Freiwillig verwaist – über den Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern

Dieser Artikel von Paulas Blog hat mich bewegt und dazu gebracht, zu diesem Thema meine Gedanken zu äußern.

Ich habe – wer hier schon etwas länger liest, weiß es vielleicht – (alle anderen können hier nachschauen) eine dieser „schweren Kindheiten“.

Ich möchte aus Respekt für Betroffene der Themen Kindheitstraumata, sexualisierte Gewalt und psychisch kranke Eltern eine Triggerwarnung vorwegschicken. Und natürlich lasse ich zudem unnötig verst Details aus – auch wenn ich Sachverhalte beschreibe.

Zeit ist vergangen

Vor rund fünf Jahren sprach ich das letzte Mal mit meiner Mutter. Es ist nun drei Jahre her, dass ich mich auch gegen einen weiteren Kontakt zu meinem Vater entschied.

Wie geht es mir damit eigentlich?

Nun ja. Gemischt.

Ich trauere, weil ich nie so eine Mutter hatte, wie ich sie mir vorstelle: Eine liebende, mich wohlwollend betrachtende und verantwortungsbewusste Frau, die für mich da ist, mit der ich mich austausche und die mein Leben durch ihre Persönlichkeit bereichert. Manchmal nervt, mich Dinge lehrt, mit der ich Konflikte austragen und mit der ich gemeinsam wachsen und reifen kann.

Mutterliebe 2

„Ich begleite Dich, meine Gedanken sind bei Dir und Du in meinem Herzen, mein Kind.“ Soweit die Idealvorstellung

Ich würde mich gern ein wenig gestützt und beschützt fühlen. Durch eine Mutter an meiner Seite. Ich würde gerne manchmal anrufen und sagen: „Hey, Nummer 1 hat heute eine 2 in Französisch mitgebracht!“ und sie würde sagen: „Wow, toll, da hat sich das ganze Üben ja gelohnt. Gib sie mir doch mal eben, ich will sie unbedingt loben!“

Oder ich hätte sie letztes oder vorletztes Jahr angerufen und gesagt: „Puh, Mama, ich bin echt fertig und angestrengt. Die Kinder, das Baby, die Hyperthyreose, der Wasserschaden. Meine Ärztin befürchtet, ich könnte total erschöpfen …“ und sie hätte gesagt:“Ach Mensch, ja, ich weiß. Das ist aber auch alles viel für dich. Ich komm vorbei und schaue, wie ich dir helfen kann, okay?“

Da mein Vater eher einer dieser Randfiguren-Väter war vermisse ich ihn als „Rolle“ weniger. Aber auch. Ich vermisse, nie einen Vater gehabt zu haben, der sich wirklich interessierte oder verantwortlich fühlte. Einen, der nicht in seinen Gefühlen launisch, schon gar nicht beängstigend gewesen wäre und mich vielleicht sogar ab und an mal beschützt hätte.

Er hätte mir Mut zugesprochen und wäre stolz auf mich gewesen.

Soweit die Phantasie.

Wunschbilder und Wirklichkeit

Ich vermisse in der Tat auch diese beiden Menschen, mit denen ich die ersten zwanzig Lebensjahre unter einem Dach verbrachte.

Und doch betrauere ich am meisten das, was ich niemals hatte:

Ich habe kaum schöne Kindheitserinnerungen. Kaum eine Erinnerung daran, wie ich ganz losgelöst und unbelastet war. Dauernd fühlte ich mich nicht gut genug, war innerlich gehetzt und dachte, ich sei nicht viel wert. Ich war immer auf der Hut vor Launen, Stimmungsschwankungen und den verschiedenartigen Attacken sowie Ausbrüchen, die das nach sich zog. Mal diese subtilen Untertöne, mal direktes Lächerlichmachen, dann wieder totale Begeisterung für mein Tun und kurz darauf eben wieder Frustration und Wut. In einer solchen Gesellschaft wächst man nicht unbesorgt auf.

In Wahrheit war es mehr als nur der Mangel an Stabilität: Ich war ein tief, tief traumatisiertes Kind, das Jahrzehnte brauchte, um aufzuarbeiten, was passiert ist.

Ich vermisse die Mutter nicht, mit der ich Dinge erleben musste, die bis heute als tiefsitzende, frühkindliche Todesangsterfahrung in meinen Knochen (und meiner Amygdala, dem Angstzentrum im Gehirn) sitzen und gegen deren Auswirkungen ich trotz aller Selbstreflexion- und analyse, trotz mehrjähriger Therapie und trotz allen Wissens immer wieder ankämpfe. Oder besser ausgedrückt: Mit denen ich leben lernen musste.

Dieses folgende Gefühl habe ich da, wo ich gerne eines von Geborgenheit hätte: „Meine Mutter sagt, sie liebt mich. Aber sie beschützt mich nicht nur nicht, sondern ist Mittäterin, ja eigentlich sogar Initiatorin. Sie hätte mir beinahe mein Leben genommen, weil sie in ihrem Wahn unaufmerksam und es für mich dadurch gefährlich wurde.“

Ich habe das nicht vergessen, es war lediglich verdrängt. Wie so viele andere wirklich hässliche Dinge und Details.

Reifliche Überlegung

Ich habe sehr viel Verschiedenes über meine Entscheidung des Kontaktabbruchs nachgedacht. Ich dachte:

„Sie können nichts dafür, dass sie so sind wie sie sind. Sie brauchen mich vielleicht.“

„Andererseits habe ich es satt, dauernd Verständnis für sie zu haben, nur weil ich dazu in der Lage bin. Ich bin nicht deren Mutter!“

„Ob meine Mutter an mich und ihre Enkel denkt? Ist sie in der Lage uns zu vermissen? Oder ist das bei ihr so, wie bei vielen Menschen mit Borderline Persönlichkeitsstörung: Aus den Augen – aus dem Herzen. Keine Objektkonstanz? Wer nicht da ist, den spüre ich auch nicht. Oder so?“

„Ob mein Vater unser letztes Telefonat bedauert? Oder ist er zu stur oder selbstverliebt? Zu wenig fähig, sich selbst kritisch zu betrachten. Ist er also so wie immer?“

„Ich vermisse es, wenigstens das Bisschen als Mutterliebe zu bekomme, was ich eben so bekam. Das tut wirklich be*** weh!“

„Wenn ich mir vorstelle, wie sie sich einreden, wie böse und gemein ich bin, dann könnte ich ausrasten!“

„Schade, dass mir das Weinen so schwer fällt. Ich wette, ich würde mich besser fühlen, wenn ich diesen Part des Trauerns zulassen könnte.“

„Wenigstens meine Kinder haben eine Mutter, die für sie da ist und sie liebt. Sie fühlen sich sicher und stark. Das ist das Wichtigste.“

„Ob ich meiner Mutter wenigstens mal Fotos von ihren Enkel zukommen lassen soll? Sie kennen ja beide Nummer 4 überhaupt nicht. Interessiert es sie überhaupt? Denken sie einen Hauch so viel über mich nach, wie ich über sie?“

„Was ist, wenn ich ihnen Unrecht tue? Was, wenn ich wirklich unerträglich und verrückt bin? Charakterlich deformiert und gestört? Vielleicht weiß ich das ja nur nicht! Oh Gott, was, wenn ich verrückt bin und meine armen Eltern verstoße, die nur versuchen, für mich da zu sein und mich lieben … halt nein: Da merke ich gerade, dass es so ja nicht ist. Denn dann wären sie vermutlich da und würden versuchen, mir zu helfen …“

„Es ist, als wären sie tot und ich würde trauern. Aber sie leben. Ich bin es ja, die sie quasi sterben lässt. Ein klassisches ‚Für mich seid ihr gestorben‘ -das ist sehr heftig.“

„Ich bin eine miese Tochter. Ich sollte mehr Verständnis für die beiden haben. Ich war immer diejenige, die sie innerlich bemuttert hat und die Verständnis für sie hatte. Und nun lass ich diese beiden armen, psychisch gestörten Menschen einfach sitzen.“

„Ist das Liebe, was ich für sie empfinde? Ist das gut? Sollte ich mir das irgendwie abgewöhnen? Diese verfluchten unkündbaren Beziehungen…!“

„Wow, wer keine Eltern hat, der ist dazu gezwungen, so richtig erwachsen zu sein. So ohne Netz und doppelten Boden. das wiederum finde ich sehr stärkend. Ich kann nicht mal eben meine Eltern um Hilfe bitten und ich trage die gesamte Verantwortung für mein Leben selber.“

„Oh Mann, wer keine Eltern hat, der kann nie mal eben nach ihnen rufen oder sie um Rat bitten oder mit ihnen über alte Geschichten lachen. Das ist sehr schmerzhaft.“

Wölfe, Gérard van Drunen

„In meiner Vorstellung traumhaft: Leben in einem Rudel“             (Foto: van Drunen)

In der Tat sagen unsere Großen manchmal etwas wie: „Mama, es ist echt krass, dass du uns etwas geben kannst, das du selber nie hattest. Und so viel davon! Woher nimmst du all das, wenn du es nie bekommen hast?“

Aus meiner Liebe. Und dem Wissen daraus, wie schlimm es sich anfühlt, wenn es fehlt.

Time to say Goodbye …

Ja, ich muss mich verabschieden. Von meinen verträumten Wünschen, meinen sehnsuchtsvollen Gedanken, von meinen Bedürfnissen nach elterlicher Liebe und Begleitung.

Viele Menschen sagten mir schon: „Du hast du doch deine eigene tolle Familie!“

Ja. Schon. Aber das hilft so viel wie das übliche „Du hast ja noch ein anderes Kind“-Trösten nach einer Fehlgeburt hilft.

Ich bin wirklich fast täglich dankbar für meine Familie. Sogar, wenn sie mir gehörig auf den Zeiger geht. Aber es ist doch nicht verwerflich, sich zusätzlich eigene Eltern zu wünschen anstatt ausschließlich dauerdankbar dafür zu sein, selbst welche sein zu dürfen.

Ich habe letztlich keine Fotos für sie gemacht. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich sie meiner Mutter zukommen lassen sollte. Ich weiß nämlich nicht, wo sie gerade wohnt. Die letzte Information war, dass sie mit dem schwer autistischen Sohn ihres verstorbenen besten Freundes zusammenlebt und sich um ihn kümmert. Für ihren eigenen autistischen Sohn hatte sie so viel „Liebe“ nicht übrig.

Aber gut. Was soll ich darüber nachdenken? Sie besteht eben aus Bildern, die sie sich von sich selbst macht. Sie ist gerne die Helfende und Unterstützende. Da, wo ihr diese Darstellung gefällt. Da, wo sie damit etwas gewinnen kann. Und da ich ihr ja als Tochter sicher war, ebenso wie meine Liebe – die bei Kindern ja mitgeliefert wird – war dies bei mir unnötig.

Und hier schließt sich mein Gedankenkreis: Was würde mir persönlich ein Kontakt bringen?

Nichts Gutes.

Nur etwas Schein.

Und dafür gebe ich nichts auf. Nicht mehr. das habe ich Jahrzehnte lang getan. Um mich am Ende ungeliebt zu fühlen und zu begreifen, dass ein Mensch wie sie tragischer Weise niemals wirkliche Liebe empfinden kann. Das ist sehr traurig. Für sie ebenso wie für mich.

Ich betrauere im Grunde sehr viel mehr als den Verlust, den meine Entscheidung mit sich brachte:

Ich sehe in meiner Mutter ein kleines Mädchen, das tief verletzt wurde und diese schwere Bindungsstörung entwickelte, mit der sie wiederum bei ihrem kleinen Mädchen schwere Verletzungen verursachte. Und ich weiß inzwischen, dass ihre Verletzung nur eine in einer langen Reihe war, die sich über Generationen weitergab. Laut Einschätzung meines (unglaublich dankenswert kompetenten) Therapeuten handelt es sich um einen etablierten transgeneratorischen Missbrauch in der mindestens fünften Generation.

Daher entschied ich vor langen Jahren, diesen zu stoppen. Ende. Ich wollte, dass ich als letztes Opfer das ganze beende. Es war, wie sich vor einen rauschenden D-Zug zu stellen, um ihn wie Superman aufzuhalten. Superwoman in diesem Fall. Ich in diesem Fall.

Und es lohnte sich. Ich sehe meine Kinder, sie sich selbst annehmen wie sie sind. Die eine Tochter eher schüchtern, aber stets im inneren Wachstum. Die andere lange Zeit mit der Thematik des Mobbings konfrontiert, aber von uns unterstützt und begleitet. Die Dritte wibbelig und voller Energie, eine Quasselstrippe voller tiefer religiöser Werte und einem wunderbaren Sozialverhalten. Und natürlich der Kleine, der von einer Bekannten immer als „Glücks-Baby“ bezeichnet wurde, weil er genau dies ausstrahlt: „Mir geht es gut, ich bin vollkommen glücklich und angenommen.“

In mir ist Trauer.

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Aber auch viel Liebe. Dankbarkeit und ich bin achtsam geworden. Mein Schicksal machte mich sensibel, empathisch und sehr stark. „Mich haut so schnell nichts um!“ sage ich manchmal und das fühlt sich gut an.

Ein mittlerer Burnout und eine Angststörung – das ist alles, was ich davon trug. Und Trauer. Und Misstrauen. Das ist okay für mich. Ich bin stark, nicht persönlichkeitsgestört, nicht essgestört, nicht drogensüchtig, nicht narzisstisch. Nix. Und ich bin dankbar dafür. Mir selbst auch.

Mit dieser Entscheidung bin ich nicht allein

Vielen Menschen geht es wie mir – das fiel mir auf, als ich den oben erwähnten Artikel las.

Diese schwierige Entscheidung. Und dauernd Zweifel daran. Die Trauer, das Ziehenlassen der Hoffnungen und der eigenen Bedürfnisse. Und dann die Fragen aus dem Umfeld, die irritierten Blicke und auch manchmal die Kommentare, all das.

Dennoch akzeptiere ich die Tatsache des Verlusts, der im Grunde nie einer war, weil einfach bestimmte Elemente nie wirklich in meinem Leben waren.

Ich akzeptiere meine Trauer, meine Wut auf und auch die Liebe, die trotz allem da ist. Ich bin an all dem gewachsen und es gab mir Fähigkeiten.

Und – was mir beim Lesen des Artikels noch auffiel: Ich bin nicht allein damit.

Und Ihr anderen „freiwilligen Waisen“ seid es auch nicht ❤

 

 

 

 

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76 Gedanken zu “Freiwillig verwaist – über den Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern

  1. Ich würde dich jetzt gerne mal in den Arm nehmen.
    Ich habe erst seit kurzem wieder Kontakt zu meiner Familie.
    Ich brachte mit meiner letzten Kraft meine Tochter zu meiner Cousine und brach dann zusammen. Das letzte i-Tüpfelchen war einfach das zerbrechen meiner Ehe.
    Ich war mir so sicher das ich falsch gehandelt habe und während ich in der Klinik war schien sich dieses Gefühl auch zu bewahrheiten. Jetzt 5 Monate später und kurzer,richtiger Obdachlosigkeit dazwischen kann ich den Kontakt zulassen.
    Ich weiss das ihr Netz nie mich und mein Kind tragen wird, aber es wird meine Tochter tragen wenn ich es wieder benötige.
    Meine Mutter und ich haben heute ein Verhältnis das ich nie für möglich hielt.Sie hat sehr sehr hart an sich gearbeitet. Auch hier ging Missbrauch und Gewalt über Generationen und ich bin ihr von tiefstem Herzen dankbar das sie akzeptierte das mein Opa nie auch nur ein Bild meiner Tochter zu Gesicht bekam bis er starb.
    Aber sein Tod war der erste Befreiiungschlag unter seinen Kindern.
    Ich freu mich jetzt wenn meine Mutter einmal in der Woche die 60km auf sich nimmt und zu nem Kaffee zu mir kommt oder sie mir spät abends eine Nachricht schickt das sie mich lieb hat.

    Ich trau dem Frieden noch nicht und werde das auch noch lange nicht.
    Aber ich nehm was ich kriegen kann, solange es mir nicht schadet.

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    • Liebe Lady Solana,

      Deinen letzten Satz kann ich so gut verstehen!
      Ich dachte auch oft darüber nach, ob das für mich richtig wäre. Aber meine Mutter hat kein Potential um wirklich zu verstehen und sich zu verändern oder behandeln zu lassen.

      Deine Geschichte ist ja wirklich dramatisch! Meine Güte – mit Obdachlosigkeit und Zusammenbruch …
      Du hast ja auch eine Menge mitgemacht, hm?

      Traurig, dass der Tod eines Familienmitglieds eine Befreiung sein kann, nicht wahr? Aber ich kann mir vorstellen, wie Du das meinst.

      Ich freue mich unbekannter Weise für Dich, dass Deine Mutter zu Dir kommt und ihr ein bisschen reden könnt oder dass sie Dir schreibt – und zugleich kann ich Dein Misstrauen sehr gut verstehen. das ginge mir vermutlich ganz genau so.
      Daher wünsche ich Dir von ganzem Herzen, dass Euer Kontakt weiterhin für Dich unterstützend und bereichernd bleibt und Deine Tochter wenigsten so viel von ihrer Oma hat, dass es ihr gut tut ❤

      Ganz herzliche Grüße an Dich und alles Liebe ❤

      Lareine

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    • Liebe Conni,

      das war – ehrlich gesagt – eine Sache, die ich aus dem Bauchgefühl behandelt habe:

      Ich habe mir lange Liste aus dem Internet geholt, auf denen immer nur ein Name und eine Telefonnummer standen. Während ich diese ansah dachte ich: „Ich möchte keinen Therapeuten, der sich mir nicht im Mindesten vorher vorstellt.“ Daraufhin habe ich nach einem Therapeuten im Umfeld gesucht, der eine eigene Webseite hatte.

      Dort las ich dann als Erstes folgendes Zitat: „Veränderung ist, wenn man wird, was man ist.“ und dachte mir „Bingo! Das ist der Richtige!“ und genau das war er auch.

      Inzwischen gibt es ja noch viel mehr Therapeuten – auch Heilpraktiker für Psychotherapie, Coachs und Berater. Man kann schauen, welche Wünsche und Vorstellungen man hat und verschiedene TherapeutInnen besuchen und kennenlernen.
      Manchmal hilft es auch, sich von Freunden oder Bekannten jemanden empfehlen zu lassen.

      Suchst Du denn schon lange?

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  2. Deine Worte schnüren mir die Kehle zu. Und gleichzeitig ist da dieses bittersüße, von Traurigkeit begleitete Gefühl, dass jemand meine Gedanken genommen und zu Worten formuliert hat. Du beschreibst mit deinem Artikel mein Leben, meine Gefühlswelt, meine eigene Biografie. Und obgleich ich weinen musste, bin ich dankbar für jedes gelesene Wort, denn ich weiß: ich bin nicht allein damit! Danke!!!

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    • Liebe Helen,

      es tut mir natürlich leid, wenn mein Artikel Dich zu rührte – zugleich aber sind Tränen ja doch auch etwas Befreiendes und damit Gutes.
      Es ist schon heftig, wie viele Menschen doch Ähnliches erleben und durchmachen. Du bist also keinesfalls alleine damit. Nicht mit dem Schmerz, nicht mit den Erinnerungen und auch nicht mit der Trauer über etwas, das Du so wohl nie hattest: Zuverlässige, liebende Eltern und eine sorglose Kindheit.
      Nun aber als erwachsene Menschen können wir uns vieles davon selber geben und das macht stark, finde ich.

      Inzwischen behandle ich meine Gefühle diesbezüglich so, als hätte ich meine Eltern verloren – weil sie gestorben sind. Krank waren oder einen Unfall hatten. Manchmal habe ich sogar überlegt, das Anderen, beziehungsweise Fremden, gegenüber so zu sagen. Damit ich nicht dauernd erklären muss, wieso ich so eine radikale Entscheidung treffen musste.
      Aber am Ende sage ich doch immer, wie es wirklich ist – ich fühle mich der Wahrheit doch sehr verpflichtet 🙂

      Ganz herzliche Grüße und alles, alles Gute für Dich ❤

      Lareine

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  3. Ich weiss eigentlich nicht recht was ich Dir schreiben möchte, aber ein paar Zeilen wollte ich einfach hinterlassen. Dein Beitrag ist berührend und Dein Erlebtes, was man rauslesen kann, geht unter die Haut! Bemerkenswert, wie Du dem „Wahnsinn“, dem Du entkommen bist, bewusst ein Ende gesetzt hast und versuchst, Deiner Familie all das zu geben, was Du nie hattest. Hut ab! Ich finde es daher richtig, dass Du den Kontakt zu Deinen Eltern abgebrochen hast! Viele Grüsse! Claudia

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    • Liebe Claudia,

      wie lieb, dass Du mir ein bisschen zusprechen möchtest und vor allem auch vielen Dank für Deine bestätigenden Zeilen ❤

      Ich habe immer mal wieder Zweifel an dieser Entscheidung, aber im Grunde weiß ich, dass es der beste Weg so ist.

      Ganz liebe Grüße zurück

      Lareine

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  4. Oh was für ein Artikel , du sprichst mir aus dem Herzen und auch ich kenne diese Trauer und die Zweifel .Ich habe das letzte Mal mit meinen Eltern vor sechs Jahren gebrochen und – es geht mir gut ohne ihre Anwesenheit in meinen Leben ,aber auch ich habe diese Gedanken . Das was mich auch oft beschäftigt ist , wie ist es wenn sie wirklich sterben ,gehe ich zur Beerdigung …. und kann ich ihnen vergeben…. muss ich das – es gibt soviel was da bei mir frei im Raum schwebt.
    Ich habe drei erwachsene Kinder und ich bin sehr glücklich das ich ihnen das geben konnte was ich nie bekommen habe Liebe,Mut und Selbständigkeit und Eltern die ihnen immer zur Seite stehen
    Danke für Deine offenen Worte
    Gabriele

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    • Liebe Gabriele,

      Deine Zeilen sind für mich ein wenig wie ein „Blick in die Zukunft“: Du schreibst, dass Du erwachsene Kinder hast und Dich freust, ihnen geben zu können, was sie brauch(t)en. Das klingt ganz wunderbar, finde ich!
      Unsere Älteste ist 13 – also noch nicht erwachsen, aber auch unsere Kinder sagen oft, wie toll sie es finden, dass ich etwas geben kann, das ich selbst so nie hatte. Und das kann man ja wirklich.

      Und auch Deine Gedanken teile ich: Ich frage mich auch oft, was ich tun werde, wenn sie mal schwer erkranken oder plötzlich sterben werden. Was, wenn sie mich irgendwie an ihrem Sterbebett sehen wollen? Ich denke, ich würde sie dann für dieses Mal besuchen.

      Ich sehe beide als Menschen, die selbst tief verletzt wurden, aber nicht begriffen, was das mit ihnen und aus ihnen machte. Sie wissen ja gar nicht, was sie „ausgeteilt“ haben. Und daher haben sie keine Möglichkeit, sich zu verändern.
      Also verzeihe ich ihnen schon ihre Art und ihre Taten. Aber das heißt nicht, dass ich nicht verletzt wurde oder Wut spüre.

      Ich wünsche Dir alles Gute ❤

      Lareine

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  5. Pingback: Auslöser von Freßattacken – Ketogen Leben

  6. Vielen Dank für diesen Text! Er hat mich sehr gerührt und berührt, weil ich den Kontakt zu meinem Vater vor Jahren abgebrochen habe und zu meiner Mutter seit einigen Monaten sehr auf Distanz gehe. Alles aus verschiedenen Gründen, und Dein Text hilft sehr dabei, sich Gedanken über diese Gründe zu machen und nicht einfach einen schmerzenden Kontakt aufrecht zu erhalten, weil es im Umfeld zu verurteilt ist, den Kontakt zu den Eltern abzubrechen. Ich bewundere Deine Stärke und wünsche Dir sehr, dass Du weiter soviel Kraft und Liebe in Deiner Familie findest.

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    • Liebe Mutterseele,

      ich treffe immer mal wieder auf Unverständnis, wenn ich von meinem Kontaktabbruch berichte. Aber ich deute dann immer an, dass ich sehr heftige Gründe dafür habe und es mir zudem schwerfällt.

      Es ist ja wirklich nicht so, als dächte man: „Och, meine Mutter is‘ nicht so wie ich mir das vorstelle, also schieß ich sie gedanklich ab und red‘ nicht mit ihr! Pah!“ Dahinter stecken ja sehr viele Gedanken und Gefühle.

      Danke für Deine lieben Wünsche, die ich Dir genau so zurückwünsche ❤

      Liebe Grüße

      Lareine

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  7. Ein toller und mutiger Text. Es ist unbeschreiblich, wieviel Kindheit und Familie in einem anrichten kann. Dennoch ist der Trennungsschmerz in deinem Fall vermutlich die besser Variante als sich immer wieder dem Schmerz auszusetzen, sich nach etwas zu biegen und zu strecken, das einem jemand anderes nicht geben kann oder will..

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    • Liebe Paleica,

      danke für Deine bestätigenden Worte!
      Ich finde auch, es ist besser, den Trennungsschmerz zu verarbeiten und mit den verschiedenen Gedanken zu leben als sich dauernd zu verbiegen und auf Liebe oder Veränderungen zu hoffen …

      Liebe Grüße

      Lareine

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  8. Ich weiß jetzt leider nicht ganz so genau, wie es Dir in der Kindheit erging (ist auch der 1. Artikel, den ich von Dir lese). Aber ich fühle mit Dir!! Ich kann es nachvollziehen. Ich hatte oft genug Kontaktabbrüche mit meiner eigenen Mutter, aber toi toi toi, sie hat sich gewandelt zum Guten und somit haben wir seit ca. 5,5 Jahren wieder Kontakt. Anderen, losen Kontakt, ungezwungenen.

    Ich möchte Dir nichts raten. Ich glaube, Du bist einfach auf dem richtigen Weg und wenn es keine Tränen gibt, dann gibt es Artikel zum Schreiben! Das hilft auch viel!

    Ich habe selbst den Kontakt zu meiner Großmutter abgebrochen, die mich liebte, herzte, mich aufzog größtenteils. Das schmerzt immer noch. Meine Psychotante in der MuKiKur gab mir einen tollen Tipp: Pack all das, woran Du Dich gerne mit der Großmutter erinnerst, in eine Schatzkiste (ob reell oder imaginär) und schließe es ein. Wenn Du es brauchst, hole es raus. Alles andere stecke in eine andere Truhe und lasse sie zugeschlossen. Es hilft tatsächlich!

    LG Ivi

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    • Liebe Ivi,

      der Schatzkisten-Tipp klingt sehr schön! Ich freue mich, dass Du so schöne Erinnerungen hast – das sit bestimmt so ein Kraftspender, wenn es mal nicht so gut läuft.

      Manche Menschen können sich verändern, andere leider nicht – und wie toll, dass es in Deinem Fall bei Deiner Mutter so gut gelaufen ist!

      Liebe Grüße ❤

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  9. Ich kann dich so verstehen! Den ganzen Artikel lang habe ich genickt. Auch wenn ich selbst noch nicht stark genug bin um den Kontakt komplett abzubrechen, habe ich sehr sehr lange darüber nachgedacht. Mein Partner selbst hat eine ähnliche „schwere Kindheit“ und schon vor langem den Kontakt abgebrochen. Ich selbst habe noch immer Hoffnung bzw. inzwischen akzeptiert, dass meine Eltern nie „meine Eltern“ sein werden.
    Ich hatte genau die gleichen Gedanken wie du. Bin ich schuld? Wollen sie mir nur Gutes? Erkenne ich es nicht? Können sie nichts dafür? Wurden sie als Kinder schlecht behandelt? Sind sie selbst traumatisiert?

    Mein Coach sagt: Ja, sie sind selbst traumatisiert durch ihre Erziehung, aber sie haben den Schritt nie gewagt, sich Hilfe zu holen. Ich bin so froh, dass ich jetzt Hilfe habe.

    Ich kenne all diese Gedanken und die Angst als Kind… Das Gefühl, immer mit eingezogenem Kopf durch die Gegend zu laufen, weil man einen Schlag in den Nacken erwartet. Diese ständige Ungewissheit, ob bald ein neuer Ausbruch im Elternhaus wartet oder ob man mit Geschrei begrüßt wird, wenn man aus der Schule kommt.

    Du hast meine Bewunderung dafür, dass du so stark bist und den Schritt wirklich gewagt hast. Ich selbst bin noch zu zögerlich dafür. Der Wunsch nach Familienidylle ist so unendlich stark verankert, das ich noch nicht aufgeben kann. – Außer für mich selbst. Ich habe inzwischen so große Angst davor, selbst so zu werden, auch wenn ich es auf keinen Fall will, dass ich keine Kinder möchte. Damit stirbt unsere Familie nach mir aus. – Mein Partner sieht das genauso, aus genau diesen Gründen will auch er keine Familie. Wir wissen nicht, wie wir zu eigenen Kindern sein würden. Wir befürchten, dass wir unwissentlich unterschwellig doch genauso sein werden.

    Meine Mutter hat vor mir mit mehreren Fehlgeburten und toten Kindern zu kämpfen gehabt. vielleicht hat sie das so werden lassen, wie sie ist. Wenn sich das vererbt hat, werde ich vielleicht auch unter diesen Schicksalsschlägen leiden müssen. Vielleicht kann ich dann auch nicht anders, als so zu werden, wie meine Mutter. Das Risiko ist mir zu groß, dass ich ein weiteres Erdengeschöpf so malträtiere. Dann will ich lieber doch keine Kinder. Langsam bin ich ohnehin schon spät dran dafür.

    Alles Liebe,
    Julia

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    • Liebe Julia,

      sobald man sich Hilfe holt, ist man meist bereit zur Reflexion.
      Und wer sich selbst ehrlich betrachtet und reflektiert, der kann mit möglichen eigenen Kindern völlig anders umgehen, als die eigenen Eltern.
      Meine eigene Erfahrung bestätigt das bisher – und ich bin immerhin seit über 13 Jahren Mutter.
      Perfekt ist nichts – natürlich. Auch man selber nicht. Wenn man aber die Bedürfnisse der Kinder respektiert und selbst in Behandlung ist oder gecoacht wird, dann kann man trotz allem und mit allem glücklich leben. Mein Bruder wollte jedoch lieber auch keine Kinder – bis er und ich wieder Kontakt hatten und er sah, dass man eben nicht zwangsläufig oder versehentlich eine „Kopie“ des elterlichen Verhaltens wird. Da war er allerdings in einem Alter, indem er sich zu alt für Kinderfühlte.

      Ich kann sehr gut verstehen, dass Du Angst davor hast, diese endgültigen Schritt zu gehen. Auch ich mochte eine lange Zeit die wohlige (aber unterschwellig anstrengende und verletzende) Schein-Idylle und hielt mich mit Selbstvorwürfen davon ab, mich von meinen Eltern zu trennen.

      Inzwischen spüre ich oft Trauer in mir. Aber auch Erleichterung und Befreiung. Und immer mal wieder sind da Gedanken wie: „Könnte man vielleicht doch wie Erwachsene miteinander reden?“ oder „Ob sie die Kinder vermissen? Denken sie an mich?“ – ich habe mich dennoch nie dazu hinreißen lassen, den Kontakt wieder zu suchen.

      Ich grüße Dich ganz herzlich und freue mich sehr über Deinen Kommentar – wir sind wirklich nicht alleine! ❤

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  10. Wow ich bin gerade total berührt. Der Text spricht mir vollkommen aus der Seele. Genau diese Gedankengänge habe ich ständig. Aber eigentlich ist es viel besser ohne sie. Eine Mutter mit (unbehandelter) Boderline PS ist die Hölle.

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    • Liebe Steffi,

      wow, es fühlt sich in all der anstrengenden Thematik sehr gut an, dass es Menschen mit ähnlichen Gedanken und Erlebnissen gibt!
      Ich finde es ohne sie auch besser als mit. Einfach weil ich nichts von einer Art Theater ohne wirkliche erwachsene Liebe hätte. Und weil ich mich auf der anderen Seite nicht mehr verpflichtet fühle, meine Mutter durch meine Anwesenheit zu unterhalten oder unterstützen.

      Ja, Menschen mit derart verdrehten Gefühlen, Launen und sprunghaften, fordernden Bedürfnissen sind die Hölle …

      Ganz liebe Grüße ❤

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  11. Danke für.diesen wunderbaren Text, der mir komplett aus der Seele spricht. Es ist schön zu wissen, daß man mit diesen Gefühlen nicht alleine ist!

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    • Liebe Babs,

      es gab inzwischen so viele Reaktionen auf diesen Artikel (hier sowie auf Facebook und auch auf Twitter), dass ich wirklich erstaunt bin, wie vielen Menschen es so ergeht wie Dir und mir …

      Wir sind absolut nicht alleine ❤

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  12. Wow. Ich bin überwältigt und sprachlos. Ich finde mich darin fast 1:1 wieder.
    Aber auch erschreckend, noch einmal rückwärts das Leben zu betrachten. Es macht mich sehr traurig, was mir alles entgangen ist. Ja, auch ich (Alleinerziehende, voll berufstätig) habe meinem Sohn (ADHS) die Liebe gegeben, die ich gerne gehabt hätte. Es war unheimlich anstrengend. Wie oft bin ich abends bei ihm eingeschlafen, beim Vorlese, vor lauter Erschöpfung.

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    • Liebe Susanne,

      Alleinerziehend all das zu geben ist aber eine großartige Leistung!
      Das Leben, das an so eine Kindheit anschließt, ist immer anstrengend. Ich kenne auch das.
      Ich war echt irgendwann eine Art Hochleistungsroboter- ohne es zu merken.
      Das führte irgendwann in die totale Erschöpfung.

      Ich bin auch sehr traurig, weil ich nie erfahren werde, wie es sich a fühlt, „normale“ Eltern zu haben.

      Ich hoffe, Dir geht es soweit gut❤️

      Ganz liebe Grüße

      Lareine

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  13. Ich möchte dir einen Gruß da lassen vom ‚anderen Ende der Welt‘: Ich habe die zwei weltbesten Eltern und bei ihnen eine sorgenfreie unbeschwerte Kindheit verbracht. Heute habe ich meine eigene Kinderschar (3 Jungs, 1 Mädchen) um mich und sehe das als logische Folge: Natürlich wollte ich auch eine Mama sein, Familienleben genießen, Geschenktes weiter verschenken… Es ist Selbstverständlichkeit, sozusagen der Lauf der Dinge… Woher aber nahmst du den Mut? Woher nahmst du die Kraft? Woher kam der Quantensprung den Missbrauch, die Kette von Missachtung zu durchbrechen? Wir beschäftigen uns immer so viel mit der Pathogenese des Lebens, aber du bist ein wundervolles Beispiel für Salutogenese! Für Resilienz und das Wunder der Autonomie! Vielen Dank für deinen mutigen und anrührenden Artikel!

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    • Hach, liebe Tante Käthe,

      ich freue mich so sehr für Dich und mit Dir, dass Du so tolle Eltern hast ❤

      Um Deine Fragen zu beantworten: Ich denke, ich habe einfach wirklich eine gute Portion Resilienz und Kraft. Einfach viel Intuition und Selbsterhaltungstrieb. All das zusammen ließen mich wirklich nie daran zweifeln, dass es gut sein würde, Kinder zu bekommen. Ich wusste, ich würde stets so viel an mir arbeiten und mich immer weiter heilen und entwickeln, dass ich gut für sie sein würde.

      Zugleich sind sie ja auch gut für mich – ein Nest, das trägt, ist eine quasi neue Erfahrung für mich, auch wenn ich selber einer der Äste bin, auf denen das Nest aufgebaut ist 🙂

      Ja, man kann in der Tat viel mit- und durchmachen und dennoch stark sein und am Leben teilnehmen. Allein schon aus "Trotz und Stolz" wollte ich mir so wenig wie möglich durch di eFolgen meiner Traumata wegnehmen lassen.

      Ganz herzlich Grüße

      Lareine

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  14. Vielen Dank für diesen Text! Der könnte von mir und meine Geschichte sein.
    Unbekannterweise eine Umarmung und viel Verständnis.
    Alles Gute
    Tina

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    • Liebe Tina,

      ich danke Dir ganz lieb für Dein Verständnis und die lieben Worte.
      Ich freue mich, dass sich inzwischen so viele zu Worte melden und sagen: „Mir geht es genau so!“
      Wir sind wohl wirklich alle nicht alleine ❤

      Liebe Grüße an Dich

      Lareine

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  15. Liebe Mrs Essential,
    Ich möchte dir unbedingt eine stärkende Umarmung rüberschicken! Ich danke dir für deine Zeilen und bewundere dich für deinen Mut und deine Kraft.
    Ich darf mich glücklich schätzen, so ganz andere Eltern als du zu haben. Das würde mir eben endlich mal wieder bewusst. Auch dafür danke!
    Ganz liebe Grüße!

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    • Liebe Louisa,

      ist manchmal schön, wenn man spürt, was man hat, nicht wahr? 😉
      Daher freut es mich, wenn mein Artikel Dich persönlich nicht betrifft, aber Dir dennoch etwas Gutes tun konnte ❤

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  16. Liebe Lareine!

    Auch ich bin völlig berührt und dankbar für deinen Artikel. Ich wünschte, ich hätte ihn schon vor 3-5 Jahren lesen können. Ich finde mich darin so sehr wieder, und auch wenn ich es mittlerweile weiss, dass ich damit nicht alleine bin, tut es mir gerade sehr gut, deine ausformulierten und für mich so treffenden Gedanken zu lesen, die auch ich so sehr kenne. Diese Sehnsucht, nach echter Mutterliebe, nach verstanden und gesehen werden, und nach Famlienidylle, an mir selber zweifeln und mir zerreisst es teilweise mein Herz, dass anscheinend ein gesunder, nährender Kontakt innerhalb meiner Familie nicht möglich ist, auch wenn ich mir das so sehr wünsche…
    Auch wenn ich es weiss, dass sie aufgrund ihrer Geschichte so sind, wie sie sind.
    Ich habe bis vor ein paar Jahren noch gedacht, ich hatte eine schöne und normale Kindheit und mir gings doch gut, und noch nicht sehen können, was wirklich war und ist und wie ungesund, toxisch giftig sie wirklich war und ist … Ich habe keinen völligen Kontaktabbruch, sondern habe mich die letzten 5 Jahre immer mehr zurückgezogen und von meiner Familie distanziert. Und stehe im Grunde damit alleine da, was meine Familie betrifft, außer mein Partner, der hinter mir steht, ähnliches in seiner Familie erlebte und in den Augen meiner Familie wahrscheinlich schuld ist, warum ich mich von ihnen fernhalte. So wie ich dich aus den Kommentaren verstehe, hast du einen Bruder, der das ebenso sieht wie du. Ich habe zwar einen Bruder, der denkt allerdings, dass ich spinne, zu sensibel bin und hat im Grunde für mich ähnliche Anzeichen wie meine Mutter. Ich selbst habe bisher keine Kinder, wünsche das mir eigentlich sehr, allerdings merke ich, dass ich mich zeitenweise noch sehr leer fühle, und bemerke, wie gewisse Verhaltensweisen/Denkweisen meiner Eltern in mir selbst stecken und ich kann da Julia, die ebenfalls ein Kommentar hinterlassen hat, diesbezüglich sehr gut verstehen.
    Wenn du es teilen magst, wie hast du es denn geschafft, selbst nährende, gesunde Mutterliebe bzw. überhaupt Liebe zu geben? Gibt es vielleicht Bücher, die dir da auch geholfen haben?

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    • Liebe Karin,

      es ist so schön, dass wir alle hier nicht alleine sind mit unseren harten Erfahrungen!<3

      Ich verstehe ganz genau, was Du beschreibst: Diese tiefe Sehnsucht des eigenen "inneren Kindes" (wie die Psychologie es so schön nennt) nach Eltern. Nach Mutterliebe, die nicht verurteilt und einfach da ist. Einfach so. Man wird geliebt, weil man da ist. Und nicht für etwas oder gar "trotz" etwas.

      Ich betraure ganz aktiv diesen Verlust. Den Verlust einer Mutter an sich. Lange habe ich mir dafür keinen Raum gegeben, aber nun tue ich das und es fühlt sich richtig an.

      Es ist hart, dass Dein Bruder Deine Wahrnehmungen nicht teilt. Vielleicht möchte er die Schein-Idylle gerne noch behalten? Eventuell weiß er ja doch tief in sich, dass etwas nicht in Ordnung ist und möchte aber die scheinbare Liebe nicht verlieren?

      In dem Moment, wo Du darüber nachdenkst, ob Du "gut und innerlich gesund genug" für Kinder bist, hast Du bereits das Wichtigste erreicht, das man als Mutter braucht, finde ich. Unsere Eltern haben das mit Sicherheit zu keinem Zeitpunkt gedacht. Und es ist so wichtig, weil man sich dann hinterfragt und vor allem: Sich selbst im Blick hat. Ganz ehrlich und offen. Denn nur so bleibt man in der Veränderung aktiv. Man wird dann zu derjenigen, die man eigentlich ist. Ohne die Prägungen, Beeinflussungen und Verletzungen.

      Zu Deiner Frage:

      Ich habe bisher nur zwei Bücher gelesen, die das Thema "Borderlinekranke Eltern" aufgreifen: "Schluss mit dem Eiertanz" und "Mit zerbrochenen Flügeln". Letzteres war für mich so tief berührend! Es hat mich immer wieder zum Weinen gebracht, weil mir das Ausmaß der Erkrankungen und der Auswirkungen auf mich vollends bewusst wurden. Und dabei hatte ich zuvor jahrelang nicht eine Träne vergossen. Aber das Buch bewegte viel in mir.

      Ansonsten ist es so: Ich gebe meinen Kindern meine Liebe. Ja, ich habe solche Mutterliebe selber nicht erfahren. Meine Mutter hat mich sicherlich auch irgendwie auf ihre Weise geliebt. Aber ich rede hier nicht von einer reifen und vor allem konstanten sowie bedingungslosen Liebe. Aber ich liebe meine Kinder natürlich dennoch und bekomme ja von meiner Familie auch Liebe zurück, so dass sich für mich ein Kreislauf ergibt: Ich gebe viel Gefühl und bekomme auch viel. Ich glaube, so klappt das 🙂

      Ganz herzliche Grüße

      Lareine

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      • Liebe Laraine!
        Herzlichen Dank für deine Tipps und ausführliche Antwort, und dass du dir dafür die Zeit nimmst, mir und auch all den anderen für mich echt, wertschätzend und liebevoll zu antworten. Ja, das Buch mit den Zerbrochenen Flügeln nahm ich mir auch immer wieder her. Finde ich auch sehr gut.
        Ich finds auch von all den anderen, die hier Kommentare schreiben toll, dass sie sich zeigen und ich meine, dass uns das allen gut tut, auch danke an diejenigen!
        Herzliche Grüße, Karin

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      • Liebe Karin,

        ich freue mich, dass meine Aufmerksamkeit für unsere lieben LeserInnen Dir so gut gefallen hat. Ich freue mich sehr über Kommentare und Austausch und nehme richtig gerne daran teil.
        Nach diesem Artikel war hier ja wirkliche eine Menge los und ich empfand das als sehr bereichernd.

        Genau wie Du bin ich dafür wirklich dankbar. Es ist großartig, wie viele sich hier meldeten, um zu sagen:

        „Das kenne ich! Wir sind alle nicht alleine damit!“

        Ihr seid wirklich alle ganz mutig und toll ❤

        Ich finde das Buch von Manuela Rösel auch einmalig gut. Es ist perfekt zusammengefasst, geht in die Tiefe ohne sich thematisch zu zerfasern und holt Kinder von Borderlinekranken sehr gut ab.

        Liebe Grüße an Dich

        Lareine

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  17. Hallo,
    ich bin auch eine freiwillige Verwaiste und fand deinen Text ganz wunderbar formuliert. Ich frage mich, wenn man keine Liebe bekommen hat, woher nimmt man sie dann um sie weiterzugeben? Wenn ich das doch auch kann (wie auch immer), warum konnte es dann meine Mutter nicht, die auch keine Liebe erfahren hat? Es liegt wohl daran, dass wir eine Wahl treffen. Ich habe schon sehr früh für mich beschlossen auf dem Pfad der Aufrichtigkeit und Wahrheit zu bleiben, denn sie wollte mich immer wieder rüber auf ihre Spur der Lügen und des Betrugs locken, doch ich widerstand der Verführung ihr dann näher zu sein, weil ich ihr so viel besser gefallen hätte als immer dieses lästige Kind zu sein, das den Mund nicht halten kann um die Wahrheit auszusprechen. Natürlich machte sie mich mundtot, aber in mir blieb immer der Funke an Glaube an mich, was ich für richtig und weise halte, auch wenn mir das jahrlang eingeredet wurde, dass meine Gefühle, Wahrnehmungen, Einschätzungen wertlos wären. Und das war wohl ein Akt der Selbstliebe, der mich davor bewahrte jemals so zu werden wie sie, gefühllos, eiskalt und tückisch, eben narzisstisch.
    Ich bin gerade dabei mein Selbstbild neuzudefinieren, nach meinen Vorstellungen. Davor war es nach ihren gestaltet, fremdreguliert. Eines Tages werde ich mir vielleicht auch zutrauen Mutter zu werden. Vermutlich dann, wenn ich vom Überlebens- in den Gedeihen-Modus gewechselt bin. Nur weil ich seit Jahren jeglichen Kontakt zu ihr unterbrochen habe, fühle ich mich nämlich immer noch nicht sicher vor ihrer Manipulation. Ich will eines Tages sagen können: Ich bin froh darüber wer ich geworden bin, froh darüber ich selbst zu sein und froh darüber mich endlich angstfrei zeigen zu können und mich nicht länger verstecken zu müssen.
    Der letzte Therapeut sagte, das würde ich nur schaffen, wenn ich mind. 1000 km wegziehen würde aus ihrem Bannkreis. Ich sage, das ist Quatsch, es braucht innere Transformation zur Heilung. Distanz schützt nicht vor den Alpträumen etc..
    Aber als Kämpferin werde ich mir einen Weg bahnen. Niemals aufgeben! Immer das Ziel im Blick.

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    • Liebe Nicole,

      dadurch dass man sich all der Dinge, die falsch oder krank waren, bewusst wird, hat man das Potential der Veränderung.
      Erst einmal übernimmt man ja die Weltsicht, Urteile und Empfindungsarten der Eltern – das tun alle Kinder. Dann aber spürt man (oder eben auch nicht), dass die Art zu fühlen und zu denken nicht zu einem passt.
      Und dann kommt der harte Teil der Aufgabe: Dauernde Selbstbeobachtung und Reflexion, um von sich zu trennen, was falsch ist.

      Das fand und finde ich sehr anstrengend, auch wenn ich dies im Kern bereits geschafft und bewältigt habe.

      Mein Therapeut empfahl mir mal, ich solle meinen Vornamen ändern, um dem Einfluss zu entkommen und neu anzufangen. Ich habe das nicht getan, aber viel später darüber nachgedacht und es kurz in Erwägung gezogen. Ich habe sogar einen Namen im Kopf, den ich dann annehmen würde, aber ich empfinde es im Moment nicht als nötig.
      Ich wohne nur eine knappe Autostunde von meinen Eltern entfernt und bin überzeugt, dass auch eine Distanz von 1000 oder mehr Kilometern nichts ändern würde.

      Eine Kämpferin bist Du mit Sicherheit! Versuche dabei am besten, auch weich sein zu können und zu spüren, wenn Dir etwas zu viel ist. Das schreibe nur deshalb, weil mir das leider nicht alles zusammen gelang und ich irgendwann von diesem Leben zwischen vielen Kindern, den klassischen Schwierigkeiten des Lebens und der eigenen Biographie ganz ausgebrannt war.

      Die Selbstliebe, die Menschen wie Du und ich entwickeln, dieser Selbsterhaltungstrieb, ist eine ganz geniale Kraft. Mit ihr kann man sehr weit kommen.

      Alles Liebe für Dich ❤

      Lareine

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  18. Hallo liebe Lareine,

    vielen, vielen Dank für deinen ehrlichen, offenen und gleichzeitig sehr reflekterten Text. Auch ich hatte den Kontakt zu meiner Mutter mit Persönlichkeitsstörung abgebrochen, mittlerweile ist sie verstorben, genauso wie mein Vater viele Jahre zuvor.
    Es fühlte sich richtig an, keinen Kontakt zu ihr zu haben, richtiger jedenfalls als den ganzen Affentanz immer weiter mitzumachen, aber es war auch sehr schwer. Bei ihr wurde eine schwere tödliche Erkrankung diagnostiziert und wir hatten zwischenzeitlich wieder Kontakt und auch das fühlte sich dann richtiger an als weiterhin keinen Konatk zu ihr zuhaben, aber auch das war wieder irre schwer.

    Es ist ein so, dass einfach leider beide Varianten schwer sind und ich abwägen musste, was dann das kleinere Übel war.

    Kurz vor ihrem Tod war so besonders schwer zu bemerken, dass sie sich selbst im Angesicht des Todes und bei klarem Verstand kein bisschen für mich interessiert hat und es ihr auch egal war, was aus mir und meinen Kindern werden würde. Ich hatte wohl immer noch auf ein bisschen Einsicht und Selbstreflektion gehofft, was aber trotz langer Sterbephase nicht eintrat.

    Ich kann gut verstehen, wenn du schreibst, dass es nur begrenzt hilft:
    „Viele Menschen sagten mir schon: “Du hast du doch deine eigene tolle Familie!”“
    Die Sehnsucht nach unterstützenden, herzlichen, bedingungslos liebenden Eltern ist bei mir auch immer noch da. Nur weiß ich, dass meine leiblichen Eltern diesen Wunsch niemals für mich erfüllen könnten und konnten.
    Auch ich glaube eine liebe und verständnisvolle Mutter für meine eigenen Kinder zu sein. Ich glaube aber, dass es mir sehr viel schwerer fällt, diese Rolle auszuführen als jemandem, der selbst bedingungslos geliebt wurde. Mitunter orientiere ich mich an anderen Eltern, um mir abzugucken, wie so etwas geht. Und bei allem, was meine Kinder mir an Schönem zurück geben, es bleibt ein bisschen anstrengend, aussaugend, weil mein inneres Kind eigentlich immer noch danach schreit, auch mal gesehen zu werden.
    Ich habe das Glück recht liebe Schwiegereltern zu haben, die mich damals gleich mit offenen Armen empfangen haben, uns immer ein schönes Zimmer gerichtet haben, wenn wir sie besucht haben, mir genauso große Geschenke geschenkt haben, wie ihrem Sohn, meinem jetzigen Mann. Wenn unser erstes Kind, jetzt 20, mit Freunden bei uns einfällt, dann kann ich es ihr und ihrem Freund ganz leicht schön für sie bei uns machen und mich ihrem Freund ganz herzlich widmen. Das alles fühlt sich vergleichsweise so leicht und unproblematisch an. Vielleicht, weil ich damals selbst mal erfahren durfte, wie es ist, so etwas selbst zu bekommen.

    Ich habe auch immer mal versucht mir so eine Art „Ersatzeltern“ zu suchen, was mir aber nur begrenzt gelungen ist. Wie machst du das? Gibt es andere Menschen in deinem Leben, die Eltern für dich sein können?
    Oder bemutterst du dich selbst? Ich habe leider eine Essstörung von der ganzen Sache zurückbehalten, wo ich mich mit zu viel Essen immer zu beruhigen und trösten versuche. Das mache ich schon mindestens seit ich 8 Jahre alt bin und es ist ganz schwer das Muster zu durchbrechen. Leider.
    Es tut aber sehr gut zu lesen, dass es anderen auch so geht!!

    Ganz liebe Grüße von
    Rahel

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    • Liebe Rahel,

      es tut sehr gut zu lesen, wie sehr Du meine Gefühle des mangelhaften Trosts („Hast ja selber so eine tolle Familie“) nachvollziehen kannst. Und es tat mir auch richtig, richtig gut zu lesen, dass es auch Dich anstrengt, eine Vollblut-Mutter zu sein. Man bemuttert oft alle, außer eben sich selbst. Und etwas zu geben, das man nie erhielt – ist in der Tat schwierig. Das war ein sehr guter Hinweis von Dir, der mich nachdenklich macht und mir in der Tat etwas mehr Verständnis für mich selbst bescherte. Danke dafür!

      Leider waren auch meine Schwiegereltern sehr anstrengend und besonders meine Schwiegermutter hatte charakterlich so etwas, das ich mal neutral als „Eigenarten“ zu beschreiben versuche. Im Prinzip hat sie viele familiäre Konflikte auf mich projiziert sowie auch viele ihrer negativen Gefühle und dann eben „im Außen“ (mir) bekämpft. Es war wie eine Fortsetzung des mich entwertenden und verletzenden Zusammenlebens mit meiner Mutter. Immerhin kann mein Mann mich aber gut verstehen, da seine Mutter in vielen Belangen meiner ähnlich war.

      Ich habe auch immer mal wieder mütterliche Freundinnen gesucht und habe auch eine Art Ersatzfamilie, die ich aber eher nur zwei Mal im Jahr sehe. Aber dann merke ich (auch wenn die Mutter in dieser Familie vom Alter her nur knapp meine Mutter sein könnte – sie ist 16 Jahre älter als ich), dass ich dort willkommen und gewertschätzt bin. Ich habe ich mit 15 als Kindermädchen gearbeitet und die sich daraus entwickelnde Freundschaft besteht immer noch.

      Aber eine richtige Bemutterung habe ich sehr selten erlebt. Ich ziehe immer ältere Damen an, die die gleiche Pesönlichkeitsstörung wie meine Mutter haben – das kann ich immer in Windeseile diagnostizieren … und diese glorifizieren mich dann und fühlen sich sehr, sehr verstanden von mir. Obwohl ich meist eher das Weite als das Gespräch suche.

      Ich bemuttere mich selbst eher schlecht als recht. Aber daran arbeite ich. Auch eine Arbeit mit dem Inneren Kind habe ich begonnen.

      Essen als Trost – das kann ich sehr gut verstehen, auch wenn ich mich in diesem Bereich gut unter Kontrolle habe. Ich frage mich aber gerade, was meine Ersatzhandlung ist. Darüber muss ich mal in Ruhe nachdenken. Essen ist für mich etwas, das ich in Form von Süßigkeiten oder Ähnlichem phasenweise sehr zu brauchen scheine, weil es schnell zufrieden macht. Wenn ich es mal wieder nicht geschafft habe, mich gut um mich selbst zu kümmern, dann bekomme ich Lust auf etwas Süßes. Das scheint eine sublimierende Handlung zu sein. Aber ich achte immer sehr auf mein Gewicht – daher reiße ich mich zusammen. Spätestens, wenn ich es länger nicht getan habe und ein bisschen zugelegt habe …

      Manchmal kommt mir die Phantasievorstellung in den Kopf, ich würde mir Adoptiveltern suchen. Das fände ich schön. Aber es dürfte wohl fast unmöglich sein, solche zu finden. Immerhin wären diese beiden dann von jetzt auf gleich vierfache Großeltern – das wiederum ist ja etwas Schönes.

      Ach, Dein Kommentar hat mir echt gut getan und mich zum Nachdenken angeregt. Lieben Dank dafür!

      Ganz herzliche Grüße

      Lareine

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      • Liebe Lareine,
        toll, dass du gleich geantwortet hast und dann auch noch so lang!

        Interessant, dass du das mit den Adoptiveltern schreibst. Ich hatte sogar mal das Angebot, dass mich eine ca. 20 Jahre ältere Freundin adoptieren wollte. Da war ich aber noch in Kontakt mit meinen leiblichen Eltern und hatte die Hoffnung, dass sich unser Verhältnis zukünftig bessern würde, vielleicht wenn ich mich ändere oder selbst Kinder hätte. Eigentlich schade, dass ich damals nicht schon die Einsichten hatte, die ich mittlerweile bzgl. meiner Eltern habe. Mit der Freundin bin ich sowieso aber noch in gutem Kontakt. Ich war aber tarsächlich jahrelang sehr zwiegespalten bzgl. meiner Eltern, was es für meine Freunde sicher nicht leicht gemacht hat. Da wurden Pläne über Weihnachten mit Freunden zu verreisen von mit wieder abgesagt, weil ich es damals meinen Elern nicht zumuten wolte, sie über Weihnachten allein zu lassen. Für meine Freunde sicher auch schwer nachzuvollziehen, wenn ich doch pausenlos über meine Eltern geschimpft hatte.

        Und dass mich Frauen anziehen, die die gleiche Persönlichkeitsstörung haben wie meine Mutter, das kenne ich auch nur zu gut. Für diese Menschen bin ich auch ebenfalls sehr anziehend, vermutlich, weil ich durch jahrelange Prägung so „gut“ auf ihre spezielle Art des Kontakts reagiere.
        Allerdings habe ich (noch?) nicht so wie du den gesunden Drang mich von denen zu entfernen.
        Ich glaube, dass ich es eher überdurchschnittlich lange in deren Gegenwart aushalte. Aber merken tue ich es mittlerweile auch schnell. Das ist ja schon mal was.

        An Bemuttern mache ich das so, dass ich, wenn ich beispielsweise meinen Kindern einen Obstteller zubereite, ich mich auch immer frage, was ich denn am liebsten auf meinem hätte und den auch gleichzeitig fertig mache, wie den der Kinder und nicht erst später oder nur deren Reste esse.

        Dass deine Schwiegereltern auch wiederum speziell waren oder sind, das tut mir leid. Meine waren zwar auch nicht immer totla meine Wellenlänge aber sie hatten definitv keine Persönlichkeitsstörung und waren daher schon einmal erstaunlich freundlich und normal in meiner Wahrnehmung.
        Wenn du sagst, du arbeitest mit dem inneren Kind, hast du dafür ein spezielles Buch oder eine andere Anleitung?
        Ganz herzliche Grüße
        Rahel

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      • Liebe Rahel,

        zuerst zum Buch für das Innere Kind: „Versöhnung mit dem inneren Kind: Von der heilenden Kraft der Achtsamkeit“ von Thich Nhat Hanh wurde mir von einer sehr guten Therapeutin als bestes Buch zum Thema empfohlen – daher gebe ich Dir diesen Tipp gerne weiter.

        Als ich mit der Arbeit (ich bin noch dabei …) mit dem Inneren Kind startete, habe ich Kinderfotos von mir ausgesucht und diese sichtbar irgendwohin gestellt/gehängt. Im Moment hängen sie am Kühlschrank – so kommt man schon mal in Kontakt mit diesem eigenen Teil. Es gibt viele Wege, damit zu arbeiten. In Meditationen und Imaginationen zu fragen: „Was braucht dieses kleine Mädchen/dieser kleine Junge?“ und dadurch den Kontakt und die Bedürfnisse zu kultivieren. Es gibt wirklich viel Literatur und sogar auch Wochenendseminare und so weiter zu diesem spannenden Thema.

        Man ist wirklich für Außenstehende sicher nicht immer einfach zu verstehen, wenn man sich über seine Eltern ärgert aber zugleich ihre Besuche erhofft. Letztlich dauert es sicher lange, bis es wirklich in Ordnung für die eigenen Sehnsüchte ist, wenn man die Wunschvorstellungen loslässt …

        Eine Adoption fände ich immer noch nett. Wenn ich aber darüber nachdenke, frage ich mich, ob es mir gefallen würde, mich auf das Stadium „das Kind von jemandem zu sein“ wirklich einlassen wollen würde. Eltern würden ja dann auch ihre Meinungen mitteilen, ich müsste Rücksicht auf sie nehmen, mit ihnen regelmäßig sprechen und so weiter – gut mit Menschen, die mein Vertrauen genießen, würde ich das ja vielleicht gerne tun. So aber kenne ich die Freiheit, das alles einfach zu lassen. Keine zwanghaften Weihnachtseinladungen, keine regelmäßig erwarteten Telefonate und so weiter. Ich fühle mich ein wenig „unter-bemuttert/bevatert“, aber zugleich auch sehr erwachsen – da ist niemand, der nach mir sieht und mich irgendwie führen oder mich anleiten möchte. Aber all das ist ja nur meine Theorie – vielleicht sähe die Realität ja ganz anders aus.

        Ich finde es klasse, dass Du darauf achtest, selbst auch genug abzubekommen. Ich habe dazu in meinem Beitrag über meine Mutter-Kind-Kur“ auch mal etwas geschrieben. Vielleicht magst Du mal das Wort „Scharzwälderkirsch-Torte“ auf unserem Blog in das Suchfeld eingeben. Oder „Mutter-Kind-Kur“. Da gibt es eine sehr süße Geschichte zum Thema „Eine Mutter, die nicht mehr zu kurz kommen möchte“.

        Ganz liebe Grüße an Dich

        Lareine

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  19. Liebe Lareine, liebe Familie Essential, ich wünsche Dir / Euch weiterhin viel Kraft und Glück. Ich hab es nicht geschafft, die Kette zu durchbrechen, ich war zu unreif, zu gestört, zu unwissend, als meine Tochter geboren wurde. Ich weiß daher, wie schwer es ist. Alles Gute für Euch. Jo.

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    • Lieber Jo,

      herzlichen Dank für Deine guten Wünsche.

      Es klingt schon sehr traurig – nein, besser gesagt dramatisch – was Du schreibst. Ich würde gerne nachfragen, wie es Dir erging und wie es für Dich war, den Ballast nicht loszuwerden. Falls Du Dich darüber austauschen möchtest, kannst Du uns gerne eine E-Mail schreiben.
      Ansonsten wünsche ich auch Dir viel Kraft!

      Liebe Grüße

      Lareine

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  20. Hallo,

    erst mal freue ich mich, wieder einen neuen Blogeintrag von euch bzw. dir lesen zu dürfen. Ich hatte schon ein wenig befürchtet, dass der Blog nach der Kur und der damit einhergehenden Neustrukturierung deines Alltags einschlafen könnte (dies ist aber keinesfalls negativ und vorwurfsvoll gemeint!).

    Das Thema, welches du hier beschreibst ist für mich aktueller denn je. Wie ich an anderer Stelle schrieb, stand ja vor ein 2 Wochen die Kommunion meiner Tochter ins Haus und damit verbunden auch die Frage: Wen laden wir ein? Um es vorwegzunehmen: wir haben niemanden aus meinem Teil der Familie eingeladen und habe bei einem von unserem Musikverein veranstalteten Konzert die unmittelbaren Konsequenzen dieser Entscheidung zu spüren bekommen.

    Ich möchte nicht zu weit ausholen, aber meine Kindheit würde ich -im Gegensatz zu deiner und denen der vielen anderen Kommentarverfasser(innen)- als unbeschwert bezeichnen. Zumindest bis zu dem Tag als sich meine Eltern trennten.
    Stand heute habe ich keinen wirklichen Kontakt zu meinen Eltern, wenngleich ich mich nach wie vor scheue einen klaren Schlussstrich zu ziehen. Für meine Kinder sind es fremde Personen, die an ihrem Leben nie wirklich teilgehabt haben. Lange Zeit habe ich es dennoch als meine Pflicht betrachtet, sie zu familiären Anlässen einzuladen. Wenn sie denn dann mal erschienen, fühlte es sich nicht gut an. Kamen sie nicht (was häufig vorkam), war ich jedesmal zutiefst enttäuscht.
    Meine Tochter war es schließlich, die mir indirekt die Entscheidung bezüglich der Kommunionfeier abnahm. Wir haben mit ihr offen darüber gesprochen, dass wir uns wegen meiner Eltern nicht sicher sind was die Einladung angeht und ihre Antwort hat mich verblüfft und auch zutiefst berührt: Sie wollte, dass wir sie nicht einladen, damit ich nicht -wenn sie wie so oft nicht kämen- wieder so traurig wäre.

    Auch ich hatte oft Situationen, in denen ich mir präsentere und verständnisvollere Eltern gewünscht habe, aber inzwischen habe ich die Hoffnung darauf, dass sich unser Verhältnis irgendwann einigermaßen normalisiert aufgegeben. Das ist enttäuschen und manchmal schmerzhaft, aber ich lerne immer besser damit zu leben.
    Meine eigene Familie gibt mir den nötigen Rückhalt, daher benötige ich meine Eltern nicht. Klingt trotzig, ist aber so ;-).

    Gruß

    Marc

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    • Lieber Marc,

      wow, die Entscheidung Deiner Tochter ist aber sehr rührend.
      Unsere Kinder sind in Bezug auf meine Trennung von meinen Eltern auch sehr loyal, was ich als sehr liebevoll von ihnen empfinde.

      Als Trennungskind hattest Du sicherlich einige Loyalitätskonflikte – so etwas belastet einen ja sehr und auch das Verhältnis zu den Eltern. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Trennung das gesamte Familiengefüge derart durch“rüttelt“, dass man hinterher getrennte Wege geht.

      Ich finde den meisten Rückhalt auch in meiner Familie – ich lebe wirklich recht gut ohne meine Eltern. Manchmal aber bin ich doch traurig.

      Liebe Grüße

      Lareine

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      • „Manchmal aber bin ich doch traurig.“

        Das geht mir leider auch manchmal so, obwohl ich dieses Gefühl nicht zulassen möchte. Gerade zu familiären Anlässen wie Geburtstagen oder Weihnachten kann man sich, obwohl man von lauter Familie umgeben ist (eigene, sowie Schwiegerfamilie) für einen kurzen Moment einsam fühlen.

        Loyalitätskonflikte gab es durchaus. Insbesondere dadurch, dass ich gegen meinen Vater aufgehetzt wurde. Darüber hinaus fühlte ich mich allein und im Stich gelassen. Ein Gefühl, dass gegenüber meinen Eltern heute vorherrschend ist.

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  21. Danke….
    Danke für deine Worte, die mir zeigen, dass auch andere diese Trauer um etwas mit sich tragen, das sie nie erlebt haben.
    Mein Kontaktabbruch zu meiner Familie fand vor etwa sechs Jahren statt- und war eine gute, eine richtige Entscheidung. Zu lange hat mir meine Sehnsucht nach Familie vorgegaukelt, ich müsste es nur “ richtig “ machen, dann würde alles besser. Nur gab es dieses “ richtig“ für meine Mutter nicht.
    Und ich blieb das Kind, das sich gut benehmen musste. Das bin ich nicht mehr, ich musste in den letzten Jahren nachhaltig jede Kinderrolle aufgeben, auch wenn sie meiner Meinung nach auch für große “ Kinder“ existentiell wichtig ist, gerade auch, wenn man, so wie du und auch ich, nie ausreichend freies Kind sein durfte.

    Schwierig ist für mich oft, dass meine Umwelt ( zum Beispiel meine Schwiegereltern) nicht begreifen können und aus dem Unverständnis heraus dazu neigen, mir einen Vorwurf aus meiner Unversöhnlichkeit zu machen.

    Ohne dass ich ellenlang über Kindheitstraumata spreche, werden sie es vermutlich auch nie begreifen können. Werde ich die unausgesprochenen Vorwürfe aushalten müssen.

    Und trotzdem: ich bin froh darüber, dass ich beschlossen habe, mich zu schützen, jetzt, da ich es kann, anders als zu Kindertagen.

    Dein Artikel hat mich gerade daran erinnert, dass man nicht grundlos so etwas weitreichendes entscheidet. Und das es gut so ist, wenn es MIR gut tut.
    Und dafür Danke!
    Liebe Grüße
    Melanie

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    • Liebe Melanie,

      das Aufgeben der kindlichen Rolle ist in der Tat ein Thema an sich. Vor allem auch in Beziehungen zu anderen Menschen sowie in einer Partnerschaft. „Möchte ich bemuttert/bevatert werden?“ oder „Warum gibt er mir nicht, was ich brauche?“ und so weiter sind Fragen, die man sich da stellen sollte. Und das ist auch ein Erwachsenwerden. Und das tut gut.

      Ich bin erwachsen, kann für mich selbst entscheiden und mich beschützen – das sind so wohltuende Gedanken, finde ich.

      Und ich kenne es wirklich auch, dass das Umfeld irritiert reagiert, wenn man vom Kontaktabbruch erzählt. Ich sage manchmal, wenn mich das vorschnelle Urteil trifft etwas wie:
      „Meine Eltern könnte ich anzeigen. Ich möchte nicht mit ihnen in Kontakt stehen.“ Bei vertrauteren Kontakten füge ich schon an, dass ich es aus Selbstschutz tue oder auch, dass sie psychisch erkrankt sind. Manchmal höre ich: „Die armen Eltern sind psychisch krank – da muss man sich doch kümmern.“ Und das pariere ich mit etwas wie: „Das sehe ich anders, wenn die Erkrankung Auswirkungen hat, die zu für mich traumatischen Straftaten führten.“ Immerhin muss ich mich ja nicht dafür schämen.

      Mensch, ist das schön, dass wir hier inzwischen so ein kleiner „Club“ sind 🙂

      Ganz herzliche Grüße an Dich 🙂

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  22. Pingback: Linkempfehlungen | Das Nuf Advanced

  23. Ich danke dir für diesen Artikel. Mir geht es ähnlich. Zu gegebenen Anlässen bin ich nur am Weinen deshalb, weil es kaum Kontakt zu meinen Eltern gibt. Sie interessieren sich nicht für mich. Ich dachte das Sie sich wenigstens um ihre Enkelkinder kümmern würden. Aber auch da gibt es dann nur an Geburtstagen und Weihnachten massen an Spielzeug, aber Zeit und liebe abgeben, nein das geht nicht.
    Ich selbst kann mich meinem Partner kaum öffnen was gesagtes angeht, die Liebe in Sprache zu übermitteln. Bei meinen Kindern kann ich das aber sehr gut. Trotzdem ist es alles andere als einfach, von dort auch keine Hilfe zu erhalten.
    Aber ich lerne jedes Jahr dazu und akzeptiere es immer ein bisschen mehr, ich habe keinerlei Beziehung zu meinen Eltern. Sie sind meine Eltern, aber es könnten genauso gut Fremde sein.
    Jegliches Gespräch darüber hat nichts gebracht. Deshalb lass ich es nun laufen, irgendwann kommt die Einsicht je Älter sie werden. Und ich bin mittlerweile so abgestumpft das ich mir da auch kein schlechtes Gewissen machen nach dem Motto, ich schlechte Tochter, nein. Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an!!

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    • Liebe Maike,

      es ist schon traurig, wenn man zu den Menschen, die einen in’s Leben brachten, keine wirklich glückliche Beziehung hat.
      Den Ausweg über Spielzeug und Ähnliches kannte ich auch von meinen Eltern: Sie setzten sich nicht gerne selbst Beziehungen und Gefühlen aus. Beziehungsweise meine Mutter hatte große Probleme damit „Oma“ genannt zu werden, weil sie doch ach so jugendlich sei und keine Lust hatte, sich alt zu fühlen.
      Mein Vater hat mit den Kinder nimmer nur getobt, bis sie ganz durchgedreht und kaum mehr zu beruhigen waren. Aus ähnlichem Grund nehme ich an: Der kleinste gemeinsame Nenner, den er ertragen konnte.

      Wie schade – ich meine herauszulesen, dass Du Dich von Deinem Partner in der Thematik nicht unbedingt aufgefangen fühlst. Ich bin froh, einen Mann zu haben, mit dem ich über Gefühle sprechen kann. Was ich zunehmend besser hinbekomme. Ich stelle es mir sehr, sehr schwierig vor, wenn man vieles emotional „allein“ meistern muss…

      Ich wollte nichts mehr hinnehmen und akzeptieren. Solange ich leide, wünsche ich Veränderung. Und tritt diese nicht durch alle mir möglichen Bemühungen ein, dann erwäge ich weitere Schritte. Im Falle meiner Eltern war es nach langem Ringen eben die Trennung.

      Ich finde es sehr gut, dass Du Dich nicht schlecht fühlst und Dir gar nicht erst ein schlechtes Gewissen machst oder machen lässt! Es ist schließlich nicht Deine Schuld, dass es so ist, wie es eben leider ist.

      Ich wünsche Dir alles, alles Gute ❤

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  24. Ich habe mir den Post und eure Kommentare alle durchgelesen und bin entsetzt, was Eltern ihren Kindern antun können.
    Ich bin auch Mutter von 3 erwachsenen Kindern und habe bis zum Oktober 2012 geglaubt, nicht so viel falsch gemacht zu haben (perfekt ist niemand, wir sind alle nur Menschen – auch Mütter). Dann begann der Leidensweg meiner Tochter. 2 x Aufenthalt in der Psychiatrie, Suizidversuch, Selbstverletzungen, Weglaufen … Diagnose: Borderline.
    Sie hat in der Klinik den Ärzten viele Lügen aufgetischt (angebliche Misshandlungen durch Vater/ältesten Bruder etc., Vergewaltigungen durch Freunde etc.). Das alles hat sie aber wieder revidiert.
    Mein Mann und ich hassen Gewalt, da wir (vor allem ich) sie in unserer Kindheit selbst erlebt haben. Daher trafen uns diese Aussagen sehr. Wir standen immer hinter unserer Tochter, haben sie nach allen Kräften unterstützt. Wir lieben sie wie auch unsere beiden Söhne sehr. Sie war der Sonnenschein der Familie, immer lebenslustig, kreativ, hatte viele Träume und Ziele. Das alles ist lange her …
    Nachdem sie sich letztes Jahr in ein Mädchen aus ihrer Klasse verliebt hatte – auch Borderlinerin – (wir haben dieses Mädchen anfangs auch sehr gemocht), hat sich diese Beziehung sehr negativ auf unsere Tochter ausgewirkt. Sie ist diesem Mädchen absolut hörig, machte ihr teure Geschenke, die sie sich eigenltich gar nicht leisten konnte (dafür bestahl sie uns) usw. Nachdem wir diese Freundin einmal kritisierten, kam sie nicht mehr zu uns und setzte unsere Tochter unter Druck, ebenfalls den Kontakt abzubrechen. Dies hat unser Kind dann im Mai 2016 auch getan. Seitdem ist für uns nichts mehr wie es war. Wir leiden entsetzlich und vermissen unser Kind. Ich habe ihr viele Briefe geschrieben, darauf aber immer nur nebulöse Vorwürfe bekommen – den wirklichen Grund des Kontaktabbruchs wissen wir bis heute nicht. Gerade zu meiner Tochter hatte ich immer ein sehr enge, liebevolles Verhältnis.
    Unsere Kinder wurden nicht geschlagen, seelisch misshandelt oder sonst etwas. Natürlich haben auch wir Fehler in der Erziehung gemacht, aber nicht solche gravierenden, die einen kompletten Kontaktabbruch rechtfertigen würden. Wir lieben unsere Kinder und haben sie bei was auch immer unterstützt und hinter ihnen gestanden, wenn sie Mist gebaut haben (in der Schule etc.). Unser mittlerer Sohn hat es bei einem Familiengespräch einmal auf den Punkt gebracht. Er konnte/kann das Verhalten seiner Schwester bezüglich Selbstverletzungen, Lügen etc. überhaupt nicht verstehen und meinte, er habe bisher immer geglaubt, wir seien die perfekte Familie.
    Unsere Tochter hat den Kontakt nicht „nur“ zu uns, sondern zur kompletten Familie (auch Großeltern, Tante etc.) abgebrochen.
    Wie es weitergehen soll, weiß ich nicht. Ich bin mittlerweile selbst schon eine Zeitlang in psychotherapeutischer Behandlung, aber diesen Schmerz werde ich nicht los. Es gibt Eltern, die ihre Kinder zu wenig oder gar nicht lieben (können) – was überhaupt nicht zu entschuldigen ist.
    Und es gibt Eltern wie uns, die ihre Kinder zu viel lieben (O-Ton der ehemaligen Therapeutin unserer Tochter).
    Aber auch Eltern sind nur Menschen. Und manche von uns leiden sehr unter einer Funkstille.

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    • Liebe Sabine,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Ich verstehe, wie sehr Du unter dem Kontaktabbruch Deiner Tochter leiden musst. Vor allem, weil Du nicht nachvollziehen kannst, warum sie erkrankt ist.
      Dies nachzuvollziehen bedarf sicherlich sehr viel Mut zur Reflexion und zur Wahrheitsfindung. Niemand bekommt einfach so eine Persönlichkeitsstörung wie das Borderline Syndrom.

      Viele Pubertierende weisen phasenweise Züge von Borderline auf, da ihr Präfrontaler Kortex (vorderer, hinter der Stirn gelegener Teil des Gehirns) sozusagen im Umbau ist – wie anderen Gehirnbereiche auch. Dadurch haben sie Probleme mit dem Zügeln von Gefühlen sowie dem sich Anpassen an die (moralischen) Gegebenheiten der Umwelt. Dies vergeht dann aber wieder. Da Deine Tochter aber die Diagnose hat, wird sie über 18 Jahre alt sein (vorher dürfen solche Diagnosen nicht gestellt werden) und damit schon in einer voll ausgereiften Symptomatik. Es tut mir sehr leid, das zu lesen. Ich weiß schließlich, wie sich der Umgang mit Borderlinern anfühlt.

      Aus Deiner Art der Formulieren spricht für mich nicht nur die Fassungslosigkeit, sondern auch der sehr verständliche Wunsch, nicht schuld an dieser Krankheit zu sein. Letztlich scheint zu diesem Zeitpunkt ja nicht klar zu sein, wodurch Deine Tochter erkrankte. Es hat womöglich nichts mit Dir zu tun. Es kann allerdings sein, dass irgendwelche Verhaltensweisen (die sehr gut gemeint waren – wie so oft, wenn jemand Kinder bekommt, der als Kind misshandelt wurde) einen Grundstein für diese Labilität legten. Dieses „zu viel Liebe“ macht manchmal labil, kann in Richtung Narzissmus führen und stärkt leider nicht immer das Selbstbewusstsein. Ich weiß das, weil ich immer sehr genau darauf achten musste, unseren Kindern nicht dieses „zu viel“ zu geben.

      Es geht insgesamt nicht um Schuld, sondern um das Verstehen und das schmerzhafte Akzeptieren, denke ich. Es muss sehr schlimm sein, wenn ich mir Deine Situation vorstelle.

      Hätte deine Tochter eine andere Erkrankung wie beispielsweise Multiple Sklerose, dann wäre es auch furchtbar schmerzhaft, diese Diagnose anzunehmen. In Deinem Fall ist es noch schmerzhafter, weil eine körperliche Erkrankung sich nicht gegen Dich richten würde, wie die psychische Erkrankung Deiner Tochter es tut.

      Es gibt Wege, mit dieser Erkrankung innerhalb der Familie umzugehen und es kann sein, dass es Phasen der Annäherung geben wird – schließlich sind Borderliner vor allem eines: emotional instabil und wechselhaft. Doch für diese Phasen des Kontakts brauchst Du dann Methoden um Dich selber zu schützen. Diese erlernst Du sicher in der Therapie. Insgesamt darf man sich nicht als Opfer fühlen – was man als einstiges Opfer von Gewalt schnell tut. Man muss „ansagen“, bis wo der Erkrankte gehen darf und ab wo man sich abgrenzt. Sonst gerät man in die Erkrankung hinein – was Dir nun schon passiert ist, weil Deine Tochter den Kontakt abbrach.

      Ich war unsicher, ob Du mir mit Deinem Kommentar auch mitteilen wolltest, dass Eltern, deren Kinder sich von ihnen getrennt haben, unter dem Kontaktstopp leiden. Und dass ich dieses vieles bedenken sollte.
      Dazu möchte ich Folgendes sagen:

      Meine Eltern sind nicht wie Du. Sie sind wie Deine Tochter. Stelle Dir vor, sie und ein ebenfalls psychisch kranker Mann (oder eben eine Frau) bekommen zusammen Kinder. Dass diese Kinder keinen Halt bekommen und sich in Selbstrettung abgrenzen, halte ich für sehr nachvollziehbar.
      Ich fragte mich durchaus manchmal, ob meine Mutter mich vermisst und kenne die Antwort bereits: Das tut sie nicht, da sie keine Objektkonstanz hat – typisch für Borderliner: Sie lieben nur, wen sie sehen.
      Es ist nun mal eine Störung durch eine gestörte oder abgebrochene Beziehung während der Kindheit – ihnen fehlt plötzlich jemand. Oder jemand tut etwas, das sie so tief verstört, dass ihre gesamte Psyche in Mitleidenschaft gezogen wird.
      Sehr viele (vermutlich die meisten?) Borderliner waren Opfer von (sexualisierter) Gewalt. Häufig innerhalb der Familie.
      Das kann – muss aber nicht – der Auslöser sein.
      Ich habe solche Gewalt erlebt und habe kein Borderline. Manche erleben es und erkranken auf diese Weise, sie verlieren all ihr Vertrauen, ihr Gefühl von Selbstwert, ihre Selbstliebe. Sie sind abhängig von Anderen, in der emotionalen Reife meist weit zurück und dadurch sehr stark fordernd. Sie sind im Verhalten und Fühlen grenzenlos.

      Letztlich wird ein Kind immer beeinträchtigt, wenn die Eltern selber erkrankt sind. Niemand erlebt Gewalt als Kind und „atmet“ diese Traumatisierung einfach weg. Es bleiben immer Spuren. Dies gilt für mich ebenso wie für Dich.
      Wie sich das nun auf die eigenen Kinder auswirkt hängt von vielen Faktoren ab.

      Ich habe mich vor Jahren bewusst für eine Therapie entschieden, weil ich den Zyklus der (vor allem sexuellen) Gewalt, der meine Familie seit Generationen im Griff hatte, beenden wollte. Ich wollte nicht, dass ich auf mir nicht bewusste Weise etwas weitergebe. Und dies gelang mir. Es waren Jahre voller harter und intensiver Arbeit voller Albträume, Angst und Schmerz. Aber auch voller Wachsen, Werden und voller guter Veränderung.

      Ich wünsche Dir und Deiner Familie von Herzen sehr viel Kraft. Es gibt sehr gute Literatur für Angehörige von Borderlinern. Ein Buch könnte ich Dir direkt empfehlen: „Schluss mit dem Eiertanz“ heißt es – der Autor fällt mir gerade nicht ein, aber so müsstest Du es – wenn Du möchtest – finden können.

      Herzliche Grüße an Dich

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  25. Ich bin froh, dass ich mit all diesen ambivalenten Gefühlen nicht allein bin.

    Es fühlt sich an wie eine Münze, die zwei Seiten hat. Die eine ist Wut. Die andere ist Trauer. Manchmal liegt sie schwerer, manchmal leichter in meiner Hand. Diese Glücksmünze erinnert mich daran, dass ich nicht die Eltern vermisse, die ich habe, sondern die, die niemals haben werde.

    Es ist weniger das Gefühl der Sehnsucht, als das Gefühl von Heimweh. Nach einem Ort, der mir durch die Gefühllosigkeit meiner Eltern verwehrt geblieben ist. Bereits mit vier wusste ich, dass ihr Verhalten mir gegenüber unfair war. Ich konnte schon früh zwischen Recht und Unrecht unterscheiden. Eine Erkenntnis, die ich als Kind leider mit niemandem teilen konnte. Sonst wäre sie ja real und dadurch zu einer Gefahr für mich geworden.Vielleicht hätte ich irgendwann Drogen genommen, mich selbst verletzt, freiwillig gehungert. Allerdings waren meine Psychose und alles was danach kam nicht unbedingt einfacher zu bewältigen, ganz im Gegenteil.

    Verblüffend ist, dass ich viele Jahre und eine Therapie danach noch immer auf der Suche nach dem „Warum“ für meine Erkrankung war. Dabei trug ich diese Erkenntnis schon die ganze Zeit in meinem Herzen. Sie hat sich ihren Weg nach oben gebahnt und ich wollte oder konnte das permanente Herzrasen einfach nicht verstehen. Es hat mich buchstäblich „verrückt“ gemacht. Aber ich habe es ertragen, ich habe all die seelischen Schmerzen, die in meinem Körper gespreichert waren nochmals durchlebt und dadurch erkannt, dass ich als Erwachsene für das kleine verletzte Mädchen das sein kann, was meine Eltern für sie nicht waren: Ein Zufluchtsort, eben ein Ort der Geborgenheit, ein Ort an dem Liebe und Verständnis auf mich wartet.

    Heute stehe ich vor dem Beginn meiner letzten Therapie, wissend, dass da noch so viel mehr ist, dass gehört und ausgesprochen werden will und ich bin bereit dafür. Seit fast fünf Jahren bin ich symptomfrei, Ärzte haben ihre Diagnosen revidiert, Medikamente brauche ich fast keine mehr. Ich habe einen Mann kennengelernt, der meine Problematik kennt und versteht, der mir zeigt, was wahre Liebe ist und wie es geht der Mensch zu sein, der man wirklich ist. Auch hier stelle ich mir eine Glücksmünze vor. Das Glück endlich Liebe zu erfahren auf der einen Seite. Die Trauer ohne sie aufgewachsen zu sein auf der anderen.

    Wenn ich an meine Eltern denke, dann an die guten Zeiten, die wir zusammen hatten. Daran, dass sie ihr Bestes versucht haben, es ihnen aber nicht gelingen konnte. Die Schuldfrage stelle ich mir nicht mehr. Ich weiß warum sie so sind wie sie sind und ich kann verstehen, wenn ein Mensch nicht soviel Kraft aufbringen kann wie ich, um den Tatsachen ins Auge zu blicken.

    Veränderung tritt eben nur dann ein, wenn sie weniger wehtut als die gegenwärtige Situation. Die Wut auf meine Eltern findet trotzdem ihre Berechtigung und die Ohnmacht, die Gewissheit, dass sich nichts ändern wird, ist letztlich die Endstation an der früher oder später jedes verlasse Kind ankommt. Zumindest glaube ich das.

    >> Ich sage bewusst, dass ich das verlassene Kind bin und nicht, dass meine Eltern die Verlassenen sind. <<

    Seit über einem Jahr habe ich keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Ich habe mich bei unseren gegenseitige Besuchen einfach nicht mehr wohlgefühlt und ich habe begriffen, dass ich mich nie richtig bei und mit ihnen wohlfühlen konnte. Letztlich hatte ich auch keine Lust mehr auf die Telefonate mit meiner Mutter. Ich war doch nur ihr Beste-Freundinnen-Ersatz. Mein Vater ist der Meister in Verdrängung und wenn ich das sage, dann meine ich weniger die Verdrängung von Emotionen als die Individualität seiner eigenen, einzigen Tochter.

    Wie soll ich nur ohne meine Eltern überleben? Das war lange Zeit meine Angst, mein Worst-Case-Scenario. Für jede meiner Entscheidungen hatte ich nur sie und ihre Ratschläge in meinem Kopf – und Ratschläge sind eben auch Schläge. Nach jedem Gespräch mit ihnen fühlte ich mich noch leerer und schlechter als ohnehin schon. Ich wollte Absolution, dass sie mir helfen, dass sie mir das Leben erklären, dass sie mir das Gefühl geben in Sicherheit zu sein, gut zu sein, okay zu sein. Vergebens.

    Die Lektion meines Lebens ist, dass ich stattdessen diejenige bin, die sich diese Sicherheit, die Geborgenheit und das Zutrauen in die eigene Persönnlichkeit erarbeiten muss. Meine Eltern konnten mir das leider nicht beibringen.

    Mein Kontaktabbruch hat auch damit zu tun, dass ich diese Errungenschaft meiner Selbst, meiner Kraft und meiner Selbstständigkeit meinen Eltern nicht zur Verfügung stellen werde, wenn sie irgendwann auf Hilfe, auf meine Hilfe angewiesen sind. Es mag sich auf den ersten Blick egoistisch und berechnend anhören.

    Aber der schlimmste Satz während der Zeit in meinem Elternhaus ist immer noch der meines Vaters. Er ist nicht weniger berechnend gemeint gewesen: "Du bist mit Absicht ein Einzelkind, sei doch froh, was du hattest war alles für dich allein! Und du warst ganz und gar ein Wunschkind! Wenn man als Eltern sein Kind dann demenstprechend erzieht, dann investiert man ja viel und da ist es doch ganz klar, dass sich das irgendwann auch mal auszahlen soll für uns! Was willst du da jetzt eigentlich auch groß rumdiskutieren. Wie kommst du mir eigentlich vor? Hab' doch erstmal selber Kinder, dann können wir weiterreden. Was haben wir dir eigentlich angetan, dass du uns sowas (meine Erkrankung) antust?"

    Obwohl sie sich in den letzten Jahren sehr zusammengerissen und zurückgenommen haben, so war da doch eine Kluft zwischen uns, die ich nicht mehr ignorieren konnte.
    Ich habe nicht das Bedürfnis eine Brücke zu bauen.
    Wisst Ihr, ich hasse meine Eltern nicht.

    Aber lieben tu' ich sie auch nicht.

    Letztendlich sind sie beide erwachsene Menschen mit derselben Tragweite der Verantwortung für ihr Handeln. Ich bin ebenfalls erwachsen und habe erkannt, dass es mir und dem kleinen Mädchen gegenüber unverantwortlich wäre, mich weiterhin ihrer Ignoranz auszusetzen.

    Könnten sie die Kraft aufbringen ihre eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, um dadurch zu verstehen, dass sie mich tatsächlich verletzt haben, wenn sie es nachfühlen könnten, dann gäbe es eine Möglichkeit zur Annäherung. Nochmal, es geht mir nicht um Verzeihen und Wiedergutmachung. Nein, es geht einzig und allein um Verständnis. Doch dazu wird es niemals kommen.

    Die Eltern, die ich gebraucht hätte, hat es nie für mich gegeben und die Tochter, die solche Eltern trotzdem vergöttert, sie versteht, ihre Bedürfnisse für das kollektive "Familien-Wir" abspaltet, die Vergangenheit ruhen lässt und stärker ist als alle zusammen, die bin ich lange genug für sie gewesen.

    Aber das.

    Das war nicht ich selbst.

    Ich bin froh, dass meine wahre Stärke ihren Weg nach oben gefunden hat.
    Und nein, ich schäme mich nicht für meine psychische Erkrankung.
    Ich glaube, sie war das beste und "gesundeste" was mir je passieren konnte.
    Der Schritt zur Freiheit und Genesung kam aus meiner Seele, aus mir selbst.

    Darauf bin ich unglaublich stolz.

    Fühlt euch gedrückt.
    Jene, denen es ebenso geht.
    Ich bin froh, dass wir endlich anfangen darüber zu sprechen.

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    • Hey Lucky Coin,

      es fühlt sich immer ganz besonders an, wenn ich lese, dass jemand ganz genau das empfunden hat oder empfindet wie ich!

      Ich weiß genau, wie sich das anfühlt, bereits als kleines Kind instinktiv einen inneren Wall aufzubauen. Auch ich habe genau gespürt, dass ich die Dinge, die meine Eltern mir sagen und die sie tun, nicht wirklich an mich heran lassen darf.

      Ich habe früh gespürt, dass ich für mich selbst sorgen muss. Ich bekam Zuwendung und Schönes, aber nicht zuverlässig. Alles war instabil. Pausenlos.

      Auch ich vermisse diesen Ort, den es nie gab: Eltern und ein Zuhause zu haben, indem man geliebt wird und in dem wohlwollende Eltern sind, die zu einem halten.
      Ich trauere und bin befreit – beides zugleich. Ich habe entschieden, eine emotionale Waise zu sein. So fühlt sich das an, aber Du hast schon Recht: Im Grunde ist das keine Entscheidung, sondern ein logischer Schluss.

      Ich bin manchmal noch wütend, sehe aber meine Eltern auch in ihrer gesamten (psychologischen) Biographie und sehe zwei Menschen, die nicht das „innere Handwerkszeug“ hatten, das ich habe.
      Sie haben es nicht geschafft, ihre Persönlichkeiten frei zu erhalten oder auch „nur“ mit Dingen wie eine Angstneurose (wie ich) herauszukommen.

      Ihnen geschahen Dinge, die sie nicht verkraften konnten. Im Rückblick finde ich zwar, dass sie mir dann weit Schlimmeres antaten, aber das tut nichts mehr zur Sache. Sie waren, wie wir alle, ihren Eltern und ihrer Umgebung ausgeliefert und sie gingen eben als psychisch schwer erkrankte Menschen aus dieser Kindheit heraus.

      Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du weit öfter die helle und gute Seite der Münze zu sehen bekommst als die dunkle.
      In Deiner Therapie wirst Du nun mit all Deinem Wissen auch alles aussprechen können. Ein reinigender Prozess. Ich empfand das immer wie das Reinigen einer Wunde. Erst nach der Reinigung erfolgt die Heilung. Und danach kann man wiederum den Schmerz der Wunde zusammen mit ihr verblassen lassen.

      Alles, alles Gute für Dich❤️

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  26. Liebe Lareine,
    ich habe eben durch Zufall Deinen Artikel gefunden und kann es kaum glauben…
    Darf man Dir auch „nicht-öffentlich“ per Email schreiben?
    Liebe Grüße, Kerstin

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  27. Ich weine. Ich weine weil so geht es mir heute. Und weil alles gerade so frisch ist, tut es unglaublich weh. Aber ich bin dankbar für Menschen wie du, dass,es in Worten fassen kann. Was du geschrieben hast ist fast 1:1 zu meinem Leben. Angststörung inbegriffen.
    Aber ich bin dankbar, für die alle Menschen, die heute gerade mich unterstützen. Das ist unbezahlbar.

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    • Ich freue mich zu lesen, dass Du Unterstützung bekommst und Deinen Weg machst!
      Mit der Angststörung habe ich inzwischen kaum noch Probleme – da gibt es ja wirklich gute Möglichkeiten durch Therapien und viel Verarbeitung.
      Weiterhin alles Liebe für Dich ❤

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  28. Gut zu wissen, dass es noch andere gibt den es so ähnlich geht wie mir. Ich stehe gerade vor der Entscheidung, ob ich den Kontakt zu meinem Vater abbreche. Er hat selber psychisch Probleme unter denen ich mein ganzes Leben gelitten habe. Mit 15 bekam ich schon dadurch Panikattacken und Angstzustände. Lies es behandeln und jetzt Jahre später bin ich wieder an dem Punkt nur das es mir noch viel schlechter geht als damals. Mein Körper wehrt sich mit aller Heftigkeit mit Panikattacken und Erbrechen. Nur wenn ich den Kontakt abbreche, habe ich direkt ein schlechtes Gewissen =(. Ich hab schon ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm gesagt habe, dass er dafür verantwortlich ist, dass es mir so schlecht geht. Aber andererseits habe ich keine Wahl. Mein Körper kann einfach nicht weiter und ich muss ja auch an mich denken.

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    • Dein Körper arbeitet da ja anscheinend wirklich als sehr guter „Lautsprecher“ für Deine Psyche.
      Das schlechte Gewissen kenne ich: Man ist als Kind psychisch erkrankter Eltern immer auch co-abhängig und wird „parentifiziert“ (übernimmt als eher eine elterliche Rolle, statt Eltern zu haben). Das sorgt für massive Gewissensbisse, weil man so tief in diesem System ist, dass man sich selbst für die Eltern verantwortlich fühlt.
      Und man empfindet es wohl so, als würde man einen hilflosen Menschen „im Stich lassen“. Letztlich ist aber auch ein psychisch Erkrankter ein Erwachsener in seinem eigenen Leben. In Deinem (und in vielen anderen Fällen9 einer, der seine Kinder nicht unterstützte, sondern belastete.
      Und man kann, darf und sollte tun, was einem selber gut tut.

      Inzwischen mache ich ja eine Ausbildung, da ich Familientherapie und Psychotheapie anbieten möchte. Und auch aus diesem Blickwinkel kann ich wirklich nur sagen, wie gut es ist, auf Deinen Körper zu hören. Er spricht nur deutlich aus, was Du eigentlich fühlst. Panikattacken und Ängste sind ja auch psychische „Störungen“ (ich mag dieses Wort nicht, aber es ist das Fachwort…) – dies zeigt, wie belastet Du bist.

      Mit Panik und Ängsten findet man eine Erscheinungsform einer Belastung, die die Selle oder Psyche nicht mehr tragen kann und will: Es kommt zu Symptomen, die so heftig sind, dass man sie nicht verdrängen kann. Man kann nicht mehr so weitermachen wie bisher. Und genau das ist sehr klug, denn eben das sollte man auch nicht.

      Ich wünsche Dir viel Energie und Mut und gute Begleitung auf Deinem Weg ❤

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  29. Danke Danke Danke
    Ich weis gar nicht mehr wie ich auf deinen Blog gestoßen bin, aber du triffst mich mit diesem Post genau dahin wo es sonst keiner versteht. Es tut gut zu wissen mit genau diesen Gefühlen Gedanken und Erinnerungen oder Erfahrungen nicht alleine sein zu müssen. Beim Lesen hätte ich wirklich das Gefühl alle meine Gedanken zu lesen, nur das jemand anderes es aufgeschrieben hat.
    Ich bin 23, verlobt, und wurde seit meiner Kindheit psychisch und physisch von meiner Mutter misshandelt. Mein Vater war auch nur eine Randfigur. Nie jemanden zu haben der einen den Rücken stärkt… was soll das sein, dieses Vertrauen dass man immer noch seine Familie hat egal was passiert…. du hast mir mit diesemText wirklich etwas Angst genommen und Mut gegeben an meiner Therapie zu arbeiten… ich hab meine Eltern vor 3 Jahren „verabschiedet“…. ich danke dir für diese Wort. Liebe Grüße

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    • Ich freue mich so sehr, wenn mein Post Dich ein wenig unterstützen konnte ❤

      Es ist so schwer, den Kontakt abzubrechen, seine eigenen Gefühle zu sortieren, alles zu verarbeiten und sich auf sich und das eigene Leben zu konzentrieren. Ich glaube, das versteht man nur, wenn man es in irgendeiner Form selber erlebt hat so richtig.

      Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für Deine Therapie – ich habe ja einige Jahre tiefenpsychologisch fundierte Therapie hinter mir und zudem immer noch (und auch nicht endend) an mir und mit mir gearbeitet. Ich möchte Dich da wirklich ermutigen: Es tut sehr gut und hilft!

      Alles Liebe für Dich und Deine Zukunft<3

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  30. Ich wollte doch nur psychologisches Fachgesimpel über den Suchbegriff „Kontaktabbruch Familie“ finden. Lesen, was denn die Folgen sein können und ob so etwas überhaupt möglich und erlaubt ist.
    Welch schicksalhafte Fügung, dass ich genau auf deinem Blogeintrag gelandet bin, der – so denke ich – nicht von einer Psychologin geschrieben wurde und der mir dennoch all das, was wissenswert ist, so unglaublich nahe bringen konnte. Die Gefühle, die Gefahren, der Schmerz – all das zusammengefasst in diesen wahrhaftigen Zeilen. Tiefergreifend, gefühlvoll, lehrreich. Danke dafür. Ich fühle mit dir und allen anderen, die dieses Thema betrifft.

    Ganz viel Liebe und Dankbarkeit für euch alle ❤

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  31. hallo ich bin alina coners und habe eigentlich gar kein recht hier rein zu schreiben da ich nicht so etwas schlimmes erlebt habe wie ihr ich hoffe ihr seid mirr nicht böse denn ich würde gerne jetzt meine geschichte erzählen ich habe vor ca.5 monaten den kontakt zu meinem vater abgebrochen.freiwellig.aber trotdem tut es weh denn meine eltern sind geschiden seid ich klein war und vater hat vor ca.1 jahr eine neue geheiratet eigentlich mochte ich sie anfangs aber papa veränderte sich immer mehr wir hatten plötzlich irgendwie stress mit allen leuten mit denen wir uns vorher gut verstanden hatten. ich habe zwei geschwister einen äalteren bruder und eine ältere schwester mein bruder wohnt jetzt bei meinem vater und dann wurde alles schlimmer als meine schwetser und ich zu papa an den wochenenden hingingen hatten meine geschwister nur gestritten ich und meine schwester wurdn ihm total egal und der stress hörte einfach nicht auf. irgendwann hatte icch dann eine waffe bei ihm gefunden er und seine neue ehefrau haben mich angeschrien das ich im schlafzimmer nichts zu suchen hätte und schon gar nicht in schränken zu suchen hätte irgendwann ist meine wut mit mir durch gegangen sie einfach geschrien sich nicht mal richtig mühe gegen mir zu zuhören also schrie ich das nicht mehr kommen werde und ein weiteres wort gingen beide einfach zum auto als wäre ich ihnen scheiß egal ich schrie ihnen noch hinterher schönes leben noch. danach war ich die ersten tage nur am heulen inzwiscgen geht es wieder aber irgendwie kann ich mich niemanden anvertrauen nicht einmal der familienhilfe die wir haben ich habe das gefühl das ich kein recht habe zu sagen wie es mir damit geht da ich schon so viel schlimmeres gehört hatte was andere durch machen mussten und ich glaube ich liege richtig damit das kein recht habe zu sagen wie es mir geht also seid mir nicht böse aber ich musste das jetzt los werden

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  32. Vielen Dank für diese Worte! Sie haben mich gerade sehr berührt; vieles habe ich genau so erlebt und bei vielem fühle und denke ich ähnlich. Ich bin wie du diese Generation, die es geschafft hat, den Kreis zu durchbrechen und ein komplett anderes Leben zu führen. Auch ich sage mir immer wieder „so schnell wirft mich nichts mehr aus der Bahn“, fühle mich dabei sehr stark, habe ein tolles liebevolles Umfeld um mich herum und weiss was ich alles geschafft habe – und doch sind da alle diese Gefühle, unerfüllte Wünsche und Bedürfnisse, Ängste und schlimme Erinnerungen mit denen man lernen muss zu leben.
    Bin auf diesen Artikel gestossen, weil ich (weiblich, 31 Jahre alt) mich im Moment gerade in diesem Kontaktabbruch befinde und mich täglich immer wieder erneut bestärken muss, dass dies der richtige Weg ist. Unglaublich wie schwer einem das fällt, obwohl man so viel schlimmes mit diesen Menschen erlebt hat. Dass man sich immer noch verantwortlich und schlecht fühlt, obwohl einem genau diese Menschen einem so viel angetan haben. Das ist der Unterschied zwischen uns und unseren Eltern – in uns ist diese Liebe da, ebenso ein Gefühl von Verantwortung und daher fällt dies wohl so schwer. Auch ist es schwierig, diesen Entscheid gegen aussen hin zu tragen. Die meisten reagieren wirklich mit Unverständnis und haben das Gefühl so ein Kontaktabbruch sei aus Egoismus passiert. Kaum jemand denkt darüber nach, dass da vielleicht etwas schlimmes vorgefallen sein könnte. Das tun in der Regel nur solche, die ebenfalls unter nicht optimalen Umständen gross geworden sind.
    Durch deinen Blog fühle ich mich gerade umso mehr bestärkt in meinem Weg und es ist schön zu wissen, dass es da noch andere Menschen auf dieser Welt gibt, die so viel ähnliches fühlen und erleben müssen.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft in deinem Weg und vielen Dank nochmals für diesen Artikel 🙂
    Lieber Gruss Gabi

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    • Liebe Gabi,

      wir sind mit dem „freiwilligen“ (wohl eher aus Selbsterhaltung stattfindenden) Kontaktabbruch absolut nicht alleine! Es sind so viele, die mir seit diesem Artikel schrieben oder ihn Kommentierten …
      Das Thema wurde auch von anderen Bloggern und in Zeitungsartikeln mehrfach aufgegriffen, weil da doch recht viel Resonanz kam.

      Die Eltern, deren Kinder den Kontakt abbrechen, begreifen diesen Umstand deshalb meist nicht, weil ihnen eine offene Kommunikation, Empathie und ein „echtes“ Verhältnis zu den Kindern fehlt. Es ist halt leichter zu sagen „das böse Kind verlässt uns! Wie undankbar!“ also sich eine naheliegende Frage zu stellen: „Warum?“ Aber wenn sie sich diese Frage stellen würden müssten sie eine Antwort annehmen und genau das werden sie wohl kaum wünschen …

      Man kann sich nur als Betroffene/r gegenseitig stützen und sagen: „Ja, manchmal ist der Kontaktabbruch der beste Weg, auch wenn er traurig ist“ Dieser Weg sagt schließlich auch: „Diese Familie ist gescheitert. Hier stimmt etwas nicht.“ Das möchte man schließlich nur ungern so sehen und ausdrücken.

      Ich wünsche Dir daher ganz viel Kraft und danke Dir auch herzlich für Deinen Kommentar!
      Alles Liebe für Dich ❤

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  33. Vielen Dank für diesen Blog, und genauso auch an diejenigen, welche ihre- sehr persönlichen Erfahrungen hier schildern.
    Auch ich als Sohn habe mich vor einem halben Jahr von meiner Mutter losgesagt.
    Ich hatte keine Kraft mehr, die mir halb freiwillig, halb unfreiwillig übertragene Rolle als langjähriger “ Kümmerer“ beizubehalten.
    Und wie es hier schon zutreffend, beschrieben wurde, es hatte sich über viele Jahre angebahnt.
    Für mich war es die letzte und letztlich auch einzige Option den „Beziehungsstecker“ zu ziehen.
    Natürlich beschäftigt mich das Thema weiter, füllt Zeit und Seele gleichermaßen, aber ich ich fühle doch eine gewisse, sporadisch diffus anmutende Erleichterung.
    Ich denke, dass es viel aufzuarbeiten gilt, wahrscheinlich nicht ohne professionelle Unterstützung…

    Liebe Grüsse

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    • Lieben Dank für Deinen Kommentar!
      Ich freue mich, dass Dir der Artikel gefallen hat – es gibt so viele Menschen, die den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, was mir auch die vielen Reaktionen auf genau diese Artikel zeigen.
      Ganz freiwillig verlässt, glaube ich, niemand seine Eltern. Es spielen so viele Gefühle eine Rolle. Gerade, wenn man sich so überverantwortlich fühlt und in der Rolle des „Helfers“ oder, wie Du es so passend nennst,“Kümmerers“ ist.

      Ich empfinde auch fünf Jahre nach der Entscheidung noch eine Mischung aus Erleichterung und Trauer. Aber die gesamte Gefühlspalette, die meine Eltern betrifft, verblasst immer mehr. Es ist, es gehörten meine Eltern zu einem anderen Leben, das ich verlassen habe.

      Ich würde in jedem Fall professionelle Unterstützung empfehlen, denn eine eigentlich „unkündbare Beziehung“ (also die zu engen Verwandten) zu beenden, das schafft man nicht unbedingt alleine. Ich hatte zu der Zeit einen guten Therapeuten, der mich unterstützt hat.

      Ich wünsche Dir alles, alles Gute!

      Liebe Grüße ❤

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  34. Gerade Heute habe ich seit langem wieder diese tiefsitzende Sehnsucht nach Geborgenheit und eingebettet sein, in ein gesundes Zuhause mit einer liebevollen Mutter und einem verantwortungsbewussten und sorgendem Vater.
    Warum ausgerechnet Heute, hab ich mich gefragt und nach Antworten gesucht.
    Dabei bin ich auf diesen Text/ diese Lebensgeschichte gestoßen und er hätte von mir sein können.
    Einserseits tröstet es mich ein wenig, das es Euch alle gibt, dann sind wir zumindest hier nicht allein, denn einsam habe ich mich- trotz 3 Schwestern und einer großen Familie immer gefühlt.
    So als stände ich an einem Bahnhof und Niemand holt mich ab.
    Was in der Tat sehr oft auf andere Arten passiert ist.
    Vergessen werden, ist für mich alltäglich gewesen.
    Was mache ich an solchen Tagen, an welchen mir die Kehle wie zugeschnürt und mein Herz bleischwer ist?
    Nach Jahren der Therapie, weiß ich es immernoch nicht.
    Es ist, als fehlte mir ein lebenswichtiges Körperteil.
    Ganz liebe Grüsse an Alle, die genau nachempfinden können.

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    • Du bist in der Tat nicht alleine!
      Die Sehnsucht nach einer Familie mit liebevollen Eltern wird mich auch immer mal wieder treffen, aber inzwischen ist es seltener und schmerzt weniger.
      Irgendwie habe ich eine Akzeptanz erreicht.
      Ein wirklich trauriges Kapitel ist es dennoch…

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  35. Wow! Vielen Dank, das hätten alles meine Worte sein können.
    Danke fürs Teilen.
    Ich stehe kurz vor der Entscheidung, den Kontakt zu meiner Muttr abzubrechen und gehe in meinem Kopf die Konsequenzen durch…

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