Geburt ohne Schmerzen – ein Gastbeitrag

Ich freue mich, dass Susanne von Meine Traumgeburt, einen Gastbeitrag zu ihrem Herzensthema verfasst hat: Eine Geburt ohne Schmerzen

Nach vier Geburten und der Gedankenspielerei, selber Hebamme zu werden, ist mir dieses Thema ebenfalls sehr nahe und so habe ich mich mit Susanne kurzgeschlossen – heute präsentiere ich ihren Gastbeitrag.

Susanne Meine Traumgeburt

Susanne über sich:

Am wichtigsten ist mir, dass ich Frauen zeige, dass eine Geburt nicht schmerzhaft sein muss und dass es eine wunderschöne Erfahrung sein kann, ein Kind zu gebären. Außerdem ist es mir wichtig, dass Frauen selbstbestimmt gebären und sich auf ihre Geburt gut vorbereiten. Weil ich Biologin bin und das Recherchieren in Fachzeitschriften liebe, schreibe ich auch Übersichtsartikel über Sinn und Unsinn von bestimmten geburtsmedizinischen Verfahren, um bei meinen Leserinnen ein kritisches Hinterfragen in Gang zu setzen.

Ein paar Fakten über mich: Ich bin Mama von zwei Jungs (*2010 und *2013) und lebe mit meinem Mann und unseren Kindern in Dublin/Irland. Ich bin Biologin und grade in den Endzügen meiner Doktorarbeit (schon eine Weile 😉 ). Ich lebe außerdem seit vier Jahren vegan und schon immer autofrei 😉

Die schmerzarme Geburt – Susannes Gedanken und Erfahrungen

Es gab eine Zeit, da ging ich durch die Straßen der Stadt in der ich lebte und teilte die zahlreichen (werdenden) Mütter gedanklich ein: in die, die ‚es‘ schon hinter sich haben und die ‚es‘ noch vor sich haben. Ob sie ahnungslos sind? Ob sie wissen was auf sie zukommt? Ob sie Angst davor haben?

Diese Zeit begann im September 2010. Mein erster Sohn wurde im Monat zuvor geboren und dieses ‚es‘ war die Geburt.

Die Geburt meines ersten Sohnes würde ich unumwunden als das Schlimmste bezeichnen was ich je erleben musste, auch wenn sie von außen betrachtet recht normal ablief. Ich wehte. Ich schrie. Ich weinte. Ich drückte meinem Mann die Finger bis sie blau waren. Ich hatte Panik. Ich hatte Schmerzen. Unheimliche Schmerzen, die ich niemandem wünsche. Nach vier Stunden Wehenschmerz war es vorbei, mein Sohn geboren. Er war gesund, ich war fertig. Ich konnte mich nicht freuen, ich war einfach nur froh, dass ‚es‘ vorüber war.

Fast forward zwei Jahre. Ich bin wieder schwanger. Mir graut vor der Geburt. Ich spiele kurz mit dem Gedanken an einen geplanten Kaiserschnitt. Nein, das kann es doch auch nicht sein. Wieso hat die Natur es so eingerichtet, dass Frauen bei der Geburt so leiden müssen? Noch mal schaffe ich das nicht.

Fast forward noch mal neun Monate. Im März 2013 bringe ich meinen zweiten Sohn zur Welt. Zu Hause. Ich schreie nicht. Sanft halte ich die Hand meine Mannes. Ich habe keine Schmerzen. Ich bin ganz bei mir, ich höre auf meinen Körper. Es ist sehr anstrengend, aber sehr schön. Meine Traumgeburt.

Möglich Wege zur harmonischen Geburt

 Was war anders? Mein Körper war derselbe. Mein Kopf nicht. Ich hatte in den neun Monaten so viel gelernt. Ich wusste nun, dass man Privatsphäre für eine Geburt genauso braucht wie für andere Körperfunktionen. Ich wusste, dass es besonders wichtig ist, entspannt zu bleiben und ruhig und langsam zu Atmen. Ich wusste, dass meine Wehen bei der ersten Geburt so schlimm gewesen waren, weil verkrampfte und mich nicht öffnen konnte. Und mir war klar wie die zahlreichen Interventionen, die wir heute als ganz normal empfinden, die Geburt negativ beeinflussen können. Ich hatte meine Erwartungen die ich bezüglich der Geburt hatte komplett geändert. Durch Affirmationen, Selbsthypnose, unzählige Geburtsberichte und – videos war mir (und meinem Unterbewusstsein auch) klar geworden, dass Geburt nicht schmerzhaft sein muss. Geburt war für mich am Ende meiner Schwangerschaft nicht mehr dasselbe wie noch zu Beginn. Es war nicht mehr eine Sache, durch die ich halt durch musste um zu meinem Baby zu gelangen. Es war auch nicht mehr diese „Schmerzwolke“ durch die ich mich mit todesnaher Verzweiflung kämpfen musste. Ich wusste, dass wenn ich mich wirklich entspannte, mich zurückzog auf meinen „Geburtsplaneten“, dann würde ich die Geburt selbst als wundervoll erleben können. 

Mein Mann war eine wundervolle Unterstützung in der ganzen Schwangerschaft und bei der Geburt. Er hat sich sehr zurückgenommen und sich ganz auf meine Bedürfnisse konzentriert. Wenn ich ihn brauchte, war er da. 

Ich gebar meinen Sohn mitten in der Nacht nur eine Stunde nachdem wir die Hebamme angerufen hatten. Nur zehn Minuten nachdem ich meinen Mann aufgeschreckt hatte mit den Worten: „Er kommt jetzt.“ Es war ein wundervolles, kraftvolles Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Es war harte Arbeit, aber es war wunderschön und ich würde es nicht als schmerzhaft bezeichnen. Ich nahm meinen Sohn selbst aus dem Wasser, wir stillten ausgiebig und kuschelten uns schließlich in unser Bett. Ich wünsche jeder Schwangeren eine solche Geburt. 

Wissen wider die Angst

Leider ist das Wissen, dass Geburten nicht schmerzhaft sein müssen, dass eine Frau auch unter der Geburt ein Selbstbestimmungsrecht hat, dass Geburt ein natürlicher Vorgang ist und nicht notwendiger Weise ein medizinischer Eingriff sein muss, nicht besonders weit verbreitet. Wir Frauen nehmen es einfach so hin, wir kennen es nicht anders, weil Geburtshilfe schon seit Generationen so funktioniert und unsere Mütter und Großmütter selbst so geboren haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir Frauen selbstständig und aus eigener Kraft unsere Kinder bekommen können, mit Unterstützung der Geburtshilfe, wenn es nötig wird. Wir müssen es uns nur zutrauen. Als Wissenschaftlerin ist es mir wichtig herauszustellen, dass es unzählige Studien gibt, die darauf hinweisen, dass interventionsärmere Geburten sicher sind, für Mütter uns Babys, dass es biologische Grundlagen dafür gibt, wieso wir möglichst natürlich gebären sollten. Ich hoffe, mit meinem Blog ein Stückchen dazu beitragen zu können, dass Geburten wieder als das wahrgenommen und erlebt werden was sie sind: Kraftvoll. Weiblich. Traumhaft schön. Denn es ist nicht egal, wie unsere Kinder geboren werden. Nicht für uns Mütter, nicht für unsere Kinder, nicht für unsere Familien, nicht für unsere Gesellschaft. 

Heute gehe ich wieder durch die Straßen und denke beim Anblick eines runden Schwangerenbauches: eine Geburt, die möchte ich auch noch mal erleben.