Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Umgeschaut: Interessante Blogartikel für Eltern

Immer mal wieder

Ich möchte gerne heute und in Zukunft mit Euch teilen, was ich bei meinen verehrten Blogger-KollegInnen an lustigen, spannenden, interessanten oder nachdenklichen Artikeln entdeckt habe.

Ich werde das von Zeit zu Zeit und erst einmal nicht unbedingt regelmäßig machen. Wenn ich merke, dass es Euch besonders gut gefällt, dann kann ich dies gerne als neue Rubrik einführen. Ansonsten teile ich einfach immer mal wieder.

Die Reihenfolge spiegelt nicht die Beliebtheit wieder, sondern unterliegt dem gerechten Gesetzt des Zufalls.

1. Schockierend und berührend

Am 15. Juni erschien der Artikel Der vierte Mann von Tina auf Werden und Sein. Der Text wird sicherlich vielen, besonders Müttern, unter die Haut gehen. Ich habe in meinem Kommentar dazu bereits angedeutet, das mich nicht mehr viel umhaut, weil ich selbst so viel erlebt habe. Zugleich aber besitze ich natürlich viel Empathie – aus demselben Grund. Daher überlese ich das, was weniger belastete Menschen erschreckt einfach als Fakt und nehme wahr, was aus dem einstigen traumatisierten Kind wurde. Wie es als erwachsener Mensch schreibt und empfindet.

Ich freue mich immer, wenn jemand es schafft, auszudrücken, was ihn einst prägte. Und sei es noch so negativ und traumatisierend. Solche Erlebnisse hinterlassen auch nach Jahrzehnten ihre deutlichen Spuren. Und zugleich geben sie die Chance, sehr stark zu werden.

Tinas Artikel hat eine Triggerwarnung: Es geht um alkoholkranke Eltern und Gewalt gegen Frauen.

2. Vorbeugen und heilen

Mara macht sich Gedanken heute, am 23. Juni, Gedanken über mütterlichen Burnout und wie man ihm vorbeugend begegnen kann. Dazu hat sie einen sehr informativen Artikel der Rheinischen Post gefunden. Narzissmus und Burnout – wie gehört das denn zusammen? Und wieso haben Frauen (Mütter!) inzwischen viel häufiger Erschöpfungszustände als Männer? Lässt sich herausfinden – einfach mal ‚rüberhüpfen zu Maras Gedanken.

3. Tick-Tack oder wie aufregend Warten doch sein kann

Bella wartet auf’s Baby. Zusammen mit Familie Berlin tun wir das auch. So ganz solidarisch, weil wir das große Warten ja auch schon vier Mal hinter uns haben…

Da Bella fragt, wie bei uns die Geburten starteten:

1. Mal: Spontan mit Wehen, zuhause (na ja, 14 Tage nach dem Termin ist spontan ein großes Wort …:D).

2. Mal: Aufwachen mit leicht gerissener Fruchtblase um 10 Uhr. Wehen dann ab 15 Uhr.

3. Mal: Wehen nach Einleitung per zweimaligem Priming bei ET+7 (auf Wunsch der total erschöpften Mutter nach unzählbaren Stunden schmerzhafter, Schlaf raubender Senkwehen – würde ich allerdings nicht noch einmal so entscheiden. Nummer 3 trägt mir den Rausschmiss immer noch nach und heute denke ich auch selbst anders darüber. Aber ihr wisst ja: Eine erschöpfte Schwangere will nichts mehr als Erleichterung …)

4. Mal: Beginn mit Wehen zu Hause. Abwarten, ob es regelmäßig wird. Der berühmte Schleimpropf (den persönlich hab ich nie zu Gesicht bekommen) verabschiedet sich, was ich durch Blut bemerke. Anruf bei Ehemann, Opa, Hebamme, Krankenhaus und so weiter …

4. Viel durchgemacht und nun ein wunderschöner Tag

Eva, die während der Schwangerschaft die Diagnose Blutkrebs bekam (und mein Anlass war, mich bei der DeutschenKnochenMarkSpende DKMS zu registrieren) hat nicht nur eine Facebookseite, sondern auch einen Blog. Auf diesem entdeckte ich am 20. Juni den Artikel über ihren herrlichen Tag der Hochzeit und Taufe ihrer Tochter. Wir rührend und wunderbar zu sehen, wie glücklich sie ist und wie gut es ihr geht!

5. Voll dufte, ey!

Niemand –  außer der von mir so gern als einmalige Wortvirtuosin betitelte Rike – kann den Umstand eines Haufens Kinderkacke auf’m Teppich so wunderbar erzählen. Es geht um Sauberkeitserziehung. Bitte esst nicht beim Lesen, wenn Ihr da empfindsam seid 😀

Ich habe mich übelkeitsfrei bekringeln können: Habe ja bekannter Maßen diverse Kinderchen. Ich wurde bepinkelt, bekackt und mir wurde schon in’s Gesicht gekotzt – ja, meinen Mund hatte ich zu diesem Zeitpunkt offen, weil ich „Ooooh, du Arme, dir ist schlecht…“ sagen wollte und es nur bis zum „Ooooh“ schaffte, als die Ladung kam. Diese lief mir dann zusätzlich in den Ausschnitt des Nachthemds und am nackten Körper runter, bis sie auf den Boden tropfte. Na, noch Appetit?

Mich gibt es auch auf Rezept als Appetitzügler bei Diäten. Oder Ihr nehmt Rikes Artikel. Rike forte. Fragt mal Eure Ärztin danach. Oder Euren Arzt.

Kleider, Fotos, Wissen

Ich lese sehr gerne auf dem Blog Textile Geschichten. Es ist kein Mama-Blog. Ich mag ihn sehr gern, weil ich einfach ein absoluter Fan des Themas Mode und Kleidung bin. Auch und besonders der historische Part von Kleidung interessiert mich. Wer gerne mal in vergangene Zeiten tauchen möchte und wissen will, ob es wirklich Schneider mit zerrissenen Hosen gab, der kann hier hinein gucken.

 

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Gewonnen hat …

Nummer 1 und Nummer 3 sind heute unsere Glücksfeen.

Wir freuen uns echt sehr, einer anderen Familie eine Freude zu machen.

Das Buch war und ist echt ein jahrelanger Begleiter und lässt sich natürlich ebenso weitergeben, wenn es nicht mehr aktuell ist.

Wir wünschen der Gewinnerin und ihrer Familie viel Spaß und fröhliches Schmunzeln.

Hier kommen die spannenden Bilder der Verlosung:

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Nummer 1 und Nummer 3 sind heute die Glücksfeen …

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… und sie losen im Schweiße ihres Angesichts.

Und die Gewinnerin ist:

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Da Ni! Herzlichen Glückwunsch!

Liebe Dani, viel Spaß mit unserem Päckchen, das Dich in den kommenden Tagen erreichen wird 🙂

Dear Me – Briefe an mein jüngeres Ich

Anna hat auf ihrem Blog an der Dear Me Kampagne teilgenommen und ich fand das so inspirierend, dass ich mich da gerne anschließen möchte.

Hier also meine Briefe an mein jüngeres Ich:

Dear me 1985,

Du bist jetzt acht Jahre alt und ich möchte Dir ein bisschen etwas schreiben.

Keine Sorge, die Schule wird nicht immer so furchtbar sein. Du wirst später einmal erleben, dass jenes Triezen und Verprügeln einen Namen bekommt. Es heißt dann Mobbing – dann erst wird man begreifen, wie scheußlich das ist, was Dir da gerade passiert. Du wirst das aber alles durchstehen, weil Du unglaublich stark bist. Es wäre so schön, wenn Du den Mut hättest, einfach mal deutlich „Nein!“ zu sagen. Aber ich weiß, dass man Dir dieses Wort abtrainiert hat.

Die Schule kommt Dir langweilig vor – schalte aber nicht ab, sondern lasse Dich darauf ein, soweit es geht. Sonst macht es irgendwann überhaupt keinen Spaß mehr. Und dann könntest Du noch unzufriedener sein.

Du fühlst Dich unverstanden, ich weiß. Da werden aber Menschen sein, die sich ähnlich fühlen und mit ihnen wirst Du die wunderbarsten Freundschaften haben. Ihr werdet noch Freunde sein, wenn Du längst selber Kinder hast.

Wenn Du Dich klein, andersartig und wertlos fühlst, dann liegt das nicht an Dir. Es liegt an der Art, wie deine Eltern mit Dir sprechen und umgehen. Du hast wenig Vertrauen in andere Menschen. Das ist ganz traurig. Es kommt daher, dass Du Dinge erlebt hast, die man einfach nicht erleben sollte. Und es ist schlimm für Dich, dennoch die zu lieben, die böse zu Dir waren. Dafür darfst Du Dich nicht schlecht fühlen. Du hast eine Menge verloren, ich weiß. Du bist so selten albern oder vergisst die Welt um Dich herum, so wie andere Kinder. Schade ist, dass nach außen alles so normal wirkt, dass Du Dir manchmal selber nicht glaubst, wie komisch Du Dich innerlich fühlst. Genieße einfach das Schöne trotz allem, denn es wird Dir gute Erinnerungen schenken.

Du hast tolle Fähigkeiten. Du kannst ganz schnell viele Dinge verstehen. Deine Gehirnleitungen sind gut geölt. Das brauchst Du auch so, weil Du ganz viel in Deinen Gedanken unterwegs bist. Dein Gehirn ist Dein kleiner, geheimer ausgebauter Speicher, auf dem Du stundenlang spielst, nicht wahr? Auch Deine riesige Phantasie ist toll. Sie tut Dir ebenfalls gut. Beide zusammen lassen Dich die tollsten Geschichten erleben und die Menschen um Dich herum mehr und mehr verstehen.

Wenn Du manchmal glaubst, mit Dir würde etwas nicht stimmen und Du gehörtest nicht in deine Familie, dann erinnere Dich daran, wie wunderbar bist und was für ebenfalls wunderbare Freunde Du hast.

Saskia auf Teufel

Dear me 1993,

jetzt bist Du 16 und zuhause ist es sehr wechselhaft, was Dich unter andauernde Anspannung versetzt. Du fühlst Dich seltsam und wie ein Alien. So, als würdest Du nicht dazugehören. Eines Tages wirst Du erkennen, dass es nicht so wichtig ist, ein Teil der Masse zu sein. Eines Tages wirst Du Dich so lieben können wie Du bist. Langsam siehst Du Dich nicht mehr als das hässliche Entlein, dessen Geschichte Dein Vater Dir früher am Bett erzählen sollte. Du siehst langsam, dass Dein Federkleid sich verändert und Dein Hals länger wird.

Wenn Du Dich gerade nicht leiden kannst, denke daran, dass Du klug, witzig und liebenswert bist, auch wenn man Dir ein anderes Gefühl gibt.

Das Leben endet nicht zuhause. Es beginnt nur dort.

In vier Jahren wirst Du in einer eignen Wohnung wohnen. Dort bist Du dann stolz und zufrieden. Du wirst all die Privatsphäre haben, die Du so sehr vermisst, wenn Du Dich unter dauernder Beobachtung fühlst. Hab keine Angst! Sei ruhig mutig und trau Dir etwas zu. Wenn es Dir möglich ist, versuche all die „Das schaffst du eh nicht-Kommentare“ Deiner Eltern zu überhören. Wenn Dir Deine Mutter etwas darüber erzählt, wie das Leben für Dich als Erwachsene sein soll und wird, dann halte Dir nur ja feste die Ohren zu! Zieh Dir davon nichts rein, das ist alles Blödsinn. Und wenn Du es schaffst, setzte Dich in einigen Jahren über ihre Worte und ihre Gegenwehr hinweg und geh studieren! Du kannst ihre Entmutigungen vergessen, die erzählen sie doch nur, weil sie sich schlecht fühlen würden, wenn Du als Erste der Familie studierst. Sonst musst Du das nachholen, wenn Du schon längst Kinder hast, was ungleich nerviger werden wird …

Saskia auf Suleika 1993

Dear me 2003,

ja, Du weißt es, nicht wahr? Du weißt, dass Du den Mann für’s Leben getroffen hast, oder? Gut, dass Du Ja gesagt hast. Wie schön, dass Ihr Eure Tochter so liebt und wie hinreißend zu sehen, wie sehr er in sie vernarrt ist, hm?

Du denkst, nun wird sich Dein ganzes Leben ändern  – und genau das ist wahr. Und es wird sich so viel mehr ändern, als Du gerade ahnst. Nun fasst Du langsam Vertrauen und das ist gut so. Du brauchst nicht misstrauisch zu sein. Liebe bedeutet längst nicht immer Verletzung, Selbstverzicht und Einschränkung. Das hast Du nur von klein auf so gelernt. Sei weiterhin mutig, besiege deine Ängste. Großartig, dass Du auf deine Intuition hörst – diese Fähigkeit wirst Du noch immer weiter entfalten und es wird Momente geben, die weit intensiver sind als dass man sie nur auf Intuition zurückführen könnte.

Auf in ein neues Leben, mit so vielem, das Du Dir schon immer gewünscht hast!

Hochzeit

Dear me 2005,

nun hast Du zwei so kleine Kinder gleichzeitig und meisterst das großartig! All die Selbstzweifel, die Du Dir da von außen durch Deine Schwiegerfamilie herantragen lässt, sind Bullshit. Du bist weder zu faul, noch eine schlechte Mutter, noch taktlos, noch nicht schön genug für ihren Goldjungen. Sei nicht wütend, wenn er es nicht schafft, Dich zu verteidigen. Er ist selbst schockiert davon, dass diejenigen, von denen er sich einst geliebt fühlte, nun seine Verletzungen ignorieren und die Person attackieren, die er so sehr liebt. Was soll er tun, während er wie erstarrt zwischen zwei Fronten steht?

Das alles wird Euch zusammenschweißen, aber auch Konflikte schüren.

Höre nicht auf die Stimme, die Dir sagt, er würde heimlich wie sie denken. Höre nicht auf die Stimme, die Dir sagen will, dass Du alles ertragen musst, weil es sich so gut anfühlt, etwas in der Art von einer Familie dadurch zu gewinnen. Ein Gewinn wäre ein Geschenk – für das hier aber musst Du einen hohen Preis zahlen. Du bist schon ganz verdreht und verstellt. Und versteckst Dein wahres Ich sowie auch deine Gefühle.

Es wäre so schön, wenn Du einfach genießen könntest, was Du hast: Einen Dich liebenden Mann und zwei supersüße Kinder, denen Du Dich sehr verbunden fühlst. Du hast so wunderbare Freunde und interessante Begegnungen! Dein Leben ist voller Kreativität und Optimismus! Wie gut, dass Du Dich zu diesen Elementen hinwendest und nicht verzweifelst. Ich weiß, Du würdest gern weit weg ziehen, aber das wird die Probleme nicht lösen, denn die nimmt man immer mit.

Meine Güte, Du bist so jung und schon wieder oder noch immer mit so viel Anstrengendem konfrontiert, anstatt das Leben einfach genießen zu können! Wie großartig, dass Du diesem Gedanken trotzt und voller Elan bist!

Ohne Titel

Dear me 2008,

ein Supergau, oder? Da liegt Dein großer, baumstarker Mann in einem Bett der Intensivstation und kann sich nicht mehr bewegen. Neben Dir sitzt Eure Jüngste, oben spielen die beiden Größeren. Die Kleine ist Eineinhalb, die anderen Vier und Fünfeinhalb.

Ein Albtraum ist es, ihn leiden zu sehen. Eine Wohltat ist es, aktiv sein und ihm helfen zu können. Wow, Du machst das alles so gut und siehst es mal wieder nicht!

Du hast mal wieder Selbstzweifel. Kein Wunder, denn da sind wieder die Stimmen derer, die Dich so gern kritisieren. Höre nicht auf sie. Du bist gut so, wie Du eben bist. Sie sehen ohnehin nur das in Dir, was sie gerne sehen wollen. Das sind die Spiegel deiner Selbstzweifel – das weißt Du im Grunde auch. Halte durch, denn all das wird zu einem sehr guten Augenblick führen. Es werden Zeiten kommen, in denen Du das Gefühl von Familie haben wirst. In denen man Dich respektieren und um Verzeihung für das letzte Jahrzehnt bitten wird.

Dein Mann wird wieder gesund, auch wenn es gerade nicht danach aussieht und Du vor Wochen noch gefürchtet hast, dass er stirbt. Wieder ist Deine Intuition, diese Verbundenheit mit der Welt, ein großartiger Helfer. Lass Dich leiten und wachse. Du spürst ja, wie sehr Du an all dem wachsen wirst. Lass es ruhig weiterhin zu. Keine Angst vor der Zukunft, auch wenn sie gerade noch so ungewiss aussieht. Höre weiterhin auf Dein Bauchgefühl, das wird Euch allen gut tun.

Familienfoto 2008

Dear me 2011,

es tut mir sehr leid, dass die schöne Zeit mit dem neuen Familiengefühl so kurz war. Es tut mir so leid, dass Du Deine Mutter und auch die Mutter Deines Mannes verloren hast. Wie schlimm es war, die eine in Wirklichkeit und die andere im Geiste und im Herzen zu Grabe zu tragen! Nun hast Du Zeit zu heilen.

Du siehst jetzt, wie viel Schönes und Tiefes Dein Leben hat. Du hast gesehen, dass Du auch in einem Job selbstbewusst vorwärts kommen kannst. Du hast zugleich drei wunderbare Töchter und einen gesunden Mann. Du hast nun sehr viel Angst, aber diese wird Dich zu Dir selbst leiten. Sie täuscht nur vor und lenkt ab. Sie ist ein Stellvertretergefühl. Immer wieder entscheidest Du Dich dafür, lieber Angst zu empfinden als das zu spüren, was an Gefühlen wirklich da ist. Doch das wirst Du bearbeiten. Und Du wirst erkennen, dass es diese Ängste sind, die zwischen Dir selbst und der Freiheit stehen. Genau das ist ihr Daseinszweck.

Ja, das Leben ist anstrengend, aber auch tief und rein. Und voller Wahrhaftigkeit. Du hast gefunden, was Du brauchst und das wirst Du auch weiterhin können.

Taufe

Wow – das war eine spannende Reise. Das könnt‘ ich glatt zur Nachahmung empfehlen. das kann man wohl natürlich auch ohne die Fotos machen. Eigentlich ist es ja eine Kampagne zum Weltfrauentag, aber ich finde, das könnte ebenso gut von Männern geschrieben werden. Mal sehen, ob ich den meinen dazu inspirieren kann 😉

Interview bei Pinksports

Neulich durfte ich für den Blog Pinksports der sympathischen Britta ein paar Interviewfragen beantworten, was mir richtig viel Spaß gemacht hat. Wer Interesse hat, kann gern nachlesen, was ich zum Thema „Babyspeck und wie man ihn loswird“ zu erzählen hatte und zwar hier.

Persönliches Résumé zum Thema „Moderne Kindheit“

Ich wurde eben auf diesen Artikel in „Die Zeit“ aufmerksam und war ein bisschen ratlos, ob es wirklich so schlimm um die Generation unserer Kinder steht.

Viele Themen des Artikels kenne ich und kann sie nachvollziehen. Und einige Gedanken kamen mir gleich in den Kopf:

Kinder stehen im Zentrum der elterlichen Aufmerksamkeit. Sie sind weniger der Nachwuchs, den man halt so bekommt wenn man erwachsen ist, als ein Projekt. Oder zwei. Diese Projekte schlauchen ganz schön. Vor allem, weil die Mütter auch noch gesellschaftlich dazu angehalten werden, beruflich erfolgreich zu sein. Oder mindestens tätig. Und die Väter auch – das Erstere, das Zweite versteht sich von selbst. All das, was Eltern heute rund ums Kind leisten müssen, ist nicht ohne. Damit es dem Kind auch ja an nichts fehlt und nichts zu schwierig ist. Es soll viel erleben und die Kindheit soll zauberhaft sein. Voller wunderbarer Erinnerungen und vieler Möglichkeiten. Und mit wenig Problemen und den Strategien zur Lösung derselbigen. Wie es im Artikel steht, den Schaufel-Eimer-Krieg übernehmen die Eltern. Früher sagten die Mütter mahnend: „Nicht streiten, Kinder“ (oft genug nur, weil das Gezanke sie nervte) und das war’s.

Auffällig ist, wie sehr sich zum Beispiel meine Gedanken um unsere Kinder drehen. Und wie wenig sich einst die meiner Eltern um mich drehten. Und da waren meine keine Ausnahme. Der Zeitgeist in den 80ern stellte Kinder nicht in den Mittelpunkt der Familie. Am Wochenende war nicht alles darum organisiert, den Kleinen so viel Freude wie möglich zu bereiten. Wir zum Beispiel fuhren einmal im Jahr ins Phantasialand. Vielleicht auch alle zwei Jahre – das weiß ich nicht mehr genau.

Und haben im Sommer Campingurlaub gemacht. In diesem hat meine Mutter gerne stundenlang in der Sonne am Strand gelegen und ich? Na, ich hab im Sand gespielt. Dann gab es Pommes und Eis und das fand ich toll. Und ganz leckere, holländische Zitronenlimo. Zwei Mal haben wir ein Pony ausgeliehen während solcher Urlaube. Das fand ich das Größte! Mein Vater angelte gerne. Da mussten wir Kinder leise sein, um die Fische nicht zu verjagen. Das konnte drei Stunden dauern. Und wenn wir das gut hinbekommen hatten, dann haben wir am nächsten Tag etwas wie einen Märchenpark besucht.

In der Schule war ich gut. In der Oberstufe hatte ich Probleme in Mathe und bekam Nachhilfe. Meine Mutter fand das unangenehm, so viel Geld auszugeben und meinte, ich hätte mich mit der Einstellung „Mathe kann ich nicht“ selber rausgekickt. Und das stimmte auch. Hausaufgaben machte ich alleine. Für den Erntedankfest stellte meine Mutter ein Körbchen mit Obst zusammen, das ich im Bus mitnahm. Zum Gottesdienst kam sie dann mit dem Fahrrad hinterher – sie hatte erst den Führerschein als ich im Teenie-Alter war. Zum Schulfest, das alle zwei Jahre stattfand oder seltener, buk sie einen Kuchen. Marmor – oder Sandkuchen. Das war es. Sie hasste es, Kopiergeld (50 Pfennig bis 1,50 Mark) zu bezahlen und fand, das sei mit den Steuern alles abgegolten. Büchergeld hasste sie aus dem selben Grund. Es kamen vier bis fünf Infozettel in einem Jahr aus der Schule mit nach Hause. Und es gab natürlich den Elternsprechtag zu dem sie hin radelte, zusammen mit mir. Mehr behelligte man sie nicht. Und mich auch nicht.

Ich hatte kein Hobby außer Spielen. Ich durfte mich nicht dreckig machen, weil ich ein Mädchen war – das nervte mich sehr, aber ich nahm das so hin. Ich hatte innerlich mächtig Stress, wenn ich doch mal etwas versaut hab. Wenn ich meinen (bis heute) besten Freund besuchen wollte, dann hab ich mich auf’s Rad geschwungen. Es gab einen verbotenen Weg – da fuhren Autos. Und es gab den anderen Weg. Auf diesem gab es eine kleine Lampe als Beleuchtung. Nachdem dort eine Frau Opfer eines Überfalls geworden war, hatte die Gemeinde die Lampe aufhängen müssen. Da hab ich immer Schiss gehabt und schneller in die Pedale getreten, bis der Dynamo sirrte.

Ich hab mir recht oft weh getan. Bin mit dem Fahrrad irgendwo hingeknallt und hab mir Beulen zugezogen. In unserem Kühlschrank lag kein Kühlpack und es gab auch keinen Erste-Hilfe-Kasten. Bloß Pflaster. Ohne Prinzessinnen-Motive. Aber die wurden auf die Größe der Wunde zugeschnitten, das fand ich irgendwie cool. Wenn da so ein großer brauner Teppich auf meinem Knie klebte. das Abrupfen war dann leider recht ätzend. Und von vielen kleinen Verletzungen erfuhr meine Mutter nie etwas. Weil ich dann unterwegs war und bis Zuhause war es dann wieder gut.

Kindergeburtstage waren keine Events. Verschenkt habe ich als Gast etwas wie ein Autoquartett oder auch Mal Katzenzungen (Schokokonfekt) und ein selbstgemaltes Bild, wenn ich eingeladen war. Wir saßen am Tisch, die Mutter des Geburtstagskindes verteilte Kuchen. Dabei war sie nett, sprach aber nicht drei Oktaven höher als die Natur es will. Es gab so etwas wie Sackhüpfen und Topfschlagen. Danach Pommes und Würstchen. Fertig. Man spürte, wie froh die Mutter war, wenn wir alle wieder verschwanden. Das spürte man bei jeder der Mütter.

Ich erinnere mich an meinen fünften Geburtstag. Da hatte meine Mutter einen Kuchen gebacken und den mit Sahne gefüllt und überzogen. Er war mit Schokolinsen und Mandarinen belegt. Die obligatorischen fünf Kerzen steckten drin. Und als ich morgens aufstand und herumschlich, da fand ich im Wohnzimmer meine Geschenke: Ein Spielbügelbrett mit Bügeleisen. Auf dem Brett stand noch ein Karton. Darin war eine Tüte Speck mit Schokoüberzug (wie Marshmallows) und Puppenkleider. Ich war so glücklich! Wie lieb musste man mich haben! Wow! Ein Karton mit zwei Kleidern und Speck! Nur für mich! So viel bekam ich anderen Geburtstagen nicht. Fünf zu werden musste etwas ganz Besonderes sein.

Früher hörte man Kinder sagen: „Pst, wir dürfen nicht drinnen spielen. Meine Mutter hat sich hingelegt. Das macht sie nachmittags immer.“ oder „Nicht ins Wohnzimmer. Da sehen meine Eltern gerade fern.“ Mütter hatten Hobbies oder Beschäftigungen. Ganz gleich, ob sie nachmittags strickten, fernsahen, lasen, Arbeiten erledigten oder schliefen – sie ließen uns in Ruhe und wir sie. Niemals hätte ich mich neben die Mutter meines besten Freundes gesetzt und sie vollgequatscht, während sie ein Buch in der Hand hatte. Ich hatte Respekt vor ihnen. Das waren die Erwachsenen und wir die Kinder. Unsere Leben teilten eine Schnittmenge, aber wir Kinder hatten auch eine eigene Welt. Und die Großen eben auch. In die wollten wir nicht eintauchen. Und die nicht in unsere. Wir waren also alle sicher.

An den Wochenenden fuhr mein Vater gerne zu Autoausstellungen – nicht, weil er ein neues Auto brauchte. Nein, er sah sich gern Autos an. Also flitze ich da herum und versuchte, Gratis-Kulis abzustauben oder an den Bastelaktionen und Kinderbelustigungen teilzunehmen. Oder wir besuchten Verwandte. Ein Großonkel hatte die erste Islandpferde-Zucht Deutschlands. Das war etwas ganz Tolles! Hier durfte ich ab und an reiten. Hier wohnte die alte Tante mit den weißen Haaren, deren Blindheit mich beim ersten Besuch zu Tränen rührte. Und die mir Mandelkekse gab. Die hab ich, wie die Tante es auch machte, in meine Milch gestippt. Meine Mutter warf mir einen peinlich-berührten Blick zu: „Das machen nur alte Leute – die Kekse stippen! Lass das!“ zischte sie mir zu. Ich war auch bei den Beerdigungen der Verwandten, sah sie zuvor auch sehr krank. Manchmal hatten die Tanten oder Onkel Schokolade für uns oder mal ein kleines Osternest. Die weit entfernt wohnenden Verwandten schickten Geburtstagspäckchen. Da gab es dann ein Sparschwein oder Ähnliches.

Meine Mutter verbot uns, Erwachsenen ins Wort zu fallen. Taten wir es doch, ernteten wir einen unwirschen Blick. Sie erzählte, dass man ihr früher noch auf den Mund geschlagen hatte, wenn sie Erwachsenen ins Wort gefallen war. Da waren wir damals mächtig froh, nicht in den 50ern zu leben. Alten Menschen bot man Platz an und war besonders respektvoll. „Die haben bereits ein langes Leben hinter sich und die Kriege erlebt“ hieß es und leuchtete ein.

Irgendwie ist das heute anders. Alles dreht sich um die Kinder. Wie lange sie im Auto sitzen müssen, wann sie Hunger bekommen und wie viel an Getränken oder Snacks unterwegs gereicht werden sollten. Alles wird geplant und durchdacht. Schule, Nachmittage, Geburtstage, Wochenenden, Urlaubsspaß.

Die Idee, ich hätte ein Interesse (wie mein Vater seine Autoleidenschaft) und würde mit diesem die Wochenendplanung dominieren oder tangieren – die existiert nicht. Käme mir nicht in den Sinn und meinem Mann auch nicht. Weil es heute nicht mehr gefragt ist, seine eigene Bedürfnisse als Kind unterzuordnen. Das tun die Eltern mit den ihren. Man könnte Kompromisse finden. Aber das Bild, das heute von den Eltern gezeichnet wird, scheint dafür geschaffen zu sein, Menschen zu überfordern. Die Eltern und die Kinder.

Ich habe da oft Ideen, wie es anders laufen könnte und sollte.

Und es ist so schwer für mich, meinen eigene Ideen zu folgen. Weil sie oft konträr zu dem verlaufen, was allgemeiner Konsens ist. Ich fände es gut, wenn es eine Bewegung in die gesunde Mitte gäbe. Weg von den Eltern der 80er, die noch sehr die Kinder der belasteten Vor-Generation und mit einen transgeneratorischen Trauma durchzogen waren, das nicht wenige unserer Generation zum Therapeuten bringt. Und weg von dem Kinder-als-Dreh-und-Angelpunkt-Dings, das sich jetzt bietet. Hin zu etwas, das Kinder lehrt, was Gemeinsamkeit ist und wie es sich anfühlt, geborgen zu sein. Wie es ist, wenn jemand sagt: „Keine Sorge, ich nehme dich wahr. Deine Bedürfnisse werden erfüllt. So weit es in dieser Gemeinschaft möglich ist.

Ich finde, sie sollten einfach Kinder sein. Mit ganz viel Phantasie und Zeit zum Spielen. Sie werden einfach so geliebt, weil sie da sind. Sie müssen für uns nichts erfüllen. Und wir sind nicht ihre Bespaßungs-und-Entwicklungs-Manager. Wir sind auch (Ehe-)Paare mit dem selbstverständlichen Recht auf Feierabendgenuss und Schlaf. Weder mein Bruder, noch ich oder einer meiner Freunde hat seine Eltern nachts wachgemacht. Außer mal selten bei einem Albtraum. Dann gab es kurz müden Trost, ein Brummen und dann ging man zurück. Hätte meine Mutter etwas von Familienbett gesagt, dann hätte mein Vater gesagt: „Nee, lass mal, das ist mir zu eng und da hab ich dauernd ein Kinderknie im Rücken“ und er hätte über den Vorschlag nur geschmunzelt. Er brauchte schließlich seinen Schlaf, weil er eine anstrengende Arbeit hatte. Und meine Mutter ruhte sich auch nachts gerne aus. Sahen meine Eltern sich einen Film an, dann hab ich sie nicht gestört. Durfte ich mitschauen, zischte man Pscht! wenn ich zu wibbelig war. Mit meinem Vater hab ich früh am Abend manchmal an den Wochenende was geguckt. Asterix und Obelix oder Tom und Jerry oder – bei uns beiden sehr beliebt – Bud-Spencer-Filme.

Ich will keine gute alte Zeit idealisieren. Und vielleicht werde ich hier auch irgendwann mal schreiben, was speziell an meiner Kindheit verstörend und traumatisierend war. Jedoch waren das individuelle Erfahrungen – was ich hier schrieb ist eher der Konsens der 80er. Ich will die moderne Kindheit allerdings auch nicht als perfekt bezeichnen. Manches macht mir daran echte Bedenken. Vieles davon fand ich in dem Artikel wieder. Einen Mittelweg zwischen den Bedürfnissen aller zu finden – das käme mir ideal vor.

Modeberatung – Nachtrag

Als meine Frau sich heute morgen beklagte, sie habe nichts anzuziehen, gab ich ihr einen pragmatischen Rat:

„Du solltest Dir vermutlich etwas kaufen.“

Das war der Grund, warum sie sich heute Abend ein wenig im Internet umschaute. („Echtes“ Shopping, also irgendwo hinfahren und einfach stöbern, passt momentan … seit den letzten zehn Jahren nicht in unser Leben).

Gerade meinte sie:

„Sag mal, läuft Targeting jetzt auch telepathisch? Wir hatten doch heute morgen über diesen Shop gesprochen, wo ich mal schauen wollte. Plötzlich ist das ganze Internet voll mit Werbung dafür … bevor ich gesucht habe.“

„Klar,“ antwortete ich. „Das ist Google MindControl. Ist aber noch Beta.“