Die Familienpflege: Einblicke, Hintergründe, Erfahrungen

Ich hatte ja angefragt, ob Ihr etwas etwas zu meinem ursprünglichen Beruf lesen wollt: Die Familienpflege. Und da Ihr so rege Interesse bekundet habt, komme ich dem Wunsch meiner geschätzten Leserschaft sehr gerne nach.

Auch wenn ich seit vielen Jahren nicht mehr als Familienpflegerin arbeite, habe ich eine Fülle von Erinnerungen, die ich gerne mit Euch teile.

Ein bisschen Geschichte

Die Familienpflege gibt es in ihrem Ursprung bereits seit dem Mittelalter. Nonnen und Mönche (mehr aber die Nonnen) kümmerten sich damals um die „Hausarmen“. In der Tat gab es damals so viele Arme, dass man sie in verschiedene „Arten“ unterteilte und eine davon waren die Hausarmen. Bedürftige Menschen, die im eigenen Haus unterstützt wurden. Die Hausarmenpflege kam zu ihnen und kümmerte sich. Die Hausarmen waren keine Bettler, sondern Nachbarn, denen es an Geld und Perspektiven fehlte. Betteln galt als etwas Beschämendes und Dreistes. Arm jedoch waren im Mittelalter viele Menschen und wer unverschuldet arm war und Hilfe brauchte, dem half man. Auch, weil man es eben als christliche Pflicht ansah.

Die christliche Idee der Nächstenliebe entwickelte sich weiter und die Arten der Unterstützung differenzierten sich.

Familienpflege, wie wir sie heute kennen, brauchte es damals noch nicht. Es gab immer Verwandte, die einsprangen, wenn die Mutter ausfiel. Da dies heute nicht mehr unbedingt gewährleistet ist, gibt es eben Familienpflegerinnen.

Eine besondere Form der Familienpflegerin zeigt sich mit der Dorfhelferin. Diese Person wird speziell ausgebildet, um zu helfen, wenn eine Mutter ausfällt, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb lebt. Ich zum Beispiel könnte nur so ganz vage eine Kuh melken, die Dorfhelferin aber kennt sich mit allen Belangen und Arbeiten eines Bauernhofs aus und kann daher dort ideal unterstützen.

Die Ausbildung

Meine Ausbildung habe ich an einem Fachseminar gemacht. Diese beinhaltete zwei Jahre schulische Ausbildung mit mehreren, mehrwöchigen Praktika in verschiedenen Bereichen.

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Ich mit sexy Kompressionsverbänden („Kornährenwickeltechnik“) – was tut man nicht alles aus Übungszwecken? Mann, waren die Dinger eng …

Die Praktikumsstätten suchte man sich selber aus, sie waren jedoch inhaltlich festgelegt: Kindergärten, Kinderheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, ambulante Krankenpflege und/oder Altenpflege waren Einsatzgebiete. Und natürlich auch die Familienpflege, welche über Sozialstationen vermittelt wird.

Anschließend, nach den Prüfungen, absolvierte ich ein Anerkennungsjahr in einer Einrichtung (bei mir war es eine Station der Caritas) und zum Schluss gab es ein abschließendes Kolloquium.

Während des Anerkennungsjahres wird man komplett selbstständig eingesetzt und die Arbeit wird vergütet. Man hat eine Praxisanleiterin zur Seite, die Fragen beantwortet und Hilfestellungen geben kann. Diese gehörte bei mir zu meinem Team.

Zu meinen Fächern gehörten: Krankenpflege (Praxis), Psychopathologie, Pädagogik, Hauswirtschaft (alles zwischen Wäschepflege, Hygiene und Nähen), Säuglings- und Wöchnerinnenpflege (Theorie und Praxis), Soziologie, Ernährungskunde, Kochen (Praxis), Beschäftigungsanleitung (Theorie und Praxis), Wirtschaft und Rechtskunde, Bewegungserziehung (Praxis mit Entspannungsübungen, Singspielen und Sport), sowie Pflege im theoretischen Teil.

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Beim Kurs Säuglingspflege mit Ausbildungspuppe

Dazu gab es noch einen zweiwöchigen Erste-Hilfe-Kurs (nicht zu verwechseln mit den Lebensrettenden Sofortmaßnahmen am Unfallort), Kurse in Gewaltprävention, Gruppenarbeit zu bestimmten Themen wie problematische Kindheit oder Sucht. Es gab Vorträge von Firmen, die Pflegematerial anbieten, Einführung in die Praxis der Familienpflege (Führen der Dokumentationsmappen, Planen eines Einsatzes mit Zielsetzungen) und vieles mehr.

Meine Ausbildungskolleginnen waren zwischen 16 und 52 Jahre alt. Sie kamen direkt von der Schule oder hatten vorher bereits Berufe erlernt. Eine war Schneiderin, die kurz vor der Meisterprüfung eine Allergie auf Stofflore entwickelt hatte und ihren geliebten Job beenden musste. Eine andere war zuvor Tierpräparatorin gewesen und hatte danach in der Pathologie gearbeitet (die hatte vielleicht eine Menge schräges Zeug zu erzählen …!) und eine andere schulte von der Friseurin um, weil sie unbedingt einen „sinnstiftenden, sozialen“ Beruf machen wollte. Ähnlich wie ich. Nur war ich zuvor nicht Friseurin gewesen, sondern brach eine Ausbildung zur Hotelfachfrau ab, um in die Familienpflege zu wechseln.

Einsatzgebiete der Familienpflege

Einsatzgebiete der Familienpflege, die ich weitestgehend selbst auch erlebte, sind:

  • schwere bis letale Erkrankungen der Mutter
  • leichte bis schwere psychische Beeinträchtigungen der Mutter
  • Tod des Vaters
  • Tod eines Kindes
  • Tod der Mutter
  • Krankenhaus- oder Kuraufenthalt der Mutter
  • besondere Belastungssituationen der Familie
  • Erkrankungen die das Führen des Haushaltes unmöglich machen (Rückenschmerzen, schwere Migräne-Phasen, Frakturen etc.)
  • sehr junge Mütter
  • Unterstützung nach der (ambulanten) Geburt
  • erzieherischer Unterstützungsbedarf unerfahrener oder aus verschiedenen Gründen überforderter Mütter
  • weitere individuelle Gründe
  • Kinder mit Behinderungen, deren Eltern Unterstützung brauchten (z.B. weil es Geschwisterkinder gab, die Aufmerksamkeit brauchten)

Die Einsätze liefen entweder über die Krankenkassen oder über das Jugendamt.

Man kann ahnen, dass ich Vieles erlebt habe.

Ich habe sehr viel gelernt und mich von vielem inspirieren lassen. Manches schockierte mich auch. Dem wirklich Schockierenden gebe ich am besten einen eigenen Blogpost.

Väter, Mütter, Freundschaften

Es gab Väter, die mich positiv überraschten, weil sie über alles Bescheid wussten (Kleidergrößen der Kinder, Lieblingsessen und so weiter) und andere, die mich entsetzten. Beispiele waren zwei Männer jeweils schwer krebskranker Frauen, die ähnlich reagierten als ich nach einem Staubsauger, beziehungsweise einem Putzlappen fragte.

„Was weiß denn ich, wo sowas ist?“ kam es leicht vorwurfsvoll vom einen und der Andere meinte: „Ich weiß doch nicht, wo meine Frau den Staubsauger hinräumt!“ Er sah mich an, als sei ich irgendwie überhaupt nicht ganz dicht.

Mit manchen Männern stimmte ich mich sehr gut ab und wir bildeten ein Team, das den Erhalt der alltäglichen Abläufe zusammen gewährleistete.

Mein kürzester Einsatz dauerte drei Tage und mein längster um die sechs Monate.

Mit einigen Familien befreundete ich mich sogar und der Kontakt blieb lange Jahre bestehen und besteht zum Teil bis heute.

Vielfalt

Ich habe Mütter erlebt, die in extremen Situationen lebten und wirklich dringend Hilfe brauchten. Menschen mit schwierigen Lebensgeschichten und bewegten Biographien. Ich erlebte mit, wie Kinder ihre Mutter verabschieden mussten, die den Kampf gegen den Krebs verlor, kurz nachdem ich sie in einem gemeinsamen Einsatz mit einer Kollegin kennengelernt hatte.

Ich hörte von Kindern, dass die Mutter den Vater verprügelt und in ein Regal geschubst hatte und hörte kleine Jungs über den Tod reden:

„Was hat deine Mama eigentlich? Wieso liegt die immer im Bett?“

„Sie hat Krebs.“

„Das ist scheiße! Daran kann man sterben, weißt du?“

„Ja, ich weiß.“

Und es gab schnuckelige Einsätze mit lieben Neugeborenen, die ich spazierenfuhr, während Mama sich eine wohlverdiente Pause gönnte.

Plötzlich allein

Vater-Mutter-Kind. Und ganz viel drumherum und dazwischen: Jede Familie ist anders

Ich habe so viele verschiedene Kinder und Erwachsene kennengelernt, ganz verschiedenartig Familiengeflechte und so viele Lebensmodelle! Jede Familie ist wie ein einzigartiges Lebewesen, ein Kern, um den sich alles dreht. Man kommt aus ihr heraus, sie ist das Nest und sie prägt einen für das ganze Leben.

Ich sah glückliche Ehen und unglückliche. Und das, was ich „Fassaden-Familien“ nannte: Jene, die die Nachbarschaft durch ihre glänzende Perfektion beeindruckten und in denen es oft ganz schockierend zuging.

Fälle, die mich berührten 

Einer der Fälle, die mich veränderten, war einer am Ende des Anerkennungsjahres:

Ich spazierte einmal freitagabends (geistig ein wenig im Feierabend, weil spontan von der Chefin angerufen) in eine Wohnung. In der Tür empfing mich die Mutter, deren riesige, aufgerissene Augen mich fixierten.

Innen gab es ein altes Sofa mit Häkeldecke und eine auf alternativ-anmutende Weise bepinselte Wand – irgendwie wirkte das auf mich alles sehr esoterisch. Das ist schon lange her und mein Verstand wartete damals nur darauf, weltoffener werden zu dürfen. Zu diesem Zeitpunkt aber stufte ich das Ambiente mit Salzlampe und orange-rosa-roter Wand eben als „merkwürdig anders“ ein.

Die Frau bot mir und meiner Chefin Platz auf dem Häkeldeckensofa, um dann selber auf dem Teppich vor uns Platz zu nehmen. Der Mann saß auf dem anderen, etwas schmuddeligen Sofa und schwieg, während die Mutter mich instruierte. Sie war auf dem Weg in eine psychosomatische Kur und ihre immer noch weit aufgerissenen Augen bohrten sich in die meinen.

Sie redete schnell und gestikulierte viel, mir war sie irgendwie sympathisch, aber ich war zugleich wie überrollt von ihrer Persönlichkeit. Ich muss gerade schmunzeln, weil ich mich erinnere, welche Situation es war, die mir – junger, unerfahrener Familienpflegerin – sagte „Baby, da kommt noch ganz viel Neues auf dich zu“:

Die Frau blickte nämlich plötzlich zu ihrem Mann, hob den kleinen Sohn mit der bunten Ringelstrumpfhose hoch an ihr Gesicht und rief mitten in die Salzlampen-Kristallpendel-Meditations-Atmosphäre:

„Friedbert, ich glaub, der Winibald hat geschissen!“*

(*selbstverständlich sind alle Namen, wie immer, bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet.)

Da wusste ich: Die Idee, ich marschiere irgendwo hinein, helfe ein bisschen den netten Familien und gehe wieder – die konnte ich begraben.

Da war kein süßer Fratz, der mal gemacht hatte. Nein, Winibald hatte geschissen.

Und ich sollte noch lernen, dass er dies in Duftnuancen konnte, bei denen es mir ungelogen immer wieder hochkommen würde. Von daher hätte man gar nicht an ihm schnuppern müssen – das Brennen in den Augen wäre Indikator genug gewesen. Einerlei.

Diese Familie hat mich eine Menge gelehrt. Ich lernte, dass der Umgang mit psychisch Erkrankten sehr schwierig sein kann (okay, das hätte ich nach meiner Familiengeschichte auch so wissen können, aber da ahnte ich ja noch nicht, dass die „Eigenarten“ meiner Mutter einen nach ICD 10 katalogisierten Namen haben.) So rief die Mutter nach ein paar Wochen Einsatzdauer meine Einsatzleiterin an und sagte:

„Es macht mir nichts, dass ihre Mitarbeiterin eine Affäre mit meinem Mann hat – ich bin da offen. Aber ich finde, SIE sollten das wissen.“

Das war natürlich völlig absurd. Und ich stand da mit diesem furchtbaren Vorwurf. Meine Chefin aber meinte zu mir:

„Mach dir da nichts draus, ich weiß, dass das Unsinn ist. Ich denke, die Frau hat starke psychische Probleme. Ich weiß da keine Diagnose, aber ich vermute eine. Zieh dir das nicht rein. Du hast mein volles Vertrauen. „

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Die Salzlampe und ihre Symbolik: Die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen. Erst einmal einlassen und Menschen kennenlernen, statt zu urteilen.

In der Familie lernte ich, dass man ohne Staubsaugerrohre auskommen konnte (musste) und einfach kriechend 150 Quadratmeter Altbauböden reinigen kann. Und dass Spülmittel absolut verzichtbar ist. Und wie lecker Brei schmeckt, der aus frisch gemahlenem Roggen zubereitet wird. Verzichtbar war auch teure Karnevalsschminke – und kostüme. Anekdote hierzu:

Der superliebe und idealistisch engagierte Vater färbte abends aufwändig ein Kuh-Kostüm mit Stofffarbe in der Dusche. Morgens begrüßte ich das verkleidete Mädchen strahlend mit:

„Hey, Hildelotta, du bist aber eine tolle Kuh, du hast ja sogar ein richtiges Euter!“

Hinter Hildelotta stand der Vater und winkte panisch gestikulierend. Schließlich schüttelte er verzweifelt den Kopf und zischte mir zu: „Sie ist eine Katze!“ Dann nahm er kurzerhand einen Kuli und malte ihr die Nasenspitze schwarz sowie ein paar Schnurrhaare auf die Pausbacken. Ich suchte nach einer hastige Korrektur:

“ … äh, Katze. Wollte ich sagen. Euterkatze. Aus …äh… Australien.“

Ich lernte, dass Liebe viele Gesichter hat und man Bücher niemals nach dem Umschlag beurteilen sollte. In Wahrheit hätte ich es toll gefunden, wenn mein Vater sich nach Feierabend mit Stofffarben in der Dusche und Kulischminkereien um mich bemüht hätte. Und Hildelotta tat das damals auch.

Und darauf kommt es an.

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Es gibt so viele verschiedene Familien – jede ist ein Individuum. Mehr als nur eine vertraute Gemeinschaft. Ein Lebewesen mit Gewohnheiten, einer eigenen Sprache und immer einer einzigartigen Sicht auf das Leben.

Fälle mit traumatisierten Kinder

Natürlich begegneten mir auch traumatisierte Kinder. Bei manchen reichte ein Blick auf ihre Zeichnungen und ich wusste, was ihnen zugestoßen war. (Ja, ein altes Klischee, aber da ist durchaus etwas dran. Und damit meine ich keine Gewalt-Bilder mit Blut und Monstern.) Und bei manches Kindern erfuhr ich es sofort bei der Einsatzbesprechung:

Eines Tages übergab meine Kollegin mir während der üblichen Team-Besprechung am Mittwochnachmittag eine Familie.

„Die Mutter hatte eine Art psychotischen Anfall. Hat den Kindern befohlen, sich nackt auszuziehen und im Bad zu verstecken. Denn nur da würden die Eindringlinge sie nicht holen. Der Zwölfjährige ist aus dem engen Fenster zu den Nachbarn und hat Hilfe geholt. Nackt. Die Mutter ist nun in der Psychiatrie. Der Junge macht einen oberflächlich betrachtet guten Eindruck, scheint das irgendwie zu verpacken. Das zehnjährige Mädchen, nun ja, sitzt seit zwei Wochen eigentlich nur unter dem Tisch … und zwar wortwörtlich.“

Okay, das war eine, äh, Herausforderung.

Die Kollegin hatte liebevoll aber erfolglos versucht, das Mädchen unter dem in der Küche stehenden Esstisch hervorzulocken. Also dachte ich übers Wochenende lange nach, was ich tun könnte.

Schließlich verwarf ich alle Pläne und wollte mich auf mein Bauchgefühl und die Situation verlassen. Der Vater, ein stets viel beschäftigter, sehr höflicher Mann (Typ Geschäfts-Mann-Klischee auf den ersten Blick) öffnete mir, wir sprachen, er führte mich herum. Über die Frau sprachen wir zunächst nicht.

Das Mädchen saß unter dem Tisch.

Der Vater ging wieder zurück zur Arbeit und ich übernahm. Ich wollte Mittagessen machen und fragte den Sohn, was er und seine Schwester den am liebsten essen würden.

„Pfannkuchen!“ Wer hätte das gedacht?

Also gab es die und als sie fertig waren verteilte ich Teller. Das Mädchen blieb unter dem Tisch. Ich klopfte leise an das Tischbein, hob die Tischdecke und sagte:

„Schöne Höhle, so eine hätte ich auch gerne. Da würde ich sicher niemals drin genervt.“ Und dann schob ich den Teller hin. Mein Herz pochte ganz schön, merkte ich. Einem so belasteten Kind will man ja nicht auch noch zu sehr auf die Pelle rücken oder es noch mehr verstören. Dann hörte ich leises Schmatzen unter der Tischdecke und atmete aus.

In den folgenden Monaten meines Einsatzes erlebte ich sehr viel.

Am ersten Tag war das Mädchen unter dem Tisch heraus gekommen und hatte einige wenige Worte mit mir gesprochen. Am zweiten Tag zeigte es mir im Garten sein Kaninchen. Und in den kommenden Wochen wagte es sich vorsichtig in sein Leben zurück. Freundinnen kamen zu Besuch, ich brachte es zum Reitunterricht und es nahm wieder am Ballettunterricht teil.

Ich erfuhr, dass die Mutter am Borderline Syndrom litt und in der Tat einen heftigen Anfall gehabt hatte, wegen dem sie stationär aufgenommen worden war. Ich fand beim Einräumen ihrer Wäsche im Schrank eine Stoffpuppe, der jemand einen Kugelschreiber zwischen die Beine gesteckt hatte, der wie das Mahnmal gegen sexuelle Gewalt aussah. Darauf fragte ich beiläufig, ob das Mädchen eine Stoffpuppe vermisste, aber sein Bruder meinte, es besäße gar keine Puppen aus Stoff. Nur Barbies und Babypuppen.

Letztlich sprach ich den Vater abends an und er ließ sich die Puppe zeigen.

Leise meinte er: „Es gibt den Verdacht, dass meine Frau als Kind zuhause missbraucht wurde, das kommt langsam heraus.“ Die Puppe hat er interessanter Weise entsorgt.

Ich bekam mit, wie er sich von seiner Frau weit entfernt zu fühlen schien und fragte mich, wie er nach diesem Vorfall je wieder zu ihr finden würde. Sie hatte ich wie ein völlig fremder Mensch verhalten. Ich ahnte, dass die Ehe eigentlich hinüber war.

Die Frau durfte irgendwann an den Wochenenden nach Hause. Am Montag nach dem ersten dieser Wochenenden begrüßte mich der Hausherr mit dünnem Lächeln:

„Hallo Frau P., mögen sie Marmelade?“

Dann führte er mich in den Keller und ich saß ein zuvor leeres Kellerregal bis oben gefüllt mit Marmeladengläsern. Verschiedene Sorten, alles selbstgekocht.

„Ist doch schön, wenn ihre Frau etwas so Alltägliches macht, wie Marmeladekochen …“ versuchte ich es etwas hilflos.

„Niemand hier isst Marmelade. Die mochten wir noch nie.“

Also nahm ich Marmelade mit. Mehrere Gläser. Und je mehr Gläser ich mitnahm, aß und verteilte, desto erleichterter war er, sie los zu sein. Er litt so in sich hinein und konnte nicht offen mit mir über alles sprechen. Ich war einiger Maßen fremd und zu dem gerade mal 22 Jahre alt. Vielleicht hielt ihn das ab oder er war ein Typ, der eher in Symbolen sprach – so wie mit der Marmeladenverteilung. Oder der Puppenentsorgung.

Gegen Ende meines Einsatzes lernte ich die Mutter kennen. Sie war so stark auf Psychopharmaka, dass sie während unseres Gesprächs dauernd laut pupste, ohne es selber zu bemerken. Sie sprach über das Wetter und das Marmeladekochen. Sie war sehr freundlich und sympathisch, aber ihr Blick war so tief in sich gekehrt, dass ich spürte, sie würde nicht wirklich am „normalen“ Leben teilhaben können, wenn es in der Therapie keine tiefgreifenden Erfolge mehr geben würde.

Als die Tochter, die inzwischen ein inniges Verhältnis zu mir aufgebaut hatte, uns zusammen sah, zuckte sie zusammen. Sie war so irritiert von dieser Situation, von dem Loyalitätskonflikt, der sich ihr da aufdrängte, dass sie ganz schroff zu mir wurde. Sobald die Mutter weg war, hing sie wieder sehr an mir. Ich begann, das Verhältnis wieder von der für das Mädchen so wohltuenden Nähe langsam und vorsichtig in Richtung Distanz zu verschieben, damit das Mädchen am Ende des Einsatzes gut wieder in den (emotionalen) Alltag zurückfinden konnte.

Die Mutter sollte eigentlich entlassen werden, aber dies war nicht umsetzbar. Der Vater verkaufte das Haus und erwarb eine Wohnung in der Nähe, in die er mit den Kindern einzog. Ich lernte vor dem Ende des Einsatzes noch seine neue Freundin kennen, die er irgendwo in seinem beruflichen Umfeld kennengelernt hatte. Er plante, sich scheiden zu lassen.

Vor einer guten Weile suchte ich auf Facebook nach dem Mädchen, das mir damals so ans Herz gewachsen war und fand es. Inzwischen eine auffallend schöne Frau geworden, blickte sie lächelnd, aber mit tiefen und ernsten Augen in die Kamera.

So viel zu erzählen

Ich könnte noch so viel mehr erzählen. Von einer Familie mit fünf Töchtern, deren Mutter ihre zunächst dreiwöchige Kur dauernd um eine Woche verlängerte und gar nicht mehr zu ihrem krankhaft selbstverliebten Mann nach Hause wollte, der mir jeden Tag stundenlang von all seinen Heldentaten erzählte, während ich versuchte, mich um die Kinder zu kümmern und den Haushalt zu schmeißen. Während des Einsatzes bat seine Zweitgeborene mich um die Telefonnummer des Kinderschutzbundes und ich erfuhr, dass er die Kinder verprügelte, sobald ich ging.

Das Jugendamt hatte bereits eine Dame von der SPFH (Sozialpädagogischen Familienhilfe) geschickt, mit der ich zusammenarbeitete.
Immer, wenn ich ging, blieb ich noch vor der Tür stehen. Ich hörte dann, wie er drinnen umschaltete von redselig-freundlich zu gewalttätig. Und beim ersten Mal klingelte ich und nuschelte etwas von „Meine Mappe vergessen …“ um noch einmal in die Wohnung zu können und ihn in seinem Tun zu unterbrechen.

Danach bin ich einfach immer sehr schnell weg. Ich sprach mit der Kollegin vom Jugendamt, was wenig half, weil sie ihrerseits eben nur mit ihm sprach. Viel mehr Möglichkeiten gab es anscheinend nicht. Alles andere wäre die Wegnahme der Kinder gewesen.

Er änderte sich irgendwie durch das Reden gar nicht (was auch nicht zu erwarten war, wie ich fand). Er war einer jener Menschen mit mit zwei Gesichtern – sobald man sich abwandte, zeigte er das hässlichere von beiden. Wir redeten beide mit ihm. Aber es half nichts. Als die Mutter nach acht Wochen aus der Kur kam, war sie stark distanziert ihrem Mann gegenüber und ließ sich von ihm nicht einmal in den Arm nehmen. An diesem Tag verabschiedete ich mich von der Familie und sah sie nie wieder. Ich habe nicht erfahren können, was aus ihnen allen wurde.

Viel gelernt

Ich lernte auszuhalten, zu helfen, neue Wege zu gehen und Akzeptanz walten zu  lassen. Schnelle Urteile waren manchmal sehr gut und oft sehr schlecht. Was immer gut war, war Feingefühl und eine starke Intuition. Vieles kann man im Umgang mit Menschen nicht mit dem Verstand ausmachen, manches muss man aber wiederum genau diesem Teil überlassen, damit man innerlich stabil bleibt.

Sehr schwierig.

Ich hatte abends immer öfter Schlafstörungen, kam kaum zur Ruhe.

Allerdings war ich immer wieder glücklich, wenn ich wirklich helfen konnte. Weniger bei der Haushaltsführung, sondern bei spezielleren Fällen, die meine Einsatzleiterin mir zunehmend anvertraute.

Sehr schön war ein Einsatz in einer Familie, deren ältester Sohn an intensivem Autismus litt. Er sprach kein Wort, drehte stundenlang die Reifen von Spielzeugautos, hörte ebenfalls stundenlang Musik während sein Blick in die Ferne glitt und wurde mit vier Jahren noch gewickelt). Die ganze Familie litt. Er hatte eine kleine Schwester. Die Konstellation war ähnlich wie bei mir und meinem Bruder und so konnte ich mich gut hineinversetzen, was die Eltern sehr glücklich machte. Mein Umgang mit dem Jungen war ganz natürlich und frei von Ideen aus Lehrbüchern, eben weil ich keine Scheu hatte. Das war wohl eine glückliche Fügung für uns alle.

Die Mutter sagte irgendwann zu ihrem Mann: „Siehst du, wir machen uns die ganze Zeit Sorgen, dass die Kleine Schaden nimmt, weil sich alles dauernd um den Großen dreht. Aber guck mal, was für eine tolle Persönlichkeit unsere Familienpflegerin ist – und sie hat Ähnliches erlebt. Das beruhigt mich so und macht mich so glücklich.“

Ich fand meine Unterstützung gar nicht sooo nennenswert, aber anscheinend half sie ihnen, denn der Vater – ein sehr angenehmer, gebildeter und spürbar stolzer Mann aus dem arabischen Kulturkreis – ging am letzten Tag meines Einsatzes los und kaufte mir eine Pflanze. Er suchte ganz bewusst die Farbe des Topfes aus und auch die Pflanze selbst. Ich habe diesen Mini-Feigenbaum viele Jahre gehabt, bis er Opfer eines Umzugs wurde, nach dem er sich nicht mehr erholte. Das war ein sehr berührendes Geschenk, an das ich heute noch gerne zurückdenke. Es sind eben oft die kleinen Dinge … und so weiter.

Tiefe Einblicke

Es sind sehr tiefe Einblicke, die man erhält, wenn man fremde Familien betreut. Jedes familiäre Geflecht ist einzigartig und man lernt schnell, alle Menschen erst einmal anzunehmen. Natürlich macht man sich Gedanken, sortiert Menschen in Kategorien und oft sind einige der Beobachtungen treffend. Vieles kann man aber auch gleich wieder verwerfen.

Man analysiert Zusammenhänge und begreift Verhaltensweisen. Die Nähe, welche durch den Einsatz unwillkürlich entsteht, muss mit behutsamer Distanz vermischt bleiben. Es ist wichtig, den Menschen nahe genug zu kommen, um sie zu verstehen und zu helfen. Aber auch genug Distanz zu wahren, um die Abläufe nicht zu stören. Schließlich begleitet man und leitet nicht.

Ich habe begriffen, dass althergebrachte christliche Tugenden nicht die schlechtesten Eigenschaften sind, wenn man sie konsequent lebt und verfeinert. Demut und Dankbarkeit klingen für Euch vielleicht nach ömmeligen Gebetbüchern und kaltem Weihrauch, aber in der Tat sind es zwei wunderbare Eigenschaften, wenn man beruflich mit Menschen umgeht.

Schnell neigt man dazu, sich über Andere zu stellen. Gerade, wenn sie Hilfe benötigen. In Wirklichkeit aber vertrauen sie sich einem an. Und dieses Vertrauen darf man dankbar entgegennehmen. Leider macht diese christliche Grundeinstellung auch verletzbar und man darf nicht vergessen, sich selbst abzugrenzen. Und das ist die Königsdisziplin, wenn man so nah an Menschen ist wie zwischen ihrem Bad und ihrem Sofa.

Unschönes und Unsympathisches

Unschön sind Versuche, die Familienpflege auszunutzen. Ich hatte mal einen Einsatz in einer Familie, der durch eine drohende Plazentaablösung indiziert war. Die Hochschwangere ging heiter täglich tonnenweise shoppen, zusammen mit ihrer sehr fitten Mutter. Und mir schrieb sie auf eine riesige Tafel, was ich alles in der Zeit zu erledigen hätte. Unter Anderem gleich am ersten Tag:

„Keller aufräumen“ und „Alle Fenster im Haus putzen“.

Habe ich nicht gemacht. Ich habe erklärt, dass ich gerne den Ist-Zustand erhalten kann, aber keine Kernsanierung vornehmen soll. Ich bin nicht der Ersatz für eine Putzfrau oder ein Entrümpelungskommando, sondern jemand, der hilft, dass der Alltag weiterlaufen kann.

Wäre etwas wie das Messie-Syndrom der Grund des Einsatzes, hätte ich durchaus beim Keller-Entrümpeln unterstützt. Aber so war mir klar, dass es um Bequemlichkeit ging. Und die drohende Plazentaablösung war vielleicht eher eine Nettigkeit der attestierenden Gynäkologin. Das Baby kam aber am dritten Tag des Einsatzes und ich war wieder weg. Bis dahin habe ich die Socken des Ehemannes nach Farben in die Schubladen sortiert, sie vom Boden aufgehoben und in die Wäsche gebracht, die Kleideretiketten an den Krageninnenseiten plattgebügelt, weil sie ihn immer so sehr kratzten und paranoid das teure Linoleum geputzt, damit es nur ja keine Wasserflecken bekommt.

Ich übernahm mal den Einsatz einer Kollegin, der von acht auf vier Stunden gekürzt worden war. Ich hetzte mich ab, binnen vier Stunden das ganze Haus zu putzen, kochte drei verschiedene Mittagessen (denn die Kinder mochten nicht alle das Gleiche essen. In der Familie bekam jeder ein eigenes Mittagessen), bügelte und putzte die Küchenfenster. Mit einer dicken Schweißperle auf der Stirn fuhr ich danach nach Hause und war froh, der krebskranken Mutter trotz der Stundenkürzung weiterhin alles bieten zu können.

Abends rief meine Einsatzleiterin an und teilte mit, es habe eine Beschwerde gegeben. Ich hätte in einem der beiden Bäder einen Mülleimer nicht geleert und die Mutter habe sich darüber sehr geärgert. Als ich dann wiederum begann, mich sehr zu ärgern meinte sie: „Das kommt immer wieder in Familien mit krebskranken Müttern vor. Auch die Überversorgung aller Familienmitglieder. Die Mütter gehen völlig unter, jeder Andere ist wichtiger. Dann kommt die Krankheit und sie haben nur noch Angst. In dieser Angst werden sie überkritisch mit ihren Mitmenschen. Mehr ist das nicht. Aber ich verstehe, dass du enttäuscht bist.“

So etwas gab es zum Glück eher selten. Man hat Verständnis und dennoch ist man zunächst verletzt. Da hilft es nur, sich zurückzunehmen und die Situation des Gegenübers zu verstehen.

Trotz all der bereichernden und vielfältigen Erfahrungen war dieser Beruf nicht der, den ich ewig machen wollen würde. Als ich später selber wegen meiner Rückenschmerzen (verursacht durch eine Muskelschwäche, die durch die Schilddrüsenerkrankung kam), sagten mir alle drei Berufskolleginnen, dass sie über Kurz oder Lang  aus dem Job aussteigen würden. Insgesamt ist es ein anstrengender Beruf, der einen an die eigenen Grenzen bringt und manchmal auch darüber hinaus.

Eine Kollegin erzählte mir, wie eine Mutter mal bei ihrer ersten Ankunft in der Familie ins Telefon sagte:

„Moment mal, ich muss der Putze mal eben sagen, was sie machen muss!“

Das Aufgabenfeld ist so groß und man wird oft reduziert auf eine Haushaltshilfe. Dabei hat man eine intensive Ausbildung und ein staatlich anerkanntes Examen gemacht. Viele Familienpflegerinnen sind sensibel, kompetent und eine große Hilfe.

Ich habe so viel Dankbarkeit und auch sehr viele Abschieds-Geschenke bekommen – es tat gut zu sehen, wie viel Hilfe man bieten konnte. Aber es war auch immer wieder nervig, zu erklären, dass man nicht da ist, um etwas zu tun, das die Familie selber aus Bequemlichkeit nicht gerne machen möchte. Und seit Jahren nicht gemacht hat (Stichwort Keller).

Wie es kam, dass ich letztlich mit diesem Beruf aufhörte, erzähle ich im nächsten Post zum Thema Familienpflege – falls Ihr noch einen wollt, soll das heißen.

Vielleicht klingen meine Beschreibungen für Euch etwas zu abgeklärt. Das ist quasi die simple Variante des Pathologen, der lässig sein Marmeladenbrötchen isst, während er ein Herz wiegt oder blöde Witze über die Fettleber einer seiner „Kunden“ macht. Man braucht so etwas und auf andere Menschen kann es befremdlich wirken.

Wenn Ihr Euch für die Familienpflege oder meine hier erzählten Geschichten interessiert, dann fragt mich ruhig etwas dazu. Oder teilte Eure Gedanken mit wie immer – ich freue mich.

Ach: Winibald hat inzwischen Abitur und ist ein sehr liebenswerter, hübscher junger Mann geworden, dessen Leben mit seiner Mutter leider recht anstrengend wurde (wie auch für seine ältere Schwester sowie die später noch geborene Schwester) . Die Mutter hat ebenfalls das Borderline Syndrom, wie sich Jahre später herausstellte – und das kann eine Kindheit ja schon mal ein „klein wenig“ anstrengend machen. Ich kenne das ja.

Ich sehe Winibald übrigens immer noch in Ringelstrumpfhosen vor mir. Aus Sturheit, um mich nicht alt zu fühlen.

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22 Gedanken zu “Die Familienpflege: Einblicke, Hintergründe, Erfahrungen

  1. Super spannend, dass alles zu lesen. Deine Beschreibungen lösen viele verschiedene Dinge bei mir aus. Verständnis, Erschrecken, Unglauben, Mitgefühl, Demut und noch so viel mehr.
    Ich wünschte die Familie meiner Stiefmutter hätte eine solche Hilfe gehabt. Denn auch, wenn mit Pflege zu Hause und einer Krankenkassen bezahlten Haushaltshilfe viel geleistet wurde, so war die 16 jährige Tochter mit ihrer krebskranken Mutter alleingelassen. Sie fiel bei all dem hinten raus. Und hat trotzdem ihr Abi geschafft.

    Von meiner Seite aus würde ich gerne mehr lesen. Weil es einfach auch zu wenig Erfahrungsberichte gibt im Netz.
    Freu mich so sehr über diesen Bericht ❤

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    • Gerne schreibe ich noch mehr zum Thema Familienpflege.
      Ein Teenager, der mit der bedrohlichen Krankheit seiner Mutter konfrontiert ist, steht unter enormer Belastung. Bewundernswert, dass sie sich dennoch auf sich und ihr Abitur konzentrieren konnte. Vielleicht half ihr genau diese Konzentration auch ein wenig.

      Eine Familienpflegerin fängt viel von diesem Druck und der Belastung ab und kann sicherlich eine gute Unterstützung sein. Aber auch sie geht nach einer gewissen Stundenzahl nach Hause und die Probleme bleiben bestehen und müssen von der Familie bewältigt werden. Das ist wirklich eine sehr schwierige Situation, wenn eine Mutter an Krebs erkrankt. Nicht nur, weil sie eben krank ist und „ausfällt“, sondern weil der Ausgang so oft ungewiss ist und so viel Angst in der familiären Atmosphäre ist.

      Der Alltag erscheint im Angesicht einer so bedrohlichen Krankheit oft fast lachhaft. Aber er ist es auch, der durch die Routine immer vorwärts führt. Und genau da sollte Familienpflege einsetzen.

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  2. Ein sehr spannender Bericht aus einem anscheinend sehr vielseitigen Beruf. Jetzt weiss ich auch, warum ich Deine Texte sehr gern mag. Dahinter steht sehr viel Lebenserfahrung und auch sehr viel Mitgefühl. Abgeklärt fand ich diesen Text gar nicht. Man spürt, dass Du wirklich eine Hilfe gewesen sein musst, weil Deine Einstellung den Menschen gegenüber stimmte.

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    • Lieben Dank für dieses schöne Feedback ❤

      Ich hatte einfach befürchtet, dass es ein bisschen abgeklärt wirkt, weil man sich so einen bestimmten Umgang mit den an sich belastenden Themen angewöhnt. Ich freue mich, wenn das nicht so war 🙂

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  3. ich stimme allen Vorkommentatoren zu, spannend, interessant. Ich hatte gar keine Ahnung, wie umfangreich eine solche Arbeit ist. Es erklärt wirklich Deine anderen Beiträge in Deinem Blog. Du kannst ja auf so viele Erfahrungen zurückgreifen! Faszinierend!

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  4. Ich wusste bisher nichtmal, dass es einen solchen Beruf gibt. Ich finde das auch total spannend und würde mich über weitere Berichte freuen.

    Und ich bin bei kinder unlimited: man merkt, woher deine abgeklärte, gelassene, buíndungsorientierte Art mit deinen Kindern kommt. Bisher hab ich das immer auf deine familiäre Vorgeschichte geschoben, aber ich denke, diese Ausbildung mit all ihren Erfahrungen hat sicher auch einen großen Teil dazu beigetragen. Spannend!

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    • Es ist immer gut zu wissen, dass es Familienpflege gibt, finde ich – man weiß nicht, wann man sie mal brauchen könnte 😉
      Freut mich jedenfalls sehr, dass der Artikel für Dich so interessant und spannend war.
      Ich denke inzwischen auch, diese Arbeit hat mich geprägt und wenn sie auch anstrengend war und ich den Beruf an den Nagel gehangen habe, dann war sie dennoch bereichernd.

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  5. Vielen Dank für den Bericht. Ich war mir bisher auch nicht wirklich bewußt, dass es so etwas wie die Familienpflege überhaupt gibt. Und ich würde da auch gern noch bissel mehr zu lesen…

    Alles Liebe ♥
    Nadine

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  6. Ich finde deinen Bericht super! Ich finde ihn auch nicht zu abgeklärt! Mir reicht die Spitze vom Eisberg meist schon, um komplett weichgespült zu werden. Ich kann mich je nach Sympathie schlecht abgrenzen. Ich habe zwei Jahre an einer absoluten Brennpunktschule (Grundschule) gearbeitet und da auch so einiges mitbekommen, ohne jemals das zu Hause der Kinder betreten zu haben. Ich hatte immer einen guten Draht vor allem zu den „schwierigen“ Kindern, aber es ging mir zu nah. Ein Erstklässler meldete sich mal in der ersten Stunde und erzählte mir dann beinahe beiläufig, dass der Papa die Mama am Vortag verprügelt hatte und ihn gegen die Wand geworfen etc pp. (Polizei war schon in der Familie und ab dem Tag durfte der Vater sich nicht mehr Mutter und Kind nähern)…Ich behielt nach außen die Ruhe. Später zu Hause hab ich geheult wie ein Schlosshund. Sowas kam ständig vor. Das ist ein Punkt, der mich interessieren würde: Wie schafft man es Abstand zu halten? Ist das auch Teil der Ausbildung? Was ist mit Familienpflegerinnen, die auch mal die Abgrenzung nicht schaffen, oder etwas besonders Schlimmes erlebt haben? Gibt es da Unterstützung? Oder gar eine regelmäßige Supervision?
    Auf jeden Fall ein toller und wichtiger Beruf! Lg

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    • Liebe Bea,

      die Abgrenzung ist immer mal wieder schwierig. Genau wie Du sagst: Bei Sympathie noch schwerer.

      Man lernt wirklich, sich auf Distanz zu halten, aber selbstverständlich wird man nicht zu der Art „voll abgeklärten Drill-Sergeant“, der man manchmal gern wäre oder sein müsste.
      Das Thema „Nähe und Distanz“ ist ein Bestanteil der Ausbildung. Sich gesund abzugrenzen gilt als Grundvoraussetzung. Aber die Tür zuzumachen und zu hören, wie dahinter Kinder angebrüllt und verprügelt werden – das ist nichts, das man einfach abtut. Man muss richtig brutal zu sich sein und sagen „Mir jetzt egal. Feierabend.“ Und das, ganz ehrlich, gelingt einem nicht wirklich.

      Es gibt, wie Du vermutet hast, eine regelmäßige Supervision. Das ist eine gute und nötige Unterstützung.

      Aber ich bin aus dem Job ausgestiegen, weil mir letztlich die Abgrenzung nicht mehr gelungen ist – darüber werde ich demnächst noch schreiben.

      Liebe Grüße 🙂

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  9. Danke fuer den Bericht! Ich bin gerade am Überlegen ob ich eine Ausbildung zur Pflegehelferin mache.Dein Bericht hilft mir ein wenig,mehr über die Tätigkeiten des Berufes zu wissen. Danke!

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    • Liebe Amie,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Freut mich, wenn mein ehrlicher Einblick Dir weiterhelfen kann. Der Umgang mit Menschen, besonders wenn er so intim wie im eigenen Haushalt der zu pflegenden Personen ist, fordert viel von einem. Aber man bekommt in der Regel auch sehr viel zurück. Viele Erfahrungen und sicher auch Dank. Ich habe sehr viel gelernt damals.

      Liebe Grüße 🙂

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  10. Hallo!
    Meine Schwester verlor letztes jahr ihren Mann bei einem unfall. Er hinterließ fünf Kinder , darunter die zwei jüngsten mit 3 und 11 Jahren. Auch sie bekam Unterstützung von einer familienpflegerin. Bis dahin wussten wir garnicht das es sowas gibt. Ich fand das so toll wie diese Frau meiner Schwester unter die Arme gegriffen hat , das ich nun selber in der familienpflege tätig bin. Vorerst ehrenamtlich, möchte aber fest mit einsteigen 😊

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    • Liebe Manuela,

      mein ganz aufrichtiges Mitgefühl zum Tod Deines Schwagers. Wie schlimm, so unerwartet einen Angehörigen zu verlieren.

      Ich habe auch Familien in Trauersituationen kennengelernt und eine Kollegin, die eine Zusatzausbildung als Trauerbegleiterin gemacht hat, betreute sie oft.

      Der Beruf der Familienfplegerin ist im Grunde wirklich wichtig und schön. Ich bin sehr froh, wenn es mehr „Kolleginnen“ gibt, die von Herzen gern arbeiten und vor allem engagiert dabei sind.

      Du möchtest also die Ausbildung zur Familienpflegerin machen?

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