Ähemann? Ich gedenke Sie nicht weiter zu belästigen!

Wenn man meine Frau nach ihrem liebsten Liebesfilm fragt, antwortet sie immer:

„Dracula!“

Ich weise sie dann pflichtschuldig darauf hin, dass „Liebesfilm“ nicht das korrekte Genre für diesen Film ist, aber gut. Manche von Euch werden sich bestimmt noch an den mittlerweile klassischen Dracula-Film aus den 90ern erinnern. Darin hat Dracula so einen rumänischen Akzent und einen Zylinder und so 🙂 Damals, als Vampire noch richtige Vampire waren und …

(leider habe ich die Szene nur auf Englisch gefunden…)

Jedenfalls bin ich total mies im Akzente und Dialekte nachmachen, außer bei diesem. Wo andere Leute Sächsisch, Französisch oder Was-auch-immer nachmachen können, kann ich nur „Draculisch“. Weil ich sonst nichts kann, versuche ich zumindest diesen Akzent dann und wann unterzubekommen. Wann immer ich das Wort „Ehemann“ höre, kommentiere ich also:

„Ähemann? Ich gedenke Sie nicht weiter zu belästigen!“

Und mit „wann immer“ meine ich „jedes Mal“. Wirklich.

Heute hatten wir einen Handwerker im Haus, der sich unser Badezimmer anguckte. Er war osteuropäischer Abstammung und sprach mit Akzent. Nachdem er meiner Frau einige Vorschläge erklärt hatte, meinte er in bestem Draculisch:

„Das können sie ja heute Abend mit Ihrem Ähemann besprechen …“

Nachdem er das dreimal zu unterschiedlichen Zeitpunkten gesagt hatte, konnte sie sich das Grinsen nicht mehr verkneifen. Hartnäckigkeit zahlt sich manchmal eben aus.

Glücklicherweise kam dem Guten das – zumindest scheinbar – nicht komisch vor. Denn so was kann man ja nicht erklären

Da muss ne Karosseriescheibe dran

Heute ist bei unserem iPad-Halter ein Pin abgefallen. Also so einer der vier Arme, der das iPad festhält.

Gerade gucke ich mir das an und sehe, dass eine Schraube da nur mit einem Silikonpropfen befestigt war. Da dieser kaputt war, hielt sie nicht mehr.

Ich durchwühlte also meinen Werkzeugkasten nach passenden Hilfsmitteln. Glücklicherweise hatte ich noch was da.

Meine Frau fragte aus dem Nebenzimmer:

„Und? Klappt das?“
Ich so: „Klar, kein Problem. Da muss nur eine äh …“ – kurzer Blick auf die Verpackung meines Fundstücks – „M5 Karosseriescheibe dran und dann löppt dat.“
„Ich hab keine Ahnung wovon Du da redest.“

Ich kam mir direkt vor wie ein ganzer Kerl dank Chappi.

Von der Kunst, die Menschen zu zeichnen

Gestatten, das ist Schindholm, der Knecht:

Foto 4

Mit seinem stets wachen Blick und dem lächelnden Munde begeistert er die Menschen rings um ihn.

Und das ist Kuniberta, die Magd:

Foto 3

Leider gab ihr der Herrgott eine Mixtur aus Gleichmut und Einfalt in die Wiege.

Die beiden arbeiten nicht alleine auf ihrem Hof. Sie haben Gefährten und Gefährtinnen. Diese zusammen nennt man das Gesinde. Ohne „l“ bitte, darauf legt das Gesinde Wert. Allesamt haben sie, die kleinen und große Mägde und Knechte eine wunderbare neue Aufgabe: Sie zeigen jungen Menschen die Schönheit und Vollkommenheit des menschlichen Körpers. Und den Wandel desselben vom Kinde zum Herangewachsenen. Hierbei zeigen sie die wichtigsten Merkmale der männlichen und weiblichen Leiber. Besonders zu nennen sind bei den Frauen die großen Füße, die breiten Hälse, der wie zufällig positionierte und schräg sitzende Bauchnabel, das manchmal interessant trichterförmige Intimmerkmal, stets unterschiedlich große und nicht immer runde Brüste, sehr lange Oberschenkel, fehlende Taillen und Hüften sowie möglichst missproportionierte Gesichter:

Foto 2

Ja, oh! Haben Sie da gerade Schindholm entdeckt? Ich auch! Dann hat er uns bisher gekonnt belogen und sich als Mann ausgegeben. Gut, dass das nun herauskam, ehe er versucht, sein Heimatland von englischen Invasoren zu befreien!

Das männliche Gesinde präsentiert sich für die Bildung der Jugend ebenfalls gern nackt. Besondere Merkmale: Große Füße, sympathische Gesichter, Bartstoppeln:

Foto 1

Es wird seither vermutet, der Zeichner – vermutlich ein neuer Zögling seiner Zunft – wurde bei der Lektion der Aktzeichnerei der Mägde ausgeschlossen, weil er dafür zu jung war. Fortan musste er sich das Weibsvolk vorstellen, wie es ihm richtig deuchte. Und seine Vorstellungskraft war mager. Der Bursche wird inzwischen wohl mit aus Pinseln gefertigten Ruten gegeißelt. Recht so!

Wie sollen die armen Kinderlein denn lernen, wie der Storch die Kindchen bringt, wenn ein Stümper wie er ihnen das Interesse mit gräulichem Bilde im Keime erstickt?

(Bildmaterial aus dem Unterricht der zweiten Grundschulklasse zum Sexualaufklärungsunterricht. Führte bei unseren Kindern zu satirischem Protest. Bei mir übrigens auch …)

Ein teures Jahr

Nummer 4 ist bald ein Jahr alt. Nach dieser Frist wird man ja nicht mehr mit Elterngeld bedacht, weshalb meine Frau und ich uns jetzt häufiger über ihren Wiedereinstieg in den Job unterhalten haben. Wie Ihr ja möglicherweise wisst, hat sie jetzt viele Jahre als Texterin gearbeitet und wird jetzt aber vorerst nicht wieder dort einsteigen, sondern sich neuen Projekten widmen (dazu bei Gelegenheit hier sicher mehr).

Jedenfalls hat so was ja auch einen finanziellen Aspekt, und so kam es, dass wir uns ein bißchen mehr als üblich über Geld unterhalten haben. Unter anderem auch deshalb, weil wir eine ganze Reihe von Projekten und Anschaffungen irgendwie immer noch vor uns herschieben …

In diesem Kontext habe ich dann auch mal überschlagen, welche tollen Sonderanschaffungen uns in diesem Jahr so überrascht haben (zusätzlich zu einem ohnehin schon nicht gerade kostengünstigen Leben zu sechst):

– 3.000 Euro Rechtsanwalts- und Gerichtskosten, weil wir den (zensiert) Vorbesitzer unseres Hauses zur Rechenschaft ziehen müssen

– 2.000 Euro, um unsere (nicht mal vier Jahre alte!) Familienkutsche über den TÜV zu bringen, nachdem ein Brems- und Ausweichmanöver, mit dem ich einer älteren lebensmüden Dame vermutlich das Leben gerettet habe, uns Achse und Reifen demoliert hat

– 1.500 Euro für Verschleiss und Reparaturen am Roadster (normale Inspektionskosten und so nicht mitgerechnet) plus 1.000 Euro für einen neuen Turbolader (den ich aber erst noch anschaffen muss)

– 900 Euro, um den draufgängerischen K1 wieder zusammenzuflicken

– 400 Euro Stromnachzahlung, obwohl (!) ich den Abschlag schon ekelhaft hoch gelassen hatte – unsere Mädels verfolgen eine strikte „jeder Raum im Haus muss rund um die Uhr beleuchtet sein“-Politik, die sich in einem beänstigend hohen Verbrauch niederschlägt

Das war noch nicht alles, aber immerhin sind das die höheren Einzelbeträge. Ungefähr alles, was in diesem Jahr so angefallen ist, war irgendwie deutlich bis überdeutlich teurer als erwartet. Nur die Steuerrückzahlung hat uns mit einer niedrigen Zahl überrascht …

Und da wundere ich mich, dass irgendwie immer noch nicht so richtig was über ist. Ihr kennt ja schon mein Lieblingszitat:

„The things you own, they end up owning you.“

Der Montag nach dem biblischen Sonntag …

… fühlte sich in der Tat anders an als sonst.

Und dabei hatte ich mies geschlafen, anstrengend geträumt, wach gelegen. Dann Albtraum gehabt und wach gelegten. Völlig zermatscht aufgewacht.

Aber ich war schnell innerlich entknittert und fühlte mich besser als sonst an einem Montagmorgen.

Und irgendwie hängt das auch mit dem Résumé von gestern zusammen. Ich kann es also in der Tat guten Gewissens weiterempfehlen. Hinsetzen und gucken, was in den vergangenen Tagen gut war – total simpel im ersten Moment, aber auch nachhaltig im zweiten.

Natürlich rief eben die Dame vom Jugendamt an, weil die Post meinen Brief im Schneckentempo geliefert hatte und nun die Tagesmutter, zu der Nummer 4 im Dezember für zwölf Stunden die Wochen gehen wird, eventuell vier Wochen später erst bezahlt wird. Was ich der lieben Frau morgen früh verklickern darf. Und natürlich rief die Renovierungs-Firma an und fragte, ob am Mittwoch ein guter Tag für’s Parkettverlegen sei. Als ich sagte, ihr Mitarbeiter habe den heutigen Morgen angekündigt und ich habe bereits alles beiseite geschleppt, herrschte Ratlosigkeit. Natürlich hatten wir um kurz vor Acht den armen Installateur mit unserem dringenden Anliegen (das Entfernen einer Heizung) somit umsonst gestresst.

Aber da Nummer 4 gerade so süß seinen Musiktisch schiebend als Lauflernwagen benutzt und das so niedlich aussieht, ist mir der Rest ziemlich egal. Ich weiß ja, dass ich am kommenden Sonntag ansehen werde, was so alles gut war an dieser Woche. Und da werden diese Unwegsamkeiten vielleicht bereits verblasst sein. Also warum überhaupt erst darüber aufregen? 😉

Immer wieder sonntags

Seit ich denken kann hasse ich Sonntage.
Ich verwende dieses letztere Verb sehr selten. Eigentlich vermeide ich es. Aber bei Sonntagen nicht. Diese langweiligen Tage haben es verdient. Was kann man sonntags tun, wenn man einer von diesen eher aktiven Menschen ist?

– Jahreszeitliche Dekoration im Haus verteilen ( circa sechs Mal im Jahr)

– Brettspiele spielen, was ich nicht ausstehen kann.

– Backen. Womöglich das Backwerk essen und sich später über die Waage ärgern.

– Haushalt machen, was ich die ganze Woche mache.

– Gegen das Gefühl eingeschlafener Füße ankämpfen, das sich stündlich ausbreitet.

– In einem Park spazieren gehen. Da zockt der Mob.

– Im Internet herumlungern, was das Eingeschlafene-Füße-Gefühl an Sonntagen exponentiell verstärkt.

– Lesen (dazu bin ich an Sonntagen zu genervt, aus zeitökonomischen Gründen höre ich eh nur Hörbücher und arbeite dabei).

– An den nächsten Tag denken oder darüber philosophieren, das Körper und Geist stets am gleichen Ort sein sollten.

– Mich daran erinnern, dass ich Sonntag schon immer gehasst habe und tausend Versuche unternahm, diesen Tag als etwas Angenehmes zu ritualisieren (und scheiterte).

– Sich sagen, dass am nächsten Tag eine neue Woche beginnt, sich schon einmal den fünfspaltigen Familienkalender angucken und sich das Haar raufen, weil alle Spalten voll sind. Für sieben Tage im Voraus.

– Beim Blogpost feststellen wie frustriert und negativ man sonntags ist und eine spontane Lösung anstreben.

Vielleicht ist der Sonntag (hatte den nicht auch Karl der Große als Erster eingeführt und wollten ihn – unter Anderem oder gar hauptsächlich deswegen – die Sachsen nicht erschlagen? Wo ward ihr, Jungs?) gar nicht dazu da, angewidert rumzugammeln. Der Urgedanke hinter diesem Tag ist das Nachahmen der Schöpfungsgeschichte.

Ja, um etwas Göttliches im alltäglich-menschlichen Leben!

Am siebten Tage ruhte Gott und betrachtete sein Werk. Und das soll ich demnach wohl auch tun. Jeden Sonntag? 

Okay. Ich soll dann vermutlich auch sehen, dass es gut war, was ich getan habe. Gott hat sich laut der Bibel auch nicht hingesetzt und gesagt „Mensch, die Giraffen haben aber ’nen ganz schön langen Hals bekommen und der Farbton der Delfine – na, ich weiß nicht …“ Nun ist Gott vielleicht ein etwas großes Vorbild, aber warum nicht? Der Mensch soll ja streben.

Ich habe doch Einiges, mit dem ich zufrieden bin. Und auch wenn ich keinen formidablen Planeten geschaffen habe, so kann ich zufrieden sein. Ich habe mich sehr über unseren kleinen Heiligen Augustinus (eigentlich wohl Augustina) hier gefreut, weil er so hilfsbereit war und über die witzige Nummer 2 und ihren Gehirn-Kommentar. Und ich habe mich gestern mit meinem Mann beömmelt, weil er so einen frechen Mafia-Macho-Spruch abgelassen hat. Wir haben uns immer wieder ausgemalt, was passieren würde, wenn man wirklich solche Sprüche raushauen würde. Und natürlich geschahen noch mehr Dinge, die gut waren. Wir haben einen Termin für’s Parkettverlegen (morgen früh!) und müssen nicht mehr auf dem splittrigen Unterboden leben. Natürlich erreichen wir den Installateur nicht, der unbedingt vorher noch eine Heizung entfernen muss. Aber man soll ja vornehmlich auf das Gute gucken.

Und nun, wo ich das getan habe, was man sonntags tun soll:  Welches Résumé gebe ich zum Résumé?

Das fühlt sich wirklich gut an, so ein sonntägliches Résumé. Kann ich wirklich weiterempfehlen. Sonntags hat man ja auch Zeit für so etwas. Ich fühle mich deutlich zufriedener. Wirklich.

In der Zeit, in der ich résumierte hat mein Mann übrigens Mittagessen gemacht. Irgend ein neues Rezept mit Kochbananen, Steak und Zucchinisalat. Und Brot gebacken hat er und Frühstücksmuffins für die kommende Woche. Und ich bemerke, dass man sich eventuell besser fühlt, wenn man gleichzeitig résumiert. Merke ich mir für in sieben Tagen. Da résumiere ich dann eh anders, denn da habe ich Geburtstag. Mal sehen, wie der Wochenrückblick da ausfällt …

Muss nun schnell man herausfinden, wer sich nun besser fühlt. Er als aktiver oder ich als denkender Sonntagshasser 😉

NRFB

NRFB ist ein Kürzel für „Never Removed From Box„. Schon seit ich das weiß träume ich davon, einmal so ein Sammelobjekt zu ergattern und wenn es dann bei mir ankommt, dann zerfetze ich die Packung und befreie es aus dem Ding!

Ich habe so eine kleine Sammelleidenschaft. Na ja, Leidenschaft ist ein großes Wort. Es gibt drei Themen aus denen ich mehrere Objekte habe: Schneewittchen, Schildkröten und Barbies. Schneewittchen schenken mit meine Kinder. Meine Schildkrötensammlung habe ich Nummer 2 geschenkt. Die Barbies sammle ich noch. Sie sind in einem Umzugskarton. Alle paar Jahre gönne ich mir auf einem Trödel eine. Gern auch ein echtes Sammlerobjekt zum Schleuderpreis.

Und dann gibt es da eine Barbie, die ich so im Alter von 12 abgeben musste (wie alle meine Puppen), weil meine Mutter meinte, ich sei nun zu alt dafür. Diese Barbie war richtig cool – sie trug ein Büro-Outfit, das man in ein Ausgehkleid „verwandeln“ konnte. Und diese jage ich seit Jahren auf Ebay. Ich wollte sie unbedingt noch einmal auspacken. Also brauchte ich sie NRFB, um sie aus der Box zu holen wie…ja wie der Prinz das Schneewittchen.

Nun habe ich es geschafft! Ich habe sie ergattert und heute kam sie an. Und die Box mit den leicht vergilbten Folien war 1984 in einer der Mattel-Fabriken verschlossen und nie geöffnet worden.

Ich nahm sie aus dem Versandkarton und sorgte hierfür:

Foto Kopie 2

Und wie war es, einen langgehegten Traum der Zerstörung endlich erfüllt zu bekommen? Großartig war es!

Allerdings war ich wohl doch nicht verwegen und destruktiv wie in meinen Träumen. Nummer 2 dazu:

„Äh Mama, du siehst mit der tollen Originalverpackung aus wie Sheldon Cooper als er diesen Transporter auspackt.“

Dieses Bild oben an meinen Mann gewhatsapped rief folgende Nachricht hervor:

„Oh Gott, gerade fällt ein Sammler tot um in seinem Zimmer voller eingepackter Barbies! Ich höre seinen Todesschrei!“

Die Mädels bestaunten den Vorgang und holten ihre Barbies zum Vergleich. Sie freuten sich total für mich und waren ganz hibbelig. Den Vogel schoss dann Nummer 2 ab. Zu diesem viereckigen Objekt hier in der Mitte

Foto (1) Kopie

meinte sie Folgendes:

„Ach und das ist dann das alte iPhone von früher?“

Höhö. Nein, Nummer 2, dieses Ding nannten wir in der Antike einen Taschenrechner