Kurzes Update: Akut urlaubsreif

Nachdem ich on -und offline in den letzten Tagen hörte, ich könnte mich ja mal für eine Kur interessieren und auch von unseren Leserinnen wertvolle Tipps dazu erhielt, habe ich mir einen Arzttermin gemacht.

Ich war gestern Morgen war ich dann bei meiner Ärztin, weil ich ja ein somatisierender Haufen Schrott mit obendrein Kreislaufproblemen bin.

Sie sagte: „Akut urlaubsreif.“
Ich sagte: „Familienurlaub ist bereits geplant. Ferienhaus in Strandnähe.“
Sie sagte: „Hm, wie viel Kinder haben sie gleich? Vier? Na ja, ich meinte eher einen erholsamen Urlaub … ich gebe ihnen mal die Nummer von der Mütterkurberaterin. Das wird mit vier Kindern zwar leicht schwierig, aber gerade dann braucht man es ja wirklich ganz besonders. Und lernen sie nebenbei bitte, wie man Pause macht und Aufgaben delegiert.“

Habe nun einen Termin bei der Kurberaterin für kommende Woche und bin gespannt. Ich habe bisher keine Erfahrungen mit einer Kur und halte Euch gerne auf dem Laufenden, wenn Ihr wollt 🙂

Der Wocheneinkauf

Der Wocheneinkauf

Gestern schon mal als Foto getwittert, heute hinterher: Wie wir unseren Wocheneinkauf machen. Grundsätzlich ja ein ziemlich langweiliges Thema und – ja, wir geben es zu, auch uns begeistert das allwöchentliche Einkaufen nicht besonders. Aber wir haben zumindest ein paar Tricks, die uns einigen Stress ersparen.

1. Die patentierte Essensrotation

Ich habe (gegen den deutlichen Protest von Mrs. Essential, die sich jetzt schon vor der Rente fürchtet) einen Essensplan angelegt. Dieser Essenplans besteht aus einem Google Spreadsheet, in dem folgende Informationen vermerkt sind: Name des Gerichts, Zutaten, Speicherort des Kochrezepts (Chefkoch, ein eigenes Dokument oder gutes altes Papier), ob man die Zutaten im Discounter unserer Wahl bekommt oder was man woanders einkaufen muss, und ob es Fisch/ Fleisch enthält oder vegetarisch ist. Diese Rezeptliste enthält momentan so ca. 30 Rezepte, wobei auch totale Basics dabei sind für die es gar kein Rezept gibt. Vorteil dieser Liste: Man hat alle notwendigen Zutaten auf einen Blick und kann ohne viel Arbeit einfach ein paar Gerichte für die nächste Woche aussuchen, für die man dann einkauft.

2. Kenne Dein Geschäft

Ich persönlich hasse es, in Geschäften einkaufen zu müssen, die ich nicht kenne. Ich will einfach nicht suchen müssen. Ich will auch keine zu große Auswahl – wenn ein Supermarkt mir 100 Joghurtsorten offeriert, ärgert mich das. Für so was habe ich keine Zeit. Also schreibe ich den Einkaufszettel in der Reihenfolge auf, wie die Produkte auch im Geschäft arrangiert sind. Wenn sich Mrs. Essential um den Einkaufszettel kümmert, laufe ich wie ein betrunkener Maulwurf durch den Laden, weil sie solche „Einkaufen für Dummies“-Methoden offensichtlich nicht nötig hat.

3. Kaufe gegen den Strom

Wir machen unseren Wocheneinkauf normalerweise Donnerstag abends 20 Minuten bevor das Geschäft schließt. Niemand will um diese Zeit noch einkaufen – also kriegt man die besten Parkplätze und ist fast allein im Laden. Eine Zeitlang haben wir Samstags eingekauft und für das selbe Ergebnis meist 60 Minuten im Laden gebraucht. Wenn Donnerstag abends die Uhr tickt, brauchen wir nur ein Drittel der Zeit. Obwohl unser Wagen jede Woche bis zum Anschlag voll ist. Ich denke, die Kassiererinnen hassen uns ein wenig – aber wir sind immer vor acht wieder raus.

Kleiner Nachteil: Manche Sachen sind um diese Zeit schon mal weggekauft. Aber 40 Minuten Zeitersparnis machen das wieder wett.

Zuhause angekommen stürzt Nummer 4 sich dann auf die Einkäufe und sucht etwas, was er sich sofort einverleiben kann. Deshalb sitzt er auf dem Foto auch so mitten zwischen den Tüten.

Auf der Suche nach den Hausfrauen

Auf der Suche nach den Hausfrauen

Rosalie vom interessanten Blog Parents Don’t hat mich mit ihrem Artikel über die Frage nach der klassischen Hausfrau in der eigenen Familie heute Morgen sehr inspiriert.

Das Bild zeigt eine fleißige Hausfrau beim Zubereiten des Abendessens (New England, März 1940): Ob sie nebenbei arbeitete oder ein kleines Geschäft besaß oder ausschließlich zuhause arbeitete, verrät uns das Foto nicht.

Klassische Hausfrauen kannte ich in meiner Kindheit während den 80er Jahren sehr viele. Nicht alle waren ausschließlich zuhause fleißig: Es gab eine halbtags arbeitende Lehrerin und eine Bäckereibesitzerin in Teilzeit. Letztere hatte eine behinderte Tochter zu versorgen. Auch viele andere Hausfrauen arbeiteten „eine Kleinigkeit“ nebenbei.

Manche gingen putzen (wie meine Mutter zunächst, später arbeitete sie in einem Geschäft für Geschenke und Dekorationen), eine Mutter arbeitete ein Mal pro Woche als Parfümerieverkäuferin und eine andere wiederum machte Büroarbeit im Unternehmen ihres Mannes.

Ich erinnere mich an eine vor lauter Lebensfreude im Garten singende und summende Nur-Hausfrau im Nachbardorf. Sie hatte zwei superliebe und ausgeglichene Töchter und der Vater hatte den beiden mal Weihnachten ein Wahnsinns-Puppenhaus gebaut. (Mit funktionierenden Rolläden aus Zahnstochern! Und Licht!). Auch er schien sein Leben und die Familie in vollen Zügen zu genießen.

Und da fällt mir noch eine Nur-Hausfrau ein, mit deren Kindern ich früher spielte. Sie hatte vier Kinder  – drei Jungs, ein Mädchen – und ein großes Haus mit großem Garten. Sie war insgesamt etwas gestresster, aber meist sehr freundlich. Ich meine, sie war auch irgendwie in der Kirchengemeinde tätig. Ihr Mann war ein totaler Familienmensch, hat viel mit den Kindern gemacht. Später ärgerte sich das ganze Dorf, weil sie mit einem wohlhabenden Arzt durchgebrannt ist.

Und wie war es in der Vergangenheit – gab es da klassische Hausfrauen in meiner Familie? Und wie wurden die Kinder erzogen? Nur von der Mutter? Oder von beiden Eltern? Wie lebte man zusammen? Waren die Frauen glücklich in ihren Leben?

Ich schreibe das aus den Erinnerungen der Erzählungen meiner Mutter und anderer Verwandter auf.

Meine Urgroßmütter

Meine Urgroßmutter mütterlicherseits, die Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde, hat über 10 Kinder bekommen – nicht alle Kinder haben überlebt. Ihr Mann war Kaufmann und sie hatten einen Laden, der in einer Stadt des heutigen Polens liegt. Dort hat sie zusammen mit ihrem Mann gearbeitet.

Die Kinderbetreuung übernahm eine Kinderfrau. Sie hatte auch eine Waschfrau. Und gekocht hat auch eine andere Frau – vielleicht eine Haushälterin? Die Frauen arbeiteten für Kost und Logis sowie ein Taschengeld. Eine der Kinderfrauen hat eines der Babies mal nicht warm genug zugedeckt. Oder gar nicht? Jedenfalls starb es an einer Lungenentzündung. Eine andere Tochter starb an Diphterie, soweit ich mich erinnere. Oder an einer anderen Krankheit, gegen die inzwischen geimpft wird.

Jedenfalls arbeitete meine Urgroßmutter den ganzen Tag. Der Urgroßvater war so ein klassischer Bestrafungsvater mit einer Menge Autorität. Meine Großmutter war die jüngste Tochter. Ich erinnere mich, dass sie auf Fotos immer sehr adrett aussah und viel Handarbeiten gemacht hat. Sonntags war Familientag. Da wurde noch mehr Handarbeit gemacht., wenn man aus der Kirche zurückkam.

Der älteste Sohn hatte immer die Verantwortung für die Geschwister und wenn seine Brüder etwas anstellten, dann wurde er am meisten verdroschen. Die Mädchen bekamen höchstens mal eine Ohrfeige, wenn sie den Erwachsenen ins Wort fielen, was sie daher wohl eher selten taten. So war die Grundstruktur des Familienlebens.

Der Krieg setzte meiner Urgroßmutter zu. Die Familie musste ihre Heimat verlassen. Später verstreute sie sich über halb Deutschland. Ein großer Teil meiner Großtanten- und onkel landete oder blieb in Berlin. Eine Großtante lebte in Düsseldorf. Meine Oma war zuerst in Norddeutschland und dann später ganz im Westen des Landes. Ein anderer Teil der Familie lebt auf Fehmarn, wo mein Großonkel und meine Großtante eine gut laufende Bäckerei eröffneten. Ein weiterer Onkel (der erwähnte älteste Sohn) lebte mit seiner Familie in Frankfurt an der Oder.

Bis auf einen Großonkel bekamen sie alle Kinder – diese Ehe blieb ungewollt kinderlos. Nur-Hausfrauen gab es dennoch wenige. Mir sind keine bekannt.

Ich frage mich gerade, wo mein Urgroßvater „abgelieben“ ist, denn er wurde von meiner Mutter nie direkt erwähnt. Als meine Mutter ein Kind war, lebte er jedenfalls bereits nicht mehr. Ein Onkel meiner Mutter hatte sich das Leben genommen, als er nach dem Fronturlaub wieder in den Krieg sollte. Und der Rest der Familie, wie erwähnt, verteilte sich. Waren ja genug Leute …

Man brachte eine Menge Energie auf, um das Erlebte des Krieges heftigst zu verdrängen und weiterzumachen. Die Idealbild der Hausfrau erschien vielleicht auch verlockend, in den folgenden 50er Jahren: Friede – Freude – selbstgemachte Eierkuchen. Wer wollte das nicht?

Meine Urgroßmutter war immer supersauber angezogen und ging nur mit Hut (inklusive Hutnadel) und Handschuhen in die Stadt. So wie meine Mutter sie beschrieb, war sie eine niveauvolle und liebe Frau, die trotz aller Lebensereignisse ein ausgeglichenes Gemüt hatte und sich liebevoll um die Enkelin kümmerte. Warum sie das tat, erkläre ich im nächsten Abschnitt.

Über die andere Urgroßmutter weiß ich nichts Zuverlässiges zu sagen.

Meine Großmütter

Meine Großmutter bekam meine Mutter unehelich. (Ja und sie lebte auch noch als zugezogene Protestantin zwischen lauter Katholiken. Das alles zusammen war hart ….) Meine Großmutter war gelernte Köchin und eben alleinerziehend. Sie hat gearbeitet und den Haushalt nach der Arbeit gemacht. das war aber nicht viel: 50 Quadratmeter gab es und das Wohnzimmer wurde nur zu besonderen Gelegenheiten aufgeschlossen und lag unter einer musealen Staubschicht stets abgestaubt als Diorama hinten links in der Wohnung. Meine Urgroßmutter passte auf meine Mutter auf und kochte mittags für sie. Nach der Arbeit holte meine Großmutter ihre Tochter dann gesättigt und sauber dort ab, um von ihrer Mutter noch einen Kaffee serviert zu bekommen und über den Arbeitstag zu quatschen. Irgendwie hatte meine Mutter nie Lust, so etwas in ihrer Oma-Rolle auch anzustreben ^^

Meine Oma weigerte sich strikt, die Heiratsanträge des Vaters meiner Mutter anzunehmen. Später heiratete sie einen „Kriegsversehrten“ und meine Mutter hatte einen bettlägerigen Stiefvater. Für diesen stand sie nachts oft auf, wenn meine Oma zu müde war oder einfach keine Lust hatte. Oma sagte dann immer: „Guck mal, was der schon wieder will.“ Da meine Mutter weder ein eigenes Zimmer noch ein eigenes Bett hatte, konnte meine Oma sie immer super wecken – schließlich hatten sie ein Familienbett. Wenn meine Mutter mitbekommt, dass das wieder in Mode ist, dann rauft sie sich sicher das Haar, bei ihren Erinnerungen daran …

Bis dahin also mütterlicherseits keine Hausfrau in Sicht. Auch meine Großtanten waren keine Hausfrauen. Eine war Schauspielerin in Berlin am Theater und übernahm auch kleine Rollen im Fernsehen sowie Statistenrollen. Ihre Töchter arbeiteten als Model, Altenbetreuerin und – ups, habe vergessen, was die dritte Großcousine machte. Aber sie war jedenfalls eine kinderlose Nicht-Hausfrau. Irgendwie hab ich im Kopf, sie sei Flugbegleiterin gewesen. Keine Ahnung. Irgendwie kommen aus der Mutterseite meiner Familie ’ne Menge sehr hübscher Frauen. Diese erwähnte Großtante sah als junge Frau aus wie ein Romy-Schneider-Double. Unglaublich, diese Gene. Hätte ich auch gerne mehr von abgestaubt. Aber hätte, hätte, Fahrradkette.

Meine andere Großmutter war allerdings Hausfrau und sehr in der Gemeinde engagiert. Sie war sehr katholisch und viel mit der Kirche beschäftigt. Sie hatte vier Kinder – zwei Jungs und zwei Mädchen. Sie war eine jener stets informierten und gern zu Auskünften bereiten Dorffrauen. Ich kann nicht sagen, ob sie zufrieden war oder nicht. Insgesamt machte sie allerdings keinen sehr glücklichen Eindruck auf mich. Eine ihrer Töchter wurde Sozialpädagogin und bekam einen Sohn – sie arbeitete in einem Kinderheim. Auch während sie Mutter war. Ihre Schwester bekam keine Kinder und arbeitete daher stets Vollzeit. Der eine Sohn heiratete eine Frau, die stets als Arzthelferin arbeitete, während die gemeinsame Tochter von der Oma mütterlicherseits betreut wurde – soweit ich mich erinnere. Ja und der andere Sohn, der heiratete logischer Weise meine Mutter.

(Ich weiß, an dieser Stelle der aufgezählten Verwandtschaftsgrade hat Mr. essential schon längst innerlich abgeschaltet. Er hat eine legendäre Verwandtschaftsgrad-Phobie. Sobald man „… und mein Cousin mütterlicherseits …“ sagte, fährt sein Gehirn in einen Notzustand herunter :D)

Meine Mutter

Meine Mutter war lange Jahre Nur-Hausfrau. Sie erhielt von ihrer (leider vermutlich durch Kriegserlebnisse psychisch erkrankten) Mutter keinerlei Unterstützung. Ihr Stiefvater war inzwischen längst gestorben und der Kontakt zu ihrem leiblichen Vater war anstrengend, da er mittlerweile eine andere Frau geheiratet hatte, welche zu Eifersüchteleien und kleinkarierten Intrigen neigte. Bis meine Mutter keinen Nerv mehr hatte und den Kontakt abbrach.

Jedenfalls hatten wir eine kleine Wohnung, die sich rasch pflegen ließ. Drei Zimmer KDB und so. Vielleicht 70 Quadratmeter. Mein Bruder und ich teilten uns 15 qm. Meine Mutter war sehr viel bei ihrer Mutter, um sie zu betreuen und zu besuchen. Dann war sie auch oft mit uns Kindern unterwegs mit dem Rad. Zum Spielplatz und so weiter. Sie besuchte häufig ihre beste Freundin mit mir und ich spielte mit deren beiden Töchtern. Abends ging es schnell nach Hause zum Abendessen-Kochen, mein Vater hatte gern pünktlich warmes Essen vor sich stehen. Das war also das erste, „klassische“ Hausfrauen-Leben in der Familie binnen fast 100 Jahren. Also quasi seit Erfindung der Hausfrau im Zuge der späteren industriellen Revolution …

Dafür aber richtig „true“ mit einem Familienoberhaupt, das pünktlich und reichlich essen wollte und stets im Mittelpunkt der Bedürfnisbefriedigung stand. Und einer fleißigen und reinlichen Hausfrau, die emsig bügelte (ja, anfangs echt auch Unterwäsche und Handtücher), putzte und so weiter. Sie kochte viel, zeitweilig zwei Mal am Tag. Einmal mittags für sich und uns Kinder und dann abends frisch für den Hausherrn. Sie war sehr, sehr sparsam und sorgte dafür, dass es dem angestrengten Ehemann immer gut ging und er ausreichend Geld für seine Vergnügungen, seine regelmäßigen Neuwagenkäufe und die diversen Hobbies hatte. Sie selbst hat als Zeitvertreib Liebesromane gelesen, gestrickt und gelesen.

Später arbeitete meine Mutter ja wie erwähnt als Putzfrau bei älteren Damen. Eine ältere, blinde Dame unterstützte sie auch schon, während ich noch klein war. Von der lieben Dame bekam ich immer Äpfel mit extra Zucker, was ich ganz toll fand. Als ich so 13 oder 14 war, habe ich meine Mutter belabert, dass sie endlich einen Job annehmen sollte – der Job als Verkäuferin von Dekorationsartikeln war wie für sie gemacht und ich wollte unbedingt, dass sie sich das gönnte.

Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich dann zwei, drei Mal die Woche alleine Mittagessen musste. Aber das Essen bereitete sie immer vor und ich hab es meist nur in die Mikrowelle geschoben und in aller Ruhe beim Essen gelesen. Es war himmlisch. Freitags habe ich dann immer die Küche geputzt. Da endete dann also das Nur-Hausfrauen-Leben meiner Mutter nach zwanzig Jahren offiziell.

Und ich selbst?

Ich war auch Nur-Hausfrau bis Nummer 1 fünf Jahre und Nummer 2 drei Jahre alt war. Nummer 3 war rund neun Monate alt, als ich mit dem Job als Texterin begann. Da dies problemlos von zu Hause aus ging, konnte ich das immer gut umsetzen. Und ich habe es geliebt. Später dann bin ich in der PR-Agentur angestellt gewesen, in der auch Mr. Essential arbeitet, weil sie dort Unterstützung suchten und ich großes Interesse an PR hatte/habe. Da habe ich eineinhalb Jahre halbtags gearbeitet und als ich aus familiären Gründen ausgestiegen bin, habe ich wieder für meine Haupt-Auftraggeberin als Freelancerin gearbeitet, bis Nummer 4 auf die Welt kam.

Ich bin also auch keine Nur-Hausfrau. Dafür habe ich zum ersten Mal eine Elternzeit gemacht und ein Jahr pausiert. Mutterschutz und Co gab es nicht, weil ja eben Freiberuflerin. Aber gut – man kann auch hinter einem dicken Bauch noch das Notebook auf dem Schoß sehen und tippen …

In dem Jahr mit total viel Arbeit hier und keiner vergüteten/abwechslungsreichen Tätigkeit nebenbei war ich am Ende ein Nervenbündel. Nur den Haushalt und die Kinder zu versorgen halte ich einfach nicht lange aus, echt. Ich bin dann zuletzt eine neurotische, ausgelaugte Perfektionistin auf einem gefühlt sinkenden Schiff.

Und wie sieht es bei Euch so aus? Gibt es in Eurem Stammbaum die angeblich so klassische Hausfrau?

Screentime – Lilyhammer

Ein neuer Beitrag aus unserer Reihe „Screentime“, in der wir Serien rezensieren:

„Lilyhammer“ ist eine Serie, die wir beide sehr genossen haben – Mr. Essential und ich.

Einige der running gags haben wir übernommen und besonders das „Management-Seminar“ des hochkompetenten Mafia-Schergen war für uns sehr lehrreich. Wir haben daraus eine Sache übernommen: Bananen öffnen wir jetzt gern mal von unten, statt am Stiel. Aber ich will nicht spoilern.

Lilyhammer schafft eine unglaublich gelungene Mischung aus Real-Life, Klischee, Wärme, Humor, etwas Gewalt, Action und Realsatire. Man mag plötzlich einen Mafia-Typen. Einen, der mit seiner gedrungenen Gestalt, dem ewigen Wollmantel und den obligatorischen Handschuhen auch noch einen auf krude Weise sympathischen Bulldoggen-Gesichtsausdruck zum Besten gibt.

Er kauft auf eigentümliche Art einen Kinderwagen, er verprügelt Gegenspieler, erpresst KiTa-Leiter mitttels Hüpfburgen, er weist sehr beherzt einen homophoben Bar-Gast zurecht und hatte jenen zum Piepen lustigen erzkatholischen Spruch auf den Lippen, den Mr. Essential mir als Antwort auf die nächsten klingelnden Zeugen Jehovas vorschlug. Wer den Backlink anklickt, kann sich die Mafia-Schönheit gleich mal ansehen …

Der Hauptdarsteller Steven van Zandt spielte nicht nur mit Bruce Springsteen Gitarre, sondern auch in der Serie Sopranos. 130 Ländern schauen sich die Serie an – scheint, als würden nicht nur wir sie mögen …

Wer also gute, sympathische Unterhaltung, ein bisschen Action und Herzwärmendes in norwegischen Landschaftskulissen sucht, dem empfehlen wir die Serie in jedem Fall.

Die Eule

Die Eule

Seit Nummer 4 ganz klein war, so um die vier Monate, hasste er Autofahren. Es gab auch gute Phasen, aber im Moment hasst er es wieder.

Es war immer die letzte und auch einzige Rettung, wenn Nummer 3 ihr selbstkomponiertes Lied sang. Nur dieses Lied brachte ihn im Auto zur Ruhe. Ja, ich plante bereits alles zeitlich so, dass Nummer 3 neben Nummer 4 sitzen und singen konnte, damit es mir möglich war, ohne Weinkrampf mit dem Auto zu fahren. Also ohne meinen Weinkrampf.

Dieses Lied ist seitdem unser Begleiter auf Autofahrten.

Im Moment ist es eben wieder angesagt.

Zugegeben, das Lied ist nicht sehr abwechslungsreich. Und während Nummer 3 es zum Besten gibt, sehe ich manchmal um Mr. Essentials Mundwinkel ein enerviertes Zucken. Dann sage ich immer:

„Du kannst es dir mal wieder überlegen: Autofahren mit dem Lied auf Repeat oder Autofahren mit Nummer 4s Meckern und Weinen.“

Das Lied gewinnt stets.

Nummer 3 dichtete das Lied auf die abgebildete Rassel und der Text sowie auch die Melodie sind – nun ja – bewusst einfach gehalten:

„Ich bin die Eule ohne Beule, bin die Eule ohne Beule, bin die Eule ohne Beule – bin die Eule!“

Das “ – bin die Eule!“ am Schluss singt man so ein bisschen triumphal und langgezogen, der Rest reiht sich einprägsam mit so Auf- und Abschwüngen aneinander.

Vorhin kamen wir vom Besuch bei Cathérines Clan nach Hause – die größeren Kinder waren zuhause geblieben. Und es war wieder soweit: Nummer 4 weinte und schimpfte.

Kurz vor unserer heimatlichen Straße fragte Mr. Essential mich dann stöhnend:

„Wie geht noch mal das Eulenlied?“

Und ich sang. Einmal, zweimal, dreimal. Bin die Eule ohne Beule …

Nach dem ersten Durchgang war Ruhe. Beim zweiten lachte Nummer 4 hörbar und beim dritten machte er ein zufriedenes, erleichtert klingendes Seufzen, als wollte er sagen:

„Endlich, sie haben kapiert, was ich will.“

Jetzt, eine Stunde danach spüren wir die typischen Nachwirkungen des Autoberuhigungssongs:

Er ist ein Ohrwurm.

Eule ohne Beule beim Schuhe anziehen. Eule ohne Beule auf’m Klo. Eule ohne Beule beim Kühlschranköffnen. Eule ohne Beule überall.

Autofahren scheint im Moment eine Lose-Lose-Situation zu sein 😀

Family is where the heart is – Internationaler Tag der Familie

Familienleben: Mama geht zur Toilette

Familienleben: Mama geht zur Toilette

Heute besuchen wir, Mr. Essential, Nummer 4 und ich meine liebe Freundin Cathérine, die Nummer 4s Patentante ist. Mit von der Partie sind bei ihr der Vater ihres großen Sohnes (Nummer 4 s Patenonkel) und, soweit ich weiß, auch der Vater des kleinen Sohnes.

Es ist ja der Internationale Tag der Familie und da treffen wir uns zu Kaffee, Kuchen und zum Patentreffen im Sonnenschein.

Im Rahmen des Verabredens schrieben Cathérine und ich vorhin per WhatsApp so ungefähr:

Cathérine: „Wann kommt ihr denn nachher?“

Ich: „So um halb Drei.“

C: „Prima.“

Dann war kurz Pause, in der es hier irgendwie sehr anstrengend wurde:

Ich: „Es wird wohl eher Vier – die sind hier alle durchgeknallt.“

C: „???“

Ich: „Nummer 2 hat Nummer 4s Breipulver in der Küche verteilt, weil sie vor lauter Durchgeknalltheit auf die Nase gefallen ist. Nun fegt sie leidend. Mr Essential ist bräsig seit gestern (hat akzeptablen Grund, aber trotzdem …) und Nummer 3 jault und meckert, weil sie staubsaugen muss.“

C:“ Staubsaugen?“

Ich: „Ja, in ihrem Zimmer. Muss sie sonst natürlich nie, aber heute. Weil ich ihr um 9 gesagt hab, sie soll den Boden freiräumen. Um 12:30 war er immer noch voll. Ich wollte saugen, das konnte ich deshalb nicht. Nun muss sie das selber machen. Und meckert, poltert, schimpft, jault. Grausam.“

C: „Argh. Klingt schön. Nicht.“

Ich: „Home is where the heart ist.<wutschnaubender Smiley>“

C: „… wohl eher, wo das Herz pocht. Meins zumindest.“ (Sie leidet wegen Eisenmangels an beschleunigtem Puls. Oder wegen Stress. Oder wegen beidem? Ich bin da noch nicht ganz sicher …)

Ich: „Home ist where the heart tachykard pochs. Wir beide kotzen uns gleich beieinander schön …“

Pause

Ich: „… aus. Sorry, Nummer 3 kam schnaubend und jaulend runter – hatte das letzte Wort vergessen zu schreiben-“

C: „Atmen!“

Ich: „Du meinst schnauben?“

Seit dieser Konversation streiten sich die drei Mädels hier die ganze Zeit und ich halte den Kopf nur mit dem Gedanken über Wasser, dass ich gleich verschwinden werde. Ohne diese drei Nervensägen, die sich gerade gegenseitig als „Kürbiswasser“ (was auch immer …) beschimpfen …

Tag der Familie. Wer sagt denn, dass der romantisch und idyllisch sein soll, hä?

Euch allen wünsche ich aber natürlich so etwas. Denkt an all die Werte und die Freude, die Ihr erst erfahren dürft, seit Ihr Euch vermehrt habt. An all das sich potenzierende Glück, dass man empfindet, sobald man das erste Baby in die heimische Wiege legt und das berühmte Strahlen der Kinderaugen an Weihnachten, Geburtstagen und bei ToysRus.

Das tue ich zumindest an Tagen wie diesen sehr oft und sehr fest 😀

World’s Best Dada

World’s Best Dada

Heute ist Vatertag. Man sieht viele Nicht-Väter mit Bollerwagen voller Alk durch die Parks ziehen. Sie feiern da irgendwas – was auch immer.

Unser Vater hier hat seinen Ehrentag nie so gefeiert. Ich habe auch meinen Muttertag nicht mit einem stressigen Kaffeekränzchen verbracht. Da sind wir beide also einer Meinung, er und ich.

Neben den Plänen, die wir für diesen Tag haben, möchten wir hier einmal sagen, wofür an den anderen 364 Tagen immer zu wenig Zeit und Raum ist. Das haben unsere „Fufels“ hier diktiert. Außer Nummer 4 – der wird von uns zwangssynchronisiert 😀

Nummer 4:

Lieber Dada,

Nam-Nam, es ist toll, dass Du mir immer ein Nam gibst, denn ich esse echt gerne! Und dass Du mit mir morgens manchmal kuschelst und Shawn das Schaf guckst ist so schön! Und dass Du mich so oberoberlieb hast, fühlt sich toll an! Und die vielen Kosenamen, die Du mir gibst, die liebe ich auch sehr. Du bist groß und haarig. Haarig bin ich auch schon, aber so groß wie Du will ich unbedingt auch werden.

Ich bin Schatzi-Mücke, der Kumpel. Dein Bäro und Dein Babymann und Dein Dickerchen und Du bist mein Dada! Besser kann es gar nicht sein!

Dada, ich hab Dich noch viel lieber als meinen Bawa und die Feuawea! Nam! Nam!

Nummer 3:

Lieber Dadi,

ich möchte Dir sagen, dass Du ein toller Vater bist. Oder Dada, wie man es auch sagen will.

Du isst einfach alles, am meisten Gemüse, weil Du ein einzigartiger Dada bist. Deshalb müssen wir auch immer Gemüse essen. Und ich mag Deine T-Shirts. Und dass ich mich an Dich dranhängen und an Deinen Armen turnen kann finde ich auch toll. Und dass Du immer, also meistens, wenn ich Dich sehe, lieb bist. Das ist auch toll an Dir. Und dass wir oft mal abends etwas mit Dir gemütlich gucken dürfen, weil Du uns dafür Zeit von Deinem Feierabend überlässt. Und dass Du immer am Wochenende Frühstück machst ist schön.

Ich finde es doof, dass Du so lange auf der Arbeit bist und ich möchte Dich mal länger sehen, weil Du mein Dada bist. Und es ist toll, dass wir Dich Dada und nicht Papa nennen, weil so heißen schon so viele. Und Papa ist einfach zu normal. Mein Dada ist nämlich nicht normal, sondern besonders. Und ich finde es toll, dass Du mich mit auf die Welt gebracht hast und dass ich zwei Augenfarben habe. Ich glaube, das meiste habe ich von Dir geerbt. Vor allen Dingen, den Hulk in mir. Nein, Spaß!

Ja, Du bist mein Dada und Du bist der Beste! Und ich will mal so braune Haare haben wie Du! Dass Du mein Dada bist ist auch toll, weil Du der Beste auf der ganzen Welt bist – das ist ja das Besondere an Dir!

Amen von Deinem Heiligen Augustinus

Nummer 2

Lieber Dad,

ich finde es ganz toll, dass Du Dich immer so lieb um uns kümmerst und dass Du es so gut nachvollziehen kannst, dass wir Mama manchmal nerven und wenn es ihr mal nicht gut geht. Dann fühlt sich Mama nämlich besser und freut sich über Dich – dann fühlst Du Dich auch besser.

Und ich finde es toll, dass Du mir so viel über Technik erklärst und dass Du mit mir Minecraft spielst, wenn wir Ja-Sage-Tage haben. Es gefällt mir an Dir, dass ich mit Dir Festplatten ein- und ausbauen darf. Du bist immer so lieb! Und dass Du immer Frühstück mit Bacon am Wochenende machst – das gefällt mir auch an Dir. Und ich mag es sehr gerne, abends mit Dir zu kuscheln und etwas zu gucken. Und Die Legenden von Andor spielen mit Dir ist ganz episch.

Ich freue mich immer, wenn Du von Deinen doofen Geschäftsreisen nach Hause kommst.

Superfettes Küüüüüsschen, Dein Küken

Nummer 1

Lieber Dad,

mir macht es immer Spaß, wenn wir zusammen am Esstisch Die Legenden von Andor spielen. Und ich finde es klasse, dass Du am Wochenende morgens immer Frühstück machst (auch wenn Du Dich manchmal darüber aufregst oder beschwerst).

Ich mag an Dir, dass Du so lustig bist und so stark und so groß. Und so schön. Und schlau. Und ich mag es, wenn wir abends manchmal zusammen was gucken. Oder wenn wir zusammen Wer bin ich? spielen.

Danke, dass Du so fleißig für uns arbeitest – wir haben so viele tolle Sachen und große Zimmer, tolle Spiele und es fehlt uns nichts. Bis auf einen kleinen Roboter, der für mich Die Glocke abschreibt. Und ich freue mich immer, wenn ich Dich sehe. Ich finde es auch ganz toll, wenn Du mit uns irgendwo hin fährst, damit die Mama sich mal ausruhen kann. Danke, dass Du mit den beiden Kleinen ein Wochenende verbracht hast, damit wir nach Paris konnten.

Alles Liebe, Dein Äffchen

Mein Tag

Ich lese total gerne die Tagesabläufe meiner Mama-Blogger-Kolleginnen. Und nie habe ich selbst mal so etwas verfasst. Außer meinem Beitrag zum Thema Wochenende. Da habe ich das getan. Und Mr. Essential hat mal ein Wochenende in Bildern dargestellt.

Jetzt mache ich das auch mal. So ab und an.

Okay:

Heute hatte ich einen ruhigen Tag.

Morgens habe ich Nummer 4 zur Tagesmutter gebracht, Nummer 1 war mit, denn die beiden Großen haben heute schulfrei. Nummer 3 lag mit Bauchschmerzen im Bett – hatte Nummer 2s Magen-Darm-Virus abgegriffen …

Danach bin ich nach Hause und habe angefangen, ein bisschen aufzuräumen. Plötzlich klingelte es und unser Haustechniker stand da mit Kartons. Anscheinend hatte Mr. Essential mir nicht gesagt, dass heute der Termin für die Steckdoseninstallation im Bad ist. Oder ich hatte es vergessen. Wie den Zahnarzttermin von Nummer 1 neulich – den hatte ich echt zwei Mal vergessen. Ist mir auch noch nicht passiert, dachte ich.

Und während ich das so denke und Nummer 3s Schmutzwäsche und als Klump verdrehte Socken vom Zimmerboden aufklaube, da kommt Nummer 2 hoch mit dem Telefon.

Wer war dran? Meine Freundin. Ich erschrecke:

„Oh Mann, das ist ja superpeinlich! Wir waren ja vor 40 Minuten verabredet!“ rufe ich in den Hörer.

Meine Freundin fand das nicht schlimm. Sie hat eine neue Küche bekommen und die wollten wir mit einem Tässchen Tee einweihen. Also eilte ich los, sagte dem Techniker Bescheid und auch den Kindern. Dann saß ich in der Sonne auf einer Bank bei meiner Freundin und wir unterhielten uns sehr schön. Tee war zu warm bei dem Wetter und so sind wir nach der Küchenbesichtigung nach draußen mit einem Wasser. Okay, zwischendurch rief der Techniker an und teilte mit, dass er fertig sei, aber leider mit dem Hammer eine Macke in unsere nagelneuen Fliesen (die nach 180 Arbeitsstunden endlich die Basis des renovierten Bads bilden) gehauen habe. Toll. Dann muss man nicht ängstlich bangen, dass ein Kind das übernimmt. Zack, Macke mitgeliefert. Immer positiv denken. Da wir seit Juli 2014 das Bad nicht benutzen können, ist mir alles recht, das uns vorwärts bringt. Von mir aus auch mit Macken.

Irgendwie verflogen die knappen zwei Stündchen im Garten und ich flitzte los, um Nummer 4 zu holen.

Zuhause wurde er von den Großen begrüßt und ich kochte, während sie mit ihm spielten. Dann gab Essen, anschließend verschwand der kleine Kerl im Bett. Ich räumte die Küche auf, hängte Wäsche auf und so weiter.

Dabei hörte ich, wie auch beim Kochen, ein spannendes Hörbuch.

Das alles war nahe an Wellness. Ja, echt. Freundin besuchen und quatschen. Hammer. Mach ich höchstens ein Mal im Monat oder so. Ansonsten hocke ich seit Monaten und Monaten in der Bude und gucke in den grauen Himmel, während ich einen Höhlenkoller entwickle.

Danach habe ich dann in der Tat mit dem Notebook auf dem Schoß auf dem Sofa gesessen! Bestimmt über eine ganze Stunde lang. Ich hätte an meinem Projekt arbeiten können oder nach meinem inneren Druck zu urteilen: müssen. Aber das wollte ich nicht. Und so groß war der Druck auch nicht. Also einfach rumgammeln. Das war schön. Aber davon werde ich immer so müde.

Normaler Weise hätte ich den Nachmittag zum Bügeln, Räumen und Ähnlichem genutzt. Aber heute nicht. Das war seltsam und nett zugleich.

Ich muss nämlich wirklich mal lernen, dass Pausen und nette Erlebnisse nicht nur etwas für Schluffis sind. Damit will ich keinesfalls Pausen machende Menschen diskreditieren, sondern nur meine verkorkste innere Einstellung aufzeigen. Im Grunde sind mir die Pausierenden und Ausgleichschaffenden nämlich haushoch überlegen. Und das weiß ich auch 😀

Das war also ein ruhiger Tag. Die Großen haben sich nur kurz gezofft, weil sie irgendeine Aufgabe nicht machen wollten und lieber aufeinander zeigten, als einfach mal loszulegen. Aber eben nur kurz. Nummer 3 ging es am Nachmittag wieder gut und sie ging mit einer sie besuchenden Freundin draußen spielen.

Derweil buk (tolle Form, hm?) Nummer 2 den Vatertagskuchen und ich musste sie zigmal auffordern, die Küche wieder aufzuräumen. Also alles ganz normal.

Und während es so ruhig war, fiel mir auf, dass ich es als langweilig und öde empfand. Öde, hier rumzusitzen. Wäre irgend etwas zu arbeiten nicht besser? Das ist ja total nutzlos, nur sitzen und von DaWanda zu Facebook zu hüpfen. Ich fühlte mich mit einem Mal leer und ausgesaugt.

Ich muss noch an meiner inneren Einstellung arbeiten 😀

Und wie wird das lange Wochenende?

Morgen sind wir nach dem Frühstück unterwegs in einen sehr netten und niemals überfüllten Freizeitpark – als Vatertagsausflug. Davor gibt es Frühstück, Geschenke und eben den Kuchen.

Freitag kündigt sich drohend so etwas an wie: Das Bad muss gestrichen werden und zuvor die neuen Leitungen verputzt. Vielleicht geht es zum Baumarkt. Oder man schiebt es auf und hat es stressend im Nacken. Mr. Essential hat sich Urlaub genommen. Das ist doch dazu da, dass man irgend etwas arbeitet, oder nicht?

Ich mache bald mal eine neue Kategorie oder Serie hier auf dem Blog:

Homer Owner’s Delight

Das habe ich mir abgeguckt von einem guten Freund meines langjährigen Freundes, der in Austin lebt. Und sein besagter Freund hat ein Haus gekauft. Und hat nun auch ein Stockholmsyndrom mit der Immobilie, genau wie wir.

Ironisch und Lakonisch postet er dann auf Facebook, wie er sein gerade Gespartes in einen neuen Müllzerkleinerermotor steckt, den er dann auch noch selbst anbringen muss, weil ja kein Geld für einen Handwerker mehr übrig blieb. Das nennt er manchmal eben Home Owner’s Delight. Hat was, ne?

Samstag haben wir unseren 12. Hochzeitstag und ich freue mich sehr darauf. Wir werden Essen gehen und das wird sicher sehr schön. Davor fallen uns bestimmt noch eine Menge nerviger Sachen ein, die wir erledigen müssen. Immerhin haben wir letzten beiden Samstage genutzt um für 36,- Gebühr Müll zum Wertstoffhof zu fahren. Unter Anderem das aussortierte Spielzeug, das aus Nummer 1s und Nummer 2s Zimmern stammte …

Sonntag. Wie heißt es so schön im Don Quixote so ungefähr? „Sonnabends gab es eine kleine Mehlsuppe mit Brot und sonntags gab es Kummer und Schmerz“. Haha. Ja, Sonntage sind meine Freunde Feinde. Mal sehen, was uns da einfällt. Man sollte sich sonntags mit anderen Familien verabreden. Vielleicht empfinden andere den Sonntag auch als den Heiligen Tag der eingeschlafenen Füße mit lahmem Spaziergang. Wer weiß.

Wenn ich dazu komme, dann berichte ich mal am Montag, wie das Wochenende wirklich abgelaufen ist.

Bis dahin wünsche ich Euch allen ein paar wunderschöne Tage mit viel Sonne. Und viel Vatertag. Oder auch wenig – je nachdem, wie Ihr es mögt! 🙂

Das Kleinkind-Stress-Syndrom

Ich bin ja gerade dabei, endlich mal darauf zu achten, was ich eigentlich empfinde und brauche. Klingt schräg – denn ich bin ja schließlich schon etwas länger kein Kind mehr. Aber als ich eines war, wurde meine Gefühle so von außen diktiert und kommentiert, dass ich ihnen irgendwann gar nicht mehr traute. Zugleich drehte sich wenig darum, was ich brauchte oder empfand. Nun muss ich Teile des emotionalen Lernprozesses nachholen. Ich muss nicht – ich will.

Über zwölf Jahre mit Kindern halfen natürlich nicht gerade dabei, zu lernen, wie ich auf meine Bedürfnisse und Gefühle achten kann … ich erkläre mal kurz, wie es zum Status Quo kam und schlage dann den Bogen um Kleinkind-Stress-Syndrom.

Kurze Beispiele zur Erklärung

Kleines Beispiel: War ich zum Beispiel krank, dann bekam ich latente Vorwürfe. Irgendwie galt es als schwach und zugleich auch für Muttern anstrengend, krank zu sein. Sie musste sich Sorgen machen und zugleich noch Tee kochen. Das überforderte sie aus irgendwelchen Gründen. Ich fühlte mich immer ein bisschen als Verräterin am System, wenn ich hustete. Heute schäme ich mich immer noch, wenn ich krank bin. Örnks.

Einmal, da war ich schon 14, war meine Mutter unglaublich fürsorglich als ich heftig erkältet war. Sie kaufte sogar Kekse und sah immer mal wieder nach mir. Ich weiß noch, was ich da empfand: Verwunderung und Misstrauen

Großes Beispiel: Ich wohnte an einem Unfallhäufungspunkt (ja, nun kommt eine leider wirklich dramatische Geschichte):

Gerne wäre ich da als Kind weggezogen, denn an der Bundesstraße zu wohnen bedeutete mehr als nur immer mal wieder Unfälle mitzubekommen: In unserem beschaulichen Dorf war es die einzige große (und oft zu schnell) befahrene Straße und Mütter hatten Angst, ihre Kinder zu uns zu lassen. Manchmal brachten sie meine Freunde dann direkt zur Haustür oder sie hatten dazu keine Lust und niemand kam. Das war doof.

Doofer noch, dass ich natürlich Unfälle sah.

Ich sah mal ein junges Mädchen mit dem Mofa von unserem Mietshaus losfahren und wie es dann seitlich gegen ein Auto fuhr. Es landete erst auf der Motorhaube und flog dann nach links Richtung Gehweg.

Das Mädchen starb.

Ein Quietsch, ein Rumms, ein unguter Knall. Da lag sie in einer Blutlache auf dem Gehweg, der Fahrer schrie und sah sich verzweifelt nach Hilfe um (Danke, eidetisches Gedächtnis. Danke an dieser Stelle, dass ich jeden Mist meines Lebens wie einen Film abrufen kann … )

Der Vater des Mädchens kam natürlich auch noch zufällig vorbeispaziert und kniete dann verzweifelt neben der Tochter. Er rief ihren Namen und eine Menge herzzerreißende Dinge, die ich hier aus Rücksicht nicht auch noch mitteilen will.

Ich stand also mit offenem Mund am Fenster. Meine Mutter kam dazu und fragte mich, wie das passiert sei. Ich erklärte, das Mädchen habe jemandem gewunken, der wohl in der Wohnung über uns wohnte und sei dann losgefahren, ohne noch einmal nach vorne auf die Straße zu gucken. Ich sagte, sie habe vielleicht versehentlich auf das Gas getreten und deshalb einfach losgefahren. Meine Mutter fuhr mich an:

„Bei einem Mofa gibt es kein Gaspedal! Da gibt man mit dem Griff Gas!“

Und damit ließ sie mich stehen. Mehr wurde darüber nicht gesprochen.

Ich schämte mich. Weil ich geguckt hatte. Ich hatte schon vor dem Unfall aus dem Fenster gesehen, nicht erst wegen des Knalls. Aber so sah ich das nicht. Ich schämte mich auch, weil ich so dumm gewesen war, nicht zu verstehen, wie man bei einem Mofa Gas gibt. Okay, ich war Grundschülerin, da weiß man das vielleicht nicht. Aber ich war in meinem Urteil über mich nie besonders gnädig. Hatte ich so nicht gelernt.

Ich bin später auf den Friedhof geschlichen, um das Grab zu suchen. Ich brauchte das für mich. Das fand meine Mutter damals ganz einfach krank. Ja, ja, sie war überfordert von der Situation. Ich weiß das alles. Aber wenn die Erwachsenen nun mal dauernd überfordert sind, dann bleibt alles an den Kindern hängen … das war doof.

Ich erinnere mich gerade, dass mein Bruder an der Unfallstelle vorbei latschte und seine gelben Gummistiefel blutverschmiert vor der Haustür abstellte, woraufhin meine Mutter einen halben Nervenszusammenbruch bekam, während er sie schulterzuckend ansah. Er hatte da irgendwie keinen Ausdruck im Moment, war vielleicht überfordert. Er ist Autist. Meine Mutter wusste das damals noch nicht. Daher war sie zusätzlich entgeistert über ihren vermeintlich gefühlskalten Sohn und drehte ziemlich durch.

Ich spüre immer noch eine kleine Druckwelle kurz bevor ein Unfall passiert. Bevor man den Knall hört. Zum Glück habe ich das seit vielen Jahren nicht erlebt. Die Jahre an der B56 haben mich geprägt ^^

Gesund geht anders

Natürlich wäre so eine Situation heutzutage bei mir (und den meisten anderen Müttern) hier so:

Kind sieht Unfall, ich kümmere mich um Kind. Rede mit ihm, fühle mit ihm. Überlege, ob es irgendeine professionelle Unterstützung braucht. Höre mich um, lese nach, bespreche mit anderen Menschen deren Gedanken zum Thema. Damit mein Kind diese traumatische Erfahrung gut verarbeiten kann. Okay, ich würde nicht mit Kindern an einem Unfallhäufungspunkt wohnen. Aber das ist ja nur Kosmetik.

Ich weiß natürlich, dass meine Mutter sich eigentlich selbst geschämt hat, weil sie eben mit ihren Kindern (aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen) dort wohnte und weil ich eben nun etwas Schlimmes gesehen hatte. Nur die Reaktion war halt für mich als Kind recht ungünstig. Ich wusste ja nicht, warum sie so reagierte.

Es gab viele solche Erlebnisse, in denen ich mir meiner eigenen Gefühle nicht sicher war oder in denen ich lernte, dass meine Gefühl anscheinend falsch oder unangebracht waren.

Ebenso im ganz normalen Alltag: Ich stellte meine Bedürfnisse zurück. Klar, als ich klein war hab ich auf Autofahrten genervt und mich vor lauter Langeweile mit meinem Bruder gestritten. Große Brüder können recht penetrant sein. Und kleine Schwestern eben auch. Ich habe sicher gesagt, dass ich Durst habe, wenn ich welchen hatte. Und dann bekam ich etwas zu trinken, klar. So weit waren die Bedürfnisse erfüllt. Ich hungerte nicht und war stets sauber in heilen Klamotten.

Heute begreife ich erst, was das mit mir gemacht hat. Ich muss das alles nachholen und reifen lassen. Ich fühle mich ein bisschen „gefühlsbehindert“, so nenne ich das. Nur, dass man meine Behinderung eben nicht sieht und ich sie sehr gut verstecken kann.

In den letzten Monaten sehe ich mir diese ganze Gefühls- und Bedürfniskiste genauer an. Weil es längst überfällig ist und weil ich inzwischen schon mit körperlichen Beschwerden reagiere, wenn ich gewohnheitsmäßig übersehe, was ich fühle oder brauche. Es sind so die Klassiker der Psychosomatik wie Rückenschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Erschöpfungsgefühle, Müdigkeit etc.

Zum Kleinkind-Stress-Syndrom

Das Wort stammt von meiner Freundin Cathérine und ich finde es sehr passend.

Es geht darum, dass ich in den letzten Gefühlsfindungs-Wochen bemerkte, dass ich nie richtig „runterkomme“. Ja, ich lernte inzwischen, dass es typisch für einstige Trauma-Patienten ist, immer auf der Hut zu sein. Dauerangespannt sozusagen. Doch es gibt auch darin Stufen. Jedenfalls bemerkte ich, dass ich mich ständig unter Strom fühlte. Mal mehr und mal weniger. Aber wenn es mal um mich still ist, dann mindestens spüre ich das sehr genau.

Eher im Nebensatz erwähnte ich das dann gegenüber der Mutter von Nummer 3s Freundin in so einem „Hausflur-Gespräch“ beim Kind-Hinbringen. Und ich war unsicher dabei, tastete mich im Gespräch vor, weil ich nicht wusste, ob das vielleicht sehr schräg war. Und was sagt die andere Mutter zu mir?

„Ja, das kenne ich! Und ich dachte, das geht nur mir so. Ich hab das immer, wenn ich ein Kleinkind oder Kindergartenkind habe. In den Phasen ist das so krass. Ich komme im Moment immer noch nicht abends runter, obwohl die Jüngste der Dreien schon bald in die Schule kommt.“

Oh-ha.

Daraufhin erwähnte ich das Cathérine gegenüber im Smartphone-Chat. Sie:

„Das kenne ich! Ich hab das auch, dieses Kleinkind-Stress-Syndrom!“

Ich glaube, sie schrieb, diese „Kleinkind-Stress-Symptome“, aber als Syndrom klingt es fast noch etwas griffiger, finde ich.

Diese Situation bestätigte mir, was ich seit einer Weile ahne: Vieles von dem, was ich empfinde ist vielleicht normal und ich halte es für schräg, weil ich es eben bin, die es empfindet. Nach außen bin ich ziemlich hochfunktional, wie das bei „Beeinträchtigten Menschen“ genannt wird. Ich kriege alles gebacken, das im Alltag wichtig ist. Leider auch mit einer Portion Perfektionismus, der niemals gesund ist. Es kostet sehr viel Energie. Und das ist sehr aufoktroyiert. Daher möchte ich jetzt lieber ganz ich selbst sein und meinen Gefühlen folgen.

Haha, das klingt ziemlich disney-mäßig, ne?

Kleinkind-Stress-Symptome

Ich bin angespannt, kann nicht wirklich mal loslassen, schlafe schlecht (auch wenn Nummer 4 inzwischen überwiegend gut schläft) und fühle mich nie erholt. Ich eiere morgens aus den Federn und kippe da abends wie ein Stein wieder rein. Ich war echt schon entspannter im Leben, wirklich. Ich fühle mich dauernd latent gehetzt, alles ist schließlich von außen getaktet. Ich habe mich von den zermürbend anstrengenden ersten Monaten mit diesem High-Need-Boy („Leg mich niemals ab! Nein, auch nicht wenn du pieselst! Stille mich jede Stunde! Trage mich stundenlang im Tuch! Nachts musst du nicht schlafen! Gib mir! Gib mir! Ich langweile mich! Ich bin unzufrieden! Ich schlafe niemals im Liegen ein! Gib mir mehr von dir! Mehr! Meeeeehr!“) nicht erholt und immer noch muss ich dauerpowern. Und hab das schon drei Mal hinter mir. Daher vermutlich diese Daueranspannung. Aber ich bin damit anscheinend nicht alleine.

Hat hier vielleicht noch jemand das Kleinkind-Stress-Syndrom?

Fände es ganz spannend zu lesen, ob es anderen Müttern genau so oder ähnlich oder eben ganz und gar nicht so ergeht. Bei letzteren werde ich dann versuchen, mir etwas abzugucken 😀 …