Warum „Heul doch“ nicht die richtige Antwort auf die Frage ist, ob man in der Elternzeit verreisen darf

Eigentlich wollte ich das hier als Facebook-Kommentar veröffentlichen, aber am Ende wurde es dann doch zu lang. Es geht um einen Kommentar zu folgendem Artikel:

DIE ELTERNZEIT IST NICHT ZUM VERREISEN DA!

Sowohl auf Facebook als auch in den Kommentaren selbst lässt sich der Tenor ganz gut mit „Heul doch!“ zusammenfassen. Größere Teile der Zielgruppe „Eltern“ sind offensichtlich not amused über diesen Artikel. Was mich ein wenig wundert …

Hintergrund meiner Verwunderung ist folgender: Es ist doch eine Tatsache, dass die Einführung des Elterngeldes die staatlichen Zuwendungen für Gutverdiener bis zu versechsfacht hat, während gleichzeitig die weniger gut gestellten nur noch die Hälfte bekommen.

(Vergleiche Elterngeld vs. Erziehungsgeld)

Jetzt müssen sich die Ärmeren (wobei sich jede Familie mit mehr als zwei Kindern quasi unabhängig vom Einkommen zu dieser Gruppe zählen muss, da vermutlich nicht beide Partner werden voll verdienen können und somit nur geringe Teile des Elterngelds abgeschöpft werden können) anschauen wie die Profiteure dieser Regelung mit staatlicher Unterstützung nach Bali fliegen. 🙂

Im Ernst: Individuell kann ich absolut nachvollziehen, dass man eine solche Möglichkeit nutzt. Und natürlich hat jeder deutsche Bürger das Recht, die staatlichen Transferleistungen zu nutzen, die ihm zustehen. Wozu natürlich das Elterngeld zweifelsohne gehört.

Was ich aber ein wenig vermisse ist ein Kommentar zum zweiten Tenor des Artikels – nämlich der Frage, ob Väter einen korrekten Eindruck vom Leben als „Verantwortlicher für ein Kind“ bekommen, wenn sie diese im Urlaub verbringen. Ich denke nämlich, dass sie das nicht tun. Viel zu oft sehe und höre ich noch in meinem Umfeld, wie Väter den „Ernst des Lebens“ vollumfänglich auf ihre Partnerinnen abladen.

„Abends mal ausgehen? Klar, mach ich gerne, aber Du?? Dann bin ich ja mit den Kindern alleine!“

„Wie jetzt, ich soll am Wochenende bei der Hausarbeit helfen?“

„Neee Kochen hab ich es jetzt nicht so mit …“

Die Beispiele sind jetzt fiktiv und überspitzt, aber ich hoffe der Gedanke wird klar. Von daher finde ich die Autorin tut recht darin zu kritisieren, dass Väter per Elternzeit die Vaterschaft als Halligalli erleben, denn ich habe Neuigkeiten: Eltern sein ist oft gerade nicht Halligalli. Und das hat jetzt nichts damit zu tun, das Oppa von vorm Krieg seine Bollerwagen-Geschichten erzählt. Selbst meine liebe Frau und ich erleben Situationen, in denen wir uns über die Lebenswelt des jeweils Anderen wundern. Wobei ich sagen muss dass sie meine besser versteht, da sie mal mit mir gearbeitet hat für 1,5 Jahre. Mütter werden eh viel zu oft herabgesetzt, sei es gesellschaftlich oder in einer Beziehung, und ihnen wird das Gefühl vermittelt dass ihr Job wenig Anerkennung wert sei und sie sich lieber eine „richtige“ Arbeit suchen sollten. Wie soll sich das jemals ändern wenn Väter jetzt die einzige Gelegenheit, den Alltag ihrer Partnerin zu erfahren, als Urlaub erleben? Ach ja, soll sich ja gar nicht ändern, denn Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik.

Disclaimer: Bei Nummer 1 und 2 war ich noch Student und habe im Home Office gearbeitet, das ist nah an der echten Elternzeit.  Bei Nummer 3 und 4 war ich Vollzeit berufstätig und wir konnten uns eine Elternzeit nicht leisten, da das unser Familieneinkommen zu stark belastet hätte. Ich weiß also nicht wovon ich spreche. 

Teure Zeugnisse

Gestern und heute gab es Zeugnisse. Und weil die bei Nummer 1, 2 und 3 soweit ganz gut ausfielen, erreichte mich heute folgende Nachricht von meiner Frau:

„Die stehen jetzt vor mir und Piepsen im Chor: Belohnung!

Okay, damit hatte ich gerechnet. Gestern abend hatte ich mir was Schlaues ausgedacht – also antwortete ich:

„Okay, es gibt 50 Euro abzüglich 1 Euro pro Notenpunkt.“

Ich kam mir gleichzeitig schlau und großzügig vor. Nicht schlecht. Für die geschätzten 20-30 Euro (40-60 Mark!) hätte ich mir anno dazumal einige Yps-Hefte oder Teichfutterfletschen kaufen können. 

Offensichtlich teilte man zuhause die Einschätzung zu meiner eigenen Großartigkeit nicht. Die Antwort:

„Häh? Die haben ne 4 in Mathe.“

„Na ja, für eine 2 werden 2 Euro abgezogen, für eine 4 eben 4 Euro …“

„Also 50 minus die Summe aller Noten?“

Okay, das war jetzt etwas einfacher als meine Erklärung. Egal, verstanden, jetzt war ja alles gut. 

Von wegen:

„Die sagen sie wollen für eine 1 nix abgezogen kriegen. Die sagen das ist ungerecht und demotivierend.

„Aber für eine 1 wird doch am wenigsten abgezogen …“

„Die sagen trotzdem dass das doof ist. Sie können ja keine 0 schreiben.

„Ich will ja auch gar nicht dass die alle 50 Euro bekommen. Das ist schon so ausbalanciert …“

„Sie finden aber, für eine 1 ist ein Abzug doof.“

Ich zögerte. Mein System war gerissen und ausgewogen – das war zumindest meine Meinung. Durfte ich jetzt für eine 1 eine Ausnahme machen? Aber gut, die 1 ist ja die Königin der Noten … außerdem hatten sie nicht allzu viele davon. Also würde es mich günstig kommen hier nachzugeben (Gell, Niccolo?). 

Also antwortete ich:

„Okay, dann gibt es für eine 1 eben keinen Abzug.“

„Prima, dann teile ich die Kohle aus und wir ziehen los!“

Und bämm! war ich 75 Euro ärmer. Plus ein paar mehr für die Einsen. 😉

Best Blog Award

bestblogaward

Wow, ich bin immer noch ganz baff von der Tatsache, dass hier in den letzten Tagen so viel passiert ist – obwohl ich nach meinem Dafürhalten in dieser Zeit nicht unbedingt total viel und auch nicht meine besten Beiträge veröffentlicht habe. Mara von Das zweite Kind sind Zwillinge hat mir den Stock für den Best Blog Award zugeworfen (Besten Dank, fühle mich geehrt!) und hat mir auch ein paar Fragen mit auf den Weg gegeben. Also will ich mal versuchen ein paar sinnvolle Antworten zu geben:

1. In welchem Buch wärest du gerne zuhause? In keinem das ich mag, da geht es allen meistens mies. Kann mir jemand ein gutes Buch empfehlen das ich nicht mag? Wegen dem Wohlfühlfaktor?

2. Am liebsten bin ich zuhause, außer manchmal, da bin ich auch gerne weg. Das ist aber selten.

3. Dabei entspanne ich mich: Hörbücher hören (auf der Rückfahrt von der Arbeit, es sei denn ich muss gedanklich noch ein paar Dinge abhaken), Sport (ich gehe zwei, dreimal die Woche „pumpen“ weil ich durch die Nachwirkungen meiner Krankheit beim Laufen keinen Blumentopf mehr gewinne), Videospiele

4.  Heute war mein ein erster Gedanke nach dem Aufwachen: Es ist ja schon halb sieben und ich habe ja fast durchgeschlafen! Nur, wie schaffe ich es Nummer 1 und 2 zu wecken, während Nummer 4 noch auf mir draufliegt? Wenn ich mich bewege wacht er auf …

(Die Lösung: habe sie einhändig per Handy angechattet, dass ich auch als Wecker benutze)

5. Welche Beziehung hast du zu deiner Schlafstätte? Nur zum Schlafen da oder auch Ort für momentan: dringend notwendige Erholung, rumhängen und diverse Familienversammlungen. Jenseits der Babyzeit ist der gesamte Elternbereich unseres Hauses, inklusive Schlafzimmer, aber nach dem Zapfenstreich Sperrgebiet für die Kinder. Wir müssen auch mal abschalten können und benötigen auch mal „Zeit für uns“ (wie man das so nennt halt …).

6. In meiner Bloggerseele steckt viel … vermutlich Medienprofi. Ich halte das alles hier ziemlich strikt privat, kann aber kaum vermeiden, dass ich auf manche Entwicklungen in den Medien (wozu Blogs ja gehören) eine andere Sicht habe als jemand der einfach nur rumprobiert.

7. Dafür habe ich immer Geld: Im Zweifelsfall: Sprit um zur Arbeit zu fahren. Gebe aber mein Luxusgeld vorwiegend für technische Spielereien und Kleidung aus, gefolgt von elektronischen Medien jeder Art.

8. Dafür würde ich nie Geld ausgeben: Dinge die so überteuert sind dass man das Gefühl hat, sie wurden nur so gebaut um teuer zu sein. Das gilt natürlich für goldene Bugattis, aber meiner Ansicht nach im Kleinen auch für sehr hochpreisige Markenartikel jeder Couleur mit zu viel Anteil von „Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich“. Haben uns aus diesem Grund auch gegen Nespresso & Co. zuhause entschieden und geben die Differenz zwischen Padmaschine und Kapselfresser lieber an ein Patenkind. Aber ich bin inkonsequent und nutze trotzdem diverse Apple-Gadgets – hat halt so jeder sein persönliches Grenzempfinden zwischen „hochwertig“ und „verschwenderisch“.

9. Auf meinem Schreibtisch stehen Monitor, Telefon, Macbook, Kaffeetasse (im Büro). Zuhause räume ich meist den Schreibtisch frei, der oft auch als Nähtisch genutzt wird.

10. Meine Lieblingspflanze sind Wachskakteen. Klein, hübsch und sterben nicht.

11. Heute abend tue ich mir etwas Gutes. Ich mach ne Dose Cola auf und schaue mir mit meiner Frau zum x-ten Mal „My name is Earl“ an. Übrigens auf deutsch, wir sind trotz profunder Englischkenntnisse keine Synchronisationsverächter. Ja ich weiß, dass das das Medienkonsum-Äquivalent von „lieblichen Wein mögen“ ist (was wir übrigens auch beide tun).

So, momentan komme ich wegen einiger privater und beruflicher Veränderungen (die privaten lassen sich hier ja halbwegs nachvollziehen) mit dem Bloggerleben nicht so gut hinterher. Daher bitte ich um Verzeihung, wenn ich ein wenig brauche für´s Weiterreichen des Awards. Wird aber erledigt. 🙂