Es gibt sie noch …!

Ja, es gibt uns noch.

Wir waren nur abgetaucht, weil Mister Essential ja einen sehr schmerzhaften Ausflug auf dem Glatteis machte und seitdem hier „herumliegen“ musste.

Dies bedeutete für mich als treu sorgende Ehefrau, dass ich seine (wenigen!) unterstützenden Aufgaben hier auch noch übernehmen musste. Aber er ist ein sehr pflegeleichter Patient, der sich echt immer eifrig bedankt, wenn man ihm etwas bringt oder ihm auf andere Weise das Kranksein erleichtert.

Inzwischen ist sein gebrochenes Kreuzbein wieder gut auf dem Weg der Genesung und ich komme dazu, mich kurz zurückzumelden!

Bald hört Ihr wieder von uns und dann gibt es auch sofort eine nette Kleinigkeit zum Gewinnen. Es geht um das Thema „Kluge, kleine Erfindungen für Sicherheit im Alltag mit Kindern“ – kurz KKEFSIAMK.

Quatsch! Die Abkürzung war reiner Ausdruck meines Übermuts 😀

Bis ganz bald!

Goodbye, 2016

Goodbye, 2016

Ende und Neuanfang

Von allen Seiten kommen Beschwerden über die inhaltliche Qualität des Jahres 2016 – und als Musik liebende Familie stimmen wir diesen in weiten Teilen zu.

Eine Welt ohne David Bowie ist beispielsweise weniger schön – aber andererseits ist Sterben so eine Sache, die irgendwie zu diesem Planeten gehört, den Nummer 4 immer zärtlich als „Wasserstern“ bezeichnet …

Für uns stand das Jahr unter verschiedenen Sternen und auch Problemen:

  • Das Mobbing
  • Die Entscheidung zum Umzug und der Hausverkauf
  • Berufliche Umorientierung
  • Diverser Kleinkram – die üblichen Widrigkeiten und Freuden des Lebens

Und was wurde daraus?

  • Unter Anderem mit Eurer engagierten und liebevollen Mithilfe haben wir das Mobbing beendet
  • Wir haben unser Haus vorgestern verkauft und suchen gerade ein neues Zuhause in oder nahe unserer Wunschstadt
  • Meine Ausbildung hat begonnen und ich bin ganz begeistert, habe zudem auf anraten meiner Schulleiterin ein kleines Ehrenamt (3 bis 4 Stunden pro Woche) bei Wellcome angenommen – eine tolle Organisation, die Mütter nach Geburten unterstützt. Ich berichte darüber mal demnächst. So sammle ich Erfahrungen im Umgang mit Menschen, die etwas belastet sind und kann sie unterstützen.

Müde und zufrieden

Heute Abend erwarten wir lieben Besuch, den wir viel zu selten sehen: Meine Freundin Concetta kommt mit ihrem Mann und den drei Söhnen. Ein letztes Silvester in diesem Haus und wir begehen es gemeinsam. Das werden drei schöne, turbulente und bereichernde Tage für uns.

Wir sind insgesamt müde am Ende des Jahres – aber müde sind wir auch am Ende eines jeden Tages …

Wir haben jedoch – Mister Essential und ich – gerade endlich begonnen, unsere Fühler mal in Richtung Freizeit und Vergnügen auszustrecken. Dazu waren wir zum Anlass des Hausverkaufs zu Zweit sehr fein essen und prompt stieg die Laune von happy auf ausgelassen. Dies werden wir beibehalten und das wir Aufwand bedeuten. Denn meist sind wir zu „platt“, um für gute neue Energie zu sorgen, indem wir etwas unternehmen. Und dann entsteht dieser elterliche Teufelskreis aus Alltag, Erschöpfung, Stress, etwas Ödnis, Alltag, ….

Es tut gut zu wissen, dass unser Haus an eine tolle Familie geht, die uns sympathisch war und sich hier in unserem Öko-Holzhäuschen sicherlich auch sehr wohlfühlen wird.

Wir blicken natürlich auf ein aufregendes Jahr mit Umzug und vorherigen Renovierungsarbeiten. Im Moment sind wir gespannt, welches Haus unseren Weg als das Richtige kreuzen wird. Aufregung ist ein schönes Gefühl – wenn man nicht gerade beim Zahnarzt sitzt – und so genießen wir es.

Ich fühle mich gut, wenn ich an das kommende Jahr denke und weiß, dass wir inzwischen alle gemeinsam so viel erlebt haben, dass wir als Familie eine ganze Menge stemmen können. In diesem Bewusstsein habe ich eigentlich keine Angst und Sorgen bezüglich des Umzugs.

Ihr Lieben

Wir danken Euch für ein wunderbares Jahr mit vielen Kommentaren, Mails und neuen LeserInnen.

Ihr habt uns so lieb unterstützt und Zuspruch gegeben. Und im Fall des Mobbings mutig eigene Erfahrungen geschildert, getröstet und stark gemacht.

Ihr seid für uns die Allerallerallerbesten! ❤

Für dieses Jahr ist das unser letzter Post – wir fahren nun gleich zu einer Hausbesichtigung. Danach besuchen wir eine liebe Freundin, die ihr neues Haus bereits bezogen hat und schauen es uns neugierig an. Und schließlich erwarten wir unseren Besuch – Euch wünschen wir also eine gute Silvesternacht mit dem üblichen guten Rutsch!

Auf in ein gemeinsames neues Jahr!

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Burnout Prävention: 1 Jahr nach der Kur

Heute vor einem Jahr bin ich mit unseren vier Kindern in Kur gefahren. Diagnose: Burnout oder auch „Akuter Erschöpfungzustand“. Ja, okay, so wird das nicht aufgeschrieben, weil Burnout (noch) keine anerkannte Erkrankung ist. Es heißt dann „Stress.“ Die Patientin hatte Stress und eine starke muskuläre Dysbalance im Rücken und so weiter …

Burnout. Und zurück. Heute schreibe ich dazu, was sich in meinem Leben durch die Kur und danach verändert hat.

Wie verlief das letzte Jahr? Was wurde anders und was blieb? Welche Herausforderungen gibt es noch und welche wurden gemeistert?

Hier könnt Ihr meinen ausführlichen Erfahrungsbericht im Stil eines Tagebuchs nachlesen.

Welche Ziele hatte ich nach der Kur?

Nun geht es bei einer Kur ja nicht darum sich drei Woche urlaubsmäßig zu erholen, um sich dann wieder für ein paar Jahre auszupowern und dann wieder in Kur zu fahren.

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In diesem Heft notierte ich während der Kur meine Ziele

Als Ziel ist eine Veränderung des Lebens gesetzt. Damit man glücklich lebt.

„Ein ausgeglichenes Leben erfordert niemals einen Urlaub.“

So sieht es aus. Wir alle sollten so leben, dass wir Erschöpfungen vorbeugen und notfalls Veränderungen vornehmen.

Aber wie war das gleich? 80 Prozent aller Menschen, die Veränderungen in ihren Leben vornehmen scheitern bereits am dritten Tag.

Hier sieht man schnell: Das ganze ist eine Mammutaufgabe.

Man muss durch und durch von der Veränderung überzeugt sein. Und: Sie muss mehr Nutzen haben als der aktuelle Zustand. Das Gehirn liebt nämlich Gewohnheiten – ja, auch schlechte. Es hat tagtäglich so viel zu leisten, dass alles, was easy-peasy abläuft (also ohne Nachdenken), im Gehirn Glück auslöst. Das Belohnungszentrum des Gehirns – das Limbische System – sorgt für Glücksgefühle. Zum Beispiel, wenn wir während einer krassen Diät die Chipstüte öffnen. Oder faul auf das Sofa fallen, statt abends noch eine Runde Laufen zu gehen.

Das Neue, das durch die Veränderung kommen soll,  muss einen so großen Nutzen haben (im Sinne von Glücksgefühlen), dass das Gehirn bereit ist, dieses neue Programm zu installieren. Wen es beispielsweise glücklich macht, jeden Tag zu Joggen oder zu Walken, der wird auch dranbleiben. Wer es hasst, der kann es gleich lassen und sich eine andere Sportart suchen.

Wer davon profitiert, sich jeden Morgen duftend einzucremen, der wird immer neue Creme kaufen müssen. Wen das eigentlich nur nervt, der braucht es gar nicht erst zu versuchen, weil es so in einer Zeitung empfohlen wurde.

In der Kur steckt man sich am besten also erreichbare Ziele.

Meine notierten Ziele waren: 

  •  Ich möchte lernen, auf mich und meine Bedürfnisse zu achten und mich von den Wünschen und Bedürfnissen Anderer gesund abzugrenzen.
  • Ich möchte Abstand vom Alltag schaffen können.
  • Ich möchte lernen, mit der Fremdbestimmung des Lebens umzugehen, indem ich Gegenpole finde.
  • Ich wünsche eine berufliche Veränderung.
  • Ich möchte weniger „Müssen“ und mehr „Wollen“ erleben.
  • Ich möchte die morgendlichen kalten Beingüsse beibehalten (Ob ich das packe? brr..).
  • Ich wünsche mir, meine Ziele zu erreichen.

„Butter bei die Fische!“ – wie sieht es denn nun aus?

Okay. Ich habe meine Kurziele im Kopf, daher habe ich die Unterlagen nicht herausgeholt. Ich wollte ganz bewusst schauen, was sich in 12 Monaten für mich verändern ließ und was ich aktiv verändert habe.

Um diese Ziele beibezuhalten habe ich einen Nachsorgekurs besucht.

Dieser besteht immer noch: Wir treffen uns ein Mal im Monat bei einer sehr guten Heilpraktikerin für Psychotherapie. Dann resümieren wir, schauen wie es gerade bei jeder von uns aussieht und besprechen diverse Themen. es gibt Übungen zur Visualisierung, Meditation, Arbeit mit dem Inneren Kind und Arbeit mit den Teilpersönlichkeiten (Nach „Psychosynthese“ von Roberto Assagioli – ein Hammer für die psychologische Arbeit!). Wir als Gruppe werden kreativ, wir machen Brainstorming, wir unterstützen einander urteilsfrei, wir lachen und weinen und behalten unsere Bedürfnisse im Blick.

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Ich habe einen Hefter für die wichtigen Notizen und Arbeit der Kurnachsorge-Gruppe angelegt

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Von wegen „Eigenlob stinkt“!  Diesen Unsinn durfte ich schnell über Bord werfen und lernen, zu meinen Stärken zu stehen. 

(Nicht wundern bei dem Bild oben – falls Ihr es lesen könnt: Die hinter den Stärken stehenden negativ wirkenden Worte sind die möglichen Schattenseiten der Stärken – dies gehört zur Arbeit mit der „Psychosynthese“. Hier geht es darum, immer im Gleichgewicht zu sein. dazu muss man eigene Stärken und auch deren Schatten sowie auch Schwächen und deren Lichtteile kennenlernen.)

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Und Ihr dürft noch einen Blick in den Hefter werfen: Notizen sind während Veränderungen das A und O, echt.

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Anleitung zur Muskelentspannung aus einer Frauenzeitschrift: Immer alles sammeln (und nutzen! :D), das hilfreich sein kann.

Zudem gibt es vom „harten Kern“ des Grüppchens aus „Kur-Kolleginnen“ eine WhatsApp-Gruppe. Wir quasseln ein wenig, durch den Kontakt sind wir latent immer an uns und die Ziele erinnert und ja, wir  vermissen einander inzwischen sehr. Der (Teenager-)Sohn einer Kur-Freundin kommt uns zwischen Weihnachten und Silvester besuchen. Wir wollen uns alle wiedersehen und hoffen, dass das irgendwie und irgendwann klappt.

Dies hilft sehr, um auf dem neuen Weg zu bleiben.

Habe ich gelernt, auf meine Bedürfnisse zu achten und mich abzugrenzen?

 

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So sieht es aus: Mama braucht mal Ruhe!

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Wer sich zurückziehen kann, der kann auch wieder geben (Cooler Türhänger, ne?)

 

Wir Frauen haben meistens überhaupt nicht gelernt, uns zu lieben, nachsichtig mit uns zu sein und unsere Bedürfnisse umzusetzen. Das ging mir nicht anders.

Ich war sehr mies darin, mir überhaupt Bedürfnisse zuzugestehen. Ich bin schließlich Mutter – da muss man sich doch für 20 Jahre selbst in den Schrank sperren und für die Bedürfnisse Anderer verschenken, oder?

Ich habe gelernt, meine Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen. Das war ein echt anstrengender Prozess. Ich kann sie leider nicht immer umsetzen. Viel zu selten, um genau zu sein.

Die Wahrnehmung ist ein guter Erfolg nach 12 Monaten, aber ich bin noch nicht ganz zufrieden. Nun ja: Im Sinne des Life long learning mache ich weiterhin meine Erfahrungen.

Und: Mit einem Kleinkind im Haus ist man eh so fremdbestimmt, dass wahre Entfaltung einfach warten muss.

Und wie sieht es mit Abstand vom Alltag aus?

Puh, hm. Na ja.

Das gelingt mäßig.

Unser Leben ist so voll. Voller Termine, Arbeit, Verantwortung, Hausverkauf, Alltagsbewältigung und bis vor Kurzem noch die Belastung durch das Mobbing.

Dauernde Selbstüberwindung ist alltäglich. Ich mache nichts Schönes so lange, wie ich es will. Sondern bis ich abberufen werden. Zu Terminen, zum aufwachenden Kleinkind, zur Haustür …

Viele Tage beginnen mit Disziplin und enden auch damit. Und zwischendurch auch wieder viel Überwindung. Ich habe zudem Bedürfnisse wie Ordnung: Ich habe immer ein gemachtes Bett, es gibt keinen „Chaos-Stuhl“ im Schlafzimmer – der wird rasch aufgeräumt. Ich räume gefühlt den halben Tag allen hinterher oder/und erinnere sie daran, ihren Kram wegzuräumen, sonst würden wir hier echt stolpern: Über Schulranzen, Sporttaschen, Zeug auf der Treppe etc.

Ja, Fünf gerade sein lassen habe ich schon gelernt. Das sind bereits meine Fünf – denn ich kann nicht leben wie in der Villa Kunterbunt.

Wir, mein Mann und ich, stellen fest, dass früher einfach mehr Lametta war. Es ist echt gerade hier die Rush Hour des Lebens. Es macht nicht halb so viel Spaß wie es sollte, aber doppelt so viel Arbeit, wie man bewältigen will.

Manchmal gehen wir aus. Wir haben unsere Rituale als Paar (der Samstagabend gehört uns!), aber diese lassen sich nicht immer einhalten und umsetzen. Wir hatten zwischendurch (durch meine Prägung auf Bedürfnissverzicht und Caring gegenüber dem Beziehungspartner) eine ungute Dynamik. Diese haben wir allerdings sehr, sehr gut aufräumen können, weil ich durch die Kur und ihre positiven Veränderungen in mir viel selbstbewusster war. Auch das war anstrengende Arbeit, von der man sich kaum erholen kann – wie von aller anstrengenden (inneren und äußeren) Arbeit.

Aber: Selbstliebe ist ein großes Thema für mich geworden, das ich auch richtig gut umsetzen konnte, wofür ich echt dankbar bin.

Und so weiß ich, dass ich Veränderungen schaffe, wenn es möglich ist.

Aber den Alltag selber finde ich immer noch anstrengend und inhaltlich echt etwas lahm. Es ist noch zu freudlos. Ich arbeite daran.

Wie viel Fremdbestimmung ist noch da? Gibt es die erhofften Gegenpole?

Ich fühle mich immer noch sehr fremdbestimmt. Und das ist auch der einzige echte Knackpunkt für  mich persönlich. Ich habe drei Kleinkindphasen (eine mit gleichzeitiger Säuglingsphase) durch. Voller Hingabe. Jeden Tag war ich stolz, was ich alles geschafft hatte mit so kleinen Kindern. Und hatte immer etwas, auf das ich mich freute: Ausgehen am Wochenende, ein Abend zu zweit, ein gutes Essen, Besuch von Freunden…

Das ist viele Jahre her. Und ich muss sagen, dass ich meine wiedergewonnenen Freiheit schon sehr liebte. Und die sind nun weg. Für Jahre. Ich habe diese enthusiastische Hingabe der ersten und zweiten und dritten Phase mit so kleinen Kindern einfach nicht mehr. Die würde mir helfe. Aber ehrlich: Die euphorische Liebe, mit der man sich über süßes Spielzeug freut, mit der man jeden Schritt des Kindes bestaunt und mit der man jeden keinen Erfolg mitteilen will, die ist einfach beim vierten Kind nicht mehr so dicke vorhanden. Die Fremdbestimmung regiert mich und vermiest mir echt oft Laune, obwohl ich ganz brav innerlich Gegenentwürfe mache und auszubalancieren versuche.

Ja, psychoanalytisch gesehen ist mein inneres Kind tief unbefriedigt: es musste sich immer zu Gunsten Anderer zurücknehmen. Seine Eltern „be-eltern“ und galt sofort als egoistisch, wenn es mal „ich“ sagte oder etwas wollte. Will gar nicht wissen, wie persönlich meine Mutter wohl meine Autonomiephase (landläufig gemeiner und fälschlicher Weise als „Trotzphase“ bezeichnet) aufgefasst hat … meine heftige Biographie ploppt immer wieder auf und muss auch noch bearbeitet werden, damit die Ganzwerdung, das Sich-Selbst-Finden- und-Entfalten funktionieren kann.

Und Gegenpole habe ich kaum. Der Tag ist immer noch voll. Voll Kieferorthopäden, Logopäden, Zahnärzten, Kinderärzten (oh Mist! Muss heute noch einen U-Termin für Nummer 4 machen!…), Lehrergesprächen, voller Besorgungen und Erledigungen (allein die Logistik gebrauchter Kleidung ist hier ein Kracher…).

Ich schaffe es kaum, mir Räume einzurichten. Das sagte ich vorgestern auch zu Mister Essential: „Ich kann mich fast gar nicht zurückziehen. Seit fast drei Jahren. das ist furchtbar für mich.“

Ja, ich habe neulich morgens ein Mal nichts gearbeitet, sondern gebadet. Ich kam mir wie eine Revoluzzerin vor. Und ja, ich nähe manchmal, während Nummer 4 schläft (er macht noch Mittagsschlaf, yeah!) und ich schicke die Kinder weg, die wirklich immer vor der Badezimmertür ‚rumlatschen, sobald mein Popo die Klobrille berührt.

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Noch mehr Einblicke in mein Leben: Was tut man nicht alles aus Liebe? Pudelkleidung nähen für den „Therapiehund“ Nummer 2s zum Beispiel. (Echt, ja. Das Tier hat keine Unterwolle und zittert bei Kälte. Bei Regen bleibt es einfach stehen und will nicht mehr laufen – daher der Regenmantel …)

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Ich nähe auch „vernünftige“ Sachen, wirklich! Und das tut mir wirklich sehr gut. Seine Interessen zu pflegen ist wirklich wichtig.

Aber ich wäre so glücklich, wenn ich beispielsweise eine Mutter hätte, die manchmal käme und mir helfen würde. Oder sonst irgendwen. Hach, das wäre vermutlich toll.

So komme ich eben recht langsam voran beim Gegenpol-Schaffen.

Wie steht es denn um die berufliche Veränderung?

Tja-haa: Das habe ich volle Kanne geschafft.

Ich bin während der ersten paar Treffen der Kurnachsorge-Gruppe darauf gekommen. es war plötzlich sonnenklar, während ich den anderen Teilnehmerinnen zuhörte und ihre Probleme analysierte. Irgendwann sagte unsere Gruppenleiterin:

„Das hätte ich ganz genau so gesagt. dem habe ich nichts hinzuzufügen.“

Ich war so im Einklang mit mir während dieser Art der Unterstützung der Anderen. Bei der Analyse und auch den Ideen zur Veränderung!

Plötzlich wusste ich es: Das wird mein neuer Beruf!

Ja, ich hörte seit Jahren meine Freunde sagen: „Wieso wirst Du eigentlich nicht Psychotherapeutin? Das ist voll dein Metier!“

Na, mir war nicht nach einem erdrückenden Studium. So war das.

Als mir bewusst wurde, dass ich auch Heilpraktikerin für Psychotherapie werden konnte, da fiel dieser Ballast ab: Ich musste gar nicht studieren. Viel mehr hätte ich eine sehr viel freier Auswahl der Therapieformen und könnte sehr kreativ vorgehen.

Ich besprach diese Eingebung mit der Gruppenleiterin und sie lächelte.

Dann suchte ich mir (mit viel Bauchgefühl) die passende Schule und bin nun seit September angemeldet. Im Oktober 2018 ist meine Prüfung.

Und ich liebe es so sehr! Ich lerne so gerne – die Inhalte sprechen mich total an. Es ist echt mein Ding!

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So sieht mein Schreibtisch derzeit aus. Und mein Bücherregal erst: ziemlich voll …

Weniger „Müssen“ – mehr „Wollen“?

Es ist zu viel Müssen. Habe ich ja bereits beschrieben: Sechs Personen, Haus(-verkauf/kauf), Ausbildung, Alltag vom Hemdenbügeln bis zur Erinnerung des Kindes an das Verstellen der Zahnspange. Ihr kennt das.

Ich arbeite im Moment am „Wollen“. Es ist so, dass ich Thema für Thema angehe und schaue, was gerade möglich ist. Nicht ohne Frustrationen, muss ich zugeben.

Ich wäre gerne viel freier. Aber im Moment kann ich echt nur nehmen, was möglich ist.

Ich habe die beiden großen Kinder auf deren Wunsch hin (und vor allem, weil es das einzig Sinnvolle ist) zu mehr Selbstständigkeit begleitet. Nummer 1 ist inzwischen echt ein Hammer, was das angeht! Sie ist noch ein bisschen Kind und zugleich sehr erwachsen – 14 Jahre alt – und bemerkt genau, wann sie etwas tun kann, um die Familie zu unterstützen. Meistens tut sie das auch. Ich bin ebenso froh, wenn mal blockiert und durchhängt – schließlich habe ich immer noch die Bedürfnisse und psychischen Befindlichkeiten von uns allen Sechsen im Blick … Abgrenzung ist wirklich ein Balanceakt für Mütter.

Nummer 2 erholt sich gerade so wunderschön von der schlimmen Zeit des Mobbings. Sie muss in teilen „nachreifen“ – Sie übersprang die dritte Klasse und musste sich schnell reifemäßig angleichen. Wir bemerkten aber neulich im Gespräch, dass ein teil von ihr noch 8 Jahre alt ist. Und dieser ist noch nicht gut in den Disziplinen der Größeren: Bedürfnisaufschub. Einsicht, Selbstdisziplin – alles noch ziemlich auf Null. Sie wünscht sich nun aber, dass dieser Teil in Liebe und Ruhe auch reifen kann. Und dabei begleite ich sie.

Und die kalte Dusche am Morgen? Aus dem Ziel is‘ doch nix geworden, oder?

Man glaubt es kaum: Doch. Ich mache es immer noch. Außer am Wochenende.

Ich habe mir angewöhnt, jeden Tag genüsslich zu duschen. So ganz in Ruhe und rituell. Den Abschluss bildeten die kalten Güsse über die Beine hoch bis zur Taille mit abschließendem Abduschen der Fußsohlen.

Dann hörte ich, tägliches Duschen sei Gift für die Haut (Schutzbarriere und so). Ich habe dann umgestellt und mache es so, dass ich jedes zweite Mal den ganzen Körper einseife (gönne mir immer wunderbar duftende Naturkosmetik) und an den anderen eben nur die Zonen, bei denen mir Hygiene besonders wichtig ist (wir nennen sie hier zärtlich die „Stinkzonen“). Ich fühle mich morgens dadurch wunderbar belebt und gepflegt. Danach nehme ich mir Zeit zur Gesichtspflege inklusive Make-Up. Und ja: ich entferne das Zeug wirklich jeden Abend wieder und verwende danach eine Nachtcreme.

Ausnahmen? Selten.

Ziele erreicht?

Ich bin zufrieden mit den Veränderungen. Ich bin nicht zufrieden mit dem Ist-Zustand.

Hä?

Ja, ich finde, was ich binnen 12 Monaten verändert habe, das war eine gute Leistung.

Aber Punkte wie das dauernde Abarbeiten von Terminen und Verpflichtungen bei viel zu wenig Freizeit und zu kurzem Feierabend und die Fremdbestimmung durch Nummer 4 – nerven mich immer noch.

Ich habe diese Dinge im Blick und nutze die kleinen Lücken und Möglichkeiten, bis diese sich erweitern und ich noch mehr Raum für mich, für Freude und für Selbstentfaltung habe.

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Bald ist wieder Weihnachten – ein Jahr ist um.

Tipps oder so?

Ein paar Tipps habe ich:

Wenn Ihr gerade im Erschöpfungszustand seid oder einen hinter Euch habt und keinen mehr haben wollt, dann gibt es gut Möglichkeiten.

Es gibt gute Literatur zur Burnout-Prävention und alles drumherum.

Fachlich sehr gut gestaltet ist dieses Buch: Thomas M.H. Bergner: „Burnout-Prävention“ Zusammen im Set mit 27 Tests und 94 Übungen. Ist nicht umsonst – aber man sollte es sich wert sein. Selbstliebe und so.

Da wir fast alle Probleme damit haben, ist Arbeit mit dem Inneren Kind gut. Dazu gibt es inzwischen Hörbücher mit Übungen wie „Das Kind in Dir muss Heilung finden“ von Stefanie Stahl. Hier sind klassische Übungen die Ergänzung zu kurz gefasstem Fachwissen. Auch „Versöhnung mit dem inneren Kind“ von Thich Nhat Hanh ist sehr gut. Empfohlen wurde es mir durch unsere Gruppenleiterin.

Michaela Huber schreibt in „Der innere Garten. Ein achtsamer Weg zur persönlichen Veränderung“ über die Möglichkeiten der Selbstentwicklung. CD und Buch sind nicht nur von meiner Heilpraktikerschule wärmstens empfohlen, sondern absolut für jeden geeignet, der spürt, dass er sich selbst kennenlernen und entfalten möchte.

Im Moment lese ich „Achtsamkeit. Der Weg zur eigenen Wertschätzung“ von Jutta Vogt-Tegen. Ganz großartig! Alltagstauglich, einleuchtend und umsetzbar. Dieses Buch wurde mir auf der „WestFam“-Bloggerkonferenz vom Verlag Lingen zur Verfügung gestellt. Ich plane dazu demnächst hier eine Rezension. Achtsamkeit ist ein unglaublich wichtiger Punkt. Als Gegenpol zum Stress und zur Hetze. Als Erinnerung an die Schönheit des Augenblicks. Als Hilfe bei Angsterkrankungen. Achtsamkeit ist ein Geschenk. Inzwischen ist der Begriff so bekannt, dass es viel Literatur, Seminare und viele Übungen zum Thema gibt.

Wichtig sind auch Erinnerungen in Form von Botschaften und Zetteln.

Was auch immer man verändern will, muss man dem Hirn „unterjubeln“ – dieses träge und zugleich megafleißige Ding in unserem Kopf sucht immer den einfachsten Weg. Schließlich filtert es ja schon den ganzen Tag so viel und schaltet und wirkt. Also:

Zettel schreiben und ab an den Badezimmerspiegel, den Kühlschrank, auf den Nachtisch – wohin auch immer. Und da kann alles draufstehen, außer Verneinungen.

Bitte immer positiv formulieren. Auch im geistigen Umgang mit sich selbst:

„Boa, schon wieder hab ich es nicht gepackt!“ ist nicht so günstig. So, wie Ihr nicht mit Euren Kindern reden würdet, so dürft Ihr auch echt nicht mit Euch reden.

Hilfreich ist eher: „Beim nächsten Mal schaffe ich es!“

Frau Vogt-Tegen (siehe oben) schreibt übrigens in ihrem Buch, dass die erschreckende Mehrheit menschlicher Gedanken negativ ist. Achtet mal darauf – das ist wirklich krass, was man so denkt!

Auf Eure Zettel könnt Ihr schreiben:

„Heute schon 30 Minuten für mich eingeräumt?“

oder

„Augen schließen, drei Mal durchatmen.“

oder

„Bitte sich selbst zulächeln!“(Klingt beknackt, fand ich auch. ist aber echt klasse! Einfach ausprobieren.)

„Ich bin auf einem guten Weg. Komme ich ab, bemerke ich es, lobe mich für dieses Bemerken und gehe wieder zurück auf den Weg.“

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Hier: Einer meiner „Kühlschrank-Zettel“

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Manchmal hilft einfach nur Humor: Launischer Kühlschrankmagnet für meine Zettel

Ja, wirklich: So sollten wir eigentlich mit uns umgehen. Man hat mehr davon.

Stopp!

Das Wort „eigentlich“ kann man aus dem Wortschatz streichen. Es schmälert, es ist unentschlossen und leider wenig hilfreich. Auch hier könnt Ihr darauf achten, wie oft Ihr das (eigentlich) sagt! Und am besten, sofort damit aufhören. Es hat eine sehr kraftvolle Wirkung, wenn man nicht „Eigentlich gerade Hunger hat und eigentlich nach Hause möchte“, sondern klar mitteilt „Ich habe Hunger und möchte nun nach Hause.“

Und „man“? Ja, dieses Indefinitpronomen habe ich auch extra oben mal verwendet.

Kann man auch weglassen. Nicht ganz. Sondern nur, wenn man von sich spricht:

„Tja, man fühlt sich dann irgendwie übergangen und enttäuscht.“ greift beim Anderen weniger als: „ICH fühle mich übergangen und enttäuscht.“

Gerne verstecken wir uns hinter dem „man“. Das verhindert aber oft, dass wir unsere Gefühle klar mitteilen. Und so werden diese leicht übergangen. Was enttäuschend ist. Siehe oben.

Liebt Euch, achtet auf Euch, atmet durch und vergesst nicht: Ihr seid zum Einen als Mütter Vorbilder (Sollen unsere Kinder sich denn später auch mal verausgaben?) und zum Anderen in Eurem Leben nicht zum Abarbeiten des selbigen da.

Ganz gleich, ob Ihr gläubig seid oder nicht. Einerlei, ob Ihr glaubt, dies sei Euer einziges Leben oder es gab viele und wird noch viele geben:

Das Leben endet, ohne dass wir (meistens zumindest) wissen, wann es das tun wird. Es ist dazu da, mit Sinn gefüllt zu werden.

Wir können angesichts dieses Fakts im Grunde nur glücklich sein. Oder uns pausenlos fürchten.

Verändern können wir nur uns selber. Und wenn wir unglücklich sind, dann ist es unerlässlich zu schauen, welchen Anteil wir selber haben. Andere sind nur sehr bedingt schuld daran. Meist gibt es etwas in uns, das uns unglücklich werden lässt. Oft auf Umwegen. Wenn man sich verändert, geschehen Verschiebungen im System, im eigenen Umfeld, in der Familie. Ganz automatisch. Es werden Dinge wie von alleine möglich, an die man so nicht geglaubt hätte.

Bei akutem Burnout ist zudem eine Therapie absolut empfehlenswert und kann mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprochen werden. Das gleiche gilt für eine (Mutter-Kind-)Kur.

Der, wie ich finde, wichtigste Satz zum Thema Burnout ist:

„Ausbrennen kann nur, wer in Flammen stand.“

Burnout ist kein peinlicher Zusammenbruch von Memmen. Sondern das Endergebnis von Verausgabung bei gleichzeitigem Verlust des Gefühls von Sinnhaftigkeit. Ein Mensch hat geleistet ohne Anerkennung zu erfahren. Er nahm seine Bedürfnisse nicht mehr wahr und ernst. Er stand lange unter druck und wollte möglichst perfekt handeln. Irgendwann bricht er zusammen. Das ist Burnout. Auch wenn das Burnout-Syndrom noch keine anerkannte Erkrankung nach dem ICD-10 ist, so trifft dieser Erschöpfungszustand immer mehr: Bereits jede 5. (!) Mutter zeigt Zeichen einer Erschöpfung bis hin zum Burnout.

Burnout ist das Ergebnis eines falschen, selbstschädigenden Lebensprogramms. Dieses muss verändert werden, damit ein weiterer, vorhersehbarer Zusammenbruch verhindert werden kann.

Eine recht gute Übersicht zum Thema findet man bei Wikipedia.

In diesem Sinne: Lasst es Euch gutgehen. Und wenn es nicht gut geht: Sorgt für Euch genau so gut wie für Eure Kinder und schaut, dass das Leben wieder besser und lebenswerter wird.

Alles Liebe für Euch!

Eure Lareine

 

Mobbing: Unser Update

Wie läuft es denn im Moment bei uns?

Wie versprochen halten wir Euch auf dem Laufenden, was das Mobbing gegen Nummer 2 betrifft.

Im Moment sieht es so aus – auf Facebook hatte ich das bereits erwähnt, aber so erreiche ich Euch alle:

Seit der Veröffentlichung und Euren vielen lieben Mails, Nachrichten und Kommentaren geht es Nummer 2 sehr viel besser.

Eure Worte waren heilsam.

Sie zeigten ihr, dass sie nicht alleine ist und dass auch viele heute erwachsene Menschen einst Opfer dieser perfiden Form von Gewalt wurden.

Nummer 2 zog verschiedene Erkenntnisse aus den Artikeln und Mails:

  • Es sind vor allem intelligente, warmherzige und empfindsame Menschen, die Opfer von solchen Angriffen werden
  • Viele LehrerInnen scheinen mit dem Thema überfordert zu sein
  • Viele Eltern sind, wenn sie von den Kindern in#s vertrauen gezogen wurden, oftmals hilflos, da keine Zusammenarbeit mit der Schule entsteht, die einen guten Ausgang findet
  • Es gibt viel mehr Mobbing, als man zunächst annimmt. Letztlich erinnert sich sehr viele daran, entweder selber attackiert worden zu sein oder dass es ein Kind in der eigenen Klasse gab, das Ziel irgendwelcher Angriffe wurde
  • Mobber sind meistens entweder selbst gemobbt wurden und wechseln die Seite oder fühlen sich durch Eigenschaften des Opfers tief verunsichert.
  • Gespräche mit den Eltern von Mobbern bringen meistens keinerlei Verbesserung. Auch, weil die Eltern eher durch Verleugnung oder Verharmlosung das Thema abwehren

Wir danken Euch allen sehr für die so liebevollen Wünsche und auch für den Mut, Eure Erfahrungen aufzuschreiben, was ja schließlich nicht einfach ist.

Aktuell 

Nummer 2 hat nun so viel Selbstbewusstsein durch all die lieben Wünsche und empfindsamen Nachrichten wachsen lassen, dass sie in der Schule nicht mehr angegriffen wird. Sie wirkt ganz anders auf uns: Fröhlicher, mutiger, gestärkter und immer wieder ziemlich humorvoll und losgelöst.

Und was lief auf dem offiziellen Weg?

Wir hatten vor einigen Wochen das Schulamt angeschrieben. Dies geschah auf Empfehlung der Klassenlehrerin, die dies für eine gute Idee hielt. Wir erbaten weitere Informationen oder einen Rat, wie wir gemeinsam dieses festgefahrenen fall von Mobbing lösen könnten.

Freitag erhielten wir dann, ohne zuvor eine Antwort auf unsere Mail erhalten zu haben, einen Brief vom Schulamt.

Diesen fasse ich mal eben zusammen:

Man habe Rücksprache mit der Schule gehalten. Hierbei sei Einsicht in die Schulakte bezüglich Nummer 2 genommen worden. Dies habe ergeben, dass Nummer 2 aggressiv sei und den Konflikt aktiv vorantreibe. Dies bewiese sich dadurch, dass sie einem Jungen (dem zu der Zeit aktiven Haupt-Mobber) die Brille von der Nase geschlagen habe. Sie sei auch aggressiv gegen ihre Schwester (klar, sie war aggressiv gegen jeden, als sie sich wie ein gehetztes Tier fühlte). Zudem habe ihr Vater sie zur Gewalt aufgerufen (sicher, wir haben mal irgendwann gesagt, dass wenn ihr kein Lehrer hilft und auch Worte die Jungs nicht bremsen und diese sie auch physisch angreifen, sie sich ebenfalls physisch wehren darf. Dies tat sie während der drei Jahre zwei Mal.)

Ich kontaktierte die Schulpsychologin, die mit dem Schuldirektor sprach. Sie erfuhr, dass die Inhalte der  Schulakte Interna sind, die nicht weitergereicht werden.

Schön. Aber leider zeigen sie dennoch, wie das Schulsystem wahrnimmt und das Schulamt reagiert:

„Du bist kein Opfer (und bekommst keine Hilfe vom Schulamt), wenn Du Dich gegen Gewalt wehrst!“

Wir werden noch einmal ein (abschließendes) Gespräch mit dem Direktor abstimmen und mitteilen, wie wir es finden, dass eine Gegenwehr nach Jahren des Mobbings dergestalt aufgezeichnet wird.

Die Schulpsychologin führte an, dass sowohl das Schulamt als auch die Schule schließlich irgendwie vermutlich ihr System schützen wollen und kaum anders handeln können. Sie nähme aber an, dass in der besagten Schulakte mehr stehen würde, sicherlich auch Positiveres und das Schulamt dies nur nicht erwähnt habe, um seine eigene Darstellung nicht zu gefährden.

Ich persönlich glaube das so nicht. Aber wir werden sehen.

Ich möchte nicht behaupten, an dieser Schule könne man nicht einfach ganz normal und unbehelligt lernen. Fachlich hat die Schule große Kompetenzen.

Leider aber eben auch Schwächen, wenn es um ein so sensibles Thema wie das Mobbing geht. In unserem „traurigen Einzelfall“ zeigte sich das in unserer Stadt sehr angesehene Gymnasium zumindest Jahre lang nicht als wahrnehmend und unterstützend. Dafür hat es nun alles getan, das ihm möglich war, um uns zu unterstützen.

Okay, und da ist dann noch die Schulakte, die unser Vertrauen dann wieder maßgeblich störte.

Unser Fokus

Im Augenblick liegt der Fokus auf dem Erhalt des Ist-Zustandes:

Nummer 2 berichtet, wie einer der Mobber sie für etwas lobte und sie ihm die Tür aufhielt, als er seinen Geburtstagskuchen in die Klasse trug.

Man feuerte sie im Sportunterricht an (wobei sie natürlich zuerst wieder von Hänseleien ausging …) und insgesamt verhalten sich die MitschülerInnen derzeit positiv menschlich.

Wir gestalten in Absprache mit der Schulpsychologin mit viel Bedacht den inneren Abschied aus der Schule und diesem Wohnort. Nummer 2 erhält zudem Unterstützung durch eine Jugendpsychologin. Bei unserem zweiten Gespräch in der Praxis war das Resümee des Psychologen ungefähr so:

„Dieses Kind hat eine starke und sehr gut entfaltete Persönlichkeit. Ich erkenne dies deutlich, obwohl sie sehr wenig sagte und schüchtern wirkte. Das ist sehr gut wahrzunehmen.

Mit ihrer elterlichen und unserer fachlichen Begleitung werden wir die Folgen dieser Erlebnisse sehr gut aufarbeiten können, so dass das Kind keine allzu großen Beeinträchtigungen mit durch das Leben nehmen wird.“

Das stimmt doch optimistisch, oder?

Blogparade #NoMobbing: Die Links

Blogparade #NoMobbing: Die Links

Hier werden fortlaufend die Links zu den Artikeln aktualisiert, die im Rahmen der gemeinschaftlichen Blogparade von Dani und mir ausgerufen wurde.

Die Blogparade läuft noch bis zum 25.11.2016.

Uns erreichen viele Kommentare und Mails, in denen LeserInnen eigene Erfahrungen schildern. Die Artikel sind berührend, belastend, machen wütend, lassen mitfühlen, werfen Fragen auf.

Das Leid, von Gleichaltrigen, der eigenen Gruppe also, nicht angenommen zu werden, ist unermesslich groß. Die Verletzungen des Ausgestoßenwerdens sitzen tief.

Schreibt uns gerne weiterhin – wir veröffentlichen sehr gerne Eure Artikel oder verlinken sie. Auch Gastbeiträge sind sehr willkommen.

Die Beiträge zur Blogparade

Die Rabenmutti  Yasmin schreibt hier über ihr Martyrium. Genau so muss man es nennen, was ihr während ihrer Kindheit und Jugend widerfahren ist.

Bei Krümel und Chaos könnt Ihr lesen, wie es Tanja erging, die so unter den Attacken ihrer Umwelt litt, dass sie mehr und mehr abmagerte und eine Essstörung bewältigen musste.

Hart zu lesen ist auch der Beitrag von Kaddi auf Papmami.de Wie es sich anfühlt, wenn das Kind einer schwer erkrankten Schwester gemobbt wird, erfährt man hier. Ich fragte mich ein Mal mehr: „Kennen manche Menschen den gar keine Grenzen?“

Valerie weiß leider ebenfalls, wie sich Ausgrenzung und Verletzungen anfühlen – sie schreibt auf ihrem Blog Raus mit Dir, Baby über die Angriffe der MitschülerInnen auf sie. Schmerzhaft zu lesen, dass Kinder anderen Kindern Wasserflaschen hinterherwerfen und wie viel Hass die Atmosphäre der Klasse vergiftete.

Auf 2KindChaos liest man „Ich hielt mich für einen wertlosen Haufen Scheiße, der widerlich stinkt, beschissen aussieht, niemals eine richtige Frau werden kann, bodenlos dumm ist und nie, niemals nie irgendetwas richtig machen kann “ und erfährt, was für ein schrecklicher Weg zu diesen Gefühlen geführt hat.

Bei Top-Elternblogs macht sich Anne Gedanken über das Thema Cybermobbing. Hier findet man ein gute Beispiel für das Vorgehen von „Internettrollen“ und kann sich ein realistisches Bild von diesem ätzenden Phänomen machen.

Roksana schreibt auf Lottes Motterleben ganz kurz und direkt zum Thema. Sie erinnert noch einmal daran, wie wenig es braucht, um eben niemanden zu mobben – wie durch „Bodyshaming“ im Internet oder auch analog. Hier kann man im Artikel „Ein guter Tag“ lesen, wie sie sich das Mobbing aus Tätersicht vorstellt. Aggressiv, hässlich und herzlos wirkt es, was man da liest – und genau so muss es sich für sie als Opfer auch angefühlt haben.

Auf Hallo liebe Wolke erzählt Susanne, wie ihre wunderschöne Welt der Grundschulzeit binnen weniger Momente zerbrach und dem Mobbing Platz machte. Hier erfahrt Ihr aber auch, wie sie lernte, sich anzunehmen, obwohl sie als Erwachsene immer noch mit ungerechtem Denken ihrer Umwelt konfrontiert ist.

Auf dem Blog Impressions of Life ist zu lesen, wie oft einem Mobbing während des Lebens begegnen kann: Im Kindergarten, in der Schule, auf der Arbeit. Man erlebt es mit oder am eigenen Leib und fürchtet, das eigene Kind könne auch irgendwann betroffen sein.

Für Elli, die auf Nerdmaedle über ihre Erfahrungen schreibt, scheint keine soziale Gruppe wie Kindergartengruppe oder Schulklasse ohne Mobbing erlebt zu haben und leidet noch heute, als erwachsene Frau, sehr unter den Folgen.

Danke, Scoyo!

Danke, Scoyo!

Lieben Dank, Scoyo, dass Ihr uns zum Blogliebling des Monats Oktober ernannt habt!

Wir sind nach wie vor ganz dankbar für die große Resonanz, die dieses Thema auslöste.

Uns schreiben und kommentieren Eltern, die fürchten, ihre Kinder könnten Opfer werden. Viele schildern eigene Erlebnisse, die sie bis heute verfolgen oder berichten, dass ihre Kinder Opfer von Mobbing oder Bossing sind.

Wir möchten mit unserer Blogparade #NoMobbing, zu der wir zusammen mit Dani von „Glucke und so“ (hier findet Ihr auch einen guten Artikel zum Thema „Cybermobbing„) aufrufen, auf dieses Thema aufmerksam machen, da wir inzwischen wissen, wie viele Opfer aus Scham schweigen. Man muss sich das mal anschauen: Die Opfer schämen sich! Wir – ich bin ja selbst als Kind betroffen gewesen – wissen, dass man so fühlt. Aber zugleich ist es wichtig zu sagen:

Kein Opfer trägt die Schuld am aggressiven Verhalten eines Täters!

Durch den so häufig erlebten Vorgang des „Victim Blaming“ fühlt es sich immer wieder so an. Daher ist es ganz wichtig, dass ein Umdenken angeregt wird. Sei es in der (vollkommen unsinnigen) Debatte darüber, ob ein Minirock zu Vergewaltigungen führt oder eben darum, ob ein Mensch selbst schuld ist, wenn er angegriffen wird.

Mobber suchen sich einfach irgendeinen Aufhänger für ihr Verhalten.

Sie haben eigene Motive für ihr Handeln. Angst, geringes Selbstwertgefühl, Frustration, Langeweile und manchmal auch den Abbau der Demütigung durch selbst erlebtes Mobbing.

Wir möchten uns austauschen, vernetzen, Tipps geben und zeigen, dass man nicht schamvoll und hilflos alleine ist mit diesem Thema.

Aufruf Blogparade #NoMobbing

Aufruf Blogparade #NoMobbing

Ein wichtiges Thema

Nachdem Dani (die liebe „Glucke“) einen Artikel zum Thema Cybermobbing und ich über das Mobbing an Schulen geschrieben habe, merkten wir an der Resonanz aber auch beim gegenseitigen Lesen der Artikel, wie wichtig und weitreichend das Thema Mobbing ist.

Viele Menschen haben eigene, sehr schlimme Erfahrungen machen müssen. Viele von ihnen spüren die Verletzungen noch als Erwachsene. Andere begleiten ihre eigenen Kinder durch die schweren Erlebnisse. Andere erlebten Mobbing in der Kindheit und sehen teilweise hilflos mit an, wie ihrem Kind das Gleiche widerfährt.

Nicht schuld

Hier fragen sie sich schnell, ob sie vielleicht schuld am Mobbing sind. Oder es vielleicht als Kind bereits waren.

Vermutlich waren sie irgendwie „seltsam“ oder hatten äußere Auffälligkeiten wie Übergewicht, Narben, Behinderungen, „billige Kleidung“, Sprachfehler oder Anderes.

Und nun geschieht ihrem Kind vielleicht das Selbe. Vermutlich haben sie es falsch auf das Leben vorbereitet oder es teilt diese äußeren Auffälligkeiten ja vielleicht.

Diese Gedanken sind verständlich. Psychologisch gesehen wollen wir Menschen dadurch die Kontrolle über das Unkontrollierbare erhalten. Wenn wir Auslöser sind und Schuld haben, dann haben wir ja eben doch irgendeinen Einfluss. Kontrollverlust gehört für uns Menschen nun mal zu den schlimmsten Erlebnissen.

Oftmals wird Gewaltopfern die Schuld an der Tat eingeredet. Wir kennen das besonders bei  als sehr unmoralisch empfundenen Gewalttaten: Sexuelle Handlungen werden schnell mit dem „Victim Blaming“  (‚dem Opfer die Schuld geben‘) beantwortet. Bei Quälereien, die einen scheinbar schlechten, hässlichen oder sadistischen Charakter des Täters zeigen, reagieren viele Beteiligte ähnlich: Gemobbte Kinder (und natürlich auch Erwachsene) werden in eine Ecke gedrängt:

„Du bist auch zu empfindlich!“

„Du fühlst dich eben immer gleich als Opfer.“

„Du verstehst eben keinen Spaß.“

Zeugen oder Beteiligte wollen mit dem Konflikt – mit den Taten – am liebsten nichts zu tun haben. Sie wollen so etwas nicht in ihrem Umfeld wissen und fürchten zugleich, selber Opfer zu werden. Daher beschuldigen sie das Opfer. Wieso tun sie das?

Um sich selbst zu suggerieren, dass man die Gewalt selbst verursacht. Und wenn sie nur genau das nicht tun, was das Opfer vermeintlich tat, dann wird ihnen auch nicht das Gleiche zustoßen.

„Geh im Dunkeln eben nicht raus und trage keine sexy Kleidung. Selbst schuld, wenn dich einer anpackt. Man muss als Frau eben aufpassen.“

oder

„Wer auch so blöd ist und Nacktfotos von sich herumschickt, muss sich nicht wundern, wenn die ganze Firma/Klasse sie zu sehen bekommt.“

Selbstverständlich ist ein Gewaltopfer niemals schuld.

Es ist immer der potentielle Täter, der sich entscheidet. Für oder gegen den Angriff.

Ebenso, wie selbstverständlich auch Frauen, die Hosen tragen, Opfer sexualisierter Gewalt werden, so kann jedes Kind Opfer von Mobbing werden.

Es liegt nicht an den Opfern. Die Verantwortung liegt alleine bei den Tätern und im Falle von Kindern dann auch bei den Eltern, Lehrern und weiteren lebensbegleitenden Erwachsenen.

Eure Erfahrungen

Diese Informationen wollte ich vorweg nehmen, um sie wie einen Weg für Eure Erfahrungen auszubreiten.

1. Niemand ist schuld

2. Jeder hat ein Recht auf Hilfe

3. Mobbing kann beendet werden

4. Kein Gewaltopfer muss sich für die an ihm verübte Tat schämen

5. Es gibt viele Hilfsangebote und Möglichkeiten

6. Man sollte frühzeitig gegen das Mobbing vorgehen, auch wenn dies mit sich bringt, dass man als empfindlich gilt.

Gemeinsam können wir aufräumen mit dem Bild des schuldigen Opfers, das sich zu schämen hat und im Gegenzug einander trösten, Respekt zurückgeben und einander spüren lassen, dass die uns umgebenden Menschen durchaus sehr liebevoll sind.

Diejenigen, die komplexbehaftet und sadistisch vorgehen – also die Mobber – sind in der Minderheit.

Mobbing (eigentlich ist dies die Attacke einer Person gegen eine andere, bei einer Gruppe heißt das dann „Bullying“) ist kein „Ärgern unter Kindern“. Es ist eine Gewaltsituation, die tiefe Verletzungen im Opfer hinterlässt und diese für ihr Leben prägt.

Meine Erfahrung

Ich machte den Start zum Thema Mobbing an der Schule ja bereits durch den Brief an unsere Tochter.

Doch auch ich habe eigene Erfahrungen in meiner Kindheit gemacht. Ich wurde von der Klasse 2 bis zur Klasse 8 gemobbt.

Beleidigungen und Ausgrenzungen sowie Bedrohungen begrüßten mich an der Bushaltestelle am Morgen. Mittags gab es etwas wie „Gleich verhauen wir dich an der Haltstelle!“ – was dann auch passierte, wenn nicht mein Lieblingsbusfahrer fuhr und mich vor der Haltestelle nahe meines Elternhauses aussteigen ließ …

Es gab immer mindestens einen Jungen, der mich quälte. In der Grundschule und auch in der weiterführenden Schule. Meist waren es mehrere.

Einer wohnte in meiner Nähe und war – in der Retrospektive – ein sehr vehaltensauffälliges Kind. Er legte sich beispielsweise während einer Busfahrt auf mich und versuchte mich zu küssen. Er stellte mir richtig nach. Zwischen Prügeln und diesem Bedrängen waren seine Attacken gelagert.

Ich besuchte ihn anfangs zu Hause einmal, da er neu in der Klasse war und in meiner Nähe wohnte. Zu diesem Zeitpunkt griff er mich noch nicht an. Da erzählte mir seine kleine Schwester, dass er sie manchmal einsperren und fesseln würde. Er würde sie mit einem Gürtel schlagen und dabei lachen.

Ich hielt das wohl für eine Phantasiegeschichte oder ich nahm es auf die Weise an, wie Kinder nun einmal skurrile oder bedenkliche Dinge annehmen.

Inzwischen sehe ich durchaus den Zusammenhang zwischen der Gewalt zuhause und seinem Verhalten mir gegenüber.

Es gab viele Situationen. Ich wurde wegen meiner Brille gehänselt und wegen meines „bescheuerten“ Bruders (mein Bruder fiel durch seinen, leider erst sehr spät diagnostizierten, Asperger Autismus in unserer Dorf-„Gemeinschaft“ doch ziemlich auf) oder einfach auch weil „ich so komisch sei“. Klar, ich war ein ehemaliges Missbrauchsopfer, Kind zweier persönlichkeitsgestörter Eltern, die keine erwachsene Verantwortung für mich übernehmen konnten. Sicherlich war ich „komisch.“

Aber ich hätte auch rotes Haar oder/und Sommersprosssen haben oder einfach mal an einem tag mir den Kakao zum Amüsement der Klasse versehentlich auf die Hose schütten können: Mobber finden immer einen Ansatzpunkt. Am besten die verletzlichen Punkte eines anderen Kindes.

Ich fühlte mich irgendwann lächerlich. Egal, wo ich war. Ich war fehl am Platz, seltsam und eine Art Alien. Ich war immer verunsichert. Das war ich ohnehin schon, da meine Eltern mir keinen Halt geben konnten in ihrer überbordenden und unzuverlässigen Art von Bindung sowie ihrem zerfahrenen Emotionalhaushalt.

Das Mobbing war daher einfach nur eine weitere Bürde in meinem Leben. Ich musste mich verteidigen und genau das hatte ich nicht gelernt. Die „Glaubenssätze“ (hier gemeint als: psychologischer Fachbegriff für die negativen Sätze/Formulierungen/Annahmen über einen selbst, die man in der Kindheit verinnerlicht) meiner Kindheit waren: „Halte still und harre aus.“ sowie „Sei brav und störe uns nicht!“ Ich erzählte daher wenig und immerhin kam meine Mutter eine Weile lang mit zur Haltestelle. Dies gefiel den Mobbern natürlich, da sie es aufgreifen konnten. Meine Mutter war schon immer eine auffallend attraktive Frau, die stets mindestens zehn Jahre jünger aussah.

„Hat dich deine Schwester gebracht, hä, Müller?“ (Sie sprachen mich stets mit meinem Nachnamen an. Diese Mädchennamen habe ich aus Gründen der Anonymität meiner Eltern geändert)

Da war ich noch recht schlagfertig, denn am kommenden Morgen wurde einer der Jungs von seiner Mutter begleitet, welche äußerlich eher der Gegenentwurf meiner Mutter war und so konnte ich kontern: „Na, und hat dich heute deine Oma gebracht?“

Ich dachte. „Mann, sind die dämlich. Als ob mich das ärgert, dass meine Mutter jung aussieht. Wie blöde sind die eigentlich?“

Das Menschenbild verzerrt sich im Eindruck vom Mobbing sehr negativ. Auch einer der vielen schlimmen Effekte.

Ein Mal ging mein Vater, nachdem meine Mutter ihn wochenlang bequatscht hatte, zu den Eltern eines der Bushaltestellen-Mobber und wurde deutlich. Danach ließ mich der Junge in Ruhe. Natürlich beschwerte er sich bei mir über diese Beschwerde – er hatte ziemlichen Ärger bekommen. Aber das war für mich völlig in Ordnung.

In der nächsten Schule gab es so einen Jungen, den mein bester Freund mal als „Klassenarsch“ bezeichnet. Diese Rolle erfüllte der Junge gut.

Einmal im Schwimmunterricht im Freibad öffnete er mir vor der gesamten Klasse im Vorbeigehen das Bikinioberteil. Dies rächte ich damit, dass ich ihm umgehend – ich stellte mich dazu hinter ihn – die Badehose bis zu den Knien herunterzog. Sehr zur Belustigung der Klasse.

Den Ärger bekam natürlich ich. Ganz typisch.

Schule bedeutete für mich Angst und Demütigung. Ich hatte Freunde und diese gaben mir Halt. Aber die Angst war immer da. Und das Gefühl, wertlos und lächerlich zu sein.

Dieses hatte ich ja ohnehin schon und dann wurde es aufgegriffen und verstärkt.

Apropos „verstärkt“: Stärke ist etwas, das ich aus diesen Erlebnissen auch zog. Neben all der Verletzung, der Verunsicherung und dem Schmerz. Ich hatte schon früh – im Rahmen meines ausgeprägten Selbsterhaltungstriebs – eine gute Analysefähigkeit. Ich begann, ab der Klasse 7 mein Umfeld noch genauer zu beobachten und zu analysieren. Dann ging ich planvoll vor und zog einen nach dem anderen Klassenmitglied auf meine Seite. Es endete darin, dass ich fast nicht mehr gemobbt wurde, sondern in jenem Jahr sogar zur Klassensprecherin gewählt wurde. Diese Manipulation war das Endergebnis. Und irgendwie schämte ich mich dafür, so vorgegangen zu sein, da ich es als unmoralisch empfand. Aber es hatte geholfen.

Dies schildere ich alles als groben Umriss meiner Erfahrungen, die ich recht gut verarbeiten konnte. Auch, weil Mobbing leider nicht das größte Problem meines Lebens war. Ich habe es so „mitverarbeitet“ als ich ohnehin schon in der Therapiephase meines Lebens war.

Zusehen zu müssen, wie jemand mit meinem Kind ähnlich umgeht, ist natürlich dennoch ein Albtraum. Oder vielleicht auch gerade deswegen: Ich weiß, wie es sich anfühlt.

Immerhin kann ich ihr dadurch geben, was mir damals fehlte: Eltern, die auf meiner Seite waren. Klar, mein Vater gab mir tolle Tipps, wie ich die Überzahl an Jungs einschüchtern sollte und fand auch, ich sei wohl ein wenig feige, wenn ich mich immer wieder nur beschwerte, anstatt mal ordentlich „auf den Tisch (oder in’s Gesicht) zu hauen.“

 

#NoMobbing

Jede Erfahrung, jeder Tipp ist wichtig und kann dazu beitragen, dass wir aufgeklärter sind und wache Augen haben, um Mobbing begegnen zu können.

Schreibt Eure Erfahrungen auf und schickt mir oder auch Dani den Link zum Blogpost. Wir werden die Artikel lesen und die Links gemeinsam veröffentlichen.

Ihr lieben Leserinnen und Leser kommentiert ruhig. Schreibt Eure Erfahrungen als Kommentare und teilt sie dadurch mit Anderen.

Und vielleicht ist auch jemand unter Euch, der (vielleicht anonym) mitteilen will, dass er selber einmal Mobber war und vielleicht berichten möchte, wie sehr er sich veränderte.

Hier sollen keine Verurteilungen entstehen, sondern der Wunsch im Zentrum stehen, alle Beteiligten und die Vorgänge des Mobbings zu begreifen.

Die Blogparade läuft bis zum 25. November 2016.

Das Bild könnt Ihr sehr gerne als Element nutzen.

Hier geht es zu Danis Artikel #NoMobbing

Gemeinsam können wir einander unterstützen!

Mobbing #NoMobbing