Papa hat´s verbockt – Mein Einschlafrezept

Einer der Gründe, aus denen ich viel zu wenig im Blog schreibe ist die Tatsache dass ich zu müde bin. Nummer 4 war die letzten beiden Monate nachts ziemlich anstrengend. Er hat einen beinahe untrüglichen Instinkt entwickelt, der ihn sofort aufweckt, sobald ich einschlafe. Und dann noch bis zu dreimal in der Nacht.

Ms. Essential hatte verständlicherweise Panik, sich das in der Kur in einem zu kleinen Zimmer antun zu müssen und da nur noch schweigend und still dasitzen zu müssen. Also habe ich mir vorgenommen, ihm das noch vor der Kur abzugewöhnen. Weil ich es auch verbockt habe.

(Disclaimer: Familienbett- und Attachment Pareting-Vertreter sollten ab hier eventuell nicht weiterlesen. Ich ferbere zwar nicht, gehe aber nicht davon aus, dass meine Methoden gnädiger beurteilt werden.)

Alles begann so: Nummer 4 bekam eine Reihe von Zähnen. Er war sehr knatschig und müde und wachte – natürlich – nachts diverse Male auf und weinte. Da ich deutlich besser im Aufstehen bin als Ms. Essential – die ja nicht umsonst in Kur geht – gewöhnte ich mir an, das schnell zu übernehmen und nach oben zu flitzen, um mich um ihn zu kümmern.

Nach den ersten zwei, drei Mal fand ich das zunehmend niedlich: Nummer 4 hockte im Bett, reckte die Ärmchen hoch und rief „Einmal Schaukeln!“. Wir haben einen Schaukelstuhl in seinem Zimmer, auf den ich mich immer mit ihm setzte – was er offensichtlich sehr schnell ritualisierte. Er war dann immer auch sehr niedlich, schmuste sich an und nach relativ kurzer Schaukelzeit sagte er von alleine „Bett!“. Ich konnte ihn dann zurücklegen und er schlief weiter. Meldete sich aber zwei bis drei Stunden später wieder.

Mir kam das zwar ein wenig ermüdend, aber ganz akzeptabel vor. Ich sehe ihn ja eh zu wenig, und mich nachts noch ein wenig um ihn zu kümmern erschien mir sogar ganz niedlich.

Leider genoss er diese nächtliche Zweisamkeit scheinbar ebenso wie ich. Innerhalb von sehr kurzer Zeit weitete sich das „Einmal Schaukeln!“ erheblich aus und ich besuchte ihn bis zu viermal in der Nacht.

„Na ja,“ dachte ich, „nach dem Zahnen gewöhnen wir ihm das halt wieder ab. Wird schon.“

Einige Wochen später war er mit den fiesen Eckzähnen fertig und meldete sich trotzdem noch zwei bis drei Mal in den meisten Nächten. Mittlerweile fing er auch an abends zu weinen, wenn man ihn ins Bett legte – er wollte natürlich auch abends noch „Einmal schaukeln“ und wir wurden uns zunehmend uneinig darüber, wie häufig „einmal“ denn so ist.

Nach einiger Zeit gewöhnte er sich an, immer zu weinen, wenn man ihn ins Bett legte. Und dann noch zwei- oder dreimal aufzuwachen. Ms. Essential bekam zunehmend Muffensausen bei der Aussicht, sich drei Wochen mit diesem Verhalten alleine rumschlagen zu müssen. Ich bin zwar seit Nummer 4s Geburt so schlafgestört, dass ich ohnehin dauernd nachts aufwache – aber das tröstet sie leider auch nicht. Also nahm ich mir vor, das Problem – das ich ja auch ein bisschen herbeigeführt hatte – schnell noch zu lösen. Wir hatten bereits versucht, mit ihm zu feilschen und ihm klarzumachen, dass er weiterschlafen soll, falls er in der Nacht aufwacht (anstatt zu weinen und „Einmal schaukeln!“ oder „Parkgarage spielen!“ zu rufen). Er schlug dann zwar ein, hielt sich aber leider nicht an diesen Handel.

Ich kam zunehmend zu der Überzeugung, dass meine Schaukelbesuche in der Nacht das Problem verschlimmerten. Er bekam vermutlich den Eindruck, er brauche nur zu rufen und ich werde jederzeit bereitstehen und ihm seinen Wunsch erfüllen. Also tat ich das, was alle Eltern vermutlich schon mal getan haben: fünf Minuten warten und hoffen, dass er sich von alleine wieder beruhigt. Dann ging ich rein, um ihm zu zeigen dass ich da bin, und ging wieder raus – ohne zu Schaukeln. Das Ergebnis: sein Crescendo steigerte sich sofort. Keine Chance. Mir wurde klar, dass es so für uns beide nicht weitergeht.

Einige Minuten später ging ich wieder in sein Zimmer. Er sah echt ziemlich verweint und mitleiderregend aus, aber ich blieb hart. „Nein, Nummer 4, es ist mitten in der Nacht und Du musste jetzt schlafen!“ Ich legte ihn hin (er stellte sich natürlich für den dramatischen Effekt im Gitterbett auf), streichelte ihm über den Kopf und fügte an:

„Ich weiß, dass Dir das nicht gefällt, aber Du musst jetzt schlafen!“

Dann ging ich raus – während er weinte. Kaum hatte ich die Tür geschlossen, war er ruhig. Ich blieb stirnrunzelnd im Flur stehen – er holte bestimmt gerade nur Luft!

Nichts. Er blieb ruhig und schlief ein. Zwar wachte er in der Nacht noch einmal auf, aber mit genau dem gleichen Rezept beruhigte ich ihn wieder innerhalb weniger Minuten, ohne dass er das Bett verließ.

Als Ms. Essential ihn am nächsten Morgen aus dem Bett holte, erzählte er erstaunt davon: „Einmal schauken. Dadi nein sagt.“ Dabei schüttelte er – verwundert, aber nicht geschockt – den Kopf.

Mittlerweile lege ich ihn mit dem gleichen Rezept abends wieder ziemlich problemlos ins Bett und beruhige ihn sehr schnell, wenn er nachts aufwacht. Zwar tut er das leider noch – aber seltener, und einige Male schlief er auch ein, ehe ich mich schlaftrunken aus dem Bett geschält hatte.

Ich will das jetzt nicht als Patentrezept verkaufen. Aber meine Erfahrung als vierfacher Vater ist eben schon, dass man Kinder nicht gut zum Einschlafen bekommt, wenn man sie in diesem Prozess führen lässt. Leider muss man irgendwann Grenzen setzen und diese rufen dann – kurfristig – auch Tränen hervor. Aber mein Experiment als allzu geduldiger später Vater mit Nummer 4 hat mir deutlich gezeigt, dass Kinder jede Art von Unterbrechung in der Nacht viel zu schnell ritualisieren, als dass sich die Eltern zu viele Zugeständnisse erlauben könnten. Viele Schlafprobleme sind – das ist zumindest mein Verständnis – auch darauf zurückzuführen dass die Eltern glauben es wäre nur eine Phase, die von allein vorbeigeht.

Den Unterschied zwischen „Warten und Hoffen“ und „Grenzen setzen“ habe ich zumindest jetzt sehr, sehr deutlich erlebt. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen, das auch einmal auszuprobieren. Denn der Vergleich ist deutlich:

„Einmal schaukeln“: Drei- bis viermal in der Nacht aufstehen mit jeweils einigen Minuten Weinen vorher (bis die Eltern wach genug sind). Weinzeit: ca. 15 Minuten pro Nacht, Tendenz steigend.

Grenzsetzen: Wir sind innerhalb von zwei Nächten auf die Hälfte der Zeit runtergekommen. Auch wenn er immer noch einen Moment weint, wenn ich ihm sage dass jetzt nicht geschaukelt wird.

Ms. Essential hat mir mittlerweile aus der Kur berichtet, dass er die ersten beiden Nächte nur zweimal kurz aufgewacht und von alleine wieder eingeschlafen ist. In der dritten Nacht schlief er dann komplett durch.

 

 

 

 

 

 

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4 Gedanken zu “Papa hat´s verbockt – Mein Einschlafrezept

  1. Um ehrlich zu sein, muss ich da wohl zustimmen. Klar, Zahnen ist tatsächlich mal so eine Art Phase und auch Erkältung kann mal die Nächte durcheinander bringen, aber generell finde ich auch, dass man Kindern schon von Anfang an klar machen kann: Die Nacht ist zum Schlafen da.

    Umso mehr besorgt mich, dass T2 nun schon die 3. Nacht hintereinander um 5-5.30 Uhr aufwacht, aufs Tröpfchen will und generell aufstehen. Sie gehört zu den Kindern, die von Geburt an, mehr oder weniger durchschlafen. 12 Stunden am Stück. 5.30 Uhr war noch gar nie ihre Aufwachzeit. Und meine ist es ganz bestimmt auch nicht.
    Noch bin ich am Überlegen, ob sie mit gerade 2 Jahren nachts aufwachen könnte, weil sie Pipi muss. Aber wie ist das dann mit dem wieder Einschlafen? Bisher beschränke ich mich auch darauf, ihr zu sagen, dass noch Schlafenszeit ist und sie wieder hinzulegen nach dem Töpfchen. Allerdings ohne großen Erfolg. Sie fängt dann einfach an zu reden ohne Punkt und Komma bis es 7 Uhr ist. Und sie macht keinen wirklichen Mittagsschlaf mehr.
    Irgendwie ist doch das Schlafen bei allen immer wieder ein Thema. Und man gewöhnt sich doch allzu rasch an gut schlafende Kinder. Wehe, wenn sie dann mal in eine ‚Phase‘ kommen…

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    • Hallo Rosalie, wie im Post beschrieben ist es genau meine Erfahrung, dass Kinder eben schon mal aus irgendwelchen Gründen aufwachen – das ist ja auch erstmal nicht verwunderlich. Wenn sie dann aber merken, dass sie dann etwas bekommen, was ihnen gefällt, ritualisieren sie das Aufwachen und Eltern rufen sehr schnell – aus der kindlichen Perspektive schon verständlich, aber auch Eltern dürfen ja ihre Interessen wahren …

      Am Ende ist die Entscheidung häufig die, so lange mitzuspielen, bis man nicht mehr kann, und dann eine Grenze zu setzen, oder das vorher zu tun, weil man das Verhalten regulieren will. Wir haben immer deutlich mehr Tränen und Drama erlebt, wenn wir mitgespielt haben bis es nicht mehr ging …

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  2. Das mit den Allüren rund ums Schlafen und dem Grenzen setzen kann ich nur bestätigen. Manchmal ist es wirklich nur eine Phase, manchmal hat man selbst keine Lust etwas zu unternehmen, weil man selbst noch ganz zufrieden ist. So wie das nächtliche Kuscheln und Schaukeln. Aber sobald man entschlossen ans Werk geht, klappt es auch, das Verhalten zu ändern. Das gilt ja nicht nur für nächtliche Allüren, sondern auch für die täglichen Tücken. Sofern einem niemand anderes dazwischen fuhrwerkt. Man muss für sich klar Position beziehen. Das ist nicht immer leicht. Übers Schlafen hab ich auch was geschrieben. Unter „Schlafen“ auf http://www.beatrice-confuss.de Viele Grüße

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