Koalitionsverhandlungen: Familien als Restposten der Politik

Koalitionsverhandlungen: Familien als Restposten der Politik – Deutschland – Politik – Wirtschaftswoche.

Das hier ist nur ein Kommentar, Kontext gibt’s hinter dem Link.

Letztens sagte ich zu meiner Frau dass wir CDU wählen müssen, weil diese Partei einen rückständigen Lebensstil wie den unseren noch am ehesten unterstützt. 

(Hauptverdienermodell, keine Patchwork-Familie, Frau nur Teilzeit erwerbstätig, dafür aber viele Kinder, um nur mal die relevanten Stichworte fallenzulassen. Noch dazu sind wir religiös, also quasi deutsche Evangelicals, nur ohne den ganzen Hass und halt nicht aus Europa rausgeflogen, weil wir unsere Cousinen heiraten wollten.)

Ich hege nun an sich keine größeren Sympathien für die CDU. Aber auch nicht für die Konkurrenz. Politik heißt ja in den meisten Fällen, sich für Pest oder Cholera zu entscheiden – in diesem Fall war es dann die (schwarze) Pest. Nicht umsonst heißt es: „Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, abgesehen von allen anderen.“

Wenn man jedenfalls (wie jeder andere gute Bürger auch) sich aus egoistischen Gründen die Partei rausgepickt hat, die einem das größte Stück vom Kuchen versprochen hat, ärgert man sich natürlich um so mehr, wenn hinterher doch nichts überbleibt davon. 

Aber gut, dafür kann ich mich darüber freuen dass die Wirtschaftswoche mir zustimmt.

 

Heute ist Tag der Toilette

Zum Welttoilettentag ein Unboxing-Video für japanische Toilettensüßigkeiten. Hm, das klingt jetzt irgendwie doch zweideutiger und ekelhafter als beabsichtigt. Japanische Süßigkeiten aus einem Spender in Form einer Toilettenschüssel. Besser?

Der Welttoilettentag wurde 2001 von der Welttoilettenorganisation WTO ausgerufen. Trotz aller kindischen Freude über die Deplatziertheit des Begriffes Toilette in diesem Kontext ist das Anliegen der WTO natürlich sehr wichtig. Mehr Informationen zu diesem Thema auch im Brand Eins-Artikel Klo für die Welt

Ich nehm das mit der Kreuzfahrt

Ich nehm das mit der Kreuzfahrt

In der Welt tobt derzeit eine Debatte darüber, wann und warum Menschen überhaupt Kinder bekommen. Beziehungsweise, da wir hier in Deutschland leben, tobt die Debatte vielmehr darüber, wann und warum Menschen keine Kinder bekommen. Wir sind hier natürlich die Ausnahme, die die Regel bestätigt, daher hier mal kurz die ehrliche Stellungnahme einer kinderreichen Familie:

Ja, wir würden auch lieber ausschließlich Designerklamotten kaufen und Essen gehen, wann immer wir Lust dazu haben. Meine Frau hätte sicher auch nichts dagegen einen Spider zu fahren statt einen Van. Mir ist mein Schlumpfporsche zwar lieber als ein echter Porsche (wobei, den könnte ich verkaufen und mir einen Schlumpfporsche und JEDE MENGE ZEUG kaufen, also sagt bitte nicht ich wüsste den nicht zu wertschätzen), gegen eine echte Elise hätte ich auch auch wenig einzuwenden. Wir würden lieber dreimal im Jahr in Urlaub fahren, am besten jedes Mal teuer. Und gegen eine nette Wohnung mit Dachterrasse irgendwo in einer gentrifizierten, zentralen Großstadtlage würden wir nur zu weit auch nicht opponieren. 

Diese Liste könnte ich endlos fortsetzen. Fällt Euch was auf? Beinahe sämtliche gefühlten Nachteile der Elternschaft sind aus der Kategorie „Konsumverzicht„, induziert durch:

  1. Kosten für Zeug für die Kinder beziehungsweise einen kinderfreundlichen Lebensstil
  2. Opportunitätskosten durch den Verzicht auf Teile eines Gehalts.

Ja, Geld ist immer ein Thema wenn man Kinder hat, insbesondere bei mehreren. Die freie Verfügbarkeit von Geld ist aber, neben der freieren Verfügbarkeit von Zeit, auch der wesentliche Vorteil, den der Verzicht auf Kinder hat. All die Menschen aus diesem Welt-Artikel, die „jetzt noch keine Kinder“ wollen, wollen also in Wirklichkeit nicht auf Konsum und Freizeit verzichten. Ein Staat, der die Fertilität seiner Bürger antreiben möchte, müsste also dafür sorgen, dass Kinder etwas weniger Verzicht bedeuten.

Die Rechnung, oberflächlich betrachtet, ist für viele Frauen doch folgende:

„Hm, ich könnte jetzt mit der Familienumsetzung anfangen. Dann müsste ich erst einmal zuhause bleiben, dann Teilzeit wieder einsteigen. Dafür kann ich mich viel mehr mit Windeln und Bauklötzen beschäftigen (das ist ja irgendwie auch niedlich). Wenn ich mehrere Kinder bekomme, wird es mit dem Beruf eh nicht mehr so viel werden, ich werde also den größten Teil meiner Kommunikation nicht mehr mit Erwachsenen vollführen. Ansonsten muss ich meine Kinder ganz, ganz früh fremdbetreuen lassen und trotzdem mordsmäßigen Stress riskieren, weil meine kinderlosen Kolleginnen und Kollegen ganz locker Überstunden machen und sie nie abends oder gar nachmittags auf die Uhr gucken müssen. Oder ich spare zusammen mit meinem Partner noch ein wenig und wir gehen Endes des Jahres auf Kreuzfahrt.“

Die gesellschaftliche Tendenz, Kinder zu einem (eigentlich sogar extravaganten und teuren) Hobby zu erklären, für dass man doch bitteschön komplett allein verantwortlich ist (weil die kinderlose Mehrheit ja schon so viel Steuern für andererleuts Kinder zahlt), sorgt für ein Klima in dem frau dann verständlicherweise leicht sagt:

„Ich nehm das mit der Kreuzfahrt.“

Ich habe vor einigen Tagen in Politikum auf WDR5 einen interessanten Beitrag einer Politologin gehört, die der Meinung war, dass vor allem die staatliche Altersversorgung auf die Geburtenrate drückt. Kurz gesagt: so lange man keine Rente bekam, war man auf die eigene Brut für die Versorgung im Alter angewiesen. Durch das umlagefinanzierte Rentensystem kann man sich jetzt ja auch von andererleuts Brut versorgen lassen. Also kein Grund, die Mühen der Aufzucht auf sich zu nehmen.

Ich glaube, wir leben einfach in einem System, das es für einen Homo Oeconomicus unrentabel macht, Kinder zu bekommen. Ohne hier Patentrezepte liefern zu wollen: so lange Kinder so viel Verzicht auf Konsum und Freizeit bedeuten wie sie es aktuell tun, ökonomisch individuell aber gleichzeitig keinen Nutzen bringen, können oder wollen es sich viele Menschen einfach nicht leisten sich fortzupflanzen.

Glücklicherweise ist der Nutzen von Kindern nicht nur ökonomisch zu messen:
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Trotzdem: Wenn die Mädels so richtig nerven, weisen wir sie gerne darauf hin, was für ein kernentspanntes Leben voller Wohlstand wir führen würden, wenn wir keine Kinder hätten. In unserer Welt wäre das nämlich so. 😉

Von der NSA entwickeltes Spielzeug

Wir kennen das ja alle: Die NASA fliegt ins Weltall, und alles was wir bekommen ist ein lausiger Klettverschluss. Das gilt natürlich nicht nur für Raketenwissenschaft – auch die Informationswissenschaftler von der NSA werfen dann und wann ein paar erstaunliche Nebenprodukte ab. Zum Beispiel die Sorgenfresser-Püppchen.

Ähnlich wie ein Smartphone sammeln diese – getarnt als nützliches und gut designtes Spielzeug – alle möglichen Informationen und funken die bei der ersten Gelegenheit nach Hause. Die Nutzer, vorwiegend junge und leicht manipulierbare Menschen, ahnen dies nicht und vertrauen dem Gadget ahnungslos ihre geheimsten Informationen an. (Ja, meine ich damit jetzt die Puppe oder nicht?)

Allerdings sind diese Kinderüberwachungspüppchen den mobilen Funk-Computern in einem Punkt sogar noch deutlich überlegen: In der Akkulaufzeit.

Politisch inkorrekt – oder: Das Betreuungsgeld-Bashing ist populistisch

Heute muss es einfach mal raus. Ja, obwohl es politisch nur schwer vertretbar ist und ich gefühlt der einzige Mensch in Deutschland bin, der hier von der Meinungsnorm abweicht. (Okay, dieser Eindruck könnte vielleicht daher rühren, dass ich „Irgendwas mit Medien“ arbeite)

Jedenfalls, darum geht es mir, es regt mich echt auf dass alle hier so tun als sei die mögliche Abschaffung des Betreuungsgelds die beste Erfindung seit geschnittenem Brot. Im Ernst, ich kann ja so einige Argumente gegen diese Leistung nachvollziehen, aber das hier medial gesehen quasi kein Mensch darauf eingeht, dass diese Leistung irgendwo, irgendwie auch ihre Berechtigung haben könnte, geht mir echt ein wenig auf den Nerv. Kein Mensch hat sich beschwert, als das Elterngeld eingeführt wurde (de facto auch eine Umverteilungsmaßnahme von Familien mit mehreren Kindern zu doppelverdienenden Akademikern, die sich sonst ja keine Kinder hätten leisten können). Aber wenn mal eine (minimale) Leistung eingeführt wird, die auch Leuten zugute kommt, die blöd genug sind ohne staatliche Subventionen Kinder zu bekommen, wird der Untergang der abendländischen Emanzipation verkündet.

Denn ja, selbstverständlich werden die ganzen gut ausgebildeten Akademikerinnen sich nun, im Zeitalter der „Herdprämie“, für 100 Euro im Monat gegen einen gut bezahlten Job entscheiden. Habe ich letztens selber in der Cafeteria gehört:

„Und, wie machst Du jetzt nach der Geburt beruflich weiter, Meike?“
„Eigentlich wollte ich ja den Kleinen in eine Kita geben und wieder meinen Job als Staranwältin aufnehmen, aber jetzt, wo es das Betreuungsgeld gibt, überlege ich mir das nochmal. Ist ja auch ganz schön zuhause, und mein Mann mag es, wenn ich so viel koche und putze.“
„Verstehe ich sehr gut, 100 Euro sind ja auch eine Menge Geld, so viel verdienst Du jetzt in Teilzeit ja bestimmt nicht mehr.“

Damit bin ich bei den zahlreichen negativen Auswirkungen der Herdprämie noch nicht am Ende angekommen. Selbstverständlich werden auch Horden von sozial schwachen, ungebildeten Schmarotzern die Gelegenheit nutzen ihr Einkommen durch die Herdprämie aufzubessern und ihre zahlreichen Kinder lieber weiter zuhause verdummen, anstatt sie in staatliche Obhut zu geben. Oh, die Herdprämie greift bei ihnen gar nicht? Das wissen sie vermutlich nicht und versuchen es trotzdem.

Ganz im Ernst: Der ganze Kinderbetreuungs- und Karrieresermon hat doch ohnehin nur so lange Relevanz, wie man maximal zwei Kinder hat. Mit mehr Kindern können in den allermeisten Fällen schlicht und einfach nicht beide Elternteile Karriere machen. Wobei ja jetzt ohnehin nicht jeder Kariere macht – gar nicht so wenige Menschen gehen auch einfach nur arbeiten.

Ich verstehe ja durchaus, dass mein Eigeninteresse als statistisch nicht relevante Zielgruppe hier eine Rolle spielt. Trotzdem finde ich den Populismus bedenklich, mit dem momentan gegen eine familienpolitische Leistung, die auch wirklich Familien zu gute kommt (die schon welche sind und nicht erst dafür bezahlt werden müssen eine zu werden), vorgegangen wird. Ja, Kitas sollten trotzdem da sein. Und kostenlos. Das könnte man dann Wahlfreiheit nennen.

Der Liebling aller Parteien

Heutigentags.de hat da ja was Nettes entdeckt. Wobei ich um ehrlich zu sein nicht sicher bin, wer es wirklich entdeckt hat, aber bei mir war das die Quellenangabe.

Aaalso (ich vermute fast ich bin zu lahm, denn im Internet ist etwas ja dann keine News mehr, wenn es in die traditionellen Medien rübergeschwappt ist), die FDP hat einen netten Wahlspot mit Stock-Material gedreht. Nämlich einer idyllisch radelnden Familie. Dumm nur, dass die NPD die Familie auch so idyllisch radelnd fand, dass sie sie ebenfalls in einem, na ja, Wahlspot verwendet hat. Jetzt weiß man als idyllisch radelnde Familie glatt gar nicht mehr wen man wählen soll, und dabei haben doch beide Parteien so eine tolle Familienpolitik!

Das ist der Fluch von Stock-Material, ich habe so manche Tante aus einer Firmenpräsentation auch schon auf Webseiten, anderen Präsentationen und sogar Mobilfunkwerbung auf meiner Xbox wiedergefunden. Nicht dass sie auch noch für die NPD arbeitet. Wobei, dazu sah sie nicht arisch genug aus.

Die kinderlosen Bürokraten sind fern der Realität

Welt.de schreibt heute:

Die Diskussion um diesen zur “Herdprämie” disqualifizierten Beitrag war erschreckend: Warum lässt man Familien nicht die Wahlfreiheit, wo und wie sie ihre eigenen Kinder in den ersten Jahren erziehen wollen?

Dass ich das noch einmal von einer Journalistin hören darf! Ich bin jetzt zwar nicht “pro Herdprämie äh Betreuungsgeld”, aber die Ignoranz, mit der Familien mit mehr als ein oder maximal zwei – verhältnismäßig leicht “wegorganisierbaren” – Kindern in diesem Kontext gestraft werden ist schon hart.

Die politisch gewünschte doppelte Vollzeiterwerbstätigkeit funktioniert halt bei drei oder mehr Kindern nicht – es sei denn man leistet sich ein Kindermädchen oder -jungen. Das muss aber nettomäßig auch erst einmal drinsitzen.

Die kinderlosen Bürokraten sind fern der Realität