Randgruppenerinnerungen: Damals … vor 20 Jahren

Damals vor 20 Jahren spielte Mr. Essential in einer Metal-Band. Death Metal. Ganz wichtig – wenn ich ihn nämlich mal ärgern will, dann behaupte ich, es sei Black Metal gewesen …

Die Band Execrate fuhr zu einem Konzert in die Eifel. Mitten im Winter. Mit Mr. Essential als Fahrer:

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Entre dos Tierras

Nummer 3 hat keinen Kater, sondern nur keine Lust auf Hausaufgaben.

Nummer 3 hat keinen Kater, sondern nur keine Lust auf Hausaufgaben.

Dieses Lied hat man für mich während der Abiturfeier gespielt. „Zwischen zwei Welten“, das war damals wohl der Ausdruck meiner Mitschüler für die Tatsache, dass ich mich (mindestens) während meiner Freizeit gedanklich vorwiegend in diversen Fantasiewelten befand und für diese geistige Teilabwesenheit auch bekannt war.

Heutzutage befinde ich mich wieder zwischen zwei Welten. Das zu beobachten, hatte ich letzte Woche auf der Weihnachtsfeier unserer Firma Gelegenheit. Ich arbeite am engsten mit den Kollegen aus unserem Düsseldorfer Büro zusammen, die für ihre Lautstärke und Trinkfestigkeit bekannt sind (und diesem Ruf mal wieder alle Ehre machen wollten). Da ich aber im Unternehmen eine gewisse Vorbildfunktion habe, muss ich bei solchen Gelegenheiten meinen Alkoholkonsum zumindest soweit einschränken, dass ich mir nicht erst am nächsten Morgen anhöre, was ich so getrieben habe. Außerdem kann ich es mir nicht erlauben, am nächsten Tag noch komplett durchzuhängen …

Dementsprechend war ich etwas zurückhaltend, als einige Kollegen um halb drei noch weiterziehen wollten. Sie waren ziemlich betrunken – so betrunken war ich seit fünfzehn Jahren nicht mehr – und verstanden nicht recht, warum ich mich abseilen wollte.

Ganz im Ernst, Geschäftsreisen mit Übernachtung gehören schon zu den Gelegenheiten, wo ich auch mal etwas mehr trinke und es ein wenig später werden lasse. Das hat auch damit zu tun, dass man mit Leuten, mit denen mal mal getrunken hat, auch in Krisenzeiten besser arbeiten kann. Die Germanen haben nicht umsonst auf Besäufnisse gesetzt, um einen Friedensbeschluss zu besiegeln.

Trotzdem ist irgendwie völlig klar, dass ich nicht einfach bis sechs Uhr durchsaufe, um dann am nächsten Tag komplett unbrauchbar zu sein. Das ist in einem Leben wie meinem einfach nicht drin. Ich kann ja schlecht zu den Kindern sagen:

„Lasst mich mal bitte in Ruhe, ich habe einen üblen Kater.“

Dazu kam noch, das ich für den nächsten Abend eigentlich mit meiner Frau verabredet war – ein Date, bei dem man sich schlecht mit einem Kater vom Kaliber einer Großkatze zeigen kann. Ich blockte weitere Überzeugungsversuche am Ende mit folgender Antwort ab:

„Ich kann aus persönlichen Gründen nicht vertreten, jetzt noch weiter mit Euch mitzukommen.“

Die konsequente Orientierung auf den nächsten Tag und die eigene „Funktionstüchtigkeit“ – selbst wenn es in diesem Fall um etwas Schönes ging – fiel mir vor allem deshalb auf, weil ich meine frühe Adoleszenz durchaus öfter einmal sorglos und vollkommen breit verbracht habe – wie meine Kollegen es jetzt auch wieder getan haben. Zwei von ihnen mussten wir mit Schlägen vor die Hotelzimmertür wecken, damit sie es am nächsten Morgen mit zum Flughafen schafften 🙂

Es ist jetzt nicht so als dass ich es vermisse, mich am nächsten Tag wie ein Haufen Mist zu fühlen – aber die Freiheit, sich einfach so gehen lassen zu können, ist schon irgendwie beneidenswert.

Hemmungslose Vollräusche stehen jetzt also auch auf meiner Murtaugh-Liste. Was jetzt wirklich nur teilweise negativ ist. Aber ich vermute alle Eltern kennen die Sehnsucht nach einer Lebensphase, in der man einfach nicht immer an den nächsten Tag denken musste, oder?

Randgruppenerinnerungen

Es war ungefähr zu dem Zeitpunkt, als der Herr der Ringe verfilmt wurde. Da wurde mir klar: Der Mainstream hat uns früheren Underdogs so ziemlich alles geklaut. Was habe ich als junger „Erwachsener“ nicht alles getan – schrammelige Musik gehört, fragwürdige modische Entscheidungen getroffen, obskure Hobbies verfolgt und einige Dinge mehr, die ich hier nicht ausführen möchte. Irgendwie passte ich niemals so recht hinein in das, was gerade angesagt war.

Und dann:

  • wurde Fantasy Mainstream,
  • rezensierte die Financial Times das neue Album von Iron Maiden und
  • garstige neue und schwachsinnige Buchserien besudelten so ziemlich alles, was wir uns früher aufgebaut hatten.

Da verstand ich, dass die Ausgestoßenen von früher heute der neue Mainstream sind. Ungefähr so müssen sich die Grünen in den 90ern gefühlt haben. Wir sind heute hochproduktive und hochintegrierte Mitglieder der Gesellschaft (und damit irgendwie auch genau das, was wir nie werden wollten, aber was ist die Alternative?).

Damit gerade uns ehemaligen Freaks in all dem Alltag nicht das Bewusstsein dafür verloren geht, dass das Leben früher einmal anders war, habe ich die neue Kategorie „Randgruppenerinnerungen“ ins Leben gerufen. Okay, eigentlich habe ich eher meine Frau angebettelt, mal was für meinen Blog zu zeichnen, und das ist das erste Ergebnis. Aber in der ersten Version klingt es so schön planvoll …

Heute: Meine Gruftiefrau und ein Gruftiefreund als Vertretung beim Zeitungen austragen auf dem Dorf.

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