Endlich Neues aus Heiligenhausen – Kindermund der besonderen Art

Endlich Neues aus Heiligenhausen – Kindermund der besonderen Art

Unser „Heiliger Augustinus“ hat wieder zugeschlagen. Also nur verbal. Bisher. Es ist ja jedes Mal eine besondere Art Kindermund.

Neulich im Auto

Unser Navi wurde von meinem lieben Mann Mr. Essential vor Jahren mit einer speziellen Stimme versehen: Pastor Himmelreich. Mr. Essential fand das lustig, weil ich katholisch bin und in die Kirche gehe und er kommt dafür in die Hölle.

Der Pastor sagt jedenfalls Dinge wie Folgendes:

„Kehren sie um, Sünder!“ (Sackgasse oder verfahren)

„Kommen sie nicht vom rechten Wege ab“ (rechts abbiegen)

„Fahren sie mit Gottes Segen auf die Autobahn“ (Autobahnauffahrt)

„Nehmen sie die Arche“ (bei einer Fähre)

Dazu erklingt, wenn man „sein Ziel mit Gottes Hilfe erreicht“ eine Kirchenorgel. So.

Wir fahren im Urlaub durch Belgien und müssen eine lange Umleitung in Kauf nehmen. Mr. Essential fährt und ist leicht genervt. Bei einer neuen Anweisung „Kehren sie um, Sünder!“ sagt er:

„Jetzt halt aber mal den Schnabel, du nervst, Typ!“

Eisige Stille und ein stummes Mahnen breiten sich von der Rückbank durchs Auto. Ich versuche zu retten, was zu retten ist und sage scherzend zum Fahrer:

„Du, du, das sage ich dem Bischof, dann bekommste ’ne Watsch’n.“

Knappes Lachen, nur nicht von unserem heiligen Augustinus. Seine Stimme ist ein gestrenges Frösteln, als er sagt:

„Ja, oder er bekommt direkt eine von mir.“

Tage später beim Mittagessen

Ein paar Tage darauf sitzen wir am Esstisch und ich sage zu Nummer 3:

„Hör mal, Heiliger Augustinus, ich habe gelesen, dass der Augustinus damals aber ganz schön frauenfeindliches Zeugs verzapft hat. Was sagst du zu deiner Verteidigung?“

Und ich erwarte irgendwie noch etwas Witzig-Unsicheres. Aber es kommt mit knallhartem Tonfall:

„Ja, das war eben damals so in Mode – was hätte ich denn machen sollen, hä?“

Sprach’s und blieb komplett auf seinem Kurs. Inzwischen ist sie schon ganz stolz, dass Nummer 4 vor dem Essen schon automatisch die Patschhändchen aneinander legt und dann zuerst „Be!“ (beten) und dann „Ame(n)!“ ruft …

„Es gibt noch Hoffnung. Ich habe einen Schüler.“ resümiert sie dazu …

Über Euch darf man lachen

Ms. Essential liest mir gerade eine „Männer vs. Frauen Anekdote“ vor. Es geht darum, das Männer angeblich einfach ins Bett gehen, wenn sie sagen dass sie ins Bett gehen, während Frauen noch die Kinderzimmer aufräumen, die Wäsche machen, etc pp.

Das konnte ich so natürlich nicht stehen lassen. Also schritt ich ein …

Ich: „Das ist sexistisch.“ 
Ms. Essential (grinsend): „Nein, das ist lustig.“
Ich (zum argumentativen Todesstoß ausholend): „Andere sexistische Sachen sind auch lustig, aber verboten, weil sie böse sind.“
Ms. Essential (immer noch grinsend): „Aber über Euch darf man lachen, weil ihr doof seid.

Auf diesem Niveau habe ich selbstverständlich nicht weiterargumentiert und tat so, als würde ich mich geschlagen geben. Meine Zeit wird kommen.

Therapie mit Waage

Nummer 2 backt (Brownies in Herzform für Valentinstag <3). Dabei muss sie 200 Gramm Butter abwiegen. Eine Waage möchte sie aber nicht verwenden.

Ich so: „Du kannst auch ein Fünftel von einem Stück Butter abschneiden, dann hast Du auch 200 Gramm.“

Sie brummt und will nicht rechnen. Dann kreischt sie und will nicht rechnen. Am Ende springt sie im Kreis und will nicht rechnen.

Schließlich hält sie meiner Frau die Waagschale mit einem Stück Butter vor die Nase.

„Sind das 200 Gramm?“

Meine Frau: „Das kann schon hinkommen. Aber eins verstehe ich nicht: Warum tust Du die Butter in die Waagschale und fragst dann doch mich?

„Weil ich der Waage nicht vertraue!

Vielleicht sollten die beiden mal eine Therapie machen, die Waage und Nummer 2. Sie haben ja scheinbar ein gestörtes Vertrauensverhältnis.

Zahnspange statt Kino

Neulich flatterte die erste Zuzahlungsrechnung für Nummer 1s Zahnspange ins Haus. Sie belief sich auf rund 120 Euro.

„Na toll Nummer 1“, meinte meine Frau, „von dem Geld hätten wir auch einmal ins Kino gehen können. Ganz großartig.“

Hatte ich mal erwähnt dass Kinos für größere Familien eher so eine Art Investitionsgut ohne Rendite sind als eine normale Freizeitbeschäftigung? 

Aus diesem Grund beömmeln wir uns auch noch heute über diesen Tweet:

Ich kann nur sagen: Das gilt nicht nur für ungeborene Kinder.

„Das ist so was wie die Zeugen Jehovas!“

In der Küche haben wir eine Sammelstelle für Rotgeld. Ihr wisst schon, die kleinen Münzen, die nicht mal mehr für eine Zuckerstange reichen, dafür aber das Portmonee aufblähen wie eine Portion Bohnen mit Speck. Als heute Bestandsaufnahme angesagt war, fehlte irgendwie ungefähr die Hälfte unseres Bohnengelds. Nach einer Weile gestand Nummer 1 kleinlaut:

„Ich hab das irgendwann mal mit nach oben genommen …“

Ich konnte nicht so recht verfolgen, aus welchem Grund man einen Plastikbeutel mit Rotgeld „mal mit nach oben nimmt“ – eigentlich habe ich währenddessen an etwas gearbeitet – fünf Minuten später jedenfalls war man bei Rechtstheorie angekommen.

„Nein, Nummer 2, ein Raub war das nicht,“ dozierte meine Frau. „Bei einem Raub wird immer Gewalt angewendet. Wenn überhaupt war es Diebstahl …“

„Aber ich hab es wieder runtergebracht!“ beschwerte sich Nummer 1.

„Und wo ist es dann jetzt?“ fiel ihr Nummer 2 in den Rücken.

„Wenn Du es weggenommen hast und es dann wiederbringst, es dann aber verschwindet, hast Du eine Teilschuld, Nummer 1“, erklärte meine Frau weiter. „Ich muss ja zu meiner Schande gestehen dass ich früher Jura studieren wollte.“

„Jura? Was ist denn das?“ mischte sich Nummer 3 ein. Darauf meinte Nummer 2 im Brustton der Überzeugung: „Das ist so was wie die Zeugen Jehovas.“

Fast, würde ich sagen. Die meisten Menschen sind sicherlich von Juristen, die plötzlich vor ihrer Haustür stehen, sehr genervt – nur lassen sich diese nicht so leicht wegschicken wie die Zeugen Jehovas. Also ist Jura wohl was Schlimmeres. 😀

Die Krümelmonster

Gestern morgen. Das Frühstück ist aufgegessen, und ich beauftrage die Mädels den Tisch abzuräumen und sauberzumachen.

(Nach dem Frühstück sieht unser Esstisch immer aus, als hätte man eine Handgranate in eine Bäckerei geworfen – und das ist nicht alles Nummer 4s Schuld, auch wenn er sicher seinen Beitrag leistet. Daher haben wir die Regel eingeführt, dass der Tisch von der Person gesäubert wird, die am meisten rumgesaut hat.)

Sie beginnen sich sofort darüber zu streiten, wer den Tisch abwischen muss.

Nummer 1: „Dein Platz sieht am schlimmsten aus, Nummer 3! Du musst das machen!“

Nummer 3: „Gar nicht! Nummer 2s Platz sieht viel schlimmer aus!“

Nummer 2: „Stimmt ja gar nicht! Der von Nummer 1 sieht am schlimmsten aus!“

Nummer 1 beugt sich vor und fängt an Krümel zu zählen. „Eins, zwei, drei, vier, fünf … siebenundzwanzig, achtundzwanzig … fünfundvierzig, sechsundvierzig …“

Viele Krümel. Sehr viele Krümel.

Ich beobachte das eine Weile und beuge mich dann zu meiner Frau rüber.

„Das ist jetzt nicht ihr Ernst, oder? In der Zeit wären sie schon lange mit dem Tisch fertig.“

Meine Frau: „Doch. Kinder sind doof. Jeder der was anderes behauptet ist ein verpöngelter Einzelkinderpädagoge.

Doof ist jetzt ein hartes Wort. Aber es ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen.