Public Relations der Extraklasse oder: Die Rosarote Hölle

Angestoßen durch einen Artikel von Frida Mercury auf 2kindchaos, beziehungsweise den Hinweis darauf bei Facebook greife ich ein Thema auf, über das ich schon lange gerne schreiben wollte:

Die rosarote Zwangsbrille oder Die mütterliche Schweigespirale

Wir Mütter kennen alle den herrlichen Duft eines Babynackens, können quietschen vor Freude, wenn unsere Kinder die ersten Worte sprechen und sind megastolz, wenn sie die Welt erkunden. Wir freuen uns mit ihnen über ihre Erfolge, trauern mit ihnen, wenn sie schlimmen Streit mit Freunden haben und sind immer bei ihnen, auch wenn wir ganz woanders sind.

Und wir Mütter kennen alle diese Tage. Jene Tage, an denen die ganz Kleinen schon nölig aufwachen, die Größeren miesgelaunt in die Küche kommen und gleich Streit anfangen. Tage, an denen wir hochschwanger am Boden herumkriechen und Spielzeug einsammeln. Und die vielen Tage, an denen jemand gegen die Klotür hämmert, sobald wir auf der Schüssel sitzen.

Und die vielen Phasen, in denen die Kinder Zähe bekommen. Oder in denen sie noch nicht durchschlafen. Schlafentzug ist nicht umsonst eine Foltermethode. Man vergisst oft, dass diese Kräfte zehrenden Phasen, in denen man immer nur inselartig Spaß oder Freude empfindet, nicht ewig dauern.

Wir sind hart zu uns und fordern uns auf, dennoch zu lächeln. Gute Mütter kriegen alles hin und sind dabei eine Bereicherung. Sie klagen nicht. Sie flöten und summen, während sie Toiletten putzen, für die Schule basteln und im Regen mit quakendem Baby einkaufen.

Wagen sie es hingegen jedoch öffentlich, etwas zu sagen – vor allem eben im anonymisierten Raum der sozialen Medien, dann gibt es schnell mal Gegenwind.

Die Nestbeschmutzer: Gegenwind aus eigenen Reihen

Der schlimmste Feind der Mütter ist die Moral.

Sie diktiert ohnehin jeden Menschen durch den Tag (ohne dass wir es bewusst merken – der Großteil menschlicher Gespräche dreht nur um dieses Thema) und bei Mütter legt sie sogar noch einen Zahn zu. Alles wird bewertet und beurteilt. Entweder von uns selbst oder auch gerne von der Umwelt.

Beispiel?

#RegrettingMotherhood war ein komplettes Moralthema. Kaum hatten einige Mütter irgendwo auf der Welt (Israel) innerhalb ihrer eigenen Lebensbedingungen (andere als in Deutschland übrigens) gesagt, sie wären lieber kinderlos geblieben – da gab es sofort eine Moralwelle und viele fühlten sich berufen, zu erklären, dass sie ihre Mutterschaft liiiiieben. Zu jedem Zeitpunkt. Ja, sie seien manchmal müde. Aber das sei es ihnen wert. Ist auch so – sie haben damit nicht Unrecht und das Ganze gut beschrieben. Aber es war eine moralische Angstreaktion: Jemand wagte es, so große Kritik zu üben, da muss man sich schnell distanzieren, ehe man selber noch verdächtigt wird. Oder sich selbst verdächtigt.

Habe übrigens ähnlich dazu geschrieben. Hatte auch das Gefühl, mich distanzieren zu müssen. Kenn ich also. Außerdem ist es so: Wenn die bösen Frauen lieber keine Kinder hätten, dann kann man selber sagen: „Ich bin aber eine von den Braven! Wird das bitte honoriert?“ Und das wird es natürlich. Ich habe mich währenddessen beobachtet und das auch an mir so analysiert, was für mich sehr spannend war.

Wir Mütter lieben unseren Job. Unsere sinnstiftende Lebensaufgabe natürlich.

Ja, auch um 4 Uhr morgens, wenn danach kein Schlaf mehr möglich ist. Ja, auch wenn der Kleine Durchfall bekommt an dem Abend, an dem man endlich einen Babysitter hat. Wir sind 24/7 glücklich. Dafür gibt es nämlich das, was Moral immer verspricht: Zuspruch und Anerkennung. Denn Anpassung fühlt sich für uns Menschen nun mal gut an. Es ist erwiesen, dass Protestler und Querdenker tendenziell unglücklicher sind, als Mit-dem-Strom-Schwimmer. Das kann man nun blöd finden – es ist aber so.

Als ich an Janas Blogparade teilnahm, kam auf Facebook auch ein Kommentar mit dem obligatorischen „Wie kann man nur über diese armen, hilflosen Wesen jammern, die uns so sehr brauchen?“ (das war jetzt kein O-Ton, nur sinngemäße Wiedergabe). Dabei hatte ich gar nicht über mein Baby abgemeckert, sondern nur ehrlich ein paar Startschwierigkeiten geschildert …

„Der schlimmste Feind der Mutter ist stets eine andere Mutter“

habe ich mal gelesen. Und da ist wohl etwas dran. Frauen sind nämlich seit Ewigkeiten die Hüterinnen der Moral (hatten im Patriachat ja sonst viel, ne?) und da sie eben auch zufällig diejenigen sind, die sich überwiegend um die Aufzucht der Nachkommenschaft kümmern, wachen sie wie Gargoyles über ihre Kolleginnen.

Es spricht nichts gegen das Konstrukt der Moral zur Regulierung sozialer Gruppierungen. Erst einmal. Man sanktioniert Abweichlertum. Das kann sehr gut sein und die Gruppe schützen. Meist ist es nicht so prickelnd für die Abweichler, aber eben für die gesamte Gruppe. Und da ist der Mensch eben ganz tierisches soziales Wesen: Wer Unerhörtes tut (Wäsche falsch aufhängen, Konservendosen kaufen, Kinder umbringen) wird von der Gruppe bestraft. Ausgegrenzt, abgemahnt.

Wer beim Einkauf gerade die Bonduelle-Erbsen-und-Möhren-sehr-fein in der Hand hält und mitbekommt, wie im Nachbarregal zwei Frauen ihr Moralgespräch abhalten („Also ICH koche immer frisch!“ – „Ja, ich auch. Nur faule Frauen kaufen Dosen!“), stellt die Dose schnell wieder zurück. Das meine ich beispielhaft. Äh und auch real.

Was passiert aber, wenn man die Dose dennoch kauft?

Erstens, man sagt sich: „Ich lasse mich nicht von so Übermuttis einschränken. Ich habe heute keine Zeit und mache Ravioli. Die Kinder lieben sie, ich liebe sie und morgen gibt es artig Gemüse.“

Zweitens, das schlechte Gewissen (Oberster Beamte der Moral) meldet sich und tut so, als sei er das Unterbewusstsein, damit man es nicht schnell identifiziert: „Ja, rede dir das nur weiter ein, Liebes,“ säuselt er wie der stets besoffene wirkende Captain Jack Sparrow, „wir beide wissen ja, dass du schon immer eher die Bequeme warst und nun nach Ausreden suchst.“

Das Dritte, das passiert ist: Mit einer Trotzfalte auf der Stirn und etwas zu lauten Handgriffen wird die Dose erwärmt. Im Topf – nicht in der Mikrowelle. Irgendwas muss man ja schließlich leisten, um Essen zu servieren. Es schmeckt vermutlich irgendwie lecker, hinterlässt aber einen blöden Nachgeschmack wie billiges Stevia – nur ohne die Lakritznote. Nur genau so unerwünscht.

Und nun, viertens: Die erste Regel im Bonduelle Club lautet: Es gibt keinen Bonduelle Club.

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Wird von niemandem gekauft. Nur von Ms Essential: Eine Backmischung. Aber nur, weil ich soooo viele Kinder und soo wenig Zeit habe oder: Ha-ha, Ms Essential hat ’ne Backmischung, die faule Nuss!

Hier, genau an dieser Stelle – direkt vor dem Mülleimer mit den vorwurfsvollen, leeren Konserven setzt ein Phänomen ein, das Generationen von Müttern an den Rande der Neurose und darüber hinaus trug: Die Schweigespirale.

Es wurde natürlich nie eine Backmischung gekauft, man schläft immer geduldig und gern mit den Kindern in einem Bett, man stillt immer voller Liebe und ist niemals genervt von Ewig-Saugern oder Hampel-Nucklern, man schaut nur selten auf das Smartphone während die Kinder da sind, man spricht immer flötend und zwei Oktaven höher mit den Kindern – auch wenn man mit ihnen alleine ist. Und man ist kein Mitglied im Bonduelle Club.

Aber man ist Mitglied im Club der Mütter, die sich niemals beklagen dürfen und sich stets von der besten Seite zu präsentieren haben.

Es ist für Diktaturen, die Mafia und für Sekten eine altbekannte Art der Mitgliedschaft: Man möchte kein Mitglied sein, ist aber dennoch eins.

Wer miterlebt, wie Andere gesellschaftlich sanktioniert werden („Wie kann man als Mutter nur …?!“), der schweigt selber lieber und gibt stattdessen ein bewusst gestaltetes Bild von sich ab. Unter Auslassung vieler Aspekte.

Keine Butter bei die Fische

Unsere Fische werden trocken gebraten und serviert. Statt Butter gibt es Luft und Liebe. Natürlich. Mal ehrlich dazu stehen, ein ganz normaler Mensch zu sein? Ne – dann lieber keine Butter.

Wir, die immer zufriedenen und nur manchmal im erlaubten Rahmen erschöpften Mütter. Wir wissen, wie man das macht, dieses perfekte Bild zu vermitteln, das von uns erwartet wird:

Wir sind PR-Göttinnen. Wir verdrehen, lassen aus und zeigen nur das, was unserem Unternehmen zuträglich ist. Wir können Krisen-Prävention und Krisen-PR. Wir haben das drauf. Wir kennen jede Ausrede, beherrschen Ausflüchte auf moralisch ansprechende Art und vermeiden gekonnt Schweißflecken, während wir innerlich rotieren.

Ja klar, steigt die Gefahr eines Burnout, wenn man nie selbstehrlich seine Grenzen wahrnimmt und immer weitermacht – man kann sie aber leider nicht wahrnehmen, diese Grenzen. Denn das ist verboten.

‚N sommerliches Beispiel gefällig?

Der Familienurlaub war natürlich schön und es war toll, wie die Kinder spielten. Ja, da war der eine Regentag, aber hey! wir haben das süße Foto von klein Georg im zauberhaften Matschanzug, auf dem er so niedlich in die Pfütze hüpft. Wir haben geduldig im Regen gestanden und dankbar geseufzt über das Glück, dass wir/Gott/das Schicksal und schenkte/n.

Wir waren nicht angenervt und nicht gestresst, weil wir neben dem Kackwetter und dem ewigen In-der-Bude-hocken auch noch eine Erkältung befürchten mussten. Quatsch! Und dank moderner Technik können wir seit geraumen Jahren auch allen zeigen, wie unglaublich glücklich wir waren. Man wird uns selig beim Selfie mit Kind in die Kamera grinsen sehen. Wir können nämlich nicht nur PR, sondern schauspielern auch Greta Garbo an die Wand. Oder mindestens Madonna.

Und was macht unsere Freundin Simone/Martina/Karla zuhause, wenn sie das Bild sieht? Sie denkt sich:

„Puh, die Elfriede/Johanna/Gertrude ist aber zufrieden und happy im Familienurlaub. Komisch, dass man den Gert/Thomas/Wolfgang nie auf den Fotos sieht. Ob der sich ’nen Lauen macht, dieser alte Macho? Hm, nein, der ist sicher nur fotoscheu, wie viele Männer und räumt das Ferienhaus auf, während sie Fotos macht. Jedenfalls sitze ich selbst hier in der Ferienwohnung, die auf den Fotos bei Airbnb echt schöner aussah und bin angekotzt. Vom Wetter, von den nöligen Blagen Kindern und träume davon, alleine mit Wilhelm an einem maledivischen Strand zu knutschen. Kacke, echt. Ich mach nachher schnell mal ein paar Fotos mit Mia-Sophie/Lea-Leandra/Elfriede-Mirabella und stell die flott auf’s Profil. Nicht, dass die denken, ich wäre genau die überanstrengte Mutter, die ich in Wahrheit bin vom Familienurlaub angekotzt.

Dieses Beispiel geht auch mit folgenden Szenarien und Drehorten: Weihnachten bei den Großeltern, Schulfest, Gesunder-Gemüsenachmittag in der Grundschule, Bastelsamstag im Kindergarten. Und weitere.

Alles spitze, echt!

Wer meckert, wird ausgeschimpft. Macht man mit seinen Kindern nicht. Ist das Nicht-Wahrnehmen kindlicher Emotionalausdrücke. Machen wir mit uns schon. Auch gerne gegenseitig.

Ich bin ja die Tante Essential mit dem Wahrheitsfimmel. Daher schreibe ich hier auch so bewusst und gerne ehrlich. Darüber, wie die nervtötend ersten Monate mit Babies sein können, was an Kleinkindern das mütterliche Wahnsinnsrisiko steigert und so weiter. Ich poste ein Bikinifoto von mir (Hat ne Schubkarre Courage gekostet, hab ich ja erwähnt) und schreibe gern dazu, dass ich das nur tue, weil ich ein High-Waist-Bikinihöschen trage.

Wieso pfeife ich auf Mama-Eigen-PR (weil obwohl ich ja mal in einer PR-Agentur gearbeitet habe!)? Weil ich meine Mit-Mütter liebhabe. So richtig. Ich mag nicht so gerne die, die ihre Kinder verhauen, zu wenig mit ihnen sprechen und ihren Müll auf sie projizieren – für diese habe ich dann eher etwas wie eine Mischung aus Wut, Mitgefühl und Trauer in mir.

Ich lehne Schweigespiralen prinzipiell ab. Sie führen zu nichts Gutem. Niemals. Zumindest ist mir nichts dergleichen bekannt – ansonsten belehrt mich bitte. Ich will den Mut haben, anderen Müttern ehrlich zu zeigen:

Ich könnte manchmal auch kotzen, meine Liebe(n), echt!

Das schreibe und sage ich im guten Bewusstsein, dass wir alle wissen, wie viele glückliche und dankbare Moment wir in Wahrheit eben auch haben. In denen wir dann ganz ehrlich selig grinsend unsere Nachkommenschaft in die Kamera halten, die Geduld haben, einem Marienkäfer beim Krabbeln zuzusehen, während wir eigentlich schnell und routiniert vom Kindergarten nach Hause wollen und in denen wir weinen vor Glück, weil unserem Kind beim Sturz vom Kinderzimmerregal nichts wirklich Schlimmes passiert ist – laut wegen hysterischer Gluckenmutter genervter Notfallambulanzassistenzärztin.

Kuss zum Schluss

Ja, Ihr lieben Mit-Mütter (und falls vorhanden auch Schweigespiralen-betroffener Väter):

Lasst uns mutig sein und die Schweigespirale – wenn möglich – ab und zu in die Tonne hauen. Es passiert nichts Schlimmes. Ja, wir befürchten moralische Sanktionen. Und manchmal kommen die auch. Aber wir gewinnen auch etwas: Freiheit und Entspannung. Stellt Euch mal vor, wir würden uns so unterhalten:

Freundin Eins: „Grr, bin so angenervt – gestern mal endlich wieder netter Abend mit Klaus-Dieter und natürlich – zack: „Mami, Mami, die Lotta-Grazia hat ins Bett gemacht“. Ich hätte kotzen können! Kann es denn wahr sein, dass Kinder einem dauernd das Bisschen Zeit rauben, das man noch als Paar hat?“

Freundin Zwei denkt nicht wie programmiert: „Also echt, Kinder sind das Wichtigste im leben. Sie sollte mal lieber an die arme Lotta-Grazia denken, die sich sicherlich verunsichert und gedemütigt fühlte, weil ihr dieses schlimme Missgeschick passierte. Vermutlich hat sie die viel zu früh auf’s Töpfchen gezwungen – das hat sie nun davon. Und das arme Kind! Und dann ist ihr Sex wichtiger. Es gibt ja so Eltern, die nichts Anderes im Kopf haben! Unmöglich!“

Freundin Zwei ist das, als was sie hier dargestellt wird: Eine Freundin. Sie verfällt nicht der Sucht nach innerer Bestätigung und benutzt Freundin Eins als Werkzeug derselben. Sie sagt: „Ja, Kacke, echt. Kenne ich. Weißte was? Ich schnappe mir am nächsten Samstag Lotta-Grazia und Hugo-Klaudius, die spielen ja so gern mit meinem Sohni und ihr geht mal schön aus.“ Augenzwinkern. Lächeln. Fertig.

Man kann das Ganze auch umsetzen, ohne gleich Lotta-Grazia und Hugo-Klaudius bei sich einziehen lassen zu müssen. Einfach so mal mitfühlen und ehrlich sein. Das geht nicht nur mit der besten Freundin – da kann man das leicht, weil man ihr vertraut, dass sie nicht über einen urteilt.

Man ist ehrlich und Andere trauen sich dann auch. Und schließlich feiert man das, was man sich da gerade so couragiert erarbeitet hat: die Freiheit, ein authentischer Mensch sein zu dürfen. Ohne PR.

Denn wie mies und böse PR ist, wissen wir doch alle spätestens seit Mad Men, Thank you for Smoking oder Wag the dog. Oder?

P.S.: Wer noch mehr Filme über diese höllische Sparte sehen möchte, findet hier eine gute Liste.

P.P.S.: Sorry, Mr. Essential (PR-Berater!), Du weißt, ich liebe Dich, Handlanger des Satans :-*

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25 Gedanken zu “Public Relations der Extraklasse oder: Die Rosarote Hölle

  1. Die sind mein Beispiel für das „Ich koche immer gesund und frisch-„Getue.
    Ich persönlich finde an den unschuldigen Bonduelle-Bewohnern gar nichts schlimm 🙂

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    • Vielen lieben Dank!
      Es nützt in der Tat gar nichts. Ehrlichkeit würde zu Verständnis führen und dann wären unsere vielen Aufgaben gleich viel besser zu erledigen. Wenn man sich gegenseitig mal mit etwas mehr Liebe behandeln würde. Wäre auch ein schönes Vorbild für die Kinder, die natürlich ab einem gewissen Alter diese Kämpferei mitbekommen …

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  2. Also erstmal heißt die Backmischung so wie ich und rockt damit!
    Und zweitens bin ich mal wieder bei dir. Ich bemühe mich bei allen kinderrelevanten Themen um Ehrlichkeit. Sei es bei dem Thema Kinderwunschbehandlung oder der Nervigkeit von Kindern.

    Der Freund, der mich auf der Hochzeit neulich fragte: also, er fände Kinder ja schon süß und lustig, aber was würde man denn den ganzen Tag mit denen machen, kurz beschäftigen sei ja immer kein Problem, der hat auch nur sehr kurz verdutzt geschaut, als ich ihm sagte, er möge da bitte im Kindergarten nachfragen, ich würde ganz bewusst Vollzeit arbeiten und nur einen Wochennachmittag freihaben.

    Natürlich macht mich das vielleicht nicht gerade zur Übermutter, aber so hab ich wenigstens immer Lust auf meine Tochter. Wenn ich Vollzeit zu Hause wäre, dann wäre das garantiert anders. Und so passt es für meine Mann und mich und schätzungsweise auch für meine Tochter (jedenfalls will sie gerne von Omi/Opi und Oma/Opa abgeholt werden, gibt da aber auch öfter Eis als bei uns :-p)

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    • Hallo Kathi,

      hihi … ehrlich gesagt dachte ich beim Einfügen des Bildes in den Artikel, dass Du es vielleicht lustig findest, wie unsere Backmischung heißt 😀

      Ich kann gut nachvollziehen, wie Du meinst: Wenn man jeden Tag von morgens bis abends mit kleinen Kindern oder auch einem kleinen Kind zusammen ist und es sowohl betreuen als auch „bespaßen“ soll, dann ist das … nicht jedermann/fraus Sache. Meine auch nicht.

      Irgendwie scheucht mich unsere Nummer 4 pausenlos durch’s Haus, wenn er mal nicht bei der Tagesmutter ist (5 Wochentage von 8:30 bis 12:30) – so wie diese Woche. Ich finde das dann sowohl niedlich als nach zwei Stunden auch nervig oder anstrengend. Ich bin darüber hinaus der verwegenen Meinung, dass es wohl kaum im natürlichen Ur-Sinne sein kann, dass sich eine Person (meist Mutter) rund um die Uhr um das Bespielen/Pflegen/Betreuen/Verköstigen des Kindes kümmern sollte und kann.

      Bei Nummer 1 und Nummer 2 ergab sich das bei mir irgendwie so. Nummer 1 war 5 Jahre alt als sie gemeinsam mit der dann dreijährigen Nummer 2 in den Kindergarten kam. Das waren lange 5 Jahre, echt.
      Nummer 3 ging mit drei Jahren dann auch in die „Fremd“-Betreuung. Nummer 4 (das anstrengendste Kleinkind, das ich je hatte…) mit einem Jahr.

      Ich verstehe absolut, wie Du das meinst, dass Du den einen Nachmittag genießt – vielleicht eben auch weil es der einzige ist. Sicherlich wären auch zwei okay. Aber von morgens bis abends ein komplett fremdbestimmter Mensch zu sein, der nicht mit Gleichaltrigen in Kontakt ist? Das können nur manche Frauen aushalten und vielleicht auch schön finden – oder durchziehen und dennoch lächeln. Ich finde, man muss es nicht.

      Ganz liebe Grüße!

      P.S.: Der Kathi-Kuchen ist hammerlecker! Das ist schon unsere zweite Packung 😉

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      • Natürlich ist das nicht im „Ur-Sinne“, das einer alleine die Betreuung schmeißt. Aber irgendwie ist das heute in den Köpfen extrem so verankert, dass die Mutter und nur die Mutter das einzig richtige ist. Und ich merke einfach, dass ich so eine Mutter nicht sein kann. Können viele andere vermutlich auch nicht, aber die haben dann mangels flexibler Arbeit (von sich und dem Kindsvater) und wegen mangelnder anderer Betreuungsmöglichkeit und vielleicht auch wegen mangelnder Vorbilder, dass es auch anders geht, nicht die Chance da auszubrechen. Und sagen darf man das als Mutter ja eh nicht, du schriebst es ja schon. Dabei kenne ich viele, viele, viele berufstätige Väter, die zugeben, wie nervig und anstrengend kleine Kinder sind, aber kaum Mütter, die das ehrlich tun.

        P.S. Dein Kuchenbild hat mich jetzt so angefixt, dass ich mir den besorgen werde und Freutag für meine beste Freundin backen werde (die ist kinderlos, aber voll im Bilde, wie es mit Kind wäre und will trotzdem eins 🙂 )

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      • Allein dafür verdient die Freundin den leckeren Kuchen: So viel Mut muss man haben! Und da passt der „Freutag“ als Wochentag ja perfekt 🙂 (Die Backmischung habe ich übrigens aus dem Penny).

        Es ist echt so: Mein Mann sagt (und schrieb in seinem letzten Artikel auch), dass er manchmal morgens aus dem Haus geht und denkt „puh, schön, dass ich nicht jetzt da bleiben und mit ihr tauschen muss“. Als Mutter sagt man so etwas höchstens der besten Freundin mal.

        Der Maulkorb, den man da als Mutter tragen muss/soll ist völlig daneben. was sind das denn für Erwartungen an uns Frauen, dass wir ab dem Tag der ersten Geburt andere Menschen sein sollen? Wer vorher gerne Jazz hörte und Bücher las oder wenig Geduld hatte, dafür aber besonders locker und lustig gewesen ist, der bleibt es doch! Klar verändert man sich. Aber die Persönlichkeitsstruktur bleibt ja erhalten. Und daher kann man nicht erwarten, dass alle gleich sind. Wäre ja völlig verrückt! Die Idee, ein Bankangestellter beispielsweise müsse mit Jobantritt plötzlich auch nach Feierabend noch pausenlos freundlich lächeln. Bei uns ist das aber so. Der Job dauert 24 Stunden, also sind diese mit perfektem, mütterlichem Verhalten gefüllt …ts!

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  3. Wunderbar geschrieben und sooooo wahr.
    Ich habe immer etwas Bedenken mit anderen Mütter zu tun zu haben und ich glaube, genau aus den Gründen, die du beschreibst. Ich gehe für mich nämlich einen ganz anderen Weg und bin kein bisschen so aufopferungsvoll, wie ich vermutlich sein sollte. Und da beginnt das Problem schon. Ich weiß gar nicht, was die anderen Mütter denken, weil ich mich da sofort ausgeklinkt habe. Das macht mich ziemlich einsam aber frei. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

    Wir haben übrigens unseren Urlaub so verbracht: Die Große war 1 Woche bei Schwiegermutti und wir entspannt zu dritt zu Hause. Der Gatte fuhr dann mit Nr.2 noch eine Woche ‚die Große abholen‘ und ich hatte eine komplette Woche frei. Also ich fand das nen super Familienurlaub. Wir machen das jedes Jahr im Sommer so, denn der Gatte arbeitet sonst sehr viel und ich hab die Kinder. So hat jeder was von dem Arrangement. Familienurlaub ist bei uns Urlaub von der Familie.

    Ich gehe auch in anderer Hinsicht ganz andere Wege und schäme mich nicht. Aber ich finde so auch keine Freundinnen. Zum Beispiel brachte ich alle Babys mit 4 Monaten zur Kita – ohne Not, ohne dann arbeiten zu gehen – einfach weil ich es wollte. Das ist ein Thema, bei dem man schon klar seine Meinung vertreten muss und bereits der Ton keiner anderen Mutter eine Diskussion anbieten darf. Denn sonst gehen sie mit gefletschten Zähnen auf einen los. Ich werde das auch, trotz Elternzeit, beim dritten Kind so tun. Und ich werde es hinbringen, dort stillen, heim fahren, vier Stunden schlafen, in Ruhe essen und dann das Baby wieder abholen. Ich hab diese für mich perfekte Option und ich werde sie nutzen, Einfach so. Weil ich es kann. Und es löst bei mir tatsächlich überhaupt kein schlechtes Gewissen aus. Aber ich posaune das tatsächlich nicht einfach so raus. Ich persönlich bin aber sehr streng zu mir, andere Mütter nicht zu be- und verurteilen. Ich bin da inzwischen sehr diszipliniert und habe gelernt andere Wege wirklich zu akzeptieren, ohne mich angegriffen zu fühlen, sonder mit ehrlichem Interesse nachzufragen. Ich halte das für eine gute Reaktion auf diese Moralsache. Und ich hoffe immer noch, mal einer Mutter zu begegnen, die das auch so sieht und mich mit der anzufreunden.

    Was mich zur Zeit etwas nervt ist diese neue Moralwelle, dass Mutti dramatisch an sich arbeiten muss, weil sie selbst falsch ist. Erziehungsmethoden/noch gewaltfreie Erziehung/ noch mehr Aufopferung – das wird gerade sehr propagiert, scheint mir. Und nicht selten liest man im Internet und auf Twitter ‚Habe gerade Post/Artikel von soundso gelesen, muss dringend an mir arbeiten und eine bessere Mutter werden.‘ Gedanken werden nicht mehr als Anregung verstanden, sondern besonders informiert scheinende Mütter werden als Autoritäten angesehen, die Recht haben. Find ich ganz schlimm. Und man kann ja nix dagegen sagen, denn wie will man jemandes Meinung relativieren, wenn der/die doch nur noch mehr das Beste für’s Kind will? Vielleicht schreibe ich darüber auch noch einen Post, denn gerade im Internet wird die Moralkeule sehr hart geschwungen, weil da die persönliche direkte Zugriffskontrolle fehlt.

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  4. Liebe Rosalie,

    jaja, die Moralkeule – ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie Dich treffen könnte, je nachdem, welcher Mutter Du von Deiner frühen Betreuung der Kinder erzählst. Mir zum Beispiel ist das völlig „egal“ – ich denke mir: „Sie wird das Beste für die Kinder und sich entscheiden und wenn es eben so ist, dann ist das okay.“
    Ich setze das nicht in eine wertende Relation zu mir selbst – ist doch egal, ob ich das auch so oder ganz anders mache. Müssen wir alle gleich sein? Und wer bitte entscheidet dann, wie das genau aussehen soll – das Bild der „perfekten Mutter“.

    Schlimm finde ich, wie Du anscheinend ja auch, dass dieses retrotradierte Bild der sich ewig optimierenden Frau im Muttersein erst richtig aufdreht. Und das heutzutage!
    Kein Mann muss sich selbst wegwerfen, weil er Vater wird. Niemand findet, er sei böse, weil er schnell was Einfaches kocht/gerne Fußball spielet/mit Freunden in der Sonne sitzt. Nur Frauen wird alles verboten. Das geht mir gehörig auf den Zeiger!

    Diese Schweigespirale ist für Frauen, insbesondere für Mütter, ganz schön schlimm und folgenschwer. Durch das falsche und überhöhte Bild, von dem viele vorgeben, es zu erreichen, kommen viele in einen Selbstdrill, der ganz sicher nicht gut oder gar gesund ist, denke ich.

    Wäre spannend, wenn Du auch etwas zu diesem Thema schreiben würdest – das würde ich sehr gerne lesen. Die Thematik liegt mir nämlich echt am Herzen.

    Ganz liebe Grüße an Dich und noch mal herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft 🙂

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  5. Ich habe grossen Respekt vor den Müttern, die zugegeben haben, ihre Mutterschaft zu berreuen. Es gibt ja gar keine Notwenigkeit, sich davon abzugrenzen und hat auch nichts mit Moral zu tun. Es gibt eben kein „wir Mütter“, weil es jede anders empfindet. Genau dieses „so und so sind Mütter“, (gern wird das ja von Mitmüttern definiert), dieser Müttermythos, ist das was so schädlich ist. Und gegen diesen Müttermythos hilft es, wenn Frauen mal sagen, wie es wirklich für sie ist, wenn das eben so gar nicht dem Klischee entspricht. Vielleicht gibt es dann ein paar weniger Frauen, die Kinder bekommen, weil es so erwartet wird, obwohl sie zweifeln, um dann festzustellen, dass sich dieses sagenumwobene Mutterglück doch nicht automatisch plötzlich einstellt. Ein paar mehr Frauen, die sich freier für ein Leben mit oder ohne Kinder entscheiden können, weil sie es so wollen, ohne dass sie ständig verurteilt oder bemitleidet werden. Seltsamer Weise hält es ja auch niemand den Männern vor, wenn sie sich nicht für (Ihre) Kinder interessieren.
    Ich glaube, für mich wäre Mutter sein viel einfacher, wenn es da nicht dieses permanente Mütterbild wäre, dieses so und so habe ich zu sein und zu fühlen. Ganz nebenbei gesagt kenn ich auch mindestens so viele empathische und fürsorgliche Väter wie Mütter. Was soll daran so geschlechtsspezifisch sein? Wenn man mal die rosarote Brille absetzt und genau hinguckt, merkt man, dass da gar nicht so ein grosser Unterschied ist.

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    • Der Müttermythos ist eigentlich noch nicht besonders alt – er entstand in dieser Form in der Nachkriegszeit und ist in seiner Intensität in Deutschland eine Besonderheit.
      Viele ehemals faschistische Systeme haben einen Müttermythos, der sich aus dem vorigen Regierungssystem und dessen Folgen ergibt – ist ein spannendes Thema.
      Und im Alltag so sehr spürbar. Nach Jahrzehnten noch, wie man sieht.

      Schlimm, dass Frauen so gerne Systeme erhalten – es liegt in ihrer/unserer Natur. Und so erhalten wir auch Systeme, die uns selbst schaden.

      Vor allem sehe ich es wie Du: Der Mythos verdirbt mancher jungen Mutter die Sichtweise auf das Leben mit dem Kind. Sie wundert sich, dass alles eben auch oder manchmal überwiegend öde/überfordernd/nervig sein kann. Dann denkt sie nicht voller Verständnis über sich nach, sondern will sich optimieren. Zeigen einige Mütter, dass es ihr Hobby ist, den Kindern die Brotdosen mit winzigen Brotherzen und Gurkensternchen zu fühlen, dann denken andere schnell: „Ich bin zu faul für so etwas! Ich will dafür nicht um 6 Uhr aufstehen. was bin ich für eine schlechte Mutter …“
      Man könnte auch denken: „Hey, wenn es denen gefällt. Ich möchte das aus bestimmten Gründen einfach nicht tun und das ist okay so.“

      Ich hatte dazu neulich ein nettes Erlebnis: Nummer 3 erzählt von einem Klassenkameraden. Die Kinder hatten wohl erzählt, was sie so am besten können. Und er sagte, er wisse, wo backbord und steuerbord seien, da die Eltern mit ihm segeln und weil sie Parcour laufen, könne er an der Wand hochlaufen. Dies führte er vor. Nummer 3 wollte es auch machen, aber es klappte nicht. Darauf der Junge: „Das hast du nicht ganz richtig gemacht. Aber das kann man lernen, wenn man will. Ist aber nicht wichtig, du kannste eine Menge andere Sachen, die ich nicht kann.“
      Das gefiel mir. Jeder ist anders. Die einen Mütter stechen Herzchen aus, andere nähen, andere reden viel und hochwertig mit den Kindern, wieder andere sind geduldig. Jeder hat eine andere Biographie, andere Möglichkeiten und irgendwie gibt jede Mutter ihr Bestes.

      Die übergriffige Moral nervt mich echt gewaltig …

      Oft stelle ich mir Männer in spezifischen Mütter-Situationen vor. Bei der Schwangerschaftsvorsorge, im Kreißsaal. Wären sie auch so fremdbestimmt? Klar, wenn sie im weiblichen System groß geworden wären. Aber wenn es Männer wären, die in unserer Gesellschaft groß wurden. Ich stelle mir vor, wie die ihren Alltag mit Kindern gestalten würden, auf eine eher „männliche“ Art. Ich wette, sie würden sich mehr Freiräume nehmen und sich nicht so sehr unter Druck setzen lassen von Regeln wie „Du musst immer gut gelaunt und geduldig sein, voller Hingabe und stets freundlich!“ Vor allem nicht für ein 24/7-„Ehrenamt“ …

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      • Stimmt, es wird imer so dargestellt als sein die Mütter schon immer natürlicher Weise total eng an ihre Kinder gebunden gewesen, was ja so nicht stimmt. Im Moment ist dieser Müttermythos wieder total aktuell, das finde ich sehr erschreckend. So wie wir ja auch in den 70er und 80er Jahren was Feminismus angeht in einigen Bereichen schon viel weiter waren. (Meine Tochter hat kürzlich ein Buch aus den 70ern übers Reiten auf dem Flohmarkt gekauft. Da sind tatsächlich auch jung abgebildet, die Reiten. Jedenfalls glaube ich, es sind auch Jungs, so genau ist das nicht zu erkennen, denn alle haben irgendwie lange Haare, knall gelbe und peng rote Pullis an, Schlagjeans und Sandalen. Kinderkleidung und Haarschnitte sind einfach genderneutral. Heute gibt es ja ab 8 Jahren kaum mehr Bücher, die Jungs und Mädchen lesen können. Es wird immer klar ein Geschlecht angesprochen.)
        Zur Zeit der Geburt meiner Töchter war ich tatsächlich stolz natürlich geboren zu haben und zu stillen. Wenn ich Frauen mit Flasche gesehen habe, hab ich gleich gedacht, na, die macht es sich ja schön einfach. Das habe ich inzwischen revidiert. Es gibt tausend Gründe nicht natürlich zu gebären oder nicht zu stillen (so ein Spass fand ich das Stillen auch nicht immer) und es steht niemandem zu das zu beurteilen. Und wenn es eine aus Bequemlichkeit macht, so what. Lustiger Weise wird immer nur mit dem Kindswohl und nicht mit dem Mütterwohl (das Wort gibts nicht mal) argumentiert.
        Ja, das ist auch ein privater Sport von mir, Situationen mir mit verdrehten Geschlechtern vor zu stellen. Z.B. hat mein Schwager mal in Hörweite Frauen kritisiert, die ihre Kinder in die Krippe bringen. „Man“ (er meinte wohl eher frau) müsse sich ja keine Kinder „anschaffen“, wenn man sich dann nicht selbst darum kümmern will. Interessanter Weise ist er einer der Männer die 100% arbeiten und nie ihr Pensum auch nur zeitweise reduziert haben. Ich hätte ihm genau diese Frage also auch stellen können.
        Oder die Paare, die immer den Lohn der Frau mit den Kosten der Kinderbetreuung gegenrechnen, statt auch einen reduzierten Lohn des Mannes in Betracht zu ziehen. Es ist dann immer die Arbeit der Frau, die sich nicht rechnet.

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  6. Oh ja,
    Wie wahnsinnig sind wir Mütter. Ich gebe auch ganz unverhohlen zu, dass mich meine Kinder manchmal an den Rande des Wahnsinns treiben. Ich würde alles wieder genauso machen. Aber manchmal is es echt irrsinnig zermürbend.
    2von 3en sind seit 3 Wochen im Kindergarten. Nachdem wir 5Monate am Stück ohne Kindergarten, immer beisammen waren, ist es eine Erlösung für alle Beteiligten. Die Kinder gehen super gerne und sind sogar am Wochenende maulig, dass der Kiga zu hat. Ich war am Ende der 5 Monate tendenziell eher gereizt, als die flötende Mami. Ich möchte meinen, es gab zeitweise einen Kasernenhofton meinerseits, weil ich das Chaos, Gemaule und Gefordere nicht mehr ertragen habe.
    Ich war unter Dauerbeschuss und nichts konnte das besser unterbrechen, als der Kindergarten. Da die beiden und ich auch super glücklich mit dem Kindergarten sind, kann ich sie auch guten Gewissens lange dort lassen. Danach freuen wir uns wieder aufeinander und ich kann auch wieder die ‚flötende‘ Mama sein.
    Mit einem Kind zu Hause kommt es mir nach dem Dauerchaosmanagment vor wie Urlaub.

    Und was soll ich sagen: wenn ich keine Lust habe zu kochen, dann gibts ne Konserve oder Tiefkühlkost. Oder auch einfach nen Obsttag und Joghurt. Oder ein Butterbrot. Oder wenn ich ganz verwegen bin, dann gönne ich mir ein Mittagessen auswärts. Wenn das nicht so ins Geld ginge…..:-)
    Und jede Familie soll doch sein Miteinander gestalten, wie es passt. Ich kenne eine Mutter mit 3Kindern, die gingen auch alle früh in die Kita und diese Familie wirkt auf mich insgesamt immer sehr gelassen und gut gelaunt. Hängt doch alles von den jeweiligen Persönlichkeiten ab.

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    • Hallo Bea,

      absolut! Jede Familie weiß am besten, was sie braucht. Wer soll denn das von außen entscheiden können?
      Ich bin vollkommen gegen den Druck, der da Müttern angetan wird. Sei es zu Beginn mit dem Geburtsmodus, dem Stillen oder sonst etwas oder eben später, wenn es um Betreuung oder Fernsehzeiten geht.

      Als dürfte man nicht selber entscheiden!

      Ich war fünf Jahre lang Mutter, ehe die Älteste in den Kindergarten kam, zeitgleich mit Nummer 2 (damals 3) und als sie dort hingingen, gab es schon Nummer 3. Die war ebenfalls drei Jahre zuhause. Somit war ich acht Jahre immer mit Babies/Kleinkindern zusammen. Ich hatte einen Home-Office-Job seit Nummer 3 neun Monate alt war. Den hab ich während der Schlafenszeiten erledigt und später dann ausgeweitet.
      Ich kann echt sagen: Diese acht Jahre waren mehr als ausreichend. Sie ergaben sich so durch Umzüge, wegen denen wir Nummer 1 gar nicht erst im KiGa anmelden wollten und so weiter.
      Wenn ich den ganzen Tag belagert werde, dann bin ich auch jenseits von „Flöten“, echt 😉

      Hoch leben die Dosen und der Joghurt und das Obst. Und das Außer-Haus-essen. Oder „Lieferheld“. Es gibt einfach so Tage, an denen sollte man sich wenigen Freiheiten gönnen, die man als Mutter hat.

      Liebe Grüße!

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  7. Dein Beitrag greift ein sehr wichtiges Thema auf. Ich finde es einfach nur unehrlich, wie viele Mütter sich verhalten und äußern. Da wird immer alles weggelächelt und so getan, als ob alles easy wäre, aber komischerweise ist alle fünf Wochen einer aus der Familie schwer krank. Der größte Druck geht von vielen anderen Müttern aus. Wenn Ihr mich fragt: Die meisten Mütter sind selbst Schuld, dass ihr Leben so schwer ist. Wenn sie weiter so tun, als ob alles läuft und die Mütter auslachen, die es wagen, zu sagen, dass sie an der Belastungsgrenze sind, wird sich auch nie etwas ändern.

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    • Liebe Mara,

      ich stimme Dir so sehr zu! Wir machen uns gegenseitig das Leben schwer. Wie viel ausgeglichener wäre man, wenn man mal seine eigenen Bedürfnisse umsetzen „dürfte“ …
      Diese Gleichmacherei von Frauenpersönlichkeiten, die eintritt, sobald sie Mütter sind, ist total verrückt, finde ich. Und weil man ja eben direkt eine „böse Mutter“ ist, verschweigt oder schummelt man. Es werden Wut oder Enttäuschung weggelächelt. Das sendet falsche Signale an Mit-Mütter, die sich daraufhin unter Druck setzen.
      Wäre das Muttersein ein Bisschen anerkannter und würde mehr gewertschätzt, dann wären wir viel zu selbstbewusst, um uns so unter Druck setzen zu lassen.

      Liebe Grüße
      Lareine

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  8. Es tut gut zu Lesen, dass es auch anderen Müttern bzw. Eltern so geht.

    Ich konnte mich noch nie des Eindrucks erwehren, dass sich die Mütter im Kindergarten oder nun in der Schule fein selbst einen in die Tasche lügen. Die perfekte Mutter, so wie es das neue Rollenbild vorgibt, kann es meiner Meinung nach nicht geben.
    Wir sind doch alle nur Menschen und mal mehr, mal weniger gestresst / genervt / gereizt. Und es kann mir auch niemand weis machen, das man es immer hinbekommt bei zig verschiedenen Terminen in der Woche (die Kinder von heute sind ja selbst in der Freizeit vollkommen verplant und durchorganisiert) immer frisches und gesundes Essen auf den Tisch zu stellen.

    Ich bewundere da meine Frau. Sie hat bereits vor der Geburt unserer Tochter gesagt, dass sie alles nach ihren Vorstellungen macht und ihr die Meinungen der anderen am verlängerten Rücken vorbeigehen.
    Sie hat ihren eigenen Stil, der sicherlich nicht dem modernen Mütterbild entspricht, aber sie fühlt sich damit wohl und alles läuft so, wie es laufen soll.

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    • Hallo Marc,

      ich freue mich richtig für Euch, dass Deine Frau es schafft, das berühmte „eigene Ding“ zu machen. Es ist klasse, wenn man das schafft und sich damit wohlfühlt.
      Gegen den Strom zu schwimmen ist schließlich schwierig und Anpassung ist für uns Menschen – aus soziologischer Sicht – immer angenehmer.

      Liebe Grüße, auch an Deine Frau

      Lareine

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  9. Super Artikel! Ich kann glücklicherweise mit allen Freundinnen, die auch Kinder haben, offen sprechen. Wer kennt es nicht, sein Kind mal kurz im Wald aussetzen zu wollen? 😉 Gerade Freunde ohne Kinder oder Bekannte, bei denen die Kinder schon raus aus dem Gröbsten sind, haben sehr hohe moralische Ansprüche. Da halt ich dann auch mal lieber den Mund, wenn ich keinen Streit will.

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  10. Und was mir ganz oft fehlt, ist die Portion Humor.
    Es ist immer alles gleich so bierernst und als ob man davon stirbt, wenn die Brut mal Dosengemüse essen muss/darf/kann/soll.
    Wie ist das doch mit der Vielfalt oder Einseitigkeit?
    Ich pflege hier bei uns, dass alles geht, ob Fast Food oder fein gekocht, Serviette oder Pommes mit den Fingern.
    Und so handhaben wir das mit fast allem.
    Am Sonntag haben wir die Mutter aller Fertigbackmischung ausprobiert : den fertigen Teig nur noch aus der Tüte in die Form drücken 😀
    So what?????

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