gaben ihr ein wenig Kleingeld ab. 

Daraufhin schüttelte Nummer 3 ihre (nun wieder klimpernde) Geldbörse und meinte lächelnd:

„Ach, ich liebe diesen Klang!“

Das soll eine Überraschung sein!

Vor kurzem habe ich auf meiner Facebook-Seite ein neues Profilbild eingestellt. Darauf ist neben mir auch Nummer 4 zu sehen. Ein ehemaliger Kollege kommentierte das Bild: 

„Der ist aber ganz schön proper!“

Das kam auch Nummer 3 zu Ohren, die sich maßlos darüber ärgerte. Sie kann es nicht leiden, wenn man ihren kleinen Bruder kritisiert (auch wenn ich ihr gesagt habe, dass das spaßig gemeint war). Schließlich meinte sie:

„Dem haue ich das Ohr blutig!“

Meine Frau (schmunzelnd): „Das kann ich ihm ja so antworten.“

Nummer 3: „Nein! Das soll eine Überraschung sein!“

Nicht jede Überraschung ist eben eine gute Überraschung … 

„Dafür kriegst Du die schwarze Karte!“

(Aus dem Archiv – 2009)

Während unseres Sommerurlaubs auf dem Bauernhof freundeten die Mädels sich mit zwei Kindern an, die zusammen mit ihren Großeltern da waren. An einem Tag kam es zu einem Fußballspiel, bei dem Nummer 3 nicht mitmachen wollte. Sie übernahm stattdessen die Rolle der Schiedsrichterin.

Mit von der Partie war aber der Großvater (Herr Lemp) der anderen Familie und ich. Im Laufe des Spiel lieferte er einen fehlgeleiteten Schuss ab – der an allen anderen Spielern vorbeiging und genau Nummer 3 traf.

Sie weinte, aber wie ihr ja wisst war sie schon immer hart im Nehmen. Opa Lemp eilte herbei um sich zu entschuldigen:

„Das tut mir leid, das habe ich nicht gewollt … Wie geht es Dir denn?“

Nummer 3 rappelte sich auf. Sie hatte noch ein paar Tränen im Gesicht, blickte ihn aber entschlossen an. (Er war übrigens total besorgt 🙂 )

„Mir geht es gut – aber dafür bekommst Du die schwarze Karte!“

Herr Lemp nickte einsichtig. „Hm, die habe ich wohl verdient. Aber was bedeutet die schwarze Karte eigentlich?“

Nummer 3 stemmte die Hände in die Hüften:

„Das heißt, Du darfst nie wieder Fußball spielen. In Deinem ganzen Leben.“

Da wurde mir klar, das Nummer 3 nach folgender Devise lebt: Hart zu sich selbst, brutal gegen andere.

Ich habe Herrn Lemp übrigens nie wieder Fußball spielen sehen.