Auf dem Weg zur Erholung, Teil 2

Auf dem Weg zur Erholung, Teil 2

Wie versprochen halte ich Euch auf dem Laufenden, was die Organisation meiner Kur betrifft.

Gestern Vormittag war ich bei der Kurberaterin der Caritas.

Ich hatte mir vorher natürlich einige Gedanken gemacht und ein paar Fragen bekam ich sofort beantwortet:

Ich : „Was ist mit meinem Mann? Den bin ich ungern drei ganze Wochen los – kann er am Wochenende zu Besuch kommen?“

Frau Kurberaterin: „Ja, schon, aber die Ehemänner sind Personen des täglichen Lebens und genau dieser Alltag soll so weit wie möglich außen vor bleiben – ein Ausflug am Sonntag ist in Ordnung. Aber ein ganzes Wochenende wäre nicht zielführend.“

Ich verstand, dass derjenige, dessen Socken und Unterhosen ich wasche, ein Teil meiner Arbeit ist. Und von genau der soll ich ja Abstand erhalten. Okay. Bisher hatte ich das so noch nie betrachtet. Der Typ repräsentiert quasi einen Teil meines Stresses – und da war ich nicht sofort froh gewesen, ihn mal ’ne Weile los zu sein?!

Nummer 4 würde nicht so ultraviel Betreuungszeit bekommen, da er noch so klein ist. Die Großen schon mehr. Insgesamt hörte ich mir das so an und dachte, die echte Erholung kriegt also der Typ, dem ich die Socken wasche. Der drei Wochen lang schön alleine seine Ruhe hat und machen kann was er will. Genau davon träume doch eigentlich ich!

Aber Mutti nimmt, was sie kriegen kann. Drei Wochen, in denen ich nichts putze und nichts koche – das allein ist Musik in meinen geschundenen, vollgeplapperten Ohren.

Ich habe vergessen, nach den räumlichen Möglichkeiten zu fragen. Ich erfuhr etwas von einem Appartement mit Zimmer für Mama und Zimmer für Kinder. Und wohin soll Nummer 4? Wenn er im Kinderzimmer schläft, werden sie ihn definitiv beim späteren Hinterher-„Schleichen“ wecken.

Und wenn er in meinem Zimmer schläft, ja, dann kann ich nicht schlafen. Neben schlafenden Babies im Dunkeln liegen und nicht mal husten dürfen sorgt bei mir für enorme Schlafstörungen. Vor allem, weil ich zum Einschlafen immer was auf dem iPad lese oder gucke …

Das muss ich vorher klären – davon hängt die Sache ja fast ganz ab …

Ich: „Was ist denn der nächstmögliche Termin?“

Frau Kurberaterin tippte auf der Tastatur: „Anfang November.“

Ich: „Brrr, schön in der besten Jahreszeit.“

Sie: „Ja, leider. Wenn sie früher hier gewesen wären, dann wären die Herbstferien noch gegangen. Aber jetzt ist alles voll. Eventuell gibt es etwas ab dem 28. Oktober. Aber man muss sehen, wie schnell da ihr Antrag durch ist und so. Oder sie warten bis zu den Osterferien.“

Ich: „Ach nö, lieber nicht. Ich brauche ein bisschen Veränderung in Aussicht. Damit ich weiß, wohin ich mich innerlich schleppen muss.“

Frau Kurberaterin stimmte zu: „Ich denke auch, es ist besser, wenn sie den nächstmöglichen Termin anstreben. Ich denke, sie können das gut brauchen. Wenn man bedenkt, was sie alles zu tun haben …“

Ich: „Ich müsste echt mal lernen, auf mich selbst zu achten. Ich schilderte:

Gestern war mal wieder so ein typischer Tag: Morgens zur Tagesmutter, danach nach Hause, um auf den Treppenbauer zu warten. Der sich um über eine Stunde verspätete. Ich hastete bei seiner Abkunft sofort los zu einem Termin – dort verspätete sich der nächste Terminpartner, so dass ich mich schnell verabschieden musste und zurück zur Tagesmutter. Zurück nach Hause zum Mittagessen. Dann schnell die Kinder gescheucht, weil wir zum Opa fahren mussten, damit Nummer 4 dort schlafen konnte, weil ja der Treppenbauer ja Lärm machte.

Im Opa-Asyl beschloss ich, etwas Nettes zu machen und fuhr mit Nummer 1 in den Billig-Laden „Action“, um Bastelzeug zu kaufen (das ist so günstig da und ist wirklich hochwertig). Dort traf ich eine Verwandte, die ich eigentlich auch noch gerne besucht hätte – aber dazu fehlte mir einfach die Zeit an dem Nachmittag. Es war bereits nach Vier. Sie fragte auch sofort, warum ich mich nicht bei ihr angemeldet hätte, wenn ich schon mal am Ort sei. (Opa wohnt 30 Minuten von hier auf der anderen Rheinseite).

Dann zurück beim Opa (Hier trank ich übrigens das erste Glas (Wasser) des Tages – um 16:30 Uhr)  meldete dieser, Nummer 4s Großtante habe bereits angerufen, ob ich denn nicht mehr kommen und wie verabredet die Gartenrutsche abholen würde. Ach ja, die Babyrutsche! Sofort wieder ins Auto und mit Nummer 2 los. Kurz meinen Patensohn dort gesehen, Rutsche verladen und zurück.

Dort Abendessen gemacht, danach Tisch abgeräumt, alles sauber gemacht. Ich wollte fahren, die Kinder aber installierten sich im Garten. Bis wir fuhren war es dann 19:30 Uhr. Zuhause wurde dann Nummer 4 bettfertig gemacht und der Tag neigte sich dem Ende zu.“

Frau Kurberaterin: „Und sie haben noch nie zuvor eine Kur gemacht, nein? Okay, wow, da sind sie ja weit gekommen, dass sie erst jetzt eine brauchen …“

Ich sagte noch, dass ich keinesfalls ohne die Kinder fahren würde, fasste rasch die Zeit von Mr. Essentials Krankheit zusammen, die mich mit den Fufels so zusammengeschweißt hat. Frau Kurberaterin notierte auch dies und meinte, es sei augenscheinlich für mich besser, mit den Kindern zu fahren.

Wir gingen den Antrag kurz durch.

Der Antrag bestand aus diversen vorgedruckten Seiten für Hausärztin und Kinderarzt. Ich erfuhr, dass meine Krankenkasse seit Frau Kurberaterin ihren Job macht nie einen Antrag abgelehnt hatte. Das macht Mut.

Ich teilte noch mit, dass ich keine Anreise wünsche, die länger als drei Stunden dauern würde. Drei Stunden als Fahrerin im Auto mit vier Kindern – da ist meine Grenze erreicht.

Spannende Nebeninfo

Interessant war, dass sie mir erklärte, wie das Müttergenesungswerk (in deren Kurklinik sie vermittelt) in den 1950er Jahren gegründet wurde. Ziel war es, belastete Mütter zu regenerieren. Wegen des Kriegs und so. Aber die Inhalte der mütterlichen Belastung hätten sich null verändert. Es sei eben nur ohne Krieg, dafür mit Auto (Kinder kutschieren+zu anderen Terminen hetzen), Mikrowelle (Kinder schieben ihr Essen rein, weil Mama arbeitet und Mama hat dafür ein schlechtes Gewissen) und weiteren Komponenten. Im Prinzip sei alles aber immer noch das Gleiche.

Mütter haben die gleichen Aufgaben. Nur mehr. Dafür aber keinen Krieg hinter sich. Die meisten Mütter würden heute im Antrag die gleichen Kreuzchen machen wie früher: „Keine Zeit für mich, keine Zeit für Hobbies/Freizeit, keine Zeit für Freunde, Mehrfachbelastungen, zu wenig Zeit am Tag.“ Neu sei, dass absolut jede Mutter ein Kreuzchen machte bei: „Zu viele Termine“

Das andauernde schlechte Gewissen war auch eines der Themen, die wir kurz ansprachen, während sie mir den Antrag erläuterte.

Sie erläuterte, dass ihre Nachsorge-Referentin, eine Heilpraktikerin für Psychotherapie, ihr widerspräche, wenn sie selbst sagen würde, man bekäme quasi mit der Geburt des ersten Kindes das schlechte Gewissen mitgeliefert. Doch ich stimmte ihr natürlich absolut zu. Bin schon gespannt auf den Vortrag dieser Referentin – werde sie dann mal befragen.

Zettelwirtschaft

Zuhause füllte ich die diverse Seiten aus. Das letzte Blatt (Blatt 8) soll für Erläuterungen genutzt werden. Hier kann man knapp mitteilen, was genau belastet und wodurch. Irgendwie ist mein Blatt jetzt voll geschrieben …

IMG_3764

in den kommenden Tagen muss ich mit den restlichen Unterlagen, wie erwähnt, zum Kinderarzt und zu meiner Hausärztin. Dafür werde ich Termine machen müssen. Ich hasse dieses Wort inzwischen: Termin. Als ich 20 war klang das mächtig wichtig, wenn man mal so etwas wie einen Termin hatte …

Es gibt also noch ein bisschen etwas zu tun, ehe es weitergehen kann.

Advertisements

8 Gedanken zu “Auf dem Weg zur Erholung, Teil 2

  1. Oh Mann. Lass Dich nicht unterkriegen. Die Zettelwirtschaft ist halb so schlimm. Ich bin mit dem letzten Blatt auch nicht ausgekommen. Es sind knapp 3 getippt Seiten geworden. Kann Dein Mann Dich nicht bringen? Und dann wieder abholen? Dann hättest Du keinen Stress mit der Fahrerei und kannst schon auf der Fahrt etwas entspannen. Und Du könntest vll ans Meer. Wir sind vor den Kindern übrigens oft im Herbst gefahren. Ich war auch von Ende Oktober an in der Kur und fand es klasse. Herrliches Wetter und sehr wenig los. Ich drücke Dir die Daumen.
    LG
    Michi

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Michi,

    tausend Dank für’s Daumendrücken 🙂
    Je nachdem, wo es sein wird, könnte er vielleicht mit dem Zug zurückfahren – das könnte man überlegen. Gute Idee!
    Ich hoffe dann auch mal auf schönes Wetter – es kann ja auch durchaus gemütlich sein, wenn das Wetter mal nicht so toll sein sollte und man sich innen aufhält.
    Muss mich nur echt erkundigen, wie das mit dem Kleinkind und dem Schlafplatz ist. Da sehe ich einen potentiellen Stressfaktor. Ich will ja nicht drei Wochen auf ’nem Schlafsofa schlafen müssen … 😉

    Liebe Grüße 🙂

    Gefällt mir

  3. Hallo lareine,

    ich hab vor zwei JAhren meinen Kurantrag fertig gemacht und war dann von Ende November bis Mitte Dezember auf Norderney zur Kur und fand es so erholsam!!! Es hat mir so gut getan, dass es auf der Insel so ruhig war, weil die Jahreszeit nicht so zum Urlauben einlud. Aber Spazierengehen am Meer oder Fahrradfahren war bei fast jedem Wetter möglich. Mein Jüngster war damals gerade zwei Jahre alt und ich hatte Glück, dass beide Jungen in einem extra-Zimmer schliefen. Die Mütter mit einem Kind hatten nur ein Zimmer und damit abends tatsächlich das Pech, im dunklen Zimmer zu sitzen. Babyfo funktionierte leider in Stahlbeton-Häuser nur eingeschränkt.
    Ich denke immer noch gerne an die Zeit zurück und würde total gerne wieder fahren. Ich war sehr dankbar, dass man in meinem Haus super auf die Mütter eingegangen ist und wenn ich gesagt habe, ich brauch mal wirklich einen ganzen Vormittag ohne Kinder auch beim Essen, dann gab es ewine Möglichkeit, dass die Kinder betreut wurden.
    Ich wünsche dir, dass du die richtige Klinik findest. Die Berater haben da meist viel Wissen und kennen sich aus.

    Alles Gute und halt die Ohren steif!

    C.

    Gefällt mir

    • Liebe C.,

      danke für deinen Kommentar 🙂
      Ich hoffe, wir bekommen ausreichend Zimmer für unsere vier Kinder. Im Dunkeln mit schlafendem Kleinkind hocken wäre für mich alles Andere als Erholung. Und mit besagtem Toddler in einem Zimmer schlafen ist für mich auch echt heftig. Weil ich nie zur Ruhe komme. Und weil ich im Finsteren nicht einschlafen kann …
      Davon hängt für mich also ein Großteil der Erholung ab. Es gibt durchaus Kliniken mit großen Appartements, darauf werde ich also echt achten müssen – so eins zu ergattern.

      Also es klingt ja doch sehr schön, wie Du die winterliche Kur beschreibst. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, ob es dann auch echt so erholsam ist oder eher nur kalt 😉

      Danke für deine lieben Wünsche!

      Gefällt mir

  4. Die Idee, mit drei Kindern drei Wochen irgendwo eingesperrt zu sein und das ganze Morgen- und Abendgeschäft alleine machen zu müssen, dazu sicher stellen, dass die Große ihren Schulstoff macht und gleichzeitig den Kleinen bespaßen, weil die Betreuung für die ganz Kleinen halt nicht sooo zeitumfassend sind – das hat mich bislang erfolgreich von der Idee einer Mutter-Kinder-Kur kuriert. Ich bin sehr gespannt auf deinen Erfahrungsbericht!
    Wenn es bei mir allmählich an die Grenzen geht, habe ich aber immerhin die Möglichkeit, ganze Wochen mit den Kindern bei meinen Eltern zu verbringen. Kein Kochen, kein Waschen, wenig Kinderprogramm … :))) Leider hast du diese Möglichkeit ja nicht. Ich drücke dir alle Daumen, dass die Kur alle Wünsche erfüllt und alle Sorgen unberechtigt sein mögen!

    Gefällt mir

    • Hallo Asuka,

      ich hatte auch lange Bedenken und habe eine Kur für mich ausgeschlossen. Jetzt aber merke ich, dass ich etwas brauche, das mir hilft.
      Ich habe ja leider echt niemanden, der mir da etwas abnimmt. Daher habe ich mich umgehört und viele Beispiele erfolgreicher Kuren gefunden.
      Unsere Großen sind ja schon wirklich groß – sie brauchen bis auf ab und an Hilfe bei Hausaufgaben/Vokabeln wenig von mir direkt. Ich höre ihnen zu, spreche mit ihnen, koche und wasche und putze für sie. Aber sie ziehen sich alleine an, machen abwechselnd untereinander die Schulbrotdosen abends fertig etc.
      Der Kleine wird nicht so richtig viel betreut werden dort – das ist natürlich ein gewisses Minus. Und ich brauche definitiv genug Raum für uns alle, sonst kann ich das gleich sein lassen.
      Mich abends in ein dunkles Zimmer zu setzen, bis ich endlich müde genug bin, um neben einem Kleinkind einschlafen zu können, ist nicht meine Vision von Erholung – aber das kläre ich gerade.

      Danke für Deine guten Wünsche – ich hoffe auch, dass es gut läuft. Wenn es nervt, dann fahre ich eben früher nach Hause. Eingesperrt bin ich da ja nicht. Da die meisten aber auch 3 Wochen bleiben oder manche Mütter (so erlebt in meinem früheren Berufsalltag als Familienpflegerin) bis zu 6 oder gar 8 Woche verlängern, kann es so schlimm ja hoffentlich nicht sein 🙂

      Liebe Grüße 🙂

      Gefällt mir

  5. !!!Klär soviel wie möglich felsenfest vorher ab. Es ist tatsächlich so, daß die Kleinkinder oft bei Mama mit ins Zimmer gesteckt werden, im dazugestellten Babybettchen halt, und dann wirds nix mit der Erholung. Bei uns war eine Mama mit 5 Kindern, die hatte dann zwei nebeneinander liegende Appartements (ohne Verbindungstür) bekommen, weil einfach kein großes da war. Ende vom Lied war, daß sie nachmittags doch alle zusammen in einem Zimmer hockten, was natürlich ziemlich eng war.
    Andererseits ist frühes Zu-Bett-Gehen mit Baby und damit mehr Schlaf als sonst ja auch Erholung.

    Wichtig! Schulbetreuung gibt es nur eine Stunde pro Tag. Das heißt, sie bekommen sozusagen „Hausaufgaben“ von den Lehrern zuhause, und in der Kur betreut dann jemand die selbständige Erledigung eine Stunde lang täglich. Schön für die Kinder, aber je nach Eigenmotivation wird da nicht viel. Meine Zimmernachbarin erzählte mir, daß ihre Tochter währenddessen von einer anderen Schülerin eine neue Flechttechnik für ihre Loop-Armbänder gelernt hat… Scheint also mit der Betreuung nicht immer so gut zu klappen. Daher würde ich mit Schulkindern nur in den Ferien fahren, denn sie haben hinterher eine ganze Menge aufzuholen. Oder es bleibt wieder an Dir hängen, sie während der Kur zu ermahnen, selbständig den Schulstoff durchzuackern.

    Laß Deinen Mann Euch ruhig übers Wochenende besuchen. Die meisten Kuren fangen ja mitten in der Woche an, dann hast Du sozusagen als Bergfest ein Wochenende in der Mitte. Und wenn Du alle Kinder mitnimmst, dann ist er doch eher Unterstützung dort für Dich, als zusätzliche Belastung. Aber dann mußt Du vorher auch wieder Unterkunft, Essen usw. abklären, denn in vielen Kliniken sind nicht-mitkurende Väter nicht erlaubt und müssen auswärts nächtigen. (Wäre allerdings bei uns problemlos gegangen, da Eingang ohne Rezeption, und ab 16 Uhr, und erst recht am Wochenende, ist da sowieso kaum noch jemand. Wo kein Kläger…) Wenn sie denn mit dürfen, dann sind es aber Vier-Sterne-Hotel-Preise. Apropos Geld, nimm einiges mit. Für viele Bastelangebote wird ein Materialpreis verlangt, hier ein Euro für eine Tasche zum Sammeln der Kinderkunstwerke, dort fünf Euro für eine Kinderkutschfahrt (von der Betreuung organisiert), dann möchte man vielleicht noch etwas Obst für abends oder Saft auf dem Zimmer haben (abends ab ca. 19/20 Uhr ist der Speisesaal zu – kein Essen mehr im ganzen Haus aufzutreiben; Saft gab es nur zum Frühstück), das Wochenende muß auch verplant werden – entweder mit eigenen Ausflügen oder geplanten, oder Spaßbad… Es haut rein, ohne daß man es merkt. Fernseher mieten kostet auch. Fahrräder mieten, Taxi, Bus…

    Apropos Essen/Trinken. Meist kann man vorher wählen, ob gesunde Kost oder „Vollkost“. Ich wußte vorher, daß ich absolut nicht auf Spinat, Vollkornnudeln, fleischlos stehe und habe daher die – ausdrücklich nicht empfohlene – Normalkost mit Fleisch gewählt. Wie haben mich meine Tischnachbarinnen darum beneidet. Wechseln konnte man nur wochenweise. Nur einmal, als ich vor dem Speiseplan stand und lieber einmal Ratatouille statt Kaßler gehabt hätte, mußte ich seufzen. Glücklicherweise tat eine andere Mutter den gleichen Seufzer, nur in die andere Richtung, und so haben wir kurzerhand für einen Tag die (mit Namen versehenen) Essenskarten gewechselt. Klappte bestens, alle zufrieden. (Die an der Essensausgabe lernen in drei Wochen eh nicht alle 60 Mütter mit Namen auswendig.)
    Man kann eine extra Flasche mit extra breitem Rand kaufen, die man an kostenlose Wasserspender halten kann. Normale Wasserflaschen passen da nicht drunter. GIbt es auch in Rehakliniken. Scheint überall das gleiche System zu sein.
    Normalerweise darf man aus den Speisesälen kein Essen mitnehmen, aber wenn man es nicht gar zu auffällig macht und es keine Auswüchse annimmt, drücken sie auch mal ein Auge zu, wenn man mal eine Banane oder eine Tasse Kaffee mitnimmt. Überhaupt ist der ganze Tag mit Essensterminen schon ziemlich verplant. Das ist man gar nicht mehr gewöhnt, so regelmäßig und so oft zu essen (beispielsweise täglich Vesper mit Kaffee und Kuchen, am Wochenende auch mal Torte oder Eis).

    Übrigens gibt es durchaus auch Vater-Kind-Kuren, manchmal mit extra Durchgängen nur für Väter, manchmal gemischt. Denn Du hast recht, die wirkliche Erholung hat er zuhause. (Hab ich mir bei dem Vater der fünf Kinder nämlich auch schon gedacht. Die Mutter wirkte nicht wirklich erholt oder entspannt. Immerhin hat er sie auch gebracht und abgeholt.)

    Möglicherweise ist die Kurbetreuerin auch so begeistert vom November, weil sie damit ihre Kliniken besser auslastet. Mir hatte man auch schon Broschüren in die Hand gedrückt von wegen besserer Abhärtung im Winter usw… Meine Kinder und ich sind aber ziemlich empfindlich auf Wind und dann sofort krank. Mir war schon der Wind im Mai kalt genug, und das Wasser erst… Wir waren auch prompt leicht erkältet, konnten es aber noch abbiegen mit viel Schlaf (und Mittagsschlaf für uns beide – btw, nimm Ohrstöpsel mit. Falls Du Pech hast, rasen die Teenies dann auf den Gängen rum und dann wirds auch nix mit Schlaf. Vielleicht aber auch Glück, ich habe sie nicht gebraucht.). Herbst/Winter hätte für uns drei Wochen Erkältung bedeutet. Meine kleine Wasserratte war (Ende Mai!) genau einmal im Meer und dann nicht wieder. Zum Glück hatte die Klinik noch ein kleines Schwimmbecken, in dem man auch ab und zu mal „Freies Schwimmen“ machen konnte.
    Ende Oktober kann man echt noch Glück haben mit dem Wetter, aber später?! Dann wird es auch früh dunkel, was oft Indoor-Aktivitäten bedeutet. Vorteil ist natürlich wirklich, daß wenig los ist.

    Die Genehmigung der Krankenkasse gilt meistens nur für 6 Monate (manche auch nur 3 Monate, hab ich mir sagen lassen). Nur mal so als Info. Und wenn Du eine Betreuung für die Antragstellung hast, ist die Gefahr einer Ablehnung wirklich sehr gering. Mit denen legen die Kassen sich nicht gern an, weil sie wissen, daß die Ahnung haben und ihre (bzw. Deine) Rechte kennen und auch sofort in Widerspruch gehen würden.
    Jede Kurantragsbetreuung hat so ihre Kliniken, mit denen sie kooperiert. Falls Du aber dort keine mit passenden Zimmern findest, kannst Du auch eine Klinik Deiner Wahl nehmen. Du hast das Recht dazu. Passende Indikationen sind natürlich immer wichtig.

    Mit dem eben-so-nachhause-fahren ist es aber nicht so leicht, das muß von einem dortigen Arzt oder Deiner Krankenkasse abgenickt werden (z.B eklatante hygienische Mängel, Personal dauerkrank – Anwendungen fallen aus, oder so in der Richtung). Ansonsten drohen sie Dir dort mit Selberzahlen. Ich habe das schon mehrfach gehört, aber auch ab und an das Gegenteil – wer jetzt Recht hat, weiß ich nicht. In meinem Vertrag, den ich dann von der Klinik bekam, stand jedenfalls etwas von Strafgebühr bei Nicht-Antreten (wenn ohne Grund; akute Erkrankung ist natürlich ok), und die war nicht wenig, je nach Kürze der Zeit. Daher kann ich mir gut vorstellen, daß man zumindest die nicht genutzte Unterkunft und Verpflegung bei vorzeitiger Abreise dann selbst zahlen müßte. – Erkundigen!

    Sei Dir auch absolut im Klaren, was Du möchtest. Ruhe und Entspannung, sprich wenige Anwendungen – oder endlich mal Sport machen, zu dem Du sonst nicht kommst. Ich mußte sehr insistieren, um aus dem Yoga-Programm herauszukommen (sorry, einfach nicht meins) und hatte am Ende immer noch zuviel „Programm“. Das war aber auch ein bißchen meine Schuld, denn ich wollte eher mehr den Sport und habe erst am Ende gemerkt, daß ich für die Entspannung zuwenig Zeit hatte. Immerhin eine Erkenntnis der Kur – Ich brauche sehr viel Zeit für mich selbst. Das war mir so vorher noch nicht klar. Andere klagten über zuwenig Anwendungen/Sport. Man kann zwischendurch auch immer zu den Ärzten und sich ein paar Termine streichen oder mehr geben zu lassen, das kommt dann auf den Arzt an, wie einfach das ist.

    Das klingt jetzt alles sehr stressig und blöd, aber grundsätzlich kann die Kur ein voller Erfolg werden und ich rate Dir auch absolut zu. Kläre eben alles ganz genau vorher ab und sei Dir der Besonderheiten bewußt (Wetter, Kinderbetreuung, Schlaf, Unterkunft). Wenn Du weißt, was auf Dich zukommt und das für Dich ok ist, kannst Du die Kur voll genießen. Viele, die meckern, haben solchen Sachen eben nicht vorher gewußt und waren dann dementsprechend genervt. Daher meine ausführlichen Schilderungen. Ich finde, das sollten alle Kliniken vorher so ausführlich tun, aber die haben eben auch Wettbewerb und schildern nur die schönsten Seiten. Meine Kurklinikinfoseite, von der ich letztens berichtet hatte, war übrigens kurtipps.de. Die Suchfunktion ist nicht so gut, der Index scheint nicht richtig zu funktionieren. Also wenn Du z.B. einen Ort eingibst, findet es nicht alle Kliniken von dort. Dann nochmal mit Namenssuche versuchen, oder sich durch die neuesten Berichte durchwurschteln wie ich. Aber ich denke, mit all dem Wissen kann bei Euch nix mehr schiefgehen 🙂 Ich fand meine Kur toll und wünsche Euch das Gleiche!

    Gute Nacht! (Eigentlich wollte ich bloß kurz was wegen der Schule schreiben… aber dann kam ich in Fahrt…)

    Gefällt mir

    • Hey Anna,
      Danke für den Hinweis.
      Ich habe das Thema Zimmer bereits der Kurberatung mitgeteilt und die hat es als Kriterium mit aufgenommen.
      Ich finde es einen wichtigen Bestandteil der Kur.
      Und um 20 Uhr ins Bett gehen sorgt bei mir nur für Schlafstörungen … da werde ich dann nachts für zwei Stunden wach…
      Liebe Grüße😊

      Gefällt mir

Kommentar verfassen: Schreib uns etwas dazu - wir freuen uns!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s