Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Kinderlose als Kollegen? Mehr Fluch als Segen …

Oben im Bild: Auch Eltern können Foodies. Heute: Brechdurchfalldiät der Tochter.

Disclaimer: Das hier ist – im Gegensatz zum verlinkten Originalartikel – natürlich Satire.

Ich arbeite in einer Branche mit vielen kinderlosen Kollegen. Wenn ich mich darüber mit anderen Vätern unterhalte, denken die meist: „Das ist doch super, da kannst Du immer vorschützen, dass die Kinder krank sind und früh nach Hause gehen!“ Weil – so das Klischee – Kinderlose ja sowieso immer bis Ultimo im Büro rumhängen. Ja, das kann man natürlich maaal machen. Aber wenn man es übertreibt, fangen die irgendwann an böse Briefe in der Brigitte zu schreiben.

Was viele dabei außer Acht lassen: Mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten hat auch viele Nachteile. Montagmorgens zum Beispiel schleppt man sich nach einem arbeitsreichen Wochenende übermüdet und entkräftet ins Büro. Die Kinderlosen fragen einen: „Und? Wie war Dein Wochenende?“ und man antwortet: „Och ja, ganz okay …“. Dann erzählen sie davon, wie sie eine Städtetour nach Nizza gemacht, ein neues 8-Sterne-Restaurant ausprobiert oder einfach nur „mal gar nichts gemacht haben“. Dann erinnert man sich durch den Schleier der Müdigkeit, wie man selber das Wochenende verbracht hat: Man ist abends viel zu fertig und früh ins Bett gegangen, nur um morgens trotzdem noch viel zu früh geweckt zu werden. Danach füttert man die Kinder, reinigt den Essbereich mit einem Hochdruckreiniger, der Hochdruckreiniger fällt aus, man googelt nach „Hochdruckreiniger Test“, fährt in den Baumarkt und kauft sich (für das Geld, das man eigentlich in den nächsten „Urlaub“ investieren wollte) einen neuen Hochdruckreiniger. Währenddessen haben die Kinder schon wieder das Haus verwüstet, so dass man den Rest des Tages mit Besen und Müllsack verbringt, bis man schließlich in den Supermarkt startet, um neues Futter für die Meute heranzuschaffen. Abends fällt man völlig erschöpft ins Bett (nicht ohne dass die Kinder sich vorher noch lautstark getritten haben) und nimmt sich vor, am Sonntag mal nichts zu machen. Bis man sieht, dass mittlerweile das Unkraut im Garten die Vorherrschaft an sich gerissen hat und man den kompletten „freien“ Tag mit Machete und Heckenschere im Dschungel verbringt. Zwischendurch – nachdem man wieder zwei Meter freies Blickfeld hat – erkennt man dass das Gartentor schief hängt und die Dachrinne repariert werden müsste. Abends bespricht man mit seiner Frau die Pläne für die nächste Woche (Warum eigentlich? Der Plan ist doch eh immer „von morgens um 7 bis um abends um 9 durchzuackern für Haus, Hof und Kinder) und fällt erneut übermüdet ins Bett.

Aus diesen vielleicht deprimierenden, aber wenigstens bodenständigen Gedanken wird man dann durch Instagram-Fotos aus Nizza herausgerissen. „Und die machen ein Panna Cotta da in diesem kleinen Restaurant – einfach himmlisch …“ Man verkneift sich die Antwort, das man als Dessert immer das isst, was die Kinder auf den Boden werfen – und lächelt so gut man kann. Schließlich will man ja nicht der langweilige Spießer sein, der keinen Spaß mehr hat …

Auch in der Mittagspause kann es wirklich enervierend sein, mit Kinderlosen zusammenzuarbeiten. Während man als Vater die Investition von 150 Euro im Monat für „an jedem Arbeitstag Essen gehen“ nicht verantworten kann, kennen Kinderlose solche Probleme natürlich nicht und probieren auch in der Mittagspause alle neuen Bistros, Food-Trucks und Lieferservices in Büronähe aus, während man selber Getuppertes futtert. Am Schreibtisch, damit man abends schneller nach Hause kommt.

Apropos Abend – auch das ist natürlich ein Problem. Wie oft wird man gefragt „Kommst Du heute noch mit?“ und die Antwort lautet – natürlich – nein, weil man zuhause gebraucht wird. Wenn Kinderlose abends unterwegs sind, lassen sie die Sau raus – für Eltern sind das Überstunden. Sich betrinken kann man eh nicht, weil man aus der Stadt raus ins „Grüne“ pendelt (Unkraut!!!), was natürlich nur mit dem Auto geht. Während die Kollegen also tolle Fotos von irgendwelchen Events posten, wischt man zuhause den kranken Kindern hinterher und fragt sich, ob man irgendwann auch mal Spaß hatte.

Auch in den sozialen Medien machen sie einen fertig. Dauernd Fotos von irgendwelchen „geilen Konzerten“, während man sich mühevoll alle vier Wochen mal ein harmonisches Familienfoto zusammenkratzt, damit einem das eigene Leben nicht völlig außer Kontrolle vorkommt. Dauernd neue Freunde, während man seine bestehenden nicht mal treffen kann, weil die Kinder permanent krank sind. Dauernd neue Designermöbel und -klamotten, während man selber nur auf Ikea (preiswert und kratzfest) und H&M setzt (mit praktischer Teilzahlungsfunktion, wenn mal wieder alle Kinder gleichzeitig neue Sommerklamotten brauchen).

Es ist wirklich deprimierend. Ich will das alles gar nicht wissen. Manchmal frage ich mich, warum es eigentlich keine Spezialarbeitsplätze für Kinderlose gibt, wo sie sich gegenseitig mit ihren Freizeitvergnügungen und Konsumfreuden beharken können, anstatt hart arbeitenden Vätern wie mir damit die Laune zu versauen.

Fufels

Ich kann noch Einen:

Es gab in der goldenen Zeit, in der meine pubertierenden Lieblinge noch kleine Mäuschen waren, noch mehr Wörter in Familiensprache.

Eines davon verwenden wir bis heute immer mal wieder und lieben es sehr:

Fufels

So haben sich unsere Mädels selber genannt. Es gab dazu auch Verben:

sich verfufeln

was einfach sich verstecken heißt. Oder auch

verhubelt

was bezeichnete, dass etwas versteckt war. Und dann noch

verhubelfufelt

das bedeutete, es gab irgendwo einen versteckten Fufel. Er war verhubelfufelt.

Als Nummer 3 geboren wurde, benannte wir sie sofort als Baby-Fufel.

Mit der Zeit kamen den Großen die Idee, eine Band zu gründen und sich dann The Fufels zu nennen und letztlich, als sie noch etwas größer waren, dann schrieben sie ihren Namen dann sehr lässig:

FufelZ

Ich frage mich, ob ich diese Namen später mal in eine der möglichen Hochzeitsreden der Kinder einbauen werde.

„Heute beginnt für unseren Fufel Nummer 1 ein neuer Lebensabschnitt …“

Oder vielleicht lassen sie sich das als eine Art Künstler- oder Ordensnamen im Ausweis eintragen?

Ich jedenfalls liebe das Wort Fufel und es zeigt, dass sie sich als eine Gemeinschaft empfinden, die sie irgendwie bezeichnen wollten. Damit man gleich von außen erkennt, wie sehr sie zusammengehören – das finde ich ganz großartig 🙂

Wieviel sind drölfzig Euro Spielzeug denn in Kubikmeter?

Ms. Essential und ich haben gestern Abend in einer spontanen Aktion das Zimmer von Nummer 3 ausgemistet. Eigentlich hat Nummer 3 sogar zwei (kleine) Zimmer – ein Vorzimmer und ein Schlafzimmer. Beide sind aber ehrlich eher klein. Jedenfalls hatte sie im Vorzimmer für Jahre eine Ikea-Spielküche mit Unmengen an Zubehör stehen, sowie einen kleinen Tisch und zwei Stühle. Jetzt, wo sie groß ist, wollte sie gerne einen Schreibtisch haben.

Diesem Wunsch haben wir gestern entsprochen und ihr einen kleinen Schreibtisch besorgt. Der Plan hatte nur einen Haken – wir mussten zu seiner Umsetzung ihr Zimmer betreten. Und das war – wie immer – ein bißchen wie damals im Dschungel von Vietnam.

Ohne jetzt zu deutlich zu übertreiben konnte man das Bett fast nicht erreichen. Die Regale quollen über, vor dem Bett stapelte sich die schmutzige Wäsche, die Küchengeräte waren komplett über den Boden verstreut und versuchten mich zu Fall zu bringen und mir das Genick zu brechen.

„Jetzt reicht´s!“ schnaubte Ms. Essential und stapfte die Treppe hinunter. Eine Minute später war sie wieder da – mit einem Müllsack in der Hand.

(An dieser Stelle bitte hymnische Choräle hinzufügen)

Ihr müsst wissen, dass der Müllsack für uns ein ewiges Streitthema ist. Wann immer wir uns über chaotische Kinderzimmer ärgern, schlage ich vor „den ganzen Mist doch einfach wegzuwerfen“. Mrs. Essential hält dann dagegen, dass die Kinder „das doch gerade erst bekommen haben“ oder „die Oma es ihnen geschenkt hat“. Sie versteht normalerweise nicht, dass diese Argumente völlig nebensächlich sind und ich natürlich vollkommen recht habe. 

Nicht so gestern. Da kam sie die Treppe hinauf gestapft, mit einem Müllsack in der Hand. Eine Amazone des Spielzeugentsorgens. Eine Göttin des Puppengemetzels.

Ich verstand natürlich sofort, was die Stunde geschlagen hatte, und bestärkte sie in diesem Blutrausch.

„Genau, das muss alles weg, nein, das braucht sie nicht mehr, daran erinnert sie sich doch sowieso nicht. Guck mal, diese Schublade quillt auch noch über. Nein, nicht nachdenken, wegwerfen!“

Nummer 1 unterstützte uns bei der Aktion und half, bei zweifelhaften Gegenständen eine Entscheidung zu treffen. („Braucht sie dieses Bein hier noch?) Als wir die Aktion ungefähr zur Hälfte beendet hatten, hörten wir Schritte auf der Treppe. Nummer 3 war auf dem Weg in ihr Zimmer …

„Oh Gott,“ flüsterte Ms. Essential. „Wir sind doch noch nicht fertig!“

Ich packte Nummer 1 an den Schultern. „Schnell! Du musste sie aufhalten!“

Unsere Große stürmte ihr entgegen und lenkte sie ab, während Ms. Essential und ich weiter Spielzeug in Müll umdeklarierten. Ungefähr 90 Minuten später hatten wir drei 120 Liter-Müllsäcke mit … Dingen … gefüllt. Das meiste davon konnte man nicht einmal guten Gewissens als Spielzeug bezeichnen, es waren mehr so Puppenrutschen ohne Aufhängung, winzige Kaffeeuntersetzer oder kopflose Puppen und puppenlose Köpfe. Wobei ich zugeben muss, das natürlich auch voll funktionales Spielzeug dabei war.

Hinterher stellten wir uns die Frage, woher der ganze Krempel eigentlich kam. Die Antwort ist erschreckenderweise relativ einfach: Die Kinder haben einmal im Jahr Geburtstag, jedes Jahr ist wieder Weihnachten, und zwischendurch kriegen sie Taschengeld und dann und wann auch einmal so ein Geschenk. Ich weise innerfamiliär seit Jahren darauf hin, das jeder Euro, den man in Spielzeug investiert, 10 Cent an Kosten für Müllsäcke nach sich zieht (und – viel schlimmer – unbezahlbare Elternfreizeit kostet). Aber normalerweise beschimpft mich Mrs. Essential dann nur als herzlosen Spielzeughasser.

Gestern jedoch wurde uns klar, dass das alles einfach viel zu viel Krempel ist. Wir sind schon relativ restriktiv in Bezug auf Geschenke – jedes Kind kriegt nur ein Budget von 50 Euro pro Geschenkanlass, auch Opa und Tante liegen nicht wesentlich darüber. Wir haben nichtmal so unglaublich viele Verwandte die was schenken. Neu kreierten Schenkfesten wie Ostern oder dem Kindertag verweigern wir uns so weit wie möglich – Ostern liegt das Budget unter 10 Euro und den Kindertag ignorieren wir vollständig. Alles andere kommt uns sowieso nicht ins Haus, und wir lassen uns auch nicht einreden dass man zu diesen Gelegenheiten am besten einen Flatscreen schenken sollte (wobei … der fliegt dann wenigstens nicht rum).

Bei einer großen Familie gerät so etwas nämlich selbst unter strikten Vorgaben sehr schnell außer Kontrolle – 50 Euro pro Geburtstag mal Verwandtschaft plus Weihnachten mal 50 Euro mal Verwandtschaft plus Sonderanlässe mal 4 macht ungefähr drölfzig Hundert Euro pro Jahr, die wir an Spielzeug ins Haus bekommen. Und die dann aus den Schubladen quellen und mir die Füße brechen wollen.

Ich sehe ja irgendwo ein, das „Alles wegschmeissen! Soll Gott es aussortieren!“ nicht unbedingt die Lösung für alle diese Probleme ist. Aber ich bin dennoch davon überzeugt, dass in der Spielzeugindustrie nur schlechte Menschen arbeiten, die Eltern hassen.

Was sagt Ihr dazu?

Erinnert Ihr Euch an meinen Tagesmutter-Frust?

Dauernd war eines ihrer Kinder krank oder sie selber. Dann machte sie drei Wochen eine Vertretungsstelle im Kindergarten, in dem sie eigentlich arbeitet – sie ist gerade in Elternzeit bis 2016.

Ich war nicht so ganz glücklich.

Und nun kam es noch viel heftiger:

Ich bekam von ihr im Dezember eine Rechnung über rund 120 Euro und nahm an, dies sei für die Eingewöhnungsphase, da diese ja vielleicht nicht vom Jugendamt vergütet wird und zahlte.

Im Februar bekam ich noch eine Rechnung in ähnlicher Höhe.

Nun wurde ich stutzig. Von Zuzahlungen neben dem Elternbeitrag hatte niemand etwas erwähnt. Auch stand davon nichts im Vertrag, den ich mit ihr geschlossen hatte. Ich sah noch einmal nach: Da stand nur, dass sie für ein zu spätes Abholen 7 Euro pro angefangene Stunde berechnen würde. Dies war die einzige genannte Zahl. Ich fand es irgendwie seltsam, dass man keine finanzielle Konditionen in einen Vertrag schrieb und wunderte mich – mein Bauchgefühl meldete sich leise.

Sie war ja gerade in ihrem Vertretungsjob und ich konnte nicht wirklich arbeiten.

Also nahm ich mir kurz Zeit, um dem Jugendamt zu schreiben und flott nachzufragen.

Mir war es irgendwie peinlich gewesen, die Tagesmutter selbst zu fragen. Die Situation kam mir doof vor: Ich bekomm ’ne Rechnung und frag „Hey, wofür latz‘ ich das denn eigentlich?“

Ich hatte ja noch nie eine Tagesmutter und dachte, vermutlich weiß jede Mutter selbstverständlich Bescheid, nur ich nicht …

So schilderte ich das dem Jugendamt und erhielt als Antwort zusammengefasst:

„Jegliche Zuzahlungen sind seit 1. August 2014 illegal. Nun sind wir in Kenntnis gekommen, dass Frau XY unerlaubt Zuzahlungen annimmt und müssen Schritte einleiten.“

Oh Mann.

Die echt supernette Mitarbeiterin klügelte daraufhin mit mir innerhalb von 18 (!) E-Mails eine Strategie aus, mit der sie der Sache nachgehen konnte ohne dass das Verhältnis zwischen der Tagesmutter und mir gestört würde. Mein Name sollte natürlich nicht fallen – ich hatte sie ja auch nicht anschwärzen, sondern mich nur informieren wollen. Ich solle auch die letzte Rechnung nicht begleichen, sondern abwarten.

Letztlich schrieb sie ihr allgemein, dass „in unserer Stadt mehrfach noch Tageseltern unerlaubt Zuzahlung annähmen und man bitte darum, unerlaubt angenommene Zahlungen an die betreffenden Eltern zurückzugeben.“

Ich betonte mehrmals, davon auszugehen, dass die Tagesmutter sicherlich vom Verbot nichts gewusst habe und es sich um ein Versehen handeln müsste. Nummer 2 konstatierte, dies sei ganz sicher ein bewusster Betrug. Warum auch immer ich naiver als meine Elfjährige bin – ich bin es.

Als ich wieder bei der Tagesmutter war, sprach sie das Thema nicht an und ich wartete ab. Ich wusste nicht, woran ich war.

Also sagte ich nach ein paar Tagen, dass sie ja noch Geld von mir bekäme. Ich ließ die Formulierung vage, damit ich diplomatisch auf die erlaubte Forderung nach dem Essensgeld umschwenken konnte, falls sie doch irgendwie bereits Bescheid wusste.

Daraufhin bekam ich dann ihren Zorn zu spüren:

„Wieso? Ihr kriegt doch was von mir! Ihr habt euch doch da beim Jugendamt gemeldet!“

kam es vorwurfsvoll von ihr. Dann regte sie sich auf:

„Ich hab mich so geärgert! So ein Schwachsinn! Ich hatte mit der Vorgängerin von der Frau Dingsda beim Jugendamt abgesprochen, wie viel Geld ich nehmen soll. Sie hat gesagt, die anderen Tagesmütter nehmen sechs Euro. Und das hab ich auch gemacht. Ganz toll, jetzt lohnt sich meine Arbeit ja gar nicht mehr!“

Von uns nahm sie die Zuzahlungen auch nach dem Verbot über das sie schriftlich informiert worden war, was sie im August mit ihrer Unterschrift bestätigt hatte, unerlaubt an. Von den Eltern mit den zuvor geschlossenen Verträgen nahm sie es auch, aber eben nach dem alten Recht legal. Diesen Umstand erfuhr ich später vom Jugendamt, nicht von ihr. Sie gab nicht zu, wissentlich gehandelt zu haben, erwähnt diese Möglichkeit auch überhaupt nicht. Sie regte sich nur auf.

Ich war ziemlich erschlagen, weil sie nun ja doch augenscheinlich wusste, dass ich der Anlass der Nachfrage vom Jugendamt war und mich niemand dahingehend vorgewarnt hatte.

Und ich war irritiert davon, dass sich nun ihre ganze Arbeit nicht mehr lohnte, weil sie auf unsere 60 Euro verzichten müsste. Ich dachte mir, dass es ärgerlich sein muss, für die gleiche Arbeit weniger Geld zu bekommen, aber ich sah es ja nicht ein, etwas zu bezahlen, dass ich nicht bezahlen muss.

Zuhause angekommen schilderte ich das Ganze kurz und recht sachlich der Dame vom Jugendamt. Diese ärgerte sich über die uneinsichtige Tagesmutter und sagte, ich solle auf die Rückzahlung bestehen. Ich erwähnte, dass mein Vertrauensverhältnis nun auch nicht mehr das beste sei, nachdem ich argwöhnen müsste, dass sie vielleicht doch vom Zuzahlungsverbot gewusst habe.

Ich erfuhr, dass die Tagesmutter hatte sich wohl gleich denken können, dass ich mich beim Jugendamt gemeldet hatte. Da sie von den anderen ja rechtmäßig Geld verlangte und nur von mir eben nicht. Sie hatte angerufen und war zu einem Gespräch eingeladen worden. Man hatte alles besprochen und sie sagte zu, das Geld zurückzuzahlen.

Beim meinem nächsten Besuch war sie nett und freundlich. Sehr sogar.

Die Rückzahlung sprach sie nicht an.

Ich beschloss, das Thema mal von meiner Seite zu erläutern, wenn sie mir das Geld dann bald zurückgeben würde. Das wäre sicher ein guter Zeitpunkt, das leidige Thema vielleicht abzuschließen und das Verhältnis wieder zu verbessern.

Ich würde ihr dann sagen, dass ich schließlich auf 150,- Betreuungsgeld verzichte, dann noch 80,- Elternbeitrag zahlte und wenn ich auch noch 60,- im Monat an sie abdrücke, dann würde ich für eine ermöglichte Reinarbeitszeit (ohne Bringen und Abholen) von vielleicht 12 Stunden pro Woche ja auf fast 300,- verzichten, um innerhalb dieser 12 Stunden sehr viel verdienen zu müssen, damit sich das überhaupt lohnt. Ein eigentlich politisches Thema, aber es ist nun mal einfach so. Auch meine Arbeit soll sich lohnen.

Ich würde ihr auch sagen, dass im Vertrag die Zahlungen eben nicht erläutert seien und ich daher beim Jugendamt nachgefragt hatte. Ich hatte ja nicht ahnen können, dass ich damit auf etwas Verbotenes aufmerksam machte. Klar hätte ich berechtige Forderungen gezahlt, aber doch keine unberechtigten.

Dann wäre meine Sicht auch dargelegt. Denn so war ich die doofe, geizige Petze und sie die arme, schuftende und unterbezahlte Tagesmutter.

Es nicht mehr zur glättenden Aussprache:

Gestern drückte sie mir die Kündigung in die Hand.

Leider seien nun zu viele Kinder bei ihr, weil der kleine Paule-Peter nun doch im August keinen Kindergartenplatz bekommen würde und dann wären es einfach zu viele. Im Angesicht der Qualitätssicherung ginge das nicht. Nummer 4 sei das zuletzt zu ihr gekommene Kind und müsse daher gehen. Sie habe ihn so gern gewonnen, es falle ihr wirklich furchtbar schwer.

Nummer 4 kam im Dezember. Ein anderer kleiner Junge ist erst seit zwei Wochen bei ihr … dieser kam definitiv zuletzt. Log sie mich gerade dreist an oder hatte sie den Eltern dieses Kleinen vielleicht schon vor uns im letzten Jahr zugesagt und ihn erst jetzt genommen?

Es fühlte sich wie eine Lüge an und ich wollte auch gerne nachfragen, aber was sollte es bringen, jetzt auf Konfrontation zu gehen? Ich blieb ruhig.

Ich raste eigentlich nie aus – ich bin nicht impulsiv. Aber ich komme auch leider nicht immer zu meinem Recht … genau wegen der fast manischen Impulskontrolle.

Nun brauchten wir jedenfalls ab 1. Juni eine neue Tagesmutter.

Also wendete ich mich wieder an die mir inzwischen gut bekannte Dame vom Jugendamt, damit sie mir eine vermitteln konnte.

Kaum hatte ich die Mail abgeschickt, klingelte das Telefon.

Sie wolle nun mit mir persönlich sprechen, sie sei total geschockt und sauer über so eine Frechheit. Sie habe meine Mail zwei Mal lesen müssen und habe bereits beim Lesen des Betreffs („Kündigung durch Frau XY/Bitte um Vermittlung einer neuen Tagesmutter“) schlucken müssen.

Sie war viel wütender als ich.

Ich war hauptsächlich getroffen, dass jemand mein innig geliebtes Nummer 4chen rausschmeißt. Das Nummer 4chen, das sich immer so darauf freut, mit den anderen Kleinen dort zu spielen. Das immer selbst den Klingelknopf drücken will und sich in dem Grüppchen wohl fühlte. Das tat mir einfach weh.

Doch die Mitarbeiterin des Jugendamtes war richtig sauer. Sie sagte, das sei schlichtweg gemein und charakterlich so schwach, dass sie findet, Kinder sind bei so einer Person nicht gut aufgehoben.

Erst illegal Geld verlangen, sich dann nicht mal entschuldigen, sondern uneinsichtig herumpampen und am Ende kündigen? Es sei offensichtlich, dass das eine Retourkutsche sei. Völlig offensichtlich, da Nummer 4 definitv nicht das letzte zu ihr gekommene Kind sei.

Neben ihr saß derweil ihre Kollegin, die bereits neue Tagesmütter heraussuchte.

„Lassen sie uns schnell mal gucken, dass wir jemanden finden, der sofort kann. Dann ziehen wir ab sofort die Zahlungen an Frau XY zurück. Das würde mich persönlich freuen. Unmöglich so ein Verhalten! Die Kinder in diesem Alter durchleben schließlich eine Charakterbildung und dazu brauchen sie Vorbilder, die über genau das verfügen – da scheint Frau XY wenig geeignet,“ kam es so ungefähr von ihr.

Ich sagte: „Ja, die Mischung aus Selbstlügen und Lügen muss ich auch erst einmal verdauen. Aber gut. Rein fachlich kann ich nichts Negatives über Frau XY sagen.“

„Wenn man sich so verhält, dann nützt reines Pädagogikwissen auch nichts. Überlegen sie mal, dass ihr Sohn Zeit mit so jemanden verbringt. Da können sie fast froh sein, dass sie nun wissen, was für ein Mensch sie ist. Wir finden jemanden für sie, keine Sorge.“

Ich erhielt die Nummer einer Tagesmutter, die ab sofort einen Platz hat und die ich morgen anrufen werde.

Die Mitarbeiterin sagte dann noch so ungefähr:

„Wir beide haben so etwas hier noch nie erlebt. Das tut uns wirklich leid. Wir wünschten, wir könnten das sanktionieren. Aber da haben wir keine vorgesehene Handhabe. Allerdings vermitteln wir die Kinder zu Frau XY. Und das können wir auch einfach lassen. Niemand zwingt uns, deren Nummer zu nennen, wenn Mütter hier anfragen. Wer Böses tut, darf auch mal Schmerzen leiden. Und bisher hat sie niemals erwähnt, nur drei Tageskinder haben zu wollen. Wir rechnen damit, dass sie statt ihres Sohnes in Zukunft ein anderes Kind übernehmen will und da machen wir dann nicht mit. Zuerst hat sie gesagt, es lohne sich nicht, wenn sie 60 Euro weniger bekommen würde. Wenn nun noch die 330 Euro des Jugendamtes wegbleiben, dann hat sich das Ganze für sie sicher ganz toll gelohnt.“

Ich muss jetzt mal sortieren, wie ich das Ganz finde. 

Ich brauche ja immer ein bisschen, um meine Gefühle alle wahrzunehmen, denn das übe ich noch nicht sooo lange.

Aber nun horche ich mal in mich hinein, wo es so verdächtig still blieb, während die liebe Frau vom Jugendamt so wütend war.

Da ist sicherlich eben doch etwas los in mir.

Okay, ich schau mal hin:

Sauer bin ich und auch verletzt, weil es mir wehtut, dass mein Holzwürmchen aus der süßen Gruppe fliegt. Ich bin angewidert von einem Charakter, der so viel lügt – vor mir und sich selbst. Es ist genau das, was mir an Menschen übel aufstoßen kann: Unreflektiertes und Unehrliches. Wenn man Fehler macht, kann man diese einsehen und sich entschuldigen oder es wieder gutmachen. So wächst man seelisch und reift, man lernt dazu, oder?

Unerlaubt Kohle zu verlangen, in der Hoffnung, nicht aufzufliegen, ist gierig und kurzsichtig. Letzteres kann geistiges Unvermögen sein, damit kann ich leben. Aber die Gier dahinter finde ich abstoßend. Dauernd ausfallen, niemals Alternativtermine dafür an anderen Tagen anbieten, aber voll abrechen – illegal abrechnen  – das ist wirklich eine Hausnummer.

Anschließend alle Schuld ausschließlich bei Anderen suchen und die dann als Sündenbock unter geradezu beleidigend fadenscheinigen Lügen rauswerfen – das ist echt … bäh.

Ich weiß schon, warum ich die Wahrheit so gerne mag. Auch die unangenehme, die man vor sich selbst eingestehen muss – das formt den Charakter, was nicht unbedingt zum Schlechten ist. Grrr …

Als arbeitende Frau mit der lieblichen Steuerklasse 5 wird man einfach nicht reich, das kenne ich. Habe auch schon meinen Halbtagsmonatslohn komplett in den Tank für die Fahrten zum Büro und in der Sommerferienbetreuung der Kinder versenkt. Kenne ich. Fühlt sich doof an. Man muss sich sagen, dass das gemeinsame Einkommen von Mann und Frau dann etwas höher ist, aber das der Frau halbiert sich eben.

Man fühlt sich n bisschen wie in der Beschäftigungstherapie, aber gut. Ma darf nicht alles negativ sehen. Ich hatte nette Kollegen, interessante Aufgaben, kam beruflich vorwärts, war chic angezogen und durfte alleine zur Toilette – das allein hat mir die Zeit im Büro total versüßt, echt.

Wenn die Tagesmutter vom Jugendamt für die drei zu betreuenden Kinder 990,- bekommt (und anscheinend noch Zuzahlungen der anderen Eltern mit den Verträgen von vor dem 1.8.2014), dann wird die Hälfte davon in Steuern und Versicherungen verschwinden. Das mag sich blöd anfühlen. Aber das berechtigt doch nicht zu unerlaubten Zahlungsaufforderungen. Wenn einem das als Aufwandsentschädigung/Verdienst zu wenig ist, dann kann man vielleicht einfach nur seine Elternzeit genießen und nicht drei zusätzliche Kinder betreuen. Wem das Freude bereitet, der macht es eben. Reich wird man durch Tagespflege ganz sicher nicht, aber ich weiß, dass es dennoch vielen Frauen und Männern Spaß macht.

Na, was sagt Ihr zu diesem wunderbaren Erlebnis in meine Welt der tagesmütterlichen Kinderbetreuung?

Entspannung mit Hindernissen

Vor einer ziemlichen Weile hatte Mr. Essential mal etwas über seine Sonntags-Neurose geschrieben. Er sehnt sich nach Freizeit und wenn sich diese mal ergibt, dann weiß er sie gar nicht mehr zu nutzen. Deprimierend.

Ich habe mir seine persönlichen Ausführungen zum Anlass genommen, mein Verhältnis zum Sonntag zu ändern. Zuvor nahm ich ihn als Ende des Wochenendes in Kauf. Gemocht habe ich ihn nie. Schon als Kind waren die Optionen in kalten Monaten Lindenstraße-gucken-und-Waffeln-dabei-essen und in warmen Monaten Dusseliges-Spazierengehen-mit-ner-Eiswaffel-in-der-Hand total öde.

Ich habe aber an den letzten Sonntagen immerhin solche Sachen gemacht, wie etwas Kleines zu nähen, etwas zu basteln. Fotos einzukleben oder Ähnliches. Wenigstens eine Stunde geriet dadurch zum Highlight und machte den Tag erträglich. Ich ging sogar weiter und nutzte die Schlafenszeiten Nummer 4s zusammen mit Mr. Essential zum echten Entspannen. Reden, Tee trinken, lachen. Das habe ich gut kultiviert und war zufrieden.

Heute erwischte mich der Karfreitag. Der heißt nicht Sonntag und war daher nicht in mein neues Programm integriert. Ich habe leider absolut keine Oster-Stimmung. Morgen Abend um Sieben gehe ich mit Nummer 1 in die Kirche zur Osternacht. Dann werde ich definitiv innerlich geklärt und bereichert nach Hause gehen. Aber heute gammelte ich herum. Nummer 4 machte ein Schläfchen, Nummer 1 bis 3 spielten „Die Legenden von Andor“ (Brettspiel/Rollenspiel) mit Mr. Essential.

Mein Nähzimmer steht voll mit Handwerksmaschinen, der Badezimmertür und so weiter. Nähen und ähnlich Kreatives fielen flach. Wie in den Monaten zuvor, denn da stand die Eckbadewanne (Monstrum), das Klo und der Doppelwaschtisch da drin. Kurz war Ordnung – nun ist es wieder furchtbar.

Was tun?

Ich habe das Bad geputzt, den verstopften Waschbeckenabfluss mittels eines simplen und effektiven sowie ökologisch unbedenklichen Gerätes befreit. Und dann habe ich gebügelt – dazu hörte ich ein Hörbuch. Anschließend hatte Mr. essential gekocht und wir haben gegessen. Nun hatten wir den verwegenen Plan, während Nummer 4s Mittagsschlaf und dem Spielen der Größeren im Garten, eine Serie weiterzugucken, die uns gestern Abend so sehr gefesselt hat, dass wir sie bis 1 Uhr nachts geguckt haben. Wir sind nicht nach einer Folge eingepennt und nachts aufgewacht. Wir haben richtig geguckt!

Nun wollten wir das Vergnügen fortsetzen. Richtig schön entspannen!

Also schnell Küche aufgeräumt und hingesetzt. Kaum lief das US-amerikanische Remake einer dänischen Krimiserie, kamen die Kinder rein:

„Hilfe! Hilfe! Unser Spielturm fällt fast um, wenn man schaukelt! Das kippt immer nach vorne! Hilfe!“

Stöhnend löste sich Mr. Essential aus der beginnenden Entspannung und sah nach. Eine Schraube war gebrochen. Das ging ja noch, ließ sich behelfsmäßig beheben und wird morgen komplett repariert. Heute darf man schließlich nicht den Schlagbohrer rausholen – ist ja Feiertag.

So. Nun gucken wir aber weiter. Wetten, Nummer 4 wacht jetzt sofort unerwartet früh auf? 😀

Wir haben es getan!

Wir haben es getan!

Yeah, wir haben gestern und heute Eier gefärbt.

Ohne Ostereierkleid und Dauergrinsen. Dafür aber in der Tat mit etwas Spaß. Zumindest, nachdem wir Nummer 4 beschäftigt hatten und er sich nicht mehr nölend an unsere Beine klemmte (im Hintergrund rechts Teile der Dauerbaustelle hier …).

IMG_3291

Nummer 3 als Fachfrau für Farben und Schmierereien schritt zu Werke:

IMG_3282

Hier benutzt Nummer 2 die Eierstempel – solche hatten wir nie zuvor ausprobiert und waren neugierig …

IMG_3283

… sah ganz einfach aus …

IMG_3284

… war es aber nicht:

IMG_3287

Und das Ergebnis? Na ja, mal ehrlich:

IMG_3285 (1)

Dann machten wir Brillant-Eier. Klingt nobel. War ein bisschen Sauerei, aber nur ein bisschen. Dafür machte das Geschmiere allen Spaß. Mir auch.

IMG_3295

IMG_3299

Und heute dachten wir, 30 Eier seien vielleicht zu wenig. Wir haben noch 20 weiße gekauft und dann sehr hübsche Farben verwendet. So sehen unseren gesammelten Werke nun aus und warten auf ihren Einsatz am Sonntag:

IMG_3302

Dann werden sie getätscht – eine alte Tradition der Familie Mr. Essentials.

Nach dem Tätschen (dem Aneinanderhauen durch zwei Personen mit je einem Ei in der Hand) sehen sie dann so aus wie Nummer 2s verunglücktes Stempel-Ei …

Muli-Mamas innerer Taschenkampf

Als Nummer 1 vor sechs eingeschult wurde, sagte mir die Klassenlehrerin:

„Eine meiner Prioritäten ist die Selbstständigkeit der Kinder. Bitte erinnern sie ihre Tochter nur anfangs an den Turnbeutel. Wenn sie ihn dauernd vergisst, dann sitzt sie auch dauernd auf der Bank und das wird sie sich merken. Sie müssen also nicht von zu Hause aus darauf achten – das ist eine meiner Aufgaben als Lehrerin und gehört zu den Kompetenzen, die Schüler entwickeln sollten.

Und bitte, bitte tragen sie ihr nicht die Schultasche. Diese ist Bestandteil der Schule und gehört schon quasi symbolisch auf den Rücken der Schülerinnen und Schüler. Hat ihre Mutter die Tasche für sie getragen? Nein? Meine auch nicht – und das war gut so. Sie hat mich selten daran erinnert, dass ich Hausaufgaben machen oder für eine Klassenarbeit lernen muss. Das waren meine Aufgaben und ich habe sie allein gemacht. Wenn ich Hilfe brauchte, dann war meine Mutter stets zur Stelle. Meist war ich aber einfach stolz, es selbst zu schaffen. Und dieses schöne, selbstbewusste Gefühl der Selbstständigkeit nehmen wir unseren Kindern, wenn wir sie so lange wie möglich wie Kleinkinder behandeln.“

Letzteres macht man eh nur für sein eigenes Gefühl und nicht wirklich für das Kind. Darin wurden wir uns während des Gesprächs schnell einig.

Freitag musste ich an diese Lehrerin denken.

Ich fuhr im Auto an einer Mutter vorbei, die ihren vielleicht siebenjährigen Sohn von der Schule abgeholt hatte. Da lief sie nun – in der linken Hand eine Einkaufstüte, in der Rechten ein Sechserpack Getränkeflaschen und auf dem Rücken was? Na, die Schultasche des Jungen. Der hopste vergnügt und verträumt durch die Fußgängerzone und wurde von ihr immer wieder zu sich gerufen – die beiden hatten es wohl eilig.

Typische Szene der von mir persönlich gehassten Kategorie „die Muli-Mama“. Ich hasse das ja schon, wenn ich Einkäufe ‚reinschleppe und dabei über die Katzen stolpere, während die diversen Kinder auf mich einreden. Oder wenn ich auf der rechten Schulter Nummer 4s Rucksack, links meine Handtasche und auf dem Arm Nummer 4 bugsiere, um zum Auto zu kommen, damit ich ihn zur Tagesmutter fahren kann.

Aber die Idee, ich buckle auch noch die Schultasche, die kam mir zum Glück nicht wirklich. Beziehungsweise ich habe sie ganz schnell verdrängt, entgegen eines gewissen moralischen Herdentriebs. War anstrengend, vermutlich wäre das Schleppen einfacher gewesen als meine doofe Prinzipienreiterei …

ich kenne ja einiges: Baby in der Seitentrage und vier Mal täglich die 90 Altbaustufen rauf und runter – damals mit Nummer 3. So habe ich die beiden Größeren zum Kindergarten gebracht und abgeholt. Auf dem Rückweg brachte ich dann öfter mal noch einen kleinen Einkauf mit. Da hätte ich mir ja die Kindergartentaschen noch an die Ohren hängen können, oder? So als wandelnder Christbaum – wäre sicher ein richtiger Ego-Boost gewesen …

Neulich sah ich diese Fotostrecke. Nachgestellte körperliche Leistungen von Müttern im Alltag. In einer Turnhalle waren so wie im Sportunterricht aus Kästen Treppen nachgebaut und eine Frau zerrte beispielsweise einen mit einem Medizinball beladenen Kinderwagen da hoch, während sie im Arm einen weiteren Ball trug.

Zu den Foto gab es Tipps einer Expertin dazu, wie man sich in diesen Situationen körperlich zumindest ein bisschen entlasten könne. So etwas wie: „Nach dem Hochzerren des Kinderwagens erst mal das Kleinkind vom Arm und ein paar Dehnübungen für den Rücken machen“. Ich sehe mich seitdem immer wieder um, aber turnende Mamas, die Rücken und Nerven retten wollen, habe ich noch nicht entdeckt. Falls so ein Kleinkind der sich gerade etwas entlastenden Mutter mir mal entgegenrennt, weil sie es ja turnend nicht gut betreuen kann, dann fange ich es und bringe es ihr. Versprochen.

Ich sehe so etwas oft und habe es, wie viele meiner Berufskolleginnen auch selber oft erlebt. Mir geht das aber echt auf den Geist, diese Geschleppe. Ich fühle mich echt wie ein Muli und so nenne ich das auch. Es ist nicht einer der Bestandteile meiner Lebensaufgabe hier, den ich wirklich mag.

Schlimm genug, dass man nicht drumherum kommt, manchmal das kleine Lastentier zu spielen, aber nicht auch noch mit Schul- und Kindergartentaschen.

Man darf seinen Kindern durchaus etwas Angemessenes zumuten. Ein Bild ausgebeuteter Kinderarbeiter im pakistanischen Steinbruch sollte man gleich aus dem Kopf verbannen – denn das ist nicht, was unser Nachwuchs durchmachen muss, wenn er seine Plünnen selber trägt. Sondern er bekommt ein Recht zugestanden: Das Recht auf Selbstständigkeit.

Ganz gleich, was ich alles über verschiedene Grundschullehrerinnen schrieb oder noch schreiben könnte: Dieses erste mir begegnende Exemplar fand ich formidabel. Liebevoll und zugleich vernunftbetont. Aufmerksam und pädagogisch angenehm versiert. Ohne Getüdel und Heckmeck. Perfekt.

Har-har, Du Landratte!

Har-har, Du Landratte!

Mr. Essential und ich gehören zur Minderheit der Deutschen, die das Bargeld scheuen.

Er hatte so etwas hier mal erwähnt: Kaum ist Bargeld im Haus kommt am gleichen Tag ein Schrieb aus der Schule, in dem genau dieser Betrag verlangt wird. Wir gehen von einer Verbindung zwischen Geldautomaten und Bildungsanstalt aus.

Der Rest verschwindet dann stets in später nicht mehr nachvollziehbaren Kanälen.

Heute Morgen ergab sich Folgendes:

Er: „Sag mal, hast du zwei Euro für mich?“

Ich: „Ich glaub‘ nicht. Die Kinder haben mich gestern abgezogen und sind mit dem Geld zum Penny geradelt …

Er seufzt.

Ich: „Ich guck‘ mal, was noch in meiner Tasse ist.“ (Darin bewahre ich etwas Kleingeld auf)

Kurz darauf schaut er in meine ausgestreckte Hand. Wir sehen uns an.

Er: „60 Cent und eine Perle? Was bist Du? Eine verarmte Piratin?“

Ich: „Das ist eine Bastelperle, die ich nicht verlieren wollte! Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass wir die höchste Einstufung beim Elternbetrag für die Tagesmutter haben und uns immer noch gegenseitig für zwei Euro anschnorren müssen …“

Bevor sich jemand für uns freut, dass wir dem Hedonismus frönen könn(t)en: Wir sind echt weit von der Ataraxie entfernt.

Hätten wir kein Haus, keine zwei Autos und die paar Kinderchen, dann … ja dann! Dann würden wir leben wie … keine Ahnung – wie jemand, der theoretisch den höchsten Elternbeitrag zahlen muss, aber praktisch eher ferne Urlaubsziele ansteuert.

Aber: Wir verzichten aus Liebe – das macht uns weniger zu Piraten als zu … keine Ahnung – etwas Netterem 😀

Segen ist der Mühe Preis oder: Das Grauen in 30 Strophen

Freut sich sicherlich, noch als Strafmaß Verwendung zu finden: Friedrich Schiller

Freut sich sicherlich, noch als Strafmaß Verwendung zu finden: Friedrich Schiller

Nummer 1 und Nummer 2 schreiben morgen eine Deutscharbeit. Beim Gute-Nacht-Sagen baten sie darum, wir mögen ihnen unsere Daumen drücken.

Ich: „Daumen drücken, aha. Okay. Ich habe durchaus bemerkt, dass ihr die Arbeit zwar in den Kalender eingetragen, aber nicht dafür geübt habt. Ihr wisst ja, was ich dazu sage?“

Nummer 2 (leicht leiernd): „Wenn wir eine Arbeit schreiben und nicht meinen, dafür üben zu müssen, dann darf sie nicht schlechter als eine Zwei werden.“

Ich: „Genau. Und damit das gut funktioniert habe ich mir etwas Formidables ausgedacht: Für den Fall einer Note Drei und schlechter zeige ich euch nun ein Gedicht, das ihr dann entweder abschreiben oder auswendig lernen müsst.“

Gebannte Blicke auf den Bildschirm. Ängstliche Vorahnungen lassen die beiden sich aneinander klammern.

Nummer 1: „Was ist denn das für ein Mist? Du scrollst und scrollst und das Gedicht ist nie vorbei…!“

Ich: „Ja-haa, meine Liebe. Das hier ist Schillers Glocke!“

Nummer 2: „Ein Albtraum ist das! Da schreib‘ ich lieber den Herrn der Ringe ab. Wie konnte dieser Schiller-Heini seine Lebenszeit bloß mit so einem Mist verschwenden?“

Mister Essential (ehrfurchtgebietend): „Das ist ein Monument deutscher Dichtkunst.“

Nummer 2: „Aber Mama hasst Schiller!“

Ich: „Eben darum wirst du ihn auswendig lernen. Das soll ja eine Strafe sein. Eine schmerzhafte Strafe. Eine demütigende Strafe. Die Göttin der Strafen!“

Nummer 2: „Aber das ist total ungerecht! Und außerdem total unpädagogisch! Man straft nicht für schlechte Noten. Ihr habt immer gesagt, dass das unpädagogisch ist!“

Mister Essential: „Das war früher. Wir glauben nicht mehr an Pädagogik. Wir glauben nur noch an Furcht!“

Wochenend-Lemming

Manchmal gibt es ja Diskrepanzen zwischen der Vorstellung einer Sache und der Realität.

Das Thema Wochenende ist so eine Sache:

Donnerstagmorgen

Ich nenne diesen Tag gern „den kleinen Freitag“. Ich tue das, obwohl ich längst klüger sein müsste. Obwohl mir längst bewusst sein müsste, dass es zwischen meiner Sehnsucht nach Ausgleich, Ruhe, Entspannung, Entertainment und dem, was zwischen Freitag – und Sonntagabend wirklich stattfindet, eine Schlucht gibt.

Ich ignoriere meine Erfahrungen und freue mich auf das Wochenende. Yeah, schon Donnerstag! Ich mache Pläne: Am Freitagabend schaue ich gemütlich einen Film mit Mr. Essential. Dazu ein Gläschen Wein, ein paar Knabbernüsse … das wird toll. Und entspannend – das hab ich echt nötig. Toll, ich freu mich.

Träumt von einem schönen Wochenende: Ms Essential

Träumt von einem schönen Wochenende: Ms Essential

Freitag:

Ach, schon der Morgen verwöhnt und entspannt mich. Betont summend starte ich in den Tag, nachdem ich mich endlich erschöpft aus dem Bett gequält habe. Ich halte mir die schönen Aussichten vor die Augen: Am Samstag haben wir ja dieses Mal nur einen einzigen Termin – Mr. Essential bringt zwei der vier Kinder in eine Eissporthalle, weil sie da mit ihrem Reitverein das Amüsement suchen. Aber was soll’s – das ist sicher schnell erledigt.

Und danach entspannen wir während Nummer 4s Mittagsschläfchen. Abends noch kurz einen kleinen Einkauf. Dann, noch später am Abend, haben wir dann Zeit füreinander. Großartig – darauf freue ich mich auch schon. Aber nun erst einmal durch den Alltag schwimmen und rudern. Ich werde heute vor dem Film noch genüsslich duschen und dann in meinen weichen Bademantel gekuschelt auf dem Sofa entspannen. Neben mir Mr. Essential. Ein Fest!

IMG_3202

Ein bisschen Entspannung in Aussicht – das ist Gold wert …

Freitagabend:

Wir sitzen nicht ganz nebeneinander auf dem Sofa. Die Kinder haben uns abgerungen, noch ein bisschen etwas von ihrer Lieblingsserie mit uns gucken zu dürfen. Vom langen Herumliegen bin ich müde. Okay, ich bin eigentlich vom Alltag müde und das Liegen war einfach kontraproduktiv. Gerade gehen die drei nach oben und wir bringen Nummer 4 ins Bettchen. Plumps, wir sitzen wieder.

Er: „Welchen Film wollen wir uns ansehen?“

Ich: „Keine Ahnung. Guck mal auf unsere Watchlist.“

Er sucht etwas aus und fragt dann: „Soll ich den Wein aufmachen?“

Ich nickte und erinnere mich an meine Freude auf diesen Wochenendabend. Ich nippe daher lächelnd zwei Schlücke und spüre, wie meine Augen jucken. Wir sehen uns an.

„Sag mal, hocken wir gerade im Freitagsloch?“

Ich öffne meine Augen. Es ist 3:17 Uhr. Neben mir liegt Mr. Essential wie ein übermüdeter Gast der Deutschen Bundesbahn. Ich liege verdreht auf dem Sofa und habe Rückenschmerzen. Der Beamer teilt uns mit, dass wir ihn gefälligst herunterfahren sollen. Das tut er mittels moralischen Drucks („… time to do your part in saving the planet!“). Wir schütteln uns und reiben die Augen, um dann der Forderung unserer Unterhaltungselektronik zu gehorchen.

Sehr entspannt um 3:17 Uhr

Sehr entspannt um 3:17 Uhr

Als hätte man in einem Fass geschlafen …

Wir putzen unsere Zähne und schlurfen ins Schlafzimmer. Geduscht habe ich heute Abend nicht und mich auch nicht in den kuscheligen Bademantel gehüllt. Stattdessen haben die Jeansnähte vom Liegen tiefe Abdrücke in meiner Hüfte hinterlassen.

Wir schlafen ein.

Samstagmorgen

Ich wache auf und bemerkte, dass ich mich sofort gestresst fühle. Aber wieso denn? Es ist doch Wochenende!

Haben mir nicht die Frau an der Penny-Kasse, die Nachbarin und der Paketmann ein schönes Wochenende gewünscht? Wochenenden sind schön, verdammt! Also ziehe ich die Decke noch mal hoch. Genau da meldet sich Nummer 4 im Babyphone. Ich grunze.

„Lass uns für nächstes oder übernächstes Wochenende mal den Babysitter engagieren, ja?“

Von Mister Essential kommt ein zustimmender Laut. Er kann besser aus dem Bett springen als ich und tut es. Ich bleibe unter einem Hagel Gewissensbisse noch liegen und lese einen Artikel meines abonnierten E-Papers auf dem Tablet.

Als ich aufstehe hat mein formidabler Mann Frühstück gemacht. Das macht er immer und ich weiß es immer zu schätzen. Er macht das, weil er unter der Woche zu exakt null Prozent am Haushalt teilnehmen kann. Wir rufen die Kinder. Die kommen nicht. Nummer 4 wirft polternd seinen Becher aus dem Hochstuhl. das macht er gerne. Ich grunze.

Kaffee trinke ich keinen mehr, weil ich seit der Schilddrüsengeschichte aus gesundheitlichen Gründen (unter Anderem) darauf verzichte. Und ich vermisse das Zeug gerade ganz enorm. Eine so gesunde Umstellung des Lebensstils war sicher ein wichtiger Part der schnellen Genesung. Aber sie passt kaum in mein Leben. Ich brauche Kaffee mit’m Keks einfach. Und nun ist es ersatzlos gestrichen. Ich stehle mir einen Schluck für den Geschmack aus der Tasse des Mannes.

Kaffeepiratin“, sagte er liebevoll lächelnd. Und ich argwöhne, ob dies der beste Moment des Tages bleiben wird.

"Kaffeepiratin!"

„Kaffeepiratin!“

Wenig später hat er sich bei Google Maps angesehen, wohin der elterliche Spaßexpress denn zu fahren hat:

„Das sind ja 50 Kilometer!“ kommt es entgeistert von ihm, „gibt es nicht in der Nachbarstadt auch ’ne Eishallle? Wieso gehen die nicht dahin?“

Ich grunze.

Bald ist er unterwegs. Und er wird insgesamt zweieinhalb Stunden brauchen. Als er wiederkommt ist es Mittag. Ich habe den Vormittagsschlaf Nummer 4s genutzt, um zu bügeln und aufzuräumen.

Ich hab Hunger und will mir schnell etwas machen, als sich Nummer 4 im Babyphone meldet. Ich könnte Nummer 2 aus ihrem Zimmer herunterrufen, damit sie sich kurz um ihn kümmert. Aber sie spielt gerade so schön alleine irgendwas. Ich muss jetzt auch nicht sofort was essen. Mister Essential kocht am Wochenende immer, also warte ich wie verabredet auf ihn. Er schiebt das Brathähnchen in die Röhre und kocht Gemüse.

Samstagnachmittag

Wir haben beschlossen, schnell einkaufen zu fahren. Nummer 2 und Nummer 4 kommen mit. Nummer 2 sieht tausend Dinge, die sie toll findet, wir können uns kaum konzentrieren, werfen alles in den Wagen. Nummer 4 will unbedingt eine Schachtel Waschpulver und bekommt einen Anfall, weil er sie nicht haben darf.

Endlich Wochenende. Einkaufen mit Kindern: "Guckmalguckmalguckmal, Dad!"

Endlich Wochenende. Einkaufen mit Kindern:
„Guckmalguckmalguckmal, Dad!“

Wir fahren nach Hause. Mr. Essential macht sich einen Kaffee. Ehe ich neidisch werden kann fragt er: „Wo ist denn die Milch?“

Wir haben keine gekauft. Die haben wir vergessen. Dann muss eben (mal wieder) nachher einer von uns los. Verfluchte Einkaufsdemenz.

Samstagabend

Ich habe Milch geholt und einen Kaffee für Mister Essential gemacht. Wir setzen uns hin.

„Ach, in zwei Stunden, wenn alle im Bett sind, dann kommt der schöne Teil des Tages,“ erinnert Mr. Essential und ich lächle.

„Ja, das wird schön. Ich verteile schon mal die Teelichter in die Gläser.“

Raunen sich vorfreudig Gesäusel ins Ohr: Mister und Misses Essential

Raunen sich vorfreudig Gesäusel ins Ohr: Mr. und Ms. Essential

Wir atmen durch, es klingelt an der Tür. Nummer 1 und Nummer 3 kommen zurück. Sie installieren sich im Wohnzimmer und erzählen in atemloser Art von ihren Erlebnissen. Wir hören irgendwie zu und freuen uns mit ihnen, soweit unsere Energie reicht.

Später sind die Kinder nach oben gegangen. Nummer 4 schläft in der ersten Etage. Nummer 3 übernachtet am Wochenende bei Nummer 1 im zweiten Stock und Nummer 2 hängt noch ein bisschen mit den beiden herum. Sie spielen und hören dazu ein Hörspiel. Ruhe kehrt ein. Mr. und Ms. Essential sehen sich an.

Die Blicke gleiten zur Weinflasche, die Mundwinkel heben sich.

Ein Rumms von weiter oben. Das Babyphone leuchtet augenblicklich auf. Wir springen auf und sehen nach. Nummer 4 ist wach und weint. Die Mädels kommen von oben herunter und gucken beschämt.

„Äh, ja also … Nummer 3 hat sich an Nummer 1s Bein gehangen und dann sind die umgefallen und …“ erklärt Nummer 2.

Mr. Essential: „Na klasse. Okay Mädels. Wie heißt unsere Regel?“

Im Chor: „Wer das Baby weckt, der muss es beruhigen.“

"Ups, wir haben ihn aufgeweckt ..."

„Ups, wir haben ihn aufgeweckt …“

Auch wenn Nummer 4 kein Baby mehr ist, gilt die Regel. Wir gehen nach unten, sie spielen oben mit dem nun hellwachen Nummer 4chen. Eine Stunde hält er durch, dann geht er wieder ins Bett. Es ist jetzt 22 Uhr.

Wir haben mit beinahe infantilem Trotz die Flasche geköpft und klammern uns an die Gläserstiele. Immerhin haben wir uns nett unterhalten, während es über uns in der Etage beim Spielen polterte. Und während wir immer mal wieder auf die Uhr sahen. Ewig werden wir nicht wach sein… tick-tack …

Es ist also kurz nach Zehn, wir sehen uns an.

„Na, immer noch in Stimmung für einen romantischen Abend?“

„Äh ja, klar, na sicher. Allzu viele Gelegenheiten hat man ja nicht und morgen ist schon wieder Sonntag…“

Klingt irgendwie hölzern, wie ich das so sage.

„Okay, wir schauen noch eine Folge Better Call Saul und dann sind wir entspannt genug für alles weitere.“

„Ja, auf jeden Fall! Eine gute Idee. Erst mal wieder entspannen.“

Es ist 3:47 als ich meine Augen öffne. Mein Rücken tut weh. Der Beamer übt moralischen Druck auf mich aus …

Sehr entspannt um 3:47 Uh

Sehr entspannt um 3:47 Uhr

Sonntagmorgen

Ich wache auf und spüre mein Herz gestresst bis in den Hals pochen.

Schnell aus dem Bett, ehe ich mich da hinein steigere. Ich entschließe mich, unter die Dusche zu hüpfen. Das tut gut und weckt mich auf. Nach dem Umzug ins Schlafzimmer waren wir noch über eine Stunde hellwach und haben geredet. Das war sogar schön. Aber jetzt bin ich müde und morgen ist Montag – da muss ich wieder fit sein.

Dann versuche ich eben, mich auf einen ruhigen Sonntag zu freuen. Früher hab ich Sonntage nicht leiden können. Aber inzwischen suche ich mir immer eine nette Sache aus, die ich machen möchte. Heute werde ich den Berg aus fast 500 Fotos minimieren, die ich in die diversen Fotoalben einklebe. Scrapbooking – mach ich gern.

Von der Dusche geht es an den Esstisch zum Frühstück. Ich bin wieder eine Kaffeepiratin.

Die Kinder trudeln sogar gleichzeitig ein. Draußen regnet es.

„Was machen wir denn heute?“ fragen die Kinder.

Sie sehen motiviert aber müde aus, diese Kinder.

Wir sehen uns ratlos an, die Kinder schlagen vor, zuerst ein klitzekleines Bisschen zusammen Wii zu spielen.

Die müden Eltern stimmen zu und spielen derweil mit Nummer 4.

"Was machen wir heute? Was Tolles? Was Schönes?"

„Was machen wir heute? Was Tolles? Was Schönes?“

Sonntagmittag

Das Essen hat geschmeckt, bloß abräumen will niemand. Die Kinder sind nölig – sie haben die berühmten 20 Minuten zu lange mit Elektronik gespielt und die Laune ist Bräsigkeit gewichen. Nummer 1 keift Nummer 3 an, diese wird zum Hulk. Nummer 2 will schlichten und bekommt einen Ellenbogen an den Kopf. Hysterisches Schreien. Vorwürfe. Krach. Nummer 4 stimmt mit ein.

Also Kinder wieder auf den Teppich bringen und Spielvorschläge machen. Sie verziehen sich brummig in ihre Zimmer und wir bringen Nummer 4 ins Bett.

Dann setzen wir uns hin und schnappen unsere Tablets um abzuschalten. Ich mag kein Phubbing und Mr. Essential auch nicht, aber die elektronische Coexistenz fühlt sich gerade gut an. Irgendwann stehe ich auf gehe nach oben, um in meinem Gäste- und Arbeitszimmer die Fotoberge zu dezimieren. Dabei mache ich mir ein Hörbuch an und überlege kurz, ob es nicht netter wäre, die Zeit mit Mr. Essential zu verbringen. Dieser Gedanke nagt an mir während ich klebe und sortiere.

Sonntagnachmittag

Würde es nicht regnen, wären wir in den Park gefahren. Aber es pladdert und wir hocken drinnen. Die Kinder wollen ein Gesellschaftsspiel und holen es auf den Esstisch. Ich zähle im Geiste mit und passend zur „21“ gibt es Streit. Nummer 3 hat angeblich die Regeln nicht beachtet und kontert mit: „Weil Regeln auch kacke sind und für Trottel! Ich hasse die einfach!“ Die Stimme kippt und es wird geweint. Ich tröste, erkläre und vermittle.

Sonntagabend

„Komisch, ich fühle mich null erholt. Es war nur schön, Zeit mit dir zu verbringen,“ sage ich zu Mr. Essential und er lächelt leicht angestrengt.

„Ja, ne? Früher war mehr Lametta.“

„Ja, früher hatten wir massenhaft selbstbestimmte Freizeit.“

„Da haben wir viel zu oft zuhause gehangen.“

„Jepp.“

„Das bereue ich.“

„Ich auch. Aber nun isset zu spät. Jetzt müssen wir sehen, was wir aus dem Rest von Freizeit und Motivation machen.“

Die Kinder sind im Bett. Wir schauen uns den Film an, den wir am Freitag verpennt haben. Immerhin sind wir also doch etwas wacher und erholter, als wir es wahrnehmen.

Mit einem schwer zu beschreibenden Gefühl gehen wir später ins Bett.

Der Montag kommt und geht. Der Dienstag auch, ebenso der Mittwoch.

Donnerstagmorgen

„Yeah! Es ist Donnerstag, schon der Kleine Freitag! Heute starte ich geistig schon in’s Wochenende!“

Träumt von einem schönen Wochenende: Ms Essential

Träumt von einem schönen Wochenende: Ms Essential

Ja, ich bin ein Wochenend-Lemming. Meisterin der Verdrängung und Selbstmotivation. 😀