Last Minute Bastel-Ideen gesucht?

Klar, Halloween ist nicht überall beliebt und nicht bei jedem.

Ich bin ja ein Verkleidungs-Fan und mag diesen Aspekt daran und auch Themen rund um Schauergestalten wie Vampire, Zombies und Co liegen mir. Dieses Jahr bin ich aber auf keiner Halloween-Party eingeladen – auch wenn ich schon einige sehr tolle erlebt habe und großartige Kostüme sehen konnte.

Ich bekam jedenfalls den Tipp zu richtig schönen Bastelideen, für die man fast gar keine Zutaten kaufen muss. Drucker anwerfen, ausdrucken, kleben und fertig.

Das bekam sogar ich in meinem vollen Terminkalender hin.

Hier das Ergebnis:

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Hier noch mal in der Großaufnahme:

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Ich dachte, es ist nett, wenn ich morgen schon alle 5 Minuten aufspringen muss, um kiloweise überflüssiges und ungesundes Teufelszeug wie Zucker und Fett zu verteilen, dann soll beides wenigstens schön verpackt sein.

Die Vorlagen sind gratis und ich habe sie hierher:

http://www.wayfair.de/tipps-und-ideen/Kostenlose-Downloads-f%C3%BCr-Halloween-E9747

Das hier ist keine Werbung und ich erhalte dafür keine Kohle. Hab‘ aber nette Bastelvorlagen. Und darauf kommt es doch an, ne? 😀

Studieren mit Job und Kindern? Das geht schon, aber …

So einen schnieken Schreibtisch hatte ich als Student noch nicht.

So einen schnieken Schreibtisch hatte ich als Student noch nicht.

Mittlerweile erscheint es mir zwar wie eine weit entfernte Vergangenheit, aber es gab mal eine Zeit, in der ich einen erheblichen Anteil meiner Wachphase mit institutionalisiertem Lernen verbracht habe. Also möchte ich dem Aufruf folgen und auch einen Beitrag zur #LernenFamilie-Blogparade leisten.

Fangen wir mal von vorne an.

Vor 13 Jahren hatte sich ein Teil meines Studiums gerade als Sackgasse herausgestellt, als Ms. Essential schwanger wurde. Ich hatte damals Technische Redaktion an der RWTH Aachen studiert – musste mir aber nach ein paar harten Semestern eingestehen, dass es für den Mathematik-Part davon bei mir einfach nicht reichte. Auch wenn ich immer ganz gut rechnen konnte. Also musste ich umsatteln und hatte damals – mit fast 24 Jahren – gerade mal das Grundstudium in der Tasche. Das Grundstudium war so was wie der Bachelor, nur ohne Vorteile. Das Grundstudium qualifizierte einen zum Weiterstudieren und sonst zu nix.

Gleichzeitig hatten verschiedene Entwicklungen dazu geführt, das Ms. Essential in ihrem Beruf als Familienpflegerin nicht mehr arbeiten würde. Wir befanden uns damals finanziell gesehen zwar nicht in einer Sackgasse, aber in einer Sinuskurve irgendwo weit unten.

Ich beschloss, mein Studium zwar weiterzuverfolgen, musste aber nebenher ziemlich viel arbeiten. Zum Glück hatte ich die ersten paar Jahre meines Studiums nicht komplett verschwendet, sondern mir ein paar Referenzen zugelegt, die es mir ermöglichten, zuerst als Texter und später als Marketingberater ein bisschen was zu verdienen. Das ging auch sehr gut los – ich fand eine Web-Agentur, die großen Bedarf an suchmaschinenoptimierten und dennoch lesbaren Texten hatte (damals war das noch mehr ein Widerspruch als heute) und mich mit regelmäßigen Aufträgen versorgte. Die gar nicht mal so schlecht bezahlt waren. Der große Vorteil: Ich konnte bei freier Zeiteinteilung von zuhause aus arbeiten.

Also legte ich meine Seminare an der Uni auf möglichst wenige Tage und wurde Dauergast bei Blockseminaren, um möglichst viele Tage für die Arbeit freizuhaben. Für Vorlesungspausen kaufte ich mir ein Notebook (aua, das tat weh im Portmonee) und gewöhnte mir an, für diese Zeit abends zuhause vorzurecherchieren. Mobiles Internet, das gab es ja noch nicht, und falls doch, konnte ich es mir nicht leisten. Ich suchte mir ein paar Ecken an der Uni wo es Strom gab und textete in den Pausen so vor mich hin.

Leider veränderte sich der Markt ein wenig und ich hatte mich zu sehr auf meinen Dauerkunden verlassen. Mittlerweile hatte Nummer 2 sich angekündigt und wir hatten eine größere Wohnung bezogen die wir uns nach meiner Kalkulation durchaus erlauben konnten. Die Kosten stiegen an, aber in einem Maß, das mich ursprünglich nicht beunruhigte. Ich wusste ja recht gut, was ich mit welchem Zeitaufwand verdienen konnte, und meine Noten waren auch in Ordnung …

Bis mich eines Abends der Geschäftsführer meines wichtigsten Kunden anrief und mir mitteilte, dass sie meine Arbeit zwar sehr schätzten, mir aber aufgrund einiger Änderungen im Suchalgorithmus nur noch die Hälfte von dem zahlen konnten, was sie mir bis jetzt gezahlt hatten.

Bämm. Da hockten wir also, in einer Wohnung, die wir uns plötzlich nicht mehr leisten konnten. Ich entmottete mein Fahrrad, um zukünftig kostengünstig zum Bahnhof zu fahren und per Semesterticket zu pendeln. Ms. Essential kurvte derweil mit einem billigen Kinderwagen durch unseren Vorort und kaufte im Schlecker Babygläschen ein, um ein kostengünstiges Ziel für den täglichen Spaziergang zu haben.

Ich begann an einer Exit-Strategie zu arbeiten, um nicht dauerhaft an diesen Kunden gebunden zu sein, und suchte mir ein paar weitere kleine Kunden sowie einen Studentenjob im Wissenschaftsministerium. Leider waren diese ganzen Tätigkeiten weitaus schlechter bezahlt als meine ursprüngliche Arbeit – so dass ich immer mehr Zeit aufwenden musste, damit das Geld halbwegs stimmt. Ich bat meine neuen Auftraggeber bei den Abrechnungen mogeln zu dürfen, damit ich nicht permanent über die einem Studenten erlaubten 20 Stunden pro Woche kam. Ich glaube in einigen Wochen hatte ich damals einen Vollzeitjob und daneben ein Vollzeitstudium.

Neben dem Geld hatte ich vor allem eine Sorge: Ich dachte mir, da sind zig tausend intelligente Menschen mit Dir an der Uni, die alle viel mehr Zeit auf ihr Studium verwenden können. Deine Noten werden jetzt total absacken, weil Du viel zu wenig Zeit in Dein Studium investierst. Soziale Kontakte an der Uni hatte ich schon lange nicht mehr, also wurschtelte ich mich so im Alleingang da durch, bis auf einige wenige Gruppenprojekte.

Zu allem Überfluss wurde die Leiterin der Pressestelle, in der ich damals aushalf, auch noch gefeuert. Nach einer gewissen Karenzzeit, in der ich die Pressetelle alleine schmiss, vergab das Unternehmen den Auftrag an eine Agentur und ich verlor ebenfalls meinen Job. (Okay, einen meiner Jobs …)

Als ich damals abends mit Ms. Essential sprach, gab sie mir einen folgenschweren Tipp: „Du solltest diese Agentur anrufen und fragen ob die nicht jemanden brauchen, der sich mit diesem Unternehmen sehr gut auskennt. Vielleicht nehmen die Dich ja.“

Ich hatte zwar mordsmäßig Bammel – aber ich tat es. Die Agentur stellte mich in der Tat vom Fleck weg ein, übernahm mich nach dem Studium und rechnete mir sogar meine zahlreichen Nebentätigkeiten als Volontariat an. Bevor es aber soweit kam musste ich ja auch nochmal irgendwann mein Studium abschließen. Zu diesem Zeitpunkt feilschten Ms. Essential und ich um den Zeitpunkt für Nummer 3. Sie wollte gerne alle Kinder bekommen haben ehe sie 30 war, ich wollte wenigstens ein einziges Kind ordnungsgemäß bekommen nachdem ich mit dem Studium fertig war. Am Ende koordinierte ich meine Prüfungstermine mit dem Geburtstermin. Meine späte Rache: Nummer 4 haben wir bekommen als ich nicht nur ordentlich mit dem Studium fertig war, sondern auch deutlich mit Mitte 30. 😀

Als ich schließlich meinen Abschluss in der Tasche hatte und nach all den Jahren der Dreifachbelastung auch noch meinen Doktortitel machen wollte, machte mir das Leben einen Strich durch die Rechnung.

Was ist jetzt die Moral von der Geschicht? Ich denke es hat sich gelohnt, das Studium trotz aller Mehrbelastung durchzuziehen. Trotzdem hat es mich und meine Familie auch etwas gekostet. Ich habe nie wieder die ersten Monate eines Kindes so intensiv erlebt wie bei Nummer 1. Nummer 2 und 3 sind mehr so mitgelaufen, und erst jetzt als „später Vater“ von Nummer 4 erleben ich diese Phase wieder etwas bewusster. Dennoch sehe ich den Junior deutlich weniger als früher Nummer 1. Allein die zahlreichen Geschäftsreisen machen mich zuhause oft eher zu einem Gast denn zu einem vollwertigen Familienmitglied.

Weiterbildung neben Familie und Beruf ist nichts, was man so nebenher erledigt. Andererseits: Mindestens ein Elternteil wird ohnehin die gesamte Kindheit des Nachwuchses Vollzeit arbeiten, da kann man ja wenigstens dafür sorgen dass es ein qualifizierter Job ist, oder?

Beruflich hat es sich für mich mehr als gelohnt – ich habe einen spannenden Job, wir kommen mittlerweile ganz gut aus und ich bin seit kurzem auch noch Gastdozent an einer Hochschule. Wäre schwer geworden ohne eigenen Abschluss …

Schön schrecklich und schrecklich schön – eine Fotogeschichte

Vor einigen Monaten hatte ich meine (nicht ganz ernst gemeinten) Ängste vor dem Sommerurlaub mitgeteilt.

Nun ist unser Haus (fast) fertig. Es hat über ein Jahr gedauert. Ja, wirklich. Und dabei war dies der zweite Wasserschaden in diesem Haus. Der erste wurde renoviert, während ich hochschwanger mit Nummer 4 im (mit Küchenmöbeln und Hausaufgaben machenden/spielenden Kindern vollgestopften)Wohnzimmer hockte, während nebenan Stunde um Stunde das Parkett geschliffen wurde. Bschschschsch ….

Jedenfalls kamen wir nach unserem schönen Sommerurlaub im noch schöneren Frankreich, den wir in einer herrlichen antiken Wassermühle verbrachten, in ein wirklich fieses Setting zurück:

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Das sieht ja noch einiger Maßen harmlos aus, aber die nächsten Fotos zeigen, was aus dem Haus wurde, als die Instandsetzungfirma kam. 

Das Haus stank wie eine uralte Sauna nach nassem Holz. Es waren bereits Wände abgerissen worden, Teile aus dem Unterboden herausgesägt, Toiletten abmontiert und so weiter.  Neben dem großen Schaden am Haus selber, waren übrigens  auch Jacken, Mäntel, Bücher und Mützen nass geworden und verschimmelt, sehr ärgerlich.

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Das Trocknungsgerät als eines von mehreren, die rund um die Uhr liefen. Das Brett im Hintergrund war der „professionelle“ Kinderschutz vor einem tiefen Loch im Boden …

Wir konnten das Haus nicht bewohnen, da man den Strom wegen der Feuchtigkeit nicht einschalten durfte. Also zogen wir zu Mister Essentials Vater, 30 Minuten weit weg auf der anderen Rheinseite. Allesamt. Mit Baby.

Mein Schwiegervater nahm uns allerdings sehr gerne auf und es gab null Spannungen oder so. Er nutzte, nach Absprache mit uns, die Gelegenheit, endlich einen Wanderurlaub spontan zu starten, entlang einer Route, die er sich seit Jahren als Ziel gewünscht hatte. Es war ja nun jemand für Katze und Haus da. Nach der ersten Urlaubswoche kam er sehr glücklich wieder und meinte, er wüsste noch etwas, wo er ein paar Tage hinwollen würde. Also ging er wieder on Tour.

So hatten wir ein ganzes Haus für uns, es waren noch (!) Ferien und wir genossen es, in unserer „alten Heimat“ zu sein, in der Nummer 2 geboren worden war.

Allerdings mussten wir zwei Mal täglich nach Hause fahren. Einmal morgens, um die Eimer der Trocknungsgeräte zu leeren, die Katzen zu füttern und das gleiche abends noch mal. Morgens erledigte das Mister Essential auf dem Weg zur Arbeit und ich fuhr dann im Laufe des Nachmittages, während Nummer 4 schlief.

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So schön sah unser Flur aus … ich frage mich, wieso einige der Fotos aus dieser Zeit so verwackelt sind. Vielleicht zitterten meine Hände immer vor lauter Gram?

Und weil ein Unglück selten allein kommt:

Eines schönen, sonnigen Nachmittags bemerkte ich, dass Kater 1 die Brust verletzt hatte. Bei genauem Hinsehen war es eine zentimetertiefe – und lange Wunde, die da in der Brust klaffte. Nummer 4 war mitgefahren, müde, hungrig und quengelig und so bat ich Mister Essential, sich um den Kater zu kümmern. Er brachte ihn abends in eine luxuriöse Tierklinik – da hatten nämlich alle Tierärzte schon zu. Die Klinik war sehr gut und sauteuer. Das Zusammennähen des Katers hat über 900 Euro gekostet. Das halte ich ihm seitdem immer wieder vor, wenn er mich nervt.

Wir ließen ihn zuerst nach der Abheilung wieder in unser Haus und sahen täglich nach ihm, versorgten die Wunde. Diese begann aber leider zu eitern und so ging es noch mal für 126 Euro in das Luxusziel.

Das operierte Tier musste mitsamt seiner Halskrause zum Opa, es wurde im ausgebauten Dachstudio untergebracht, um Ruhe zu haben. Nummer 2 schlief bei ihrem Lieblingskater.

Dann meldete sich der (in der gleichen Stadt wohnende) Stiefsohn von Mister Essentials Cousin an, der sich mitsamt seinem ADHS auch dort einquartierte. Er ist mit Nummer 2 befreundet und die beiden wollten die Gelegenheit nutzen, wenn sie schon mal eine Zeit lang in der gleichen Stadt wohnten. Ich wollte das nicht, weil ich wirklich eher Ruhe brauchte, an dem Tag fühlte ich mich eh nicht besonders. Aber ich konnte nicht nein sagen. Mein hilfloses: „Ach, was soll’s? Ich bin eh schon fertig mit den Nerven …“ als Antwort auf die obligatorische Frage seiner Mutter „Ist dir das denn nicht zu viel?“ interpretierte diese als Zustimmung und schickte den Knaben vorbei.

Nachts um halb 4 wurde ich wegen Gepolter wach – das Studio war direkt über dem Schlafzimmer. Es rumorte, ich hörte Stimmen und zwischendurch ein Miauen. Schnell war ich aus dem Bett.

Der Junge hatte begonnen, das Trainingsrad meines Schwiegervaters zu benutzen und flippte irgendwie flummigleich durch das Dachzimmer. Ich wiederum flippte aus, so laut man eben ausflippen kann, wenn man neben der Tür steht, hinter der ein Baby schläft. Er klagte, er habe nun Angst vor mir und ich knurrte nur lakonisch: „Nicht genug, mein Freund. Nicht genug!“

Weil ein Unglück … und so weiter

Ich war am Abend mit seltsam schnellem Puls sorgenvoll eingeschlafen und wachte mit demselben auf. Ich benutzte das Blutdruckmessgerät meins Schwiegervaters und sah, dass es Zeit für einen Arzttermin war, den ich nach weiteren sieben Tagen wahrnehmen konnte. Das hämmernde Herz fand ich in der Zwischenzeit ziemlich schaurig. Vermutlich durch meine damals noch aktivere Angsterkrankung noch wesentlich schauriger, als ich es ohnehin gefunden hätte.

Inzwischen waren die Ferien fast vorbei und wir mussten organisieren, wie die Kinder in die Schulen kommen sollten. Das übernahm der Opa, ich holte sie dann ab. Klar, sie kamen zu unterschiedlichen Zeiten und das autofahren-hassende Baby musste immer mit, denn das konnte ich nicht alleine beim Opa lassen. Eine schöne Zeit. Die Kinder guckten sich im Haus betrübt um.

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Wer kann schon von sich behaupten, ein Klo mitten im Flur zu haben, hm? Diese Toilette wurde aus dem Gäste-WC ausgebaut, da der Boden dort aufgerissen werden musste. Es stand recht lange in unserem Flur …

Wir durften aber zum Glück eine Woche nach Schulbeginn einziehen. In den gefühlten Rohbau. Zuvor hatten wir noch ganz gestresst nach einem Ferienhaus in unserer kleinen Stadt gesucht, in das sechs Personen mit Baby passten – Fehlanzeige. Dann kam es doch hin, dass wir zurück konnten. Inzwischen hatte Nummer 4 begonnen, endlich durchzuschlafen, was wenigstens ein kleiner Lichtblick in dieser Lebenssituation war.

Im Chaos ging das Leben weiter

Es gab im offen gebauten Untergeschoss nur noch zur Hälfte Parkett, darunter befinden sich OSB-Platten. Ja, diese splittrigen Dinger. Auf denen lernte Nummer 4 krabbeln. Mit im Sommer noch kurzen Hosen. Beziehungsweise wir mussten ihn jedes Mal, wenn er das Parkett krabbelnd verlassen wollte (am Übergang vom Wohnzimmer in den Flur), sofort schnappen und zurücksetzen, denn er hätte sich die Knie zerschrammt auf dem Untergrund.

Es standen zudem noch überall Nägel aus dem Boden und auch aus den Wänden ragten Halterungen von Holzverkleidungen. das lange, einteilige Treppengeländer wurde für ein Jahr mitten im Gästezimmer geparkt. Die Arbeiter hatten es einfach quer in den oberen Flur gelegt. Da dieser damit zur Stolperfalle geworden war, bugsierten wir das elendig lange Teil mühsam woanders hin.

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Bloß nicht beim Treppensteigen berühren: Spitze Halterungen der einstigen Holzverkleidung

Die ärztliche Diagnose erklärte mir dann immerhin, wieso ich schon im Urlaub während eines Ausflugs gedacht hatte, ich würde umkippen: Schilddrüsenüberfunktion durch eine Autoimmunerkrankung. Also runter vom inneren Gas und schnell mal gründlich in mich hineinhorchen, was mit mir nicht in Ordnung war. Die Krankheit drückte schließlich etwas aus, dem ich nachgehen musste. Mitten im Durcheinander. Das also auch noch.

Ich stellte meine Ernährung binnen weniger Tage auf „nicht-inflammatorisch“ (um keine weitere entzündlichen Reaktionen des Körpers zu unterstützen) um und ernährte mich erst einmal Monate lang nach Rezepten aus der Paleo-Küche. Gluten ließ ich ganz weg (bis heute esse ich das nur in ganz kleinen Mengen), sowie Milch und einige andere Lebensmittel. Dazu ließ ich mir von einem sehr guten und bewanderten Freund erklären, was da wohl gerade in mir – ganz tief – vorging. Es drehe sich um das Thema „Mangelnde Selbstliebe“ – okay. Das traf ziemlich in’s Schwarze und ich hatte Einiges an mir und meinem Umgang mit mir umzuwälzen. Dies war ziemlich anstrengend, schenkte mir aber bald auch Energie.

Dieses Chaos um mich, dieses Unfertige belastete mich allerdings. Zudem noch die ganzen Fremden, die tagtäglich in meinem Haus waren. Und die zu spät kamen oder zu früh. Oder manchmal gar nicht. Monat um Monat verging und ich war wirklich ziemlich angekotzt. Auch das positive Mantra: „Hinterher ist alles schöner als vorher, hinterher …“ war irgendwann abgenutzt.

Die einen Handwerker nervten mit irgendwelchem Gerede von „Oh-oh, das sieht gar nicht gut aus …“. Die anderen machten Fehler, die sie dann auf andere schoben und so weiter. Aber es gab auch einen sehr guten Trupp idealistischer Maler, die sich des Hauses annahmen und immer wieder mit guten Ideen kamen. Sie suchten nach den perfekten Fußleisten (hohe, weiße Altbauleisten mit Profilierung), empfahlen Farbtöne und waren interessiert. Vielleicht aus tiefem Mitleid mit mir – ich weiß es nicht. Man war sich jedenfalls sympathisch und duzte sich irgendwann, erzählte Privates. Klar, sie gehörten ja auch langsam zur Familie …

Wundervoll war weiterhin unser Bad. Das zuerst nach der Heimkehr so ausgesehen hatte (man beachte weniger die Tiefkühlschrankschubladen, die in der Wanne standen, weil natürlich durch den abgeschalteten Strom alle Tiefkühlkost verdorben war und die Dinger irgendwo gereinigt werden mussten, sondern den Boden):

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Dann später so:

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Das war mal die Dusche

Zum Glück hat unser Haus eine Einliegerwohnung, zu der wir einen Durchbruch machten, als wir das Haus kauften. In dieser, durch eine Tür vom Esszimmer getrennten, Wohnung befindet sich ein Schlafzimmer (Mister & Misses Essentials), ein Bad und ein Wohnzimmer. Ohne das zweite Bad hätten wir unser Haus wohl ein Jahr lang nicht bewohnen können.

Die Wiederherstellungsmaßnahmen waren umfangreich

  • Die gesamte Balkendecke des Untergeschosses wurde weiß lackiert, da die Wasserflecken das Naturholz geschwärzt hatten.
  • Die Holzwände wurden wieder eingezogen und tapeziert
  • Die Wände im Treppenaufgang, dem Flur, der Küche und dem Wohnzimmer wurden allesamt einheitlich gestrichen. In Weiß und Grau.
  • Neues Parkett wurde verlegt
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So heimelig war es während das Parkett verlegt wurde – dafür aber entschädigte der wunderschöne Farbton „Honig-Eiche“ sofort.

Die (schimmelnde) Treppe wurde komplett entfernt und erneuert. Vorher:

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Und nachher:

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Hier ist dann auch schon tapeziert und gestrichen, sowie das Geländer angebracht

Das Bad wurde komplett wieder aufgebaut.

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Währenddessen kam es wieder zu einem Vorfall mit Wasser (ja, echt wahr …):

Unser sehr kompetenter Trockenbauer, der das Bad machte, bat irgendwann Nummer 2, ein Handtuch von unten zu holen. Von unten rief sie zu uns hoch:

„Äh, Mama, ich will es eigentlich nicht sagen, aber hier tropft Wasser durch die Flurdecke …“

Wir rannten runter und sahen es: Es wurde immer mehr. Wir retteten mit Regenschirmen über uns die Klamotten aus der Garderobe, stellten Töpfe und Schüsseln hin, um das neue Parkett zu schützen und legten Handtücher, Laken und Lappen aus. Stellten den Hauptwasserhahn ab. Aber es tropfte weiter. Wir riefen den Haustechniker, der sofort kam und währenddessen riss der Trockenbauer den Holzunterboden im Bad auf, um zu sehen, was die Ursache war.

Es war Folgendes:

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Bei den Aufbauarbeiten hatte ein Handwerker in ein Heizungsrohr geschraubt. Klar, die Schraube war auch etwas lang, wie man hier im Querschnitt sieht …

Der Schaden wurde beseitigt, Töpfe gespült, Handtücher gewaschen und so weiter. Richtig lustig fand ich das dann aber nicht mehr. Andererseits: So ein kleines Bisschen regen mitten im Haus konnte mich auch nicht mehr wirklich schocken …

Der Boden wurde verschlossen, die Instandsetzungfirma informiert (die hatten den Zimmerregen nämlich verursacht und entschuldigten sich tausend Mal mit „Ausgerechnet bei ihnen muss das passieren!“) und es ging weiter.

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Natürlich gab es dauernd etwas, das nicht passte oder kaputt ging und so weiter – aber das ist ja Baustellen-Normalität.

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Dann wurde der Waschtisch vom Möbelschweden geliefert und aufgebaut – beides auf Versicherungskosten, da der alte Waschtisch (aus Holz) völlig unbrauchbar geworden war. Hierbei stellte sich der Mitarbeiter als fraglich kompetent heraus, baute alles nur halb auf und Mister Essential und ich mussten den Rest machen.

Er hatte auch noch einen der Wasserhähne beschädigt, welchen wir reklamieren mussten, um Ersatz zu erhalten – nervig, nervig.

Aber dann war es endlich so weit – das Bad war fertig:

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Zur Erinnerung – vor dem Wasserschaden sah es so aus:

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Wir gönnten uns noch eine Umgestaltung des Wohnzimmers in ein Esszimmer. An die Stelle des Esstisches im Küchenbereich stellten wir eine Kücheninsel mit zwei weißen Barhockern aus Holz.

Vor dem Schaden sah das Wohnzimmer so aus:

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Und danach so (Man beachte auch die Decke und das neue Parkett):

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Bei allen Arbeiten entschieden wir, ganz neue Farben zu verwenden, damit das Ganze den Geschmack einer verschönernden Renovierung bekam. Daher setzte ich auch die Zimmer-Umgestaltung in die Tat um, die mir schon lange vorschwebte.

Anstelle des alten weißen Fernsehregals (das sieht man oben auf dem Chaos-Bild des Wohnzimmers) haben wir einen Arbeitsplatz eingerichtet:

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Und wo ist nun das Wohnzimmer? Wo gibt es Sofa und TV?

Der Fernseher landete an der Wand des Gäste/Näh-Zimmers oben, da wir eh nicht fernsehen und das Ding nur von den Kindern für die Spielkonsole benutzt wird.

Wir hatten schon immer ein zweites Wohnzimmer in der Einliegerwohnung, das Mister Essential eingerichtet hatte und das wir zärtlich die „Men Cave“ nennen. Der Multimedia-Raum mit Beamer, Bar und gemütlichen Sitzgelegenheiten ist nun das Wohnzimmer. Man sieht ihn auf dem Foto oben ein bisschen durch die geöffnete Tür.

Während der geschilderten Maßnahmen im Haus rutschte übrigens unsere, vom Vorbesitzer als „intakt und funktionierend“ verkaufte, Solaranlage vom Dach. Die gefährlichen gläsernen Geschosse machten die Benutzung des Gartens nahezu unmöglich:

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Diese ließen wir auch noch entfernen – die gesamte alte Anlage. Die Solarthermie war zuvor eh schon ausgefallen und vom System genommen worden.

Durch andauernde Verzögerungen, Missverständnisse zwischen Versicherung, Sachverständigem, uns und der Renovierungsfirma dauerte der ganze Spaß wirklich über ein Jahr. 

Aber heute sieht es viel schöner aus als je zuvor. Diese Schönheit wurde natürlich in einer Menge Nerven und auch eigener Bezuschussung an Stellen, die die Versicherung nicht zahlte. Die beiden Versicherungen, Hausratversicherung und Wohngebäudeversicherung waren aber – anders als man es befürchten würde – an einem hochwertigen und sinnvollen Schadensausgleich interessiert. Und das kostete.

Allein die Treppe schlug mit über 3.000 Euro zu Buche. Das Parkett mit rund 4.000 und so weiter … und dann noch das Bad. Hier haben wir am meisten selber beigesteuert, denn die Versicherung zahlte natürlich keine neue Duschtasse und auch nur einen Teil der Fliesen – nämlich den Bereich, den man bei der Schadensuntersuchung zerstört hatte. Dort wollten sie mit Fliesen beistückeln – das aber wollte wir nicht.

Ach so: Verursacht worden war der enorme Schaden übrigens durch einen winzigen Riss in einem Flexschlauch unter einem  der Waschbecken im ersten Stockwerk …

Absolvierter Präventionskurs zum Thema „Sexualisierte Gewalt“

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Im Rahmen meiner Vorbereitung auf die Aufgabe als Katechetin habe ich an einer verpflichtenden Veranstaltung teilgenommen.

Innerhalb der katholischen Kirche gibt es durch die Missbrauchsfälle nun Präventionsmaßnahmen, an denen jeder teilnehmen muss, der mit Kindern arbeiten möchte.

Dazu gibt es einen Basis-Kurs, der entweder 3 oder 6 Stunden dauert – je nachdem, wie intensiv die Zusammenarbeit mit den Kindern sein wird. Beispielsweise Hausmeister*innen in Grundschulen, Küchenhilfen in Kindergärten, Katechetinnen und andere Menschen mit eher sporadischem Kontakt absolvieren den kürzeren und alle anderen den intensiveren Kurs. Ohne die Bescheinigung, die am Ende ausgestellt wird, darf man kirchenintern nicht mit Kindern arbeiten.

Das fand ich als Reaktion auf den Skandal sehr gut. Wobei natürlich innerhalb der Kirche prozentual nicht mehr Kinder missbraucht wurden als in Sportvereinen, Schulen, Heimen oder bei Ferienfreizeiten.

Die mit Abstand größte Anzahl aller Fälle geschieht innerhalb der Familien und die kleinste Zahl nehmen die fremden Entführer ein. In beiden großen Kirchen gab es gleich viele Missbrauchsfälle. Der Skandal war wohl deshalb so unglaublich empörend, weil man von Priestern und Pastoren ein moralisch hochwertigeres Verhalten erwartet als bei Sportlehrern oder Jugendbetreuern.

Zudem ist die katholische Kirche als Institution ohnehin umstritten oder in der Kritik. Daher kam vermutlich besonders viel Wut und vor allem mediale Aufmerksamkeit bei derselben hoch, als die Fälle bekannt wurden. Der weltfremde Umgang mit sexuellen Themen ist aus meiner Sicht einer der größten Schwachpunkte der katholischen Kirche. Neben der fehlenden Gleichberechtigung für Frauen und einigen anderen Themen. Aber Kirchenkritik ist nicht der Fokus meines Artikels.

Es gibt anscheinend keine andere Institution, keinen Verband oder Verein, der weitreichende Präventionsmaßnahmen anbietet oder dazu gar verpflichtet – das wiederum fand ich mehr als schade.

Da, wie erwähnt, die meisten Kinder in ihren Familien missbraucht werden (über 70 Prozent der Fälle, Dunkelziffer unbekannt), wäre es natürlich wünschenswert, wenn Eltern innerhalb der ersten Lebensmonate eines Kindes geschult würden. Aber das sei hier ebenfalls nicht das Thema.

Worum ging es in dem Kurs genau? Was war das inhaltliche Ziel?

Die Teilnehmer*innen sollten geschult und sensibilisiert werden, um

  • die Grenzen Anderer wahrzunehmen und einzuhalten
  • Anderen (hier: Kindern) zu helfen, wenn deren Grenzen verletzt werden
  • wissen, was zu tun ist, wenn ein Kind sie ins Vertrauen zieht und vom sexualisierter Gewalt berichtet
  • lernen, wo Missbrauch anfängt
  • erfahren, wie man Kinder gegen Missbrauch stärkt und sie davor (so weit möglich) schützt.

Wie wurde das umgesetzt?

Zuerst erhielten wir eine ausgedruckte Geschichte, deren Inhalt ich sehr knapp zusammenfasse:

Ein Mädchen ist verliebt und will zu ihrem Liebsten, doch der wohnt über einen Fluss hinweg. Der Fluss ist voller Krokodile, das Mädchen findet niemanden, der ihm hinüberhilft. Außer einem Mann mit einem Boot, der die junge Frau nur übersetzt, wenn sie zuvor mit ihm schläft.

Das Mädchen bittet seine Mutter um Rat. Diese sagt so ungefähr: „Du bist alt genug, entscheide selbst.“

Daraufhin schläft das Mädchen mit dem Mann, er bringt es an das andere Ufer, wo das Mädchen ihrem Liebsten bedrückt erzählt, was es auf sich nahm, um zu ihm zu kommen. Der junge Mann ist wütend und macht sofort mit ihr Schluss.

Bald darauf findet das Mädchen einen Zuhörer, dem es sein  ganzes Leid klagen kann. Dieser macht sich auf und verprügelt den ehemaligen Liebsten, während das Mädchen von fern zusieht und lacht.

So.

Nun sollten wir von 1 bis 5 alle handelnden Personen der Geschichte auflisten, im Rang nach Sympathie geordnet. Anschließend mussten wir in Kleingruppen eine Einigung für eine gemeinschaftliche Auflistung finden.

Das war in meiner Gruppe unmöglich – dies lag an mir, ich war zu renitent. Es war so, dass ich die Mutter auf dem letzten Platz sah, während die anderen dort den Missbrauchstäter sahen.

Ich sagte, Sympathievergabe geschähe eben auch nach Maßstäben der Moral. Und eine Mutter sollte ihr Kind doch schon genug lieben, um ihm vor allem in so einer bedrohlichen sowie kritischen Situation beistehen. Über den Punkt konnten wir uns nicht einigen und so hatten wir am Ende keine Aufstellung.

Habe mich ein wenig herausgewitzelt und gesagt, dass jenes Mädchen, das derart einem Mann nachhängt, der nicht den Hauch eines Versuchs unternimmt, es zu besuchen vermutlich auf der verzweifelten Suche nach Liebe ist – bei so einer Mutter kein Wunder. Fand nur der Kursleiter richtig lustig. Alle Themenfremderen konnten nicht so richtig bei diesem Thema schmunzeln. Verständlicher Weise. Zudem war die flinke Analyse vielleicht etwas unerwartet.

Der Kursleiter aber fand, diese Herleitung wäre ganz treffend so, wenngleich natürlich spekulativ. Wie auch meine Feststellung, dass der „hilfreiche Freund“ vielleicht eher hätte den Täter verprügeln oder mit dem Mädchen anzeigen sollen, statt den Ex-Freund zu verhauen. Und das er dies wohl tat, weil es der einfachere Weg war, seiner hilflosen Wut Ausdruck zu verleihen.

Eine andere Gruppe las dann ihre Aufstellung vor. Die Mutter war auf Platz 2. Begründung: „Ja, vielleicht hatte sie einfach gerade keine Zeit, kann ja mal passieren.“

Diskussion über die Mutter brach aus, der Kursleiter befragte uns dazu, ich sagte:

„Im Ernst: Meine Tochter kommt zu mir und sagt: Mama, da ist ein Mann, der mich als Gegenleistung für eine Flussüberfahrt missbrauchen will, was soll ich tun? Und ich sage: Das ist doch nicht mein Problem, du bist alt genug.“

Da guckten die Teilnehmerinnen der Gruppe mit der Mutter auf Platz 2 etwas geschockt.

Soweit der Einstieg. Hüstel.

Eingangs hatten wir uns alle vorgestellt und unsere Erwartungen an den Kurs mitteilen müssen. Die Aufmerksamkeit des (lebensnahen und sympathischen) Pastoralrefenten war mir sicher, als ich sagte:

„Ich heiße Miss Essential, ich habe vier Kinder und bin Texterin. Zuvor war ich Familienpflegerin, was sofort zu meiner Erwartung führt: Ich habe zwei Mal im Rahmen einer Tätigkeit für die katholische Kirche einen Missbrauchsfall (außerkirchlich) miterlebt. Niemand hat auf meine Meldung reagiert. Beide Vorgesetzten haben abgewiegelt. Nun erwarte ich zu erfahren, wie ich mich verhalten soll, wenn mir jemals wieder so etwas passiert.“

(Anm.: Ich werde die beiden Fälle in meinem zweiten Artikel zu meinem Beruf als Familienpflegerin beschreiben)

Die Geschichte dient nicht nur dem Einstieg in eine Kommunikation der Teilnehmer*innen über das Thema, sondern auch der Erkenntnis, dass man einen fall nicht so schnell von außen beurteilen kann. Der Täter als solcher beging eine Straftat. das war sicher. Die anderen Verhaltensweisen unterlagen bestimmten Hintergründen, die man nicht kannte.

Niemand außer mir hatte die Mutter als die unsympathischste Person eingestuft. Ich hatte das damit erklärt, dass ich den Straftäter mit Sicherheit als Missbraucher und damit als komplett raus aus Sympathiewerten ansehe. Doch von einem Menschen wie der Mutter hätte ich mehr erwartet als, äh, nichts.

Zuhause wollte übrigens Nummer 2 (11 Jahre) die Geschichte bewerten und ich gab sie ihr. Sie hatte fast die gleiche Aufstellung gemacht wie ich. Aber sie hatte den Liebsten des Mädchens auch ziemlich nach unten geschoben, weil sie fand, er hätte ihr helfen müssen, den fiesen Mann mit dem Boot anzuzeigen, anstatt sie zu verlassen. Das lasse ich mal so stehen. Über den Täter sagte sie:

„Na, der muss das Mädchen ja nicht mögen. Das ist einfach ein kranker Typ. Da erwarte ich nichts Anderes. Aber Mutter und Freund finde ich ganz grausam.“

Wenigstens eine Person fand die Mutter auch gruselig – das beruhigte mich. Einerlei, das ganze war ja keine „Gebt-Miss-Essential-Recht-Show“ und so verlegte ich mich auf’s Beobachten. Von rund 30 Teilnehmern zogen sich körpersprachlich immer zwischen sechs und acht zurück, verschränkten die Arme, zogen den Kopf zurück: Das Thema machte Angst.

Was ist sexualisierte Gewalt?

Nun erklärte der Kursleiter uns sehr genau, unterhaltsam aber auch direkt, was sexualisierte Gewalt ist. Hierzu nannte er Beispiele und wir sollten bejahen oder verneinen, ob wir diese für Missbrauch hielten.

(Beispiele: „Ein Onkel fotografiert seine 15-jährige Nichte am FKK-Strand“, „Vier 16-Jährige Jungs lachen vor Unterrichtsbeginn über die Brüste einer Mitschülerin“, „Ein Gruppenleiter berührt versehentlich beim Tobespiel das Geschlechtsteil eines Kindes“)

Die Gruppe fand schnell heraus, das sexualisierte Gewalt nicht versehentlich passiert und erfuhr im Folgenden, dass Täter sich „voran arbeiten“: Zuerst berühren sie wie aus Versehen den Körper des Opfers, dann intime Stellen, dann gehen sie über zu intimen Handlungen.

Es fehlten in diesem kurzen Kurs hier die Erklärungen: Sexualisierte Gewalt dient den Machtgefühlen des Täters und hat mit Sex ungefähr so viel zu tun, wie jemandem eine Bratpfanne in’s Gesicht zu hauen mit kochen zu tun hat.

Die klassischen Täter(selbst-)lügen könnte man hier auch ergänzen: Es gibt keine Verführungen, mit denen sich Täter gerne herausreden und das Mädchen oder der Junge waren auch sicher nicht kokett oder flirteten schon „wie ein*e Große*r“. Ebenso reden Täter gern sich und anderen ein, dass sie das Kind erfahren in die Welt der Sexualität einführen wollten. Auch dies ist eine dreiste Lüge. Niemand braucht einen Menschen, der einem die eigene Sexualität aufdrängt/aufschwatzt und sich dabei auch noch als dankenswerter Lehrmeister hochstilisiert! Manch ein gestörter Mensch glaubt gar, er führe eine Beziehung mit einem Kind, die irgendwann auf die „nächste Ebene“ gebracht wird, indem es das Kind missbraucht und dies vor sich als einvernehmlich deklariert. Natürlich gehören Verharmlosungen auch dazu: „Das waren nur Zärtlichkeiten“, „Er/Sie ist doch sehr reif für sein/ihr Alter“, „Er/Sie ist doch sooo neugierig auf solche Dinge“ …

Und man erfuhr auch nicht, welche Unterschiede es zwischen Pädophilie und Pädosexualität gibt und ob die Liebe zu Kindern zwangsläufig in sexuelle Gewalttaten übergeht.

Es wurde nicht erklärt, mit welchen Mechanismen der Täter das Opfer mundtot macht oder einschüchtert.

All dies hätte den Rahmen des Basiskurses gesprengt.

Aber wir erfuhren, dass sexuelle Gewalt in einem Macht- und Abhängigkeitsverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen geschieht. Es wurde klargestellt, dass es niemals einvernehmlichen Sex zwischen Kindern oder Jugendlichen und Erwachsenen geben kann. Auch nicht zwischen einem 15-Jährigen und einer 7-Jährigen. Es wurde erläutert, dass sexuelle Gewalt bei verbalen Angriffen beginnt (Beispiel: „Geile Titten, Süße!“) und bis zu einer (einmaligen, mehrfachen, über einen Zeitraum verlaufenden) Vergewaltigung reicht.

Wie macht man Kinder stark?

Zunächst hatten wir eine Pause. In dieser kam schnell ein Gespräch zwischen dem Kursleiter und mir zustande, indem wir uns über das Thema austauschten. Wir kamen zu dem Schluss, dass Missbrauchsprävention etwas wäre, dass ich ziemlich gut machen könnte. Vielleicht werde ich mich diesbezüglich demnächst mal bei ihm melden.

Und so bezog er mich nach der Pause auch sehr mit in den Kursablauf ein. Oft blickte er in meine Richtung und ich teilte etwas mit. Als ich sagte, dass in jeder Schulklasse statistisch gesehen ein bis vier missbrauchte Kinder sitzen, wurde es sehr still. Und die Zahl der über 70 Prozent Missbrauchsfälle innerhalb von Familien machte die Teilnehmenden noch blasser. das tat mir leid, aber mir ist es so wichtig, darüber aufzuklären. Der Kursleiter versuchte, den Teilnehmenden die Angst ein wenig zu nehmen. Ob ihm das gelang weiß ich nicht. Ich versuchte, ihm ein bisschen dabei zu helfen, indem ich sagte, dass man Kinder stark machen kann.

Eine Teilnehmerin meinte: „Und wenn ich meinem Kind nun beigebracht habe, seine Grenzen wahrzunehmen, nützt es dann was, wenn es Nein! sagt, falls ein Nachbar es anfasst?Ich meine, hört der dann damit auf?“

Der Kursleiter dazu: „Vielleicht. Aber mindestens wird ihr Kind es ihnen später erzählen, weil es ganz genau weiß, dass es sich schlecht anfühlte und es das nicht wollte. Stark machen heißt auch, dem Kind seine eigenen Gefühle zugestehen, damit es sich eben nicht einschüchtern oder etwas einreden lässt.“

Er ging dann auf das Thema „Grenzen spüren, respektieren und Kinder stärken“ ein.

Kindern (und ihren Eltern) sollte Folgendes vermittelt werden:

  • Es gibt angenehme und unangenehme Gefühle. Die Gefühle können oder sollen auch ausgedrückt werden. Manchmal gibt es „komische Gefühle“. Die sind zugleich schön und nicht schön.
  • Und wir es zwei Arten von Gefühlen gibt, so gibt es auch gute und schlechte Geheimnisse. Die „schlechten“ Geheimnisse darf man weitersagen, man muss es eigentlich. Das ist dann kein Verpetzen, sondern richtig so. Ein Geheimnis, das ein Kind belastet, darf es jederzeit einer vertrauten Person erzählen.
  • Man darf immer „Nein“ sagen, wenn irgend etwas schlechte Gefühle verursacht.
  • Jeder Mensch hat das Recht auf seinen eigenen Körper. Niemand darf jemanden berühren, wenn der das nicht möchte.
  • Täter*innen (Ja, es gibt rund 2 Prozent Frauen unter den Tätern. Dunkelziffer auch hier unbekannt) kommen oft aus dem nahen Umfeld des Kindes. Das bedeutet, jemand, den das Kind gern hat, verletzt die Grenzen des Kindes.
  • Da wir Erwachsene von sexualisierter Gewalt wissen, sollten wir hellhörig werden, wenn ein Kind etwas Diesbezügliches erzählt.

Was tun, wenn man in Kenntnis eines Vorfalls gelangt?

Wenn ein Kind oder ein*e Jugendliche*e sich einem anvertraut und von einem Übergriff, gleich welcher Art, erzählt, dann ist es sehr wichtig

  • nicht kopflos zu reagieren
  • ruhig zu bleiben und zuzuhören – hierbei den oder die Betroffene*n nicht ausfragen.
  • sich Hilfe über Beratungsstellen und Fachleute zu holen
  • jeden Schritt mit dem Opfer zu besprechen – nicht einfach über dessen Kopf hinweg beispielsweise die Polizei anrufen. Denn diese sorgt sofort für weitere Schritte, die dem Opfer eventuell gar nicht zusagen. So würde schon wieder gegen den Willen des Opfers etwas mit ihm gemacht.
  • nur Angebote zu machen, die man auch einhalten kann: „Ich regle das jetzt für dich! Der wird bestraft!“ ist schwierig, wenn man a) nicht dafür sorgen kann und b) das Opfer dies ja vielleicht so gar nicht möchte.
  • den Täter nicht zu konfrontieren. Hiermit greift man in eventuelle juristische Verfahrensweisen ein.
  • alles vertraulich zu behandeln. Man sollte aber sagen, dass man fachkundige Hilfe einholen will und wird.
  • das Erzählte und seine persönlichen Beobachtungen zu notieren. (Beispiel: “ Am Donnerstag, dem 13. Dezember 20XX kam XY zu mir, war sehr aufgelöst/ängstlich/verschüchtert/betont gut gelaunt und berichtete Folgendes: …“)
  • sich selbst eine Verarbeitung zuzugestehen und tief durchzuatmen, nachdem die ersten Schritte eingeleitet sind. So etwas zu hören ist sehr belastend und man braucht eine ganze Weile, um alles zu verarbeiten. Besonders, wenn einem das Kind sehr gut bekannt ist oder nahe steht.

Diese Vorgehensweise ist sehr gut beschrieben, finde ich. Ganz wichtig ist es, nicht den „Racheengel“ zu spielen oder sofort 110 zu wählen. Wenn das Opfer dies will, dann ist das natürlich richtig und sicherlich eine gute Unterstützung. Aber man sollte jeden Schritt besprechen und abstimmen, selbstverständlich auch mit einem Kind.

Meine Gedanken zum Kurs

Ich bin sehr zufrieden mit dem, was dort erklärt wurde und auch in welcher Art.

Das Thema wurde respektvoll behandelt und auch für absolut Themenfremde sehr gut verständlich aufbereitet. Die hier genannten Informationen habe ich aus den Unterlagen des Bistums Münster. Es gibt Ansprechnpartner*innen (Präventionsbeauftragte) in den Bistümern, die sich um Fälle kircheninterner Verdachtsfälle kümmern. Hier kann jeder Verdachtsmomente mitteilen, der dies innerhalb der Gemeinde nicht tun möchte.

Zudem gibt es eine Stabsstelle Prävention und die Beratungsstelle des örtlichen Caritasverbandes kann ebenfalls helfen.

Nach anfänglichem Schrecken fanden die Kursteilnehmer meine Beiträge zum Thema immer interessanter und ich kam mir nicht mehr ganz so Elefant-im-Porzellanladen-mäßig vor. Also hatten wir irgendwie alle eine gute Dynamik – dies nur als abrundende Info zur persönlichen Seite des Kurses.

Sehr gut fand ich auch die Hinweise darauf, was eine gute Gruppe oder Gemeinschaft auszeichnet:

  • Man fühlt sich angenommen, ehrlich wohl und besucht gerne Zusammentreffen oder Veranstaltungen der Gruppe
  • Die eigenen Grenzen werden respektiert (Beispiel: Wer nicht möchte, wird nicht zur Begrüßung umarmt)
  • Die Gruppenmitglieder unterstützen einander und gehen aufeinander ein
  • Niemand muss sich vor Konsequenzen ängstigen, wenn er seine Gefühle äußert
  • Niemand wird ausgegrenzt, beleidigt, ausgelacht oder auf andere Arten verletzt.

(Anm.: Zuhause stellten die beiden Großen hier rasch fest, dass laut dieser Definition eine Klassengemeinschaft diesen Namen nicht verdient habe.)

Ich nenne im Folgenden noch einige Links zu Internetseiten über die man sowohl Informationen als auch Hilfe beim Verdachtsfall erhalten kann – diese erhielten wir durch den Kursleiter:

www.kein-raum-fuer-missbrauch.de (das ist die Seite des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs)

www.ehefamilieleben.de  (hier kann man Online-Beratung erhalten, eine kirchliche Seite des Bistums Münster)

www.hilfeportal-missbrauch.de (eine weitere Seite des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs)

www.zartbitter.de (Seite de Kontakt- und Informationsstelle Zartbitter e.V. Köln, sehr informativ – behandelt Themen rund um Missbrauch aller Altersstufen vom Kindergartenkind bis zum jungen Erwachsenen, über Zartbitter kann man ebenfalls fachkundige Hilfe erhalten)

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Die Inhalte der Informationen sowie die Fotos basieren auf dem Informations- und Lehrmaterial des Bistums Münster

Liebster Award

Liebster Award

Sonja vom Blog Mamablogtspaeter hat mich für den „Liebi“, wie ich ihn inzwischen nenne, nominiert und dafür danke ich ihr natürlich. Lieb, dass Du an mich gedacht hast ❤

Gern beantworte ich Deine elf Fragen:

1. Wenn du einen Wunsch frei hättest , welcher wäre es ?

Tausend weitere? Weltfrieden? Ein warmes Bad? Ich kann mich einfach nicht entscheiden …
2. Hast du Tattoos ? Wenn Ja , wie viele ?

Nein, kein einziges. Ich habe niemals ein Motiv gefunden, dass ich für immer auf meinem Körper haben würde. das einzige, das ich je in Erwägung zog, wäre eine kleine silberne Distel. Aber ich habe mich dagegen entschieden, dass jemals wirklich umzusetzen. Letztlich will ich nichts so endgültiges mit meinem Körper tun.
3. Was geht dir richtig auf die Nerven ?

Ignoranz, Selbstlügen, Missrespekt.
4. Was bringt dich zum Lachen ?

Mister Essential mit seinem sehr eigenen Humor, den trockenen Witzen und den schmerzhaften Wortspielen.
5. Worin bist du besonders gut ?

In Bescheidenheit 😀

Ich kann Menschen gut verstehen, gut nähen und jemanden zum Lachen bringen, der gerade noch niedergeschlagen war.
6. Hast du schon mal etwas Gewonnen ? Wenn ja , was war es ?

Das Letzte, was ich gewonnen habe, war ein tolles Valentinstagsgeschenk für Mister Essential: Eine Geschenkschachtel, die innen bedruckt war mit: „F*** Valentine’s day – I love you every day“
7. Was ist deine Persönliche Farbe für diesen Herbst / Winter ?

Für beide Jahreszeiten habe ich unterschiedliche Farben für Klamotten und Deko: Im Herbst Orange und Braun, im Winter Weiß und Rot.
8. Turnschuhe oder High Heels ?

High Heels.
9. Wen würdest du gerne mal überraschen ?

Da gäbe es einige. Ich würde sehr gerne mal spontan bei guten Freunden vorbeischneien, die nicht mit mir rechnen. Bei meiner Freundin Concetta zum Beispiel. Und ich habe einen guten alten (nicht wirklich) Freund in Texas, bei dem ich gerne mal Hi! sagen würde.
10. Was ist deine Spezialität beim Kochen ?

Dass ich ohne Abzuschmecken den Geschmack aller (außer Mister Essentials) treffe. Er würzt oft nach. Die anderen sind happy.
11. Was hast du dir zuletzt für Dich selbst gekauft ?

Meine neue Nähmaschine! Dieses wundervolle neue Familienmitglied ❤

Mir etwas zu kaufen musste ich mir erst wieder angewöhnen, seit ich Kinder habe. So im ersten Jahrzehnt meiner Mutterschaft war ich darin ausgesprochen mies …

Ich nominiere nun weitere Blogs und bin gespannt, wer ebenfalls etwas schreiben möchte:

Kugelfisch-Blog

Marmeladenschuh

Mama hat jetzt keine Zeit

Küken und Nest

Keins bestellt, 2 bekommen

Zwergenzimmerchen

Abenteuer Papa

Und hier meine Fragen an Euch:

  1. Was macht Dir die größte Freude?
  2. Worauf könntest Du gut verzichten?
  3. Was liebst Du an den vier Jahreszeiten am meisten?
  4. Die größte Herausforderung des Elternseins ist …. ?
  5. Was magst Du eigentlich nicht besonders, hast es aber bisher ungern mitgeteilt? (Eine Mutfrage :D)
  6. Was ist Dein Lieblingsort in Deiner Wohnung, beziehungsweise Deinem Haus?
  7. Welchen Beruf wolltest Du ausüben, als Du ein Kind warst?
  8. Was kann Dich einfach immer aufheitern?
  9. Gibt es ein ungesundes Essen, das Du richtig gerne futterst?
  10. Welcher Duft erinnert Dich am ehesten an die Kindheit?
  11. Was liebst Du am bloggen besonders?

Toddler Traces und ihre Verwandten …

Die Reihe der Toddler Traces kennt Ihr ja schon ganz gut.

Heute präsentiere ich zwei weitere Meisterwerke Nummer 4s:

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Das hier ist unsere Ofenbank. Die wunderschöne Verzierung stammt von einem Hämmerchen …

... und das ist unsere Reaktion darauf - ein schonender Filzstopper.

… und das ist unsere Reaktion darauf – ein schonender Filzstopper.

Hier hat Nummer 4, der gerade die unteren Eckzähne bekommt, in meinen neuen Korbsessel gebissen:

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Hier hat Nummer 4 in meinen neuen Korbsessel gebissen.

Wer aber nun denkt, das Kleinkind als solches sei die einzige Personengruppe, die im Haus Spuren hinterließe, der irrt natürlich gewaltig. Genau so viele werden durch die Heranwachsenden verursacht.

Daher präsentiere ich heute die Verwandten der Kleinkindspuren:

Die Teenie Traces:

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Hier fanden die Teenies, es sei nötig, verbotener Weise im elterlichen Bett Kekse zu essen …

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Dieses Foto illustriert die Tatsache, dass die größeren Kinder niemals in der Lage sind, eine Toilettentür nach Benutzung hinter sich zu schließen. Dies gilt ebenso: Toilettenbürsten werden stets ignoriert und wenn man zur Benutzung gezwungen wird, dann lässt man die Brille unten, um sie vollzutropfen. Auch nach über einem Jahrzehnt Übung. Und Toilettendeckel bleiben natürlich stets oben. Leeres Toilettenpapier …

... wird auf diese Weise ersetzt: Genervte Mutter stellt neue Rolle hin. Diese wird (auch nach dauernder Ermahnung) niemals in den Halter gespannt. Nein, man stellt oben drauf und verwendet es von dort aus ...

… wird auf diese Weise ersetzt: Genervte Mutter stellt neue Rolle hin. Diese wird (auch nach dauernder Ermahnung) niemals in den Halter gespannt. Nein, man  verwendet es die Rolle von dort aus, wo Mama sie so schön nonverbal-kommunikativ abstellte …

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Hier sieht man die Treppe, die in das ausgebaute Dachgeschoss führt, das die beiden großen, hellen und schönen Zimmer der Teenies beherbergt. Davor habe ich versammelt, was a) zuvor von mir auf die Treppe gelegt wurde, damit es mit hochgenommen und das dann einfach (wie üblich) durch die Stufen heruntergetreten wird und b) jener Müllsack aus Nummer 2s Zimmer, der exakt 4 Wochen vor ihrer Zimmertür stand und den ich dann unübersehbar unten platzierte. Dazu noch ein Bademantel, der völlig sauber in die Wäsche geworfen worden war – wegen akuter Unlust, diesen auf einen Haken im Bad zu hängen (was näher gewesen wäre als die Wäschetonne) und c) ist da noch der Wäschekorb mit frischer Wäsche, den die beiden in ihre Schränke einräumen sollen. Dauer des späteren Einräumens: Circa 14 Tage.

Wertvolle Erinnerungsstücke liebevoll inszeniert

Heute schreibe ich nicht viel, sondern stelle nur etwas vor, das ich heute fertiggestellt habe.

Vielleicht ist es ja ein Tipp für jemanden, der auch überlegt, wie man die schönen Erinnerungsstücke der Babyzeit so aufbewahren kann, dass man sie nicht immer aus einer Kiste herausholen muss.

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Das sind 3D-Bilderrahmen von Ikea (rund 5 Euro). Nein, das ist keine Werbung, sondern einfach ein Tipp. Natürlich kann man auch jeden anderen, ähnlichen Rahmen verwenden 😀

Hinter das Passepartout habe ich ein je farblich passendes Papier geklebt (Bastelpapier. Aber Geschenkpapier ginge sicher auch).

Von jedem Kind gibt es dann Nuckel, Haarsträhne, Zahnbürste und bei den Mädels noch die einstigen Lieblings-Prinzessinnen. Und der Schwangerschaftstest findet in der Mitte Platz.

Hier die Bilderrahmen im Einzelnen:

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Nummer 1, inzwischen 13 Jahre alt, liebte es zart und romantisch. Dornröschen war ihre Lieblingsprinzessin und „Äffchen“ einer ihrer Tausend Kosenamen.

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Nummer 2 mochte Schildkröten (siehe Nuckel), Cinderella und Haarspangen. Fand alles Platz – dazu ihre Lieblingsfarbe: Blau

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Nummer 3s Lieblingstiere erkennt man sofort. Spannend, dass ich die bereits beim Scnullerkauf kannte, als sie noch gar nicht sprechen konnte, ne? Und dazu Belle – die mag sie immer noch.

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Natürlich darf unser Sternchen nicht fehlen. Von ihm habe ich natürlich keine Erinnerungsstücke außer dem Ultraschallbild und dem Test. Ich wollte das Sternchen aus der Wand der Erinnerungsrahmen nicht ausklammern, denn es ist in mir gewachsen und soll nicht einfach verdrängt werden. So wird das traurige Erlebnis in das Leben eingebunden, weil es schließlich auch Tel davon ist.

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Nummer 4 hat keine Lieblingsprinzessin und da ich auch noch keinen Mini-Bob-der-Baumeister gesehen habe, gibt es als Stellvertreter einen Wichtel. Der liegende Nuckel zeigt sein Lieblingstier: Den „Wupps“ (Fuchs).

Und nun wünsche ich Euch ein schönes Wochenende ❤

Die Familienpflege: Einblicke, Hintergründe, Erfahrungen

Ich hatte ja angefragt, ob Ihr etwas etwas zu meinem ursprünglichen Beruf lesen wollt: Die Familienpflege. Und da Ihr so rege Interesse bekundet habt, komme ich dem Wunsch meiner geschätzten Leserschaft sehr gerne nach.

Auch wenn ich seit vielen Jahren nicht mehr als Familienpflegerin arbeite, habe ich eine Fülle von Erinnerungen, die ich gerne mit Euch teile.

Ein bisschen Geschichte

Die Familienpflege gibt es in ihrem Ursprung bereits seit dem Mittelalter. Nonnen und Mönche (mehr aber die Nonnen) kümmerten sich damals um die „Hausarmen“. In der Tat gab es damals so viele Arme, dass man sie in verschiedene „Arten“ unterteilte und eine davon waren die Hausarmen. Bedürftige Menschen, die im eigenen Haus unterstützt wurden. Die Hausarmenpflege kam zu ihnen und kümmerte sich. Die Hausarmen waren keine Bettler, sondern Nachbarn, denen es an Geld und Perspektiven fehlte. Betteln galt als etwas Beschämendes und Dreistes. Arm jedoch waren im Mittelalter viele Menschen und wer unverschuldet arm war und Hilfe brauchte, dem half man. Auch, weil man es eben als christliche Pflicht ansah.

Die christliche Idee der Nächstenliebe entwickelte sich weiter und die Arten der Unterstützung differenzierten sich.

Familienpflege, wie wir sie heute kennen, brauchte es damals noch nicht. Es gab immer Verwandte, die einsprangen, wenn die Mutter ausfiel. Da dies heute nicht mehr unbedingt gewährleistet ist, gibt es eben Familienpflegerinnen.

Eine besondere Form der Familienpflegerin zeigt sich mit der Dorfhelferin. Diese Person wird speziell ausgebildet, um zu helfen, wenn eine Mutter ausfällt, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb lebt. Ich zum Beispiel könnte nur so ganz vage eine Kuh melken, die Dorfhelferin aber kennt sich mit allen Belangen und Arbeiten eines Bauernhofs aus und kann daher dort ideal unterstützen.

Die Ausbildung

Meine Ausbildung habe ich an einem Fachseminar gemacht. Diese beinhaltete zwei Jahre schulische Ausbildung mit mehreren, mehrwöchigen Praktika in verschiedenen Bereichen.

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Ich mit sexy Kompressionsverbänden („Kornährenwickeltechnik“) – was tut man nicht alles aus Übungszwecken? Mann, waren die Dinger eng …

Die Praktikumsstätten suchte man sich selber aus, sie waren jedoch inhaltlich festgelegt: Kindergärten, Kinderheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, ambulante Krankenpflege und/oder Altenpflege waren Einsatzgebiete. Und natürlich auch die Familienpflege, welche über Sozialstationen vermittelt wird.

Anschließend, nach den Prüfungen, absolvierte ich ein Anerkennungsjahr in einer Einrichtung (bei mir war es eine Station der Caritas) und zum Schluss gab es ein abschließendes Kolloquium.

Während des Anerkennungsjahres wird man komplett selbstständig eingesetzt und die Arbeit wird vergütet. Man hat eine Praxisanleiterin zur Seite, die Fragen beantwortet und Hilfestellungen geben kann. Diese gehörte bei mir zu meinem Team.

Zu meinen Fächern gehörten: Krankenpflege (Praxis), Psychopathologie, Pädagogik, Hauswirtschaft (alles zwischen Wäschepflege, Hygiene und Nähen), Säuglings- und Wöchnerinnenpflege (Theorie und Praxis), Soziologie, Ernährungskunde, Kochen (Praxis), Beschäftigungsanleitung (Theorie und Praxis), Wirtschaft und Rechtskunde, Bewegungserziehung (Praxis mit Entspannungsübungen, Singspielen und Sport), sowie Pflege im theoretischen Teil.

Ausbildung

Beim Kurs Säuglingspflege mit Ausbildungspuppe

Dazu gab es noch einen zweiwöchigen Erste-Hilfe-Kurs (nicht zu verwechseln mit den Lebensrettenden Sofortmaßnahmen am Unfallort), Kurse in Gewaltprävention, Gruppenarbeit zu bestimmten Themen wie problematische Kindheit oder Sucht. Es gab Vorträge von Firmen, die Pflegematerial anbieten, Einführung in die Praxis der Familienpflege (Führen der Dokumentationsmappen, Planen eines Einsatzes mit Zielsetzungen) und vieles mehr.

Meine Ausbildungskolleginnen waren zwischen 16 und 52 Jahre alt. Sie kamen direkt von der Schule oder hatten vorher bereits Berufe erlernt. Eine war Schneiderin, die kurz vor der Meisterprüfung eine Allergie auf Stofflore entwickelt hatte und ihren geliebten Job beenden musste. Eine andere war zuvor Tierpräparatorin gewesen und hatte danach in der Pathologie gearbeitet (die hatte vielleicht eine Menge schräges Zeug zu erzählen …!) und eine andere schulte von der Friseurin um, weil sie unbedingt einen „sinnstiftenden, sozialen“ Beruf machen wollte. Ähnlich wie ich. Nur war ich zuvor nicht Friseurin gewesen, sondern brach eine Ausbildung zur Hotelfachfrau ab, um in die Familienpflege zu wechseln.

Einsatzgebiete der Familienpflege

Einsatzgebiete der Familienpflege, die ich weitestgehend selbst auch erlebte, sind:

  • schwere bis letale Erkrankungen der Mutter
  • leichte bis schwere psychische Beeinträchtigungen der Mutter
  • Tod des Vaters
  • Tod eines Kindes
  • Tod der Mutter
  • Krankenhaus- oder Kuraufenthalt der Mutter
  • besondere Belastungssituationen der Familie
  • Erkrankungen die das Führen des Haushaltes unmöglich machen (Rückenschmerzen, schwere Migräne-Phasen, Frakturen etc.)
  • sehr junge Mütter
  • Unterstützung nach der (ambulanten) Geburt
  • erzieherischer Unterstützungsbedarf unerfahrener oder aus verschiedenen Gründen überforderter Mütter
  • weitere individuelle Gründe
  • Kinder mit Behinderungen, deren Eltern Unterstützung brauchten (z.B. weil es Geschwisterkinder gab, die Aufmerksamkeit brauchten)

Die Einsätze liefen entweder über die Krankenkassen oder über das Jugendamt.

Man kann ahnen, dass ich Vieles erlebt habe.

Ich habe sehr viel gelernt und mich von vielem inspirieren lassen. Manches schockierte mich auch. Dem wirklich Schockierenden gebe ich am besten einen eigenen Blogpost.

Väter, Mütter, Freundschaften

Es gab Väter, die mich positiv überraschten, weil sie über alles Bescheid wussten (Kleidergrößen der Kinder, Lieblingsessen und so weiter) und andere, die mich entsetzten. Beispiele waren zwei Männer jeweils schwer krebskranker Frauen, die ähnlich reagierten als ich nach einem Staubsauger, beziehungsweise einem Putzlappen fragte.

„Was weiß denn ich, wo sowas ist?“ kam es leicht vorwurfsvoll vom einen und der Andere meinte: „Ich weiß doch nicht, wo meine Frau den Staubsauger hinräumt!“ Er sah mich an, als sei ich irgendwie überhaupt nicht ganz dicht.

Mit manchen Männern stimmte ich mich sehr gut ab und wir bildeten ein Team, das den Erhalt der alltäglichen Abläufe zusammen gewährleistete.

Mein kürzester Einsatz dauerte drei Tage und mein längster um die sechs Monate.

Mit einigen Familien befreundete ich mich sogar und der Kontakt blieb lange Jahre bestehen und besteht zum Teil bis heute.

Vielfalt

Ich habe Mütter erlebt, die in extremen Situationen lebten und wirklich dringend Hilfe brauchten. Menschen mit schwierigen Lebensgeschichten und bewegten Biographien. Ich erlebte mit, wie Kinder ihre Mutter verabschieden mussten, die den Kampf gegen den Krebs verlor, kurz nachdem ich sie in einem gemeinsamen Einsatz mit einer Kollegin kennengelernt hatte.

Ich hörte von Kindern, dass die Mutter den Vater verprügelt und in ein Regal geschubst hatte und hörte kleine Jungs über den Tod reden:

„Was hat deine Mama eigentlich? Wieso liegt die immer im Bett?“

„Sie hat Krebs.“

„Das ist scheiße! Daran kann man sterben, weißt du?“

„Ja, ich weiß.“

Und es gab schnuckelige Einsätze mit lieben Neugeborenen, die ich spazierenfuhr, während Mama sich eine wohlverdiente Pause gönnte.

Plötzlich allein

Vater-Mutter-Kind. Und ganz viel drumherum und dazwischen: Jede Familie ist anders

Ich habe so viele verschiedene Kinder und Erwachsene kennengelernt, ganz verschiedenartig Familiengeflechte und so viele Lebensmodelle! Jede Familie ist wie ein einzigartiges Lebewesen, ein Kern, um den sich alles dreht. Man kommt aus ihr heraus, sie ist das Nest und sie prägt einen für das ganze Leben.

Ich sah glückliche Ehen und unglückliche. Und das, was ich „Fassaden-Familien“ nannte: Jene, die die Nachbarschaft durch ihre glänzende Perfektion beeindruckten und in denen es oft ganz schockierend zuging.

Fälle, die mich berührten 

Einer der Fälle, die mich veränderten, war einer am Ende des Anerkennungsjahres:

Ich spazierte einmal freitagabends (geistig ein wenig im Feierabend, weil spontan von der Chefin angerufen) in eine Wohnung. In der Tür empfing mich die Mutter, deren riesige, aufgerissene Augen mich fixierten.

Innen gab es ein altes Sofa mit Häkeldecke und eine auf alternativ-anmutende Weise bepinselte Wand – irgendwie wirkte das auf mich alles sehr esoterisch. Das ist schon lange her und mein Verstand wartete damals nur darauf, weltoffener werden zu dürfen. Zu diesem Zeitpunkt aber stufte ich das Ambiente mit Salzlampe und orange-rosa-roter Wand eben als „merkwürdig anders“ ein.

Die Frau bot mir und meiner Chefin Platz auf dem Häkeldeckensofa, um dann selber auf dem Teppich vor uns Platz zu nehmen. Der Mann saß auf dem anderen, etwas schmuddeligen Sofa und schwieg, während die Mutter mich instruierte. Sie war auf dem Weg in eine psychosomatische Kur und ihre immer noch weit aufgerissenen Augen bohrten sich in die meinen.

Sie redete schnell und gestikulierte viel, mir war sie irgendwie sympathisch, aber ich war zugleich wie überrollt von ihrer Persönlichkeit. Ich muss gerade schmunzeln, weil ich mich erinnere, welche Situation es war, die mir – junger, unerfahrener Familienpflegerin – sagte „Baby, da kommt noch ganz viel Neues auf dich zu“:

Die Frau blickte nämlich plötzlich zu ihrem Mann, hob den kleinen Sohn mit der bunten Ringelstrumpfhose hoch an ihr Gesicht und rief mitten in die Salzlampen-Kristallpendel-Meditations-Atmosphäre:

„Friedbert, ich glaub, der Winibald hat geschissen!“*

(*selbstverständlich sind alle Namen, wie immer, bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet.)

Da wusste ich: Die Idee, ich marschiere irgendwo hinein, helfe ein bisschen den netten Familien und gehe wieder – die konnte ich begraben.

Da war kein süßer Fratz, der mal gemacht hatte. Nein, Winibald hatte geschissen.

Und ich sollte noch lernen, dass er dies in Duftnuancen konnte, bei denen es mir ungelogen immer wieder hochkommen würde. Von daher hätte man gar nicht an ihm schnuppern müssen – das Brennen in den Augen wäre Indikator genug gewesen. Einerlei.

Diese Familie hat mich eine Menge gelehrt. Ich lernte, dass der Umgang mit psychisch Erkrankten sehr schwierig sein kann (okay, das hätte ich nach meiner Familiengeschichte auch so wissen können, aber da ahnte ich ja noch nicht, dass die „Eigenarten“ meiner Mutter einen nach ICD 10 katalogisierten Namen haben.) So rief die Mutter nach ein paar Wochen Einsatzdauer meine Einsatzleiterin an und sagte:

„Es macht mir nichts, dass ihre Mitarbeiterin eine Affäre mit meinem Mann hat – ich bin da offen. Aber ich finde, SIE sollten das wissen.“

Das war natürlich völlig absurd. Und ich stand da mit diesem furchtbaren Vorwurf. Meine Chefin aber meinte zu mir:

„Mach dir da nichts draus, ich weiß, dass das Unsinn ist. Ich denke, die Frau hat starke psychische Probleme. Ich weiß da keine Diagnose, aber ich vermute eine. Zieh dir das nicht rein. Du hast mein volles Vertrauen. „

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Die Salzlampe und ihre Symbolik: Die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen. Erst einmal einlassen und Menschen kennenlernen, statt zu urteilen.

In der Familie lernte ich, dass man ohne Staubsaugerrohre auskommen konnte (musste) und einfach kriechend 150 Quadratmeter Altbauböden reinigen kann. Und dass Spülmittel absolut verzichtbar ist. Und wie lecker Brei schmeckt, der aus frisch gemahlenem Roggen zubereitet wird. Verzichtbar war auch teure Karnevalsschminke – und kostüme. Anekdote hierzu:

Der superliebe und idealistisch engagierte Vater färbte abends aufwändig ein Kuh-Kostüm mit Stofffarbe in der Dusche. Morgens begrüßte ich das verkleidete Mädchen strahlend mit:

„Hey, Hildelotta, du bist aber eine tolle Kuh, du hast ja sogar ein richtiges Euter!“

Hinter Hildelotta stand der Vater und winkte panisch gestikulierend. Schließlich schüttelte er verzweifelt den Kopf und zischte mir zu: „Sie ist eine Katze!“ Dann nahm er kurzerhand einen Kuli und malte ihr die Nasenspitze schwarz sowie ein paar Schnurrhaare auf die Pausbacken. Ich suchte nach einer hastige Korrektur:

“ … äh, Katze. Wollte ich sagen. Euterkatze. Aus …äh… Australien.“

Ich lernte, dass Liebe viele Gesichter hat und man Bücher niemals nach dem Umschlag beurteilen sollte. In Wahrheit hätte ich es toll gefunden, wenn mein Vater sich nach Feierabend mit Stofffarben in der Dusche und Kulischminkereien um mich bemüht hätte. Und Hildelotta tat das damals auch.

Und darauf kommt es an.

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Es gibt so viele verschiedene Familien – jede ist ein Individuum. Mehr als nur eine vertraute Gemeinschaft. Ein Lebewesen mit Gewohnheiten, einer eigenen Sprache und immer einer einzigartigen Sicht auf das Leben.

Fälle mit traumatisierten Kinder

Natürlich begegneten mir auch traumatisierte Kinder. Bei manchen reichte ein Blick auf ihre Zeichnungen und ich wusste, was ihnen zugestoßen war. (Ja, ein altes Klischee, aber da ist durchaus etwas dran. Und damit meine ich keine Gewalt-Bilder mit Blut und Monstern.) Und bei manches Kindern erfuhr ich es sofort bei der Einsatzbesprechung:

Eines Tages übergab meine Kollegin mir während der üblichen Team-Besprechung am Mittwochnachmittag eine Familie.

„Die Mutter hatte eine Art psychotischen Anfall. Hat den Kindern befohlen, sich nackt auszuziehen und im Bad zu verstecken. Denn nur da würden die Eindringlinge sie nicht holen. Der Zwölfjährige ist aus dem engen Fenster zu den Nachbarn und hat Hilfe geholt. Nackt. Die Mutter ist nun in der Psychiatrie. Der Junge macht einen oberflächlich betrachtet guten Eindruck, scheint das irgendwie zu verpacken. Das zehnjährige Mädchen, nun ja, sitzt seit zwei Wochen eigentlich nur unter dem Tisch … und zwar wortwörtlich.“

Okay, das war eine, äh, Herausforderung.

Die Kollegin hatte liebevoll aber erfolglos versucht, das Mädchen unter dem in der Küche stehenden Esstisch hervorzulocken. Also dachte ich übers Wochenende lange nach, was ich tun könnte.

Schließlich verwarf ich alle Pläne und wollte mich auf mein Bauchgefühl und die Situation verlassen. Der Vater, ein stets viel beschäftigter, sehr höflicher Mann (Typ Geschäfts-Mann-Klischee auf den ersten Blick) öffnete mir, wir sprachen, er führte mich herum. Über die Frau sprachen wir zunächst nicht.

Das Mädchen saß unter dem Tisch.

Der Vater ging wieder zurück zur Arbeit und ich übernahm. Ich wollte Mittagessen machen und fragte den Sohn, was er und seine Schwester den am liebsten essen würden.

„Pfannkuchen!“ Wer hätte das gedacht?

Also gab es die und als sie fertig waren verteilte ich Teller. Das Mädchen blieb unter dem Tisch. Ich klopfte leise an das Tischbein, hob die Tischdecke und sagte:

„Schöne Höhle, so eine hätte ich auch gerne. Da würde ich sicher niemals drin genervt.“ Und dann schob ich den Teller hin. Mein Herz pochte ganz schön, merkte ich. Einem so belasteten Kind will man ja nicht auch noch zu sehr auf die Pelle rücken oder es noch mehr verstören. Dann hörte ich leises Schmatzen unter der Tischdecke und atmete aus.

In den folgenden Monaten meines Einsatzes erlebte ich sehr viel.

Am ersten Tag war das Mädchen unter dem Tisch heraus gekommen und hatte einige wenige Worte mit mir gesprochen. Am zweiten Tag zeigte es mir im Garten sein Kaninchen. Und in den kommenden Wochen wagte es sich vorsichtig in sein Leben zurück. Freundinnen kamen zu Besuch, ich brachte es zum Reitunterricht und es nahm wieder am Ballettunterricht teil.

Ich erfuhr, dass die Mutter am Borderline Syndrom litt und in der Tat einen heftigen Anfall gehabt hatte, wegen dem sie stationär aufgenommen worden war. Ich fand beim Einräumen ihrer Wäsche im Schrank eine Stoffpuppe, der jemand einen Kugelschreiber zwischen die Beine gesteckt hatte, der wie das Mahnmal gegen sexuelle Gewalt aussah. Darauf fragte ich beiläufig, ob das Mädchen eine Stoffpuppe vermisste, aber sein Bruder meinte, es besäße gar keine Puppen aus Stoff. Nur Barbies und Babypuppen.

Letztlich sprach ich den Vater abends an und er ließ sich die Puppe zeigen.

Leise meinte er: „Es gibt den Verdacht, dass meine Frau als Kind zuhause missbraucht wurde, das kommt langsam heraus.“ Die Puppe hat er interessanter Weise entsorgt.

Ich bekam mit, wie er sich von seiner Frau weit entfernt zu fühlen schien und fragte mich, wie er nach diesem Vorfall je wieder zu ihr finden würde. Sie hatte ich wie ein völlig fremder Mensch verhalten. Ich ahnte, dass die Ehe eigentlich hinüber war.

Die Frau durfte irgendwann an den Wochenenden nach Hause. Am Montag nach dem ersten dieser Wochenenden begrüßte mich der Hausherr mit dünnem Lächeln:

„Hallo Frau P., mögen sie Marmelade?“

Dann führte er mich in den Keller und ich saß ein zuvor leeres Kellerregal bis oben gefüllt mit Marmeladengläsern. Verschiedene Sorten, alles selbstgekocht.

„Ist doch schön, wenn ihre Frau etwas so Alltägliches macht, wie Marmeladekochen …“ versuchte ich es etwas hilflos.

„Niemand hier isst Marmelade. Die mochten wir noch nie.“

Also nahm ich Marmelade mit. Mehrere Gläser. Und je mehr Gläser ich mitnahm, aß und verteilte, desto erleichterter war er, sie los zu sein. Er litt so in sich hinein und konnte nicht offen mit mir über alles sprechen. Ich war einiger Maßen fremd und zu dem gerade mal 22 Jahre alt. Vielleicht hielt ihn das ab oder er war ein Typ, der eher in Symbolen sprach – so wie mit der Marmeladenverteilung. Oder der Puppenentsorgung.

Gegen Ende meines Einsatzes lernte ich die Mutter kennen. Sie war so stark auf Psychopharmaka, dass sie während unseres Gesprächs dauernd laut pupste, ohne es selber zu bemerken. Sie sprach über das Wetter und das Marmeladekochen. Sie war sehr freundlich und sympathisch, aber ihr Blick war so tief in sich gekehrt, dass ich spürte, sie würde nicht wirklich am „normalen“ Leben teilhaben können, wenn es in der Therapie keine tiefgreifenden Erfolge mehr geben würde.

Als die Tochter, die inzwischen ein inniges Verhältnis zu mir aufgebaut hatte, uns zusammen sah, zuckte sie zusammen. Sie war so irritiert von dieser Situation, von dem Loyalitätskonflikt, der sich ihr da aufdrängte, dass sie ganz schroff zu mir wurde. Sobald die Mutter weg war, hing sie wieder sehr an mir. Ich begann, das Verhältnis wieder von der für das Mädchen so wohltuenden Nähe langsam und vorsichtig in Richtung Distanz zu verschieben, damit das Mädchen am Ende des Einsatzes gut wieder in den (emotionalen) Alltag zurückfinden konnte.

Die Mutter sollte eigentlich entlassen werden, aber dies war nicht umsetzbar. Der Vater verkaufte das Haus und erwarb eine Wohnung in der Nähe, in die er mit den Kindern einzog. Ich lernte vor dem Ende des Einsatzes noch seine neue Freundin kennen, die er irgendwo in seinem beruflichen Umfeld kennengelernt hatte. Er plante, sich scheiden zu lassen.

Vor einer guten Weile suchte ich auf Facebook nach dem Mädchen, das mir damals so ans Herz gewachsen war und fand es. Inzwischen eine auffallend schöne Frau geworden, blickte sie lächelnd, aber mit tiefen und ernsten Augen in die Kamera.

So viel zu erzählen

Ich könnte noch so viel mehr erzählen. Von einer Familie mit fünf Töchtern, deren Mutter ihre zunächst dreiwöchige Kur dauernd um eine Woche verlängerte und gar nicht mehr zu ihrem krankhaft selbstverliebten Mann nach Hause wollte, der mir jeden Tag stundenlang von all seinen Heldentaten erzählte, während ich versuchte, mich um die Kinder zu kümmern und den Haushalt zu schmeißen. Während des Einsatzes bat seine Zweitgeborene mich um die Telefonnummer des Kinderschutzbundes und ich erfuhr, dass er die Kinder verprügelte, sobald ich ging.

Das Jugendamt hatte bereits eine Dame von der SPFH (Sozialpädagogischen Familienhilfe) geschickt, mit der ich zusammenarbeitete.
Immer, wenn ich ging, blieb ich noch vor der Tür stehen. Ich hörte dann, wie er drinnen umschaltete von redselig-freundlich zu gewalttätig. Und beim ersten Mal klingelte ich und nuschelte etwas von „Meine Mappe vergessen …“ um noch einmal in die Wohnung zu können und ihn in seinem Tun zu unterbrechen.

Danach bin ich einfach immer sehr schnell weg. Ich sprach mit der Kollegin vom Jugendamt, was wenig half, weil sie ihrerseits eben nur mit ihm sprach. Viel mehr Möglichkeiten gab es anscheinend nicht. Alles andere wäre die Wegnahme der Kinder gewesen.

Er änderte sich irgendwie durch das Reden gar nicht (was auch nicht zu erwarten war, wie ich fand). Er war einer jener Menschen mit mit zwei Gesichtern – sobald man sich abwandte, zeigte er das hässlichere von beiden. Wir redeten beide mit ihm. Aber es half nichts. Als die Mutter nach acht Wochen aus der Kur kam, war sie stark distanziert ihrem Mann gegenüber und ließ sich von ihm nicht einmal in den Arm nehmen. An diesem Tag verabschiedete ich mich von der Familie und sah sie nie wieder. Ich habe nicht erfahren können, was aus ihnen allen wurde.

Viel gelernt

Ich lernte auszuhalten, zu helfen, neue Wege zu gehen und Akzeptanz walten zu  lassen. Schnelle Urteile waren manchmal sehr gut und oft sehr schlecht. Was immer gut war, war Feingefühl und eine starke Intuition. Vieles kann man im Umgang mit Menschen nicht mit dem Verstand ausmachen, manches muss man aber wiederum genau diesem Teil überlassen, damit man innerlich stabil bleibt.

Sehr schwierig.

Ich hatte abends immer öfter Schlafstörungen, kam kaum zur Ruhe.

Allerdings war ich immer wieder glücklich, wenn ich wirklich helfen konnte. Weniger bei der Haushaltsführung, sondern bei spezielleren Fällen, die meine Einsatzleiterin mir zunehmend anvertraute.

Sehr schön war ein Einsatz in einer Familie, deren ältester Sohn an intensivem Autismus litt. Er sprach kein Wort, drehte stundenlang die Reifen von Spielzeugautos, hörte ebenfalls stundenlang Musik während sein Blick in die Ferne glitt und wurde mit vier Jahren noch gewickelt). Die ganze Familie litt. Er hatte eine kleine Schwester. Die Konstellation war ähnlich wie bei mir und meinem Bruder und so konnte ich mich gut hineinversetzen, was die Eltern sehr glücklich machte. Mein Umgang mit dem Jungen war ganz natürlich und frei von Ideen aus Lehrbüchern, eben weil ich keine Scheu hatte. Das war wohl eine glückliche Fügung für uns alle.

Die Mutter sagte irgendwann zu ihrem Mann: „Siehst du, wir machen uns die ganze Zeit Sorgen, dass die Kleine Schaden nimmt, weil sich alles dauernd um den Großen dreht. Aber guck mal, was für eine tolle Persönlichkeit unsere Familienpflegerin ist – und sie hat Ähnliches erlebt. Das beruhigt mich so und macht mich so glücklich.“

Ich fand meine Unterstützung gar nicht sooo nennenswert, aber anscheinend half sie ihnen, denn der Vater – ein sehr angenehmer, gebildeter und spürbar stolzer Mann aus dem arabischen Kulturkreis – ging am letzten Tag meines Einsatzes los und kaufte mir eine Pflanze. Er suchte ganz bewusst die Farbe des Topfes aus und auch die Pflanze selbst. Ich habe diesen Mini-Feigenbaum viele Jahre gehabt, bis er Opfer eines Umzugs wurde, nach dem er sich nicht mehr erholte. Das war ein sehr berührendes Geschenk, an das ich heute noch gerne zurückdenke. Es sind eben oft die kleinen Dinge … und so weiter.

Tiefe Einblicke

Es sind sehr tiefe Einblicke, die man erhält, wenn man fremde Familien betreut. Jedes familiäre Geflecht ist einzigartig und man lernt schnell, alle Menschen erst einmal anzunehmen. Natürlich macht man sich Gedanken, sortiert Menschen in Kategorien und oft sind einige der Beobachtungen treffend. Vieles kann man aber auch gleich wieder verwerfen.

Man analysiert Zusammenhänge und begreift Verhaltensweisen. Die Nähe, welche durch den Einsatz unwillkürlich entsteht, muss mit behutsamer Distanz vermischt bleiben. Es ist wichtig, den Menschen nahe genug zu kommen, um sie zu verstehen und zu helfen. Aber auch genug Distanz zu wahren, um die Abläufe nicht zu stören. Schließlich begleitet man und leitet nicht.

Ich habe begriffen, dass althergebrachte christliche Tugenden nicht die schlechtesten Eigenschaften sind, wenn man sie konsequent lebt und verfeinert. Demut und Dankbarkeit klingen für Euch vielleicht nach ömmeligen Gebetbüchern und kaltem Weihrauch, aber in der Tat sind es zwei wunderbare Eigenschaften, wenn man beruflich mit Menschen umgeht.

Schnell neigt man dazu, sich über Andere zu stellen. Gerade, wenn sie Hilfe benötigen. In Wirklichkeit aber vertrauen sie sich einem an. Und dieses Vertrauen darf man dankbar entgegennehmen. Leider macht diese christliche Grundeinstellung auch verletzbar und man darf nicht vergessen, sich selbst abzugrenzen. Und das ist die Königsdisziplin, wenn man so nah an Menschen ist wie zwischen ihrem Bad und ihrem Sofa.

Unschönes und Unsympathisches

Unschön sind Versuche, die Familienpflege auszunutzen. Ich hatte mal einen Einsatz in einer Familie, der durch eine drohende Plazentaablösung indiziert war. Die Hochschwangere ging heiter täglich tonnenweise shoppen, zusammen mit ihrer sehr fitten Mutter. Und mir schrieb sie auf eine riesige Tafel, was ich alles in der Zeit zu erledigen hätte. Unter Anderem gleich am ersten Tag:

„Keller aufräumen“ und „Alle Fenster im Haus putzen“.

Habe ich nicht gemacht. Ich habe erklärt, dass ich gerne den Ist-Zustand erhalten kann, aber keine Kernsanierung vornehmen soll. Ich bin nicht der Ersatz für eine Putzfrau oder ein Entrümpelungskommando, sondern jemand, der hilft, dass der Alltag weiterlaufen kann.

Wäre etwas wie das Messie-Syndrom der Grund des Einsatzes, hätte ich durchaus beim Keller-Entrümpeln unterstützt. Aber so war mir klar, dass es um Bequemlichkeit ging. Und die drohende Plazentaablösung war vielleicht eher eine Nettigkeit der attestierenden Gynäkologin. Das Baby kam aber am dritten Tag des Einsatzes und ich war wieder weg. Bis dahin habe ich die Socken des Ehemannes nach Farben in die Schubladen sortiert, sie vom Boden aufgehoben und in die Wäsche gebracht, die Kleideretiketten an den Krageninnenseiten plattgebügelt, weil sie ihn immer so sehr kratzten und paranoid das teure Linoleum geputzt, damit es nur ja keine Wasserflecken bekommt.

Ich übernahm mal den Einsatz einer Kollegin, der von acht auf vier Stunden gekürzt worden war. Ich hetzte mich ab, binnen vier Stunden das ganze Haus zu putzen, kochte drei verschiedene Mittagessen (denn die Kinder mochten nicht alle das Gleiche essen. In der Familie bekam jeder ein eigenes Mittagessen), bügelte und putzte die Küchenfenster. Mit einer dicken Schweißperle auf der Stirn fuhr ich danach nach Hause und war froh, der krebskranken Mutter trotz der Stundenkürzung weiterhin alles bieten zu können.

Abends rief meine Einsatzleiterin an und teilte mit, es habe eine Beschwerde gegeben. Ich hätte in einem der beiden Bäder einen Mülleimer nicht geleert und die Mutter habe sich darüber sehr geärgert. Als ich dann wiederum begann, mich sehr zu ärgern meinte sie: „Das kommt immer wieder in Familien mit krebskranken Müttern vor. Auch die Überversorgung aller Familienmitglieder. Die Mütter gehen völlig unter, jeder Andere ist wichtiger. Dann kommt die Krankheit und sie haben nur noch Angst. In dieser Angst werden sie überkritisch mit ihren Mitmenschen. Mehr ist das nicht. Aber ich verstehe, dass du enttäuscht bist.“

So etwas gab es zum Glück eher selten. Man hat Verständnis und dennoch ist man zunächst verletzt. Da hilft es nur, sich zurückzunehmen und die Situation des Gegenübers zu verstehen.

Trotz all der bereichernden und vielfältigen Erfahrungen war dieser Beruf nicht der, den ich ewig machen wollen würde. Als ich später selber wegen meiner Rückenschmerzen (verursacht durch eine Muskelschwäche, die durch die Schilddrüsenerkrankung kam), sagten mir alle drei Berufskolleginnen, dass sie über Kurz oder Lang  aus dem Job aussteigen würden. Insgesamt ist es ein anstrengender Beruf, der einen an die eigenen Grenzen bringt und manchmal auch darüber hinaus.

Eine Kollegin erzählte mir, wie eine Mutter mal bei ihrer ersten Ankunft in der Familie ins Telefon sagte:

„Moment mal, ich muss der Putze mal eben sagen, was sie machen muss!“

Das Aufgabenfeld ist so groß und man wird oft reduziert auf eine Haushaltshilfe. Dabei hat man eine intensive Ausbildung und ein staatlich anerkanntes Examen gemacht. Viele Familienpflegerinnen sind sensibel, kompetent und eine große Hilfe.

Ich habe so viel Dankbarkeit und auch sehr viele Abschieds-Geschenke bekommen – es tat gut zu sehen, wie viel Hilfe man bieten konnte. Aber es war auch immer wieder nervig, zu erklären, dass man nicht da ist, um etwas zu tun, das die Familie selber aus Bequemlichkeit nicht gerne machen möchte. Und seit Jahren nicht gemacht hat (Stichwort Keller).

Wie es kam, dass ich letztlich mit diesem Beruf aufhörte, erzähle ich im nächsten Post zum Thema Familienpflege – falls Ihr noch einen wollt, soll das heißen.

Vielleicht klingen meine Beschreibungen für Euch etwas zu abgeklärt. Das ist quasi die simple Variante des Pathologen, der lässig sein Marmeladenbrötchen isst, während er ein Herz wiegt oder blöde Witze über die Fettleber einer seiner „Kunden“ macht. Man braucht so etwas und auf andere Menschen kann es befremdlich wirken.

Wenn Ihr Euch für die Familienpflege oder meine hier erzählten Geschichten interessiert, dann fragt mich ruhig etwas dazu. Oder teilte Eure Gedanken mit wie immer – ich freue mich.

Ach: Winibald hat inzwischen Abitur und ist ein sehr liebenswerter, hübscher junger Mann geworden, dessen Leben mit seiner Mutter leider recht anstrengend wurde (wie auch für seine ältere Schwester sowie die später noch geborene Schwester) . Die Mutter hat ebenfalls das Borderline Syndrom, wie sich Jahre später herausstellte – und das kann eine Kindheit ja schon mal ein „klein wenig“ anstrengend machen. Ich kenne das ja.

Ich sehe Winibald übrigens immer noch in Ringelstrumpfhosen vor mir. Aus Sturheit, um mich nicht alt zu fühlen.

Wir brauchen Hebammen. Oder geht es besser ohne sie?

Ein Gespräch zwischen Bettie und mir, das sich auf Facebook entspann, führte uns an eine interessante Frage: Was denken wir über die Alleingeburt, die im Moment immer wieder diskutiert, propagiert und kritisiert wird?

http://fruehesvogerl.blogspot.de/2015/10/hebammen-sind-ja-keine-esoterische-deko.html

Kindermund der besonderen Art: Neues vom Heiligen Augustinus

Kindermund der besonderen Art: Neues vom Heiligen Augustinus

Gestern:

Der Heilige Augustinus, äh, Nummer 3: „Mama, heute wurden wir mal wieder gezwungen, äh gebeten, uns in Religion Gott bildhaft vorzustellen.

Ich: „Ich nehme an, das missfiel euch, Heiliger Augustinus?“

Sie: „Och, das machte mir diesmal nichts. Ich habe Folgendes gesagt:

Wenn Gott einen Kopf hätte, dann trüge er Kronen aus Schmerz, Wut, Trauer und Glück.

Und hätte er Hände, dann wären sie aus Gefühl.

Und wenn er einen Umhang hätte, dann wäre dieser gewebt aus dem Universum.“

Sie hat sehr genaue Vorstellungen, unsere Nummer 3.