Einzigartiges anders

Vielleicht fragt Ihr Euch, was dies denn nun für ein Bild ist, mit dem wir hier aus der zeitweiligen Versenkung auftauchen.

Das wird natürlich heute erklärt:

Wir hatten beim letzten Mal hier auf dem Blog angekündigt, mit Nummer 2, 3 und Nummer 4 in die Diagnostik zu gehen. Hierbei waren wir recht sicher, dass Nummer 2 und 4 im Autismusspektrum sind. Nummer 1 vermuten wir ebenfalls dort, aber sie ist inzwischen volljährig und muss daher in die Erwachsenendiagnostik. Die anderen Drei sind hierfür in ein SozialPädriatisches Zentrum (SPZ) überwiesen worden. Bei Nummer 3 sah ich Anzeichen von ADS und bei Nummer 2 vermutete Ähnliches bei sich. Nummer 4 zeigte einige Symptome für ADHS. Da sowohl Autismus als auch AD(H)S Neurodiversitäten (vom „Standard“ abweichende neuronale Vernetzungen des Gehirns) sind, gehen sie oft miteinander Hand in Hand.

Es war hier ja immer besonders und lebendig. Uns ging es gut miteinander und wir waren als Team eingegroovt. Wieso dann jetzt die Diagnostik? Nummer 4 wollte ich (Miss Essential) bereits vor dem Beginn der Corona-Pandemie untersuchen lassen, weil ich merkte, dass er sich doch an einigen Stellen im Weg stand. Ich wollte gerne Unterstützung für ihn erhalten. Schulisch lief es gut und er hat ein tolles Zeugnis gehabt. Aber er hat Schwierigkeiten sich zu strukturieren und die Aufmerksamkeit zu halten, wenn ihn etwas nicht interessiert oder auch nicht herausfordert. Ebenso verhielt es sich mit der Anstrengungsbereitschaft – alles da, wenn das Thema ihm lag, ihn herausforderte und Freude bereitete. Ansonsten eher weniger. Was nun in der Grundschule mit unserer ausgesprochen kompetenten Lehrerin noch klappen würde, sah ich beim Übergang in die nächste Schule auf Schwierigkeiten treffen. Und es ist ja immer besser, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Durch den Wegfall der gewohnten Strukturen bedingt durch die Pandemie ging es unseren Kindern immer schlechter. Sie zeigten rasch, wie viel sie kompensiert hatten während der ganzen Schulzeit, denn kaum war diese Struktur mit ihren regelmäßigen Anforderungen und sozialen (Zwangs-)Kontakten weg, veränderten sie sich merklich. Sie wurden nervös, unruhig und das für Autisten so typische „Masking“, also das Unterdrücken symptomatischer, auffälliger Verhaltensweisen, ging stark zurück. Ich sah sie zum ersten Mal deutlich so, wie sie nun eben in Wahrheit sind. Und das Bild war absolut „typisch untypisch“.

Im SPZ tragen wir auf eine Psychologin, die einen wunderbar vernetzten und aufmerksamen Blick auf unsere Kinder hatte. Sie war sehr aufmerksam und achtsam. Ebenso bereichernd war die Kinderärztin. Eine weitere Fachperson machte mit Nummer 3 den Test der Konzentration.

Die Diagnosen bestätigten alle, was ich bereits vermutet hatte. Bei Nummer 3 steht die Autismus-Testung noch aus.

Diagnosen da – und nun?

Wir empfanden die Diagnosen als erleichternd, aber natürlich auch als in Stein gemeißelte Tatsachen: Unsere Kinder sind im Autismusspektrum, sie benötigen Unterstützung und werden sich vielen (weiteren) Herausforderungen stellen müssen.

Während der Gespräche mit der Psychologin wurde mir bewusst, wieso das alles so lange ohne diese ganze Hilfe recht gut funktionierte: Ich verstand die Kinder instinktiv und unterstützte sie coachend, therapeutisch und mit viel Empathie durch meine Selbsterfahrung. Es war immer wirklich anstrengend, aber es funktionierte. Und wie unser schöner Kinderarzt so schön sagte: „Eine Störung ist es nur, wenn es stört.“ Nach diesem Motto suchten wir ihn auch erst auf, als es eklatant ’störte‘.

Doch die Pandemie zerrte an allen unseren Strukturen und besonders die fragileren unter ihnen haben das nicht überstanden. In der Folge sanken Schulleistungen, traten heftigere Symptome auf, entstanden starke Spannung in den Kindern und letztlich eine große Belastung für uns alle.

Wie es nach der Diagnose weiterging? Wir haben zunächst einen Pflegegrad beantragt für alle Drei. Wir hatten dazu sehr viele Formulare ausgefüllt sowie ein Pflegetagebuch geführt und dann insgesamt 4 Stunden mit der Dame des Medizinischen Dienstes telefoniert. Ja, am Stück. Ergebnis: Nummer 4 bekam einen Pflegegrad, Nummer 2 und 3 nicht. Nummer 3 kam schon immer durch ihre Bewältigungstrategien sehr gut im Leben klar- so kam es der Dame dann auch vor. Nummer 2 zeige angeblich nur pubertäre Probleme und das bisschen Autismus verginge sicher durch die Therapie. Da legten wie – mit Hilfe der Freundin einer guten Freundin – dann Widerspruch ein und sandten den (endlich eingetroffenen) Arztbrief hinterher. Zahlreiche Punkte des Pflegegutachtens waren schlichtweg falsch, es waren diverse Dinge einfach weggelassen worden und zudem waren viele Informationen schlichtweg unkorrekt. Zum Beispiel wurde ich als nicht berufstätig aufgeführt. Vielleicht waren die 4 Stunden etwas zu viel. Wie auch für uns. Nun stand gestern das nächste Telefonat an, bei dem wir dann hoffe, ein sinnvolleres Ergebnis zu erzielen. Allerdings war dieses eher unangenehm und wir haben da unsere Befürchtungen wegen des Ergebnisses …

Ich wandte mich an das Autismus-Kompetenz-Zentrum und ging zum Besprechungstermin. Wo ich dann Nummer 2 und 4 einmal mündlich vorstellte. Sie wurden in die lange Warteliste aufgenommen.

Die Finanzierung dieser Autismustherapie läuft über die Eingliederungshilfe und diese beantragt man über das Jugendamt. Und auch dort war ich zum Termin, danach brachte cih Nummer 2 und Nummer 4 ebenfalls zum Gespräch dorthin. Die Schulen wurden vom Jugendamt befragt, wir füllten Fragebögen aus. Eventuell soll Nummer 4 (auf deutliche Anregung der Schule) eine*n Integrationshelfer*in erhalten. Nun warten wir auf die Entscheidung.

Zusammengefasst klingt das also zunächst erst einmal so:

Beantragen, Ausfüllen, Warten, Gesprächstermine, Warten, Überweisungen holen, Terminanfragen starten, Warten, Ausfüllen, Widersprüche formulieren, Telefonieren, Warten …

Erfahrungen sinnvoll weitergeben

Der sehr sympathische Leiter des Autismuskompetenzzentrums regte an, in meiner Praxis Unterstützung für erwachsene Menschen aus dem Autismusspektrum anzubieten. Ich biete bereits Gesprächsgruppen für Eltern von Kindern mit Neurodiversität an und er meinte, ich könne das doch erweitern. Denn für Erwachsene gäbe es kaum Angebote. Gerne würde er meine Kontaktdaten dann weitergeben, da er sehr oft Anfragen erhalten würde.

Ich arbeitete ein Konzept aus und werde die Unterlagen nebst Flyer nun in das Autismuszentrum schicken.

Wer sich nun gerade fragt, wie es denn für mich in meiner Praxis neben all dem so läuft, dem beantworte ich das mal kurz: Wunderbar. Ich genieße meine Arbeit und den Schwerpunkt auf Paar- und Familientherapie. Es ist ein unglaubliches Gefühl, genau das zu gefunden zu haben, das man liebt und einen erfüllt!

Ich arbeite auch immer noch als Dozentin an der Deutschen Heilpraktikerschule und habe auch an dieser Tätigkeit viel Freude.

Zudem bin ich nun an zwei Vormittagen der Woche in einer psychosomatischen Tagesklinik tätig. Zunächst als Vertretung und dann hoffentlich ab Herbst/Winter dauerhaft.

Was ändert sich durch das Bewusstsein der Diagnosen?

Für uns änderte sich, dass wir Entlastung erfahren. Natürlich waren die Monate mit den zahlreichen Terminen anstrengend – neben all den Anstrengungen durch Homeschooling etc. Den Kindern ging es ja, wie erwähnt, nicht gut und sie brauchten viel mehr Unterstützung als sonst. Und wir sind ja auch noch nicht durch mit den Anträgen. Danach kommen die Therapien, welche ja ebenfalls wieder meinen Einsatz fordern. Mindestens als Chauffeurin. Die Autismustherapie ist allerdings sinnstiftender Weise aufsuchend. Das bedeutet, der oder die Therapeut*in kommen zu uns, um im realen Lebensumfeld zu begleiten. Aber wir benötigen auch noch andere Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie …

Wir können auf den Entlastungsbetrag der Pflegeversicherung zurückgreifen und uns eine Unterstützung für unseren Haushalt organisieren.

Und wir kompensieren nicht mehr so viel bei Lehrer*innen, Bekannten, Nachbarn, indem wir dauernd irgendwelche Erklärungen abgeben müssen, warum bestimmte Dinge einfach nicht für unsere Kinder easy-peasy möglich sind.

Die Schulen haben ganz großartig reagiert und sofort für Nummer 2 und Nummer 3 einen Nachteilsausgleich eingerichtet. Wir sind im Austausch mit den Lehrpersonen und können so für die Kinder das für sie Bestmögliche möglich machen.

Das Bild oben ist übrigens mein Logo für das Angebot rund um das Thema Neurodiversität in meiner Praxis 🙂

Endlich: Unser Update

Endlich: Unser Update

Die Zwischenzeit

Wie angekündigt nehmen wir unsere geschätzten Leserinnen und Leser noch einmal mit durch unsere letzten dreieinhalb Jahre und bringen Euch „auf Stand“. 

Ein neues Haus

Wir haben mal ausgerechnet, dass wir insgesamt rund 500 Stunden Arbeitszeit in unser neues Haus gesteckt haben, ehe wir umziehen und mit dem Einleben beginnen konnten.

Unsere Berichte bis zum Umzugstag habt Ihr miterleben können und so zeige ich Euch heute einige Fotos aus den letzten drei Jahren:

Der Wintergarten: Während des Corona-Homeoffices eines schöne Ausweichstelle zum Arbeiten 😀
Unschwer zu erkennen: Die Küche
Hier futtern wir. Nein, es ist nicht immer so aufgeräumt 😀
H 1, der Pudel, im Weihnachtsoutfit
Pudelchen gibt sein Bestes, um besonders niedlich auszusehen
Mister Essential wurde 40. Ja, ich auch.

Ein neuer Kindergarten

Nummer 4 hatte großes Glück, einen wunderbaren Kindergarten zu finden und dort sehr gut anzukommen. Ja, er hatte immer noch Trennungsängste. Aber nach dem Abschied von Mama oder Papa am Morgen konnte er dort so viele schöne Tage verbringen.

Auf dem Weg zum ersten Kindergartentag

Und was für uns zwei Jahre waren, geht für Euch nun in Sekunden:

Der letzt Kindergartentag: Nachhauseweg mit Papa und Opa

Ihr habt richtig gelesen (oder nachgerechnet): Nummer 4 ging nur 2 Jahre in den Kindergarten – aber dazu später mehr.

Eine neue Schule

Wir haben uns schnell einleben können, da wir umgeben waren von lauter lieben Menschen:

Kaum fegten wir einige Blätter auf dem Gehweg zusammen kam unsere liebenswerte neue Nachbarin und bot uns Platz in ihrer Biotonne an.

Nummer 1 und Nummer 2 sahen mich zögernd an.

„Vermutlich sind wir Teil eines Sozialexperiments,“ flüsterte ich, „eventuell finden wir irgendwann die versteckt installierten Kameras …“

Wir waren wirklich etwas paranoid geworden durch das Mobbing und den überwiegend nicht als allzu weltoffen zu bezeichnenden, dörflichen Charakter unseres vorherigen Wohnortes.

Ich erinnere vermutlich für immer den ersten Tag, an dem Nummer 2 strahlend aus der neuen Schule kam und auf meine – wie gewohnt ängstliche – Frage, wie es denn gewesen sei, antwortete:

„Es war total schön!“

Und daran änderte sich bis heute nichts.

Alle drei Großen gehen auf das gleiche Gymnasium, das durch einen unglaublich kompetenten Rektor geleitet wird. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte wertschätzen einander. Ich bin immer wieder gerührt. Und wenn ich mal in einer lokalen Facebook-Gruppe lese, dass sich jemand beschwert, weil der Umbau der Sporthalle besagter Schule zu lange angedauert habe, dann denke ich: „Sch*** auf die Halle! Diese Schule ist einfach wunderbar!“

Nummer 1 und Nummer 2 erholten sich nach und nach von ihren Erlebnissen an der vorherigen Schule. Und ebenso erging es uns als Eltern.

Natürlich kann man traumatische Erfahrungen wie mehrjähriges Mobbing nicht einfach „ausschwitzen“ und so wird Nummer 2 in Zukunft auch am neuen Wohnort noch einmal fachliche Unterstützung erhalten, um in Gesprächen und Übungen zu noch mehr Selbstvertrauen zu finden. 

Und noch eine neue Schule

Nach diversen Gesprächen mit Erzieherinnen, der Schulpädagogin und der Schuldirektorin sowie vielen Überlegungen kam Nummer 4 etwas verfrüht in die Schule. Er hat Anfang Dezember Geburtstag und unser Stichtag war Ende September. 

Er geht sehr gerne in die Schule und hatte nur zu Beginn ein wenig Schwierigkeiten, seine Rolle als Jüngster anzunehmen ohne sich davon zu klein zu fühlen. Er hat schnell Freunde gefunden zu denen auch unter anderem wieder ältere Kinder aus höheren Klassen gehören – im Kindergarten hatte er sich ebenfalls an den Ältesten orientiert.

Der Abschied aus dem Kindergarten fiel ihm sehr schwer. Er hat sehr geweint, als man ihn rituell „rauswarf“, was unser sensibles Kerlchen eher als ablehnenden Akt empfand, statt es spaßig zu finden. 

Inzwischen freut er sich morgens immer, wenn er in der ersten Stunde frei hat und schon früh zur Betreuung gehen kann. Ebenso genießt er die Betreuung nach der Schule in vollen Zügen. Scheint irgendwie netter zu sein, als zu Hause alleine mit Mama oder unter lauter Teenager-Ladies zu sein 😀

Eine neue Ausbildung und eine Prüfung

Bei unserem letzten Post vor unserer langen Pause war ich mitten in der Ausbildung zur psychologischen Beraterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. 

Zudem habe ich zwei Fachausbildungen absolviert:

Schematherapeutin und Familienbiographischer Coach

Das Nikolauskloster in Jüchen: Mein Ausbildungsort für die „Familienbiographische Rekonstruktionsarbeit“

Familienbiographisches Arbeiten

Beides liegt mir sehr am Herzen und besonders die Arbeit an und mit den Genogrammen (Stammbäumen) ist sehr emotional, befriedend und auflösend – dies ist die Arbeit eines familienbiographischen Coachs. Die Methode heißt „Familienbiografische Rekonstruktionsarbeit“ und wurde vom Ehepaar Drs. Adamaszek vor über 20 Jahren begründet. Hierbei geht es um das Auflösen familiärer Belastungen, transgeneratorischer Traumata, familiärer Geheimnisse und vor allem auch darum, im Familiensystem den „richtigen“ Platz zu finden: Jede*r von uns ist nämlich von seinem/ihrem Platz oder seiner/ihrer Rolle öfter mal „verschoben“. Wenn jemand stirbt oder wenn eine Trennung vorliegt zum Beispiel. Oder wenn man statt Töchtern nur Söhne oder andersherum bekommt. Da macht man sich aus Liebe zum Familiensystem unbewusst auf, dessen Platz und Rolle mit zu übernehmen. Wenn der Ehepartner des Elternteils beispielsweise lieblos ist, dann gleicht man dies ebenfalls aus. Wir gleichen alle möglichen Mängel aus und wollen das System erhalten. 

Diese Arbeit ist unglaublich spannend und interessant! Man sieht zum Beispiel oft, wie in Familien Jahrestage eine Häufung erleben (Jahrestagssyndrom) oder bestimmte Monate viele Geburten und/oder Todesfälle aufweisen. Das alles ist nicht esoterisch oder mysteriös, sondern ein stimmiges Zusammenspiel systemischer Komponenten – ein Geflecht aus Individuen mit starker Verbindung zueinander. 

Im nächsten Jahr werde ich im Rahmen eines Forschungsprojektes unter der Schirmherrschaft von Mediziner*innen und eines Politikers teilnehmen und der spannenden Frage auf den Grund gehen, wo die „Borderline Persönlichkeitsstörung“ als komplexe Traumafolgestörung im System auftritt und/oder „weitergegeben“ wird. Hierbei wird auch das Thema der „Kriegsenkel/- urenkel“ behandelt, da die beiden Weltkriege zahlreiche Traumata in unzähligen Familien hinterließen. Ich werde berichten …

Schematherapie

Die Schematherapie beinhaltet (sehr knapp zusammengefasst) das Aufdecken von Mangelzuständen in der Kindheit und die Auswirkungen auf das jeweils aktuelle Empfinden und Verhalten sowie das Denken. 

Durch bestimmte Erfahrungen legen wir (Denk/Fühl-/Wahrnehmungs-)Schemata an, anhand derer wir die Welt und die Mitmenschen sehen und uns entsprechend verhalten.

Die Ursprungssituationen des Mangels (oder auch der Verletzung/des ungesunden Überflusses …) werden aufgedeckt und behandelt. Dies geschieht durch verschiedene Therapie-Tools wie Stuhldialoge, Aufstellungsarbeit, Rollenspiele und die „begrenzte Nachbeelterung“ („Limited Reparenting“). Während dieser Methode gibt die therapierende Person in begrenzter Form dem*r Klient*in das, was als Kind fehlte: Anleitung, Begrenzung, Unterstützung, Schutz, Zuspruch …

Die „Version“ des Schema-Coachings (statt Schema-Therapie) hilft Menschen ohne eine psychische Erkrankung hinderliche Verhaltens- und Gefühlsschemata zu durchbrechen. So ein Coaching ist äußerst kraftvoll und befreiend – das kann ich sagen!

 Ein Schema-Coaching kann im Prinzip jeder brauchen, habe ich festgestellt … 😉 

Die Prüfung

Am 8.Januar 2019 war es so weit: Nach im Oktober 2018 bestandener schriftlicher Prüfung musste ich morgens sehr früh zum Gesundheitsamt, um mich dort mündlich prüfen zu lassen.

Ja, das war unfassbar aufregend!

Aber als ich dann einmal vor den Prüfer*innen saß, war ich erstaunlich ruhig und sogar richtig froh, mein ganzes erlerntes Wissen endlich ausschütten zu dürfen. Zuvor hatte ich eine Hypnosesitzung bei einer Kollegin gebucht und konnte meine Aufregung und Angst vor einem Blackout absolut in den Griff bekommen. Ich war „ruhig und souverän“ (das waren die Schlüsselworte der Hypnose).

Befragt wurde ich zu den Themen Schizophrenie, Pharmakologie, Umgang mit einem psychiatrischen Notfall und zum Rett-Syndrom.

Ich konnte alles ausführlich beantworten und bekam dementsprechend während der Prüfung immer bessere Laune.

Da es Aufgabe der Prüfenden ist herauszufinden, ob man als Therapeut*in geeignet ist, um verantwortungsbewusst mit Menschen umzugehen und über einen ausreichenden Wissensstand verfügt, ist es natürlich von Vorteil, wenn man da selbstbewusst sitzt und eine möglichst intensive Wissenstiefe vorweisen kann. 

Und so wurde ich dann nur sehr kurz geprüft und war irritiert als mir die Amtsärztin und der Psychiater gratulierten. Mit entfleuchte dann Folgendes:

„Wie? Das war’s schon? Ich war grad so gut in Fahrt!“

Ja, ich bringe die Welt immer wieder zum Lachen. So auch an diesem Morgen …

Ich hörte noch Löbliches wie „Profundes Wissen, wunderbar emphatische Grundhaltung …“ – aber nur mit einem Öhrchen, denn ich wollte unbedingt zu Mister Essential auf den Flur, um ihm die schöne Neuigkeit zu erzählen. (Eine geradezu regressiv-euphorische Haltung :D)

Der Freudentaumel war der Hammer, kann ich Euch sagen!

Wir hatten nachts kaum geschlafen. Ich war wirklich ab 2:30 Uhr wach und um 7:30 Uhr saß ich bereits wartend im Gesundheitsamt.

Die Kinder waren beim Opa, da wir am Vorabend angereist waren, um nicht um 5 Uhr morgens losfahren und im Stau stehen zu müssen.

Und so legten wir uns zuhause nach dem ersten Sektglasklirren erst einmal ins Bett und schliefen zwei Stündchen. Anschließend holten wir die Kinder ab, die sich wahnsinnig mit mir freuten.

Abends feierten wir dann zusammen mit den Kindern – wir sind ja immer genug Personen für eine kleine Party hier! Wir haben mit ein wenig Sekt und Kindersekt angestoßen, Musik gehört, getanzt und gefeiert. Das war Glück pur!

Prüfung bestanden! Im Hintergrund eine Auswahl der Literatur

Eine neue Diagnose

Ich hatte auf unserem Blog mal erwähnt, dass mein älterer Bruder die Diagnose Asperger-Syndrom hat. 

Eine unserer pfiffigen und geneigten Leserinnen teilte mir daraufhin den Verdacht mit, dass ich selbst ja eventuell auch im Autismusspektrum sei. Ihr war das wohl zwischen diversen Zeilen aufgefallen.

Ich behielt das im Kopf und kam dann während der Ausbildung wieder auf das Thema zurück. 

Vor allem darauf, dass sich Autismus in seiner Symptomatik bei Mädchen und Frauen oft ganz anders zeigt als bei Jungen und Männern.

Mädchen lernen früh, ihre Symptome zu unterdrücken und zu überspielen. Sie wenden ein hohes Maß an Energie auf, ihre Umwelt zu beobachten und Verhaltensweisen zu adaptieren. 

Mit einem gewissen Druckgefühl in Kopf und Brust ging ich nach dem Seminar nach Hause und berichtete Mister Essential davon.

Dieser lag zu jener Zeit mit einem (autsch!) Steißbeinbruch im Bett. Er war auf einer vereisten Treppe an unserem vorherigen Haus ausgerutscht.

So hatte er aber Zeit ohne Ende und nahm sich den Rechner, um zu recherchieren. Es vergingen zwei Stunden. Dann hörte ich ihn lachen und lachen. In so einem Moment ist es manchmal besser, mal nachzusehen. Wer mit schmerzendem Unterkörperbereich hernieder liegt hat bekanntlich nix zu lachen und so beeilte ich mich ins Schlafzimmer.

Mister Essential: „Ich habe Doktor Tony Attwood entdeckt! Der ist nicht nur sehr klug und sympathisch, sondern seines Zeichens Asperger-Experte. Und in diesem Bereich ist er auf Mädchen und Frauen spezialisiert. Ich habe mir viele Artikel von ihm durchgelesen und Videos angesehen.“

Ich: „Und was genau ist an ihm so lustig, dass vor Lachen die Wände wackeln?“

Er: „Der Typ kennt meine Frau!“

Erneutes Lachen.

Und noch eins.

Ich guckte ihn stumm an.

Nun nahm ich neben ihm Platz und konnte spüren, wie alles mögliche von mir abfiel: Schuppen von den Augen, Last von den Schultern, Schmerz aus dem Herzen, Unzulänglichkeitsgefühle, Unsicherheit, Anspannung, Stress, Ängste …

Ich sehe mich da noch sitzen und mich feuchten Augen nicken:

„Ich bin gar kein Sammelsurium an Seltsamkeiten! Alles, was ich empfinde und erlebe gehört zusammen und macht absolut Sinn!“

Ich habe meine Verdachtsdiagnose dann zunächst mit befreundeten Müttern von autistischen Kindern besprochen, die zum Teil selber autistisch sind. Ja: Ich kenne zufälliger Weise Unmengen an Autist*innen. Schließlich nickten sie ebenfalls bekräftigend und ich erlebte so ein Allgemeines: „Aber na Klar! Das macht ja total Sinn!“ und „Hatte ich auch schon so im Verdacht, wollte aber nichts vorwegnehmen!“

Manche Freunde waren auch eher so: „Hä? Wenn du meinst. Da merkt man nach außen aber nix von.“

Dieses Bild habe ich zusammengestellt, weil es perfekt ausdrückt, wie es sich anfühlt, ich zu sein … (Rechts im Bild, der Charakter „Holly“ aus „Mr.Mercedes“ von Stephen King, ebenfalls mit starken autistischen Symptomen. Also Holly, nicht Mister King …)

Ja, und auch sie hatten Recht: Weil ich so viel Energie bisher aufgewendet hatte, um mich anzupassen. Daher war und bin ich auch sehr gut angepasst. Äußerlich bis zur Perfektion maskiert („hochfunktional“). Innerlich sehr angestrengt …

Jeder Punkt, an dem sie sagen würden „Aber das merkt man ja gar nicht!“ hatte Jahrzehnte an Eigentraining bedeutet und alle Punkte, an denen sie sagen könnten: „Ja, da ist etwas anders als bei den meisten Menschen…“ da war ich noch nicht mit diesem Kräfte zehrenden Training angekommen. 

Schließlich sprach ich mit meiner äußerst fachkundigen Supervisorin und auch sie nickte sofort bekräftigend und lächelte dazu sehr lieb. Auch das erinnere ich noch sehr genau. Sie bot an, mich mit einem befreundeten Psychiater zusammenzubringen (denn diese Fachleute stellen die Diagnose offiziell), um eine gefestigte Diagnose zu erhalten, was sie als unproblematischen Vorgang ansah. Bei allem, was ich ihr geschildert hatte. Wir hielten inne und sie sah mich an:

„Macht das für dich überhaupt Sinn? So eine niedergeschriebene Diagnose, die dann ja auch noch überall nachzulesen ist? Brauchst du die oder hindert die dich vielleicht sogar irgendwo?“

Gemeinsam reflektierten wir diese sinnvolle Frage und ich beschloss, eine solche Diagnose abzulehnen und statt dessen einfach endlich ich selbst zu sein und mich annehmen zu können.

Seitdem habe ich die meisten „Symptome“ viel weniger: Weniger Aufregung und Unsicherheit im sozialen Zusammensein und an neuen Orten, Akzeptanz meiner restlichen Ängste und Unsicherheiten, generell Akzeptanz als Erleichterung und dann noch das Begreifen, dass mein ältester Freund ebenfalls im Autismusspektrum ist und wir deshalb so herrlich harmonieren. Damals wie heute. Es kamen Erkenntnisse auf Erkenntnisse.

Natürlich ist es oft so: 

Autismus tritt familiär gehäuft auf und auch bei unseren Kindern, war mir schon lange klar, dass sie irgendwo im autistischen Spektrum zu verorten sind. Ich erlebte sie da individuell sehr unterschiedlich und bin von Anfang an instinktiv auf sie und ihre Bedürfnisse gut eingestellt gewesen. Ich konnte sie coachen und begleiten, verstehen und stärken. Es geht ihnen soweit gut und sie fühlen sich weit weniger „komisch“ als ich es als Kind tat.

Auch für sie galt in Absprache mit unserer Kinderärztin und natürlich in Absprache mit ihnen selbst: Keine Diagnose wenn keine Probleme bestehen, die speziell durch eine Diagnostik behoben werden müssen.

Ich bin sehr glücklich mit meiner Neurodiversität, auch wenn sie mir viele Schwierigkeiten in meinem Leben bereitet hat. Besonders in meiner Kindheit habe ich mich wirklich wie ein ausgesetztes Alien auf einem zu beobachtenden Planten gefühlt … vermutlich hatte ich deshalb so eine große Begeisterung für Spielbergs „E.T.“

Zum Thema Autismus werde ich in Zukunft aber noch mal einzeln etwas schreiben – das würde sonst den Rahmen sprengen.

Ich bekam etwas Zweifel, ob ich denn überhaupt für meinen Beruf geeignet bin – so als Autistin. Dann aber habe ich mich weiter informiert und auch besprochen: Eine hohe empathische Haltung, dazu mein typischer Humor und das ganze Wissen, das ich dank meines eineiigen Gedächtnisses wunderbar abspeichern kann – das sind gute Voraussetzungen. Generell ist das gesteigerte Gedächtnis sehr zuträglich: ich erinnere es viele Situationen und Beispiele, die in Therapiegesprächen Sicherheit geben können. Zudem kann ich einfach intensiv fühlen (Hochsensibilität gehört ja nun einmal zum Autismus)!

Aber: Mir wurde bewusst, dass ich auf jeden Fall weit mehr auf Selbstfürsorge achten musste als bisher. Ich würde lernen müssen, mich noch mehr abzugrenzen und meinen Bedürfnissen eine viel höhere Priorität einzuräumen. Dieser Prozess ist (auf Grund meiner Prägung zur Anpassung und Selbstrücknahme) nicht einfach – er dauert noch an.

Inzwischen haben wir in Absprache mit unserem neuen Kinderarzt doch für Nummer 2, Nummer 3 und Nummer 4 einen baldigen Termin zur Diagnostik gemacht. Auch da werde ich berichten …

Ich hoffe, Ihr fühlt Euch nun (endlich) etwas besser abgeholt. was Informationen angeht.

Wir halten Euch auf dem Laufenden …

  • Über den Ausbau unserer Praxis berichte ich dann in einem eigenen Blogpost – denn das ist eine Geschichte mit tausend Hindernissen und würde hier den Rahmen sprengen … 😀

Wir sind noch und wieder da!

Ja, natürlich gibt es uns noch. Wir haben uns nur aus den Augen verloren. Und das finden wir ganz schön schade.

Es sind über zwei Jahre vergangen, in denen bei uns so viel passiert ist! Das letzte Mal schrieben wir über unsere Renovierung und den Umzug. Nun haben wir endlich, endlich den Punkt gefunden, an dem wir mit dem Bloggen weitermachen können und wollen.

Heute gibt es die geballten Informationen aus zwei Jahren. Natürlich werden wir in der kommenden Zeit sicherlich einiges davon aufgreifen, ausführen und einzeln thematisieren.

Wollt Ihr wissen, was seit dem Umzug alles geschah?

  • Wir haben uns wunderbar eingelebt und sind täglich dankbar, den großen Schritt „Hausverkauf und Neukauf“ gewagt zu haben! Wir lieben unseren neuen Wohnort sehr – Kleinstadt neben einer anderen Kleinstadt und beides nahe dem Ruhrgebiet mit all seinen Möglichkeiten. Das empfinden wir als perfekt für uns. Drumherum hübsche Landschaft, Spaziergänge am Rhein …Übrigens wohnen wir nun fußläufig zu jenem romantischen Wasserschloss, in dem wir 2003 geheiratet haben. (seit dem 28. Januar 2020 sind wir übrigens seit 20 Jahren ein Paar!)
  • Unsere neue Schule der älteren Drei ist wunderbar ! Eine „Ausnahme-Schule“ mit wunderbarer Leitung, die ihre Ideale an das Kollegium weitergibt. Wertschätzend, urteilsfrei und Kinder/Jugendliche liebend.
  • Unsere Kinder hatten natürlich alle zwischenzeitlich Geburtstag. Ja, äh, mehrmals sogar: Nummer 1 ist inzwischen 17 Jahre alt, Nummer 2 ist bald 16 Jahre alt, Nummer 3 ist 12 Jahre alt und Nummer 4 ist 6 Jahre alt.
  • Nummer 4 kam auf Antrag verfrüht in die Schule und lebte sich dort wunderbar ein. Es kam im Kindergarten Langeweile auf – da war zudem auch immer viel innerer Stress wegen der für ihn mangelnden Struktur und der Lautstärke. In seiner Grundschule hat er eine Lehrerin, die ihn ganz genau so wahrnehmen kann wie wir. Sie hat sehr viel Freude am (manchmal herausforderndem) Umgang mit unserem Sohni.
  • Einer unserer beiden Kater ist umgezogen – K1 hat sich ein kinderloses Ehepaar gesucht, das gerade seinen Hund verloren hatte. Man verliebte sich in K1 und wir besprachen, dass er dort wohnen bleiben darf. K1 begrüßte mich dort in der Wohnung mit scheinbar schlechtem Gewissen und versteckte sich dann hinter einer Wagenladung teurem Katzenfutter, das aus irgendeinem flauschigen Grund angeschafft worden war. K2 vermisste ihn exakt einen Tag lang. Immerhin sind sie ja auch nur Zwillinge und waren nie zuvor getrennt … Wie war das nochmal: Katzen haben 20% so viel des Bindungshormons Oxytocin im Blut im Vergleich zu Hunden …?
  • Apropos Hund: Unserem weißen Pudel-Winzling H1 geht es prächtig. Er hat inzwischen sehr viel Vertrauen in sein Menschenrudel und in unsere Besucher gefasst. Man merkt immer noch, dass ihm zu Beginn seines Lebens sowohl eine artgerechte Sozialisation als auch Liebe und Anleitung gefehlt haben. Aber es geht ihm gut und das ist für uns das Wichtigste. Er ist zauberhaft sensibel und beschützend sowie auch ausgesprochen intelligent. Und er hat so richtig süße Knopfaugen …

 Zu mir:

  • Ich habe meine Ausbildungen zur psychologischen Beraterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie zur Schematherapeutin und zum familienbiographischen Coach absolviert und die beiden Prüfungen (schriftlich und mündlich) vor dem Gesundheitsamt richtig gut bestanden. Derzeit arbeite ich als Dozentin und im Bereich Marketing für die Deutsche Heilpraktikerschule in Mülheim. Zugleich bauen wir im Souterrain unseres Hauses meine zukünftige Praxis aus – ein Projekt mit Hürden und Vorfreude und Hürden und Vorfreude. Aber dazu später mehr.
  • Die Umstellung von der eher rückzügigen Elternzeit mit dem vielen Lernen auf das Dozieren vor Leuten ist nach wie vor für mich nicht ohne. Ich wurde und werde von Nervosität, Befürchtungen und Unsicherheiten durchgeschüttelt. Diese überwinde ich Schritt für Schritt und spüre, wie sehr ich es liebe, mein Wissen weiterzugeben. Das Feedback der Schüler*innen ist immer so ausgesprochen gut, dass es mich bestätigt, den nächsten inneren Schritt zu wagen. Innerhalb des Familiensystems bringt eine Mutter, die Herz und Hirn des System war und sich dann mehr und mehr auf sich und ihre eigenen Ziele besinnt, mächtig viel durcheinander. Aber auch dazu gibt es in der kommenden Zeit mehr

Persönliches:

  • Zu meinen Eltern und meinem Bruder habe ich nach wie vor keinen Kontakt
  • Ich bin inzwischen 43 Jahre alt geworden.
  • Während meiner Ausbildung inklusive der vielen Stunden Selbsterfahrung wurde mir bewusst, dass nicht nur mein älterer Bruder sondern auch ich selbst das Asperger Syndrom habe, beziehungsweise mich im Autistischen Spektrum bewege (so wird das zukünftig bezeichnet werden). Irgendwann vor Jahren hat einmal eine unserer Leserinnen hier sehr wertschätzend und wohlmeinend in diese Richtung kommentiert und gefragt, ob ich nicht vielleicht Autistin sei – das würde für sie immer wieder so durchschimmern. Ich traf also vor zwei Jahren meine Supervisorin, erzählte ihr von meinem Verdacht und sie nickte nur wissend und begreifend. Dann bot sie mir auf Grund der deutlichen und klaren Symptomatik an, mich für eine offizielle Diagnose an einen befreundeten Psychiater zu verweisen. Anschließend berieten wir diesen Vorschlag und ich beschloss, eine offizielle Diagnose auszuschließen. Ich wüsste nicht, welche Vorteile das für mich hätte, befürchte jedoch Nachteile. Ich nehme mich seitdem allerdings mit so viel mehr Verständnis an, gehe anders mit mir um und begreife all die vielen Schwierigkeiten meiner Vergangenheit so viel besser. Und es machte plötzlich auch Sinn, dass ich so viele Autist*innen in verschiedenen Altersstufen kenne und als Freund*innen habe …
  • Ich pflege derzeit die Idee von einem „Praxis-Hund“. Im Grunde wünsche ich mir seit Kindertagen einen eignen Hund und im Augenblick denke ich darüber nach, wann ein guter Zeitpunkt für einen Zweithund sein könnte. Für mich ist immerhin schon klar: Es soll eine Pudeldame sein, möglichst eine weiße. Die Rasse ist sehr gut geeignet als Therapiebegleithunde (eine Ausbildung würde folgen), sehr klug und zugleich sensibel, ohne Eigengeruch und allergikerfeindliches Fell (wegen der Patienten wichtig).

Zu Mister Essential:

  • Vor dem Umzug und der anstehenden Renovierung hatte ich, bedingt durch die Nachwirkungen meiner Krankheit, noch riesigen Respekt vor den anstehenden Arbeiten. Jedoch gab mir auch die Tatsache, dass ich die notwendigen Heimwerkeraufgaben wenn auch vielleicht nicht mit Bravour, so doch hinlänglich bewältigt habe, einigen Aufwind. Seitdem betreibe ich ein recht intensives Sportprogramm und plane, demnächst einen Trainingsraum im Keller einzurichten. Der erste Schritt – eine Klimmzugstange – ist bereits getan und ich gehe der ganzen Familie sporadisch mit meinen komischen Fitness-Ernährungsgewohnheiten auf die Nerven. Früher habe ich das ganze „Protein-Shakes, Brokkoli und Hähnchen“-Zeug selber ein wenig affig gefunden, aber damals war ich noch jung. Mittlerweile muss ich mich aus verschiedenen Gründen etwas mehr anstrengen …
  • Ich habe durch Ms. Essentials Ausbildung einiges „nebenher“ gelernt, die ich mittlerweile auch beruflich einsetze. Neben meinem eigentlichen Job in einer Kommunikationsagentur versuche ich, mehr Vorträge und Fachbeiträge im Bereich Marketing zu übernehmen, unter anderem als Gastdozent an einer Universität und Weiterbildungseinrichtung für Marketer (für alle Branchenfremden: das ist mehr oder weniger der denglische Fachbegriff für Leute wie mich).
  • Ich habe in den letzten sechs Jahren gemerkt, wie beeindruckend anders es doch ist, neben drei Töchtern auch einen Sohn zu haben. Ganz ohne irgendwelchen Einfluss meinerseits (!) hat Nummer 4 eine große Begeisterung für Lego entwickelt. Zufälligerweise war das als Kind auch mein liebstes Spielzeug für viele, viele Jahre und ich merke, dass es dem eigenen inneren Kind sehr gut tut, dieses Interesse ganz legitim noch einmal ausleben zu dürfen. Wir bauen regelmäßig zusammen und wann immer er gerne etwas Neues hätte, aber kein Geld hat, versuche ich Lego-Sets nachzubauen oder ihm neue Dinge zu basteln.
  • Eine meiner größten Herausforderungen ist aktuell das Einteilen der Zeit zwischen Job, Arbeit in der Familie, „echter“ Familienzeit, Paarzeit und Zeit für mich. Irgendwas kommt immer zu kurz und meistens ist das Zeit für mich. Das ist ein Thema an dem Ms. Essential und ich aus verschiedenen Richtungen arbeiten und wir schaffen es, sehr konstruktiv zu sein – dennoch sind die Erfolge (in der Sache) nur in sehr kleinen Schritten zu sehen.

So, das war´s erstmal für heute – aber hier wieder ab und zu zu schreiben gehört definitiv zu unseren guten Vorsätzen für 2020! (auch wenn wir damit jetzt reichlich spät dran sind)

Viele Grüße,

Mrs. und Mr. Essential

Aus der Versenkung – ein Brief an Euch

Ihr Lieben,

die letzten Monate waren schön, aufregend, anstrengend und wunderbar.

Endlich können wir uns hier zurückmelden. Wir wollen ein paar Fotos aus unserem neuen Zuhause zeigen und erzählen, wie unser Leben sich seit dem Umzug im August verändert hat.

Was bisher geschah

Der Umzug ist nun rund sieben Monate her und wir fühlen uns, als würden wir schon viel länger hier leben.

Hier ein Bild vom Umzug. Morgens um 8. Fertig waren wir um 1:30 Uhr…

Zwischen April und August haben wir über 500 Stunden mit der Renovierung unseres neuen Zuhauses und den Umzugsvorbereitungen verbracht. So quasi „nebenbei“ habe ich den Inhalt des „alten“ Hauses sortiert, zum Teil verkauft und in Umzugskartons gepackt (90 Stück an der Zahl).

Die Renovierungsarbeiten verliefen gut und waren ein richtiges Familienprojekt. Wir schafften es, das Haus soweit vorzubereiten, dass wir einziehen konnten- den Rest wollten wir danach fertigstellen.

Dann kam der Umzug. Er begann morgens um 8 Uhr und endete um 1:30 Uhr in der Nacht. Wir hatten eine uns bereits bekannte Umzugsfirma gebucht.

Ich war die ganze Zeit sehr aufgedreht und glücklich. Als ich endlich im Bett lag, kam ich kaum zur Ruhe.

Mister Essential hatte drei Wochen Urlaub und so hatten wir viel Zeit, uns einzurichten und restliche Arbeiten zu erledigen.

Wir fuhren am nächsten Tag zurück ins alte Zuhause – die beiden Kater waren am Umzugstag verschwunden und unauffindbar gewesen.

(K2 nach dem Umzug. Sichtlich erfreut.)

Auch am Folgetag ließen sie sich nicht anlocken. Wir informierten die neuen Hausbesitzer, die bereits das Haus betraten und Renovierungsplanungen vornahmen. Sie wollten uns anrufen, wenn sie die Kater entdeckten.

Wir führen wieder hin und schnappten uns die sich wehrenden Herren. Die Fahrt empfanden die Beiden als Zumutung und äußerten dies lautstark.

Verwandlung

Wir haben innerlich ausgeatmet und uns Zeit genommen, uns einzurichten.

Wir haben unsere Küche aufgebaut. Ja, von Ikea. Ja, sie bestand aus gefühlt einer Million Einzelteilen. Es war etwas, bei dem ich den den Spruch einer alten Dame aus der Nachbarschaft meiner Kindheit denken musste. Diese hätte gern gesagt: „Na, das ist ja eine Arbeit für einen, der Vater und Mutter erschlagen hat.“

Ungefähr so war das.

Da wir mehrfach gebeten wurden, eine Vorher-Nachher-Show zu machen, werden wir dies in diesem Artikel gerne umsetzen:

Hier für Euch die Evolution der Küche:

Wir widmeten uns natürlich auch allen anderen Zimmern.

Gleich neben der Küche liegt das Wohnzimmer. Hier dessen Verwandlung:

Die „Bar-Ecke“, die ich gern zum Lernen nutze- dann aber ohne den „Bar-Anteil“. Den nutzen wir ohnehin eher selten. Vorher war dort eine Bar und wir haben das als Idee so übernommen.

Das Schlafzimmer mag ich auch richtig gerne. Es hat eine große Verwandlung hinter sich:

Das Bad (wunderbar direkt ans Schlafzimmerfenster angeschlossen):

Viel Spaß hatten wir dabei, die Kinderzimmer zu gestalten.

Aber unser Nachwuchs möchte diese nicht öffentlich vorstellen. Das respektieren wir natürlich.

Dafür gibt es noch Gartenfotos. Der Garten ist unser neues Projekt. Sowie der große Kellerraum, den wir als Gäste-/Rumhäng-/Partyraum nutzen wollen.

Das letze Foto zeigt Fundstücke aus dem Garten und dem Gerätehaus:

Wir werden die Grundform lassen, den Teich etwas mit Kies aufschütten und zum Wasserspielplatz umgestalten. Bei schlechtem Wetter können wir dann fröhlich den Kellerraum verputzen…

Das neue Leben

Die neue Schule stellte sich schnell als wahrer Segen heraus.

Der Umgang dort ist von tiefer Wertschätzung den SchülerInnen gegenüber geprägt. So etwas habe ich in dieser Art noch nie erlebt. Es gibt viele Angebote der Unterstützung, schöne Veranstaltungen und der Austausch mit den LehrerInnen ist ganz toll. Wir sind echt dankbar.

In den Wochen nach dem Umzug lebten wir uns gut ein. Ich fühlte mich wirklich schnell zuhause.

Nummer 3 war die Einzige mit Heimweh – wir schenkten ihr viel Aufmerksamkeit und Trost, luden Freundinnen aus dem vorigen Wohnort ein und päppelten sie auf, wenn sie trauerte.

Nummer 4 kam in den Kindergarten und gewöhnte sich schnell ein.

Auch der Kindergarten ist ganz großartig.

An manchen Tagen dachte ich:“Das ist alles so unfassbar gut und alles fügt sich so herrlich zusammen und ineinander. Viele Begebenheiten und Begegnungen schienen zu bestätigen: „Wir haben eine sehr gute und richtige Entscheidung getroffen.“

Inzwischen

Seit dem Umzug sind sieben Monate vergangen.

Wie feierten hier Geburtstage. Weihnachten, Silvester und bald auch das erste Osterfest.

Wir sind viel entspannter und glücklicher.

Es war ein echter Kraftakt, sich für einen Neubeginn zu entscheiden. Und es hat sich sehr gelohnt, allen Befürchtungen zu trotzen!

Wir danken Euch für all Euren Zuspruch, Euer Mitlesen und Eure lieben Nachrichten und Mutmach-Kommentare. Vor allem aber auch für Eure Geduld, auf diesen Post zu warten- wir hoffen, die vielen Fotos entschädigen Euch etwas ❤️

Der Umzug steht vor der Tür: Hausrenovierung, Teil 4

Endspurt

In einer Höhle aus Umzugskartons lebte ein müdes Wesen: Ich

Mit mir leben fünf weitere Wesen gemischter Gefühls- und Energielage. Alle haben wir allerdings eines gemeinsam: Wir sind aufgeregt, freuen uns und befinden uns im Endspurt.

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Hier war ich noch mitten im Packen. Inzwischen bin ich fast fertig

Die Wochenenden waren wieder gefüllt mit Tapezieren, Acryl auftragen, zum Baumarkt fahren (weil etwas vergessen wurde), zum Baumarkt fahren (weil sich ergab, dass wir doch noch etwas brauchten), zum Baumarkt fahren (weil etwas überraschend aufgebraucht war) und Putzen.

Letzteres wird auch den kommenden Sonntag bestimmen. Aber immer der Reihe nach.

Diese Mischung aus Wochenenden voller Arbeit, Wochentag voller Räumen, Packen und zusätzlich den üblichen Terminen (Kieferorthopäde, Schulabschied, Gespräche und Schnuppertag an der neuen Schule …) ist wirklich knackig.

Ein Wochenende (Freitag und Samstag) war ich in einem wunderschönen Kloster zu einer Zusatzausbildung. Da ich meine Praxis mit dem Themenschwerpunkt Familie gestalten möchte, habe ich mich für eine Ausbildung zum Familienbiographischen Coach entschieden. Das war unglaublich interessant, die Gruppe war wunderbar (ich hab immer Glück mit meinen Gruppen – bin sehr dankbar dafür) und die Selbsterfahrung war sehr heftig. Schließlich ist meine Familienbiographie alles anderes als lustig. Beim Familienbiographischen Coaching geht man vor, indem man einen Stammbaum seiner Familie erstellt. Die einzelnen Personen und ihre Lebensdaten werden genau betrachtet. Allein dies löst viele Gefühle aus. Man merkt schnell, dass jede Familie ihre eignen Themen hat, die auch die eigenen Themen darstellen.

Man lernt, dass man verstorbene Menschen ersetzt. Und dies nach einem festen Muster. So ver-rückt man sich innerhalb des Familiensystems aus lauter Liebe, um Geschwister zu ersetzen oder auch Großtanten oder ein fehlendes Geschlecht in der Geschwisterriege.

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Ein wunderschöner Ort zum Lernen, Entspannen und zur inneren Einkehr: Das Nikolauskloster in Jüchen (Hier gibt es auch Kaffee und selbstgemachten Kuchen. Ein tolles Ausflugsziel mit Park und Spielplatz)

An diesem Wochenende war ich somit nur am Sonntag im Haus fleißig.

 

Und was haben wir geschafft?

Wir haben das Schlafzimmer tapeziert. Der Teppichboden folgt dieses Wochenende, ebenso die 54 Meter Fußleisten, die wir ingesamt noch anschrauben müssen. Diese wurden heute endlich geliefert und liegen nun sperrig im Flur hier herum …

 

Das habe ich zusammen mit Nummer 2 gemacht. Es war echt sehr nett. Auch wenn man die Teenies immer wieder von ihren Smartphones zerren und daran erinnern muss, wie sehr sie sich diesen Umzug wünschen, damit sie mithelfen. Hüstel.

Hier sind die Wände des Essbereichs fertig:

 

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Jippie.

Dann stand der Tag an, vor dem Nummer 3 richtig Angst hatte: Der Abschied von der Grundschule. Sie hatte vorher schon viele Tränen des Abschieds vergossen. Und ihre Abschlussfahrt in ein Heuhotel mit Raftingfahrt und vielem mehr erlebt.

Nun war es soweit und wer war nicht mit dabei? Die Mama. Ich absolvierte ein weiteres Seminar von morgens bis abends. Es ging EFT (Emotional Freedom Techniques) und so ließ ich mir Videos und Bilder schicken, denn der liebe Herr Vater hatte sich natürlich Urlaub genommen. Und es wurde geweint. Sehr viel geweint. Sie tat mir so leid und ich konnte sie letztlich abends noch ganz gut auffangen, sowie in den kommenden Tagen immer wieder.

Ich sagte ihr, dass all die Tränen einfach  herauskommen sollen, denn wenn man einem Gefühl erlaubt, sich ganz bis zur Neige zu zeigen, dann erst sei Platz für das gegenteilige Gefühl. Und so war es dann auch. Sie war sehr geknickt, dass ihre beste Freundin überraschend nicht zum Abschiedstag gekommen war, weil ihre Eltern lieber mit ihr früher in Urlaub fahren wollten. Die beiden waren somit um ein gemeinsames Ritual gebracht worden, auf das sie sich sehr gefreut und innerlich vorbereitet hatten. Sie betrauerte diesen Umstand ganz besonders. Und auf einmal, am Montagmorgen, kam sie gut gelaunt aus ihrem Zimmer und teilte mit, nun sei sie bereit für den Neuanfang.

 

 

 

 

 

 

 

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Das sind die gestrichen Wandabschlussprofile, die wir später anbrachten

Im Wohnzimmer kam der Trockenbauer gut voran. Hier auf dem Bild sieht man die Rigipsplatten vor dem Spachteln und dem Anstrich.

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Ist total wohnlich, oder?

Dann widmeten wir uns der Küche.

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Erst einmal wurde der Boden von Dreck, festklebender Spachtelmasse und Spachtelmassenschleifstaub befreit.

Für die Küche haben wir uns für einen englischen Landhausstil (Grau und Weiß) entschieden. Sie wird zwei Tage nach dem Einkauf geliefert.

Passend dazu mussten die Wände der Essecke zweigeteilt tapeziert werden, mit Dekorprofilen mittig sowie auch Wandabschlussprofilen

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Stilechtes Karo (Tartan) – englische Vliestapete

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Und schwupps war die untere Hälfte da. In Wirklichkeit dauerte das leider eher 3 Stunden …

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Hier sind die Abschlussprofile zum Teil dran – mit Nägeln fixiert, denn die Wände sind sagenhaft schief … (Ist allerdings ein Architektenhaus. Das gerät zum Runnig Gag: „Kauf ein Architektenhaus und alles wir gerade und super sein …“)

Das habe ich zusammen mit Nummer 2 gemacht. Es war echt sehr nett. Auch wenn man die Teenies immer wieder von ihren Smartphones zerren und daran erinnern muss, wie sehr sie sich diesen Umzug wünschen, damit sie mithelfen. Hüstel.

Hier sind die Wände des Essbereichs fertig:

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Jippie.

Dann stand der Tag an, vor dem Nummer 3 richtig Angst hatte: Der Abschied von der Grundschule. Sie hatte vorher schon viele Tränen des Abschieds vergossen. Und ihre Abschlussfahrt in ein Heuhotel mit Raftingfahrt und vielem mehr erlebt.

Nun war es soweit und wer war nicht mit dabei? Die Mama. Ich absolvierte ein weiteres Seminar von morgens bis abends. Es ging EFT (Emotional Freedom Techniques) und so ließ ich mir Videos und Bilder schicken, denn der liebe Herr Vater hatte sich natürlich Urlaub genommen.Ich hatte ihr für den Abschiedstag ein keines Täschchen gemacht mit Taschentüchern und ein bisschen Soulfood und einem kleinen Geschenk. Die Taschentücher waren wohl überlegt: Es wurde geweint. Sehr viel geweint. Sie tat mir so leid und ich konnte sie letztlich abends noch ganz gut auffangen, sowie in den kommenden Tagen immer wieder.

Ich sagte ihr, dass all die Tränen einfach  herauskommen sollen, denn wenn man einem Gefühl erlaubt, sich ganz bis zur Neige zu zeigen, dann erst sei Platz für das gegenteilige Gefühl. Und so war es dann auch. Sie war sehr geknickt, dass ihre beste Freundin überraschend nicht zum Abschiedstag gekommen war, weil ihre Eltern lieber mit ihr früher in Urlaub fahren wollten. Die beiden waren somit um ein gemeinsames Ritual gebracht worden, auf das sie sich sehr gefreut und innerlich vorbereitet hatten. Sie betrauerte diesen Umstand ganz besonders. Und auf einmal, am Montagmorgen, kam sie gut gelaunt aus ihrem Zimmer und teilte mit, nun sei sie bereit für den Neuanfang.

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Auf dem Schulabschied: Jedes Kind knotete einen Wunschzettel an den Ballon und dann ließen alle gemeinsam ihren Ballon los …

 

Fortschritte und das Gefühl, nicht vorwärts zu kommen

Irgendwie zogen sich die Tage der Renovierung dahin. Gefühlt schmierten wir stundenlang nur Acryl in die Fugen von Wandabschlussprofilen und standen beratend in der Gegend herum. Schließlich hatten wir jüngst festgestellt, dass unsere Rolläden kaum zu bedienen waren. 40 Jahre alt und nie ausgetauscht worden. Man konnte sich an die Riesenteile wie ein Glöckner dranhängen und hatte danach blutleere Klauen statt Hände.

Wir besprachen dies mit der Vorbesitzerin, die irgendwie nichts zu wissen schien, wie ärgerlich das sei, ein Haus mit dem Ausstattungsmerkmal „Rolläden“ zu kaufen und dann erstmal neue kaufen zu müssen. Was ja nicht gerade billig ist. Letztlich gab sie sich jedoch einsichtig und möchte sich ein bisschen beteiligen.

Vor allem dies, weil wir jede Menge Ärger und Probleme mit dem Kauf von der Erbengemeinschaft hatten. Im Exposé aufgeführte und somit mitgekaufte Möbel wurden von den Erben plötzlich frühmorgens rausgeholt (auf Nimmerwiedersehen, denn auf Kontaktversuche gehen Besagte nicht ein), dabei wurde die Hautür beschädigt und, und und …

Die dysfunktionale Familie war für mich ein berufliches Lehrbeispiel. Und mehr will ich dazu gar nicht schreiben, denn ich konzentriere mich wie üblich auf das Gute und Erfreuliche. Den Rest muss man eh irgendwie lösen. Da nützt Ärger sehr wenig.

Jedenfalls bekamen wir zwei Angebote von Rolladen-Fachgeschäften und mussten noch ein wenig verändern und verhandeln. Letztlich haben wir nun ein Angebot wahrgenommen. Die alten, braunen Plastik-Rolläden werden gegen silberne Alu-Pendants ersetzt und diese erhalten Rohrmotoren. Diese wiederum werden eingebunden in ein Smart-Home-System, von dem wir alten Nerds schon lange träumen. Dieses mussten wir auch noch aussuchen und entschieden uns letztlich für Loxone. Unser toller Haustechniker, der uns hier im „alten“ Haus schon immer gut betreut hat, arbeitet damit und wird das für uns programmieren. Mit Wetter-App-Automatik-Steuerung und so weiter. Auch die Beamer-Leinwand und das Licht werden irgendwann dort eingespeist. Dazu kommt dann noch eine Funktion, die man sich ein wenig wie Siri vorstellen kann, nur nicht so störungsanfällig. Wir wollen gerne „Film gucken!“ sagen und dann gegen die Rolläden runter, die Leinwand fährt herunter, der Beamer schaltet sich an und, und, und wir sind eine Mischung und Snobs und Geeks 😀

Was haben wir noch gemacht?

Wir wollen hinter unserem Bett eine indirekte Beleuchtung schaffen. Hierfür war ein breites und hohes Holzbrett auf einer Unterkonstruktion gedacht, das wir tapezieren und mit einer LED-Beleuchtung in Warmweiß versehen wollen. Der Anfang war so: Nay…:

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Tausend Bohrversuche. Dauernd stießen wir auf etwas Undurchdringbares ..

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Irgendwann ging es dann doch voran…

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Mit fachmännischer Unterstützung geht doch alles besser: Mister Essential und Nummer 4

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Es leuchtet! Und hat sogar eine Fernbedienung! Supi!

Während der Akku des Schraubers immer wieder aufladen musste, brachten wir die Wandabschlussprofile an (die bekommen dann am kommenden Wochenende ihr Acryl. (Auch so ein Wort, das ich nicht mehr hören kann :D)

Letztlich ist diese Beleuchtung soweit gediehen, dass wir sie nur noch zu tapezieren brauchen. Wir haben eine sehr coole Tapete entdeckt. Die präsentieren wir dann im nächsten Update.

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Irgendwie ist die Qualität mies. Aber Ihr könnte es Euch sicher vorstellen…

Dann haben wir das Wohnzimmer aufgeräumt und die vier Tische mit den diversen Utensilien und Werkzeugen auf zwei zusammengefasst. Denn die Wohnzimmerdecke war bis zum ersten Anstrich gekommen:

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Urgs, ist der Boden noch staubig. Und dabei wurde er drei Mal gefegt …

Einen der nun übrigen Tisch stellten wir in die Küche, um endlich nicht mehr auf dem Schoß essen zu müssen:

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Ist das nicht eine hübsche Essecke? Wir empfinden es als gemütlich- Denn bisher diente der Tisch als Ablagetisch. (Irgendwie sieht der Sauger aus wie ein kleiner Dalek, fällt mir gerade auf …)

Zum Thema Aufräumen: Da erwartet uns noch Einiges. Dies ist beispielsweise die Terrasse:

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Das kommt alles noch weg

Am kommenden Wochenende werden wir also die Beleuchtungswand im Schlafzimmer tapezieren, den Teppichboden dort verlegen, Acryl (da ist dieses Wort ja schon wieder) in die Profilfugen schmieren, die erwähnten Fußleisten anbringen und vor allem Putzen. Überall liegt Schleifstaub, auf jeder Oberfläche. Nummer 1 hat schon richtig toll unser Elternbad gereinigt. Sie hat echt Talent, das werde ich zu nutzen wissen har-har … aber der Rest ist echt noch nicht so dolle. Das machen wir noch.

Nach dem Umzug warten dann die Badmöbel und ihr Aufbau, wir haben noch keinen Schlafzimmerschrank (hatten hier ja einen kleinen begehbaren Kleiderschrank), Nummer 1 braucht einen neuen Schrank, ein (antiker) Schrank soll zum Garderobenschrank umfunktioniert werden – braucht also Kleiderstangen und dann soll ein anderer alter Schrank statt Kleiderstangen Regalböden erhalten und natürlich muss man sehen, welche Gardinen man verwenden kann und welche man neu braucht und was sonst noch alles fehlt und der Wintergarten braucht noch ein neues Glasdach und die Metallteile müssen geschliffen und neu lackiert werden und, und, und …. wir freuen uns immer noch tierisch auf all das.

Es geht voran: Hausrenovierung, Teil 3

Wolken in Rosé

Nummer 1s Farbwunsch für das Zimmer verwunderte uns kurz, aber er gefiel uns sehr gut. Ein Hauch von Altrosé sollte es werden – passend zu ihrer Vorliebe für Nostalgisches und Elegantes (Teetrinken um 5+ Shortbread essen = The Queen is amused.)

Also legten wir los, sie und ich.

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Hier ist die Farbe noch nicht trocken

Und dann war da noch der Bodenbelag

Irgendwie waren nach dem Streichen und der folgenden Pause alle verschwunden. Zumindest alle unter 15 Jahren. Und so begann ich gegen 13 Uhr das Laminat zu verlegen. Und verlegte. Und verlegte.

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Aller Anfang ist leicht. Nur das Ende nervt dann: Laminatverlegen

Ich wurde zu Verlege-bot 500 und geriet in einen rauschhaften Flow. Zeit verann wie Wasser, Bewegungen liefen nur noch ab, griffen ineinander wie feingliedrige Zahnräder, Schweiß brach aus – es war verflucht stickiges Wetter.

Als nur noch zwei Bahnen fehlten, tauchte die das Zimmer zukünftig bewohnende Tochter auf und legte sich erst einmal in eine Ecke. Ich erklärte ihr, dass es „schwimmend und nicht liegend verlegen“ heißen würde, was sie weder amüsierte noch motivierte. Doch – letztlich raffte sie sich auf und war dann richtig hilfreich. Wie zwischendurch auch Nummer 3.

Ich kam zum Ende und richtete meinen schmerzenden Körper auf, war erstaunt, wie viel Laminat man in drei Stündchen doch verlegen konnte und nahm mein Mobiltelefon in die Hand:

18:40 Uhr. Äh, dann wohl doch etwas mehr als drei Stündchen …

Und dann war da noch das Sofa

Am folgenden Tag holten wir das Sofa aus Nummer 2s Zimmer, wo es zuvor als Unterlage für zu sägende Werkstücke gedient hatte.

Die Bezüge hatte ich zuhause gewaschen und gefärbt. Ich ordnete an, dass Nummer 1 sie selbst auf ihr zukünftiges Sitzmöbel aufziehen solle. Sie blickte irgendwie etwas betreten und räumte ein, nicht zu wissen, wo sie die Bezüge hingeräumt habe.

Ich: „Ich hatte die Bezüge angezogen, gewaschen, gefärbt, gebügelt und dir sauber verpackt geradezu feierlich überreicht, mein liebes Kind.“

Liebes Kind: „Äh ja, ich weiß. So in einem dunkelblauen Müllsack eingewickelt.“

Ich: „Ja genau, den du zuhause zum Auto und hier wieder aus dem Kofferraum heraus getragen hast, Schnuckiputzi.“

Schnuckiputzi: „Öhm, ja, also. Ich glaube, äh, ich hab den Sack dann wohl doch nicht wie besprochen in ein Kellerregal gelegt …“

Ich: “ … sondern?“

Nummer 1: „… so irgendwie eher, ja, irgendwo hingeklatscht …“

Ich: „…wo jemand anderes das Behältnis als Müllsack identifizierte und es als ebensolchen benutzte, was ich durch die Anordnung, es in ein Regal zu legen hatte verhindern wollen? Was ich dir nun so blöd oberlehrerinnenhaft erkläre, weil ich davon genervt bin, dass meine Lebenserfahrung und Weitsicht ignoriert werden, damit diverse Heranwachsenden ihre vielzitierten ‚eigenen Erfahrungen‘ machen können?“

Sie: „Ja. Genau so. Hast du schön zusammengefasst. Ich, äh, geh dann mal suchen.“

Am Ende durchsuchten wir zu Dritt (die Teenies und ich) jeden dunkelblauen Müllsack. In der Garage, im Haus, im Garten. Und welcher stellte sich als der heraus, der tief unten – unter Dreck und Müll – die Bezüge beinhaltete? Ja! Der zuletzt Durchwühlte.

Dann aber: Tadaa! Etwas Fummelarbeit später:

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Zwei haben die Absicht, eine Wand zu bauen

Und das taten sie: Der beste Ehemann von allen und sein Vater haben fleißigst vermessen und gebohrt und geschraubt. Parallel zu unserem Gestreiche und Verlege.

Rund um eine Rundsäule am Fenster und endend an einem verklinkerten Kamin – nicht einfach, aber es machte sich:

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Aller Anfang  ist fummelig … aber als die erste Seite fast geschlossen war, ging es (fast) ganz schnell.

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Vor allem, weil es so großartige Unterstützung gab. Ja, da liegt eine Stichsäge in Kindernähe – aber die ist selbstverständlich ausgesteckt.

Ich finde, das haben sie echt gut gemacht!

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Schwupps. Fertig. Okay, das Schwupps dauerte viele Stunden …

Was haben wir denn an den vergangenen beiden Wochenenden noch so getrieben?

Wir haben die letzten Paneelen in den Kinderzimmern lackiert:

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Beispielfoto: Vormals sehr doofe Holzpaneele von 1976

Dann haben wir Pinsel und Rolle in Nummer 2s Zimmer geschwungen. Sie schwang fleißig (oder so etwas in der Art) mit.

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Sieht das nicht hübsch aus? Die trocknende Farbe?

Dann ging es irgendwie gut voran, bis  – die Farbe unerwartet leer war. Und das in den letzten eineinhalb Bahnen, die noch zu streichen waren. Also verschoben wir die Fertigstellung auf den kommenden Tag und kauften Farbe.

Als diese dann großzügig und sogar überwiegend auf den Wänden verteilt worden war begannen wir mit dem Laminatverlegen. Dazu musste das Zimmer ausgefegt und der Boden zuvor aufgeräumt werden. Man glaubt kaum, wie viel bröseliges, sandartiges Zeug ein uralter Teppichboden hinterlässt. Und wie lustig dieser Mist dann überall in der Luft hängt, auch wenn man vorsichtig fegt und saugt.

Nummer 4 bedauerte sehr, dass der „tolle Sand“ weichen musste und gab den Beleidigten.

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Ja, die Bildqualität ist mies, aber eine Übersicht schafft das Foto ja doch irgendwie, ne?

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Da war legten wir dann das Werkzeug weg und machten Pause

Am vergangenen Wochenende hatte ich wieder ein Blockseminar. Bin dann samstags nach dem Seminar zum Haus – die Kinder waren beim Opa, damit mein lieber Ehemann in Ruhe die Trockenbauwand tapezieren konnte. Wir arbeiteten ein wenig am Laminat (echt, ich kann das Wort langsam nicht mehr hören … Laminat, Laminat – wie das schon klingt …) und fuhren dann zum Ikea, um für den besagten Bodenbelag Endstücke zu erstehen. Um dann am folgenden Tag zu bemerken, dass wir zu wenige gekauft hatten. Aber egal.

Nun geht es von Donnerstagmorgen bis zum Sonntagabend weiter.

Also:

Im oberen Stockwerk ist alles fertig bis auf Kleinkram:

  •  Schalter/Steckdosen müssen gründlich gereinigt werden
  • Fußleisten müssen noch in zwei Zimmer zugesägt und in drei Zimmern angebracht werden (in einem sind sie schon zugesägt und dekorativ hinglegt …)
  • Übergangsleisten in den Türen fehlen noch, eine ist bereits vorhanden
  • Eine Leiste als Abschluss des Laminats am Ausschnitt der Wendeltreppe muss angebracht werden
  • Später werden noch Bad und WC bearbeitet (Fliesen anschleifen und lackieren, neuer Bodenbelag)
  • Noch später gibt es neue Türdrückergarnituren, genau wie im unteren Stockwerk

Nun geht es unten weiter mit:

  • Tapezieren der Küche mit Essbereich
  • Bestellen, Zusägen und Anbringen der Fußleisten (Berliner Profile, klassisch weiß)
  • Rest der Wand im Schlafzimmer glattschleifen
  • Schlafzimmer tapezieren (Vliestapete, also halb so wild)
  • Tapezieren und Anbringen eines Holzprofils (hinter dem Kopfteil des Bettes – soll indirekt von hinten durch LED beleuchtet werden)
  • Boden verlegen (oder verlegen lassen, mal sehen, was die Firma dafür haben will ..)
  • Treppe mit Teppich belegen lassen (erhalten morgen ein Angebot)
  • Rolläden zeigten sich als nahezu unbenutzbar – müssen wir mit der Vorbesitzerin klären, das wird sicher ein nettes Gespräch … diese müssen ausgetauscht werden. Bei der Gelegenheit lassen wir sie dann mit Rohrmotoren versehen.
  • Vom Flur aus, neben der Treppe, gibt es einen Durchgang zum Wohnzimmer, diesen wollen wir irgendwie verschließen. Aber eher mit einer Tür als mit einer Wand. Da sind wir noch nicht ganz damit durch, wie wir das machen wollen
  • Die neuen Decken streichen, die vom Trockenbauer durch Abreißen der Holzverkleidung und Anbringen von Rigipsplatten hergestellt werden
  • Wände im Flur und Wohnzimmer streichen, nachdem der Trockenbauer den Kratzputz (von einem Freund zärtlich als „Oma-Putz“ bezeichnet) verputzt hat
  • Das Wintergartendach bekommt entweder nur neue Profile oder neues Glas und neue Profile – hängt vom Preis ab.

Und im Keller werden wir dann – noch später –  zwei Räume ausbauen.

Ein Bisschen nervt echt der alltägliche Kleinkram, den man so nebenbei erledigen muss:

Auto muss zur Inspektion, Kinder müssen zu Kieferorthopäden, Dinge müssen aussortiert/eingepackt/verkauft werden, Termine bei der neuen Schule und in der KiTa wollen erledigt werden, es gibt noch ein Zusatzseminar für mich und den Start der Zusatzausbildung (Familienbiographisches Coaching) und so weiter.

In der zweiten Ferienwoche ziehen wir dann um, morgen ist der Termin mit dem Menschen von der Umzugsfirma, der sich hier einen Überblick der Lage machen möchte.

Ihr könnte es Euch ja vorstellen: Man ist viel in Möbelhäusern, Baumärkten und plant, kauft ein, vergisst die Hälfte, fährt wieder los …

Und sonst?

Nummer 3 leidet unter dem Verlust des gewohnten Umfelds, der Beendigung der Grundschulzeit und wir alle stellen uns innerlich auch natürlich um.

Und trotz all des Erledigens und Kümmerns fühlt es sich nach wie vor gut an. Auch für Nummer 3, obwohl sie traurig ist. Dieser Trauer geben wir natürlich Raum. Sie ist allerdings auch neugierig und gespannt.

Nach wie vor sind wir sehr dankbar für das, was wir da für uns gestalten. Vieles, das ich mir immer gewünscht hatte, bringt dieses Haus mit sich. Ich bin sehr froh, auch wenn es echt anstrengend ist.

Das Ganze zeigt sich in einem Flow, den man immer dann hat, wenn man die richtige Entscheidung traf. Ihr kennt das bestimmt: Man hat so ein freudiges, aber nicht zu aufgeregtes Gefühl in der Brust. Man spürt, wie alles ineinander greift, statt dauernd zu haken. Eine Entscheidung, die man zum richtigen Zeitpunkt und passend zur Intuition fällte.

Nun sind wir erst einmal wieder fleißig und bald lest Ihr dann das neue Update. Mit Fotos natürlich.

Ganz am Ende sollte ich dann wohl so eine Foto-Vorher-Nachher-Story machen, oder? 🙂

Hausrenovierung, Teil 2

Und weiter ging’s

Wir berichten nicht nach jedem Renovierungswochenende, aber immer einmal wieder – wie versprochen. Dieses Mal geht es um die beiden vergangenen Wochenenden.

Zu renovieren sind übrigens insgesamt 240 Quadratmeter. Plus der Ausbau zweier Kellerräume. Den machen wir aber nach dem Umzug.

Der Umzug steht Ende Juli an.

Bisher haben wir alles alleine gemacht, aber am vergangenen Wochenende und dem davor kam Nummer 1s Patenonkel hilfreich hinzu sowie auch unser Opa, der wirklich ausdauernd die dusselige Küchenwand verputzt hat.

Es klappt wirklich gut und fast reibungslos. Wenn es mal stressig wird, dann liegt es an unserem Lieblings-Toddler, Nummer 4.

Diese kleinen Menschen haben aber auch wirklich überall ihre Hände und sind so laut, wenn ihnen etwas nicht passt:

Aufsichtsperson: „Nein, Nummer 4, echt: Dieses Teil hier ist wirklich ein WERK- und kein SPIELzeug.“

Nummer 4: „Rabäääääääh! Geh weg! Du sollst in einer Lampe gefangen sein! Du sollst in ein Müsli gemacht werden! Du sollst eine Wurst werden und in ein Brötchen geschnitten werden! Du sollst unter eine Mauer geklebt werden, du sollst …“

 Aufsichtsperson:„Ja, ich weiß, ich soll stolpern und Durchfall kriegen …“

Nummer 4 ist der Fluch-Gott. Wirklich. Ihr habt es ja gerade gelesen. So klingt das, wenn er richtig sauer auf jemanden ist. Wir können ihm einzig untersagen, jemandem den Tod zu wünschen. Das hat er sich gerade abgewöhnt. Ansonsten muss man einfach hoffen, dass er keine echten Zaubermächte beim Fluchen hat …

Nummer 3s Zimmer

Sie verabschiedet sich nun von ihrem Zimmer im Giraffen-Style, aber es bleibt tierisch: Sie wünscht sich nun Flamingos. Dazu wählte sie die Farbe „Bienengelb“ aus dem Sortiment eines namhaften Herstellers, Segment „Kinderfarben“.

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Weiße Wand mit altem blauen Grund: Das Zimmer vorher

Ein wenig Arbeit:

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Es geht doch nichts über die schöne Arbeit des Abklebens …

Et voilà:

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Den Teppich habe ich dann gespeist aus einer Energie, die ich aus alter Wut und anderem Emotionalunrat zog, herausgerissen. Er war vollflächig verklebt. (Die 1970er-Jahre. Motto: „Dat machen wir alles schön fest, dann ham‘ wer ewig  Ruhe. So’n juter Teppich der muss lange halten.“)

Das letzte Bisschen (die Mitte) habe ich dann echt nicht abbekommen. Und weil in der Etage unter mir gerade mein Mann und unsere Große (Nummer 1, 14 Jahre) arbeiteten, hörten sie mein Stöhnen und meine impulshaften Flüche wohl die Treppe herunter hallen: Sie kamen zu Hilfe. Zu Dritt haben wir das Teil dann herausbekommen. Und dabei habe ich in wechselnden Dialekten (eine meiner Eigenarten: Die Imitation von Sprachen/Personen/Dialekten und Akzenten) Arbeitsanweisungen gegeben und Blödsinn geredet, bis wir uns alle Drei beömmelt haben. Teamwork rockt!

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Wir haben uns an diesem Wochenende immer wieder aufgeteilt: Nummer 1, Nummer 3 und ich haben uns die Treppe vorgenommen: Hier kleben noch immer Reste des alten Teppichstufenbelags. Diesen entfernten wir bis in den Keller und knibbelten dann die Reste des Klebebandes ab. Soweit dies ging. Fortsetzung folgt. Dann mit Fön und Nagellackentferner …

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Nummer 1 und Nummer 3 beim lustigen Abschaben und Knibbeln

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„Der nächste (Raum) bitte!“

Dann sind wir an das Büro gegangen:

Die Farbe haben wir aus einer Serie sehr angenehmer Farben des gleichen Herstellers wie der Kinderzimmerfarben. Der Farbton „Edelmütiges Patinagrün“ hat den Namen „Hüterin der Freiheit“ – eben weil er die Patina der Freiheitsstatue nachahmt. Und das macht er gut, finden wir.

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Keine Sorge, ich habe auch mitgeholfen und nicht nur fotografiert…

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In Echt noch viel hübscher: Der Farbton. Hier frisch trocknend

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Seht selbst: Die Farbe heißt wirklich so 😀

Hierbei fiel uns dann auf,  wie das ja oft bei Renovierungen und Umzügen ist, dass wir die Raumgestaltung ändern wollen. Der weiße Schreibtisch, den wir momentan im Esszimmer stehen haben, sollte eigentlich in eine Ecke des neuen Wohnzimmers und in dieses Büro dann der Tisch zum Nähen und Arbeiten. Aber der Raum mit dieser Farbe sah so aus nach „Büro mit weißem, etwas repräsentativem Schreibtisch und schnieken Bücherregalen an der Wand“ – daher beschlossen wir spontan, einen der Kellerräume weiter auszubauen (großes Fenster und Heizung vorhanden), damit ich zukünftig dort nähen kann. Zudem wollte wir zunächst die Holzdecke des Farbtons Palisander auch im Büro entfernen lassen. Aber nun lassen wir sie und lackieren nur den Rolladenkasten sowie die Fensterbank. Das ist einfach stimmig so. Auf den Boden soll kommendes Wochenende graues Laminat mit einer weißen, hohen Fußleiste („Hamburger Profile“)

Zwischendurch haben wir auch viel geräumt, geschleppt und auch gesnackt.

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Im Wohnzimmer ist unser Hauptquartier eingerichtet: Hier im Bild zu sehen ist einer von vier Tischen, nach Themen sortiert: Essen, Putzen, Streichen, Werken

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In meinem letzten Bericht fror der kleine Kerl noch. Aber jetzt hat sich unser Knopfauge ein schönes Plätzchen eingerichtet

Nebenbei kam noch ein freundlicher Fachmann zum Vermessen der Küche, da wir diese neu anschaffen werden.

Dieses Mal wird es eine Küche mit Koch-Insel, was ich mir schon immer gewünscht habe!

Morgen, am Freitag, haben wir den Termin für das Planungsgespräch der Küche.

So langsam begreife ich, dass dieses Haus immer schöner wird und dass wir dort wohnen werden. Es fühlt sich noch null nach Eigentum an  – und dabei ist heute der offizielle Übergangstermin – und noch reichlich fremd. Aber es nimmt mehr und mehr Gestalt an.

Viele Gedanken und Gefühle

Dieser Umzug ist eine Entscheidung für einen neuen Anfang. An einem neuen Ort können wir als Familie und auch jede/r Einzelne von uns entfalten, wie wir sind. Wir haben sehr viel gesprochen, reflektiert und verändert. All dies braucht einen neuen Raum, damit man fernab irgendwelcher Schubladen, in denen das Umfeld einen sieht oder steckt, das Neue zeigen kann.

Nummer 2 änderte in Absprache mit der Jugendpsychologin ihren Rufnamen. Sie hat, wie jedes unserer Kinder, drei Namen. Ihre Namen bedeuten, wenn man sie aus den Ursprungssprachen übersetzte zusammen „Meine starke Liebe“. Ihr Rufname war der Mittlere, der „stark“ bedeutet.

Sie sagte nach dem Gespräch mit der Psychologin zu mir, dass sie ihren Namen ändern wolle, um ganz neu anzufangen:

„Bisher musste ich immer stark sein. Nun merke ich, dass ich weniger meine Stärke als meine Liebe entfalten möchte. Daher möchte ich meinen dritten Namen als Rufnamen.“

Und das unterstützen wir. Alle, sogar Nummer 4, verwenden ihren bisherigen Namen nicht mehr. Nur der Opa weigert sich. Woraufhin sie ihn nun ab und an mit seinem Zweitnamen ansprechen möchte, um ihn zu ärgern 😉

Und wie geht es mir mit dem Neuanfang in Sichtweite?

Ich saß am Wochenende in einer Pause alleine auf Terrasse und atmete tief durch. Da merkte ich es:

Diese innere Anspannung der letzten Jahre fällt langsam ab von mir. Ich bin an einem Ort, an dem ich all das entfalten kann, was ich in mir vorbeireitet und entwickelt habe. Ich kann ich selbst sein! Ich bin dankbar und manchmal noch ein wenig ungläubig, wie gut sich diese Zukunftsmöglichkeiten anfühlen. Ich fühle mich nicht mehr gehetzt und unwillkommen. Nicht am falschen Ort. Sonder genau da, wo ich mich entfalte. Im jetzigen Augenblick und von nun an.

Hier werde ich immer mehr zur Ruhe kommen, mich nicht ausgegrenzt und einsam fühlen.

Ich bin dankbar, eine gute Schule mit warmer Atmosphäre und einen für Nummer 4 sehr passenden Kindergarten gefunden zu haben. Alles fühlt sich wieder „stimmig“ an.

Die Mutter von Nummer 3s bester Freundin sagte mal sinngemäß:

„Manchmal entscheidet man sich im Leben ein wenig falsch: Für einen falschen Wohnort zum Beispiel. Und danach scheint sich alles Weitere auch unstimmig und ein wenig falsch anzufühlen. Da passieren dann lauter Dinge, die einen aus dem Konzept bringen, einen wundern oder so vorher nicht vorkamen. Meist ist das dann kein Albtraum, aber ein wenig  wie leben neben der eigenen Spur. Und wenn man zurück auf den eigenen Pfad kommt, dann spürt man es wieder: Die Dinge stimmen. Man hat zwar immer noch Probleme, aber sie passen wieder. Und das Maß der Schwierigkeiten stimmt wieder.“

Daran muss ich oft denken in letzter Zeit.

Es fühlt sich an, als würde ich mich innerlich entknittern, aus dem Schneckenhaus herauswagen. Ich träume auch immer sehr deutlich in den letzten Wochen. Ich träume davon, wie Kinder meine Kinder schlagen und ich die zuschauenden Menschen anbrülle, dass es niemals mehr jemand wagen sollte, meinen Kindern wehzutun. So zeigt mir mein Unterbewusstsein sehr deutlich, wie viel Schmerz ich selbst erfahren haben, während des Mobbings.

Ich träume von einem Vogelnest, das ich im neuen Haus in einem alten Regal fand. Darin langen mehrere leere Eier. Von innen aufgeknackt von Vogelküken. In Nummer 2s zukünftigen Zimmer hatten wir vorletztes Wochenende ein Rotkelchen entdeckt, das dort herumflog. Nummer 2 hatte sich um das Vögelchen bemüht, doch es ließ sich nicht fangen. Irgendwann hat es den Weg nach draußen gefunden, was sie sehr glücklich machte. Darauf bezog sich wohl mein Traum, in dem ich zu Nummer 2 rief: „Ich hab das Nest gefunden! Hierher kam bestimmt dein Vögelchen. Siehst du? es hat eine Familie und Geschwister. Sie sind alle heraus aus den Eiern und schon längst in Freiheit. Dein Vögelchen ist nicht alleine!“

Es ist viel zu verarbeiten. Ich habe viel angestaut. Aber ich lasse es rituell los, immer ein wenig mehr. Und ich spüre die Erleichterung.

Jeden Morgen (wenn der tagesplan es zulässt, sonst auch nachmittags) mache ich Yoga. Ich meditiere regelmäßig und bin in sehr gutem Kontakt mit mir. Dieser Weg fühlt sich gut an.

Die viele Arbeit in dem Haus und wie gut wir sie zu sechst bewältigen, das ist genau richtig. Manchmal lassen wir uns natürlich hinreißen und denken: „Oh Mann, so viel für zwei Erwachsene, zwei Teenager und zwei Kinder!“ Aber ich weiß, dass wir das schaffen.

Wir haben einen Handwerker, der in drei Räumen die dunklen Deckenpaneelen entfernt und die Decke mit Rigips überarbeitet, damit die Räume größer und höher wirken. Er zieht eine wand in ein großes Zimmer, welches sich dadurch für die Teenies teilt. Und eine kleine Wand in das Wohnzimmer, damit dieses von der Treppe abgeteilt wird und man dort in Ruhe sitzen kann. Sonst wuseln da dann die Kinder nebst Freunden dauernd vorbei und aus ist die Ruhe …

Später bauen wir noch einen sehr großen Keller Raum (und den kleineren, eben erwähnten) aus, wo dann in einem abgeteilten Bereich ein paar Geräte wie ein Laufband und ein kleiner Turm stehen werden. Im anderen Bereich bekommen die Kinder viel Platz mit einer Spielecke für Nummer 4 und einem Platz mit Sofa zum Zocken und Herumgammeln.

So weit kamen wir also Samstag und Sonntag:

  • Zwei Räume gestrichen und für das Verlegen des Laminats vorbeireitet.
  • Treppe vom Teppichboden befreit (nun überlegen, wie es mit der Treppe weitergeht …)
  • Diverses geräumt
  • Den Riesen-Teppich in Nummer 1 und Nummer 2s noch nicht geteilten Zimmer zur Hälfte herausgerissen
  • Geplant, wie wir mit den halbhohen Kiefernholzpaneelen in den Kinderzimmern verfahren (MDF tapezieren/lackieren oder mit Stoff beziehen und davor befestigen. Nix ewig schleifen und streichen..)
  • Kleinkram wie Reinigen eines Dachfensters (letzte Reinigung schätzungsweise 2007), eines Badezimmers, Absaugen eines Teppichbodens, damit man ihn besser/sauberer herausreißen kann und so weiter.
  • Planungen diverser Dinge und Besprechen weiterer Vorgänge

Das vorige Wochenende brachte uns dann auf folgenden Stand:

  • Nummer 4s Zimmer ist soweit fertig. Nur noch die Steckdosen und Lichtschalter müssen demontiert, gereinigt und wieder angebracht werden. Und die Fußbodenleisten sind zugesägt, aber noch nicht montiert. Wir haben Laminat verlegt (Gemeinschaftsarbeit von Nummer 2 und mir), eine halbhohe Paneelwand wurde angeschliffen, grundiert und zweifach lackiert. Die Wände sind gestrichen und die Wandtattoos angebracht.

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Und ich pinselte und pinselte…Himmel, Berge, Gras…

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… hier trocknet die Farbe gerade …

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Hier steht das erste Scottish Castle …

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… und hier schwimmt Nessie mit Familie.(Man beachte den fiesen Lichtschalter, der noch abmontiert und gereinigt werden muss – wie alle Lichtschalter und Steckdosen im Haus)

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Die Kieferpaneelen wurden angeschliffen, grundiert und zweifach lackiert. Und hier sind wir mitten im Laminatverlegen, Nummer 2 und ich.

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Puh fertig mit Fußleisten. Der Pudel wollte während des Arbeitens dauernd auf unseren Schößen sitzen. War sehr hilfreich. In diesem Bild hat er sich dann in seine geliebte Transportbox gelegt.

 

  • Die Zimmer von Nummer 1 und Nummer 2 sind vorbereitet für den farbigen Anstrich. Die Decken sind weiß gestrichen, alles ist abgeklebt, auch hier wurden die halbhohen Paneelen an den beiden Wänden lackiert. Am kommenden langen Wochenende wird eine Trockenbauwand eingezogen, um das große Zimmer aufzuteilen für die beiden.

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Hier sind wir auch weitergekommen: Das Tapetenloch oben wurde ausgebessert und die Decke komplett gestrichen.

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Hier kümmert sich der fleißige Ehemann um die Behandlung der Kieferpaneelen, die sich unter der Schräge in jedem der Kinderzimmer befinden. In Hellgrau finde ich sie aber dann doch ganz schön.

  • Der Flur wurde fertig mit Laminat belegt. Bei sechs Türausschnitten könnt Ihr Euch die Arbeit vorstellen. Die Sticksäge war unsere beste Freundin … 

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    Im Vordergrund: Noch halbfertiger Bodenbelag mit tapsendem Pudel. Im Hintergrund die einen Schwächeanfall simulierenden Teenies.

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    Hurra.

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    Der Flur mit Blick in das noch zu teilende Zimmer der Teenies.

    Und dann hat unser fleißiger Trockenbauer und Gärtner zwei riesige Bäume gekürzt. Einen im Vorgarten und einen im Hinter(?)-Garten. Wie auch immer der Garten hinter dem Haus so heißt.

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War mal schöner: Der Garten

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War mal höher: Der Baum

  • Dann hat er die dunkle Deckenverkleidung im Wohn-und Schlafzimmer abgerissen und im Schlafzimmer bereits Rigips an die Decke angebracht.

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    Das Schlafzimmer. Ein Ort der Ruhe und Ordnung.

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    Der eine Bereich es Wohnzimmer. Zuvor als Bar genutzt. Und später von uns dann auch wieder.

     

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    Auch das Wohnzimmer selbst lädt zum Verweilen ein, ne?

     

    Soweit nun die Zusammenfassung, damit Ihr seht, was wir gerade so zu tun haben. Zwischendurch sortiere und packe ich ein. So viel Zeugs. Ich verkaufe und spende auch viel. Dann gibt es viel zu regeln, zu planen und einzukaufen. Habe derweil keine Langeweile.

Wir haben ein rotes – ein richtig rotes – Sofa bestellt. Beziehungsweise mehrere, damit jeder von uns einen Sitzplatz hat. Ein 3er-Sofa, ein 2er-Sofa, ein 1,5er (Loveseat) und einen passenden Hocker. So ein rechteckiges großes Teil. Diese Möbel sind mit Samt bezogen. Ihr werdet sie ja dann irgendwann auch mal auf einem Foto sehen, wenn es soweit ist.

Und so leben wir hier im „alten “ Haus mit schwindender Deko (im Karton), schwindendem Spielzeug (im Karton), schwindenden Nähsachen (im … Ihr wist schon) und vielen, äh, Kartons.

Noch sechs Wochen bis zu den Ferien und circa sieben bis zum Umzug.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hausrenovierung, Teil 1

Fertig mit dem Anfang

Das lange Wochenende (und die, die da noch kommen werden bis Ende Juli der Umzug ansteht) haben wir sehr gründlich für die Hausrenovierung genutzt.

Zuerst wollten wir die Küche nebst dem Essbereich von der alten, alten, alten Tapete befreien. Diese war aber so unterwegs:

„Ganz oben drauf habe ich so drei schöne Schichten Farbe. Mit Latexanteil. Da kommt Eure Bewässerung nicht durch. Wenn Ihr mich einritzt, dann geht es etwas besser. Aber ich gebe mich nicht schnell geschlagen. Werdet Ihr sehen. Und ich habe noch eine Überraschung vorbereitet …“

Diese Überraschung zeigte sich dann nach vielem Kratzen: Sich teilweise auflösendes, bröselndes und Klümpchen bildendes Fermacell als Untergrund. Wir befragten unseren kundigen, begelitenden Fachmann per WhatsApp, der nicht nur Bauleiter, sondern auch Nummer 2s Pate ist und erfuhren, das Fermacell in den 1970er Jahren gerne auf die rohen Innenwände geklebt wurde, um das Verputzen zu sparen. Und wenn man damals keine vernünftige Grundierung auftrug, dann, ja dann hat man 40 Jahre später bei der ersten gründlichen Renovierung richtig viel Spaß.

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Vorne: Ein Teil der Wand verputzt, der Rest Fermacell – lauter Überraschungen. Hinten: Nummer 2 mit Pudel 

Da wir aber echt lustig drauf waren wegen des schönen gemeinsamen Projekts, bei dem die Kinder erstaunlich richtig gut mithalfen, haben wir einfach drüber gelacht. Ich war so Stand-Up-mäßig:

„Tja, die 70er, die wilde Zeit. Damals so: Asbest ist klasse. Das Zeug hat so tolle Eigenschaften. das KANN nur nützlich sein. Immer rein die Wände der Privathäuser und Schulen und in die tollen Nachtspeicherheizungen! Damit sparen wir Energie und haben schön lange unsere Ruhe.

Das ist ja auch das, was die Handwerker immer haben: Machen das hier fest für rund 56.000 Euro und dann haben sie aber auch schön lange Ruhe. Diese Ruhe suche ich bis heute! Und die 56.000 Euro meiner letzten Handwerkerbegegnungen!

Und wo wir gerade in den 1970ern sind: Atomenergie fand man ja auch ganz großartig! Gerade noch herrschte das große Zittern von wegen Kalter Krieg und so, aber diese komischen Atomdinger kann man ja auch ganz gefahrenfrei anders einsetzen. Quasi für etwas Gutes! Alles getestet und von den klugen Studierten da irgendwo für gut befunden. Den Atommüll den, hm, ja, ach den lagern wir dann irgendwo in einer großen, großen Höhle. Da macht er es sich dann für die nächsten paar Millionen Jahre schön gemütlich. Immerhin haben wir dann erstmal genug Energie und damit haben wir schön Ruhe.

Dagegen ist dieser Papiermist hier an der Wand unseres neuen Hauses richtig toll! Klar sagt der Hersteller das Zeug sei praktisch und so. Und ganz ehrlich: Wenn man einmal 1976 eine Tapete aufklebt, dann hält die doch locker bis 2017! Da streichen wir dann immer wieder drüber bis zur Rente und gut is. Und wer die dann mal abmacht – dem begegnen wir vermutlich eh nicht mehr.

Die 70er halt. Alles war für immer: Die Ehen, das kackbraune Badezimmer, die unterdrückten Familienkonflikte, die gute Vorwerk-Auslegeware.

Wie schon in den 60ern üblich: Das Schlafzimmer, so sagte der Möbelfachberater, das hält eeewig! Wir nehmen nun 14.000 D-Mark bei der Bank auf und stellen es uns hin. Dann haben wir für immer Ruhe. Und freuen uns auch in 40 und mehr Jahren noch über die (dunkle, leicht abgestoßene und mega altmodische …) Wertarbeit. Und das taten sie. Gesehen in vielen Häusern, beispielsweise dem Elternhaus meines Mannes. Ne, Mann?“

Da mein Mann meine Comedy-Einlage begrüßte – vermutlich weil einfach jede Abwechslung vom Spritz-es-nass-und-kratz-es-weg-spritz-es-nass-und-verzweifle-Modus ihm schon weiterhalf – amüsierte er sich angemessen köstlich.

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Hier im Bild: Fleißiger Ehemann im zukünftigen Schlafzimmer. Bei köstlichem Amüsement.

Es grünt so grün …. sooo grün

Am Sonntag brauchte ich eine Pause von der Tapete und bin zwei Stunden durch die grüne Hölle den Garten gerodet. Bewaffnet nur mit einer kleinen Gartenschere.

Ich wurde zu einem Drittel fertig. Und es sah richtig viel besser aus. Mehr Garten einfach. Der Garten ist ohnehin eigentlich sehr schön angelegt: Keine rechteckige Rasenfläche mit kärglicher Rahmenbeblühung, sondern so üppig, mit einem Teich in der Mitte, der wiederum schön bewachsen ist. Allerdings wird der aus Gründen der Kindersicherheit noch entwässert werden und anschließend mit Kies und großen Steinen aufgefüllt, über die dann ein Wässerchen rinnen wird.

Es stehen auch noch diverse viel zu hohe Bäume, für deren Kürzung wir bereits einen Fachmenschen zu Rate gezogen haben, der diese übernehmen wird.

Es befanden sich über und unter den diversen Sträuchern und Büschen Figuren. Diese stöberten unsere großen Mädels mit mir auf. Kleine Hasen mit nur einem Ohr („Das andere Ohr hauen wir auch noch weg, dann ist es ein Till-Schweiger-Hase, Mama! Du liiiebst doch Till Schweiger, ne?“ – „Ja und wie …!“), viele, teils bemooste Plastikenten, halb verrottete Wagenräder, diverse Pflanzbehältnisse, deren Böden beim Anheben herausbrachen, Frösche, noch mehr Hasen und viele Kugeln, Kürbisse und noch mehr Kürbisse und ein paar mehr Hasen. Überhaupt viel Deko. Überall. Und sehr viele Blumenkübel. An der Pergola hingen Engelchen, verrostete Hufeisen, noch mehr Engelchen und noch mehr verrostete Hufeisen und … mit Alufolie überzogene Vogelhäuschen, sowie verrostete Metallherzen und ein Vogelhaus ohne Boden, das beim Abnehmen auseinanderfiel.

Wir schleppten all das – inklusive zweier schwerer Gänse vom Teichufer (von welchen die eine ihres abgebrochenen und nur draufgelegten Kopfes verlustig ging)- neben das Gerätehaus. Dann entfernte ich von drei nicht mit ausschließlich toten Blumen bestückten Pflanzkübeln das verwelkte Zeug und stellte sie in die Sonne auf der Terrasse, wo ich sie liebevoll goss.

Kurz darauf fand ich eine Notiz der Vor-Eigentümerin an einem Schrank im Wohnzimmer, auf dem sie aufzählte, was sie noch alles abholen wolle. Ganz klein am Rand las ich:

„- Katzensachen

  – Koffer

  – Kübel aus Garten“

Äh ja. Oh. Dann muss sie diese wohl neben dem Gerätehaus herausklauben, wo wir sie ganz ausgesprochen nicht sehr fachfrauisch aufgestapelt haben …

Während ich mit äußerst dornigen Bäumen mir unbekannter Art kämpfte und mich durch verstaubtes Efeu zum Rhododendron wühlte, hörte ich tief in mir das meditative und in diesem Fall zudem motivierende Plätschern des noch anzulegenden Kinderteichs in meinem inneren Ohr.

Ich roch bereits das Grillgut aus dem kugelrunden Angebergrill des Ehemannes auf der Terrasse und spürte die wohlige Gemütlichkeit einer dicken, noch zu kaufenden Gartenmöbelauflage unter meinem Hintern in meinem Rücken.

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Das wird noch eine Menge Arbeit. Allerdings mache ich diese gerne. Lieber als Tapetenentfernen zumindest.

Scherben, Glück und so

Nachdem wir die ersten beiden Tage fleißig die Küche enttapeteten, gingen wir wagemutig in’s Schlafzimmer über.

Dort hing ein sehr großer Wandspiegel, der an der rechten oberen Halteschraube einen Riss hatte. Mein Mann entfernte also zuerst die beiden unteren Schrauben und dann, ja dann zuerst die linke. das war dann irgendwie ungünstig. Ich verfüge zum Glück über eine starke Intuition – die nicht die Hebammen erfreute das immer sehr – und drückte meine Hände schon gegen das Monsterteil, als er gerade die Schraube fast gelöst hatte.

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Oben rechts am Spiegel: Ein Riss. Ein vermutlich die Stabilität beeinflussender Riss.

                       KRACH!!!

Kinder kamen angerannt, Hund schlug Alarm (so quietschig, wie gefühlt 15 Millimeter große Toy-Pudel das so können) und wir alle sahen im SloMo wie die Scherben fielen. War so richtig Arthaus-artig. Da es mehr als sieben Teile waren, fürchteten wir jedoch kein Unglück.

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Weit mehr als 7 Scherben: Der alte Wandspiegel

Im Haus befindet sich noch allerlei Gemischtes der Vorbesitzerin, die dieses kommende Woche entrümpeln lassen wird. Darunter ein Vorwerk-Staubsauger, dessen Schlitten ungefähr 400 Kilo wiegt. Allerdings gefiel mir, dass man das Teil am Handstück anschalten konnte. Coole Erfindung. Dieses Ding manövrierte ich jedenfalls die Treppe runter, damit ich die Kleinstscherben kinder- und hundepfotenfreundlich entsorgen konnte.

Wir philosophierten darüber, ob es eine Marketingstrategie sei, die Staubsauger so schwer so machen, damit jede Hausfrau ihre Leistung in allen Knochen spürt und sich danach ein wohlverdientes Päuschen gönnt, welches ihr das Über-Ich der moralinsauren Patriarchatsindoktrination ansonsten nicht gönnen würde.

Dann stellten wir fest, wie unfassbar beknackt es ist, während der Renovierung geistig zwischen Freud und den Suffragetten zu sein.

Im Anschluss daran aber fanden wir es  aber wieder ziemlich lustig.

Der süße Lohn der Arbeit

Unsere Erstgeborene bewies ihr Können besonders dabei, die Holzrahmen der Fenster und Tür an der Terrasse zu streichen. Hinterher war sie sichtbar stolz auf den richtig schön erneuerten Look der Rahmen.

Überhaupt haben die Kinder viel gelernt an diesem Wochenende:

Arbeiten im Team macht Spaß. Man muss Missgeschicke nicht ernst nehmen und ist nicht verpflichtet, sich total über nervige Arbeit aufzuregen. Arbeit ist auch mitten in der Null-Bock-Phase echt wert, sich aufzuraffen und am Ende ist man einfach stolz und zufrieden.

Die Kleinen haben viel gespielt, das neue Haus erkundet und im Falle von Nummer 3 auch wirklich viel Tapete abgekratzt. Nummer 4 hat dann vor Wut, weil er die defekte Lampe der Vorbesitzerin nicht mit nach Hause nehmen durfte einen vollen Wassereimer umgeschubst. Und es war irgendwie gar nicht so schlimm, die 5 Liter im uralten Teppichboden versinken zu sehen. Die Atmosphäre war sehr schön und gelöst und vorfreudig.  Das wird natürlich nicht immer so sein – daher genießen wir es, wann immer es der Fall ist.

Dem Hund war übrigens kalt. Ihm ist meistens kalt. In diesem Fall teilten wir diese Körperwahrnehmung, denn wir bekamen die Heizung nicht richtig an. Die Fußbodenheizungsteuerung war nicht ohne langes Studium der langen Anleitung zu verstehen. Aber immerhin hatten wir warmes Wasser. Von diesem aber profitierte der Hund natürlich nicht. Also bauten wir ihm ein provisorisches Körbchen. Aus dem erwähnten Allerelei, das sich noch im Haus befindet.

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Kein Symbolbild: Frierender Hund

Das Schlafzimmer wurden dann an drei Wänden fertig.  Die Küchen an allen Vieren. Angesichts der Zeitintensität der Tapetenkratzerei beschlossen wir, die Kinderzimmer einfach nur zu streichen. Und das Büro/Nähzimmmer ebenfalls. Irgendwann, in ferner Zukunft gönnen wir uns dann Fachmenschen, die Geld dafür bekommen, unter Fermacell zu leiden, während wir dafür ja auch noch bezahlt haben! Diese fröhlichen Fachmenschen können dann voller Elan tapezieren, was ihnen gar nichts ausmachen wird, da sie sicherlich das nötige Knowhow und vor allem die besten Maschinen dafür haben. Vermutlich war dieser Gedanke ein simpler Abwehrmechanismus:

Wir hatten einfach keinen Bock mehr auf das Gekratze!

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Die Tapete ist ab und wir müssen uns schlau machen, wie wir auf den bröseligen Mist nun eine Tapete aufbringen können. Untertapete? Wand verputzen? Verzweifeln? Drei Tapeten übereinander?

Das erste Wochenende liegt also nun hinter uns. Wir sind müde, uns tun diverse Muskelgruppen weh und am kommenden Wochenende sind wir nur semi-fleißig, da ich am Freitag und Samstag zum Blockseminar für meine Ausbildung bin und am Sonntag eine Konfirmation in der Verwandtschaft ansteht. Somit wird mein Mann am Samstag ohne mich, aber mit der Unterstützung der Kinder, fortfahren, während ich im Seminar sitzen werde. Fühlt sich jetzt schon irgendwie blöd an, aber es ist nicht zu ändern.

Es steht das Thema „Pharmakologie und organisch bedingte psychische Störungen“ an und das möchte ich nun nicht verpassen. Wie auch kein anderes der Themen. Bin echt noch immer freudig dabei.

Bis zum nächsten Bericht unserer Fortschritte und Rückschläge ❤

 

Es gibt sie noch …!

Ja, es gibt uns noch.

Wir waren nur abgetaucht, weil Mister Essential ja einen sehr schmerzhaften Ausflug auf dem Glatteis machte und seitdem hier „herumliegen“ musste.

Dies bedeutete für mich als treu sorgende Ehefrau, dass ich seine (wenigen!) unterstützenden Aufgaben hier auch noch übernehmen musste. Aber er ist ein sehr pflegeleichter Patient, der sich echt immer eifrig bedankt, wenn man ihm etwas bringt oder ihm auf andere Weise das Kranksein erleichtert.

Inzwischen ist sein gebrochenes Kreuzbein wieder gut auf dem Weg der Genesung und ich komme dazu, mich kurz zurückzumelden!

Bald hört Ihr wieder von uns und dann gibt es auch sofort eine nette Kleinigkeit zum Gewinnen. Es geht um das Thema „Kluge, kleine Erfindungen für Sicherheit im Alltag mit Kindern“ – kurz KKEFSIAMK.

Quatsch! Die Abkürzung war reiner Ausdruck meines Übermuts 😀

Bis ganz bald!

Goodbye, 2016

Goodbye, 2016

Ende und Neuanfang

Von allen Seiten kommen Beschwerden über die inhaltliche Qualität des Jahres 2016 – und als Musik liebende Familie stimmen wir diesen in weiten Teilen zu.

Eine Welt ohne David Bowie ist beispielsweise weniger schön – aber andererseits ist Sterben so eine Sache, die irgendwie zu diesem Planeten gehört, den Nummer 4 immer zärtlich als „Wasserstern“ bezeichnet …

Für uns stand das Jahr unter verschiedenen Sternen und auch Problemen:

  • Das Mobbing
  • Die Entscheidung zum Umzug und der Hausverkauf
  • Berufliche Umorientierung
  • Diverser Kleinkram – die üblichen Widrigkeiten und Freuden des Lebens

Und was wurde daraus?

  • Unter Anderem mit Eurer engagierten und liebevollen Mithilfe haben wir das Mobbing beendet
  • Wir haben unser Haus vorgestern verkauft und suchen gerade ein neues Zuhause in oder nahe unserer Wunschstadt
  • Meine Ausbildung hat begonnen und ich bin ganz begeistert, habe zudem auf anraten meiner Schulleiterin ein kleines Ehrenamt (3 bis 4 Stunden pro Woche) bei Wellcome angenommen – eine tolle Organisation, die Mütter nach Geburten unterstützt. Ich berichte darüber mal demnächst. So sammle ich Erfahrungen im Umgang mit Menschen, die etwas belastet sind und kann sie unterstützen.

Müde und zufrieden

Heute Abend erwarten wir lieben Besuch, den wir viel zu selten sehen: Meine Freundin Concetta kommt mit ihrem Mann und den drei Söhnen. Ein letztes Silvester in diesem Haus und wir begehen es gemeinsam. Das werden drei schöne, turbulente und bereichernde Tage für uns.

Wir sind insgesamt müde am Ende des Jahres – aber müde sind wir auch am Ende eines jeden Tages …

Wir haben jedoch – Mister Essential und ich – gerade endlich begonnen, unsere Fühler mal in Richtung Freizeit und Vergnügen auszustrecken. Dazu waren wir zum Anlass des Hausverkaufs zu Zweit sehr fein essen und prompt stieg die Laune von happy auf ausgelassen. Dies werden wir beibehalten und das wir Aufwand bedeuten. Denn meist sind wir zu „platt“, um für gute neue Energie zu sorgen, indem wir etwas unternehmen. Und dann entsteht dieser elterliche Teufelskreis aus Alltag, Erschöpfung, Stress, etwas Ödnis, Alltag, ….

Es tut gut zu wissen, dass unser Haus an eine tolle Familie geht, die uns sympathisch war und sich hier in unserem Öko-Holzhäuschen sicherlich auch sehr wohlfühlen wird.

Wir blicken natürlich auf ein aufregendes Jahr mit Umzug und vorherigen Renovierungsarbeiten. Im Moment sind wir gespannt, welches Haus unseren Weg als das Richtige kreuzen wird. Aufregung ist ein schönes Gefühl – wenn man nicht gerade beim Zahnarzt sitzt – und so genießen wir es.

Ich fühle mich gut, wenn ich an das kommende Jahr denke und weiß, dass wir inzwischen alle gemeinsam so viel erlebt haben, dass wir als Familie eine ganze Menge stemmen können. In diesem Bewusstsein habe ich eigentlich keine Angst und Sorgen bezüglich des Umzugs.

Ihr Lieben

Wir danken Euch für ein wunderbares Jahr mit vielen Kommentaren, Mails und neuen LeserInnen.

Ihr habt uns so lieb unterstützt und Zuspruch gegeben. Und im Fall des Mobbings mutig eigene Erfahrungen geschildert, getröstet und stark gemacht.

Ihr seid für uns die Allerallerallerbesten! ❤

Für dieses Jahr ist das unser letzter Post – wir fahren nun gleich zu einer Hausbesichtigung. Danach besuchen wir eine liebe Freundin, die ihr neues Haus bereits bezogen hat und schauen es uns neugierig an. Und schließlich erwarten wir unseren Besuch – Euch wünschen wir also eine gute Silvesternacht mit dem üblichen guten Rutsch!

Auf in ein gemeinsames neues Jahr!

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