Urlaubszeit

Die Urlaubszeit ist da. 

Ich denke darüber nach, wie ich es dieses Mal schaffe, rechtzeitig so viel Wäsche wie möglich vorher wegzuarbeiten, alles sauber zu machen und aufzuräumen.

Ich habe das im letzten Jahr auch gemacht. So gründlich, dass ich mich auf die Rückkehr freute. Ich wusste, wir kommen zu leeren Wäschebehältern, einer nicht-leeren Vorratskammer und in ein tiptop gepflegtes Haus zurück.

Dann kam der Wasserschaden.

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Und er blieb. Ja, er kam Ende Juli 2014 und diese Woche kommen immer noch die Maler. Wir leben seit einem Jahr in einer Dauer-Baustelle.

Grund war ein kleiner, porös gewordener Flex-Schlauch unter einem Waschbecken der ersten Etage. Und weil das hier nun mal ein Holzhaus ist, kann das Wasser überall hin fließen/zischen/tröpfeln/regnen. In das Parkett, das in Wellen bis zu 30 Zentimeter vom Boden abhebt. Oder in die Wände hinein, die sich verziehen. Und unter das Badezimmer in die Zwischendecke, die eine mit Lehm gefüllte Öko-Fußbodenheizung ist.

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Folgen: Bad musste komplett erneuert werden, was ewig dauerte. Treppe musste komplett erneuert werden. Decke im Unterschoss wurde lackiert, weil sie rabenschwarze Wasserflecken im Naturholz hatte. Das Parkett in der unteren Etage musste ersetzt werden. Wände wurden herausgesägt, erneuert, tapeziert und (diese Woche) gestrichen.

August 60

Widrigkeiten in all dem:

Es wurde beim Renovieren in ein Heizungsrohr geschraubt, alles wurde wieder nass.

Mann musste dauernd auf irgendwas oder irgendwen warten: Instandsetzungs-Firma, Gutachter, Handwerker, Kostenvoranschläge …

Dauernd passte etwas nicht, klappte nicht, dauerte dreißig Mal so lange wie gehofft oder geplant und so weiter.

Miese Erinnerungen

Wir kamen also nicht in das supergut vorbereitete Haus.

Sondern eine nasse, nach finnischer Sauna stinkende Bude voller verquollenem Holz. Wir durften gleich wieder ausziehen und für vier Wochen beim Opa wohnen. Alle zusammen.

Netter Weise hat der Opa Platz und Nerven gehabt. Und fuhr selber in einen Urlaub, weil wir ja auf Haus und Katze aufpassen konnten. So war es für alle sehr gut gelöst. Vor allem, weil er schon lange von einem bestimmten Radel-Urlaub geträumt hatte aber die Katze nicht so lange in fremde Obhut geben wollte.

Unsere Katzen mussten wir dann natürlich täglich füttern fahren. Ich fuhr 30 Minuten hin und wieder zurück. Abends fuhr Mr. Essential vorbei und fütterte sie noch mal. K1 schlitzte sich dann noch irgendwie die Brust auf, musste abends in die Tierklinik und wurde für fast 1.000 Euro wieder zusammengetackert.

Dann hatten wir die Katze mit Halskrause, frisch operiert und genäht zurück. Und wussten nicht wohin damit. Und so weiter. Wunde eiterte, wieder Tierklinik. Abends um 8 nach der Arbeit. All das eben.

Dann bekam ich diesen rasenden Puls, dachte, es sei der ganze Stress und ja, er war es wohl auch irgendwie: Die Schilddrüsenüberfunktion war da, weil mein Immunsystem mich selbst angriff.

Das sprach Bände.

Es gab Tabletten.

Wir durften wieder zurück in die Baustelle.

Dort begann Nummer 4 irgendwann zu krabbeln. Über einen Boden, der nur aus splittrigem OSB bestand. Auf diesem Schrott feierten wir Weihnachten und Geburtstage. Nummer 1 wurde 12, Nummer 4 wurde 1, ich hatte auch Geburtstag, dann Nummer 2 und letztlich Nummer 3.

Keine Tapete, kein Treppengeländer, Monate lang im Wohnzimmer kein richtiger Bodenbelag. Überall Staub und Dreck.

Wenn ich das Wort Urlaub höre, dann denke ich an all das.

Nach einem Jahr Dauerbaustelle fühle ich mich selbst wie eine solche. Das tun wir beide. Mr. Essential und ich.

Und für Mr. Essential prägte ich eben folgenden Spruch (weil er ein Urlaubs-Muffel ist):

„Urlaub ist, wenn man sich woanders nicht entspannen kann.“

Ich habe vorhin bereits für Nummer 4 die Basis-Sachen gepackt. Nachher erledige ich das für Nummer 3. Die Großen können das alleine. Dann mache ich parallel meine übliche Liste mit dem Zeug, an das man unbedingt denken muss.

Dieses Mal werde nicht nur mit Vorfreude fahren, sondern mit jenem subtil mulmigem Gefühl, das der letzte Urlaub hinterließ, glaube ich.

Immerhin wartet dann ein halbwegs kernsaniertes Haus auf mich.

Ich versuche das positiv zu sehen: Bad, Parkett, Treppe – hätte eh alles neu gemacht werden müssen während der nächsten Jahre. Trotzdem war es zum K*** dauernd mit lärmenden, staubenden Fremden zusammen zu leben, die selten wie angekündigt auftauchten. Viele von ihnen war sehr nett und sehr kompetent. Einige gar nicht. Und wegen denen verzögerte sich dann wieder alles.

Die letzten Installationen am Bad müssen diese Woche gemacht werden. Auch da war etwas verbockt worden und es mussten daher neue Teile bestellt werden. Manche waren einfach während der letzten 11 Monate weggeworfen worden. Von irgendeinem der Fremden in unserem Haus. Mal sehen, welche Lieferschwierigkeiten es da geben wird … aber da ich die Zielgerade vor mir habe, werde ich es stoisch ertragen.

Bald mache ich dann für Euch die große Vorher-Währenddessen-Nachher-Fotoshow.

P.S.:

Wenn Ihr in Urlaub fahrt: Dreht den Hauptwasserhahn unbedingt ab 😉

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In der Zeitblase

In der Zeitblase

Meine Oma hat Plattdeutsch gesprochen. So eine Variante aus dem äußersten westlichen Zipfel des Landes.

Immer, wenn sie ein neues Enkelchen präsentiert bekam, nahm sie es in ihre besonders kräftigen Arme, wiegte es hin und her und sagte wehmütig:

„Äwer se bliewe joa net sue.“

„Aber sie bleiben ja nicht so.“

Meine Mutter, ihres Zeichens eine typisch gebeutelte Schwiegertochter dieser Frau, sagte mir als Kommentar dazu: „Am liebsten hätte ich immer gesagt Na und? Das ist ja wohl auch gut so! aber ich hab mich nicht getraut. Ist doch toll, dass Kinder immer mehr können. Mehr sprechen, mehr mitteilen, lesen, schreiben und so weiter. Sollen die etwa immer kleine, weinende Babies sein? ich verstehe nicht, wie man es bedauern kann, dass Kinder groß werden.“

Ich schon. Ne, Oma?

„Se bliewe joa net sue.“

Ganz genau. Oma hatte Recht.

Wenn man zum ersten Mal Mutter wird und auch, wenn dies in einer nicht allzu großen Zeitspanne ein zweites Mal geschieht, dann weiß man nicht, dass man gefangen ist. In einer pastellfarbenen Babyduft-Häkelschühchen-Breilöffelchen-Kindergartentäschchen-Bastelnachmittags-Süßheits-Blase. Aber man ist es.

Alles dreht sich um bestimmte Momente, Bedürfnisse und Pläne. Macht das Baby kein „Bäuerchen“, ist man verunsichert, hat Angst vor den berüchtigten Koliken, die schon so so viele Kinder und Mütter fertigmachten. Kann sich das Kleinkind nicht wehren, wenn andere ihm die Schaufel klauen oder haut es sofort zu feste zurück – dann sorgt man sich auch darum.

Man sorgt sich um die perfekte, lebenserhaltene Schlafumgebung. Man ist immer ganz nah dran, am ganz elementaren Sein. Und vergisst in den ersten knapp 6 Lebensjahren des Sprösslings fast, dass danach ein anderes Leben beginnt. Ein ganz anderes.

Vielleicht gibt es ein Geschwisterkind, das zwei Jahre nach dem ersten geboren wurde. Dann hat man zwei von den berühmten kleinen Mäusen. Und die gehen zusammen in kleine Kindergartengrüppchen, die Kuschelbären oder Reegenbogenponies oder Mausebäckchen heißen. Und an ihren Garderobenplätzchen sind niedliche Motive aufgeklebt. Und es gibt süße kleine Fächer für klitzekleine Gummistiefelchen. Und auf dem Nachhauseweg erzählen sie lauter putzige Sachen. Und man organisiert furchtbar herzerwärmende Geburtstagsfeiern. Das ist alles so … hach!

Eignung, Einstufung, Erprobung

Man hat im Kindergarten gehört, wie schön die Kleinen sich entwickeln. Sie haben gelernt, sich ein bisschen sozialverträglich durchzusetzen, sie können teilen und ihre Tellerchen selber spülen. Man liest ihnen abends Geschichtchen vor und deckt sie zu. Ein paar Jahre lang.

Während man noch den zarten Duft der selbstverständlich bio-dynamischen Babycreme in der Nase hat und sich aus dem Tragetuch schält, geschehen Dinge.

Eines heißt Zahnwechsel, eines heißt Medizinischer Einschulungstest und dann bastelt man eine Schultüte. Oder kauft eine. Und selbst da ist alles noch ist so süß und klein.

Während der nach der Einschulung folgenden vier Jahre wird alles anders.

Nicht nur, dass viele früher aufstehen müssen. Und nicht nur, dass man zu den armen Socken gehört, die die Hauptsaisonpreise zu latzen haben. Nicht nur, dass man ab sofort täglich Zettel aus der Schule erhält, stets noch mehr Kuverts/Kleingeld/Lust auf’s Backen haben soll. Man ist plötzlich gedanklich schon näher daran, sich zu fragen, ob man sein(e) Kind(er) ausreichend auf das Eintreten in die Leistungsgesellschaft vorbereitet hat.

Die vier Jahre steigern sich inhaltlich langsam auf ein ernstzunehmendes Maß. Ab der dritten gibt es Noten. Noten! Leistungsnachweise in Form von Ziffern und Worten. Nicht wenige Kinder lernen in diesem Jahr etwas Neues kennen: Nachhilfeunterricht. Aufregung vor Klassenarbeiten. Und einige erleben die Angst vor dem Zeugnis.

Der Ernst des Lebens

Nicht gleich ab der ersten Klasse wird es also so richtig ernst. Man wird schrittweise gewöhnt. In Häppchen wird es ernster. Die vierte Klasse dient dann dazu, die Kinder aufzuteilen. Sie auszusortieren. Damit man sie in die nachfolgenden Schulen einsortieren kann. Und da gibt es dann für einige Eltern und Kinder noch mehr Gedanken, Sorgen, Nachhilfe, Üben.

Plötzlich denkt man daran, dass die Kinder irgendwann eine Ausbildung oder ein Studium machen werden. Wow. Das ist aber nahe dran an Ausziehen-und-ohne-Eltern-wohnen!

Während man dann das Kindergartentäschchen von vor vier Jahren in der Andenkenkiste ansieht und die Strampler, dann hat man das ein oder andere Klößchen im Hals. Wenn man denn zu solchen Halsklößchen neigt. Aber auch ansonsten kann man es kaum fassen.

Schwuppdiewupp

Und *zack* hockt man auf den Stühlen in irgendeiner Aula zur Informationsveranstaltung einer der weiterführenden Schulen. Dann gibt es noch ein Abschlussgrillen in der süßen Grundschule und auf geht es in die Ferien vor dem Schulwechsel. *Zack-zack*! Das Kindergartentäschchen wäre längst unter einer dicken Staubschicht, hätte man es nicht sicher in der Andenkenkiste verstaut.

Dann hat man vielleicht eine Tochter und diese ist plötzlich so groß, dass sie einen rein theoretisch-biologisch zur Oma machen könnte. Oh my God!

Es geht nicht darum, dass die Zeit vorbeirasen würde. Im Rückblick fühlen sich dann solche 12 Jahre auch wirklich wie über ein Jahrzehnt an. Aber man hat die ersten Jahre davon in einer niedlichen Blase verbracht, aus der man dann ohne hörbares Plopp einfach rausfliegt. Es gibt dann weniger Schulzettel, Kleingeld muss man dennoch ständig abdrücken, oder auch mal ein paar Hundert Euro auf einmal für eine/zwei Klassenfahrt/en.

Aber es gibt auch immer weniger von diesem Niedlich. Das muss man verdauen.

Klar, mit den Kindern zu diskutieren, zu philosophieren und zusammen Frisuren ausprobieren oder Latein-Vokabeln zu üben ist wirklich ganz großartig. Aber es ist nicht niedlich.

Ihr Lieben …

… wenn Ihr noch in den sechs bis zehn niedlichen Jahren seid: Genießt es trotz der miesen Nächte, der umgekippten Kakaobecher, der KiTa-Fest-Einladungen, dem Muffin-Backen und des Chaos. Ja, das macht Ihr sicherlich meistens schon. Dann bestätige ich Euch hiermit, dass dies genau richtig ist.

Denn denkt daran (hilft auch im Falle, dass die lieben Kleinen besonders nerven): „Se bliewe joa net sue!“

❤ ❤ ❤ ❤

Väterglück ist wie das Stockholm-Syndrom

Väterglück ist wie das Stockholm-Syndrom

Als meine Frau mir gerade den Link zum Aufruf „Väterglück“ rüberschickte, musste ich müde lächeln.

„Ich fühle mich gerade nicht dazu prädestiniert, über Väterglück zu bloggen,“ meinte ich.

Das hat jetzt nicht mal was damit zu tun, dass ich mich in einer großen Vaterkrise oder gar der Midlife-Crisis befinde (dazu haben Menschen wie ich überhaupt keine Zeit). Es lag mehr daran, wie ich die letzten zwei Stunden verbracht habe. Erst sind Ms. Essential und ich – direkt nachdem ich die letzte Präsentation des Tages fertiggestellt hatte – aus dem Haus gestürmt und einkaufen gefahren. Nummer 1 und 2 hatten den Auftrag, die Bude wieder halbwegs in Schuss zu bringen, während wir die zwei Zentner Lebensmittel ranschaffen, die die Meute hier so in der Woche vertilgt. Als wir zurück kamen, war Nummer 3 über und über mit Matsch und Grasflecken verschmiert, es war natürlich nichts aufgeräumt, aber dafür hatte eine Freundin noch den Fahrradgriff eines unserer Fahrräder abgerissen und vor Wut weggeworfen. Außerdem hatte sie eine ausgeliehene Hose bis zur Unkenntlichkeit verdreckt.

Als ich die Einkäufe einräumte, fiel mir aus zwei Metern Höhe eine Lampe auf den Fuß, während Nummer 4 weinte, weil er lieber Schokolade als Möhrengemüse essen wollte. Unterdessen stellte sich eine Etage höher heraus, dass der Matsch auf Nummer 3s heller Bluse in Wirklichkeit Kirschsaft war.

„Väterglück“, dachte der Zyniker in mir, „ist doch oft nur eine Art Stockholm-Syndrom.“

Ich meine, man ist dauernd müde, hat nie Zeit für sich, gibt sein ganzes Geld nur für irgendeinen Kram aus, den man eigentlich gar nicht haben will. Und von dem, was sich „Familienurlaub“ nennt, fange ich mal gar nicht erst an.

Mittlerweile war es Zeit, Nummer 4 ins Bett zu bringen. Mein Fuß tat weh und Nummer 3 stellte sich absichtlich ungeschickt an beim Müll rausbringen (da haben sie Talent, ne?), also drohte ich hier noch kurz hinterher und schnappte mir dann den kleinen Rabauken, um ihn in den Schlafsack zu stecken. Er warf seinen Kopf nach hinten und ich biss ihn in den Nacken.

„Nangnangnangnang,“ machte ich. Er quietschte. „Nan-nan-nan,“ antwortete er.

Ich drückte meine Nase in seine verschwitzten Haare und hielt ihn dann fest.

„Ist jetzt langsam Zeit ins Bett zu gehen, mein Kleiner“, sagte ich.

Er legte sich in meinen Arm und wurde ruhig. Dann kam Nummer 2 und nahm ihn mir ab.

„Ich bringe ihn ins Bett!“ meinte sie begeistert.

Mein schmerzender Fuß dankte es ihr. Ich humpelte zum Sofa und fand eine Nachricht von meiner Frau. Ich sollte über „Väterglück“ schreiben, las ich. Vielleicht versuche ich es ja doch einmal.

Eins Zwei Drei Vier – wie das ist, mit mehreren Kindern zu leben

Klar werde ich immer mal wieder gefragt, wie das Leben mit vier Kindern so ist. Ich denke mir dann immer:

„Viel anstrengender als mit einem, aber weniger anstrengend als mit sechs.“

Meist wird auch nicht gefragt – sondern gleich etwas festgestellt:

„Also ich könnte das nicht. Da würde ich bekloppt.“ 

Äh ja. Ich war es schon vorher – das hilft.

Wie wir viele wurden:

Kind Nummer 1

Wir hatten ein Kind und dachten: Wow, das ist ja eine krasse Umstellung! Nichts ist mehr wie vorher. Es gab von vielen Dingen so viel mehr und von anderen so viel weniger. Alle Eltern kennen das. Wir hatten uns sehr über die Schwangerschaft gefreut und arrangierten uns während des ersten Jahres mit der Umstellung. Nummer 1 war im ganzen ersten Lebensjahr eher unzufrieden.

Als Baby immer an der Grenze zum Schreikind, oft darüber hinaus. Ich konnte förmlich spüren, wie die Energie nur so aus mir hinausfloss. Sie war auch ein Still-„Barracuda“: Andocken – Saugen wir verrückt – nach zwei Minuten loslassen und nach der anderen Seite verlangen – zwei weitere Minuten – vollgesogen abfallen. Nach dem Stillen kippten sie und ich zu Beginn regelmäßig um und pennten ein. Ich war wortwörtlich leergesaugt. Habe gut abgenommen in der Zeit …

Kind Nummer 2

Eineinhalb Jahre lang hatten wir ein Einzelkind. Seit dieses acht Monate alt war, wuchs Nummer 2 in mir heran. Ich hatte ziemlich Schiss vor der Herausforderung mit einem laufenden Kleinkind und einem Säugling.

Zu Recht. Es war sehr anstrengend. Aber es wurde mit jedem Monat einfacher. Nummer 2 war ein sehr liebes Baby, wenngleich sie ein Speikind war und nach jeder Mahlzeit eine Milchdusche über sich und mich ausbreitete. Ich war oft bis auf die Unterwäsche nass. Immer roch ihr kleiner Speckhals nach Käse – wegen der geronnen Muttermilch. Yummy. Ich habe dauernd an ihr und mir herumgewaschen.

Ich hatte nie Angst, dass meine Liebe nicht für zwei reichen könnte – ich machte mir nur Sorgen um meine Nerven. Wir zogen in eine größere Wohnung um während ich schwanger war.

Mit zwei so kleinen Kindern war es eine interessante Mischung aus Unter – und Überforderung. Nummer 1 wuselte herum und Nummer 2 wollte gestillt werden. Hilflos saß ich auf dem Sofa mit dem Mini an der Brust und sah zu, wie Nummer 1 Tonnen an Spielzeug und Küchenutensilien in der Wohnung verteilte. Nach dem Stillen durfte ich das alles dann aufräumen. Gestaubsaugt habe ich mehrmals täglich und der Sauger stand immer griffbereit. Ich habe in der Tat Nummer 2 neben diesem Gerät auf dem Wohnzimmerteppich entbunden …

Wir lebten damals in der Studiumsphase – bloß ohne die Parties und das Ausschlafen am Wochenende. Aber mit so langen Pausen, dass wir in diesen zusammen am PC spielten oder rumhingen und entspannten.

Kind Nummer 3

Nummer 3 machte sich im Sommer 2006 als zweiter Punkt auf dem Schwangerschaftstest bemerkbar. Mr. Essential befand sich im Studiums-Endspurt und während für mich der Zeitpunkt für ein drittes Kind gut passte, stresste ihn der Gedanke zunächst. Doch irgendwie hatten wir uns einigen können und Nummer 3 wurde in die Familie „eingeladen“. Ein Mal in der Woche waren Nummer 1 und Nummer 2 damals bei den Großeltern. In den Kindergarten gingen beide noch nicht.

Wir zogen in eine andere Stadt und Mr. Essential machte montags seine Abschlussprüfung (1,6! Yeah!) und donnerstags war die Einleitung im Krankenhaus. Wir hatten in der Tat den Geburtsstart passend terminiert. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Mr. Essential bereits seit Längerem in einer PR-Agentur. Er hat in der Tat Job und Studium sowie Familie gleichzeitig hinbekommen. Nummer 1 war fünf Jahre alt und Nummer 2 war drei Jahre alt, als sie beide große Schwestern wurden. Vorbereitet habe ich alle Kinder gleich: Sie lernten, dass sie große Geschwister würden. Ich versprach keine Spielkameraden oder Knuddelbabies. Sondern ich sagte ihnen klar, was das Schöne und auch das Nicht-so-Schöne an einem Baby im Haus sein würde. Und es gab selten Eifersucht. Der Plan klappte also.

Die Großen kamen in den Kindergarten und als Nummer 3 neun Monate alt war, begann ich im Homeoffice freiberuflich zu arbeiten, was mich sehr glücklich machte.

Nummer 3 war ein Anfängerbaby. Sehr zufrieden und ruhig. Sie weinte nur absolut selten. Hatte sie Hunger, dann stimmte sie eine Art zaghaftes Meckern an. Mehr nicht. Ein Traum war das. Ich war phasenweise dennoch abends richtig fertig. Manchmal tränten meine Augen vor Müdigkeit, während ich die Stufen zum Kinderzimmer hochging und ich sah verschwommen. Daran erinnere ich mich noch gut.

Ich war viel unterwegs mit den Dreien. Zu den Großeltern ging es nicht mehr so häufig – auch wegen des Kindergartens. Aber an den Wochenenden waren sie vielleicht alle zwei bis drei Monate dort. Wenn ich krank war, dann ergab sich selten eine Unterstützung. Mr. Essential war beruflich mehr als eingespannt und hatte wenig Zeit für Familie, außer an den Wochenenden.

Drei Kinder erfordern eben, dass man zusehen muss, wie man im Job weiterkommt.

Und das gelang ihm sehr gut.

Wir zogen aus der Großstadt um und leben nicht mehr in einer Wohnung, sondern in einem schönen, gemieteten Haus. Mit einem kleinen Garten. Der Kindergarten war großartig und die Grundschule nicht weit. Morgens marschierten die Großen dorthin und ich mit Nummer 3 zum nahen Supermarkt. Dort kauften wir uns Joghurt und holten Brötchen, um beides dann im Garten zu frühstücken. Ich habe ab mittags nach dem essen wirklich dauernd aufgeräumt. Bis heute nervt es mich, wenn ein Haus so aussieht, als ob da acht Kinder wohnen. Schrecklich finde ich das. Bei anderen Menschen ist mir das egal. Ich fühle mich selbst damit nur nicht wohl.

Also wuselte ich herum, machte den Haushalt und so weiter. Gearbeitet habe ich da immer noch freiberuflich, bis ich in der PR-Agentur anfing, wo ich eineinhalb Jahre ausprobieren durfte, wie das so ist, mit der Vereinbarkeit. Unsere Kinder sind meistens gesund und so konnte ich das wagen. Die Großeltern wären im Notfall eingesprungen. Doch als unsere Oma schwer erkrankte, fiel diese Option weg und obwohl ich mit meinem Fortkommen im Job sehr zufrieden sein konnte und bereits über neue Möglichkeiten gesprochen wurde, kündigte ich dann letztlich, weil es einfach zu viel wurde.

Kind Nummer 4

Wir kauften das Haus und zogen um.

Schule und Kindergarten wurden gewechselt. Nicht unbedingt Verbesserungen, aber es ging nicht anders.

Das Leben mit den Dreien war längst eingespielt. Als Wunschkind Nummer 4 kam, waren die Großen 10, 9 und 6 Jahre alt. Es gab inzwischen nur noch einen einzigen – sehr lieben – Opa. Dieser Opa kümmerte sich auch hier um die drei Großen, während Nummer 4 geboren wurde.

Ansonsten gibt es für uns keine familiäre Unterstützung.

Wie anstrengend es mit unserem „High-Need-Boy“ wurde, kann man auf diesem Blog nachlesen. Hier und hier und auch hier.

Es war richtig knackig. So ein Baby hatten wir noch nie. Und dazu noch drei Kinder. Das war dann richtig krass. Und wir haben oft gelacht:

Er: „Weißt du noch, wie wir vor elf Jahren dachten, ein einziges Kind sei anstrengend?“

Ich: „Haha, ja, man kennt es ja nicht anders …“

Er: „Das hier IST anders …“

Wir haben uns für die Kinder immer aus der Liebe und dem Bauchgefühl heraus entschieden. Natürlich hatten wir innere Sorgen und Vorbehalte. Schafft man es nervlich? Schafft man es finanziell? Kommt niemand zu kurz? Geht das überhaupt ohne familiäre Unterstützung?

Die Antworten sind immer die gleichen: Man wird sehen, man gewöhnt sich und natürlich kann man alles schaffen. Es ist nur nicht immer das reine Zuckerschlecken.

Was ist am Leben mit vielen Kindern anstrengend?

Ich finde manchmal, dass es durchaus zu wuselig und zu laut ist – na klar. Ich bin (nicht lachen!) ein Mensch, der sehr gerne alleine ist. Aber zugleich bin ich mit diesen vier Persönlichkeiten schrecklich gern zusammen.

Schade finde ich, dass man sich nicht so sehr auf den Einzelnen einstellen kann. Das geht einfach nicht. Ich schaue sehr genau hin, analysiere und begleite. Aber bei nur einem Kind ginge das viel besser. Klar sage ich mir, dass es auch ein „zu viel des Guten“ gibt und dies wieder eine andere Herausforderung für mich als Mutter wäre, aber es ist ja immer so: „Die Gelockten wollen glatte Haare und andersherum“. Sind jedenfalls zwei von den vieren mal nicht da, dann ist es mir oft zu langweilig und leer im Haus. Wenn nur eine mal woanders übernachtet, dann vermisse ich sie. Ich kann echt irgendwie körperlich spüren, dass wir nicht komplett sind.

Man muss viele Termine, Wünsche, Entwicklungen, Befindlichkeiten und Probleme speichern und koordinieren. Das ist sehr viel Arbeit. Man kommt dabei definitiv zu kurz. Wir haben einen Kalender mit sechs Spalten und die bekomme ich in manchen Monaten erschreckend vollgeschrieben.

Man muss verzichten lernen. Es gibt keine großen tollen Urlaube. Es gibt von allem (Materiellem) weniger für alle.

Bei vier Kindern ist Mitarbeit erforderlich. Ganz klar, dass jeder Aufgaben erledigen muss. Sie müssen selbstständig sein. Eigentlich. Leider habe ich sie ziemlich verwöhnt, sagt Mr. Essential und ihnen viel zu viel abgenommen. Diesen Fehler muss ich nun mühselig korrigieren. Das klappt jedoch recht gut, ist aber auch dringend nötig.

Vier Kinder reden/plappern/quietschen/meckern gleichzeitig. Das kann die Hölle sein.Echt. Ich habe seit Jahren immer mal wieder so ein Zwitschern und Rauschen im Ohr. Das spricht wohl seine eigene Sprache.

Vier Schwangerschaften steckte (m)ein Körper gut weg. Das, was mich an meinem Körper stört, das war nach der ersten Schwangerschaft schon so. Es veränderte sich bei den weiteren nicht. Das kann auch anders ablaufen, wie ich hörte.

Mit vier Kindern muss man Unmengen einkaufen. Unmengen waschen. Unmengen bügeln und tausend Mal die gleichen Sätze predigen. Das sind die Sätze und Erinnerungen, die wir alle kennen. Man muss sie nur viel öfter sagen. Weil zu mehr Personen.

Ab und an hörte ich so etwas:

„Ach, ob jetzt eins, zwei, drei oder vier. Sooo groß ist der Unterschied nicht. Man muss ja eh waschen und kochen. Wäscht und kocht man eben mehr.“

Das ist wirklich Unsinn. Es geht nicht nur um die Mengen an Arbeit, sondern um die Unmengen an Aufmerksamkeit. Die wächst nicht. Die Nerven passen sich an, man schafft mehr, erträgt mehr, powert mehr. Das darf ich sagen, weil ich ja die Stadien alle durch habe. Man hat wirklich mehr um die Ohren als wenn man weniger Kinder hat.

Mit einem einzelnen Kind hatten wir mehr Freiheiten, mehr Geld und mehr innere Ressourcen als mit mehr Kindern. Alleine alle zu scheuchen, damit man rechtzeitig zu Sechst im Auto sitzt .. das ist „ein Bisschen“ anders als bei einem Einzelkind.

Familienbett, Abstillen nach Wunsch des Kindes und ähnliches sind für uns lediglich romantische Ideen. Wenn ich lese, dass die Natürlichkeit in solchen Themen das Hauptargument ist, dann sage ich progressiv: „Großfamilien sind noch viel natürlicher!“ Und da gehen viele Fisimatenten einfach nicht. Manchmal tut einem das leid.

Achtsamkeit ist oftmals etwas, an das ich mich bewusst erinnern muss, um es einzusetzen. Bei so vielen Menschen auf einem Haufen, da ist es nicht einfach. Da nimmt man sich keine Zeit für kleine Entscheidungen. Welche Teesorte kaufe ich? Welches Shirt passt am allerdbesten zu dieser Hose? Wie fühle ich mich gerade? Was brauche ich jetzt? Ist mir gerade nach einem Kaffee? Das ist alles nur noch Tand und Luxus.

Habe mal ein Wochenende bei einem mit mir innig befreundetem Paar verbracht, das kinderlos in einem süßen Häuschen in der Heide lebt. Da habe ich erst den Kontrast begriffen! Diese ganze Stille! Die Zeit, um zu entscheiden, wie man sein Frühstücksei gerne hätte! Allein das! Hier ist das morgens eher kantinenmäßig …

Schön viele

Man kann mit vier Kindern in einem 1,80-Meter-Bett kuscheln. That’s Heaven! Alle liegen um mich herum – lauter Menschen, die durch mich auf diese Welt kamen und die ich begleiten darf. Ich liege da dankbar und Mr. Essential sagt: „Oh Mann, ich an deiner Stelle würde ersticken!“ So unterschiedlich kann man wahrnehmen.

Jedes Kind ist anders. Bei uns stimmt das haargenau. Ihre Persönlichkeiten, Interessen, Reaktionen und Vorlieben sind teilweise so unterschiedlich! Und so gibt es immer ein Kind, mit dem man ein Thema teilen kann. Ich merke das schon an Nummer 4: Mit Nummer 1 spielt er gerne Baby-Apps oder sieht sich eine Folge „Shawn das Schaf“ an. Nur Nummer 2 bringt ihn anscheinend perfekt ins Bett. Nummer 3 ist für ihn irrwitzig komisch – die beiden kreischen oft vor Lachen zusammen.

Als Mensch, der als Kind eine große und innige Familie sehr vermisst hat, genieße ich viele Aspekte des Lebens mit vielen Kindern. Und das werde ich sicherlich auch noch, wenn ich mal faltig bin und Enkelkinder habe.

Die Kinder streiten, sie helfen sich, sie teilen, sie lernen so unendlich viel voneinander. Nicht nur die klassischen Social Skills. Auch tiefe Gefühle weit darüber hinaus. Und Verantwortungsbewusstsein. Und sich zurücknehmen zu können sowie sich auch zu behaupten. Mit Nummer 3 zum Beispiel legt sich in der Schule niemand an. Sie hat zwei große Schwestern und obwohl sie äußerlich klein und schmächtig erscheint, ist sie stark und selbstbewusst. Bei all diesen Prozessen und Erlebnissen darf ich dabei sein. Für solche Erfahrungen darf man wirklich danken.

Die Idee, ich würde dieses Leben beenden, ohne Anderen das Leben ermöglicht und sie darin begleitet zu haben, lag mir stets fern und machte mich beim Gedanken daran traurig. Ganz gleich, was ich an Schlimmem erlebte: Das Leben an sich habe ich gern weitergegeben und durch die Geburten der Kinder gewürdigt. Das ist ein religiöser oder spiritueller Aspekt, der mir sehr wichtig ist.

Ich bin umgeben von Liebe und darf mit meinen Händen einen tiefen Sinn berühren. Manchmal ist es unfassbar anstrengend und dann ist es wiederum so tief, dass ich nicht verstehe, wie es auch nur Momente lang selbstverständlich wirken kann.

7 praxiserprobte Tipps für Eltern von Kita- und Grundschulkindern

7 praxiserprobte Tipps für Eltern von Kita- und Grundschulkindern

Wichtig für alle (kommenden) Grundschulkindereltern!

Mara hat perfekt zusammengefasst, was nötig ist, um die vier ersten Schuljahre zu überstehen.
Während des Lesens übt man sich übrigens in der wichtigsten elterlichen Technik: im Humor …

Das zweite Kind sind Zwillinge

1. Das Wichtigste von allem sind Korkplatten.

Das Tapezieren von Küche, Flur, Treppenhaus und Kinderzimmern mit Korkplatten erleichtert es dem geneigten Grundschul-Elter, einen Platz für Stundenpläne, Schließzeiten-Listen, beliebte Pfannkuchenrezepte und Denk-dran!-Notizzettelchen zu finden.

Falls dieses Sortiersystem nicht ausreichen sollte, sprühen Sie die Zettel und Zettelchen unterschiedlich farbig nach Themen, Datum oder Dringlichkeit oder sortieren Sie sie nach Wichtigkeit auf verschiedene Wände.

2. Wechselgeldschublade mit Briefumschlagvorrat

Aufforderungen wie: „Bitte bezahlen Sie bis spätestens gestern passend und in einem geschlossenen Briefumschlag das Buchgeld in Höhe von 22,43 Euro!“ versetzen Sie nie wieder in Panik, wenn Sie sich eine altertümliche Registrierkasse mit Wechselgeldschublade anschaffen.

Sie müssen sie lediglich am Beginn eines jeden Schul- bzw. Kindergartenjahres mit 42.000 Euro in kleinen Scheinen und Münzen füllen. P.S. Die Registrierkasse sollte direkt auf der Schublade mit den 100.000 Briefumschlägen stehen. Eine Auswahl an Kugelschreibern sollten Sie mit einer Naturfaserschnur an der Schublade befestigen.

3. Material-Umschlagplatz

Schaffen Sie sich eine…

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Der Angstkäfig: Ein paar Tipps zum Schlüssel-Finden

Der Angstkäfig: Ein paar Tipps zum Schlüssel-Finden

(Alter Vogelkäfig, Foto: Andreas Praefcke)

Die sympathische und herrlich wortgewandte Mara vom Das Zweite Kind sind Zwillinge hat ein paar sehr offene und auch unterhaltsam geschriebene Tipps im Umgang mit Depressionen geschrieben.

Das fand ich inspirierend, um in „meinem“ Themengebiet auch nach Tipps zu forschen und sie aufzuschreiben:

Angst

Ich selbst verabschiede mich nach langen Jahren (sieben …) seit letztem Sommer in vielen Schritten von meiner Angst. Und vielleicht hilft es ja jemandem, zu lesen, wie ich dabei vorgehe und vorgegangen bin.

Hier ein paar von mir ausprobierte und für nützlich befundene Tipps und Beobachtungen:

No-Go: Unbeweglich herumhocken

Bewegung vertreibt nicht nur düstere Gefühle wie Depressionen, sondern auch solche wie Angst. Bei vielen Menschen hängt beides zusammen und daher ist der Tipp doppelt vergoldet: In Bewegung bleiben. Es hilft durchaus, sich ab und zu abzulenken, auch wenn es langfristig ratsam ist, hinter seine Angst zu blicken. Ein Hörbuch oder Musik in die Kopfhörer, Staubsauger in die Hand und loslegen. Oder ein Spaziergang (aber nicht, um in neue Grübeleien zu verfallen!).

Angst erfordert Aktivität. Sie lähmt und blockiert. Das beantwortet man am besten mit dem Gegenteil.

Beim Festhängen in einer gedanklichen Angstschleife

Klingt banal, funzt aber: In die Gegenrichtung gucken. Wer aus dem Fenster starrt und seit einer Vierstunde denkt „Ich könnte morgen schon tot sein. Irgendwann bin ich tot. Das kann jederzeit passieren! OhGottOhGottOhGott!“ der sollte einfach in die Gegenrichtung gucken. Kopf herum und *zack* andere Perspektive. Angst verleitet nämlich zur Starre. Und aus der muss raus. Das Nächste wäre dann aufstehen, herumgehen und so weiter.

Woher soll die Sicherheit kommen?

Die Sicherheit, dass einem selbst und den Nahestehenden nichts passiert, die gibt es nicht. Insgesamt zeigt die Lebenserfahrung, dass das, was man befürchtet, selten eintrifft. Dafür trifft dann halt etwas Anderes ein. Daher nutzen die vorsorglichen Angstgedanken auch nichts. Gar nichts. So ungern man das hört: Sich zu sorgen verhindert nichts. Wer leicht oder schwer hypochondrisch unterwegs ist, der mag Folgendes mögen: Hypochonder leben durchschnittlich länger. Klar, weil sie dauernd beim Doc hocken und sich checken lassen. Und weil sie auf ihren Körper hören. Dies soll aber keine Einladung zum Lustig-weiter-Hypochondern sein. Nur eine winzige Rückversicherung.

Panik! Angst vor der Angst

Was tun bei akuter oder sich anbahnender Angst?

Schultern entspannen. Entspannte Muskeln transportieren keine Angst. Das geht physiologisch gar nicht. Also entspannen, mindestens die Schultern und Arme. Oder einmal den ganzen Körper (sowie auch Teil für Teil) bewusst anspannen und dann wieder lösen. Das kann durchaus sehr helfen.

Nicht zu tief einatmen. Dadurch gerät zu viel Sauerstoff in die Blutbahn und dieses Gefühl des Rauschens und des Realitätsverlusts verschlimmert sich. So ruhig wie möglich bleiben und dieses Gefühl der Urzeit („Fight or Flight– Effekt“) passieren lassen. Man wird weder plötzlich verrückt, noch fällt man einfach tot, weil man ein bisschen hyperventiliert. Dieser Alarmzustand dient dem Zweck, den Körper in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen. Adrenalin rauscht, das Herz hämmert, der Puls rast. Damit man entweder schnell abhauen oder gut kämpfen kann. Es geht um die pure Existenz. Ein Erbe der Zeit, in der man sich mit Säbelzahntigern und Mammuts herumschlagen musste. Elementar.

Danach stellt sich ein hormonelles Belohnsempfinden ein. Wer überlebt hat, der wird beglückt. Daher das Glücksempfinden („Ich habe es überlebt! Ich bin großartig!“) und die Entspannung hinterher.

Die Angst vor der Panikattacke ist oftmals der Weg in eine echte und langwierige Angsterkrankung. Daher ist es ganz wichtig, zu lernen, wie man die Panikattacke verhindert, oder besser gesagt, wie man ihr begegnet und sie – selbstverständlich! – sehr lebendig übersteht.

Sch*** auf Panik

Wenn dieses „Oh, irgend etwas ist echt grade ganz komisch“-Gefühl kommt, helfen folgende Sätze (Einfach durchprobieren. Oder variieren. Nicht alle nacheinander nutzen ;-)):

„Ja, komm doch und bring mich um, du idiotische Angst“ -> Mut, Selbstvertrauen

„Das sind nur Nerven, Kindchen. Das ist nicht real.“ -> Liebevoller Realismus/sich selbst bemuttern

„Welches Gefühl habe ich da in Wirklichkeit? Was will die Panik denn da verstecken und überdecken?“ -> Analyse der eignen Gefühle (Was versetzt mich in diese Urzeit-Empfindung? Was scheint mich da existenziel zu bedrohen?)

„Du ArschKackMistScheißDrecks-Panik! Du kannst mich mal! Ich höre einen miesen, stinkenden Hust auf dich!“ -> Kampfansage/Befreiungsschlag, raus mit der unterdrückten Wut!

Trotzdem!

Sich von nichts aufhalten lassen.

Angst vor Bahnfahrten? Autobahn? Kirmes? Theater? Samstagmittag bei Ikea? Arzt? Nix wie hin.

Aber: Immer liebevoll und mit Selbstakzeptanz. Nicht so: „Ich unwürdiger panischer Wicht schaffe es ja nicht mal zur Blutabnahme/Autobahnauffahrt/Möbelhausparkplatz“ sondern: „Weil ich so frei wie möglich sein und bleiben will, zeige ich mir, dass mir bei Ikea keine Gefahr droht.“

Wer die Angst vermeidet, der wird innerlich immer kleiner, abhängiger und wehrloser. Bis er sich immer weniger traut.

Also: Konfrontieren und realisieren. Bei jeder Begebenheit auf das Wichtigste fokussieren: „Ich bin bei Ikea/auf der Autobahn/beim Arzt/auf der Kirmes gewesen und es ist rein gar nichts passiert.“

So gehen wir hier im Hause Essential übrigens auch mit kindlichen Ängsten um. Nummer 1 hat Angst, dass unter uns eine Brücke einstürzen könnte. Wir sagten nach jeder Brücke „Und? Ist etwas passiert?“ Und sie verneinte. Irgendwann war die Angst gebändigt. Dabei halfen auch weitere Punkte, wie:

Wissen schafft Ruhe

Sich zu informieren hilft ganz enorm. Über die Gegenstände der Furcht sowie auch über den Grad der Berechtigung einer Angst sollte man Informationen einholen.

Im Fall der Brücken: „Deutsche Brücken gelten als überaus sicher. Sie werden gewartet und repariert. Oder notfalls gesperrt. Die 50 Nachrichten im Jahr über eingebrochene Brücken, die gibt es nicht.“

Aber Achtung: Für die Hypochonder (histrionisches Syndrom): Laut Dr. Google wären wir schon alle mehrfach tot. Wer eine Erkrankung befürchtet, der horche in sich hinein. Und frage sich einfach: „Bin ich krank? Ist mein Körper krank?“ Und wenn er sich das ganz klar mit „Ja“ beantwortet, dann sollte er eine*n Arzt*in aufsuchen. Google hilft da wenig.

Wer eintippt „Mir ist morgens manchmal flau“ der erhält nicht die Antwort „Klar, weil manchmal der Kreislauf langsam in die Gänge kommt“, sondern „Das klingt gefährlich nach einer Meningitis. Dabei auch noch morgens lichtempfindlich? ja? So gut wie tot!“

Vergleichsweise gibt es einen Tipp für Menschen, die Angst vor dem Erbrechen haben. Dieser wirkt umgewandelt durchaus auch bei anderen Ängsten. Aber nur, wenn man sich schon recht gut kennt und im Griff hat:

„Wenn dir übel ist, dann stelle dir dein Lieblingsessen vor. Solltest du dir vorstellen können, es zu essen, dann bist du nicht krank und wirst wohl nicht erbrechen. Wird dir noch übler, ja, dann kann es sein, dass du deiner Angst begegnen wirst.“

Umgestellt bedeutet das: Spüre ich, dass ich wirklich ehrlich ein Symptom habe, dass sich wirklich ehrlich wie das einer Krankheit anfühlt oder will ich eigentlich gerade nur mit mir selbst beschäftigen und um mich kümmern und weiß mal wieder keinen konstruktiveren Weg?

Spaß, Party, Leute, Konfetti

Auch wenn die Gesellschaft Anderer oft anstrengend ist: Man sollte sie suchen. Besonders, wenn einem nicht danach ist. Es müssen nicht vier Parties im Monat sein. Aber regelmäßiges Kaffeetrinken mit einem*r Freund*in – das wäre gut.

Sich zu unterhalten und auf andere Gedanken zu kommen ist wichtig. Und Zuhören tut gut. Wie schön zu hören, dass Andere Menschen auch kein perfektes Leben haben, sondern ein ganz normales. Und wie gut es tut, eine*d Freund*in unterstützen zu können. Oder einfach nur albern zu gackern. Gemeinsam.

Angst ist wie ’ne Kippe

Ich gebe zu, ich kann nicht einschätzen, wie eine Zigarettensucht ist. Denn ich war nie süchtig. Von keiner Substanz abhängig. Nur gewöhnt an/süchtig nach Angst.

Sie war so ein gewohntes, sicheres Korsett! Ich naschte von ihr wie von Gummibärchen. Die bunten Klebe-Dinger passen da als Beispiel gut: Ich mag keine Gummibärchen. Die kleben an den Zähnen, sind viel zu süß, schmecken künstlich und sind voller toter Kalorien. Das alles zusammen gefällt mir nicht.

Die Angst sagt: „Nimm noch ein Häppchen von mir. Ein Krümelchen, ein Korn. Ich gebe dir Sicherheit. das weißt du doch. Wenn du mit mir zusammen bist, dann siehst du alles vor dir, dass Schlimmes geschehen könnte. Und damit kann es dich nie wieder überraschen. Nicht wahr? Komm, komm, hör mir noch ein bisschen zu. Das brauchst du.“

Und *zack* ist die Kippe in der Hand oder die Hand in der Gummibärentüte. Seinlassen! Weghören! Tüte in den Müll! Niemand braucht sie. Auch wenn die Gummibären etwas Anderes behaupten.

Disziplin, Soldat*in!

Ja, so ist es. Die Disziplin ist eine Tugend. Innerlich rumhängen und äußerlich gammeln schadet. Wissen wir ja auch alle. Aufschieben, festsitzen, erstarren – das gehört zusammen. In Bewegung sein und das Gefühl von Kontrolle haben – das sind die Feinde der Angst.

Man sollte ihr den Garaus machen.

Disziplin ist es, das einen von einer Sucht wegbewegt. Und Verständnis für sich selbst. Aber Letzteres darf erstes nicht zerstören. Und andersherum ebenso.

Kontrolle hat man über die Angst am besten in der Form, dass man sie nur nebenbei wahrnimmt, aber nicht darauf eingeht. Außer, man analysiert sie und sich selbst. Doch auch dazu muss man in die Angst nicht einsteigen.

Ein guter Freund sagte mal: „Die Angst kann man so nebenbei wahrnehmen. Wie diese stinkenden Blasen, die in einem Moor hochploppen. Plopp, da platzt eine und verschwindet wieder. Nur wahrnehmen. Nicht ansehen, nachdenken, einsteigen.“

Fachfrauisch

Man sollte ja ohnehin bei einer Angsterkrankung eine*n Fachmann*frau aufsuchen. Um die wahren Hintergründe der Angst kennenzulernen, empfiehlt sich eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie. Oder man macht eine Verhaltenstherapie.

Ersteres ist so: Man hat Angst und es schwant einem, dass diese Gründe hat. Schließlich sitzt man ja nicht zufällig in der Ecke und bangt um sein Leben. Da muss mit dem Selbst also irgendwo irgendwas passiert sein. Und nein, das passiert nicht nur, weil man grad Stress hat. Man geht in dieser Gesprächstherapie in die Tiefe und wird irgendwann, wenn man selbst sehr fleißig mitarbeitet, herausfinden, was los ist.

Zweites ist so: Man hat Angst, ahnt, dass etwas nicht stimmt. Hat keine Nerven, keinen Sinn oder keinen Bock darauf, herauszufinden, was da unten im Keller des Unbewussten herumschimmelt. Dann sucht man jemanden, der einem beibringt, wie man sich auf die Finger haut, wenn man in die Gummibärentüte greift. Funzt auch. geht nur nicht in die Tiefe. Ursache wird nicht behoben. Auswirkungen werden unterdrückt, eingedämmt oder behoben.

Natürlich gibt es noch weit mehr Methoden, als die beiden klassischen. Man kann sich durch Heilpraktiker*innen für Psychotherapie helfen lassen, von Schamanen*innen, durch Körpertherapeuten*innen, durch Reinkarnationstherapeuten*innen durch Psychiater*innen mittels Medikamenten oder Anderen.

Es gibt gute Bücher zum Thema und hier kann man sicher durchaus die Amazon-Rezensionen als Anhaltspunkt nehmen. Man kann also medizinisch, psychologisch oder spirituell (also geistlich) an das Thema herangehen. Oder mit einer Mischung. Wichtig ist, dass die Herangehensweise zu einem passt. Man muss sich darin gut fühlen und nicht allzu sehr von außen beeinflussen lassen. Man merkt schnell, ob etwas hilft oder eben nicht.

Nur die Ruhe, Baby

Entspannung tut gut. Hinlegen, Film anschalten. Schoki essen.

Sich massieren lassen vielleicht. Aber nur, wenn man dazu in der Lage ist. Nicht jeder kann das immer zulassen. Gilt auch für:

Sex. Ja, Sex tut gut. Ja, auch wenn man Angst hat, dabei zu sterben. Sex geht fast immer. Wenn man aber eine Thematik zu verarbeiten hat, die dieses Thema betrifft, dann sollte man sehr behutsam seiner Sexualität begegnen.

Entspannung ist für den/die dauerangespannte*n Angstpatienten*in Gold wert. Und sauschwer zu erreichen. Das alleine macht aber keinen Herzinfarkt – keine Sorge. Aber so, wie man nach dem Einatmen nicht die Luft ewig in der Lunge behalten kann und sollte, so muss man irgendwann seelisch ausatmen.

Urlaub, feste und regelmäßige (!) Auszeiten und auch kleine Ruhepausen sind megawichtig. Auch wenn man in den Ruhepausen mit den Füßen zappelt oder mit den Händen an etwas herumfummelt. Alles ist besser, als gar nicht runterzukommen. Mit der Zeit lernt man, sich besser zu entspannen.

Kluger Spruch

Motivierend, tiefgreifend und gut fand ich den Spruch meines Therapeuten:

„Die Angst ist die Angst vor der Freiheit“

Da war was dran. Hab ich gleich kapiert. Aber begriffen erst zwei Jahre später.

Man hält sich mit der Angst klein. Manchmal sogar kindlich klein. Manche versuchen, ihre Kindheit ein bisschen nachzuholen, andere suchen vermeintliche Sicherheit, aber alle werden in der Stagnation gehalten. Wer Angst hat, mit der Family zum Ikea zu fahren, der will vielleicht einfach keinen netten Nachmittag mit mittelmäßigem Essen aber zusammen mit den Lieben verbringen. „Es könnte alles so schön sein, aber leider habe ich ja Angst. Wie schade … ich verdiene wohl nichts Schönes. Nicht mal eine Stunde im Möbelhaus kann ich mir noch gönnen …“ (Ich komme im Leben zu kurz. Ich erhalte nicht, was ich verdiene und brauche. Ich fühle mich unwert.)

Oder aber er ist angekotzt, weil er dauernd nervige Unternehmungen machen will, statt einmal in Ruhe etwas für sich machen zu dürfen: „Dauernd mit Kind und Mann herumgurken! Ich will das nicht mehr! Ich bin angekotzt und sauer!“ (Ich bin so wütend wegen tausend Sachen! Aber Wut darf ich als selbstbeherrschte Frau/zuverlässige Mutter/liebes Mädchen/braver Sohn/mutiger Mann … nicht zeigen. Angst aber geht. Die geht irgendwie.

Dann ist der äußere Käfig nur ein Ausdruck des inneren und andersherum.

Wer die Autobahn meidet, will im kleinen Dunstkreis der/des von Landstraßen umgebenen Stadt/Dorfs bleiben. In seinem eigenen Suppentopf. Klein und abhängig. „Ich kann nicht“ ist ja so leicht gedacht.

Aber Fakt ist: Man sollte dennoch fahren. Mit einem guten Deo und einer Menge Disziplin.

In den ganzen Jahren habe ich nur eine einzige Fahrt abgebrochen. Und davon fühlte ich mich klein. Das fand ich doof und habe danach immer durchgehalten. Auch wenn ich dachte, ich würde während der Fahrt in eine fremde Realität gesaugt oder einen Schlaganfall bekommen. Irgendwann merkt man, dass das Repertoire der Angst begrenzt ist.

Habe sie dann nachgeäfft „Schlaganfall, Herzinfarkt! Keiner kommt hier lebend raus!“ Damit ließ es sich besser fahren.

Voll bekloppt oder wie?

Die Angst, verrückt zu werden, ist auch weit verbreitet.

So richtig waschechte „Verrückte“, die fragen sich nie, ob sie noch „ganz dicht“ sind.

Der Amokläufer nimmt nicht die Pistole und denkt: „Oh je, ich glaube, ich werde verrückt und suche mir nun besser einen Therapeuten! Am Ende tue ich noch jemandem weh. Nein, dazu bin ich zu empathisch, gesund und gut sozialisiert. Ich brauche Hilfe. Die suche ich mir nun.“ Er plant, geht und schießt.

Wer das Gefühl hat, in eine andere Realität gesaugt zu werden, der erlebt das, was viele Angstpatienten irgendwie erleben: Die Furcht ist zugleich der größte Wunsch. Aber den setzt man nicht um. Er wird mit fiesen Gefühlen dekoriert und in Aspik eingelegt.

Es gibt so viele Ängste und Phobien: Die Angst vor Tieren, vor Brücken, vor dem Tod, vor dem Leben, vor dem Glück, vor Beziehungen, vor dem Alleinsein, vor Menschen, vor großen Plätzen, vor Höhe, vor der Angst, vor Clowns, vor dem Erbrechen, vor Sex, vor der Zahl Dreizehn, vor Spritzen, vor Zahnärzten, vor den eigenen Gefühlen, vor den Gefühlen Anderer, vor dem Altern, vor der Dunkelheit, vor Geistern, vor dem Verlassenwerden, Angst um das Wohlergehen von Nahestehenden … und so viele mehr. Jede einzelne ist ein Symbol und hat eine Bedeutung. Diese kann man herausfinden. dabei begegnet man sich selbst.

Beispiele dafür, welche Themen in der Seele sind und wie die Angst sie verzerrt:

„Ich wäre gerne jemand anders!“ Die Angst macht daraus ein Gefühl von Depersonalisierung oder Dissoziation. Der Wunsch aber ist berechtigt – man will endlich man selbst werden.

„Das alles soll aufhören! So macht mich mein Leben fertig!“ Die Angst macht daraus die Befürchtung eines Todeswunsches und noch mehr: die Angst vor dem Tod. Der Wunsch nach Veränderung des Lebens wird dann *leider, leider* nicht mehr wahrgenommen.

„Schaffe ich es, meine Lebensaufgabe zu erfüllen oder läuft mir die Zeit davon?“ Ein spiritueller Ansatz: Ich habe eine Lebensaufgabe. Ich soll bestimmte Dinge lernen. Im Moment sieht meine Bilanz mies aus. Daher empfinde ich den Tod als bedrohlich. Er ist wie eine tickende Uhr für mich. Ich muss mich mit dem Sinn hinter diesem Leben beschäftigen und mich entfalten. In Wahrheit fürchte ich nicht den Tod, sondern nur, niemals ich selbst zu sein. Niemals man selbst zu sein ist gleichbedeutend mit nicht leben. Jeder Schritt zum eigenen Ich – und zu diesen Schritten lädt die Angsterkrankung (wie jede andere Erkrankung meiner Meinung nach auch) ein – ist eine Verbesserung.

„Veränderung ist, wenn man wird, was man ist“ – diesen Spruch kenne ich von der Homepage meines Therapeuten. Wegen dieses Spruchs habe ich seine Praxis ausgewählt. Keine Angst vor der Veränderung und wenn sie sich wie tausend Tode anfühlt! Alles sterben zu lassen bedeutet in diesem Moment nur, der Drache zu sein, der eine alte Haut abstreift. Weil er ihr entwächst. Weil sie zu eng geworden ist. Das Ablösen tut weh. Das ist die Angst vor der Veränderung. Mehr nicht.

„Ich möchte mein Leben anders gestalten. Meine Realität macht mich nicht glücklich!“ Die Angst bastelt daraus das Gefühl, in die Twilight Zone gesaugt oder mindestens nach Twin Peaks transferiert zu werden. Der Wunsch dahinter verschwindet dann *dummerweise* im Angstanfall. Besser ist es hinzusehen, statt ängstlich beiseite zu springen. Die Gefühle dahinter kann man aushalten und sich angucken. Nicht immer soll die Angst Gefühle übertünchen. Aber oft. Und mit etwas Übung kann man sich selbst gut analysieren.

Die Angst ist nicht unbedingt ein Feind

Die Angst kann man beschimpfen. Und sie kann einen aber auch ankotzen, echt. Aber letztlich ist sie nur ein Gefühlsausdruck. Oftmals so verschwurbelt, dass mann schnell auf sie reagiert, statt hinzusehen. Denn das dahinter, das meint man nicht aushalten zu können. Da zittert und bibbert man lieber. So schlimm ist das, was darunter ist. Meint man.

Manche haben „lieber“ Panik, statt eine langjährige Ehe zu beenden. Eine Ehe, in der der Partner so lieblos wie der eigene Vater ist. Mal so als Beispiel. Kindliche Ängste und Assoziationen übernehmen und man ist dauernd mit Ängsten beschäftigt, anstatt innerlich auf den Punkt zu kommen. So bleibt man im altbekannten System. Seine Ängste zu sehen hilft, sein Leben positiv zu beeinflussen.

Medikamentenfrei?

Zu Medikamenten habe ich keinerlei Erfahrungswerte. Da ich nie welche genommen habe. Weil ich das strikt nicht wollte. Weil ich spüren wollte, wie es mir in Wirklichkeit geht. Weil ich es „alleine“ schaffen wollte. Weil ich Abhängigkeiten so weit möglich vermeide.

Wer aber sanfte Hilfe sucht, findet auch etwas. Hierzu kann man auch den/die Arzt*in – oder wer will – den/die Heilpraktiker*in befragen.

Ich persönlich halte ja nix von Homöopathie. Aber ich bekam den Tipp, mir das freiverkäufliche, aber apothekenpflichtige „Neurexan“ zu holen. Das helfe ausgezeichnet bei Unruhezuständen. Ich bin also in die Apotheke und orderte das Mittel. Während die Verkäuferin mir das Döschen gab, meinte sie: „Da gibt es keine Nebenwirkungen, da ist nicht viel zu beachten. Man sollte nur nicht mehr als zwölf Stück am tag einnehmen. Ist ja homöopathisch.“

Und ich dachte: Homöopathie. Toll, ’n bisschen Zucker für den Tee. Hurra. Hätte ich mich ja auch mal vorher informieren können.

Aber ich habe es dennoch ausprobiert. Weil so viele positive Berichte vorlagen und ich ja nix zu verlieren hatte. Und es wirkte hervorragend. Mir ist ziemlich egal, ob es den Placeboeffekt auch dann gibt, wenn man davon ausgeht, ein bisschen Zucker in Tablettenform zu sich zu nehmen. Oder weil alle Kritiker irren und es doch wirkt. Ich nehme es in der Tat immer noch. Weil es wirkt. Und das ist mir am Wichtigsten. Da bin ich recht bodenständig … 😉

Ich hoffe, irgendwem können meine Tipps hier vielleicht irgendwann weiterhelfen. Wenigstens ein bisschen.