Bloggercafé in Köln: Das #Elternbloglabel legt los

Bloggercafé in Köln: Das #Elternbloglabel legt los

Am letzten Samstag unseres Urlaubs waren wir in Köln zum Elternbloggercafé im Café Agathe. Das Familiencafé ist superschön eingerichtet, weitläufig, bietet ein paar hübsche und ausgewählte Kleinigkeiten zum Kaufen an, Spielbereiche und natürlich Kaffee, Kuchen und Co. Ich würde da öfter hingehen, wenn ich Kölnerin wäre. Und wenn ich öfter mal 3 Euro für einen Donut ausgeben wollte – mal vier Kinder. Plus Getränke. Dafür war aber der Käsekuchen derart lecker, dass ich kurz in meinen Pinup-Bikini schlüpfte und mich darin wälzte.

Die Fahrt war easy und der Parkplatz sofort vor der Tür auf der anderen Straßenseite und diese beiden guten Omen waren der passende Auftakt zum Bloggercafé: Es war toll!

Wir haben so viele liebe Bloggerinnen kennengelernt. Ja, da passt die rein weibliche Form, denn Mr. Essential war der einzige bloggende Mann unter den geladenen Gästen. Es war sehr spannend, die Gesichter und Persönlichkeiten hinter Blogs kennenzulernen, die man kennt und liest. Und eben auch neue Leute und wieder neuen Lesestoff.

Worum geht es? Was ist das Elternbloglabel?

Die Initiatorin des Elternbloglabels, die megasympathische Mira Mondstein (vom FamilyMag) stellte gemeinsam mit ihrem Partner Deva die Idee vor:

Wer kann die wirklich wichtigsten Kriterien eines Produktes für Kinder und Familien am besten bewerten? Richtig: Eltern und Kinder. Die Idee ist, Produkte zum Testen zu vergeben. Diese werden dann über einen aussagekräftig langen Zeitraum getestet und erhalten das Elternbloglabel – wenn sie es verdienen. Hier geht es zur Seite des Elternbloglabels.

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Wir mochten sie sofort: Die Gründer der Idee #Elternbloglabel

Was brainstormten wir als Testkriterien?

Wir waren alle richtig gut drauf und konnten toll zusammenarbeiten. So kamen eine Menge Ideen zusammen. Wir wollten sehen: wie sehr überzeugt das Produkt in Punkten wie:

– der Alltagstauglichkeit

– der Sicherheit

– des Aufforderungscharakters (bei Spielzeugen)

– der Lebensdauer

– der Qualität.

Und:

– Kann man das Produkt an jüngere Geschwister weitergeben? Lebt es so lange?

– Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis?

– Hält das Produkt die angekündigten Versprechen?

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Ich sehe aus wie ein eingefrorenes Frettchen mit Gottesanbeterarm, aber Mr. Essential ist gut getroffen, ne?

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Hier wird diskutiert und eruiert. Und ein kleines Bisschen köstlicher Kaffee genossen.

Wieso „Härteste Jury der Welt“?

Die #HaertesteJuryDerWelt ist unbestechlich. Sie kennt haargenau die Anforderung an Produkte, die speziell für Babies, Kleinkinder, Kinder und Eltern gemacht sind. Sie hat Erfahrungen, die darüber hinausgehen, eine Maschine stundenlang einen Knopf auf einem Kinderklavier drücken zu lassen. Zudem ist es nicht so, wie in vielen Fällen typisch: Blogger X bekommt Free Sample (im angebrachten und besten Fall plus Vergütung …) und schreibt dann: „Super Produkt, dringend kaufen!“, damit er von der betreffenden Firma auch in Zukunft noch Testprodukte bekommt. (Natürlich gibt es auch großartige Produkte, nach der Test man eine Kaufempfehlung schreibt – aber als Leser*in kann man sich nicht immer darauf verlassen, dass wirklich objektiv getestet wird. Das merkt man manchmal am Tonfall, an der Kritik oder auch ebenso an der detailliert ausformulierten Begeisterung.)

Das geht im Fall des Labels eben anders von Statten, weil nicht zwangsweise gebloggt wird und zwischen den Unternehmen und deren Produkten Personen sind, die Produkte auswählen sowie auch verlosen, da es wohl mehrheitlich mehr testwillige Blogger*innen als Produkte geben wird. Vor allem bei größeren Produkten wie Kinderwagen, Kinderzimmerlampen oder Ähnlichem.

Wir hatten hier ja bereits einen Produkttest an einem größeren Produkt (Kiddy Click’n’move 3 Kinderwagen) und wissen daher genau, wie so etwas abläuft – auch da hatten wir Verbesserungsvorschläge, die wir mitteilten und hatten einen längeren Zeitraum zum Testen.  Das hat uns Spaß gemacht und wir haben bemerkt, dass ein Alltagstest sehr überzeugende Kauf (oder Nicht-Kauf)-Argumente hervorbringt.

Daher interessierte und das Elternbloglabel auch sofort.

Nicht nur wir Blogger*innen, die wir uns in Kölle trafen, bilden die Jury – es gibt noch mehr Mitglieder und auch noch weitere Bloggertreffen in anderen Städten.

Elternbloglabel Gruppenfoto

Das ist ein Teil der Härtesten Jury der Welt. Rechts hinten das kritischste Mitglied: Nummer 4

Wie wird das Elternbloglabel unterstützt?

Unternehmen stellen, so wie man es von bisherigen Kooperationen kennt, ihre Produkte zur Verfügung. Die Eltern testen sie und teilen über sehr detaillierte Fragebögen ihre Erfahrungen mit. Die „Härteste Jury der Welt“ wird hierbei durch namhafte Unternehmen unterstützt, muss aber ihrerseits die Alltagstest gewissenhaft durchführen und dokumentieren. Sie gibt bekannt, wenn etwas mit dem Produkt ganz und gar nicht stimmt, was die Unternehmen auf Schwächen aufmerksam macht.

Wer das Label erhält, darf es natürlich einsetzen. Auf seiner Homepage, dem Produkt selber oder in der Werbung.

Bisher haben sich sehr viele Unternehmen gemeldet, was dazu führte, dass die Idee, die Mira auf einer Messe kam, umgesetzt werden kann. Wenn man bedenkt, wie manche Label und Awards vergeben werden – in der Jury sitzen immer mal wieder vier von sechs Personen, die für das Unternehmen arbeiten, über dessen Produkt sie entscheiden. Daher finden wir die Idee sehr gut. Ist ein bisschen, wie man es von Jako-O kennt: Eltern entscheiden, was in den Katalog kommt. Ein bisschen so könnt Ihr Euch das vorstellen.

Wann startet die Idee? 

Sie wird mit dem Ende des Jahres/Anfang 2016 losgehen. Die Produkttests können in den Blogs erwähnt werden, müssen sie aber nicht. Allerdings halte ich es für sehr interessant, bestimmte Produkte (wozu auch Neuheiten gehören werden) vorzustellen, oder nicht?

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Bravo: Ausstrahlungstipps im Zeitalter von Twilight und 50 Shades of Grey

Ich für meinen Teil habe ja nie die Bravo gekauft. Die Pubertät habe ich so lange hinausgezögert, dass ich direkt mit dem Metal Hammer eingestiegen bin. Trotzdem kam man ja damals nicht ganz an diesem Machwerk vorbei – in Ferienfreizeiten und Jugendgruppen, und ja, auch im eigenen Freundeskreis gab es immer irgendwen, der sie doch bei sich hatte.

Unter dem Vorwand „sich darüber beömmeln zu wollen“ haben dann auch Antis wie ich irgendwann mal reingeschaut. Und, was haben wir gelesen (natürlich aus rein humoristischen Gründen)? Den Teil mit Dr. Sommer und den Beziehungs- und Sextipps. Was soll ich sagen? Natürlich habe ich mich darüber lustig gemacht, aber es hat Spuren hinterlassen. Ich war für meine Pubertät und teilweise darüber hinaus geschädigt von diesem Machwerk.

Welcher Art dieser Schaden war (mittlerweile sind die seelischen Wunden, die ich damals erlitten habe, verheilt oder zumindest vernarbt) fiel mir letztens auf, als ich durch Nummer 1s und 2s „Mädchen“ blätterte. Die Beziehungs- und Sextipps sind noch immer voll von 12-Jährigen, die sich Sorgen machten, weil alle in ihrer Klasse schon Sex hatten. Von 13-Jährigen, die sich nicht sicher sind, wie sie ihren Freund oral befriedigen sollen. Von wirklich deutlich zu jungen Mädchen, die sich darüber Sorgen machen, ob ihr Freund sie verlässt, wenn sie ihn nicht bald mal ranlassen.

Heute bin ich dann von Ms. Essential auf die aktuelle Kritik an der Bravo für ihre „Ausstrahlungstipps“ aufmerksam gemacht worden. Was soll ich sagen – was habt ihr denn erwartet? Ein Massenmedium hat noch nie die gesellschaftliche Avantgarde verkörpert. Und wie die gesellschaftliche Nicht-Avantgarde aussieht, erkennt man leicht an diesem Fundstück meiner kurzen Recherche:

Doppelmoral

Ganz im Ernst – so lange eine Künstlerin noch immer darauf setzen kann, dass sie als Käfig-Kätzchen mehr Aufmerksamkeit für ihre Musik bekommt, so lange sind wir garantiert noch nicht so weit, als dass Bravo oder Mädchen Tipps geben könnte wie:

  • Beeindrucke Deinen Freund am besten durch einen geistreichen Beitrag zum feminstischen Diskurs. Boys stehen auf Mädchen, die intelligent sind und an einer Verbesserung der Rollenklischees in unserer Gesellschaft arbeiten wollen.
  • Du solltest Dich nur in ökologisch erzeugte und fair gehandelte Baumwollstoffe kleiden. Boys stehen darauf, wenn Mädchen ein Bewusstsein für die Umwelt haben. Wenn Du ihn verrückt machen willst, lass ruhig das Ökotex-Label oben aus dem Top raushängen.

Wir sind halt einfach noch nicht so weit

Ich möchte garantiert kein überkommenes Rollenbild entschuldigen. Natürlich sind die Tipps in der Bravo blöde, natürlich transportieren sie ein überkommenes Frauenbild. Natürlich transportieren sie gleichzeitig auch – ebenso wie die Hotpants-Debatte – ein veraltetes Männerbild. Aber die Bravo ist halt kein Medium, dass gesellschaftliche Veränderungen vorantreibt. 90 Prozent aller Beziehungstipps in Frauenzeitschriften sind so ein Hirnmüll, dass sich die Redaktionen aus journalistischem Ethos eigentlich die Frage stellen sollten:

„Wenn unsere Klicks und die Auflage uns sagen, dass unsere Leser so einen Mist lesen wollen, müssten wir dann das Publizieren nicht eigentlich aus ethischen Gründen aufgeben?“

Ich denke, die Antwort ist in vielen Fällen klar.

Die gesellschaftliche Realität ist doch, dass die größten belletristischen Erfolge beim weiblichen Publikum von Beziehungen handeln, die von Hörigkeit, Unterwürfigkeit und Bewunderung gegenüber dem Auserwählten handeln. Tipps wie der „devote Blick von unten“ dürften doch der geneigten 50 Shades of Grey-Leserin nicht fremd sein. Auch wenn sie das Bravo-Alter vermutlich schon länger hinter sich hat. Ebenso der 1a-Tipp schön tollpatschig zu sein ist durchaus etwas, dass sich in dieser Literatur wiederfindet.

Letztendlich bilden Bravo, Mädchen, gehypte Groschenromanzen und viele andere literarische und journalistische Formen doch nur die gesellschaftliche Realität ab, dass viele Frauen noch immer Männer wollen, die ihnen gesellschaftlich überlegen sind.


Exkurs: Ms. Essentials kleine Theorie der Partnerwahl

Ms. Essential hat hierzu ihre eigene Theorie und kommentiert hier gerade:

„Wir wollen halt in Wirklichkeit nur Männer, die wenigstens Geld haben und nicht viel blöder sind als wir. Da Männer durchschnittlich nun mal unbrauchbar, unmotiviert, fauler und müffelnder sind als Frauen, sollten sie wenigstens materiell einen Ausgleich schaffen. Das hat mit gesellschaftlicher Stellung gar nichts zu tun.“

Sie belegt das dadurch, dass viele Frauen nur über ihre Männer klagen, diese nicht ganz ernst nehmen und sie als „ein Kind mehr“ bezeichnen. Eine anständige Karriere sorgt da für das notwendige erotisierende Gegengewicht. Er schafft es beispielsweise nicht, seine Socken in die Wäschetonne zu werfen – dafür verdient er wenigstens genug für die Putzfrau. Das gilt übrigens nicht beim Sex – da zählt vorwiegend das Aussehen.

Ich frage mich, was dieses Rollenbild mir über mich sagen soll. Und ich versuche mich zu erinnern, ob ich ihr vor dem ersten Mal meine akademischen Qualifikationen nachweisen musste. Ach, das ist ja nett, sie bringt mir gerade einen Kaffee und tut noch diesen leckeren Süßstoff aus dem kleinen Fläschchen rein.


Was ich eigentlich sagen wollte: Die meisten Medien spiegeln die gesellschaftliche Realität nur wieder und wollen sie gar nicht verändern. Wir hatten schon auf dem letzten Elternbloggercafé mit Simone von KiKo Kinderkonzepte diskutiert, dass eigentlich ein Jugendmagazin mit Anspruch – quasi das frühjugendliche Äquivalent zu einer Nido oder Brigitte MOM – auf dem Markt fehlt.

Die Bravo kann diese Rolle definitiv nicht erfüllen. Aber sie liegt ja sowieso schon in den letzten Zügen*. Lassen wir sie doch einfach dumm von dieser Welt gehen.

*Das hat übrigens nichts damit zu tun, dass sie größtenteils Mist enthält. Jugendliche lieben Mist, der ihre Eltern ärgert. Aber sie mögen halt kein Papier mehr. Lasst uns also dafür beten, dass die Redaktion keine vernünftige Digitalstrategie findet. 

Endlich Neues aus Heiligenhausen – Kindermund der besonderen Art

Endlich Neues aus Heiligenhausen – Kindermund der besonderen Art

Unser „Heiliger Augustinus“ hat wieder zugeschlagen. Also nur verbal. Bisher. Es ist ja jedes Mal eine besondere Art Kindermund.

Neulich im Auto

Unser Navi wurde von meinem lieben Mann Mr. Essential vor Jahren mit einer speziellen Stimme versehen: Pastor Himmelreich. Mr. Essential fand das lustig, weil ich katholisch bin und in die Kirche gehe und er kommt dafür in die Hölle.

Der Pastor sagt jedenfalls Dinge wie Folgendes:

„Kehren sie um, Sünder!“ (Sackgasse oder verfahren)

„Kommen sie nicht vom rechten Wege ab“ (rechts abbiegen)

„Fahren sie mit Gottes Segen auf die Autobahn“ (Autobahnauffahrt)

„Nehmen sie die Arche“ (bei einer Fähre)

Dazu erklingt, wenn man „sein Ziel mit Gottes Hilfe erreicht“ eine Kirchenorgel. So.

Wir fahren im Urlaub durch Belgien und müssen eine lange Umleitung in Kauf nehmen. Mr. Essential fährt und ist leicht genervt. Bei einer neuen Anweisung „Kehren sie um, Sünder!“ sagt er:

„Jetzt halt aber mal den Schnabel, du nervst, Typ!“

Eisige Stille und ein stummes Mahnen breiten sich von der Rückbank durchs Auto. Ich versuche zu retten, was zu retten ist und sage scherzend zum Fahrer:

„Du, du, das sage ich dem Bischof, dann bekommste ’ne Watsch’n.“

Knappes Lachen, nur nicht von unserem heiligen Augustinus. Seine Stimme ist ein gestrenges Frösteln, als er sagt:

„Ja, oder er bekommt direkt eine von mir.“

Tage später beim Mittagessen

Ein paar Tage darauf sitzen wir am Esstisch und ich sage zu Nummer 3:

„Hör mal, Heiliger Augustinus, ich habe gelesen, dass der Augustinus damals aber ganz schön frauenfeindliches Zeugs verzapft hat. Was sagst du zu deiner Verteidigung?“

Und ich erwarte irgendwie noch etwas Witzig-Unsicheres. Aber es kommt mit knallhartem Tonfall:

„Ja, das war eben damals so in Mode – was hätte ich denn machen sollen, hä?“

Sprach’s und blieb komplett auf seinem Kurs. Inzwischen ist sie schon ganz stolz, dass Nummer 4 vor dem Essen schon automatisch die Patschhändchen aneinander legt und dann zuerst „Be!“ (beten) und dann „Ame(n)!“ ruft …

„Es gibt noch Hoffnung. Ich habe einen Schüler.“ resümiert sie dazu …

Screentime: Miss Fisher’s Murder Mysteries

Oh wow, diese Bilder! Diese emanzipierte, glamouröse Frau in einer typisch maskulinen Protagonistenrolle!

Reizvoll inszenierte Kulissen, detailverliebt wie die Kleidung der Darsteller.

Niemand trägt einen Bob so elegant wie die Hauptdarstellerin Essie Davies! Ihr süffisanter, erfahren bis erhabener Gesichtsausdruck! Einmalig.

Phryne Fisher: Hier wohl beim Nachstellen des Pulp Fiction Film-Plakats

Phryne Fisher: Hier wohl beim Nachstellen des Pulp Fiction Film-Plakats

Zum Inhalt:

Die australische Serie spielt in den 20er Jahren der Stadt Melbourne und zeigt eine neureiche, den Luxus liebende, weötgewandte Dame, deren Leidenschaft die Kriminalfälle sind. Wie Miss Marple irgendwie, nur „etwas“ anders.

Die Serie basiert auf den Büchern „Phryne Fisher Mysteries“ von Kerry Greenwood.

Die Detektivin Miss Fisher, die einen ebenso eleganten Vornamen wie herrliche Mary Janes rägt – sie heißt „Phryne“, lebt zusammen mit ihrem gebildeten Butler („Mr. Butler“) und ihrer superniedlichen Haushälterin Dorothy („Dot“) in einem atemberaubenden Haus. Und sie braust mit einem pulsbeschleunigend hübschen Cabrio zu ihren diversen Fällen, in die sie nach altbewährtem Prinzip wie durch Zufall hinein gerät.

Sie ist als wie selbstverständlich wirkend emanzipiert zu bezeichnen. Lässig, glaubwürdig, selbstbewusst. Sie beherrscht diverse Fremdsprachen, Judo und die Kunst, sich die Männer abzugreifen, die ihr gefallen. Mal einen raubeinigen Anarchisten mit schwerem russischen Akzent, dann einen geradezu schmerzhaft attraktiven (und jüngeren) Chinesen.

Manchmal denke ich dabei vergleichsweise an die alten James-Bond-Filme, in der Bond die Frauen wie Accessoires seiner Männlichkeit behandelte. Aber Phryne wirkt dabei irgendwie gar nicht lächerlich aufgesetzt oder konservativ blöd. Sondern lebensbejahend. Dabei spielt sie mit offenen Karten – sie möchte sich nicht binden und die Männer wissen das auch so.

Trotz dass sie mit Kindern „nichts anfangen“ kann, da sie durch eine traumatische Erfahrung als Kind ihre Schwester Jane verlor, adoptiert sie ein Mädchen gleichen Namens, um ihm ein Zuhause zu geben.

Natürlich ist für die Kriminalfälle eigentlich (auch ähnlich wie bei Miss Marple) ein Kommissar nebst Polizisten zuständig. Und dieser ist meist nicht sehr begeistert über Miss Fisher, die sich stets gut informiert zeigt und absolut nicht abwimmeln lässt.

Die Serie wurde unter Anderem für die Kategorien Kostüme, Design, Titelmusik und beliebteste Schauspielerin nominiert. 2014 gewann sie dann die Kostümdesignerin Marion Boyce den AACTA Award der Kategorie Beste Kostüme.

Mein Fazit:

Ich gucke die Serie im Moment bei Netflix (nee, ich krieg weder Kohle noch Goodies von denen) und kann sie allen empfehlen, die eine besondere Krimiserie suchen, Kostüme oder einfach die Roaring Twenties lieben. Zudem ist es ein interessanter Genuss, eine Frau sich so verhalten zu sehen, wie man es (vor allem in den 1920er Jahren) von einem Mann erwarten würde:

Sie ist elegant, fährt ein tolles Auto und nimmt sich, was sie im Leben so braucht. Sie ist heldenhaft, bewaffnet und stürzt sich durchaus gerne in Nahkämpfe – auch intimer Natur. Dabei wirkt sie niemals so aufgesetzt wie viele so fast neurotisch feministisch besetzte Charaktere, sondern stets glaubwürdig und ja – zugleich ernst zu nehmend, sexy und liebenswert. Eine gute Mischung!

Update: Die Kur

Update: Die Kur

Wie versprochen halte ich Euch auf dem Laufenden:

Ich habe es nun geschafft, alle fünf Atteste zu den jeweiligen Ärzten (Hausärztin und Kinderarzt) zu bringen und wieder abzuholen. Der Kinderarzt war drei Wochen in Urlaub und ich musste mit der Abholung bis heute warten. Mit der Hausärztin hatte ich die diversen Seiten gemeinsam durchgearbeitet. Der Kinderarzt hat sich hingesetzt und geschrieben, was er als notwendig erachtete. Damit unsere Nummer 1 (zum Zeitpunkt der Kur 13 Jahre alt) überhaupt noch mitkommen darf und nicht alleine zuhause bleiben muss, hatte er sich etwas zu überlegen. Auch brauchte es für unsere Nummer 2 (11 Jahre) ein Argument. Die beiden Kleinen werden als selbstverständlich dem Muttertier zuzuordnend betrachtet. Nummer 1 würde „psychisch eine derart lange Trennung von den Hauptbezugspersonen ihres Umfeldes nur schwer verkraften und das Alleinsein sei ihr nicht zuzumuten.“ Bei Nummer 2 fiel ihm etwas Anderes ein: „Das besonders sensible Kind könnte durch seine starke Bindung zur Mutter durch die Trennung eine Angsterkrankung entwickeln.“

Danach habe ich alles eingetütet und flugs bei der Kurberaterin vorbeigebracht.

Sie rief umgehend an und bestätigte noch mal den Termin Ende November.

Den will ich eigentlich nicht, denn während dieser drei Wochen haben ich und auch Nummer 4 Geburtstag. Den 2. Geburtstag wollen wir aber ungern ohne den Dada verbringen. Also, der Dada will das natürlich auch nicht. Und ich will meinen Geburtstag, den letzten vor dem nächsten runden auch nicht nur unter Kindern und Fremden feiern. Hatte ihr das bereits gesagt und werde das noch mal erwähnen. Sie hatte schon neulich eingeräumt, den Termin noch verschieben zu können. Doch heute meinte sie, wenn man einen festen Termin hat und das der Krankenkasse mitteilt, dann bearbeitet diese den Antrag etwas schneller.

Also habe ich bezüglich des Termins nichts gesagt …

Nun muss man warten, bis sich die Krankenkasse bei der Kurberaterin oder direkt bei mir meldet. Dann erfahre ich, ob sie die Kur genehmigen.

Ich kann mir drei Wochen häusliche Absenz hier noch nicht ganz vorstellen. Und Mr. Essential auch nicht. Weiterhin werde ich natürlich hier berichten.

Wie man eine junge Mama aufbaut – Blogparade #MeinBriefAnMich

Wie man eine junge Mama aufbaut – Blogparade #MeinBriefAnMich

Jana vom Hebammenblog ruft zu einer sommerlichen Blogparade auf, bei der es darum geht, sich selbst einen Brief zu schreiben. Allerdings in die Vergangenheit. Nämlich zu dem Zeitpunkt, als man eine frischgebackene Mama war.

Das gefiel mir außerordentlich gut!

Ähnliches habe ich bereits bei „Briefe an mein jüngeres Ich“ gemacht und empfand das sehr interessant und auch berührend.

Wie baut man eine junge Mama (sich selbst) auf? Welche Erfahrungen habe ich damals gemacht? Ich nehme Euch mit auf eine Zeitreise und teile meine persönlichen Erfahrungen mit Euch. In diesem Brief an mich als Newbie-Mum vor bald 13 Jahren:

„Liebe Lareine,

Dein erster Gedanke nach drei Stunden Dauerpressen war: „Ich werde für immer die Pille nehmen, bis ich sterbe!“ Nach dieser Tortur hätten sicher viele so gedacht, also hab kein schlech… oh, Moment…da fällt mir sofort etwas ein:

Du wirst in den folgenden Tagen jemanden kennenlernen, der Dein Leben für immer begleiten wird:

Das schlechte Gewissen.

Du wirst es dauernd spüren. Wenn Du mal zwei Minuten an Dich denken möchtest oder alleine ins Bad willst. Wenn Du eigentlich lieber selber etwas essen möchtest, das Deine Tochter Dir aus dem Mund kramen und in den ihren schieben wird. Wenn Du siehst, dass dein Frust-Schoko-Futtern und das Wunschgewicht nicht zusammenpassen. Wenn Du merkst, dass Du das Stillen ganz schrecklich findest und Dich dennoch moralisch dazu gezwungen fühlst.

Wenn Du bemerkst, dass Hebammen, die eine Frau mit schneeweißen Lippen und Schwindelgefühlen, die kaum eine Treppe hinabsteigen kann, nach der Geburtshausgeburt einfach nach Hause schicken, ohne mal wenigstens nach dem Blutdruck zu sehen, vielleicht nicht ganz so gut sind, wie man Dich glauben machen will.

Wenn Du genervt bist, weil Du nie mehr alleine mal eben das Haus verlassen kannst. Oder weil du manchmal Dein High-Need-Baby gern dem Postboten mitgeben willst – das schlechte Gewissen wird immer da sein!

Gewöhne Dich an diesen neuen Dauerbegleiter in dem Wissen, dass all die anderen Mütter, von denen Du keine einzige kennst, weil Deine Freundinnen alle noch längst keine Kinder bekommen haben (oder es niemals tun werden), ebenso empfinden.

Den meisten Müttern geht es wie Dir.

Deine Tochter wird bald eine besonders unleidliche Phase haben. Und noch eine und eine weitere. Sie wird die Definition des Schreikinds erfüllen und Du wirst dauernd an Dir zweifeln. Dann wird sie richtig unzufrieden werden und Du wirst denken, sie wird beim Stillen nicht mehr satt. Die Hebamme sagt: „Immer weitermachen! Mehr anlegen, selbst mehr trinken.“ Du tust das auch, hast sie dauernd an der Brust und dennoch kommt nicht genug Milch. Da wird sie dann sechs Monate alt sein. Inzwischen steckt sie sich Löffel und alles Ähnliche in den Mund. Der Kinderarzt wird entsetzt auf ihr geringes Gewicht gucken und sofort das Zufüttern mit Pulvermilch anordnen. Schon wieder wirst Dich Dich schlecht fühlen, weil Dein Baby Hunger hatte.

Du musst keine Tränen in den Augen haben, wenn Du die Milch kaufen gehst. Viel später wird Dir eine Hebamme sagen, dass es manchmal so abläuft: Das Baby ahmt das Essen nach, indem es dauernd spielerisch „löffelt“, unbewusst reagiert der Mama-Körper mit Milchrückgang, da das Kind signalisiert „Ich will etwas Festes essen! Schnell und viel!“ Besonders selbstständige Kinder, die früh krabbeln und sitzen vermitteln dieses wohl oft dem Mutterkörper.

Wichtig an dieser Erfahrung ist Folgendes:

Trotz des Hebammen-Tipps des Dauer-Anlegens hast Du gespürt, dass Du weniger Milch produzierst und bist dennoch brav der Anordnung gefolgt, obwohl Dir Dein Innerstes sagte: „Sie braucht etwas mehr als das Bisschen Milch.“ Sieh es einfach so: Dein Instinkt war gut, Du bist ihm nur nicht gefolgt. Später aber wirst Du das immer öfter tun und goldrichtig damit liegen.

Zwei Monate später dann wirst Du wieder schwanger sein.

Inzwischen hast Du gerade geheiratet. Ja, es beginnt dann eine anstrengende Zeit für Dich. Du hast natürlich Angst vor all dem, was da auf Dich zukommt. Aber ich kann Dir sagen: Du wirst sehr stolz und oft glücklich sein. Klar, das ist stressig mit zwei so kleinen Kindern zugleich. Und Du wirst oft genug am liebsten wegrennen. Aber nach kurzer Zeit werden die beiden sehr innig und wirklich stundenlang zusammen spielen. Sie werden ein Herz und eine Seele sein. Die kleine große Schwester wird das Baby-Schwesterchen vom ersten Blick an lieben. Dieser Augenblick des ersten Zusammentreffen wird Dich auch nach über einem Jahrzehnt in der Erinnerung noch rühren.

Dein großes Töchterchen will immer mehr als es kann. Und Du unterstützt es sehr gut dabei, sich zu entwickeln. Dein Instinkt wird sich verfeinern und Du hast immer Zugriff darauf. Es ist das Beste, was man hat, denn: Jedes Kind ist anders. Und es können nicht alle Tabellen, Ernährungstipps, Windelsorten und Spielzeuge für jedes Kind gleich gut passen. Daher gibt es die mütterliche Intuition, behaupte ich.

Typische Muttergefühle

Du zweifelst oft an Dir und wenn Du mal lauter wirst und schimpfst, dann schämst Du Dich. Stattdessen wäre es besser, Dich da abzuholen, wo Du stehst: Du bist eine sehr junge Frau von Mitte zwanzig mit einem Säugling und einem Kleinkind, dafür aber ohne Auto in einem kleinen Stadtteil einer Kleinstadt.

Das ist öde, überfordernd und frustrierend. Klar, es ist auch süß, niedlich, stolz machend. Aber eben nicht nur. Die Weichzeichner-Welt der Eltern-Zeitung gibt es in Wirklichkeit nicht. Oder hast Du schon mal eine Familie gesehen, die ausgeglichen und selig lächelnd – und allesamt in Beige und Weiß gekleidet – knallbunte Ostereier bemalen? Nein? Weil es sie nicht gibt!

Es gibt auch nicht die Mütter, die immer gutgelaunt und gerecht sind. Und nicht jene, die lächelnd putzen, während die Kinder pausenlos knatschend an ihrem Rockzipfel hängen, im Putzwasser matschen oder sich auf den Staubsauger setzen. Es gibt keine Frauen, die es aushalten, Woche um Woche mit Kleinkindern in einer Wohnung zu hocken, ohne langsam durchzudrehen, wie ein ein neurotischer Vogel, der den Kopf im Kreis dreht.

Denke mehr an Dich und fülle Deine Ressourcen auf

Du verzichtest zu viel. Du grenzt Dich den Kindern gegenüber zu wenig ab. Deine Bedürfnisse wirst Du nach und nach schon selber nicht mehr wahrnehmen. Daher rate ich Dir, Dich viel mehr auf sie zu konzentrieren. Auch im Kleinen. Trink mal was, wenn Du Durst hast. Dein Durstgefühl nimmst Du ja auch kaum noch wahr.

Höre ruhig auf den Hinweis Deiner Mutter: „Kinder spüren ganz genau, welchen Raum innerhalb der Familie oder der Gesellschaft sie füllen können. Sie richten es sich in diesem Raum ein. In den 1950er Jahren zum Beispiel, da hatten wir kaum Raum. Man bekam eine auf den Mund gehauen, wenn man einem Erwachsenen ins Wort fiel. Heute wenden sich die Mütter den Kindern zu und vergessen, dass sie sich eigentlich gerade mit ihrer Freundin unterhielten. Du bietest den Raum, die Kinder füllen ihn – das ist ein natürlicher Verlauf. Du musst nur überlegen, wo und wie viel Raum du geben willst.“

Die Kinder füllen den gebotenen Raum. So einfach ist das. Sie spüren, ob ein Nein wirklich Nein heißt oder man verhandeln kann. Sie sehen, dass ihre Mutter jemand ist, der regelmäßig Pausen macht und sich Auszeiten nimmt. Oder eben nicht. Und sie werden das in ihrem Leben irgendwann nachahmen. Also mach ihnen das Beste vor 😉

Die Unsicherheiten werden immer weniger und man wird mit der Zeit als Mutter immer versierter. Nur das schlechte Gewissen pappt an einem wie eine Schmeißfliege. Es hilft, sich selbst mit fremden Augen zu betrachten, wenn es wieder da ist.

Statt zu denken: „Hätte ich mal weniger gemeckert heute …“ tut es gut, sich zu sagen: „Hey, du hattest heute deine Periode mit fiesen Bauchschmerzen, die Kinder haben dauernd genölt, das Wetter war mies und dir fällt seit Wochen die Decke auf den Kopf. Jeder Mensch wäre da mies drauf. Nur Mütter glauben, dass sie sich von außen ihre Gefühle bestimmen lassen sollten. Das ist Unsinn. Sei ruhig ein echter Mensch mit echten Gefühlen und Verhaltensweisen.“

Stell Dir vor, Du wärst Deine eigene Freundin – das kann helfen. Wie würdest Du eine gute Freundin betrachten und was würdest Du ihr raten, wenn sie mal meint, zu viel gemeckert zu haben? Oder sich schämt, weil sie sich in einem Leben mit Menschen, mit denen sie sich kaum unterhalten kann, oft langweilt? Manchmal hilft es auch, sich vorstellen, ein Mann würde Dein Leben leben.

Wie es wohl wäre, wenn ein Mann sich für dauernde Vorsorgeuntersuchungen auf so einen Stuhl begeben müsste und wie er es wohl fände, wenn Wildfremde in weißen Kitteln ihnen Finger in alle möglichen Körperöffnungen stecken würden? Oder wenn er mit einem Bauch im Walrossstadium der Schwangerschaft auf dem Badezimmerboden herumkröche, um alles schön sauber zu machen? Schnell merkt man dann, dass man sich wesentlich mehr wie selbstverständlich zumutet, als das andere Geschlecht (in der eigenen Vorstellung) hinnehmen würde.

Hier kannst Du Dich von Deiner Prägung abgrenzen. Das schadet echt nicht. Frauen sind noch viel zu viel darauf geprägt, es allen recht zu machen und erwarten, nur dann Liebe zu bekommen, wenn sie alle selbstlos glücklich machen. Viel zu untergeordnet! Verlange mehr für Dich! Bedenke doch, was Du alles bereits erleben musstest. Ein Mensch wie Du braucht viel Liebe und Verständnis. Vor allem und zuerst von sich selbst.

Ich bin Deine Zukunft

Du ahnst nicht, wie sehr Du und Dein Leben sich verändern werden. Du wirst irgendwann trotz und wegen allem eine selbstbewusste Frau, die ihre Stärken kennt. Klar, das ist ein langer Weg, aber Du bist willensstark und gründlich genug, um meist reflektiert zu sein und Dich sehr genau zu beobachten. So wird das klappen. Und mit den zwei Kindern kommst Du wirklich irgendwann locker zurecht. So gut, dass Du ihre Anzahl im Laufe des kommenden Jahrzehnts verdoppeln wirst …

Im Gegensatz zu Deinen verhassten Pfunden. Von denen wirst Du vom Zeitpunkt der ersten Geburt gute zwanzig Kilo abwerfen. Du wirst irgendwann in den Umkleiden stehen und innerlich jauchzen, weil Dir einfach alles passt, das Dir gefällt. Dafür wirst Du Disziplin und Durchhaltevermögen aufbringen. Glaubst Du jetzt grade nicht, hm? Freue Dich ruhig darauf.

Ach, Du hast echt viele Stärken, wie jede andere Mutter auch –  es dauert nur immer so lange, bis Mütter sich trauen, diese wahrzunehmen und bewusst zu leben.

Vergiss Deine Interessen nicht und halte im Auge, immer genug Ausgleich zu erhalten. Du wirst immer mehr Kinder und immer weniger Zeit für Dich haben. Da ist es enorm wichtig, auf sich selbst zu achten.

Herzlichste Grüße aus Deiner Zukunft

Lareine

Geburts-Kunst

Nummer 3 malt und zeichnet ja sehr gern.

Dazu nimmt sie oft die App „Paper“ und benutzt das iPad. Ich mag die ja auch sehr gerne und kann sie echt für jedes Alter empfehlen. Einerlei:

Sie hat vor einer Weile die Geburt von Nummer 4 gezeichnet. Das Thema ging wohl eine Weile in ihrem Kopf herum und dann verarbeitete sie es eben bunt.

Weil ich die beiden Ergebnisse so speziell finde, fragte ich sie, ob sie ich hier zeigen darf. Und ich durfte:

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Links steht Mr. Essential mit euphorischem „Jaaa!“

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Hier in zartem Aquarell: Sprechblase und Blut. Nummer 4 scheint erstaunt, auf der Welt zu sein …

Was sagt Ihr dazu?

Könnte das eine neue Motivrichtung der Kunst werden? Geburtskunst?

Jenseits der klassischen mittelalterlichen Holzschnitte oder den farbintensiven Renaissance-Interpretationen der Geburt des Jesuskinds? 😀