Fufel-Chroniken

Wie angekündigt, geben wir hier ab und an Kindermund und Anekdoten aus unseren Chroniken zum Besten.

Dies tun wir ja auch in Form des besonderen Kindermunds unseres „Heiligen Augustinus„, aber eben auch mit dem gesammelten Kindermund der letzten 13 Jahre.

Früher

Vor Jahren liebten unsere beiden großen Mädels sehr emotionale Spielthemen. Mein bester Freund nannte sie immer „Die Drama Queens“ und das traf in’s Schwarze.

Ein typischer Spiel-Dialog, den wir bis heute als Running Gag einsetzen ist folgender:

Nummer 1: „Nimm meine Haaaand!“

Nummer 2 (gespielt schluchzend): „Ich kommt nich draaaan!“

Nummer 1: „Aber dann derbst du!“

Nummer 2 (noch verzweifelter): „Ich weiiiiß!“

Dann kam ein Schrei, ein Stöhnen, ein Schluchzen und ein langgezogenes „Aaaaaaaaa!“

Für dieses Spiel der missglückten Rettung legte sich Nummer 1 auf das Etagenbett oder die Treppe oder das Sofa. Nummer 2 positionierte sich dann so weit unter ihr wie möglich. Nur die Fingerspitzen berührten sich noch.

Eine klassische, dramatische Klippen-Szene.

Ich erinnere mich an einen Nachmittag vor vielleicht sieben Jahren, als ich an der Nähmaschine im Nebenzimmer saß. Die beiden Drama Queens versanken im Spiel. Sie waren damals beide noch im Kindergarten, fünf und drei Jahre alt.

Nach dem obligatorischen „Aaaaaaaa!“ herrschte die übliche atemlose Stille. Jene Atmosphäre, die sich niedersenkt über eine Szenerie tiefster Verzweiflung. Erdrückend, kaum zu ertragen. (Jepp, das mit der Drama Queen hamse von mir, die beiden)

Dann:

Nummer 2 kommt mit weit aufgerissenen Augen zu mir ins Zimmer, packt meine Oberarme, starrt mich panisch an und ruft:

„Die Prinzessin des Lebens ist tot! Sie ist tooo

t!“

Und verschwindet wieder.

Ich war ehrlich total geschockt.

Dann musste ich lachen.

Ich kann heute sagen:

Ja, ich erlebte jenen Tag, der die Welt in eine Zeit davor und eine danach aufspaltete.

Der Tag, an dem die Prinzessin des Lebens starb.

Wir alle wissen, was danach ohne ihre wärmende Lichtkraft aus diesem Planeten wurde, oder etwa nicht?

Ein Bild aus besseren Tagen: Die Prinzessin des Lebens streut Blüten

Ein Bild aus besseren Tagen: Die Prinzessin des Lebens streut Blüten

Die Fufel-Chroniken

Wieder ein Beitrag aus den Fufel-Chroniken.

Wir gehen nicht chronologisch vor, sondern teilen mit Euch einfach immer mal wieder Eindrücke aus dem Leben mit den Fufels.

Es war im Jahr 2006 und wir steckten mitten in unserem Umzug. Ich war mit Nummer 3 schwanger. Zusammen mit Nummer 1 und Nummer 2 wühlte ich mich durch einige Kartons, um den Inhalt auszusortieren. Beide sind zu diesem Zeitpunkt vier und zweieinhalb Jahre alt.

Nummer 2 hielt freudig lachend eine alte, braune Kurzhaarperücke hoch.

„Mama! Ich hab‘ was Tolles gefunden!“

Ich: „Ja, was denn? Zeig doch mal her.“

Sie, strahlend: „Ich hab Opas Haare gefunden – der hat ja keine mehr.“

 

Noch mehr aus den Fufel Chroniken gibt es hier.

Die Fufel-Chroniken

Da dieses Wochenende der 800. Jahrestag der Unterzeichnung (eigentlich war es ja eine Besiegelung) der Magna Carta gefeiert wird, schlagen auch wir unsere Charta auf.

Na ja, sie enthält eigentlich keine Rechte für übermüdete Eltern. Es gibt keine Artikel, die Herrschaft aufteilen sollen, um für Gerechtigkeit des Volkes und der Barone*innen sorgen. Okay, es sind überhaupt keine Rechte für Herrschende enthalten. Dafür aber mit das Kostbarste, das wir Menschen haben: Erinnerungen.

Unsere Charta ist also eher eine Chronik.

Eine volle und über ein Jahrzehnt alte:

Die Fufel-Chronik

Und in den kommenden Wochen werden wir sie aufschlagen und ab und an Erinnerungen aufschreiben.

Was haben die Fufels 2004 gemacht oder 2008?

Aus dieser Reihe gibt es heute:

Mama war nur kurz unten staubsaugen

Wir schreiben das Jahr 2006.

Nummer 1 ist dreieinhalb und Nummer 2 ist zwei Jahre alt. Nummer 3 war Quark im Schaufenster (das darf sie jetzt nicht lesen, denn sie hasst diesen Ausdruck. Sie sagt dann immer: „Ich war niemals Quark! Ich war bei Gott und wartete auf mein Leben!“

Direkt nach dem Einkauf wollte ich das Souterrain unserer damaligen Wohnung saugen. Oben spielten die beiden. Man konnte sie das ruhigen Gewissens tun lassen – es war das hochgesicherte Gummizellen-Alcatraz die kindersicherste Wohnung, die wir jemals hatten.

Ich habe mich dennoch beeilt und verließ die auf dem Teppich selig Spielenden für rund 10 Minuten. Ja, ich habe ziemlich hektisch den Sauger geschoben – es stand noch irgendein Termin an und ich wollte vorher wenigstens einen „Kölsche Wisch“ machen.

Als ich wieder nach oben komme, sind die Mädels weg.

Sie waren nicht etwa verschwunden, weggelaufen, ausgezogen:

Sie befanden sich unter 10 (!) ausgerollten und verteilten Rollen Klopapier. Mitten im Wohnzimmer. Mir fiel fast der Sauger aus der Hand.

Stimmt! Die Packung Klopapier war vom Einkauf noch im Flur stehen geblieben!

Mein Mund war offen. Es raschelte. Nummer 1 steckte zuerst die Nase aus den 2.000 weißen Blättern vor mir.

„Hallo Mama,“ sagte sie fröhlich.

„Hallo …“ krächzte ich reflexartig und fügte mit brüchiger, aber versiert freundlicher Stimme an, „was …äh … genau macht ihr da?“

Es raschelte erneut, Nummer 2 erschien.

„Hallo, Mama.“

Nummer 1 sah mich an und strahlte:

„Wir sind Biber. Und das hier, “ sie wies mit ausgestreckten Armen auf ihre Zweitausend Morgen schneeweißes Land,  „ist unsere Biberburg. Hier wohnen wir. Das haben wir selbst gebaut.“

Ich sah, dass die Klorollenburg in der Tat mittig aufgetürmt war und an den Rändern flach auslief. Sah aus wie ein 1-A-Biberbau.

In mir bahnte sich die einzig richtige Entscheidung bezüglich einer adäquaten Reaktion an:

„Das ist die beste Biberburg aller Zeiten. Schade, dass ich da nicht mehr reinpasse!“

Sie haben noch eine ganze Weile glücklich gebibert. Danach haben wir zusammen auf Klorollenpappkerne aufgewickelt, was noch zu retten war. Das war erstaunlich viel.

Die Erinnerung an die Biberburg habe ich sehr gerne.

Heute stolzer Besitzer eines Biberburgbausatzes: Prof. Dr. Nagy, Mr. Essentials Kindheits-Biber

Heute stolzer Besitzer eines Biberburgbausatzes: Prof. Dr. Nagy, Mr. Essentials Kindheits-Biber

In dieses Buch hier

Kostbare Erinnerungen an wunderbare Jahre: Die Fufel-Chroniken

Kostbare Erinnerungen an wunderbare Jahre: Die Fufel-Chroniken

habe ich laufend geschrieben, was ich so mit den Kindern erlebt habe und auch, was ich jetzt erlebe.

Es sind sozusagen die Fufel-Chroniken. Dieses Buch gehört zu den ersten Dingen, die ich retten würde, nachdem bei einem Brand alle Menschen in Sicherheit sind. Echt. Und immer, wenn die Kinder mich mal fragen, was ich noch retten würde, nachdem alle Menschen gerettet seien, dann sage ich: Meinen Teddy, die Kiste mit den Kinderandenken und die Fotoalben. Ist mein Ernst.

Was soll man auch sonst retten? 🙂