Die Fufel-Chroniken

Da dieses Wochenende der 800. Jahrestag der Unterzeichnung (eigentlich war es ja eine Besiegelung) der Magna Carta gefeiert wird, schlagen auch wir unsere Charta auf.

Na ja, sie enthält eigentlich keine Rechte für übermüdete Eltern. Es gibt keine Artikel, die Herrschaft aufteilen sollen, um für Gerechtigkeit des Volkes und der Barone*innen sorgen. Okay, es sind überhaupt keine Rechte für Herrschende enthalten. Dafür aber mit das Kostbarste, das wir Menschen haben: Erinnerungen.

Unsere Charta ist also eher eine Chronik.

Eine volle und über ein Jahrzehnt alte:

Die Fufel-Chronik

Und in den kommenden Wochen werden wir sie aufschlagen und ab und an Erinnerungen aufschreiben.

Was haben die Fufels 2004 gemacht oder 2008?

Aus dieser Reihe gibt es heute:

Mama war nur kurz unten staubsaugen

Wir schreiben das Jahr 2006.

Nummer 1 ist dreieinhalb und Nummer 2 ist zwei Jahre alt. Nummer 3 war Quark im Schaufenster (das darf sie jetzt nicht lesen, denn sie hasst diesen Ausdruck. Sie sagt dann immer: „Ich war niemals Quark! Ich war bei Gott und wartete auf mein Leben!“

Direkt nach dem Einkauf wollte ich das Souterrain unserer damaligen Wohnung saugen. Oben spielten die beiden. Man konnte sie das ruhigen Gewissens tun lassen – es war das hochgesicherte Gummizellen-Alcatraz die kindersicherste Wohnung, die wir jemals hatten.

Ich habe mich dennoch beeilt und verließ die auf dem Teppich selig Spielenden für rund 10 Minuten. Ja, ich habe ziemlich hektisch den Sauger geschoben – es stand noch irgendein Termin an und ich wollte vorher wenigstens einen „Kölsche Wisch“ machen.

Als ich wieder nach oben komme, sind die Mädels weg.

Sie waren nicht etwa verschwunden, weggelaufen, ausgezogen:

Sie befanden sich unter 10 (!) ausgerollten und verteilten Rollen Klopapier. Mitten im Wohnzimmer. Mir fiel fast der Sauger aus der Hand.

Stimmt! Die Packung Klopapier war vom Einkauf noch im Flur stehen geblieben!

Mein Mund war offen. Es raschelte. Nummer 1 steckte zuerst die Nase aus den 2.000 weißen Blättern vor mir.

„Hallo Mama,“ sagte sie fröhlich.

„Hallo …“ krächzte ich reflexartig und fügte mit brüchiger, aber versiert freundlicher Stimme an, „was …äh … genau macht ihr da?“

Es raschelte erneut, Nummer 2 erschien.

„Hallo, Mama.“

Nummer 1 sah mich an und strahlte:

„Wir sind Biber. Und das hier, “ sie wies mit ausgestreckten Armen auf ihre Zweitausend Morgen schneeweißes Land,  „ist unsere Biberburg. Hier wohnen wir. Das haben wir selbst gebaut.“

Ich sah, dass die Klorollenburg in der Tat mittig aufgetürmt war und an den Rändern flach auslief. Sah aus wie ein 1-A-Biberbau.

In mir bahnte sich die einzig richtige Entscheidung bezüglich einer adäquaten Reaktion an:

„Das ist die beste Biberburg aller Zeiten. Schade, dass ich da nicht mehr reinpasse!“

Sie haben noch eine ganze Weile glücklich gebibert. Danach haben wir zusammen auf Klorollenpappkerne aufgewickelt, was noch zu retten war. Das war erstaunlich viel.

Die Erinnerung an die Biberburg habe ich sehr gerne.

Heute stolzer Besitzer eines Biberburgbausatzes: Prof. Dr. Nagy, Mr. Essentials Kindheits-Biber

Heute stolzer Besitzer eines Biberburgbausatzes: Prof. Dr. Nagy, Mr. Essentials Kindheits-Biber

In dieses Buch hier

Kostbare Erinnerungen an wunderbare Jahre: Die Fufel-Chroniken

Kostbare Erinnerungen an wunderbare Jahre: Die Fufel-Chroniken

habe ich laufend geschrieben, was ich so mit den Kindern erlebt habe und auch, was ich jetzt erlebe.

Es sind sozusagen die Fufel-Chroniken. Dieses Buch gehört zu den ersten Dingen, die ich retten würde, nachdem bei einem Brand alle Menschen in Sicherheit sind. Echt. Und immer, wenn die Kinder mich mal fragen, was ich noch retten würde, nachdem alle Menschen gerettet seien, dann sage ich: Meinen Teddy, die Kiste mit den Kinderandenken und die Fotoalben. Ist mein Ernst.

Was soll man auch sonst retten? 🙂

8 Gedanken zu “Die Fufel-Chroniken

  1. Nummer Drei gefällt mir 😉 Meine Tochter sagt zu Ereignissen die vor ihrer Geburt lagen: “ Da flog ich noch mit den Fliegen umher und hab mir meine Mama ausgesucht“. Mir gefällt ihre Vorstellung das sie sich genau mich ausgesucht hat.

    Klopapierburgen hat sie nie gebaut, aber innerhalb 5 Minuten hat sie das gesamte Bücherregal ausgeräumt, alle bücher feinsäuberlich wie Häuschen aufgestellt und sich mit dem Kopf unter das grösste gelegt. Auf meine Nachfrage was das wird meinte sie das sie ganz tief ins Buch möchte….

    Bücher sind auch mit 10 heute noch ihre Leidenschaft und oft sitzen wir beim Abendbrot und diskuttieren leidenschaftlich über Geschichten die wir beide kennen und ihr Papa schaut schweigend zu 😉

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  2. Hey Lady Solana,

    mit den Fliegen umherfliegen und sie die beste Mama aussuchen klingt ganz toll! 🙂
    In eine Welt aus Büchern einzutauchen ist ebenfalls ganz formidabel, finde ich. Das scheint eine Leidenschaft für’s Leben zu sein.
    Unsere Nummer 2 liebt Bücher auch sehr. Im Moment macht das Laptop mit Minecraft den Büchern etwas Konkurrenz, aber dennoch liest sie immer noch so gerne.

    Liebe Grüße! 🙂

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  3. Meine hat seit ihrem Geburtstag einen Computer mit Sims 3 und ansonsten kann sie damit nur emails schreiben, auf der Xbox haben wir Minecraft. Aber selbst wenn sie plant für Computerspiele in die Bücherei zu gehen kommt sie mit Büchern heim. Bin ziemlich stolz auf sie das sie soviel liest.
    Diese Leidenschaft verbindet uns und hat auch die Verbindung gehalten als es durch die Schule ziemlich schwierig zwischen uns wurde.

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    • Ich kenne diese Verbundenheit der Leseratten von Nummer 2 und mir auch 🙂
      Schön, dass Euch die Bücherwelt als Verbindung erhalten geblieben ist – das klingt sehr schön.
      Nummer 2 liebte vor Minecraft übrigens auch Sims 3 …
      Wie alt ist Deine Tochter denn?

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  4. seit April ist sie 10, aber sie wirkt älter. Selbst ihre Lehrer und Therapeuten müssen sich immer wieder daran erinnern das sie noch ein Kind ist. Jetzt schon über 1,55 m groß und einen Kopf worum sie manch Erwachsener beneiden könnt.

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  5. ach, noch mehr Gemeinsamkeiten mit unserer Nummer 2! 🙂

    Sie ist 11 und 1,60 Meter. Dazu wird ebenfalls dauernd überschätzt. In der Grundschule musste sie Verständnis dafür haben, wenn die Lehrer auf ihre Art (Unterforderung/Rebellion …) ungehalten reagierten …
    Schule ist ein anstrengendes Thema gewesen in den letzten Jahren. Jetzt erst geht es wieder. Sie hat die 3. Klasse übersprungen und sich inzwischen nach 2 (auch nicht immer leichten) Jahren an der weiterführenden Schule eingelebt.

    Sehr reif zu sein hat wirklich nicht nur Vorteile …

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